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GeschichteAllgemein / P18 Slash
Harry Potter Lord Voldemort / Tom Vorlost Riddle Lucius Malfoy Severus Snape
25.02.2008
28.03.2008
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Hi!

So, wie versprochen, hier ist dei nächste Geschichte! Ich hoffe, sie gefällt euch!



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„Und nun noch hier eine Unterschrift“, ordnete der Bärtige an und lächelte abfällig, als der dicke Muggel genau das tat. Es war ja so einfach gewesen. Menschen waren manipulierbar und noch leichter auszutauschen, als Magier selbst.

So, wie er es mit den Potters getan hatte. Es war zu einfach gewesen, ein Kinderspiel. Ein paar richtig gestreute Gerüchte, einen scheinbaren Verräter in den eigenen Reihen, der ihm hörig war, ein wenig von seinem unübersichtlich großen Vermögen und schon war er ein Heiliger, auch, wenn er seinen Ruhm noch teilen musste.

Aber was machte das schon? Der angebliche Held der magischen Welt, kaum ein zweijähriges Kind, war bei Leuten untergebracht, die ihn so klein halten würden, dass Potter nach jedem kleinen Lächeln greifen würde. Und wer ließ sich besser kontrollieren, als ein zutiefst dankbares Kind, dass erleichtert war, die meisten Monate im Jahr in einer Schule zu leben! Er würde dafür sorgen, dass der Bengel ihn zu gegebener Zeit als Großvater sehen und sich willig von ihm umbringen lassen würde, wenn die Zeit gekommen war – und das Beste war, er hatte die schriftliche Erlaubnis von dessen Vormündern bereits in der Tasche.

Auch, wenn er erzählte, dass es Tom Riddle war, der ewig leben wollte. So war es doch eigentlich er und es war nicht der erste Vertrag dieser Art, den er aufgesetzt hatte. Der Potter-Bengel hatte erstaunliche Machtreserven, die aber von der Familie selbst, von dem Wal, dem hässlichen Pferd und dem kleinen, fetten Bengel, unterdrückt werden würden, so stark, dass er sich nie trauen würde, das volle Ausmaß seiner Kräfte zu nutzen.

Aber das machte ihm keine Sorgen. Der Einzige, der ihm gefährlich werden könnte und der ihn durchschaut hatte, sah das Gras ja nun von unten wachsen.

Er würde den Bengel am Leben lassen, bis zu dessen magischem Schub, der zwischen sechzehn und achtzehn einsetzen würde. Dann würde er das Ritual durchführen. Wen interessierte schon ein toter Held, wenn es eine logische Erklärung für dessen Tod gab? Wie Selbstmord, weil er mit dem privilegierten Leben nicht klar kam...

Oh, wenn die Zeit gekommen war, würde er schon wissen, wie er es am besten drehen konnte!

„Wann bekommen wir das versprochene Geld?“, fragte der Fette sofort, ohne den kleinen, greinenden Jungen zu beachten, dessen Laute aus einem Kabuff unter den Treppen hervorschallten.

„Es wird gerade auf Ihr Konto transferiert“, gab er Vernon ruhig Auskunft. „Die Zehntausend Vorauszahlung, gefolgt von monatlichen tausend Pfund zur freien Verfügung. Wenn der Vertrag abgeschlossen ist, werden es noch einmal zehntausend sein. Aber wehe, Sie halten sich nicht daran! Sie können ihn schlagen, ihn abrichten, es ist mir gleich! Aber ich will, dass er lebt, solange ich für ihn bezahle!“

Vernon grinste kalt. „Das lässt sich einrichten“, gab er ruhig zurück. „Petty, hast du dir nicht immer eine Haushilfe gewünscht? Nun hast du sogar deinen persönlichen Sklaven! Was willst du mehr?“

Die hässliche Frau grinste kalt. „Ich wusste, ich bekomme meine Rache an Lily!“

Albus hatte alle Mühe nicht zu grinsen. Bedachte man, dass eben diese beiden Schwestern mal unzertrennlich gewesen waren.... es war so einfach gewesen, Petunia klar zu machen, dass ihre Familie nur die hübsche, begabte, kleine Schwester liebte, nicht aber sie, die so abgrundtief hässlich war...

Und wie leicht war es gewesen, Lily selbst zu manipulieren! Er hatte sie regelrecht in Potters Arme getrieben, nachdem er dafür gesorgt hatte, dass sie Snapes Mal sah! Der letzte glückliche Zufall war die Stärke des Bengels gewesen, er aus dieser Bindung entstanden war.

Ja, der Junge würde sein Leben um viele Jahre verlängern und ihn verjüngen.

Es war ein Genuss, allein daran zu denken. Und wie leicht würde es sein! Der Dummkopf würde sein Leben freiwillig geben! So, wie sie es alle getan hatten, viele seiner Anhänger! Und das nur, weil er einen Phönix besaß! Als wäre er damit etwas Besseres! Oh, diese Ahnungslosen!

Wenn die nur wüssten, dass Fawkes allein deshalb da war, weil ein magisches Band ihn dazu zwang! Der dumme Vogel, den er um sich herum ertragen musste, konnte ihn nicht verlassen, bis sein wahrer Herr auftauchte. Und das würde nie geschehen! Schon lange lebte der blöde Vogel! Es würde sich nichts ändern. Wahrscheinlich war sein Herr schon lange gestorben!
Ach, war das Leben schön!!







Jahre später:

Hermine runzelte die Stirn. Sie wusste einfach nicht, was los war. Harry war extrem still, was vielleicht nicht wirklich ein Wunder war, bedachte man, dass er im letzten Schuljahr gerade erst seinen Paten auf brutale Weise verloren hatte. Doch da war noch mehr. Der Andere sah ungesund bleich aus und er sah sich ständig über die Schulter, als erwarte er einen Angriff oder so etwas in der Art.

Dazu kam das Benehmen von Ron, seit der aus dem Ferien zurück war. Er hatte sich nicht mal zu ihnen ins Abteil gesetzt, was Harry offensichtlich verletzt hatte. Der Rotschopf führte sich auf, als wäre er berühmt und jeder müsse ihn verehren. Er hatte schon in der ersten Nacht gestern, Seamus fertig gemacht, als er mitbekommen hatte, dass der Andere auf Jungs stand.

Das Schlimmste war, dass der halbe Turm mit Begeisterung mitgezogen war, als hätten sie sich in den Ferien mit Ron abgesprochen.

Als Hermine mit ihm hatte reden wollen, war sie eisig abgefertigt worden, mit dem Kommentar, er wolle nichts mehr mit einer Alleswisserin zu tun haben. Sie sei unter seiner Würde und schon bald würden alle verstehen, warum das so sei und warum er jedes Recht habe, der Anführer von Gryffindor zu sein.

Harry hatte dazu nicht ein einziges Wort gesagt, er hatte nur den Kopf gesenkt und war in sein Bett verschwunden, nachdem sie selbst wutentbrannt in den Mädchenschlafsaal gerannt war.

Nun saß ihr grünäugiger Freund zusammengesunken neben ihr auf der Bank im Tränkeklassenzimmer, spielte mit seiner Schreibfeder.

„Harry, bitte! Was ist denn los?“, fragte die Brünette besorgt. Selbst die Syltherins hatten noch nicht ein Wort gesagt, fiel ihr dabei auf. Harry musste wirklich einen schrecklichen Eindruck machen. Wenn sie ihm doch nur helfen konnte! Aber wie, wenn sie nicht wusste, was los war! Harry hatte kaum etwas anderes gesagt, als ein lächerlich kurzes 'Hallo' am Bahnhof!

Gerade, als Hermine etwas zu dem Grünäugigen sagen wollte, kam auch schon Snape hereingerauscht, so missgelaunt, wie immer...

„Ich weiß nicht, warum ich mich jedes Jahr mit euch abgeben muss“, begann der Mann sofort. „Und ich werde dafür sorgen, dass jeder, der nicht halbwegs Talent nachzuweisen hat, mit fliegenden Fahnen untergehen wird!“

Harry zuckte etwas zusammen, als er die eisige Stimme hörte, doch dann biss er die Zähne aufeinander und schlug sein Buch auf. Er sah zu Hermine, doch er konnte ihr weder erzählen, was in und vor den Ferien geschehen war, noch was er in Erfahrung gebracht hatte. Diese Dinge waren bei Weitem zu schrecklich, hatte er im Gefühl. Er wollte seine offensichtlich einzige Freundin nicht auch noch verlieren oder sie unnötig in Gefahr bringen, wenn es sich irgendwie vermeiden ließ.

Kurz blickte er zu den Slytherins. Ja, er hätte auf den Hut hören sollen, dann hätte er vielleicht eine Chance gehabt. Aber so... wenn Voldemort dieses Jahr auftauchen würde, würde er sich nicht mehr wehren oder etwas unternehmen. Wenn der Mann ihn töten wollte, bitte. Wenn nicht, würde er das vielleicht auch selbst tun. Er wusste nicht, ob er so weiterleben konnte, mit dem Wissen, was er nun hatte und ohne eine Chance, etwas zu ändern.

Es war zu viel geschehen, warum sollten die anderen ihm auch trauen? Er sah zu dem Tränkemeister, der gerade ein Rezept an die Tafel zauberte. Er schrieb die Zutaten ab und lief zu dem Vorratsschrank. Als Ron ihn brutal zur Seite stieß, verlor er kein Wort, er trat einfach nur zurück und stellte sich ganz hinten an.

Er hatte Snapes Privatsphäre schrecklich verletzt, ihn verdächtigt und er war gemein zu dem Mann gewesen. Wie konnte er ihn um Hilfe bitten?

Ohne etwas zu sagen, ließ er auch Draco vor. Er war es gewesen, der Malfoys Freundschaftsangebot einfach ausgeschlagen hatte, ohne auch nur nachzudenken. Er hatte dem Blonden das Leben mindestens so schwer gemacht, wie umgekehrt.

Als Harry seine Sachen hatte, schlich er zu seinem Kessel zurück, wobei er Hermine kurz schwach zulächelte, als er sah, dass die seine Flamme bereits entzündet hatte und bereits das Wasser simmerte.

Was aber beide nicht gesehen hatten, war, dass Ron in einem unbeobachteten Augenblick mit hämischem Grinsen eine kristallene Flüssigkeit in Harrys Kessel hatte träufeln lassen. Sie würde sicher eine tolle Explosion auslösen, hoffte er und die wiederum sollte Potter so richtig weh tun, nun, wo Dumbledore ihm gesagt hatte, dass das Spiel ein Ende haben konnte und Ron nicht mehr den besten Freund spielen musste.

Potter hatte ausgedient, warum auch immer, aber das sollte seine Sorge nicht mehr sein. Im Gegenteil, wenn Potter endlich weg sein würde, würde er an dessen Platz rücken und den Ruhm und das Geld bekommen! Das hatte der Direktor ihm versprochen.

Harry stellte seine Sachen auf den Tisch. Er merkte, dass Snape ihn beobachtete. Sicher wartete der Mann darauf, dass er einen Fehler machte. Doch das war ihm inzwischen auch schon gleichgültig. Er begann, den Trank zu brauen.  

Snape blickte immer mal wieder um sich, doch seine Aufmerksamkeit galt vor allem Potter, sehr zu seinem eigenen Erstaunen machte er sich Sorgen um den Jungen, der irgendwie seltsam wirkte. Etwas stimmte definitiv nicht, etwas war vollkommen falsch. Mehr als drei Mal ging er an dem Jungen vorbei, doch er machte bei seinem Trank keinen Fehler, also ging er erst mal wieder vor.

Gerade, als er sich umwandte, sah er es – ein Blitz aus Harrys Topf. Dann kippte er um, direkt über den Jungen. Granger sprang kreischend zur Seite. Potter dagegen sah verständnislos auf, bevor er lautlos in sich zusammensackte.

„Alle raus!“, brüllte Snape. „Granger, gehen sie zu Madame Pomphrey! Zaibini, sagen Sie dem Direktor Bescheid!“

Alle rannten aus dem Zimmer, nur Draco blieb. Er verstand das nicht! Nachdem er gesehen hatte, wie Potter aussah, hatte er seinen Leuten verboten, dessen Trank zu manipulieren! Wie hatte das geschehen können?! Keine Zutat löste so etwas aus! Und..., er blickte zu dem Kleiderhaufen. Wo... wo um Himmels Willen war Potter hin?!

„Pack Potters Sachen!“, befahl Severus ruhig, ging dann zu dem Haufen mit der Kleidung. Kurz schloss er die Augen, bereitete sich auf das Schlimmste vor.

Doch das, was er sah, schockierte ihn trotzdem bis ins Mark. Riesige, grüne Augen sahen ihn angstgeweitet an. Der kleine, fragil wirkende Körper, der viel zu dünn schien, zitterte, während der Kleine versuchte, sich unter dem viel zu großen Pullover zu verstecken.

„Potter?!“, fragte er ungläubig. Was zum Henker war denn nun schief gelaufen? Gerade, als er nach dem Kind greifen wollte, wich der Kleine ihm aus, stolperte auf seine Beine und versuchte, sichtlich panisch, durch die offene Tür abzuhauen.

Es war Dracos schneller Reaktion zu verdanken, dass das halbnackte Kleinkind nicht entkommen konnte, denn er stellte sich vor die Tür und fing Harry auf. Im ersten Moment war der Blonde schockiert gewesen, dann aber hatte er die wässrigen Augen gesehen und nicht mehr anders gekonnt. Er hielt das zitternde Kind, während sein Onkel auf ihn zukam.

Severus massierte sich sein Nasenbein und kam näher, Der Junge, der ihn nun mit riesigen Augen beobachtete, zitterte, versuchte schwach, zu entkommen und als er die Hände ausstreckte, wimmerte er leise und hob die Hände vors Gesicht.

„Was...?!“

Snape packte den Jungen und hob ihn so dass er ihn genauer ansehen konnte. Wie alt war er nun? Zwei? Drei?

Er brachte Harry zu seinem Tisch zurück, stellte ihn darauf ab. Und was sollte dieses lächerliche Verhalten?! Mit zwei schnellen Zaubern hatte er den Kleinen von den Resten des Trankes befreiet und eben diese in eine Phiole gefüllt, da die untersucht werden mussten.

Harry stand immer noch zitternd auf dem Holz, sah den vollkommen Fremden, schwarz gekleideten Mann an. Oh, Onkel Vernon würde wütend sein, wenn er nicht rechtzeitig in der Küche sein würde, um Tante Petunia zu helfen und wenn bis dahin der Boden im Flur nicht geputzt sein würde! Wie war er hierher gekommen und was wollte dieser Mann von ihm, der immer wieder mit einem Holzstock auf ihn zeigte? Wollte der Mann ihn damit schlagen? Er zuckte zurück, als der Fremde wieder weiter auf ihn zukam und nur dessen flinke Reaktion verhinderte, dass er von dem Tisch fiel.

„Potter“, bellte Severus unwillig. „Willst du dich umbringen und beenden, was du angefangen hast, oder was?“

„Onkel Sev, er hat Angst“, mischte sich Draco nun leise ein. „Schau ihn dir an.“

Das brachte den Tränkemeister dazu, das kleine Bündel Elend genauer zu betrachten. „Weißt du, wer ich bin?“, fragte er, wobei er Harry wieder auf die Tischplatte stellte.

Ängstlich schüttelte Harry seinen Kopf. Der Mann vor ihm machte ihm irgendwie Angst. Er wollte zurückweichen, doch allein der warnende Blick hinderte ihn daran.

„Großartig“, murmelte Severus nur entnervt. Das hatte ihm wirklich noch gefehlt!

„Was machen wir jetzt?“, fragte Draco leise. Ihm tat der kleine Junge da einfach nur von Herzen leid, egal, wer er eigentlich war.

Der Tränkemeister runzelte die Stirn: „Ihn zu Poppy bringen“, gab er zurück. „Sehen, ob er neben dem offensichtlichen Problem andere Verletzungen hat.“ Er wandte sich zu dem Kind. „Potter, komm hierher!“

Der Junge aber reagierte noch nicht mal.

„Potter!!“

Harry zuckte kurz zusammen, doch das war wegen der lauten Stimme, auch seine Arme schossen wieder nach oben.

„Er fühlt sich nicht mal angesprochen...“

„Warum wundert mich das nur nicht?“, gab Severus zurück, bevor er den Jungen einfach packte.

„Nicht...“, wimmerte Harry verängstigt. Doch es geschah nichts, er wurde nicht geschlagen oder aus großer Höhe fallen gelassen, der Mann packte ihn nur und lief los. Auf dem Gang starrte die Leute ihn dumm an, was ihn noch viel mehr erschreckte. Er war ein Freak, deswegen starrten sie alle so. Es kam so weit, dass er seinen Kopf in dem komischen Oberteil des dunklen Mannes versteckte.

Snape vertrieb die meisten Kinder nur mit seinen Blicken, automatisch verstärkte er seinen Halt um das Kind. Ja, Potter tat ihm gerade sogar leid und es war offensichtlich, dass etwas nicht stimmte.

Auf der Krankenstation wurde Severus tatsächlich schon von der aufgeregten Schulschwester erwartet, die ihn zu einem Bett scheuchte. Auch Granger war noch da und wie er sie kannte, würde sie nicht gehen, bevor sie nicht wusste, was los war.

„Bei Merlin! Severus, was ist passiert?“, fragte die Frau, als sie beobachtete, wie der Tränkemeister das Kleinkind auf eines der Betten setzte.

„Das weiß ich noch nicht“, blaffte Severus.

Harry starrte entsetzt auf die Frau, die auf ihn zukam. Wieder wich er zurück, in die Richtung des dunklen Mannes, der ihn wenigstens noch nicht geschlagen hatte.

„Harry, Schatz“, versuchte Poppy das Kleinkind zu beruhigen. „Ich will dir nichts tun. Ich muss dich aber kurz untersuchen. Halt bitte kurz still, dann ist es ganz schnell wieder vorbei.“

Das schien den Kleinen aber gar nicht zu beruhigen, im Gegenteil. Er begann wieder, lautlos zu weinen und seine Finger krallten sich immer heftiger in die Robe des fremden Mannes.
Poppy schüttelte den Kopf: „Severus, so wird das nichts“, sagte sie traurig. „Er ist vollkommen verängstigt. So kann ich ihn nicht untersuchen.“

„Und was soll ich da machen?“, fragte der Tränkemeister doch ein wenig pampig. Er überspielte auf diese Weise die Erschütterung, dass ausgerechnet er es war, an den der Kleine sich klammerte.

Die Schwester seufzte leise und hob eine Phiole mit einem Schlaftrunk hoch.

„Kommt nicht in Frage!“

„Severus!“

„Ich weiß nicht, warum er sich verwandelt hat! Er wird nicht einen Trank bekommen, bevor ich nicht genau weiß, was die Verwandlung verursacht hat!“

„Aber wie..:!“

Severus hob den Kopf des Kleinen an, der ihn mit den riesigen Augen verweint und unsicher ansah. Das Zittern schien sogar noch zugenommen zu haben. Sanft drang er in Harrys Geist ein und schickte ihn schlafen. Das war weniger belastend, als ein Zauber.  „Mach“, befahl er Poppy, legte das nun schlafende Kind auf das Bett und verhinderte kurz, dass es sich in sich selbst zusammenrollte.

Draco stellte sich neben Hermine, auch er beobachtete alles. Mitten unter der Untersuchung, öffnete sich die Tür und der Direktor trat ein. „Oh“, stellte er mit seinem falschen, großväterlichen Lächeln fest.  „Was ist denn hier geschehen?“

Poppy blickte den Direktor nur kurz an und fuhr mit den Untersuchungen fort.

„Ein Trank ist explodiert und das war das Ergebnis“ gab Severus kurz angebunden Auskunft. „Nun ist Potter ein Kleinkind, dass keine Ahnung hat, dass er eigentlich sechzehn ist.“

„Oh, na so was“, stellte der Direktor fest und schob sich ein Zitronenbonbon in den Mund. Währenddessen begann sich bereits, ein Plan in seinem Kopf zu formen. „Dann werden wir ihn zu seinen Verwandten schicken, bis...“

„Nein!“

„Aber Severus!“, rief der Alte, sichtlich brüskiert.

„Dieser Trank kann Folgen haben“, gab Snape kühl zurück, „Er braucht Aufsicht, von Leuten, die wissen, mit was sie es zu tun haben!“

Poppy nickte, doch nicht aus diesem Grund. Sie hätte alles getan, um Harry von seinen Verwandten fern zu halten. Sie war neben Severus die Einzige, die Dumbledore nicht mehr traute, denn sie hatte gesehen, zu was er in der Lage war. „Das ist korrekt.“

Sekundenlang wollte der Weißbärtige nichts anderes, als zu brüllen, doch dann kam ihm ein anderer Einfall. Er lächelte wieder: „ Nun, dann kann ich mir nicht vorstellen, bei wem er besser aufgehoben wäre, als bei dir, mein Junge. Severus, dann kümmere du dich doch um ihn.“

„Ich??!“

„Wer wäre besser geeignet, als ein Tränkemeister? Ich habe vollstes Vertrauen in dich...“

Severus starrte auf den kleinen Jungen, dann auf Poppy, die ihn bittend ansah. „Also gut“, knurrte er unwillig. „Granger, bringen Sie seine Sachen zu mir. Ich bin in meinem Klassenzimmer, um es wieder zugänglich zu machen!“

Damit packte er den Jungen und verschwand wieder in Richtung Kerker, dicht gefolgt von einem verwirrten Draco. Natürlich hatte Dumbledore das mit Absicht gemacht. Der Alte wusste schließlich, wie wenig er mit Potter zu tun haben wollte. Fragte nur, wem er eigentlich mehr weh tun wollte.

In seinem Klassenzimmer legte er den Kleinen auf den Umhang, den Harry vorher getragen hatte und ließ ihn langsam wieder aufwachen. Es war klar, dass er immer noch panische Angst hatte, immer wieder schien er versuchen zu wollen, was zu sagen, doch nichts kam aus dem geöffneten Mund.

Da erst fiel Severus etwas anderes ein – er hatte noch nicht mal gefragt, was die Untersuchung ergeben hatte.  Und was nun? Was zum Henker sollte er mit einem Kleinkind anfangen?
Zuerst mal musste er wohl ein Bett und Kleidung für den Bengel auftreiben und vielleicht einen Laufstall oder so...

„Po... Harry, hör auf, mich so anzusehen! Ich fresse keine Kinder! Menschenfleisch ist schlecht verdaulich!“

Der Junge sah ihn nur weiter ängstlich an, aber wenigstens hatte die Heulerei aufgehört. Erleichtert fischte er nach einem Taschentuch und wischte das Gesicht des Kleinen ab.  Damit sah er fast wieder menschlich aus. Um ehrlich zu sein, wenn es nicht gerade Potter wäre, würde er den Kleinen sogar noch als süß bezeichnen.

Als es klopfte, zuckte der Kleine regelrecht panisch zusammen.

„Was?“

Hermine öffnete die Tür, in ihrer Hand ein alter, hässlicher und halb zerfetzter Koffer, in der anderen ein Rucksack. „Das... ist alles, was er hat, Sir.“

„Stellen Sie die Sachen an die Tafel“, knurrte er kurz, er spürte, wie kleine Händchen sich in seine Robe vergruben. Warum verhielt Potter sich so komisch? Da stimmte wirklich etwas nicht!

Severus wartete, bis die Schülerin wieder gegangen war, bevor er sich seinem neuen Schützling zuwandte. „Potter, was soll das?“, fragte er ungnädig, doch das einzige Ergebnis war, dass der Kleine wieder ängstlich zurückzuckte und seine Arme hochriss.

Der Tränkemeister setzte Harry einfach nur auf den Boden, bevor er noch einen Abgang vom Tisch hinlegte und ging zum Kamin: „Krankenstation!“, bellte er.

Es dauerte eine Weile, doch dann erschien Poppys Gesicht im Feuer. „Severus? Was gibt es? Hast du Probleme?“

„Ich brauche einen Bericht über Potters Zustand.“

Kurz blickte die Schwester sich um: „Ich komme runter“, antwortete sie unruhig, dann verschwand der Kopf aus den Flammen. Was war denn mit der Frau los? Er wandte sich um und sah zu dem Punkt, wo er Potter abgestellt hatte. Nicht, dass es ihn wunderte, dass er da nicht mehr war. Was er aber fand, entsetzte selbst ihn.

Der kleine Junge kniete auf dem Boden, an der Stelle, wo sein Trank in die Luft gegangen war. In der Hand einen Lumpen, wo immer er ihn gefunden hatte, und schrubbte stumm die Steine.

„Was soll das denn werden?“, fragte der Tränkemeister entsetzt. Warum tat der Junge das? Auch noch mit bloßen Knien und ohne Schutzhandschuhe. Hastig hob er den Jungen hoch und zauberte dessen Hände erst mal wieder sauber. „Was sollte das?“, schimpfte er. „Wer hat dir gesagt, dass du putzen sollst?!“

Erneut öffnete und schloss sich der kleine Mund, doch wieder kam keine Antwort, nur ein leises Schluchzen. „Du bereitest mir Magengeschwüre“, murrte Severus nur und setzte den Jungen auf seinen Schreibtisch. „Bleib da sitzen“, befahl er knapp und öffnete den Koffer, um Kleidung heraus zu holen. Doch zu seinem Entsetzen fand er nur Lumpen neben einer Ersatzuniform. Das konnte man doch keinem Kind anziehen! Das bedeutete wohl am Wochenende einkaufen...

Seufzend hob er eine der Uniformen heraus und verkleinerte sie, mit einem Zauber reinigte er Harry von Kopf bis Fuß und zog den Jungen an, der immer wieder seinen Berührungen auswich. Was die Sache nebenbei bemerkt nicht leichter machte.

Gerade, als er Potter in Hemd und Hose gesteckt hatte, betrat die Schwester den Raum, was den Jungen zu einem weiteren Fluchtversuch animierte. Doch dieses Mal hatte Snape fast schon damit gerechnet und er packte den Kleinen einfach am Kragen. „Sitzen!“

Augenblicklich setzte der Kleine sich, doch das Zittern setzte auch wieder ein. Severus massierte sich nur weiter das Nasenbein.

„Also – bekomme ich eine Erklärung für dein Verhalten?“, fragte Severus ruhig, als die nervöse Frau vor ihm stand. „Und für seines vielleicht noch dazu? Der Junge hat gerade auf Knien einen Trank aufschrubben wollen!“

Poppy nickte traurig. „Dumbledore war noch oben“, erklärte sie. „Ich konnte nicht in Ruhe sprechen, ich traue ihm, gerade was Harry angeht, absolut nicht mehr. Du weißt, ich sitze politisch zwischen den Stühlen...“

„Was weißt du, was ich nicht weiß?“

„Versprich mir nur, dass du dich weder an ihn noch an McGonagall wenden wirst...“

Der Tränkemeister hob seine Augenbraue, nickte aber dann. „Du hast mein Wort.“

Erst jetzt übergab Poppy dem Anderen eine Akte. „Der Direktor weiß nicht, dass ich diese Akte geführt habe, er hat es mir eigentlich verboten, weil er, wie er es so schön ausdrückte, denkt, dass ich übertreiben würde und Dinge aufbausche, die seine ‚Familie’ in ein schlechtes Licht stellen würden.“

Severus kniff die Augen zusammen, doch dann schlug er den Aktendeckel auf. Im ersten Moment stockte der Tränkemeister, dann blätterte er die anderen Seiten durch. Und auf ein Mal fielen die Puzzleteile auf schrecklich klare Art auf ihre Plätze und sie ergaben ein schauerliches Bild. Langsam wandte er sich Harry zu, der immer noch stocksteif auf den Schreibtisch saß, wobei ihm die Tränen die Wangen herunterrannen und endlich konnte er den Ausdruck in den großen Augen zuordnen. Es war Panik, gemischt mit Angst und Resignation.

„Wie geht es ihm jetzt?“

Poppy schüttelte traurig den Kopf: „Er ist für einen Vierjährigen gefährlich unterernährt, ein gutes Stück zu klein und seine Augen sind jetzt schon eine Katastrophe. Das ist die Kurzzusammenfassung.“ Sie sah zu dem kleinen Jungen. „Ich bewundere ihn dafür, dass er sich sein Leben nie hat anmerken lassen.“

Kurz schloss Severus die Augen. Und er hatte den Jungen die gesamte Zeit über nur angeherrscht. Kein Wunder, dass er so viel Angst hatte, dass er kein Wort heraus bekam. „Darum dein Wunsch, ihn nicht zu seinen Verwandten zu bringen.“

Poppy nickte traurig. „Der Alte hat was vor und es involviert Ronald Weasley, der ihm absolut ergeben ist. Ich habe ein Kraftübertragungsritual gefunden. Zu unserem Glück müsste der Junge dafür älter sein...“

Severus massierte sich wieder einmal sein Nasenbein. Hatte er an diesem Tag eigentlich mal damit aufgehört? „Ich habe verstanden“, gab er nur ruhig zurück. „Ich denke, ich habe eine Menge Arbeit vor mir.“ Während er das dachte, legte er sich bereits einen Plan zurecht. „Ist Granger vertrauenswürdig?“

„Ja, warum die Frage?“

„Ich werde Unterstützung brauchen“, gab er ruhig zurück. „Ich habe auch noch Unterricht und ein Kind in dem Alter kann wohl kaum die gesamte Zeit in einem Klassenraum einschließen und auch Draco muss mal lernen...“

Poppy lächelte sanft: „Hermine ist ein gutes Mädchen. Auf sie ist Verlass.“

Der Andere nickte. „Gut zu Wissen. Dann werde ich jetzt... meine Wohnung umbauen...“

Die Krankenschwester nickte. „Ich bin dann wieder in der Krankenstation. Wer weiß, wer wem in der Verwandlungsstunde wieder Katzenschwänze angehext hat.“ Damit verschwand sie wieder, die Akte aber ließ sie da.

Erst, als die Tür wieder zufiel, sah Severus sich um. Harry saß noch immer am selben Platz, er hatte sich wirklich um keinen Millimeter gerührt – aus panischer Angst vor Schlägen, wie er nun wusste.

„Harry, hör mir gut zu“, sagte er ruhig. Er hatte eine Hand unter dem Kinn des Kindes, so dass der ihn ansehen musste. „Ich habe nicht vor, dir weh zu tun. Ich bin Severus. Ich achte die nächste Zeit auf dich.“

Harry schniefte so leise wie möglich und sah den Fremden vor sich an. Das waren die ersten, nicht bösen Worte, an die er sich erinnern konnte. Er steckte seinen Daumen in den Mund und wartete ab.

Der Tränkemeister seufzte nur und hob den kleinen Jungen auf seine Arme. Er nutzte einen Geheimgang von dem Klassenzimmer zu seinen Räumen. „Das hier ist meine Wohnung“, erklärte er und setzte Harry auf das Sofa.

Harry erschrak. Es war ihm doch gar nicht erlaubt, auf den guten Möbeln zu sitzen! Hastig rutschte er herunter und setzte sich neben den Teppich auf die Dielen. Severus hatte sich nur umgedreht und seinen Zauberstab geschwungen, um neben seinem ein weiteres, kleines Zimmer zu schaffen. Als er rückwärts ging, stolperte er zu seiner Überraschung.

Verwirrt blickte er nach unten. „Harry! Was tust du denn hier? Ich habe dich doch auf das Sofa gesetzt!!“

Der Kleine zuckte sofort zurück und rannte in eine Ecke, in der er sich zusammenkauerte. Verdammt! Er war zu laut geworden! Langsam lief er auf Harry zu und hob ihn auf seine Arme, er strich dem Kleinen langsam durch das chaotische Haar. „Ich bin dir nicht böse“, redete er ruhig auf den Anderen ein. Er wiegte das Kind hin und her, von dem er selbst nicht glauben konnte, dass es schon vier Jahre alt sein sollte.

Was war das? Harry schniefte, er wartete auf seine obligatorische Bestrafung. Doch nichts geschah, stattdessen wurde er hochgehoben und jemand streichelte ihn! Automatisch kuschelte er sich an den Älteren.

Severus war erleichtert, als er merkte, wie die Anspannung den kleinen Körper verließ. Er redete sich immer gern ein, keine Kinder zu mögen, doch dieser Zwerg hier weckte in ihm Beschützerinstinkte, wie er sie noch nicht mal bei Draco erlebt hatte. Vielleicht lag es an der Akte, die Poppy ihm zugeschoben hatte. Daran, dass ihn die Kindheit des Kleinen so fatal an seine Eigene erinnerte.

Statt Harry wieder abzusetzen, nahm er ihn mit in das kleine, neue Zimmer, dass er gerade geschaffen hatte. Der Kleine hatte seinen Kopf an der Brust des Tränkemeisters vergraben und die kleinen Hände krallten sich in den Stoff seiner Robe, dass Harry nicht mal mitbekam, wie das Zimmer sich langsam veränderte.

Mit schnellen Bewegungen des Stabes bedeckte er den Steinboden mit einem flauschigen, moosgrünen Teppich und die Wand mit einer hübschen, einfachen Tapete, auf der Bäume abgebildet waren. Er schuf sogar ein magisches Fenster, dass tatsächlich Sonnenlicht herein ließ und dem Kleinen zeigen sollte, welches Wetter draußen herrschte.

Ein kleiner Kinderschreibtisch mit Stuhl kam als nächstes, gefolgt von dem Wichtigsten: dem Bett. Ein Kinderbett mit Gittern, damit Harry nachts nicht rausfallen würde. Dazu zwei kleine Kinderregale, an die Harry selbst dran kommen würde und einen Schrank für Kleidung, die von Severus wohl oder übel direkt noch besorgt werden musste. Morgen nach dem Unterricht, beschloss Severus. Er würde Granger und Draco die Arbeiten korrigieren lassen, zumindest die der Jüngeren.

Alles andere würde er am nächsten Tag erst besorgen.

Mit dem Kleinen im Arm ging er zurück ins Wohnzimmer. Er blickte auf das Kind in seinen Armen und stellte überrascht fest, dass Harry eingeschlafen war. Er war über sich selbst überrascht, wie sanft er den Kleinen auf sein Sofa legte und ihn zudeckte. Er strich Harry nachdenklich einige der dunklen Strähnen aus der Stirn, bevor er zum Kamin trat und etwas Flohpulver hineinstreute, dann ein Passwort murmelte, dass es auch Dumbledore unmöglich machte, mitzubekommen, was er in seinem Zimmer tat.

„Severus? Du bist der Letzte, den ich erwartet hätte...“

Der Tränkemeister nickte: „Du musst kurz kommen...“

Der Andere hob eine Augenbraue.Ddoch er nickte, wartete, bis Severus aufgestanden war und trat, ebenfalls mit einem Passwort, durch den Kamin. Kaum stand er im Raum, schlug er seine edle Robe sauber. „Nun? Was ist so schrecklich?“

„Lucius, heute im Tränkeklassenzimmer gab es einen Unfall...“

„Draco!!“

Der Andere schüttelte den Kopf. „Sei bitte nicht so laut. Es hat nicht Draco sondern Harry erwischt...“

Der Blonde runzelte die Stirn. „Warum rufst du dann mich?“

Severus deutete auf das Sofa.

Lucius runzelte die Stirn und folgte dem Anderen. Da, auf dem Sofa seines besten Freundes, lag ein kleiner Junge, den Daumen im Mund, das Gesicht selbst im Schlaf ängstlich – und mit einer blitzförmigen Narbe auf der Stirn.

„Potter?!“

Severus nickte. „Ja, aber schrei nicht so“, gab er ruhig zurück, bevor er kurz über Harry Haare strich. „Ich habe dadurch einige Dinge erfahren“, erklärte er ernst und gab nun auch Lucius die Akte: „Und Dumbledore wusste alles...“

Lucius nahm die Akte, irritiert über das Benehmen seines Freundes, und ließ sich in einen Sessel fallen. Er sah noch ein Mal zu dem Tränkemeister, der den kleinen Jungen streichelte, als habe er nie Vorurteile gegen ihn gemacht, dann schlug er die Akte auf – und schluckte.  Er arbeitete sich binnen kürzester Zeit durch die Seiten.

„Nun?“, fragte Severus angespannt.

„Ich denke, ER sollte das hier erfahren. Das gibt uns ganz neue Möglichkeiten, zu arbeiten und mit dem Jungen zu reden. Ich denke, Potter würde auf unsere Seite kommen, wenn wir ihm in Ruhe erklären, wofür wir stehen.“

Severus nickte: „Ja, aber erst mal geht er vor“, gab Severus bestimmt zurück. „Wir müssen den Jungen irgendwie absichern, so dass der Alte ihn nicht auf einmal umbringen kann oder sonst was.“

Lucius runzelte die Stirn. „Was willst du überhaupt tun? Er muss in seinen alten Körper zurück.“

„Ich werde gleich anfangen, die Pampe zu analysieren“, gab er ruhig zurück. „Ich denke nicht mal, dass es Harrys Schuld war. Ich habe ihn beobachtet und da war kein Fehler. Es muss schon vorher passiert sein. Aber selbst, wenn ich herausgefunden habe, was schief gelaufen ist, muss ich auch erst mal einen Gegentrank finden und ihn danach brauen. Ich rechne mit vier Monaten, das heißt, vor Januar nächstes Jahr wird er auf jeden Fall in dieser Form sein. Luc, er ist nicht mehr, als ein vollkommen verängstigtes und verstörtes Kleinkind, dass man schon zu einem Putzsklaven abgerichtet hat! Er hat noch nicht ein Wort gesprochen und er denkt, dass jeder, der sich ihm nähert, ihn schlagen will!!“

Lucius nickte langsam: „Hör mal, ich kann eine Hauselfe schicken, mit Dracos alten Sachen, das erspart dir wahrscheinlich einen Einkauf. Ich habe auch noch einen großen Teil seiner alten Spielsachen.“

Severus’ Gesicht hellte sich etwas auf. „Das würde mir in der Tat einiges ersparen.“ Er deutete auf den lächerlichen Koffer, der auf dem Flur lag. „Das ist sein gesamter Besitz – und wenn ich so darüber nachdenke, habe ich seinen weißen Flusenfänger dieses Jahr auch noch nicht wirklich gesehen.“

Lucius nickte und legte eine Hand auf Severus’ Arm: „Die Sachen sind in einer Stunde da und... oh, sieh mal, da.“ Er deutete auf das Sofa.

Harry erwachte, es war ungewöhnlich weich unter ihm und ihm war angenehm warm. Er spürte nicht wie sonst die beiden Sprungfedern seiner kleinen Matratze, dich sich sonst immer in seinen Körper bohrten. Verwirrt blinzelte er. Es war zu hell in seinem Schrank und ... oh Gott! Er hatte doch noch nicht mal seine Aufgaben gemacht! War er etwa bei der Arbeit im Wohnzimmer eingeschlafen?! Hastig richtete er sich auf und wollte von der weichen Unterlage klettern, als eine Hand sich auf seine Schulter legte.

Nein! Nein, Onkel Vernon durfte ihn nicht erwischt haben! Er wollte nicht geschlagen werden! Automatisch zuckten seine Arme nach oben.

„Harry, es ist alles gut“, redete Severus auf das sichtlich desorientierte Kind ein. „Du bist nicht bei deinen Verwandten.“

Der Junge wandte sich zu dem Mann der ihn ansah, bevor er sich wieder daran erinnerte, dass er ja auf einmal vom Putzen irgendwo anders gelandet war. Bei dem Mann, der ihn zwar angemeckert hatte, aber der ihn nicht ein Mal geschlagen hatte. Aber was sollte er denn nun hier? Hatte sein Onkel getan, was er so oft angedroht hatte? Ihn verkauft? Aber was sollte er dann tun? Putzen? Warum lag er dann auf einem Sofa?

„Bei Merlin, ist der Junge verschreckt!“

Severus nickte und hob Harry wieder auf seine Arme. „Wem sagst du das?“, fragte er leise. „Ich bin eben über ihn gestolpert, habe etwas geflucht und er wäre fast in den Kamin gesprungen, so viel Angst hatte er vor einer Strafe.“ Er streichelte den Jungen so lange, bis die Spannung aus dem kleinen Körper wich.

Der Blonde war schockiert, um es milde auszudrücken. Er sah sich das Bild an, dass der Tränkemeister mit dem Kind auf dem Arm abgab. „Ich werde sehen, was ich tun kann“, versprach er dann. Er stand wieder auf: „Ich muss zurück, bevor auffällt, dass ich wieder da bin, ich werde IHN informieren...“

Immer noch keine Schläge, stellte der Kleine verwundert fest, stattdessen wurde er gehalten, wie er es bei Dudley immer sehen konnte. Als wäre er mehr, als ein hässlicher, kleiner Freak, der nur Probleme machte. Er wollte diese Wärme nutzen, so lange er sie hatte und lehnte sich gegen den Anderen, automatisch wanderte sein Finger wieder in den Mund

Severus wartete, bis der Blonde weg war, bevor er Harry wieder auf das Sofa setzte und sich selbst davor kniete. „Harry, du brauchst keine Angst vor mir zu haben, verstehst du mich? Ich will dich nicht schlagen.“

Langsam nickte der Kleine und lächelte schüchtern. Der Mann war so ganz anders, als Onkel Vernon. Vielleicht war es doch  nicht so schlimm, verkauft zu werden, wie der es immer hingestellt hatte.

Severus nickte erleichtert. Wenigstens etwas. Der Junge verstand ihn. Zumindest etwas. Und er entspannte sich in seiner Nähe offensichtlich, wenn er sogar ein noch so kleines Lächeln hinbekam.