Weil du es bist

von Aku
GeschichteDrama / P12 Slash
22.02.2008
22.02.2008
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Weil du es bist


für Akane-chan.



Edward tat eigentlich nichts hektisch oder übereilt. Er vergaß nie, Orest die Flanke zu streicheln, bevor er ihm einem Stallburschen übergab, er zog immer erst den rechten und dann den linken Handschuh aus.
Er ließ sich einfach durch nichts aus der Ruhe bringen und es gab nicht wenige Pagen, die ihn dafür bewunderten, und noch mehr Knappen, die von ihren Lehrern immer wieder aufgefordert wurden, sich ein Beispiel an ihm zu nehmen.

Er sprang aus dem Sattel, tätschelte die schweißnasse Flanke des Tieres und lächelte den Jungen an. „Reib den guten Orest ab, ich habe ihn geschunden.“
„Natürlich, Sir.“
„Danke.“
Julian sah dem Ritter nach, der mit weitausholenden Schritten den Hof überquerte. Ein Handschuh fiel in eine Schlammpfütze. Der rechte.
„Mylord, Euer Handschuh!“
Edward of Burton drehte sich nicht einmal nach ihm um, sondern beschleunigte seine Schritte noch. Er... rannte.
„Das... ist ungewöhnlich. Na, komm, Orest...“


„Mylord, Ihr könnt nicht...!“
Aber Edward war bereits durch die Tür, bevor der Wachsoldat es schaffte, ihm mitzuteilen, was er nicht konnte.
Nachlässig ließ er auch den zweiten Handschuh fallen und sank neben dem großen Bett auf das angeschlagene Knie.
„Sire...“
„Edward? Wie...“ Lord Henry, oder viel mehr die blasse Gestalt, die tief in den Kissen lag und nur noch entfernt an den König von England erinnerte, hustete. „Wie kommst du hierher?“
„Euer Bruder hat mir einen Boten geschickt, Sire, und ich habe mich beeilt.“
„Du musst geflogen sein.“
Darauf hätte Edward gerne geantwortet, aber der Anblick des anderen Mannes schnürte ihm die Kehle zu. Henry Bolingbroke war ein großer Mann, es war einfach nicht richtig, ihn so zu sehen... So blass. Mit den aufgesprungenen Lippen und den permanent flatternden Augenlidern.
„Was ist?“
„Wie... fühlt Ihr Euch, Sire?“
„Lass das.“
„Entschuldigt?“
Henry hob den Kopf in einer herrischen Geste aus den Kissen. Edward konnte sehen, wie viel Mühe es ihn kostete. „Du kennst mich jetzt wie lange, Edward? Wie oft haben wir uns gegenseitig das Leben gerettet? Kannst du es mir wenigstens wenn ich krank bin, gönnen, mich wie einen Freund anzureden?“
„Aber...“
„Steh auf, setz dich zu mir.“
„Aber Sire...“
Lord Henry schloss die Augen und atmete tief durch. „Willst du wirklich, dass ich das als Befehl deines Königs formuliere?“
Zögernd erhob Edward sich und trat an das Bett, brachte es aber nicht über sich, sich zu setzen.
„Was ist mit deinem Knie passiert? – Dein Beinkleid ist zerrissen.“
„Ich bin auf der Treppe gestolpert.“
„Gestolpert? Sir Edward of Burton? Das sollte ich einem Schreiber diktieren.”
Ein erneuter Hustenanfall schüttelte Henry und entkräftet sank er in die Kissen zurück.
„Hilf mir, mich hinzusetzen.“
„Haltet Ihr das für richtig, Sire?“
„Edward.“
„Tut mir leid, Sire.“
Henry lächelte. „Noch einmal: ‚Tut mir leid, Henry.’.“
„Ja... Henry.“
Edward schob die Kissen zurecht und half seinem König, sich aufzurichten.
„Das ist besser. Danke. – Du warst bei deinem Vater?“
„Ja, Mylord.“
„Du musst geritten sein wie der Teufel persönlich.“
Edward brachte ein schwaches Grinsen zustande. „Ich nehme an, Orest fühlt sich jetzt so.“
„Erst stolperst du, dann treibst du ein Pferd gewaltsam durch halb England... Warum?“
„Aber, Sire...“
Auf den strafenden Blick Henrys hin schüttelte Edward den Kopf. „Dein Bruder schrieb, du seiest krank. Schon wieder.“
„Krank, Edward. Nicht halbtot.“
Edward verzichtete darauf, dazu irgendetwas zu sagen. Vor allem, weil nichts von dem, was ihm jetzt durch den Kopf ging, jemals laut ausgesprochen werden sollte. Natürlich war seine Reaktion übereilt gewesen. Natürlich hätte er seinen Vater von seinem Aufbruch und dem Grund dafür unterrichten sollen. Aber manchmal... Er zuckte mit den Achseln.
„Es geht mir gar nicht so schlecht. John neigt zu Übertreibungen. – Was mich viel mehr belastet: Warum stehst du noch immer und sitzt nicht hier, neben mir?“
Ihm lag eine Antwort auf der Zunge, schon wieder eine, die nicht ausgesprochen gehörte. Es gab wirklich nicht viel, was er lieber getan hätte, als auf dem Bett neben Lord Henry zu sitzen...
„Weil du es bist. Weil du... bist, wer du bist.“
„Edward... Das ist so unglaublich... Nun, ich hoffe du stehst bequem.“
„Sehr. Danke.“




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