Faith - Schicksal

GeschichteAbenteuer / P18 Slash
Harry Potter Lucius Malfoy Remus "Moony" Lupin Severus Snape
27.01.2008
23.02.2008
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Hi! Da bin ich wieder, wie versprochen, mit der neuen Geschichte. Ich hoffe, ihr musstet nciht so lange warten! Viel Spaß beim Lesen


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Faith – Schicksal



„Ich hab schon auf dich gewartet“, stellte Harry ruhig, aber freundlich fest, als der Blonde neben ihm auf einen der Stühle in der Ecke der „Drei Besen“ sank. Vor ihm stand ein Glas Butterbier, von dem er nichts getrunken hatte. Solche Sachen schmeckten ihm schon seit einer Weile nicht mehr wirklich. So wenig, wie die meisten anderen Sachen.

„Weißt du, Narbengesicht, im Gegensatz zu dir hab ich Freude, die ich erst abschütteln musste“, kam es trocken zurück. Doch Draco grinste dabei aufmunternd. Es war alles andere als eine Beleidigung, es war ein Spitzname geworden, so wie Harry ihn oft Frettchen nannte.

Allerdings verdunkelte Harrys Gesicht sich kurz bei der Bemerkung, denn der Andere hatte damit ins Schwarze getroffen. Hermine und Ron hatten ihm in den Ferien nach Sirius’ Tod einfach die Freundschaft gekündigt, nun, wo er auch vom Ministerium die ganze Zeit dumm befragt wurde und Snape ihn auf dem Kieker hatte. Er begann, an dem Verband um seine Hand zu spielen. Die Wunde von der verfluchten Feder hatte sich noch immer nicht wieder geschlossen. Im Gegenteil, sie hatte sich auch noch entzündet.

Draco betrachtete seinen besten Freund. Harry und er hatten sich schon im ersten Schuljahr, nach ihrem Ausflug in den Wald, angefreundet. Doch sie hatten immer so getan, als wäre es nicht so – vor allen. Erst nur, weil Draco Dumbledore nicht traute. Dann, weil er Ron nicht ausstehen konnte und Hermine für arrogant hielt. Nun stellte sich heraus, dass der Blonde mit allem Recht behalten hatte. „Wie war es bei Snape?“

„Auch nicht schlimmer als sonst“, gab Harry nur abwinkend zurück, ohne eine Mine zu verziehen.

„Und in Gryffindor?“

Harrys Mine verdunkelte sich schlagartig.

„Was ist passiert?“, bohrte der Blonde sofort weiter.

„Nichts, was nicht schon vorher passiert wäre“, wich Harry ruhig aus. „Dank deiner Schutzzauber hatten sie mehr Schmerzen als sonst, als sie versucht haben, an meinen Koffer zu kommen. Dean, Seamus und Neville sind immer noch auf meiner Seite.“

„Wow“, spöttelte Draco unterkühlt. „Gleich drei Leute und du hast nur den Rest des Turms als Gegner!“

„Die Zwillinge...!“

„...sind nicht mehr in der Schule, wenn ich dich an diese Kleinigkeit erinnern dürfte.“

„Dray, ich habe es bisher auch so geschafft. Es ist nicht das Schönste, aber es... gibt Schlimmeres, glaub es mir.“

Zumindest bekam er seit zwei Wochen wieder regelmäßig zu essen. Oh ja, und keine Schläge mehr. Er musste nicht mal mehr wischen und seit Ron und Hermine nichts mehr mit ihm zu tun haben wollten, außer, um einen Punchingball zu haben, tat er auch nicht mehr so, als wäre er im Unterricht schlecht. Er schien sich auf Mittelmaß gesteigert zu haben, aber er zeigte noch lange nicht alles.

Draco kniff seine Augen zusammen. „Du siehst beschissen aus, seit du wieder hier bist“, stellte er ruhig fest, während die Bedienung einen weiteren Krug Butterbier und einen Teller vor Draco abstellte.

Harry zwang sich zu lächeln. „Irgendwann wird es sie langweilen“, winkte er ab. „Und dann hab ich meine Ruhe.“

Diese Einstellung gefiel Draco nicht wirklich. Er betrachtete Harry weiter mit zusammengekniffenen Augen und beschloss, an diesem Abend einen weiteren Brief an seinen Vater zu schreiben. Es wurde Zeit, die anderen zu aktivieren. So konnte es einfach nicht weitergehen. Irgendwer musste Harry helfen und da es ja der ach so tolle Direktor nicht tat, würde eben er das in die Hand nehmen. Er würde nicht zusehen, wie sein bester Freund sich selbst zugrunde richtete! Rasch griff er in die Innentasche seines Umhangs und beförderte eine Kette zutage. Einen einfachen Stein, der an einem Lederband hing.

„Was ist denn das?“

„Ein Geschenk“, grinste Draco breit. „Ich konnte es dir ja bisher nicht geben. Nachträglich zum Geburtstag, wenn du es so sehen willst.“

„Du bist doch wahnsinnig!“, rief Harry leise aus, während er den einfachen, glänzend schwarzen Stein betrachtete. Dann lächelte er und zum ersten Mal an diesem Tag erreichte es auch seine Augen. „Danke, Dray.“

Der Blonde grinste. „Trag ihn, ja? Tu mir den Gefallen. Es sind zwei Schutzzauber drauf, die vielleicht nützlich sein könnten. Keine Angst, nichts Dunkles und nichts Verbotenes.“

Harry nickte und legte die Kette um. „Sie ist wirklich schön, danke.“

Der Blonde grinste. Die Schutzzauber waren bei Weitem nicht alles. Er selbst trug das Gegenstück zu dem Stein, allerdings in der Hosentasche. Einige der Zauber, die auf dem Stein lagen, bewirkten, dass sich sein Stein verfärbte, so dass er im Notfall zur Hilfe kommen konnte. Am Liebsten hätte er direkt auf seinen Stein gekuckt, doch er tat es nicht, nicht hier. Damit würde er warten müssen, bis er wieder in der Schule war.

„Ich muss zurück.“

„Warum?“, fragte Draco überrascht. „Du bist doch erst kurz hier, dein Bier ist noch nicht angerührt und...“

„... ich hab eigentlich Hogsmaede-Verbot“, ergänzte Harry.

„Darf ich wissen, wie du das geschafft hast?“

„Ich?“, Harry zuckte mit den Schultern. „Du warst doch selbst dabei, als mein Trank wieder mal in die Luft gegangen ist. Irgendwer hat mir Kräuter rein geworfen, die nicht rein gehört haben. Aber dein Pate zieht es generell vor, mich zu bestrafen, wenn er kann.“

Dracos Augen verdunkelten sich. Er wusste, dass Severus es tat, um seine Tarnung aufrecht zu erhalten, doch er fand es schrecklich unfair. Vielleicht konnte sein Onkel ein kleines bisschen fairer sein. Denn im Moment sah Harry nicht aus, als würde er noch viel mehr Stress ertragen. Er sah ohnehin schon beschissen genug aus. „Wie bist du dann... durch den Gang?“

„Wie denn sonst?“

„Was ist mit deinem Butterbier?“

„Es sei dir gegönnt“, gab Harry nur abwinkend zurück. „Aber... kannst du bitte zu Fred und George und ihnen den Brief geben?“

„Sicher, aber was ist mit deinem Flusenfänger?“

„Hedwig würde nur auffallen“, gab er ruhig zurück. „Dumbledore überwacht mich wie einen Strafgefangenen.“

„Na dann...“ Stirnrunzelnd packte Draco den Brief ein und beobachtete, wie Harry sich sein Tarnumhang wieder überwarf, dass ihn unsichtbar machte. Dann war der Grünäugige verschwunden. Draco aber blieb da. Er nagte an dem Essen, doch eigentlich war ihm sein Appetit vergangen. Er machte sich Sorgen. Er kannte Harry und er kannte ihn besser, als all die anderen.

Harry versteckte etwas. Aber das tat er meistens. Nach außen hin mochte er offen und leicht zu Durchschauen wirken, doch das war er ganz und gar nicht. Er trug nicht weniger eine Maske, als sein eigenen Vater. Ohne die würden sie alle nicht überleben. Harry vielleicht am allerwenigsten. Der Grünäugige bereute es schon lange bitter, nicht nach Slytherin gegangen zu sein, da Gryffindor sich jedes Mal von ihm abwandte, wenn es so schien, als habe er einen Fehler gemacht.

Seufzend schob Draco seinen Teller von sich. Er wusste, er musste seinen Vater hierher bitten. Dabei hatte er dem erst vor zwei Jahren, seine und Harrys Freundschaft gestanden, die nun noch gefährlicher war, wo Voldemort zurück war und sein Vater wieder spionierte. Aber sicher nicht für Albus Dumbledore.

Das war auch alles, was Draco bisher wusste. Mehr hatte er nie erfahren, zu seiner eigenen Sicherheit.

Sein Vater war erst nicht sehr begeistert von dieser Freundschaft gewesen, doch er hatte es hingenommen, wie fast alles, was Draco tat, da Lucius seinen Sohn über alles liebte.

Nur – wie würde sein Vater reagieren? Er hatte doch gerade genug um die Ohren mit seiner Trennung von Narcissa. Ja, sein Vater steckte mitten in einer Scheidung, da er Narcissa mit gleich zwei fremden Männern im Bett erwischt hatte. Doch das machte Draco nicht viel aus. Er hatte nie eine gute oder überhaupt eine Beziehung zu dieser Frau gehabt. Kindermädchen und sein Vater hatten ihn aufgezogen.

Er schüttelte den Kopf, um dieses Thema aufs Erste zu verdrängen. Er hoffte, dass sein Dad ihm und vor allem Harry helfen konnte. Irgendwie. Denn Draco wusste, dass Harry gerade weit mehr durchmachte, als er zeigte. Rasch tastete er nach dem Stein in seiner Tasche, wenig überrascht, dass der rötlich schimmerte.

Also hatte er Recht gehabt und der Andere war verletzt! Nicht nur seelisch, was nach dem Tod von dessen Paten verständlich gewesen wäre, doch auch körperlich und er war deswegen nicht zur Krankenstation gegangen. Dessen war Draco sich genauso sicher.

Was ihn erschreckte war die Intensität der Farbe und die Tatsache, dass sich dunkle Linien durch das Schwarz zogen, die nie etwas Gutes verhießen. Er blickte auf den Krug des Jüngeren, der noch immer unangerührt dort stand, obwohl Harry doch eigentlich Butterbier immer so geliebt hatte. Er hatte doch schon die gesamten zwei Wochen nicht mehr richtig gegessen!

Nachdem auch er seinen Appetit verloren hatte, legte er etwas Geld auf den Tisch und machte sich selbst auf den Weg nach draußen. Ihm war die Lust an seinem freien Tag vergangen. Stattdessen machte auch er sich auf den Weg zurück, wobei er nur einen kurzen Stopp im Honigtopf einlegte. Einmal besorgte er sich eine große Tüte Sachen für sich selbst und für Harry besorgte er etwas Schokolade.




Der Tag war wahrlich anstrengend gewesen – und durchaus auch schmerzhaft. Der Dunkle Lord war nicht unbedingt begeistert von der Neuigkeit seiner Scheidung gewesen. Doch letztendlich hatte Narcissa aufgrund ihrer Dummheit das schlimmere Los ertragen. Voldemort hatte sie fast zehn Minuten unter crucio gehalten und ihm die Erlaubnis zur Scheidung erteilt, womit er erst einmal weiter spionieren konnte
.
Er blickte auf seine perfekten Finger, die keine Spur der Folter mehr zeigten, dank Severus’ Hilfe. Etwas früher an diesem Abend hatten sie noch ganz anders ausgesehen. Nun aber war alles so weit wieder in Ordnung – auch dank seiner Gene. Es hatte eben doch seine Vorteile, nicht ganz so reinblütig zu sein, wie er alle glauben machte. Zum Glück war das Gen aber bei Draco nicht durchgeschlagen, so dass er den Schein immer hatte wahren können. Zu dumm nur, dass er sehr viel länger leben würde, als sein eigener Sohn – außer Dracos Gene würden erst mit seiner Volljährigkeit erwachen, was auch eine Möglichkeit war, die in Betracht gezogen werden musste.

Mit langsamen Bewegungen hob er den gläsernen Verschluss aus der Kristallkaraffe und goss sich etwas von der goldenen Flüssigkeit in den bauchigen Kelch, bevor er genießerisch daran roch. Das war ein teurer Tropfen, doch er hatte ihn sich in seinen Augen, mehr als redlich verdient! Schließlich musste er nun schon wieder den treuen Todesser spielen. Nur weil einige Idioten dumm genug gewesen waren, dem dunklen Lord den Weg zum Körper zurück auch noch zu ebnen!

Und das nur, weil Dumbledore zu dumm gewesen war auf seinen Goldjungen zu achten und ihn stattdessen von einer in die nächste Gefahr warf. Leichtsinnig und unentschuldbar, nur weil da keine Eltern waren, die den Irren davon abhalten konnten. Er wusste schon lange nicht mehr, wen er als schlimmer bezeichnen sollte. Den Irren im Schlangenkörper oder den, der sich selbst für das größte Geschenk an die Zauberwelt nach Merlin hielt.

Nachdenklich nippte er an dem Portwein. Feuerwhiskey war zwar auch ganz nett, doch es kam dagegen in seinen Augen nicht an. Und heute war ein besonderer Tag. Nach seiner... Begegnung mit dem Mann, der sich für seinen Meister hielt, hatte er die Scheidung durchsetzen können. Er war wieder frei und die Harpye, die er so lange an seiner Seite gehabt hatte, nur noch eine Black, die auch noch Potter selbst unterstand, um es ganz amüsant zu machen, da Harry von seinem Patenonkel, im Falle seines Todes, als Alleinerbe eingesetzt worden war, auch, was die Titel und Ländereien anging.

Er blickte auf die bereitgelegten Schreibsachen und griff nach dem edlen Federkiel. Es war an der Zeit, Draco zu sagen, dass seine Mutter nicht mehr zur Familie gehörte. Er wusste aber, dass das für den Jungen keine große Bedeutung hatte. Seine Mutter hatte sich nur in der Öffentlichkeit um ihn gekümmert, um ihn anschließend sofort wieder bei dem Kindermädchen abzugeben. Sie hatte Draco schon bei der Geburt nur verachtet, er war für sie nur eine Versicherung dafür gewesen, weiterhin sein, Lucius Geld, mit vollen Händen aus dem Fenster zu werfen.
Allerdings wollte Lucius, dass sein Sohn es von ihm und nicht durch die Presse erfuhr. Gerade wollte er die Spitze in das Tintenfass tauchen, als eine der Hauselfen vor ihm auftauchte und ihm ein Pergament entgegen hielt.

„Was soll das sein? Habe ich nicht ausdrücklich gesagt, dass ich nicht gestört zu werden wünsche?“

„Master, Sir, das hat Apollo gebracht, Master, Sir!“

„Apollo?“, fragte Lucius überrascht. Was hatte Draco ihm denn so Wichtiges mitzuteilen? „Gib schon her!“

Sofort überreichte die kleine Kreatur ihrem Meister die Botschaft und verschwand anschließend wieder. Wahrscheinlich in die Küche oder sonst wohin. Lucius betrachtete den Brief. Eindeutig. Das Siegel seines Sohnes und in dem Brief befand sich etwas Hartes. Rasch erbrach er das Siegel und holte einen Bogen heraus, sowie einen Gemütsstein. „Also egal, wem der gehört, derjenige sollte mal zu einem Heiler“, stellte er fest, während er den Stein zur Seite legte und den Brief entfaltete.
Schon nach dem ersten Absatz starrte er entsetzt auf den Stein, der nun, fast unschuldig aussehend, neben der Karaffe lag. Er hob den Stein und drehte ihn zwischen seinen Fingern. Wie konnte das sein? Er las den Brief ein Mal, zwei Mal und noch ein drittes Mal.

Nur zu gut wusste Lucius um die starke Freundschaft seines Sohnes und dem Jungen der lebte. Und er wusste, wie man dieses Kind behandelte. Er hatte gegenüber Draco kein Wort erwähnt, doch er wusste, dass Dumbledore in Potter nur eine Schachfigur sah. Ein Werkzeug, um für seine nicht minder starren Vorstellungen zu kämpfen.

Er war nicht begeistert von dem, was sein Sohn da forderte, doch vielleicht war es wahrlich das Beste. Er wollte sich selbst von dieser Situation überzeugen. Er legte den Brief seines Sohnes beiseite und packte seine Feder erneut. Er würde wohl seine Pläne ändern müssen, in welchem Ausmaß würde sich wohl erst am Wochenende herausstellen.

Mit kurzen Worten erklärte er Draco die Sache mit seiner Mutter und er kündigte seinen Besuch für den nächsten Freitag Nachmittag an. Er schrieb auch eine kurze Notiz an Severus und dann setzte er auch Dumbledore über sein Kommen in Kenntnis. Immerhin hatte er vor, zumindest bis Samstag, zu bleiben.




Es war zum Wahnsinnig werden, stellte Harry fest, während er in der Bücherei saß. Nicht an den Tischen, wie die anderen, sondern in einem dunklen Eck, fernab der anderen Schüler. Er wurde inzwischen, dank Rons Hintertreibungen mit Hermines Unterstützung, in allen anderen Häusern geächtet und nur wenige wagten es, überhaupt noch mit ihm zu reden und wenn, dann nur, wenn niemand sonst es mitbekommen würde.

Nun saß er allein und abseits über seinen Hausaufgaben, aber er war ganz dankbar darüber. Er selbst mochte die anderen auch nicht mehr wirklich. Er vertraute neben den Zwillingen, die ihm innerhalb der Schule natürlich nur wenig helfen konnten und Neville, nur noch Draco und ihm am allermeisten.

Er musste sich meistens zum Essen zwingen. Nichts schien ihm mehr zu schmecken. Er war dazu übergegangen, sich mit trocken Brot, ein paar Früchten und Wasser zufrieden zu geben und er kümmerte sich nicht mehr um das, was die anderen dachten. Was für seine Noten nur von Vorteil war. Er bemühte sich, sie nur im Mittelfeld zu halten, doch inzwischen vermuteten die Meisten, dass er mehr konnte, als er zeigte.

Dazu kam noch das Problem mit dem Direktor hinzu, der immer versessener von ihm verlangte, sich seinem Schicksal zu stellen und zu kämpfen. Und der alte Mann war mehr als erbost, dass er sich weigerte. Harry hatte genug vom Töten und von dem Tod um sich herum. Noch immer musste er nur die Augen schließen, um seinen Patenonkel fallen zu sehen, den einzigen Erwachsenen, dem er hatte vollkommen vertrauen können. Zwar schützte auch Severus ihn, doch Sirius war derjenige gewesen, mit dem er auch hatte sprechen können.

Remus war zwar ein guter Freund, der versuchte, ihm zu helfen, doch er kannte den Werwolf kaum. Er kannte ihn nur von dem Unterricht im dritten Jahr und von den wenigen Treffen des Ordens und er vertraute nicht mehr so einfach.

Denn bisher hatten zu viele Menschen ihn verraten. Sein erster und einmal bester Freund. Seine Freundin Hermine. All die anderen aus Gryffindor, ein guter Teil der Lehrer und der Direktor selbst. Sie alle behandelten ihn gerade wie den letzten Dreck, nur, weil er sich weigerte, zu einem Mörder zu werden. Er war ein Jugendlicher, verdammt noch mal! Er hatte lange genug Soldat für das Licht gespielt! Er hatte genug verloren! Seine Familie, seinen Paten!

Langsam blätterte er die Seite in dem Buch um, an dem er gerade arbeitete. Tränke. In dieser verfluchten Schule hatte er außer Draco nur noch einen Verbündeten, dem er vollkommen traute, Hass zwischen ihnen hin oder her – Snape. Und er war der einzige, der sich ihm gegenüber immer gleich verhalten hatte.

Seine Schmerzen hatten sich gebessert, doch das war dann auch schon alles.
Was war so schlimm daran? Er wollte nur seine Ruhe! Schon mehrfach hatte er sich überlegt wegzurennen, doch dann wohin? Er konnte sich nirgends verstecken. Dumbledore würde ihn jagen, wie ein Karnickel und ihn aus jedem Loch treiben, denn er war für den Mann zu kostbar. Dumbledore brauchte ihn, das wusste Harry.

„Bläst du schon wieder Trübsinn, Narbengesicht?“

Überrascht blickte Harry auf: „Was machst du denn hier?“

„Ein Buch suchen, wir sind in einer Bücherei. Nur, falls es dir entgangen sein sollte“, gab Draco trocken zurück. „Was ist los, hast du wieder Albträume gehabt?“

„Auch“, gab er zu.

Draco seufzte und setzte sich neben seinen besten Freund. „Wann hast du eigentlich das letzte Mal in Ruhe geschlafen?“

„Ich habe keine Ahnung“, gab Harry zu. „Entweder ich habe Albträume oder Voldi tickt aus. Vorgestern hat er eine seiner eigenen Anhänger zu Tode gefoltert.“

Draco seufzte leise. „Und sonst?“

„Meide ich andere. Das hilft der Verletzungsrate enorm.“

„Das kann doch nicht ewig so weitergehen!“

„Und was soll ich deiner Meinung nach tun?“, entgegnete Harry ruhig. „Ich kann nicht einfach abhauen. Dumbledore wird mich jagen, wie einen Schwerverbrecher. Egal ob unter Muggeln oder in der magischen Welt, auch im Ausland. Er wird mich nicht einfach gehen lassen. Ich habe das Gefühl, er lässt mich auch so schon überwachen. Sowohl von den Geistern als auch von den Portraits. Ich könnte die Schule nie einfach mal eben so verlassen!“, der Grünäugige zuckte mit den Schultern. „Und ich will nicht töten, also wird er mir auch nicht helfen und Ron weiterhin ermutigen, auf mich einzuhacken. Remus hat er irgendwo hin geschickt, von wo er das gesamte Jahr nicht wegkommen wird. Und sonst habe ich keinen anderen Erwachsenen mehr...“

Draco sah seinen besten Freund traurig an und strich über dessen Handrücken: „Ich verspreche dir, mir wird irgendwas einfallen. So kann es nicht weitergehen.“

Harry lächelte: „Dray, lass es bitte. Ich will nicht, dass dir auch noch was passiert. Es reicht, dass Cedric und Siri bisher tot sind. Wenn... wenn ich dich auch noch verliere, hab ich gar nichts mehr.“

Der Blonde lächelte nur: „So leicht erwischt mich niemand. Nicht eine einzige Person VERMUTET auch nur, dass wir befreundet sind!“

Harry lächelte. „Ich will trotzdem nicht, dass du dich in Gefahr bringst. Nicht für mich. Versprich es mir!“

„Ich werde mich sicher nicht erwischen lassen“, gab er nur zurück und grinste dabei siegessicher. Sein Vater hatte ihm überraschend schnell geantwortet und es wäre das erste Mal, dass dem nicht eine Lösung einfallen würde.

Harry wusste, dass er sich damit zufrieden geben musste, ob er nun wollte oder nicht. Draco hatte seinen eigenen Kopf. Er konnte nur hoffen, dass der Andere sich nicht würde erwischen lassen, was auch immer er gerade ausbrütete.

„Hör mal, ich will, dass du morgen bei Snape irgendwas in die Luft gehen lässt.“

„Was?“, entsetzt starrte Harry ihn an. „Hast du auch nur eine Ahnung, was du da willst? Snape kann mich so schon nicht...!“

„Harry, bitte vertrau mir! Ich weiß, was ich da sage! Lass irgendwas hochgehen. Ich rede vorher mit ihm. Er wird dir eine Strafaufgabe geben und du musst das Wochenende bei ihm verbringen. Er wird uns helfen.“

„Also, ich glaube nicht, dass...“

„Harry! Versprich es mir!“

Der Grünäugige seufzte leise. Er wollte Draco nichts abschlagen. „Warum nicht?“, gab er nur zurück. „Ron wird meinen Trank ohnehin wieder sabotieren. Warum sollte ich es dann nicht zur Abwechslung mal selbst machen?“

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So, das ist der neue Anfang, ich hoffe, die Geschichte wird euch wieder zusagen