Coin-Operated Boy

GeschichteDrama / P12
Emppu Vuorinen
21.02.2008
27.06.2011
3
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Coin-Operated Boy

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Inspiriert von dem gleichnamigen Song der Dresden Dolls, eine witzige Idee mit einem Hauch von Traurigkeit.
ah ja... nix gehört mir... keiner und gar nichts... vielleicht floora und ihre mum... und die idee... die gehört eigentlich auch mir und der titel der story... der gehört den dresden dolls. ^^
***

Das künstliche Licht brannte in den Augen der einzelnen Menschen, die sich hier versammelt hatten. Die Atmosphäre hatte sich unangenehm verdichtet und wirkte sich nicht sonderlich auf die Gemüter aus.

Der Arzt betrat den Gang, erkannte die Situation und entschied sich, den Angehörigen so schnell wie möglich alles zu sagen.

„Floora hat einen Fall der akuten myeloischen Leukämie“, begann er ruhig. Flooras Mutter zuckte zusammen und schüttelte ungläubig den Kopf, hob die Hand an die Lippen.
„Was bedeutet das nun für sie?“, fragte der Vater ruhig nach.

„Wenn wir ehest möglich mit einer Chemotherapie beginnen, stehen ihre Chancen bei 80%. Sie ist noch so jung und wird es mehr oder weniger gut überstehen. Es wird eine harte Zeit für sie alle werden. Aber sie haben rechtzeitig reagiert, also habe ich gar keine Bedenken“, lächelte der junge Mann aufmunternd. Ein bärtiger Hüne trat ein wenig in den Vordergrund.
„Was können wir für Floora tun?“

„Geben Sie ihr Kraft, Herr Hietala. Zeigen Sie ihr, dass es sich zu kämpfen lohnt, auch wenn es nicht schön wird. Wir müssen ihr leider intensive Blöcke an Chemotherapie durchmachen lassen, da sich ihre weißen Blutkörperchen in einer unterentwickelten Stufe rasend schnell vermehren…“ Es war sehr nett von dem Arzt, dass er sich von Anfang an so deutlich ausdrückte und nicht im Fachvokabular herumstocherte.

Marco Hietala sah zu seinem großen Bruder und wollte sich nicht vorstellen, was diesem gerade durch den Kopf gehen mochte. Er wüsste nicht wie er reagiert hätte, wenn diese Diagnose bei einem seiner Söhne gestellt worden wäre… aber letztendlich war Zachary immer schon ein wirklich starker Kerl gewesen und er würde auch das hier gut meistern. Immerhin ging es um seine Tochter, er musste sich zusammenreißen. Sie alle mussten sich zusammenreißen und einfach mal daran glauben, dass es weiterginge.

Er atmete tief durch und wartete bis sie das Einverständnis bekamen,  seine Nichte zu besuchen. Zachary hatte nicht eine Wimper verzogen bis jetzt, er schien es noch nicht wirklich realisiert zu haben. Marco verzog kurz das Gesicht, denn er wusste, was heute Abend auf ihn zukommen würde, ein Abstecher in die nächste Bar und dort würden sie dann vermutlich zu trinken beginnen.

Sie war schon immer blass gewesen, aber noch nie so unglaublich weiß. Mit ihren geschwärzten Haaren, der blassen Haut und den rosenähnlichen Lippen, erinnerte sie ihn an das Schneewittchen. Er musste lächeln. Sie war so hübsch gewesen, immer schon. Und sie war praktisch ein Gründungsmitglied von Tarot gewesen. Auch wenn sie kaum laufen konnte, wollte sie immer erst dann ins Bett gehen, wenn sie ihren Papa und ihren Onkel bei der Arbeit zugesehen hatte.

Zach hielt sich zurück, Marco konnte einfach spüren, dass es ihm zu nahe ging, als dass er jetzt irgendwas sagen konnte. Deelu stürmte auf ihre Floora zu und umarmte sie, küsste sie überall, wo sie konnte und hielt sie ganz fest bei sich.
„Mutter, noch lebe ich, aber nicht mehr lange, wenn du mich so fest drückst“, knurrte das Mädchen angepisst.

Marco zog Mervi an sich und musste ein Grinsen stark unterdrücken. Obwohl die Kleine so krank war, hatte sie noch eine große Klappe. Sie war eindeutig eine Hietala, hätte ihn ja auch gewundert.

„Kann man dir irgendetwas Gutes tun, Liebling?“, erkundigte sich ihre Mutter immer und immer wieder.
„Ja, ein Häagen Dazs wäre nicht schlecht… das hätte ich jetzt echt gerne… aber das mit Cookies drinnen“, entgegnete Floora unbeeindruckt. Nun konnte sich Marco endgültig nicht mehr halten. Das war einfach zu viel. „Was denn? Ein Bier würde mir jetzt auch noch die Laune heben, vor allem, weil ich das während der Therapie leider nicht zu mir nehmen soll… eher so Gesundes Zeug, damit ich genügend Vitamine, etc. hab.“

„Floora, du kannst sterben und das einzige, was dich interessiert ist Eis und Bier!“, empörte sich ihre Mutter, doch die junge Frau zuckte mit den Schultern.
„Noch bin ich nicht am Sterben. Okay? Und bis ich mich fühle, als ob ich sterben wollte, weil ich beinhart vor habe euch zu überleben, immerhin gibt’s ja was zu erben, will ich ganz normal behandelt werden“, grinste sie breit, während sie ihrem Onkel zuzwinkerte.

„Ihr hab die Lady gehört, ich hol ihr mal n’schönes Karhu und n’Häagen Dazs und dann können wir alles weitere gemütlich besprechen“, meinte Marco, ließ seine Frau los und verschwand aus dem Zimmer.
Draußen traf es ihn wie ein Faustschlag ins Gesicht. Seine Nichte hatte Krebs. Er seufzte und fuhr sich mit beiden Händen über das Gesicht. Das würde nicht so einfach werden. Ganz und gar nicht.

Eiligen Schrittes stürzte er hinaus vor die Tür und kaufte sich bei der nächsten Trafik eine Schachtel Zigaretten, eigentlich hatte er ja aufgehört, aber spezielle Anlasse erforderten spezielle Mittel und da konnte Mervi schimpfen, was sie wollte.
Der Supermarkt war nicht weit, Eis und Bier hatte er schnell bei der Hand, er bezahlte und hielt außerhalb des Ladens nochmals kurz inne.

Er war verwirrt. Wie musste es erst Zach gehen? Er versuchte sich vorzustellen, wie es in ihm ausschauen würde… aber er brachte es nicht zustande. Kein bisschen. Aus reinem Reflex zückte er sein Handy aus der Jackentasche und wählte die Nummer von Tuomas.

„Hey, Marco… wie geht es dir?“, erkundigte sich sein Kumpel müde.
„Hab ich dich geweckt?“
„Nein, nein… ich hab mich nur gerade ein wenig an ein paar neuen Noten ausgetobt. Könnten euch gefallen“, meinte der Keyboarder nun viel enthusiastischer, voll von kindlicher Freude.
„Schön, ich bin schon gespannt darauf“, entgegnete der Ältere kurz.
„Sag schon, was ist los… du rufst mich doch nicht einfach so um halb 11 Uhr morgens an.

„Du hast mich durchschaut. Floora, Zachs Tochter… sie ist in ernsthaften Schwierigkeiten“, begann Marco leise.
„Sie ist schwanger?“
„Nein.“
„Sie hat geheiratet und Zach ist nun an die Decke gegangen?“
„Nein, schlimmer.“
„Sie nimmt Drogen?“
„Noch nicht“, kam es leise zurück. Nun war Tuomas etwas verblüfft, er hatte seinen Kumpel noch nie so niedergeschlagen gehört.

„Marco… was soll das heißen, noch nicht?“, fragte der Bandleader weiter.
„Sie hat Leukämie“, knurrte der Bärtige.
Schweigen am anderen Ende der Leitung.
„Kann man irgendetwas tun für sie? Für euch?“, erklang Sekunden später benommen.
„Nein, ich wollte es einfach nur jemandem sagen“, wisperte der Hüne müde.
„Schon klar, wenn ich euch irgendwie helfen kann… gib mir einfach Bescheid“, meinte der Dunkelhaarige ruhig.

„Danke… ich dachte nur… du hast doch ein bisschen mitbekommen, was bei Marc los war… und von dem her… vielleicht könntest du dann später mal mit ihr reden… irgendwann, wenn die Therapie begonnen hat. Ginge das?“
„Kein Problem, Marco. Sag mir nur, wann genau… dann bin ich da.“
„Danke, Tuomas. Wir sehen uns“, beschloss Marco das Gespräch und legte ohne eine Antwort abzuwarten auf. Er war fest davon überzeugt, dass er sich nichts anmerken lassen wollte, also setzte er sein Bühnenlächeln auf und kehrte zurück in das Zimmer mit seiner kranken Nichte.

Zach hatte sich noch immer nicht von der Stelle bewegt, soweit er dies beurteilen konnte. Deelu schien sich beruhigt zu haben und Mervi saß nun an Flooras Bett.
Lächelnd öffnete er ihr das Bier und streckte es ihr entgegen.
„Hier, genieß es… und das hier, ist auch für dich“, grinste er breit und streckte ihr den Becher entgegen. „Ich musste gegen eine 85-jährige Frau dafür kämpfen, hat mich ein paar mal mit ihrer Tasche getroffen, aber ich hab ihr den Gehstock geklaut, also konnte sie mich zumindest nicht verfolgen“, scherzte er und Floora nickte ungläubig.

„Ganz bestimmt, Onkel Marco, aber danke, dass du dir nach wie vor Märchen für mich ausdenkst“, lachte sie und sah nun rüber zu ihrem Vater.
„Paps… komm schon, ich will mit dir Eis essen. Es wird alles gut, ich verspreche es dir. Letztendlich bin ich deine Tochter und mit einer Heavy-Metal-Familie aufgewachsen, da haut einen nichts mehr um. Wir werden das Problem auch lösen“, lächelte sie breit und hielt ihm ihre Hand entgegen.

Zach beobachtete sie mit einem ernsten Blick, bevor er aufstand, ein gequältes Lächeln aufsetzte und sich zu ihr ans Bett begab.
„Natürlich. Ich wünschte nur, dass du so etwas nicht durchmachen müsstest… von mir aus eine Zahnwurzelbehandlung oder eine Zehenamputation… aber nichts, das dich so kaputt machen wird.
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