Liebe bleibt in der Familie

GeschichteRomanze / P16 Slash
Ares de SaintClaire Cedric Charney Robert von Metz Shareef Tyros William Blanchefort
23.02.2008
24.08.2011
7
18.998
 
Alle Kapitel
19 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 
23.02.2008 2.366
 
Hier das erste Kapitel. Ich freue mich über Lob ebenso wie über Kritik! Danke schonmal im Voraus! :)




Kapitel 1 - Von Mördern und kleinen Mädchen


Ares versetzte Shareef noch einen letzten Hieb mit seinem Schwert. Als Schwertmeister hatte er die Aufgabe, die Krieger der Prieuré de Sion auszubilden. Aber das Kebab-Hirn, fand er, war in Nahkämpfen eine Niete. Er ließ sich so einfach sein Schwert aus der Hand schlagen.
"Wir machen Schluss!", brüllte er durch den Fechtsaal der Devina, dem Hauptquartier der Prieuré, in dem noch einige andere ihre Kampftechnik hatten verbessern wollen. Shareef sammelte sein Übungsschwert ein und zog schweigend ab. Ares hatte nichts anderes erwartet - der Araber sagte stets nur das Nötigste.
Kaum hatte der Schwertmeister den Saal verlassen und den Weg zu seinem privaten Zimmer eingeschlagen, schrillte auch schon die Alarmglocke los. Ares änderte sofort die Richtung und stürzte in den Kontrollraum. Auf allen Bildschirmen konnte er die Söldner erkennen, die schwer bewaffnet Richtung Haupteingang stürmten. Sein Blick wechselte zu den Kameraaufzeichnungen außerhalb der Devina. Er stockte. Über die Wiese vor der Villa hetzte ein Mädchen. Soweit er das erkennen konnte, war es etwa fünfzehn, vielleicht sechzehn Jahre alt.
Kaum eine Minute später stand Ares auch schon vor dem Haupteingang und sah dem Mädchen entgegen, das nun zielstrebig mit langen Schritten auf ihn zuging. Nachdem er den Söldnern jedes Eingreifen untersagt hatte, war es deutlich ruhiger geworden. Man hörte nur noch das regelmäßige Atmen des Mädchens sowie seine Schritte auf dem Kiesweg. Kurz bevor es Ares erreichen konnte sprang das Kebab-Hirn aus einer Seitentür und drückte ihm ein mit Chloroform getränktes Tuch vor das hübsche Gesicht. Ares nahm das Mädchen auf seine Arme und verschwand durch den Haupteingang. Shareef folgte ihm widerwillig mit dem für ihn so typischen teilnahmslosen Gesichtsausdruck.
Ares brachte das Mädchen in eines der Gästezimmer und bedeutete Lutz, einem der Söldner, im Zimmer zu bleiben und aufzupassen.
Nach etwa einer halben Stunde schlüpfte Shareef in Ares´ Zimmer. Der Schwertmeister schaute verärgert auf. Konnte dieses Kebab-Hirn denn nicht anklopfen?
"Sie ist aufgewacht.", meinte Shareef knapp.
Ares erhob sich und ging in das Gästezimmer.
Das Mädchen saß auf dem kleinen Schreibtisch in der Mitte des Raumes und schaute ihn aus blau-grünen Augen an. Sie sagte nichts, schien aber tausend Fragen zu haben. Ares war es egal. Solche Fälle gab es ab und zu mal. Die, die sich zur Devina verirrten, wurden normalerweise sofort getötet.
"Ich frage mich, warum ihr mich nicht gleich um die Ecke gebracht habt!"
Ares schreckte aus seinen Gedanken. Was hatte sie gesagt?
"Huhu! Bist du noch wach???", sagte das Mädchen laut.
"Halte gefälligst dein vorlautes Mundwerk!", zischte Ares. Er tauschte mit Shareef einen Blick. Der Araber schob sich unauffällig Stück für Stück zu dem Mädchen hin. Sie störte nur, also wurde sie beseitigt. Um sie abzulenken, fragte Ares:" Wie heißt du eigentlich, wenn ich fragen darf?"
Das Mädchen sah ihn weiterhin offen an, als sie sagte: "Jackie. Und du bist Ares de Saintclair, nehme ich an."
Im nächsten Moment passierten mehrere Dinge gleichzeitig: Ares sprang alarmiert auf Shareef zu, damit er das Mädchen nicht tötete. Shareef stürzte sich aber schon auf sie, um ihr seinen Krummdolch in die Brust die rammen. Aber das Eigenartigste tat Jackie selbst. Sie sprang auf, machte einen großen Schritt nach vorn, auf Ares zu, sodass Shareef sie verfehlte, und dann einen kleinen zur Seite. In derselben Bewegung riss sie dem Schwertmeister seine Waffe aus der Hand, wirbelte auf dem Absatz herum und legte ihm seine eigene Klinge an den Hals.
Shareef zog seinen Dolch mit einem Ruck aus dem Tisch und drehte sich langsam zu ihnen um. Jackie stand direkt hinter dem Prieuré-Ritter, deshalb konnte er seinen Dolch nicht schleudern.
Ares schluckte. In einer solchen Situation hatte er erst einmal gesteckt. Und zwar, als Robert von Metz, der Templer-Meister, ihn überrascht hatte. Aber von einer fünfzehn-jährigen überrumpelt zu werden war weitaus schlimmer. Es verletzte seinen Stolz. Er überlegte fieberhaft, wie er aus dieser misslichen Lage wieder herauskam. Wenn er sich einfach wegdrehte, würde er Jackie vielleicht wegstoßen können. Noch während er auf einen günstigen Zeitpunkt wartete und Shareefs Blick suchte, fühlte er plötzlich einen stechenden Schmerz im Hals. Seine eigene Schwertklinge durchschnitt gerade die Haut seines Halses. Er fühlte schon warmes Blut über seine linke Schulter fließen, als Shareef endlich etwas unternahm. Er rollte sich blitzschnell über den Boden und versuchte durch Ares´ Beine hindurch das Mädchen zu erwischen, doch dieses war offensichtlich schneller. Jackie verpasste dem Araber einen tiefen Schnitt quer über den rechten Arm. Ares drehte sich um und wollte sich sein Schwert schnappen, doch da ruhte die Klinge schon wieder an seiner Kehle. Hinter ihm zog sich Shareef schwer blutend zurück. Jackie lächelte nicht. Sie hatte einen ungläubigen, fast traurigen Ausdruck im Gesicht. Ares dachte über eine weitere Möglichkeit nach, die Situation wieder unter Kontrolle zu bringen, aber sie registrierte jede seiner Bewegungen, auch wenn es nur ein Zucken seines Mundwinkels war.
"Ich finde das nicht sehr freundlich!", meinte sie und schaute kurz zu Shareef, wohl um sich zu vergewissern, dass er noch lebte.
Ares fing an zu schwitzen. Die Klinge schnitt immer tiefer in seinen Hals.
"Meinst du, ich finde es freundlich, dass du mir gleich die Halsschlagader durchtrennst?", presste er zwischen den Zähnen hervor. Er war nicht ängstlich aber durchaus besorgt, denn wie sollte die Prieuré ohne Lucrezia, die vor einem halben Jahr getötet wurde, und ihn weiter existieren? Außerdem konnte er nicht zulassen, dass er von einem Teenager-Mädchen ohne einen fairen Kampf regelrecht hingerichtet wurde.
Er machte einen Schritt zur Seite und duckte sich, als Jackie mit dem Schwert ausholte. Dann stürzte er auf sie zu, warf sie zu Boden und schlitterte gegen die gegenüberliegende Wand. Dabei flog sein Schwert in hohem Bogen durch die Luft, spaltete die Deckenlampe und blieb vibrierend in einer Holzleiste des Hochbetts stecken. Da die Lampe kaputt war und es in diesem Zimmer kein Fenster gab, wurde es mit einem Schlag stockdunkel. Ares spürte nur Jackie unter sich, mit der er gegen die Wand gekracht war. Sie musste von dem Sturz das meiste abbekommen haben, aber kaum hatte er sich an der Wand hochgetastet, sprang sie auch schon auf die Füße. In der Dunkelheit konnte er sie natürlich nicht sehen aber er spürte ihren unregelmäßigen Atem im Gesicht. Da er beide Hände an der Wand abgestützt hatte, konnte sie sich aus ihrer gegenwärtigen Lage nicht befreien. Ares lächelte. Jetzt hatte er freie Bahn. Noch bevor das Licht anging würde sie tot sein.
"Grins nicht so blöd! Das macht Falten um den Mund rum!"
Ares wurde mit einem Schlag wieder ernst.
"Woher wusstest du, dass ich gerade gelächelt habe?", fragte er misstrauisch. Jackie lachte ihm leise ihren Atem ins Gesicht. "So was spürt man. Besonders wenn es dunkel ist und man sehr nahe beieinander steht. Dann ändert sich die Atmosphäre."
Ares hörte für einen Moment auf zu atmen, um sich besser auf Jackie konzentrieren zu können. Tatsächlich lag ihre Erheiterung spürbar in der Luft. Auf einmal tippte ihm jemand auf die Schulter. Mit einem leisen Aufschrei wirbelte er herum.
"Wo ist das Gör?", raunte Shareef. "Ich mach sie platt!"
Ares überlegte. Eigentlich war Jackie viel zu interessant um getötet zu werden. Auf der anderen Seite könnte sie auch eine Spionin der Templer sein. Aber dann hatte er noch genug Zeit, sie umzubringen.
"Ich weiß nicht, wo sie ist!", flüsterte er deshalb Shareef zu, schob das Mädchen gleichzeitig in eine Nische und stellte sich schützend davor. Er hörte Jackie hinter sich erstaunt die Luft einziehen.
Shareef entfernte sich. Ares wusste in etwa, wo sich die Tür befand. Sie war nicht abgeschlossen und gerade hörte er den Araber gegen das Bett stolpern. Er nahm die völlig perplexe Jackie an die Hand und schlich auf die Tür zu. Mit einem leisen Rums stieß sein Musikknochen gegen die Türklinke.
"Autsch!", schimpfte er leise und riss die Tür auf und Jackie mit sich auf den hellen Flur. Hastig drehte er den Schlüssel im Schloss um. Shareef war eingeschlossen. Dem erstaunten Söldner Lutz sagte er: "Lass ihn so in zwei Minuten raus und gib ihm einen Verband für seine Wunde."
Lutz nickte. Ares zog Jackie hinter sich her zu seinem privaten Zimmer. Doch als er sie hineinschieben wollte, riss sie sich los und sah ihn misstrauisch an.
"Was soll das werden, wenn es fertig ist? Willst wohl noch mal richtig Spaß haben, bis du deine Sklavin dann umbringst, was? Aber ich sag dir was, ich tret dir in deine-..."
Ares schubste sie hastig in sein Zimmer, als er Shareefs verärgerte Stimme am anderen Ende des langen, verwinkelten Flurs hörte. Er schloss zweimal ab und drehte sich dann zu Jackie um, die nun wirklich entsetzt aussah.
"Ich find das jetzt echt nicht mehr witzig!", keuchte sie. "Wenn du deine Triebe ausleben willst, dann such dir eine, die es dir leichter macht!"
Statt auf diese unverschämte Bemerkung einzugehen, zischte Ares: "Jetzt halt bloß den Mund, sonst kommt Shareef hier reingestürmt und schlitzt dir den Bauch auf!"
"Ich nehme an, es ist sowieso nur eine Frage der Zeit bis du selbst diese Maßnahme ergreifst.", grollte Jackie. "Spätestens wenn du mit mir fertig bist!"
Ares konnte nicht mehr. "Hab ich eigentlich bis jetzt irgendetwas gemacht, dass auch nur im Ansatz darauf hinweisen könnte, dass ich etwas Schmutziges mit dir vorhätte? Ich hab dich gerade vor einem mordlustigen Assassinen gerettet, obwohl ich nicht einmal weiß, wer du bist, warum du hierher kamst und woher du weißt, wie ich heiße!"
"Diese Fragen kann ich dir alle beantworten, aber ich möchte doch vorher darauf hinweisen, dass du mich betäubt, gegen eine Wand geschleudert, entwaffnet, durch einen Flur geschleppt und grob in ein Zimmer gestoßen hast!"
Ares stöhnte. "Dir ist aber offensichtlich nichts dabei passiert! Außerdem bin ich für dich immer noch Monsieur de Saintclair!"
Jackie quittierte seine Aussage mit einem spöttischen Lächeln. "Also, Monsieur de Saintclair, dann möchte ich jetzt doch bitte wieder gehen, wenn sie nichts mehr mit mir anzufangen wissen."
Ares drohte in die Luft zu gehen.
"Es reicht, du blödes Rotzblag! Ich werde noch viel schlimmere Sachen mit dir anstellen, wenn du nicht sofort deine Fresse hältst!"
Jackie kniff die Augen zusammen, bis sie nur noch zwei kleine Schlitze in ihrem hübschen Gesicht bildeten und zischte: "Hat ihnen eigentlich schon mal jemand gesagt, dass sie ein kleiner, hochnäsiger Wichser sind? Ähh...Monsieur?"
In dem Moment, in dem der Schwertmeister sich auf sie stürzte, trat Shareef die Tür ein. Der Wutanfall des Prieuré-Ritters rettete ihr wahrscheinlich das Leben. Denn Ares´ Schwung hatte sie beide unter den wuchtigen Schreibtisch befördert und die beiden Wurfdolche bohrten sich lediglich in das dunkle Holz. Als sie am anderen Ende des Tisches angekommen waren, wollte Jackie aufspringen, doch Ares nagelte sie fest. Er schaute sie wütend an.
"Nimm sofort zurück, was du eben gesagt hast!", giftete er und verstärkte seinen Griff um ihre Unterarme.
Jackie presste die Lippen aufeinander und schüttelte den Kopf. In diesem Moment kam Shareef um den Schreibtisch herum und holte mit seinem Messer aus. Viel zu spät bemerkte er, dass er wohl Ares treffen würde. Mit einem Wutschrei fuhr dieser hoch und zog sich die Klinge aus dem Rücken.
"Sag mal, hast du eigentlich keine Augen im Kopf??? DU MÖCHTEGERN-ASSASSINE!!!", brüllte der Schwertmeister und rappelte sich vollständig auf. Dann schubste er das Kebab-Hirn gegen eine Wand und rammte ihm seinen eigenes Messer in den linken Oberarm. Der Araber schrie nicht aber trotzdem traten ihm Tränen in die Augen. Wahrscheinlich hatte das Messer auch den Knochen verletzt, aber Ares interessierte das sowieso nicht. Jemand stieß einen spitzen Schrei aus. Das Mädchen war ja auch noch da! Er wirbelte herum und sah zwei Söldner auf Jackie zugehen. Mit jedem Schritt wurden ihre Augen größer.
"Das wagt ihr zwei nicht! Ich bin schon mit viel größeren Jungs fertig geworden!"
Nach dem, was bis jetzt passiert war glaubte Ares das gerne, aber im Gegensatz zu Jackie hatten die Söldner Handfeuerwaffen.
Auf einmal rollte sie sich über den Boden, an den beiden Söldnern vorbei, auf die Tür zu und als sie diese erreicht hatte stand sie schnell auf und hetzte auf den Flur. Die Söldner wollten die Verfolgung aufnehmen, aber Ares brüllte:"STOP!!! Ich mach das, ihr kümmert euch um den Araber!"
Mit diesen Worten rannte er Jackie hinterher. Sie hatte einigen Vorsprung, doch am Haupteingang standen Wachen. Als Ares dort ankam, lag eine davon bewusstlos auf dem Boden, der anderen lief Blut aus einer Platzwunde auf der Stirn in die Augen. Die Tür stand offen und gerade konnte er das Mädchen im Wald, der sich rund um die Devina erstreckte, verschwinden sehen. Eigentlich waren rund um die Villa auch noch Wachen postiert, aber spätestens, als Ares einen bulligen Söldner erschossen auf dem Boden liegen sah, wusste er, dass die anderen wohl auch nicht viel lebendiger waren. Allem Anschein nach hatte Jackie dem ersten Wachposten am Eingang seine Waffe geklaut.
"Scheiße!!!", fluchte Ares. Er ärgerte sich weniger über den Umstand, dass er sie nicht hatte töten können, - was er sowieso zuletzt gar nicht mehr vorgehabt hatte - als darüber, dass er nicht mehr über sie in Erfahrung hatte bringen können. Niedergeschlagen kehrte er in die Devina zurück und sandte einen Spezialtrupp von schwerbewaffneten Söldnern aus, jedoch mit wenig Hoffnung Jackie noch zu erwischen. Dann sah er Shareef, der mit schmerzverzerrtem Gesicht seinen verbundenen Oberarm betrachtete. Es hatte ihn anscheinend wirklich schwer erwischt, denn normalerweise verzog er selbst bei tiefen Schnittwunden keine Miene. Lutz gesellte sich zu ihm.
"Der Knochen ist total auseinandergesplittert.", sagte er. "Aber er wollte sich nicht operieren lassen. Er meinte, Assassinen hätten so was wie Heilfleisch." Der Söldner zuckte mit den Schultern.
"Wenn er draufgeht, beerdigt ihn bitte im Wald und nicht auf dem Friedhof!", war alles, was Ares dazu zu sagen hatte.
Review schreiben