Vertrauensfrage

GeschichteKrimi / P16
28.02.2008
28.02.2008
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Die drei Hauptfiguren aus der TV-Serie "Die Profis" gehören nicht der Autorin der Geschichte.


Vertrauensfrage
                    
          
Die Tür zu Cowleys Büro sprang auf und ein wütender Doyle stapfte hinaus. Er hatte weder Lust noch Nerven sich umzudrehen um seinem Partner in die Augen zu sehen.
-Bodie lachte nur
“Na, das war´s doch wert!”, grölte er. “Ich hab ihn schon lange nicht mehr so toben sehen. Es ist immer wieder göttlich!” Er stockte. “Ist was mit dir Ray? Du bist doch sonst nie so angenöselt, nach einer bei nahe tracht Prügel-”
“Ach sei still!”, unterbrach Doyle ihn ruppig und schritt weiter. “Dieses mal kann ich wohl kaum darüber lachen! Immerhin hat er mir mit endgültiger Suspendierung gedroht- hättest du nicht einfach deine Klappe halten können?”
“Meine Klappe?”, hakte Bodie nach. “Wieso meine Klappe? Was hab ich denn gesagt?”
Doyle drehte sich ruckartig um und funkelte ihn sauer an.
“Du bist der Einzige, der weiß dass ich bei unserem letzten Einsatz gegen die Regeln verstoßen habe! Es hätten hunderte Menschen drauf gehen können was -Gott sei Dank- nicht der Fall war!” Bodie verschränkte die Arme und sah ihn an wie ein bockiges Kind. “Also habe ich Schuld oder was?!”
“Wer denn sonst?!” Ray deutete auf Bodies verletzten Arm. “Du hast immerhin meinet wegen etwas abbekommen und willst mir jetzt eins Auswischen, indem du Cowley die Aktion gepetzt hast!”
“Jetzt mach aber mal nen Punkt Ray!!”, verteidigte sich der Geschädigte und baute sich vor seinem Partner auf. “Nenn mir einen Guten Grund WARUM ich das getan haben soll! Du bist immer noch mein Mitstreiter und hast mir nie einen Grund dazu gegeben dich auszustechen!”
“Was weíß ich?! Du bist jedenfalls der Einzige der es gewusst hat! Niemand anderes hätte Cowley das erzählen können, also behaupte nicht, du warst es nicht!!”

Nach dieser Auseinandersetzung merkten sie, dass alle Mitarbeiter um sie herum Ihre Arbeit unterbrochen hatten, um ihnen beim Streiten zuzuhören. Doch nach Beendigung dieser Debatte nahmen sie sie schnellst möglich und als wäre nichts passiert wieder auf.
Doyle wirbelte herum und zog von dannen, ließ dabei einen völlig verwirrten Bodie zurück.
“Ist alles in Ordnung mit euch beiden?”, die leise Frauenstimme ließ Bodie aus den Gedanken kommen, er versuchte sie anzulächeln.
“Schon gut, Betty.”, beruhigte er sie. “Das kommt öfters mal vor.”
“Aber in letzter Zeit öfter als sonst”, bemerkte sie und wandte sich zum gehen ab, als sie nun auch böse angestarrt wurde.
Den Kopf voller Gedanken schlenderte Bodie durch den Korridor und drückte auf dem Fahrstuhlknopf herum. Mit wenig Erfolg, da dieser nach wie vor nicht funktionierte.
Kurz schlug er in voller Wut dagegen, um dann doch die Treppe zu nehmen.

Doyle betrat die Straße und holte einmal tief Luft. Für einen Moment dachte er darüber nach, was er seinem Freund gerade alles an den Kopf geworfen hatte und glaubte es nun doch zu bereuen. Er schüttelte seinen lockige Kopf und versuchte sich das Gegenteil einzureden. >Nein< dachte er sich. >Das war alles berechtigt! Er hat mich verraten und es hätte schlimmes passieren können. Ich habe nur Glück gehabt, dass Cowley mich nicht gleich umgelegt hat.< Ray seufzte laut, setzte sich in seinen Wagen und fuhr nach Hause.
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Alles verlief wie ein Alptraum für Bodie. Seit Wochen haben er und Ray nun nicht mehr richtig miteinander gesprochen, dabei hatte er sich wirklich nichts zu Schulden kommen lassen. Dass sein Arm bereits verheilt war, spendete ihm wenig Trost.  Jeder weitere Versuch sich mit ihm auszusprechen endete in einem neuen Streit, es gab einfach keine Möglichkeit an Doyle heranzukommen.

George Cowley betrat den Saal, der mit Mitarbeitern des CI-5 gefüllt war und checkte kurz die Anwesenheit. Auch ihm war die Auseinandersetzung seiner besten Männer aufgefallen. Während der letzten Trainingseinheiten funktionierten sie als Team einfach nicht mehr. Jeder kleine Fehltritt wurde in einer heftigen Diskussion sofort aneinander bemängelt. Erst kürzlich verschwand Bodie mitten in einer wichtigen Vorbereitung einfach, mit der Begründung: ~er habe noch etwas auf dem Herd stehen.~
Über den Rand seiner Brillengläser beäugte Cowley die Beiden kritisch und bemerkte, dass sie weit auseinander gerückt waren.
“Also dann!”, begann er, stellte sich nach vorn an die Magnettafel und räusperte sich kurz. “Euer heutiges Fitnesstraining wird wie üblich verlaufen, mit einem kleinen Anhang!” Nach Beendigung dieser Ansage brach Getuschel aus- Jeder fragte sich was mit diesem Anhang gemeint sein könnte. Unter üblichem Training wurde ein Meilenlauf, Situps, Klimmzüge, sonstiges dergleichen und das trainieren von Ausnahmesituationen verstanden. Was also konnte sich George Cowley noch  einfallen lassen haben?
“Nein, keine Sorge!”, beruhigte er die Menge, als er bemerkte dass der ein oder andere seine Stirn in Sorgenfalten legte. “Es ist lediglich ein Vertrauenstest! Ihr fasst euch in die üblichen Zweierteams. Einer von euch lässt sich rückwärts von einem ein Meter hohen Sockel in die Arme des Partners fallen! Das ist alles!”

Dieser Test war Ideal für Cowley um zu sehen, was sich wirklich zwischen Doyle und Bodie tat. Denn als Cowley, die Kuh den Saal betreten hatte, war dieser Test noch nicht vorgesehen. Die Idee kam erst, als er die beiden sah, wie sie in jeweils andere Richtung gedreht, saßen. Zudem konnte er auch noch bei sämtlichen CI-5 Agenten sehen, wie es mit dessen Vertrauen stand.- Das war mit Abstand das Wichtigste: Das Zusammenspiel des Teams.
Vor ihm erstreckte sich eine Reihe an 1Meter hohen Sockeln. Auf jedem befand sich -bereit zum fallen lassen- ein Teamteil.
George hatte verfügt, dass Doyle der jenige war der oben stehen sollte- auf Grund des Größen- und Kraftverhältnisses zu Bodie.
Jeder war darauf gefasst, dass der Sturz so oder so schmerzhaft ausgehen würde, immerhin war ein Meter hoch und die Wahrscheinlichkeit, dass Ihr Teamkollege sie vollständig auffangen könnte, mehr als gering. Zumindest war es die Aufgabe des untenstehenden dafür zu sorgen, dass er sich wenigstens nichts bricht. Ja. Darin waren sich alle einig. Ein Meter war einfach übertrieben, normal auf dem Boden zu stehen hätte es auch getan.
George Cowley erhob seine Stimme-
“Auf mein Kommando lasst ihr euch fallen, verstanden?!”
Ein gemeinsames “Ja” ließ ihn wissen, dass sie bereit waren.
“Also Gut! Runter mit euch!”

Bodie schossen plötzlich tausende Gedanken durch den Kopf.
Insbesondere diese: >Lässt Ray sich fallen oder ist unser Vertrauen -wegen so einer Kleinigkeit, sogar eines Missverständnisses- wirklich vorbei? Was aber wenn er sich fallen lässt? Sollte ich  nochmals versuchen mich zu entschuldigen oder würde es wieder auf einen Streit hinauslaufen? Was aber sollte ich tun, wenn Ray sich nicht fallen lässt? Was wäre wenn…?”
Es war bereits gelaufen. Sämtliche Männer hatten sich fallen gelassen.
Doch Ray stand noch immer oben und rührte sich nicht.
“Doyle! Was machen sie da oben, verdammt noch mal! Runter da aber sofort!”, brüllte Cowley außer sich, als könne er nicht fassen, dass er es nicht getan hat.
Bodie vergaß für einige Zeit zu atmen. In diesem Moment wollte er einfach nicht wahr haben, was geschah. Ihm wurde schlecht, er hatte keine Ahnung wie es jetzt weiter gehen sollte. Es war viel schmerzhafter, als er es sich eingestehen wollte. Viel schmerzhafter als alles was er bisher erlebt hatte- er konnte sich nicht mal erklären, was mit ihm selbst los war.

Doyle kämpfte mit sich... Er war sich nicht sicher was er tun sollte. Er war überzeugt, dass Bodie ihn auffangen würde. Doch in diesem Falle ging es ihm darum nicht , sondern um zu zeigen, dass ihr Vertrauen erschüttert war. Es war egal worum es ging- er würde es nicht tun.
Er drehte sich um und stieg langsam hinab ohne in die Augen seines Partners oder in die von Cowley zu sehen.
-Es schien wirklich vorbei.
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Doyle nickte nur, als Cowley ihm die Nachricht überbrachte. Es wurde beschlossen sie als Team zu trennen und anderswo unterzubringen. Bodie war zu dieser  Besprechung gar nicht erst erschienen. Er war noch auf dem Trainingsplatz und durchlief den Parcour immer und immer wieder. Cowley hatte ein Ärzteteam beauftragt in seiner Nähe zu bleiben, da es wohl nur noch eine Frage der Zeit war bis er zusammen brechen würde.
Da diese Anweisung vor Doyles Augen erfolgte, spürte Cowley doch irgendwie, dass Ray den Drang hatte so schnell wie möglich dorthin zu gelangen, um Bodie diesen Quatsch auszureden.
Ja, da war er sich sicher. Bodie war Doyle bei weitem nicht egal. Es ließ ihn mit Sicherheit nicht kalt, was mit ihm geschah.
“Sie können gehen, Ray. Das war fürs erste alles.”, sagte er leise und sortierte die Papiere auf seinem Schreibtisch. Als Doyle sich erhob, öffnete sich die Tür hinter ihm und Betty steckte ihren Kopf ins Büro.
“Einen guten Riecher hatten sie da, Mr. Cowley.” sagte sie und versuchte Ray nicht anzusehen. “Agent 3-7 wurde soeben eingeliefert, allerdings nicht, weil er schlapp gemacht hat, wie sie befürchteten.” Doyle wurde hellhörig.
“Und was war?”, fragte George besorgt.
“So wie ich das mitbekommen habe ist er gestürzt.”, fuhr sie fort. “Ich denke einer der Steine wird bei diesem Wetter recht nass und rutschig gewesen sein! Ich glaube er hat nur ein paar Prellungen und es besteht Verdacht auf eine Gehirnerschütterung. Mehr weiß ich noch nicht, tut mir leid, Sir.” Cowley winkte ab. “Nein, nein schon gut. Danke, Betty.”
Sie nickte kurz und verließ den Raum wieder.

Doyle war bei dieser Nachricht das Herz in die Hose gerutscht. Er machte sich wahnsinnige Sorgen um seinen Freund, doch er hatte sich wie ein Arsch benommen- das war ihm jetzt klar. Ihn selbst hatten bereits Zweifel beschlichen, dass es Bodie war, der ihn verpetzt hatte aber er war zu stolz gewesen in diesem Streit nachzugeben. Wie sollte er sich nun verhalten? Er wusste es nicht-

Ray eilte durch die Korridore um zur Krankenstation zu kommen. Ob er gesehen wurde oder nicht war ihm inzwischen völlig egal. Er griff die erste Schwester auf, die ihm über den Weg lief um sich nach Bodies Zustand zu Informieren. “Ah ja!”, sagte sie gleich und wühlte in einer der Krankenakten herum, die sie bei sich trug. Sie öffnete eine und gab ihm seine Auskunft. “Der Verdacht auf Gehirnerschütterung hat sich -Gott sei Dank- nicht bestätigt. Aber ein paar seiner Rippen sind geprellt- das wird einige Zeit dauern, bis er wieder auf dem Damm ist.” Doyle atmete erleichtert auf, bedankte sich rasch und bat die Dame um Stillschweigen über diese Auskunft.
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Nach  bereits einer halben Woche hatte sich Doyle in das neue Team relativ gut eingefügt. Er spürte jedoch, dass er nicht in der Lage schien mit diesen Menschen zusammen sein volles Potential zu nutzen. Das Training und die Einsätze mit Bodie zusammen fehlten ihm- “Doyle, kommen sie sofort mit ihrem Team in mein Büro!”, wies George Cowley vom Rande des Übungsplatzes an und ging voran.
Ray hatte keine Ahnung was genau anstand, doch wenn er ein ganzes Team rief, dann war es nur zur Kritisierung oder für einen Einsatz.  Als sie sein Büro betraten, hatte Cowley bereits Strafakten und Fotos vor sich ausgebreitet. Es handelte sich also tatsächlich um einen Einsatz.
Ihnen wurden Einzelheiten über die Personen, ihre Aktivitäten und Aufenthaltsorte gegeben. Es handelte sich um eine Terroreinheit aus dem Osten Europas- nur dass sie nicht wie gewöhnliche Terroristen darauf aus sind Konferenzen oder Veranstaltungen in die Luft zu sprengen, diese waren ebenfalls als überaus sadistisch bekannt. Sie waren zu fünft, gegebenenfalls zu sechst. Das war von Anschlag zu Anschlag unterschiedlich. Doch von einem zuverlässigen Informanten hatten sie die Bestätigung von fünf Männern.
“Sir!”, bemerkte Doyle. “Wenn es fünf sind- warum zeigen sie uns dann nur Informationen über vier dieser Terroristen?”
“Die Fragen will ich ihnen beantworten, Gentleman: Der fünfte Mann ist nie Identifiziert worden!”, gab Cowley an.
Ray ergriff das Worterneut. “Und wie sollen wir wissen wer der fünfte Mann ist? Wir können kaum alle Menschen dort festnehmen!”
“Ich verstehe Ihre Sorge, Doyle und sie ist durchaus gerechtfertigt.”, verlautete George und nahm seine Brille ab. “Aber ich bin mir sicher, ihr werdet ihn von allein erkennen. Da vertraue ich ganz und gar auf sie!”
>Na toll.< dachte sich Ray und hatte das Bedürfnis seinem aufsteigenden Ärger Luft zu machen. >Das passt ja mal wieder wunderbar. Als ob es mir nicht schon scheiße genug ginge. Jetzt darf ich mich auch noch ohne Bodie mit irgendwelchen Psychopaten herumschlagen.<
Dieser Gedanke schlug ihn erneut nieder. Es war viel schwerer sich mit ihrer Trennung auseinanderzusetzen, als er dachte. Er hatte nicht das Gefühl, dass es gut verlaufen würde. Bodie war immer der einzige gewesen auf den er sich verlassen konnte. Doch er war nicht da.

“Der Zugriff wird wie nach Absprache erfolgen!”, beendete Cowley den Vortrag und wandte sich zur Truppe. “Es darf nichts schief laufen, sonst wird es ein Massaka  geben! Ich hoffe Ihr seid euch dessen bewusst! Ich weiß es wird nicht leicht werden und der Zugriff im 3ten Stock eines bewohnten Hauses macht es noch schwieriger.”
Er erhob sich. “Ich wünsche ihnen allen viel Glück! Und enttäuscht mich nicht!”
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Bodie schlich durch die Flure der Krankenstation, in der Hoffnung nicht erwischt zu werden. Ihm wurde noch immer Bettruhe verschrieben, doch er hatte keine Lust die ganze Zeit nichts zu tun. Er wollte im Moment nichts anderes als Ray sehen. Er hatte ihn seit des Vertrauenstestes nicht mehr gesehen. Das hielt er nicht länger aus. Er wollte jetzt für klare Verhältnisse Sorgen. Auch wenn das bedeutete, dass er sich für etwas entschuldigen würde, was er nicht getan hatte.
Bodie hatte sich frische Kleidung besorgt und wollte nun von der Station zu Cowleys Büro, was sich alles andere als leicht erwies. Die nervige Stationsschwester hatte bereits zwei Augen auf ihn geworfen, nachdem er das achte mal versuchte auszurücken. Wie im Training schlich er mit dem Rücken zur Wand Richtung Ausgang- warf einen vorsichtigen Blick um die Ecke und sah die Frau.
Einen Moment wartete er ab, bis sie ihm den Rücken zudrehte, rannte los und schaffte es ohne gesehen zu werden durch die Tür.

Cowley drehte sich mit einer Menge Papierkram in der einen und einer Tasse Kaffee in der anderen Hand durch seine Bürotür und schmiss alles erleichtert auf den Tisch, bevor er fast mit einem Herzinfarkt zurückschreckte und der Kaffee sich im halben Rum verteilte. Unter seinem Tisch hockte Bodie und schielte zu Cowley auf.
“Was um Himmels willen machen sie denn da?!”, brüllte George aufgebracht und fasste sich ans Herz. “Mich verstecken.” gab Bodie knapp zurück und visierte die Tür an. “War diese Schreckschraube in der Nähe?”, fragte er direkt danach.  
“Herr Gott, was für eine Schreckschraube Bodie?”, keifte Cowley immer noch sauer.
“Diese Weibsschwester ist eine Kröte!”, erläuterte er mehr als unhilfreich. “Die Schnepfe hat mir angedroht mich ans Bett zu fesseln-”
“Und ich kann ihr nur Beipflichten!”, platzte sein Gegenüber heraus. “Sie sollten noch immer im Bett sein! Sie sind noch nicht Genesen!”
“Wo ist Doyle?”, fragte Bodie endlich.
“Was?”
“Ray! Wo ist Ray? Ich kriege bald die Krise, wenn ich mich nicht mit ihm aussprechen kann.”
Cowley wischte mit einem Taschentuch seinen Schreibtisch vom Kaffee sauber, bevor er auf dessen Rand platz nahm und Bodie deute sich ebenfalls ordentlich zu setzten. “Was war das eigentlich zwischen ihnen? Doyle hielt es nicht für nötig mir zu erklären und sie sind ja erst gar nicht erschienen.”
“Er wirft mir vor ihn hintergangen zu haben.”, seufzte Bodie und ließ sich weiter in den Sessel sinken. “Er glaubt, dass ich ihnen von seinem Regelverstoß während des Einsatzes berichtet habe, weil sie ihn suspendieren wollten.”
Cowley legte seine Stirn in Denkfalten und sah seinen Gegenüber an. “Er hat gegen die Regeln verstoßen? Und das erfahr ich erst jetzt?!”
“Wie, erfahren sie erst jetzt?”, wiederholte Bodie überfordert. “Das war doch der Grund, warum sie ihm mit Suspendierung gedroht haben oder nicht?”
“Ich habe ihm mit Suspendierung gedroht, weil ich dachte er könne nicht auf sie aufpassen! Falls sie es noch nicht bemerkt haben sollten: Ich drohe ihnen beiden ständig damit! Warum ist er also auf den Trichter gekommen, sie hätten ihn verpetzt?!”
“Was weiß ich denn?!”, fauchte Bodie gereizt und setzte sich gerade auf. Die Tür zum Büro flog auf und er war schneller unter dem Schreibtisch verschwunden, als Cowley gucken konnte. Die Stationsschwester, die Bodie verfolgte stand im Rahmen.
“Wo ist er?!”, polterte sie und sah sich hektisch um. “Wer?” Cowley lächelte sie freundlich an.
Ein grummeln war von ihr zu hören, ehe sie sich für die Störung entschuldigte und ihn wieder allein ließ.
“Detektive würden gegen diese Nase echt abloosen.”, beschwerte sich jemand unter dem Schreibtisch. “Die findet einen früher oder später überall, die ist echt ne Plage! Kein wunder, dass diese Station so verschrien ist.” Bodie setzte sich wieder hin und nahm das Gespräch erneut auf. “Also, wo ist Ray? Jetzt können sie ihm ja selber beibringen, dass ich ihn nicht verraten habe-”

“Genau genommen haben sie das gerade.”, feixte sein Chef und erhob sich vom Tisch, als er Bodies entnervtes Gesicht sah.
“Ich hab das nie gehört. Also. Ich habe Doyle mit seinem Team im Einsatz und-”
“Sein Team?”, bemerkte Bodie erschrocken. “Wir sind das Team! Was soll das?!”
“Tja, hätten sie es für nötig gehalten zur Besprechung zu kommen, wüssten sie es jetzt. Es ging nun mal nicht weiter mit ihnen., also musste ich sie trennen. Aber zu ihrer Beruhigung: Ich bin mir sicher das ist ihm genau so nahe gegangen- mal abgesehen davon, weiß ich, dass er sich nach ihrem Sturz beim Parcour nach ihnen erkundigt hat.”
Diese Nachricht ließ Bodie spüren, wie ihm ein Stein vom Herzen fiel. Und dem Gefühl nach zu urteilen, war es ein sehr großer Stein. Er konnte jetzt trotz seiner Rippenschmerzen wirklich behaupten, dass es ihm besser ginge.
“Was für ein Einsatz-”
“Osteuropäische Terroristen. Was typisches eben.”, beantwortete Cowley seine Frage, als erneut die Tür auf ging. Dieses mal stand Betty  im Büro und sah ziemlich blass aus.  
“Ist was passiert?”, fragten beide wie aus einem Munde. Die Sekretärin fing sich nur langsam wieder und begann zu berichten.
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Bodie wusste, dass der Fahrstil seines Chefs etwas gewöhnungsbedürftig war. Er selbst fuhr höchstwahrscheinlich nicht besser, doch als Beifahrer in so einer Situation bekam man das Ausmaß erst richtig zu spüren. In jeder engeren Kurve, die Cowley nahm, brach der Wagen hinten aus. Und trotz dessen waren sie für Bodies Geschmack noch viel zu langsam.
Die letzte Zeit war ein einziger Alptraum für ihn. Er bekam nie die Möglichkeit sich mit Doyle auszusprechen und wenn, endete es in einer noch größeren Auseinandersetzung.  Und er wusste, dass er nicht unschuldig war. Von Anfang an hätte er klar stellen müssen, was das Problem gewesen war… Sein bester Freund schwebte womöglich in Lebensgefahr, wenn er nicht schon tot war.
Je länger Bodie darüber nachdachte, umso schlechter wurde ihm, als er sich an Bettys Worte erinnerte.

~“Es tut mir leid Sir, aber ich habe gerade schlechte Nachrichten erhalten.” waren ihre ersten Worte und Bodie hatte sofort ein ungutes Gefühl. “Die osteuropäischen Terroristen haben sich soeben hier gemeldet.- “Sie hier gemeldet?“, fragte Cowley irritiert.“
“Sie lassen ausrichten, dass der Plan des CI-5 kläglich gescheitert sei und sie bereits drei unserer Männer getötet haben!” Plötzlich verspürte Bodie das Bedürfnis sich zu übergeben.
“Sie sagten auch sie würden einen als Geisel halten. Und wen wir ihn zurück haben wollen… sollten wir kommen und ihn fordern.-”
“Wer?! Wer ist es?! Wer ist die Geisel?! Wissen sie es??”, platzte es aus Bodie heraus, als er es nicht mehr aushielt. Cowley schien seine Sprache verloren zu haben und stand nur leichenblass da. “J-Ja.”, beantwortete Betty mit zitternder Stimme. “Sie wussten scheinbar ganz genau, wen sie töteten und wen sie am leben ließen.”
“WER!?”, wollte Bodie brüllen, doch seine Stimme erstickte vorher.
“Wenn man ihnen glauben schenken kann, halten sie 4-5 als Geisel.”
“Ray-”, entfuhr es Bodies Lippen. Er schlug die Hände vor sein Gesicht und sackte auf dem Boden zusammen. Die Mischung aus Angst, Hoffnung, Zweifel und Anspannung hatte ihn völlig übermannt und nun noch das Wissen dass sein bester Freund noch lebte… noch!  Cowley riss sich aus seiner Erstarrung und eilte zu Bodie um ihn aufzuhelfen. “Komm schon! Wir fahren hin. Wir fahren hin!”~

“Meinen Sie wir kommen noch rechtzeitig?”, fragte Bodie zitternd.
“Hör auf so schwarz zu malen!”, ermahnte George ihn scharf. “Natürlich werden wir das! Wir hauen ihn da schon irgendwie raus!”
Cowley hörte Bodie schluchzen. “Beruhige dich.”, flüsterte er ihm zu, als er sah, dass Bodie nicht mehr an sich halten konnte und erbärmlich weinte.
“Wenn er jetzt drauf geht ist es meine Schuld!”, fluchte der Jüngere und presste seine Fäuste in den Schoß. Seine Tränen rannen sein Gesicht hinab und tropften auf seine Kleidung. “Ich bin so ein Idiot!!”
“Nein sind sie nicht!”, protestierte Cowley, der sowieso schon angespannt genug war und mit Bodies Gefühlsausbruch völlig überfordert schien.
“Doch, das bin ich! Ich konnte mich nicht mal verabschieden! Und das alles nur, weil ich es ihm von Anfang an nicht richtig erklärt habe!” Unter all dem Schluchzen fiel es Bodie schwer Luft zu bekommen.
“Wir waren alle drei Stur!”, bemerkte Cowley, griff nach Bodies Hand und drückte sie. “Das wird jetzt kein Trost sein.”, begann George und versuchte weitestgehend normal zu klingen. “Wenn jemand schuld sein sollte dann wir alle! Ihr hättet euch aussprechen sollen- und ich hätte mich direkt mit eurem Problem befassen müssen! Das solltest du bedenken, bevor du alle Schuld auf dir Ablädst!”
“Das hilft uns auch nicht Ihn zu retten! Also ist es in der Tat kein Trost.”, murmelte Bodie und sackte noch mehr in sich zusammen. “Was soll ich denn machen wenn er stirbt…?!” Er konnte nicht mehr atmen. Er versuchte es mit gerade hinsetzen und anderen Sitzpositionen, doch es half nichts. Er knickte nach vorne- stützte sich auf seine Hände und rang nach Luft.
“Bodie, du darfst nicht hyperventilieren. Du musst dich entspannen-”
Er hörte ihn kaum und für einen Moment glaubte Bodie er müsse ersticken. In der nächsten Sekunde spürte er wie Cowley eine Vollbremsung vollzog und ihn quer durchs Auto zu sich herüber zerrte um seinen Kopf zu überstrecken. Die andere Hand ruhte auf Bodies Brustkorb und gab mit einem  leichtem Druck an, wie schnell er atmen sollte. Dieses war auf Grund der Prellung nicht sehr einfach.
“Beruhige dich- komm schon. Wenn du jetzt schlapp machst, verurteilst du womöglich noch Ray.” Bodie war dankbar dafür, dass sie drei ein solch gutes Verhältnis zueinander hatten. Es könnte um so vieles schlimmer sein. Langsam beruhigte sich seine Atmung und er spürte, wie er wieder voll bei Bewusstsein war.
Cowley startete den Wagen wieder und setzte die Fahrt fort. Bodie kurbelte das Fenster etwas hinunter und steckte seine Nase in den Wind. Sie hatten Zeit verloren- es blieb nichts übrig als das Beste zu hoffen und zu beten.
In Gedanken sagte er immer wieder: >Halte durch Ray! Wir holen dich nach Hause!<
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Je mehr er versuchte sich zu bewegen, umso größer wurde der Schmerz, den die Fesseln um seine Handgelenke auslösten. Doyle spürte eine warme Flüssigkeit seine Schläfe herab laufen, welche er, auch ohne sie zu sehen, als Blut identifizieren konnte.
Einer der Terroristen hatte ihm, noch bevor irgendetwas zu Stande kam, mit einem Schlagring übel zugesetzt.
Doyle konnte es sich nicht erklären. Es war als hätten diese Leute alles vorher gewusst. Die Tatsache, dass der CI-5 kommen würde, wie viele es sind, ihre Taktik- einfach alles.
Waren sie verraten worden? War es nur Zufall?
Ray sah sich in dem Raum um. Er befand sich mit zwei der Terroristen, die er von den Fotos aus Cowleys Büro her kannte, zusammen im Wohnzimmer. Einer von Ihnen war wie ein Schrank- er hatte ein mindestens zwei mal so breites Kreuz wie Doyle und war ungefähr einen Kopf größer. Er stand jetzt direkt neben ihm und sah stark danach aus, jemanden verprügeln zu wollen.
Dieser Typ war es, der Ray einen mit dem Schlagring mitgegeben hatte. Und obwohl sie teils Araber und Deutsche  waren, nannten sie sich für die Länder bei untypischen Namen.

“Michael! Komm nicht auf dumme Gedanken. Du weißt, was der Chef gesagt hat.”, ertönte es von der Couch. Der Andere im Raum war vielleicht nur halb so groß und machte nicht den Eindruck jemals etwas schlimmes getan zu haben. Er spielte mit einer Öllampe und einem Zippo herum- ein Pyromane, schätzte Ray. Aber er wirkte nicht wirklich berechenbar. Wenn die Informationen stimmten, war er der Bombenspezialist.

Doyle ließ den Blick über den Boden schweifen- um ihn herum lag sein Team. Doch sie waren alle tot. Es war kein sehr schöner Anblick- einen hatten sie geradezu durchlöchert mit Messerstichen und dem Anderen hatten sie das Gesicht weggeschossen. Ray wünschte sich das dritte Teammitglied erst gar nicht gesehen zu haben. Bei ihm nutzten sie Dumdumgeschosse- sein Leichnam war geradezu zerfetzt. Ray unterdrückte das Würgegefühl bei dem Anblick.

Einen kurzen Augenblick lang dankte er Gott, dass Bodie nicht dort war, sondern in Sicherheit. Bodie… Er fragte sich wie es ihm wohl gerade ging. Ob er bereits wusste, dass er in der Klemme steckte oder mit seinen geprellten Rippen noch immer auf der Krankenstation bei dieser furchtbaren Schwester, die ihn immer gerne tyrannisiert.
Als Doyle es sich bildlich vorstellte musste er schmunzeln und im selben Augenblick wünschte er sich nichts sehnlicher, als dass Bodie bei ihm wäre- nicht in dieser Situation. Sondern einfach nur da um ihn nach Hause zu holen. Wiederum hoffte er inständig, dass Bodie nichts von alle dem wusste. Er wollte nicht, dass sein bester Freund sich solche Sorgen machte. Insofern er sich nach Rays Auftritt noch um in sorgen würde.

Der Riese Michael ging in die Hocke um in Doyls Gesicht sehen zu können. Wenn man ihn so ansah würde man nicht auf die Idee kommen, das er ein Massenmörder war.
“Während du “weg” warst haben wir für dich beim CI-5 angerufen und bescheid gesagt, was euer Versagen betrifft.”, sagte er und lächelte kalt. “Ich denke die sind echt so blöd und kommen her um dich einzufordern. Das wird ein grandioses Blutbad werden.”
“Ihr seid widerlich-”, entgegnete Ray, doch bevor er zu ende gesprochen hatte, packte der Mann ihm am Haarschopf und riss ihn hoch. Doyle versuchte einen Schmerzensschrei zu unterdrücken- ohne Erfolg.
“Pass auf, du kleine Made!!”, brüllte der Araber scharf und drückte ihm ein Messer an die Kehle.
“Nun beruhige dich.”, ertönte eine helle Stimme von hinten. Eine junge Dame trat aus der angrenzenden Küche und musterte Ray gründlich. Er schätzte sie auf ungefähr 28 Jahre. Sie schien sehr viel Einfluss auf diese Männer zu haben.
“Nun lass ihn schon runter!”, ermahnte sie Michael und schritt mit einer Waffe auf Doyle zu. Ihrem Akzent nach zu urteilen war sie Amerikanerin.
“Wir brauchen ihn noch, bis seine Leute hier eintreffen. Immerhin hatte ich eine offizielle Hinrichtung geplant.”
“Hinrichtung?! Soll das heißen ihr hattet nie vor etwas in die Luft zu sprengen?”, fragte Ray völlig irritiert.
“Nein, in der Tat nicht!”, lachte sie kühl. “Genau genommen gilt dieser ganze Aufwand nur deinem Freund George Cowley hmm… ach und sagen wir auch noch deinem Kumpel William Bodie!” Ihre Miene verfinsterte sich.
“Cowley hat mir schon oft genug einen Strich durch die Rechnung gemacht. Jetzt möchte ich, dass es ihm Leid tut, weil ich einen seiner besten Leute umlege. Und das ist ja noch nicht alles, ein Freund bist du ja auch noch.”
“Und warum Bodie?!”, protestierte Ray und zerrte an seinen Fesseln, die er am liebsten zerrissen hätte vor Wut, doch diese schnitten ihm nur ins Fleisch.
“Warum nicht? Ihr seid alle gut befreundet. Das bietet sich doch geradezu an. Und geteiltes Leid ist halbes Leid finde ich- du nicht auch-?” Doyle unterdrückte seine Tränen, die sich aus Hass über sich selbst anstauten.
“Du Miststück-” Die junge Frau schlug mit ihrer Schusswaffe kraftvoll in seinen Magen. Ray krümmte sich vor Schmerzen, er röchelte und spie dabei etwas Blut aus.
“He, he, he! Pass auf wie du mit dem Menschen sprichst, der dein Leben in der Hand hält! Ich könnte meinen Plan auch jede Sekunde ändern, wenn ich wollte. Dann bist nicht nur du dran, dann leg ich deinen Freund gleich mit um! Oder ich erspar mir deine frechen Bemerkungen und knall dich sofort ab!” Sie zielte ohne zu zögern auf Rays Kopf und drückte ab.

Ein lautes Klicken ertönte- Doyle schreckte zusammen- nichts geschah. Die Waffe war nicht geladen.
Sie lachte und warf ihr kupferfarbenes Haar selbstgefällig hinter die Schulter.
“Wie du siehst” prahlte sie, zog ein gefülltes Magazin aus ihrer Westentasche und lud ihre Pistole, “bin sehr wohl in der Lage mit dem Ding umzugehen. Ihr habt einen meiner Männer getötet. Aber ich habe vor euch alle auszulöschen.”
Ein weiterer Mann trat aus der Küche hinzu. Er war recht groß und machte einen sehr gerissenen Eindruck. Seine schulterlangen Haare hingen ihn fast vor den Augen, dass man nicht annehmen würde, dass er gut sehen kann. Dieser Mann war ein Deutscher aber hörte auf den Namen Chester Merowk, er war der Scharfschütze.
Nun waren alle im Wohnzimmer versammelt. “Sie sind da.”, sagte Chester knapp und schaute umher. “Wer alles?”, wollte die Frau genau wissen. “Es sind nur zwei. Das werden Cowley und dieser Bodie sein.”
“Großartig!”, flötete sie vollkommen begeistert und stürmte zurück in die Küche, um aus dem Fenster sehen zu können. “Rick, lass das gefälligst!”, brüllte der Scharfschütze plötzlich auf. Er sprach den Pyromanen an. “Wenn du die Bude anfackelst fliegen wir alle in die Luft!”, präzisierte er und deutete auf die kleinen Sprengkörper, die auf dem Tisch lagen.
“Und damit meine ich NUR wir! Falls es noch keinem außer mir aufgefallen ist, diese Kerle haben das Haus bereits evakuiert gehabt, als sie kamen!” Damit begab er sich in die Küche. Aber der Pyromane brüllte ihm nur hinterher: “Krieg dich wieder ein! Die schaffens gerade mal den ghalben Raum hier zu sprengen. Hehehe…”
“Ja, sie sind es! Cowley und Bodie, kein Zweifel.”, johlte die Frau herüber. “Deine Leute scheinen nicht zu wissen, was sie jetzt tun sollen… sie stehen einfach nur so herum.”
Doyle durchfuhr plötzlich Panik. Er versuchte sich einigermaßen aufzusetzen und begann zu brüllen: “BODIE, COWLEY! VERSCHWINDET, DAS IST EINE FALLE!!” Mehr brachte er nicht heraus. Mit dem Griff des Messers schlug Michael ihm ins Genick- nicht stark genug um das Bewusstsein zu verlieren aber genug um Handlungsunfähig zu sein.
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Als Bodie und George Cowley aus dem Auto stiegen, war es vollkommen still. Die Menschen der Umgebung wurden evakuiert aber es hatte sich auch nie jemand von weiter weg gemeldet, der Schüsse hörte.
“Möglicherweise benutzen sie Schalldämpfer.”, bemerkte Cowley und schlug die Wagentür zu. Bodie quälte sich mit seinen Schmerzen hoch und lehnte gegen das Autodach. Er blickte hinüber zu dem Gebäude in dem sich Ray derzeit wohl in Lebensgefahr befinden musste.
Für ein paar Sekunden war eine Gestallt am Fenster des dritten Stocks zu erkennen, sie verschwand aber so schnell, wie sie erschienen war.
Und dann glaubte Bodie eine Stimme zu hören- Rays stimme zu hören.
“Das ist Doyle!”, sagte er abwesend und torkelte auf das Gebäude zu. “Ich bin mir ganz sicher! RAY??!” Cowley rannte zu Bodie hinüber um ihn festzuhalten.
-Die Stimme verstummte.
“Was ist los? Ich kann ihn nicht mehr hören! RAY!!”
“Bodie hör auf!”, flehte George. “Du machst es vielleicht nur noch schlimmer!” Er spürte wie Bodies Körper vor Angst zitterte- er ließ sich einfach nicht beruhigen.
-Es öffnete sich ein Fenster und eine Frau spähte hinaus.
“Hey, George!”, flötete sie mit guter Laune und winkte, als wäre sie von einer langen Weltreise zurückgekehrt. “Schön sie wieder zu sehen!”
Alle Farbe war aus seinem Gesicht gewichen, als er sie sah.
“Rachel?! Du steckst dahinter?!”
“Wohl geraten, Chef!”, strahlte sie und lehnte sich weiter vor. “Gib´s zu, das hier hättest du mir nicht zugetraut!”
“Im leben nicht.”, flüsterte Cowley, so, dass sie ihn nicht hören konnte. “Wenn ihr noch etwas warten würdet,” begann sie überfreundlich,” werdet ihr euren Freund gleich zu Gesicht bekommen. Er lebt sogar noch, wie ihr wahrscheinlich eben gehört haben werdet. Nur Geduld!” Mit den Worten Schloss sie das Fenster und verschwand wieder außer Sicht.
Bodie wusste weder was er denken, noch fühlen sollte. Er musste sich erst mal sammeln, bevor er Cowley fragte. “Wer ist das? WER ist das?! Woher kennen Sie sie?!!-”  
“Jetzt kommen sie mal wieder runter Bodie!”
“Wie soll ich wieder runterkommen?! Diese Wichser haben meinen Partner! Nur Gott weiß was sie mit ihm alles angestellt haben! Und sie kennen diese Bastarde auch noch!! Wieso haben sie mir-” Cowleys Hand landete einen Volltreffer in Bodies Gesicht- dieser verstummte.
“Ja! Ich kenne das Mädchen! Aber ich wusste nicht, dass sie dort mit drin hängt! Auf diesen Gedanken wäre ich niemals gekommen!” Cowley sah in Bodies fragende Augen.

“Ihr Name ist Rachel Kinsey. Sie wurde einst vom CI-5 aus einer Geiselnahme ihres eigenen Vaters befreit, der ihre Mutter vor ihren Augen bereits umgelegt hatte. Sie wurde Psychisch betreut obwohl es nicht gerade nötig schien. Sie machte weiter, als wäre das nie passiert. Sie besuchte den CI-5 öfters. Trotz dass sie schon ziemlich was erlebt hatte, war sie eine Frohnatur. Wie es in ihr aussah konnte niemand jemals feststellen. Irgendwann wurde sie von der Polizei aufgegriffen, wegen kleinerem Diebstahl. Daraus wurde irgendwann schwerer Diebstahl mit Körperverletzung. Und was aus ihr geworden ist sehen wir hier! Sie ist vollkommen in den Wahnsinn gerutscht!”
Cowleys Stimme wurde aggressiver. “Machen sie mir keinen Vorwurf! Das tu ich schon selbst!”

“Ich fasse es nicht…!”, lachte Bodie fast verrückt. “Mein Partner wird von einer vollkommen durchgeknallten Psychopatin als Geisel gehalten und ich steh nur dumm herum und kann nichts tun!” Er verschränkte seine Arme über dem Kopf und atmete tief durch.
Cowley nahm seine Brille ab und rieb sich die Augen- er hörte einen metallenen Klang. Bodi hatte seine Faust im Kotflügel des Wagens versenkt und fluchte laut. “Sind sie verletzt?”, fragte George und legte seine Hand auf dessen Schulter. Bodie schüttelte nur seinen Kopf.
-Ein lauter Knall-
Beide fuhren herum. Im dritten Stock des Gebäudes, wo sich die Terroristen und Doyle befanden gab es eine Explosion- alles stand in Flammen.
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Doyle brauchte etwas um sich wieder zu sammeln. Der Schlag hatte gesessen, er fühlte sich völlig benebelt. Er  konnte nur verschwommen wahrnehmen, was um ihn herum geschah. Er wusste, er würde schnell handeln müssen, wenn er sich retten wollte. Das konnte ihm keiner abnehmen. Da musste er selbst durch. Er versuchte etwas zu erkennen, seine Sicht wurde langsam wieder deutlicher.
Michael hatte sich zu Rick auf das Sofa gesellt und grinste ihn dreckig an. Chester stand im Türrahmen zur Küche und hinter ihm tauchte Rachel auf. “Ich habe sie in Kenntnis gesetzt, dass du hier bist.”, strahlte sie, bevor ihr Gesichtsausdruck ernst wurde. “Aber ich bin nun doch etwas unentschlossen wie ich dich umlegen soll. Eigentlich war ja erschießen geplant… aber das geht so schnell… Obwohl ich dir auch nach und nach in deine Körperteile schießen könnte.”
Sie lächelte zuckersüß. Ray fasste einen Entschluss: es musste jetzt sein! Seine Zeit war abgelaufen, das wusste er genau und in der Sekunde kam ihm eine Idee. Doch er musste hoffen dabei nicht selbst drauf zu gehen.
-Rick öffnete den Zippo und eine Flamme schoss hinaus.
Rachel hockte sich nieder. “Ich glaube dein Freund Bodie ist kurz vorm durchdrehen.”
-Der Zippo schnappte zu und die Flamme erlosch.
“Bodie?”, fragte Ray und achtete aus den Augenwinkeln auf Ricks Bewegungen.
-Es öffnete sich wieder. Diesmal ohne Feuer.
“Sie können es wohl kaum noch erwarten dich zu sehen.”
-Es schloss sich wieder.
“Und sie sollen dich auch sehen. Lebend- bevor ich dich vor ihren Augen töte!”
- Es gab die Flamme ein weiteres Mal frei.
“Und dein Freund wird dir folgen-”

Doyle holte soweit aus wie er konnte und trat mit ganzer Kraft gegen den Wohnzimmertisch, an dem die beiden Männer saßen. Die Ölfunzel kippte um und das Öl verteilte sich auf dem Tisch, dem Fußboden und dem Schoß des Pyromanen- vor Schreck ließ dieser das geöffnete Zippo fallen und alles geriet in Brand. Die Sprengkörper entzündeten sich und explodierten. Michael und Rick waren sofort tot.
Schneller als geplant breitete sich das Feuer in der Wohnung aus.
“Du verdammter Wichser!”, fluchte Rachel, die sich von ihrem Sturz wieder erholt hatte. “Du hast alles kaputt gemacht, du Arsch! Mein ganzer Plan ist ruiniert!!” sie kreischte hysterisch herum, zog ihre Waffe und presste sie Ray an die Schläfe. “Dann wirst du halt ohne großes Drumherum sterben! Keine Sorge ich werde dich nicht erschießen, deine Freunde dürfen deinen Schreien zuhören, wenn du qualvoll verbrennst! Ich werde dafür sorgen, dass du hier nicht mehr lebend heraus kommst!”
Erneut holte Doyle aus und trat ihr die Beine weg. Sie stürzte, berappelte sich aber schnell. Währendessen rannte Chester an ihnen vorbei und verschwand nach draußen.
“Verrecke!!”, brüllte sie und folgte dem Schützen in Richtung Tür, doch sie kam nicht sehr weit. Der massive Eichenschrank auf dem Flur geriet ins wanken, fiel und begrub sie unter sich. Sie starb auf der Stelle.

Doyle schaffte es sich mit letzter Kraft zu erheben. Seine Hände waren nach wie vor auf dem Rücken gefesselt- doch er hatte keine Zeit sie irgendwie zu durchtrennen. Der Ausgang war durch den Schrank blockiert,- er saß fest. Durch die Explosion war die Scheibe des Wohnzimmerfensters zerbersten, doch auch dieses wurde fast vollkommen durch Einrichtungsgegenstände versperrt. Ein Loch war zwischen Möbeln und Fensterrahmen geblieben, er konnte also nur noch um Hilfe rufen. Er quetschte sich dazwischen und begann zu schreien.
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Bodie rief nach seinem Partner so laut er konnte, doch außer dem Rauschen des Feuers hörte er zunächst nichts. Cowley war in den Wagen gesprungen und allarmierte die Feuerwehr und Rettungskräfte.
Endlich ertönte etwas. Zwischen den aufsteigenden Rauchschwaden nahm Bodie eine Gestalt war und er hörte Ray. Er hörte ihn um Hilfe schreien. Bodie rannte näher an ihn heran um ihn verstehen zu können.
”Ich bin gefangen, man kommt weder rein noch raus!” durch den ganzen Rauch bekam Ray einen Hustkrampf. Das Feuer breitete sich immer schneller aus und versengte Doyles Haut.          “Bodie!”, presste er heraus. “Bleib wo du bist!”
“Was? Ich hab dich nicht verstanden- RAY!”
Doyle hatte seinen Kopf zurück in die Wohnung gezogen und irrte blind durch den Raum. Er stolperte über einen der Beine, des Wohnzimmertisches und prallte gegen den Türrahmen zur Küche. Er schloss die Augen und versuchte den Schmerz auszuhalten, der durch seinen ganzen Körper jagte. Er musste so schnell wie möglich hier heraus, bevor er verbrennen oder ersticken würde. Ray spürte wie sein Bewusstsein langsam abnahm, doch er stemmte sich erneut hoch und ging in den anliegenden  Raum hinein. Dort lehnte er sich gegen die Kacheln und hob seinen Kopf um sich umzusehen.
“Viel schlimmer kann es nicht mehr werden…”, flüsterte er zu sich selbst, stieß sich von der Wand ab und rannte los. >Es tut mir so leid Bodie. Es tut mir wirklich sehr leid… Ich vertraue dir<
-Er sprang.

Über sich hörte Bodie Glas zerspringen- er blickte erschrocken nach oben und glaubte sein Herz würde stehen bleiben.
Als letzten Ausweg sprang Ray durch das Fenster im dritten Stock. Zum Glück war das Haus ein älteres Baujahr, somit waren die Scheiben noch relativ dünn. Denn auf Grund seiner Fesseln, war er nicht in der Lage das Fenster vorher zu öffnen.
Cowley, der das Scheppern ebenfalls hörte sah von dem Funktelefon auf und konnte nichts tun außer starr zusehen, wie einer seiner Männer aus dem dritten Stock stürzte.
Reflexartig trat Bodie ein paar Schritte nach rechts, so dass er nun direkt unter ihm stand- bereit seinen besten Freund aufzufangen.
Doch er unterschätzte das Gewicht des fallenden Körpers. Mit entgegen gestreckten Armen bekam er ihn zu fassen, doch der Wucht des Aufpralls konnte er bei weitem nicht standhalten. Er wurde zu Boden gestreckt und schlug hart auf….

Bodie fühlte sich wie benebelt, außer dem brennenden Schmerz auf seiner Brust und wahnsinnigen Kopfschmerz vom Sturz nahm er fast nichts war. Doch er hörte von weitem die Sirenen der Feuerwehr und Rettungswagen wie durch Watte.
Erst nach einigen Sekunden spürte er das Gewicht seines Freundes auf sich- außer der Atmung rührte sich nichts. Ein lächeln konnte er in dieser Situation kaum unterdrücken. “Ich hab dich.”, flüsterte er, hob unter Anstrengungen seinen Kopf und küsste seinen Partner auf die Stirn. “Ich hab dich…” Er wurde ohnmächtig.
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Doyle schleppte sich mit seinen Krücken quer durch die Krankenstation. Diesmal war er auf der Flucht vor der Schwester, die Bodie so wunderschön als Kröte bezeichnete.
Zu spät bemerkte er, dass sie ihn bereits gesichtet hatte und auf ihn zusteuerte. Weglaufen war leider nicht möglich, also machte er sich bereit sich seinem Schicksal zu ergeben.  
Er drehte sich zu ihr um und wollte gerade beginnen sich für seine Flucht aus dem Bett zu rechtfertigen, als eine Stimme ihn davon abhielt.
“Doyle!”, rief sie ruppig..
Ray drehte sich zu Cowley um, der auf ihn zugestapft kam und man konnte weiß Gott nicht sagen ob er sehr gute oder extrem schlechte Laune hatte. Jedenfalls machte er eine abweisende Handbewegung, die der Schwester bestimmt war. Sie machte sofort auf dem Hacken kehrt und stöckelte fort.
Ray atmete erleichtert auf. “Danke, Sir! Sie haben mich gerettet.”
“Sagen sie das lieber Bodie, wenn er wieder zu sich kommt!” Doyle verstummte. Dieser Moment war sehr unangenehm für ihn.
“Wie geht es ihm?”, fragte er schließlich.
“Sagen wir es mal so: Sie haben aus seinen Rippenprellungen Brüche gemacht. Er hat eine schwere Gehirnerschütterung… und noch irgend so ein unaussprechliches Zeug, dass zum größten Teil für sie reserviert war. Und er ist noch nicht aufgewacht.”
Doyle schaute beschämt zu Boden.
“Sie haben dafür Verbrennungen zweiten Grades, mehrere Schnitte vom Seil und Glas, Platzwunden, andere Hämatome und eine leichte Rauchvergiftung- Verdammt noch mal Ray! Es ist alleine schon ein Wunder, dass du bei der Explosion nichts abbekommen hast und vom Sturz nur diese Schnitte blieben. Bodie muss dich echt gern haben, wenn er es in Kauf genommen hat für dich zu sterben!”
“Ja, verdammt! Ich weiß es!”, bestätigte Doyle getroffen. “Ich weiß, dass es meine Schuld ist, dass er sterben könnte! Aber das habe ich nicht gewollt!” Seine Augen füllten sich mit Tränen. “Ich weiß, dass ich nicht so stur hätte sein sollen! Ich weiß, dass er mich nie im Stich lassen würde! Aber DAS hab ich nicht gewollt!!”
Cowley trat an Doyle heran und legte seinen Arm um ihn. “Ich verrat dir jetzt mal was. Aber nur wenn du aufhörst zu flennen.” Er hörte den jüngeren eindeutig lachen, doch seine Tränen flossen weiter.
“Bodie hatte die ganze Zeit nur einen Wunsch. Nämlich sich mit dir zu vertagen. Und als alle versuche scheiterten, kam er zu mir und hat sich erst mal ausgeheult.”
“Er hat sich echt darüber beschwert?”, versuchte Doyle sich darüber lustig zu machen.
“Nein Ray. Das meinte ich wörtlich. Er hat einfach losgeheult- genau so wie du jetzt.” Er wurde ruhiger. “Und als wir später erfahren haben, dass der Eingriff gescheitert ist und alle außer dir erschossen wurden, hat er noch mehr geheult. Und auf dem Weg zu dir hat er schon wieder geflennt. Diesmal auf die Sitze meines Autos. Du weiß wie ich das hasse!”

Cowley lachte, als er es sich noch mal vor Augen führte. Nur lachte er nicht weil er es lustig fand- das war es in der tat nicht gewesen. Sondern weil er bewunderte wie es zwischen seinen beiden Schützlingen stand.
Doyle hatte es im Endeffekt gar nicht geholfen. Jetzt hatte er noch mehr Schuldgefühle und weinte noch heftiger. Die Kuh lachte kurz und drückte Ray einmal ordentlich.
“Komm mit.”

Ray schob sich an der Glastür zur Intensivstation vorbei, wo ein Arzt versuchte ihn aufzuhalten. “Ich muss sie bitten zu gehen.”, sagte dieser als Cowley sich vor Doyle schob und seine ID zeigte.. “Sondergenehmigung.”, sagte er knapp und zog Ray mit sich.
George suchte die Türen nach der richtigen Zimmernummer ab, bis er sie endlich fand.
“Ah, hier drüben.” Er öffnete einen Spalt und späte hindurch. Eine Schwester war gerade dabei die Kochsalzlösung zu auszuwechseln, als sie ihn bemerkte. “Das hier ist die Intensivstation!”, ermahnte sie. “Gehen sie bitte!”
“Oh das ist schon in Ordnung.-”, lächelte Cowley freundlich und zeigte auch ihr seine ID. “Wir haben eine Sondergenehmigung.”
“Hier ist nichts mit Sondergenehmigung!”, fauchte sie angriffslustig. “Die Patienten hier brauchen besonders viel Ruhe!”
“Das stimmt schon so.”, versicherte er aber die Schwester wollte sich das nicht gefallen lassen.
“Ich hole den Chefarzt! Der wirft sie persönlich hinaus!” Sie ließ die Lösung baumeln und  stakste aus dem Raum. “Und wenn sie vorhaben dort hinein zu gehen während meiner Abwesenheit, dann gefälligst nur einer! Ansonsten können sie ihn gleich umlegen!”
Cowley zuckte mit den Schultern und schob Doyle an sich vorbei in den Raum hinein. “Beeilen sie sich, bevor der Oberarzt kommt! Aber stressen sie ihn nicht.” Ray verspürte eine tiefe Dankbarkeit und nickte kurz.

Als sich die Tür hinter ihm Schloss dauerte es noch eine Weile, bis er sich zum Bett begab. Sein Herz hämmerte wie verrückt, als er seinen Freund dort liegen sah- an all den Geräten angeschlossen und viele Verbände tragend. Und obwohl er wirklich wie bereits tot aussah, beruhigte Doyle die Atembewegung, die noch zu erkennen waren. Er betrachtete die ganzen Kratzer in seinem Gesicht. Diese stammten allerdings noch von seinem Sturz auf dem Übungsplatz.
“Dickschädel.”, flüsterte er in Bodies Ohr und griff nach seiner Hand. Mit der Krücke langte er nach dem Stuhl, der hinter ihm stand und zog ihn zu sich heran um sich zu setzen.
“Es tut mir leid was geschehen ist.”, murmelte er und atmete einmal tief ein. “Ich schätze ich habe nur noch wenige Sekunden Zeit, bis ich gewaltsam rausgeschmissen werde. Selbst wenn ich Stunden Zeit hätte… Es würde nie ausreichen um dir zu sagen wie leid es mir tut. Oder wie dreckig es mir deshalb geht.”
Er verstummte und drückte Bodies Hand fester. Er sagte nichts mehr und betrachtete ihn nur noch stumm bis seine Zeit abgelaufen war.

“Entschuldige. Länger kann ich sie nicht hin halten. Komm.”, sagte Cowley sanft und streckte seine Hand nach Doyle aus. Dieser nickte niedergeschlagen. Er erhob sich, drückte den Stuhl bei Seite und beugte sich noch einmal über seinen Freund.
“Bei all dem trifft dich keine Schuld. Und ich bin nur gesprungen, weil ich wusste, dass du mich nicht hängen lässt. Weder in dem Moment, noch jetzt.” Er küsste ihn auf die Stirn. “Wird schnell wieder Gesund, Sunshine.”
Als er auf Cowley zutrat legte dieser seine Hand auf Doyles Schulter und sah ihn mitfühlend an. Gerade als er auf den Flur trat und die Tür zuziehen wollte, hielt er inne.
“Was ist?”, fragte George plötzlich.
“Ich habe was gehört…”, sagte Doyle und bewegte sich nicht.
“Kommen sie schon!”, ermahnte der Arzt und wollte Ray schon aus dem Raum zerren, als dieser sich los riss.
“Nein, warten sie! Ich habe was gehört!” Er humpelte zum Bett zurück an Bodies Seite. Doch es schien wirklich nichts zu sein…
“Raus jetzt oder ich holen den Wachdienst und lasse sie gewaltsam entfernen!”, fuhr der Arzt ihn an und packte Doyle am Arm.
Wenige Sekunden später ließ er sich endlich mitziehen. Auf halben Wege aus dem Raum hörte er wieder etwas. Dieses Mal war er sich mehr als Sicher. Der Griff des Mannes lockerte sich- er schien es ebenfalls bemerkt zu haben. Doyle stürzte auf seinen Freund zu und drückte seine Hand.

“Bodie? Ich bin hier. Ich bin hier Sunshine!” Cowley hatte sich am Arzt vorbei gedrängelt und schaute ihm über die Schulter. Ray spürte, wie die Hand in seiner den Druck erwiderte und eine Welle der Erleichterung überkam ihn.
Bodie öffnete zaghaft seine Augen, unter der Atemmaske konnte Doyle ein lächeln erkennen. Er begann wieder mit Tränen zu kämpfen aber dieses Mal waren es Tränen der Freude.
Bodie legte seine freie Hand in Rays Nacken und zog ihn zu sich hinunter. Als ihre Stirnen sich berührten, hörte Doyle ihn etwas flüstern. “Ich hab dich, Ray…”

Ende
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