Nugatti zum Frühstück

von Miki
GeschichteHumor, Romanze / P12
24.02.2008
09.02.2016
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Dieses Kapitel
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Danke für eure lieben Reviews!


Eine Stunde später…

Nach diesem denkwürdigen Frühstück auf dem Bjørn Einar mal wieder NICHT erkannte, dass ich die Liebe seines Lebens war, machte ich mich zusammen mit Magnus Stian auf den Rückweg zur Schanze. Allerdings wollte ich seine Begleitung ganz und gar nicht.
So etwas von überhaupt nicht nicht…
Und sowieso…
Trotzdem blieb er wie Pech und Schwefel an mir hängen. War ja auch wieder typisch für mein Glück. An der Schanze hatte sich während meiner Abwesenheit auf alle Fälle nicht sehr viel getan. Außer das sich noch ein paar Leutchen, alle weiblich, versammelt hatten.
Zwei von den Neulingen unterhielten sich angeregt mit Miriam. Ich runzelte die Stirn. Irgendwoher kannte ich die…
Endlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen…
In den uralten Zeiten, als myspace noch aktuell war, hatte ich die mal als ‚friends’ gehabt.
Die eine war ein riesiger Bjørn Einar-Fan, wenn ich mich recht zurück erinnerte.
Und die andere…
Mich deuchte, die hatte einfach ein Faible für alles, was jung, frisch und knackig war. Das reichte von der wilden Hilde bis zu österreichischen Manner-Schnitten. Und die war immer so vom Leben gebeutelt gewesen. Bei ‚Mood’ hatte immer nur gestanden, wie böse das liebe Leben gerade zu ihr war.

Tja, das Leben ist eins der Härtesten und endet meist tödlich…

Magnus Stian gähnte herzhaft. „Sag’ mal, was wollt ihr eigentlich so früh hier?“
„Hm?“
„Na, die Springer kommen auch erst in zwei Stunden.“
„Jaaa, aber es geht um einen guten Platz.“
„Guten Platz?“ Er blinzelte verwirrt.
„Na, in der ersten Reihe stehen, damit man gute Fotos machen kann.“
„Ah ja.“  Im Gegensatz zu seinen Worten drückte sein Gesichtsausdruck eher Unverständnis aus. Ich sah mich also in Erklärungsnot. „Na, wir wollen alle tolle Fotos für unsere Homepages, Blogs und was weiß ich machen.“
„Okay. Und dafür klemmt man wie eine Sardine hinter dem Zaun?“
Ich nickte.
„Ihr spinnt“, war alles was Magnus Stian von sich gab. Inzwischen hatten die anderen uns auch bemerkt und starrten meine hochgewachsene norwegische Begleitung an.
„Magnus Stian Lunde!“, kreischte ein mir wirklich unbekanntes Mädchen auf einmal. Jetzt war ich mal an der Reihe verwirrt zu blinzeln.
Der war echt doch so bekannt?
Magnus Stian seufzte neben mir. „Vorbei ist’s mit dem inkognito.“
„Hattest du jemals eins? Ich meine, Monstersonnenbrille und Co. sind ja sooo unauffällig.“
„Sagt die Frau, die in einem Bjørn Einar-T-Shirt schläft.“
Wäh?
Das wusste der noch?
Die Mädels hatten ihn inzwischen umringt.
Hatte was von einem Schwarm Haie und einem blutenden Opfer. Im Moment wirkte Magnus Stian aber noch recht gelassen. „Sorry Mädels, ich bin hier im Urlaub. Konzentriert euch auf die Skispringer.“
„Aber Magnuuuus!“, erschall es aus mindestens drei Kehlen.
„Stiiiaan“, setzte er automatisch hinzu.
„Ein Foto?“ Mein Gott, die bettelten ja regelrecht.
Würde ich nie tun…
Nun ja…
Nicht für ein Foto von ihm.
Bei Bjørn Einar oder Kyle Schmid eventuell schon.
Aber Magnus Stian blieb hart. „Nee, heute nicht. Und das beinhaltet auch Handyvideos!“ Miriam ließ vor Schreck fast ihr iphone fallen.
Mah, langsam bekam ich den Verdacht, dass der unter seinem blonden Schopf noch ein drittes Auge verbarg.
Die beiden Grazien, die ich von myspace her noch kannte, scherten sich im Gegensatz zum Rest nicht sonderlich um Magnus Stian.
Eher musterten die mich finster.
Erst jetzt fiel mir auf, dass die beide sogar eine Akkreditierung um den Hals baumeln hatten.
Wenn die nicht hier waren, um sich einen Platz zu sichern, warum bewegten die ihren verlängerten Rücken dann schon überhaupt zu dieser frühen Stunde hierher?
Wieder ein böser Blick.

Hatte ich denen was getan?
Hey, ich hatte die eine nicht gezwungen, ein Foto mit einer Papiertüte überm Kopf als Avatar zu nehmen. Wenn die ein Bewerbungsfoto für Guantanamo Bay wollte, war das doch nicht mein Bier.
Noch ein schräger Blick folgte, dann kamen die beiden auf mich zu. Die Begrüßung bestand aus einem kurzen Nicken.
„Hallo“, ich bin ja höflich und lächelte sie an.
„Du bist doch die von dieser Bjørn Einer-Fansite?“, kam es von der der einen. Sie betonte besonders das Wort Fansite. Jetzt war’s an mir zu nicken.
„Nun, ich habe mir überlegt, dass ich dir eventuell Fotos zur Verfügung stellen könnte.“
Wie bitte?
Hatte ich danach gefragt?
Sollte ich mich jetzt gebauchpinselt fühlen?
Konnte sie nur mit offenem Mund anstarren.
„Ich meine, deine Galerie braucht noch vernünftige Fotos. Und mit meiner Kamera…“ Sie deutete auf ihre Canon-Kamera, die eindeutig besser als meine alte Kodak war.  „Allerdings erwarte ich, dass mein Copyright deutlich zu sehen ist“, fuhr sie fort.
„Äh ja“, brachte ich schließlich hervor. „Danke für dein Angebot, aber ich habe genug eigene Fotos. Auch von meinem Aufenthalt in Norwegen und…“
Bei meinen Worten wanderten ihre ausradierten Augenbrauen drohend zusammen. Ihr Anhang tat es ihr gleich.
„Du warst in Norwegen?“
„Äh ja, vor einiger Zeit und…“
„Mensch Dana!“ Plötzlich war Magnus Stian neben mir. „Ich habe keine Lust hier noch ewig rumzustehen!“ Der quengelte mehr als jedes Kleinkind.
„Mah, ich unterhalte mich! Geh’ ein paar Bäume umhauen oder so!“ Meine Worte beeindruckten ihn mal wieder gar nicht.
Sein Blick fiel erst auf die beiden Grazien, dann auf ihre Akkreditierungen.
„Jetzt werden die Dinger schon verschenkt“, kam es gedehnt von ihm. Die beiden schnappten nach Luft. Doch Magnus Stian hakte mich einfach unter und zog mich mit sich.

Zehn Minuten später…

Wurde ich von Magnus Stian den Waldweg zur Schanze hochgejagt. Trotzdem zierte mein Gesicht ein breites Lächeln.

Er wirkte allerdings vollkommen unbeeindruckt. „Was zum Geier fasziniert dich daran so?“
„Du hast echt zu denen gesagt, dass sie die Akkreditierung nicht verdienen.“
„Und?“ Er zog fragend eine Augenbraue hoch.
„Ich hätte nicht gedacht, dass ich das mal zu dir sage, aber das war cool!“
Er grinst verschlagen. „Ich bin immer cool.“
„Davon träumst du nur!“
„Nein, ich weiß es.“
Wieder legte der diesen Schalter um, den einige Norweger vor ihrer Geburt standardtechnisch mit eingebaut bekommen. Auf alle Fälle strahlte der Sinnlichkeit aus.
Ein anderes Wort fällt mir dafür nicht ein.
So wie er guckte…
Sich mit der Hand durchs Haar fuhr…
Ich musste schlucken.
Irgendwie war mein Hals auf einmal ganz trocken.
Magnus Stian grinste auf einmal verschmitzt und legte den Schalter wieder in die andere Richtung um. „Komm, lass uns weiter nach oben gehen. Ich sollte dich eigentlich mit ins Springerlager bekommen. Wir müssen die netten Herrn Ordner oben nur ordentlich bearbeiten. Oder“, er musterte mich, „ich ernenne dich einfach zu meiner Assistentin. Bei Sommerspringen sehen die das angeblich nicht so eng.“
Ich im Springerlager?
Oh…

Eine halbe Stunde später…

Hockte ich auf einer Bank vor der Absperrung zum Springerlager und war nicht drinnen. Magnus Stian diskutierte noch mit dem Ordner (es war nur einer).

„Sie kennt das Team und..“, hörte ich nur. Aber Herr Ordner war immer noch nicht einsichtig.
Magnus Stian fluchte, während der Ordner finster drein schaute.
„Ist doch egal“, versuchte ich die Situation zu entschärfen.
„Nein, ist es nicht!“, kam es von beiden gleichzeitig.
Oh…
Ich setzte mich wieder auf meine Bank, während die beiden fröhlich weiter diskutierten.

Ein Viertelstunde später…

Diskutierten sie immer noch…
Magnus Stian konnte wirklich hartnäckig sein, wenn er wollte…

Drei Minuten später…

Fuhr ein Bus mitsamt norwegischen Skispringern vor. Die waren aber früh da. Momentan tummelten sich hier eigentlich nur Nordische Kombinierer. Magnus Stian hatte ja auch eigentlich erst in einer guten Stunde mit ihnen gerechnet. Die Tür vom Bus ging auf und das Gürkchen hüpfte heraus.
„Mahlzeit, Miss Dexter!“
„Ich habe das Ei nicht ermordet!“, fauchte ich.
„Doch hast du! Was macht denn der Lunde da vorne?“, die wilde Hilde hatte sich auch aus dem Bus bewegt.
„Äh…“
„Ah, der wollte dich ins Springerlager schmuggeln?“, erschall es links von mir.
Bjørn Einar!
Wah, wo kam der denn auf einmal her?
„Und die wollen dich nicht reinlassen?“, folgerte Sigurd als das allbekannte Superhirn.
Merkte nur, wie ich rot um die Nase wurde.
„Na, das ist doch kein Problem!“
Uh, sein Tonfall gefiel mir gar nicht…
Der war so maliziös…
Und prompt fand ich mich auch unter zwei riesigen Reisetaschen begraben wieder.
„Unsere Hütte ist die letzte auf der linken Seite, Dana!“