Ein letzter Blick

von Antiana
GeschichteDrama / P12
05.02.2008
05.02.2008
1
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Dieses Kapitel
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Serie: Death Note
Disclaimer: Tsugumi Ohba
Pairing: / (MxN)
Autor: Antiana
Warnungen: Death
Kommentar: Dieses Pairing braucht mehr Liebe!

Ein letzter Blick

Es war eisig in dem Raum, den er betrat. Steril und kalt, ohne jeden Luxus, ohne jede Hoffnung. Der Raum passte gut zu ihm, er war genauso weiß und steril, abweisend und leer wie er selbst.

Er wusste nicht genau, weshalb er gekommen war. Eigentlich war es nicht seine Aufgabe, eigentlich sollten das Andere tun, aber... er wollte sich überzeugen, es mit eigenen Augen sehen.
Mello...

Seine weißen Socken schlurften über den kalten, gefliesten Boden. Die Schritte seiner beiden Begleiter, eines Arztes und die Lesters, hallten in dem fast vollkommen leeren Raum wieder und wurden so um ein vielfaches verstärkt.

Keiner von den Beiden lief nah bei ihm, sie hielten sich im Hintergrund, während er sich auf das Einzige Ding zu bewegte, dass sich in dem Raum befand. Eine Bare, wie man sie im Krankenhaus benutzte, bedeckt mit einem glatten, weißen Tuch, dass im Schein der Neonröhren noch heller zu leuchten schien. Darunter die Silhouette eines Menschen.  

Eine Gänsehaut legte sich über seine Arme, als der Mann im weißen Kittel ihn überholte und hinter die Bare trat. Schweigend blickte der Junge zu ihm auf, während er nun vollständig an das Totenbett trat.

Bedächtig zog der Arzt die Decke herunter und Near war es, als würde sich der Vorhang zu einem Theaterstück öffnen.

Blondes Haar war wild über die Edelstahloberfläche der Bare verteilt, kringelten sich in leichten Locken übereinander und über der blassen Haut ihres Besitzers, rund um die grünen Augen, die leblos in die Neonröhren an der Decke starrten.  Kalt und leblos sahen sie aus, wie die einer Puppe, genauso wie seine Augen.

Es war, als würde Near in einen Spiegel blicken. Einen grausamen Spiegel der Wahrheit. Auf einmal konnte er verstehen, wie Mello sich wohl gefühlt hatte, in seiner Gegenwart, wie wütend er gewesen sein musste, weil seine Augen leer waren, wie die einer Leiche, denn in diesem Moment spürte er die selbe Wut, den selben Hass auf diese schrecklichen, kalten Augen.

Ein Schrei entfuhr seiner Kehle, ein Kreischen, das fast etwas animalisches hatte, da er seine Stimme sonst kaum strapazierte.  Seine Augen hatten sich merklich geweitet und quollen beinahe über vor Gefühlen. Heiße Tränen begannen sich in den Augenwinkeln zu bilden und liefen über seine kalten Wangen bis zum Kinn, wo sie schließlich auf den Boden tropften.

Nicht einmal Lester wagte es, ihn in diesem Zustand zu Berühren.  So hatte Near noch niemand erlebt. Der weiß gekleidete Junge beugte sich über den Toten.
Mello wäre jetzt glücklich gewesen, ihn so zu sehen, halb verrückt, halb verzweifelt. Near wünschte sich er möge aufwachen, ihn ansehen, sagen, dass es nur ein Scherz gewesen sei, um Gefühle aus ihm heraus zu kitzeln, wie sonst auch...
Wie gewöhnlich...
Wie immer...

Doch nichts geschah, Mello blieb leblos, seine Tränen waren kein Heilmittel, kein Wundertrank, der ihn wieder zum Leben erwecken konnte.

Minuten verstrichen, in denen sich keiner regte und niemand ein Wort verlor. Nur das leise Schluchzen des Jungen füllten den kleinen Raum, vielfach verstärkt durch den Widerhall.

Noch immer tränenüberströmt, löste Near sich schließlich von dem Toten Körper und betrachtete erneut das Gesicht, des von ihm so hochgeschätzten Freundes. Die Verteilung ihrer Rollen war jetzt vorbei, es gab keinen wilden Mello mehr, keinen kalten, gefühllosen Near. Mihaels Tod hatte etwas in ihm geweckt. Nein... Nicht etwas, sondern Jemanden. Nate, der so lange geschlafen hatte, war erwacht und mit ihm eine Entschlossenheit, die Near noch niemals zuvor gespürt hatte.
Er sagte nichts, aber tief in seinem Herzen brannte ein Feuer, ein leidenschaftliches Verlangen.

Er warf einen letzten Blick auf den Blonden, bevor er sich noch immer mit letzten Tränen in den Augen abwandte.  Lester folgte ihm ohne ein Wort, während der noch immer verängstigte Arzt, die Leiche wieder abdeckte und dem Jungen nachblickte, der so sanft und ruhig gewirkt hatte.
Der Blick auf seinen verstorbenen Freund hatte etwas an ihm verändert. Seine Ausstrahlung war vollkommen verwandelt, als hätte er die Seele des verstorbenen in sich aufgenommen.

„Mach dir keine Sorgen, Mello...“ murmelte Near, als Lester und er den Raum verlassen hatten.  „Gemeinsam werden wir Kira besiegen.“ sagte er leise und in seinen kalten Augen lag das aufgeregte Funkeln von Entschlossenheit.

The End