Erdbeermund

von Pandora02
GeschichteHumor / P12 Slash
Clark Kent Lex Luthor
19.01.2008
10.02.2008
5
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--- 3 ---

Es war nur ein kleiner Schluck, und Clark ertappte sich dabei, wie er Lex’ Zunge und Lippen nach mehr ableckte. So kam er allmählich dahinter, dass das Besondere nichts anderes gewesen war, als der Geschmack von Lex! Er schmeckte gerade seinen besten Freund und konnte sich nichts Köstlicheres vorstellen! Schnell war der teure Champagner vergessen, der Kuss war alles, was noch auf der Welt existierte. Clark saugte an der weichen Zunge und fühlte eine nie gekannte Kraft durch seinen Körper strömen, als er seinen besten Freund leise stöhnen hörte.

So lange schon geisterten Abwandlungen dieser Situation durch Clarks Träume, ob wach oder im Schlaf. Lex zu küssen... Es war immer ein Traum gewesen. Nur ein Traum, der unerreichbar bleiben würde, ebenso wie der Traum, in dem er hoch über den Wolken flog und im Sonnenlicht badete. Niemals konnten solche Träume wahr werden. Und doch küsste Lex ihn jetzt. Plötzlich war es Clark, als würde er aufwachen und hart auf dem Boden der Realität aufschlagen. Etwas stimmte nicht. Träume wurden nicht einfach so wahr. Das war nicht der Lex, den er wollte, auch wenn alles in ihm schrie, dass er es war. Mit einiger Mühe machte Clark sich los und sank keuchend gegen die Wand.

„Was... was ist?“ Lex setzte sich auf seine Fersen, hörbar ein- und ausatmend. Sein Gesichtsausdruck zeigte Verwirrung. Die plötzliche körperliche Distanz tat Clark beinahe weh. Am liebsten hätte er seine Arme gleich wieder um Lex geschlossen. Es tat weh, auch weil er wusste, dass Lex ihn im Moment ganz sicher nicht verstehen würde. Er verstand sich ja selbst kaum! Sein größter Wunsch wurde wahr und er stieß ihn zurück. Wie verrückt war das?

„Lex, ich kann nicht... du... du bist betrunken!“

„Ja und?“

Sein Kopf drehte sich. Was sollte er sagen? Nüchtern würdest du das nie tun. Ich will dich und ich habe Angst davor. Morgen tut es dir leid. Du meinst nicht, was du sagst. Du bist deprimiert und der Champagner spricht aus dir.

„Lex, ich... es ist... ich...“ Hilflos rang er nach den richtigen Worten, wollte nicht weinerlich oder anklagend klingen.

„Erzähl mir nicht, dass ich mich irre. Ich habe deine Blicke bemerkt, Clark“, sagte Lex leise, bevor er mit einem Gesichtsausdruck zu Boden schaute, der Clark ins Herz stach. „Ich hatte den Eindruck, du hast mich auch geküsst... wenn ich mich getäuscht habe, dann... dann tut es mir leid.“

„Nein Lex... ich, ich meine ja... verdammt, Lex!“ Vehement ballte Clark die Hände zu Fäusten und atmete tief durch, seinen Mut sammelnd. Leise und mit gesenktem Blick sagte er: „Ich will nicht eins deiner Garderoben-Abenteuer sein. Dafür ist mir unsere Freundschaft zu wichtig. Und du.“

Überraschung und Verstehen flackerten in Lex’ Augen auf als er ausrief: „Aber Clark! Das bist du nicht!“ Er legte einen Finger unter Clarks Kinn und zwang ihn, ihm in die Augen zu sehen. „Weißt du denn nicht, dass du viel mehr bist? Ich bin zwar betrunken, aber ich vertrage eine Menge, glaub mir. Die Zeit, wo ich mir Drogen bis zur Besinnungslosigkeit reingezogen habe, ist vorbei. Und... hm... ich habe gemeint, was ich vorhin gesagt habe.“

„Was meinst du?“ Clark schwirrte der Kopf.

„Dass ich dich liebe, natürlich.“

„Oh.“

Blackout.

„Ich liebe dich, seit ich dich das erste Mal gesehen habe. Seit ich das erste Mal aus dem Reich der Toten zurückgekehrt bin und deine Lippen auf meinen spürte.“

Blackout.

„Ich... ich weiß nicht, was ich sagen soll.“

„Hör zu, Clark, und sei dankbar, dass ich nicht ganz nüchtern bin, denn sonst würde ich diese Rede wahrscheinlich kürzer halten. Was mich die ganzen drei Monate über auf der Insel am Leben gehalten hat, war der Gedanke an dich. Das hat mir Kraft gegeben durchzuhalten. Ich weiß nicht, wie nahe ich wirklich daran war, verrückt zu werden, aber was ich weiß ist, dass ich nicht aufgeben wollte. Ich habe erkannt, dass unsere Freundschaft das Beste ist, was mir in meinem Leben passiert ist, auch wenn sie eine perfekte Verkörperung von schlechtem Timing war. Und als mir klar wurde, dass ich schon in der Vergangenheit dachte, habe ich mir in den Arsch getreten. Ich habe mit der Malaria, mit Egeln und Schlangen gekämpft, aber der schlimmste Feind war ich mir selber. Ich konnte nicht zulassen, dass der Teil von mir siegt, den mein Vater herangezüchtet hat. Auf einmal hab ich gesehen, was ich im Begriff war zu werden, Clark! Und ich habe mich gehasst.“

Er pausierte einen Moment, um Atem zu holen, bevor er ruhiger fortfuhr: „Ich hab’s geschafft. Ich habe überlebt, und ich bin Daddy’s Schampus dankbar, denn als ich mich vorhin mit dieser Flasche dort unterhalten habe, sind wir zwei zu dem Schluss gekommen, dass es jetzt genug ist, Clark. Dass wir uns nicht mehr irgendwelchen Frauen an den Hals schmeißen müssen, uns nichts mehr vor machen müssen. Wir haben lange genug gewartet.“

Clark sah seinen Freund mit offenem Mund an, unfähig etwas zu erwidern. Wenn er alles richtig verstanden hatte, hatte Lex ihm soeben sein Innerstes offenbart.

„Und jetzt sag endlich was, bevor ich mich um Kopf und Kragen fasele und wie ein schlechter Schnulzenroman klinge!“

Das löste Clarks Anspannung. Er lachte. „Du klingst schon so.“

„Verflucht!“

„Lex?“

„Ja?“

Ein scheuer Kuss mit geschlossenen Lippen folgte, fast nur ein Hauch.

„Mmmh...“ Lex ließ seine Augen geschlossen. Das Gefühl von Clarks Lippen blieb wie ein Echo seines Herzschlags zurück. Dann grinste er. „Ich hatte also Recht!“

„Soll das heißen, du warst doch nicht sicher?“

Als Antwort grinste Lex nur schulterzuckend. Clark erhob sich ebenfalls auf die Knie. Sie schlotterten leicht, als ihm aufging, dass nun endgültig die Grenzen der bloßen Freundschaft überschritten waren. Doch dies wirkte auch unerwartet befreiend. „Lex, ich hätte nie für möglich gehalten, dass du so für mich empfinden könntest. Mit all den Frauen um dich herum.“

„Komm schon, ich habe dauernd mit dir geflirtet. Seit Jahren!“

„Ja, aber du flirtest auch mit deiner Kaffeetasse oder mit der Fernbedienung für den DVD-Player. Wie soll man da wissen, was du meinst?“

„Du hättest fragen können.“

„Ja sicher.“

Ein Moment des Schweigens.

„Ich flirte mit Kaffeetassen?“

Nicken.

„Im Ernst?“

„Im Ernst.“

„Wie kommst du darauf?“

„Du streichelst den Henkel mit deinen Fingern. Du nippst am Rand, ohne zu trinken, so als ob du die Tasse küsst. Du lässt sie nach dem Trinken an deiner Unterlippe ruhen. Du hauchst hinein! Und dabei siehst du sie an.“

Lex starrte ihn entgeistert an. Er tat all das, zweifellos, aber er tat es nicht bewusst, und er begann sich zu fragen, ob es nur in Clarks Anwesenheit passierte oder jedes Mal wenn er Kaffee trank.

„Ich werde dich jetzt nicht fragen, was ich mit der Fernbedienung mache.“

„Gut, und dann frag auch bitte nicht nach den Pool-Queues, denn was du mit denen machst, ist schon kein Flirten mehr!“

„Irgendwie musste ich ja versuchen, deine Aufmerksamkeit zu wecken“, verteidigte Lex sich. „Wäre ich offensichtlicher gewesen, hätte mich dein Dad verhaften lassen. Und ich muss gestehen, dass ich mir eine Weile bei dir wirklich nicht sicher war.“ Clark hob fragend die Augenbrauen. „Du schienst ziemlich besessen von Lana...“

„Ah, Lex, hör auf. Das ist schon so lange Vergangenheit, dass ich mich kaum noch dran erinnere.“ Dann: „Um... Lex?“

„Ja?“

„Wie sicher bist du dir jetzt?“

„Zeig mir, wie sicher ich mir sein kann.“

Eine Herausforderung klingt noch einmal so provokant, wenn ein Luthor sie ausspricht. Deshalb, und wegen der Funken sprühenden blauen Augen, zögerte Clark, dachte an die Möglichkeit, dass Lex nur mit ihm spielte. Und verwarf sie mutig wieder. Er setzte alles auf eine Karte. „Lex Luthor, ich habe auch gemeint, was ich gesagt habe.“ Mit diesen Worten nahm er Lex’ Gesicht in seine Hände und küsste ihn.

„Mmh...“ Lex schien von diesen Argumenten überzeugt. Er fasste Clark bei den Hüften, um ihn näher an sich zu ziehen, konnte ihn jedoch keinen Zentimeter bewegen. Aber das war egal. Clark küsste ihn langsam und feucht und unerwartet besitzergreifend. Clarks T-Shirt rutschte ein Stück nach oben, so dass Lex mit einem Daumen nackte Haut spürte. Wie von selbst wanderte seine rechte Hand höher, bis sie keinen Jeansstoff mehr unter sich hatte. Und dann vergaß er, sie weiter zu bewegen. Denn Clarks Zunge spielte mit seiner, seine Finger streichelten ihn im Nacken.

Ein Geräusch ließ Clark zusammenzucken, und Lex mit ihm. Am anderen Ende der Garderobe öffnete sich die Tür, und Fetzen von Musik drangen herein. Er blinzelte erschrocken als jemand die unglaublich unromantische Neonbeleuchtung einschaltete. Romantik war allerdings das letzte, was Clark jetzt noch im Sinn hatte. Jemand hatte den Raum betreten! Panisch blickte er um sich, bereit aufzuspringen. Doch Lex schüttelte seinen Kopf und legte einen Finger an seine Lippen. Als Clark sich umwandte, schlang Lex seinen linken Arm um ihn und drückte ihn gegen sich, so dass Clark zwischen seinen Knien zum Sitzen kam. Rücken an Brust verharrten sie. „Sshh“, hauchte Lex beruhigend in Clarks Ohr.

Schritte näherten sich; auf weichen Sohlen, aber deutlich zu hören. Dann war eine näselnde Männerstimme zu vernehmen: „Wo sind sie?“

„Da drüben. Neben der blauen Jacke.“


tbc.
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