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Du warst da

von LeS Lenne
GeschichtePoesie / P18 / MaleSlash
Elphaba Thropp Glinda/Galinda Upland of the Upper Uplands
27.01.2008
27.01.2008
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Elphaba zog sich den Hut vom Kopf und setzte sich auf die schwarze Steinbank neben dem Kamin, der leise vor sich hinknisterte, dank dem Holz, das sie eben heimgebracht hatte. Der Kamin war aus Stein, die Bank war aus Stein, der Boden war aus Stein, die Wände waren aus Stein. Es würde lang dauern, bis das Zimmer warm wäre.
Sie rieb die Hände aneinander und pustete hinein. Ihre Fingerspitzen zuckten, als die für sie heiße Luft auf sie trat. Elphaba ballte die Hände zur Faust und schloss die Augen. Sie musste nicht aus dem Fenster sehen, um zu spüren, wie draußen der Schnee immer schneller und dichter fiel. In einer Stunde vielleicht schon wäre ihr Heim von außen nicht mehr schwarz, sondern würde weiß in den letzten Sonnenstrahlen des Tages leuchten und glitzern.
Das wollte sie gar nicht sehen. Lieber nicht.
Elphaba öffnete die Augen wieder. Sie hatte heute noch nichts gegessen und ihr Magen rumorte. Seufzend erhob sie sich und suchte nach einer Pfanne, um sich Rührei zu machen. Gestern und vorgestern hatte sie auch nichts gegessen. Ihr war schwindlig geworden, ein paar Mal, doch sie hatte sich in der Luft halten können, den Eiswind gegen das Gesicht gerichtet; niemals mit dem Strom.
Sie spürte, heute musste sie etwas essen, wenn sie nicht umkommen wollte, weil sie ihre Magie nicht aufrechterhalten konnte. Um frei und schwerelos sein zu können, obwohl es doch soviel einfacher zu sein schien, stark zu sein mit leerem Magen. Im Angesicht von Hunger und Schwindel schien jeder andere Gedanke zu verschwimmen, wie der Schneesturm, der ihr bei einem Blick durch die Glasscheibe nicht gewährte, bis zum nächsten Wald zu sehen.
Sie schüttelte den Kopf und krempelte die Ärmel hoch, entblößte ihre grünen Arme, die vor Kälte und Erschöpfung fast so weiß wie die Welt draußen aussahen. Es bildete sich eine Gänsehaut, als sie die Eier zerschlug. Sie fror, dass es sie bis in die Zehen schüttelte. Wenn der Kamin erst einmal den ganzen Raum aufgewärmt hätte, wenn sie dann auch gegessen hatte, würde sie nicht mehr frieren. Dann wäre ihr wieder warm. So warm, dass sie wieder nachdenken konnte. Mit verschwommenem Blick bereitete sie ihr Essen zu, kippte es auf einen tiefen Steinteller und zog sich wieder zurück auf die Steinbank. Sie zog die Beine hoch und streckte sie aus, dass sie vorm Feuer lagen und langsam wieder ihre grüne Farbe zurückbekamen, die sich ausdehnte bis sie wieder aussah wie ein Frosch.


*


„Elphie! Elphie!“
Als Elphaba aufwachte, spürte sie einen bohrenden Schmerz in all ihren Gliedern. Sie hob den Kopf und streckte sich, noch bevor sie die Augen aufmachte.
„So schläft man ja auch nicht. Du kannst dich nicht einfach irgendwo hinsetzen und dann einschlafen! Dein hübsches Gesicht hat lauter Abdrücke von der Mauer!“
Elphaba spürte eine kühle Hand an ihrer Wange. Behutsam hob sie die Lider, damit die Sonne oder der Wind sie nicht zu grob aus ihrem Traum riss.
Glitzernd und golden leuchtend weckte sie die Sonne aus ihrem Schlaf auf, doch ihr Traum schien weiterzugehen.
„Was guckst du denn so? Hab ich was im Gesicht?“ Glinda drehte sich um, zog einen Taschenspiegel hervor und betrachtete sich eingehend darin. Dabei summte sie leise ein Lied vor sich hin; es kam Elphaba bekannt vor, aber sie konnte nicht ausmachen woher.
„Nein, du siehst hübsch aus“, sagte sie benommen.
Glinda wandte sich wieder zu ihr um und lächelte. „Ich weiß. Ach, Elphie!“ Sie warf die Arme in die Luft, breitete sie aus und drückte Elphaba an sich.
Elphaba atmete schnappend ein. „Du bist da?“
„Was ist das denn für eine bescheuerte Frage?“ Glinda setzte sich neben sie und stieß ein langgezogenes „hach“ aus. Sie sah zu Elphaba und ihre Mundwinkel machten eine Bewegung Richtung Boden, die sie sonst nie taten. „Solang hab ich nach dir gesucht.“
Elphabas Herz schlug ihr bis in den Hals hinein und der Widerhall dröhnte in ihrem Kopf, drückte gegen ihre Schädeldecke und Augenhöhlen. „Solang hab ich versucht dich zu vergessen.“
Glinda neigte ihren Kopf vor und ihre Schläfen berührten sich. „Jetzt hab ich dich aber gefunden.“
„Jetzt hab ich dich aber wieder“, sagte Elphaba und zog Glinda in ihre Arme. Ihr Prinzessinnenkleid bauschte sich vor ihrem Gesicht auf, dass es ihr vorkam, als ob sie über die weißen Hügel sehen würde und nur mehr weiß sah, wohin sie auch schaute.
Glinda schluchzte und jaulte, und Elphaba musste lachen. „Wie lang kannst du bleiben?“
„Am liebsten für immer!“
Glinda sah sie mit Augen an voller sterbender Sterne. Elphaba streichelte über ihre Wangen, wartete, bis sie die Lider fallen ließ, schloss die Augen und berührte mit ihren Lippen Glindas. Ihr Lippenstift war cremig und schmeckte nach Frühlingsfrüchten. Sie musste sie mit ihren aufgerissenen Lippen furchtbar kratzen, doch hörte sie nicht auf, Glinda mit den Lippen zu berühren. „Dann wenigstens für heute.“
Glinda öffnete die Augen, doch so viele Tränen, wie ihr bis zum Hals hinunterfließen, konnte sie bestimmt kaum etwas sehen. „Ja, und wenn es nur für heute ist.“ Sie zog die Schultern hoch und ihre Ärmel rutschten ihr herunter.
Elphaba zog das Kleid herunter, bis Glindas Oberkörper ganz entblößt war. Im Schein des Kaminfeuers war sie die Sonne in der dunklen Milchstraße, die dieses Zimmer war. „Heute ist ohnehin das Einzige, was wir besitzen können.“
Glinda nahm Elphabas Hände und legte die eine auf die Stelle, wo ihr Herz schlug, die andere auf die Stelle, wo ihr eigenes Herz saß. „Ich werde für immer heute hier gewesen sein. Keiner kann uns das nehmen, nicht?“
„Keiner kann uns nehmen, dass du da warst.“
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