Liebe bleibt in der Familie

GeschichteRomanze / P16 Slash
Ares de SaintClaire Cedric Charney Robert von Metz Shareef Tyros William Blanchefort
23.02.2008
24.08.2011
7
19541
 
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So. Chapter 2^^
Aber ich will euch auch nicht aufhalten...XD

Kapitel 2 - Geständnisse eines Tempelritters


Jackie hastete über die Straße, die sich auf der anderen Seite des Waldes befand. Ares würde sie sicher verfolgen. Oder besser - verfolgen lassen. Die Pistole in ihrer Hand hatte nach ihrem Wissensstand nun nur noch drei Kugeln. Außerdem hatte sie kaum Kondition, was ihre Lage noch zusätzlich verschlechterte. Hustend machte sie nach der nächsten Kurve halt und schaute sich um. Sie sah nur ein Stück Wald und Felder. Wie weit sie vom nächsten Ort entfernt war, konnte sie beim besten Willen nicht sagen. Plötzlich hörte sie Schüsse. Sie kamen eindeutig aus dem Wald. Ungeachtet ihrer armen Lungen raste sie weiter die Straße entlang. Auf einmal kam ihr ein schwarzer Geländewagen entgegen und bremste neben ihr scharf ab. Die hintere Tür wurde geöffnet und ein ernstes Gesicht erschien.
"Da bist du ja!"
"Cedric!", rief Jackie erleichtert. Es tat so gut einen normalen Tempelritter zu sehen und nicht immer von so fanatischen Gralsuchern wie Ares umgeben zu sein.
Sie quetschte sich zu Cedric Charney und Montgomery Bruce auf die Rückbank und schaute prompt in das grinsende Gesicht von David, dem Sohn des Templermeisters, der sich neben Robert von Metz, seinem Vater, auf dem Beifahrersitz niedergelassen hatte.
"Ich dachte mir schon, dass du einen Alleingang zur Devina machen wolltest.", feixte er. "Aber du bist nicht reingekommen, oder?"
Jackie schnallte sich an. Bei von Metz´ Fahrstil war das sicherer so. Dann antwortete sie: "Na, klar war ich drin! Das war einfacher als ich dachte. Nur das Rauskommen war etwas heikel. Ach ja, Robert, ich würde an deiner Stelle losfahren, ich hab eben Schüsse im Wald gehört!"
Von Metz trat das Gaspedal voll durch und jagte mit zweihundert Sachen über die Landstraße.
Jackie schilderte ihren Aufenthalt in der Devina, ließ jedoch aus, dass Ares sie vor Shareef beschützt hatte. David drehte sich erstaunt zu ihr um. "Du bist da so einfach wieder rausgekommen? Ich meine, Ares ist doch sonst nicht so liebenswürdig! Mich wollte er zum Beispiel nicht so einfach gehen lassen."
Jackie überlegte, was sie als nächstes sagen sollte. Wahrscheinlich hatte Ares sie zu interessant gefunden, um sie zu töten und bei ihrer Verfolgung auch noch mal ein Auge zugedrückt. Aber das würde sie hier nicht sagen. Also zuckte sie mit den Schultern und erwiderte:"Es war ja nicht einfach! Ich musste eine Wache bewusstlos schlagen, die zweite mit dem Kopf gegen die Türklinke rammen und draußen noch drei Stück erschießen! Nicht zu vergessen, dass der Araber mich die ganze Zeit über mit seinem Krummdolch bekannt machen wollte!"
Cedric lachte. "Und du meinst, dass wir dir das glauben!?"
Jackie nickte. "Allerdings. Aber wenn ihr nicht wollt - dann erzähle ich euch eben nichts über Lucrezia!"
Robert riss das Lenkrad scharf herum, sodass sie beinahe in den Straßengraben geschlittert wären. Er konnte das noch im letzten Moment verhindern.
"Was ist mit Lucrezia?", fragte er keuchend.
Jackie sah David mit hochgezogenen Brauen an, dieser zuckte nur mit den Schultern.
"Sie ist tot.", sagte sie knapp. "Ares hat mit Shareef darüber geredet."
Von Metz atmete sichtlich erleichtert aus.
"Vielleicht sollten wir dich undercover noch mal zur Devina schicken.", schlug Montgomery Bruce vor. Aber Cedric schüttelte den Kopf.
"Das ist zu riskant. Sie hat mehrere Söldner umgebracht. Ares wird ja wohl nicht denken, dass sie das aus Liebe zur Prieuré getan hat!"
Montgomery schwieg. Jackie überlegte, ob sie ihnen nicht doch erzählen sollte, dass Ares anscheinend Interesse an ihr hatte. Denn sie hätte durchaus eine Chance, die Prieuré für die Templer auszuspionieren.
Nach einer Weile brach David das Schweigen.
"Ich finde, Jackie sollte selbst entscheiden, ob sie der Aufgabe gewachsen ist, oder nicht. Ich meine, sie weiß doch wohl am besten, wie viel ihr ihr Leben wert ist."
Cedric wollte protestieren, aber Jackie war schneller.
"Ich habe keine Angst. Ich habe den großen Schwertmeister schon einmal besiegt und werde es sicher auch ein zweites Mal schaffen!"
Von Metz lachte auf. "Das glaube ich kaum. Ares lernt bei jedem Kampf dazu und wird bei deinem nächsten Fluchtversuch sicher vorbereitet sein."
Nun konnte Jackie die Wahrheit nicht mehr verschlucken. "Nein! Er hat ja gar nicht wirklich versucht mich umzubringen! Erst hat er mich vor Shareef gerettet und dann in sein Zimmer verfrachtet! Als dann die Söldner kamen, hat er sie mir nicht hinterhergeschickt. Er wollte mir gar nichts tun!"
Montgomery und Cedric starrten sie an. Auch David und Robert drehten sich irritiert um.
Plötzlich wurde Cedric todernst. "Du wirst da nicht noch mal hingehen! Das ist ein Befehl!"
Jackie verstand die Welt nicht mehr.
"Du kannst mir doch nicht vorschreiben, wo ich hingehe! Du bist schließlich nicht mein Vater!" Diese Worte lösten eine unbehagliche Stille aus. Besonders Cedric schien sich nicht wohl zu fühlen.
Jackie schluckte. Hatte sie etwas Falsches gesagt?
Cedric fing an, unruhig auf seinem Sitz herumzurutschen. Dann sagte er mit hörbar belegter Stimme:"Du hast ja keine Ahnung. Wir reden später drüber, klar?"
Jackie nickte. Was hatten die denn auf einmal alle?
Egal. Sie musste sich jetzt gute Argumente zurechtlegen, um später doch noch zurück zur Devina zu können. Sie ertappte sich dabei, wie sie davon träumte, Ares wiederzusehen. Schnell verscheuchte sie den Gedanken. Sie benahm sich ja schon wie ein verliebtes kleines Mädchen.
Nach etwa einer Viertelstunde bog Robert in die Seitenstraße, die zur Templerburg führte, ein. Irgendwie freute sich Jackie, die anderen Templer wiederzusehen. Die Ritter waren schon immer so etwas wie eine Familie für sie gewesen. Es waren ja auch fast alle miteinander verwandt. Sie entstammten alle den legendären fünf Rittern, die den heiligen Gral vor den anderen vier Rittern zu beschützen versuchten.
Manchmal träumte Jackie davon, auch zu dieser jahrhundertealten Familie zu gehören. Ganz unmöglich war das nicht. Sie war bei den Templern seit sie denken konnte und Fragen über ihre Herkunft waren ihr von Anfang an verboten gewesen. Aber sie selbst fand das sehr unwahrscheinlich.
Nun standen sie vor dem Hauptportal. Die Technik in der Templerburg war auf dem neusten Stand. Die Überwachungskameras registrierten jede ihrer Bewegungen. Aber Jackie meinte, in der Devina noch bessere Systeme gesehen zu haben.
Als die kleine Gruppe schließlich den Burghof betrat, sah Jackie die Normalsterblichen Wächter auf den Wehrgängen patrouillieren. Robert führte sie in das Bürogebäude, und dann direkt in den Besprechungssaal. War denn ihr Alleingang so schlimm gewesen, dass gleich alle davon unterrichtet werden mussten?
So langsam tröpfelten auch die anderen herein. William sah sie als erster.
"Jackie! Wir haben uns schon Sorgen gemacht!"
Na, toll! Warum behandelten sie sie wie ein Kleinkind?
Aber dann sagte William: "Ok. Ich will jetzt nichts anderes von dir hören, als: Ich hab Ares besiegt, ein paar Söldner kalt gemacht und Shareef ein Schnippchen geschlagen!"
Jackie grinste und ließ sich neben ihm nieder.
"Fast. Ich habe erst Shareef mit Ares´ Hilfe ein Schnippchen geschlagen, dann den Schwertmeister besiegt, dann ein paar Söldner kalt gemacht und bin schließlich geflohen."
William riss die Augen auf.
"Wie jetzt - mit Ares´ Hilfe ??"
"Ich glaube, das sollte sie uns allen noch mal genau erklären!", sagte Montgomery plötzlich. Nun hatten sich auch die restlichen Templer niedergelassen und schauten sie erwartungsvoll an. Jackie berichtete diesmal wahrheitsgemäß und in allen Einzelheiten die Ereignisse bei ihrem Besuch in der Devina.
Als sie geendet hatte, konnte Jackie an den Gesichtsausdrücken der Templer erkennen, dass sie alles erwartet hatten, nur nicht so was.
Endlich meldete sich David zu Wort.
"Klar, es ist komisch, dass Ares plötzlich Gefühle für sein Opfer entwickelt hat, aber das ist doch ein Vorteil für uns! Er wird Jackie nichts tun. Folglich können wir sie einfach wieder zur Devina schicken, ohne befürchten zu müssen, dass ihr etwas passiert."
Jackie nickte heftig.
Aber Cedric schlug auf einmal mit der Faust auf den Tisch.
"Nein, verdammt! Versteht ihr denn nicht? Es ist total gefährlich! Ares wird sich ja wohl zusammenreimen können, warum und wohin Jackie abgehauen ist!"
Jetzt wurde auch Jackie sauer. "Du kannst mir das nicht einfach verbieten! Wenn ich mich töten wollte, müsste ich einfach nur von der Wehrmauer springen! Da würde es auch nichts nützen, wenn du mich von Ares fernhieltest!"
Nun war es an Cedric, den Kopf zu schütteln.
"Eben nicht. Du würdest dir wahrscheinlich ein paar Platzwunden und Brüche zuziehen, aber sterben würdest du bei weitem nicht. Dafür müsste dir schon jemand den Kopf abschlagen. Und wie wir alle wissen, ist das Ares´ Spezialität."
"Aber, moment mal.", lenkte Jackie irritiert ein, "Um bei einem Sprung von der Mauer nicht zu sterben, müsste ich ja so sein wie ihr - beinahe unverwundbar also!"
Cedric lächelte gequält. "Das ist es ja. Du bist so wie wir!"
Jackie wurde schwindelig. Sie nahm einen Schluck Wasser aus dem Glas, das vor ihr stand. Wenn sie das richtig verstanden hatte - und sie zweifelte kein bisschen an ihrem Auffassungsvermögen - müsste ja einer der hier anwesenden Templer...
"Ich weiß, dass das jetzt etwas plötzlich kommt. Aber du solltest endlich wissen, wo du hingehörst.", sagte Cedric etwas kleinlaut.
Jackie fand endlich ihre Stimme wieder. "Aber wer von euch...ich meine...einer von euch müsste doch..." Sie brach ab.
Cedric lächelte wieder. "Also, du hast schon recht mit deiner Vermutung. Aber glaubst du mir, wenn ich dir sage, dass niemand anderer als ich selbst dein Vater ist?"
Ok. Geahnt hatte sie es, aber trotzdem traf diese Nachricht Jackie wie ein Schlag.
"Und was ist mit meiner Mutter?"
Es war wohl eine sehr unpassende Frage, denn Cedric wurde sofort wieder ernst.
"Sie ist gestorben, als du zwei warst. Sie wurde ermordet. Hinterhältig aus dem Schatten heraus mit einem Krummdolch!"
"Cedric, bitte! Es ist lange her. Reg dich nicht auf!", sagte Robert.
Aber da sprang Jackie auf.
"Shareef!", rief sie. Zwei Ritter stürzten auf sie zu und wollten sie zurückhalten, aber sie hatte ihrem Vater sein Schwert aus dem Gürtel gezogen und hastete auf die Tür zu. Mit einem Aufschrei setzte Cedric ihr nach, doch er erntete nur einen unschönen Kratzer auf seiner rechten Hand.
"Ich mach ihn kalt! Ich lass ihn so lange leiden, bis er verreckt!", rief Jackie, während sie über den Burghof lief, gefolgt von Montgomery, Robert und Cedric.
Am Haupttor wollten zwei Wachen sie aufhalten und Jackie lieferte sich mit ihnen einen kurzen Kampf. Doch noch bevor die Tempelritter sie erreichen konnten, war sie auch schon auf dem Zufahrtsweg. Nach einigen Metern schlug sie sich am Wegesrand in die Büsche und lief im Wald weiter.
Am Haupttor standen Robert und Cedric entgeistert zusammen, während Montgomery die Wachen anwies, nach Jackie zu suchen.
"Das war dumm von ihr.", sagte Robert. "Dumm aber sehr mutig. Entweder sie beweist, dass sie es würdig ist, Templerin zu sein, oder sie stirbt."
Cedric nickte betrübt.
"Aber in einer Angelegenheit kannst du dir jetzt hundertprozentig sicher sein -", fuhr Robert fort. Cedric schaute ihn fragend an.
"- sie ist ohne Zweifel deine Tochter! So rachsüchtig ist nur jemand, in dessen Adern echtes Ritterblut fließt!"
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