Erdbeermund

von Pandora02
GeschichteHumor / P12 Slash
Clark Kent Lex Luthor
19.01.2008
10.02.2008
5
10687
 
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Dieses Kapitel
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Pairing: Clark / Lex
Spoiler: minimale für den Anfang der 3. Staffel
Rating: Ab 12
Vorgeschichte: Lex war nach dem Flugzeugabsturz monatelang verschollen und wurde schließlich für tot erklärt. Dann ist er wieder aufgetaucht, das Leben ging weiter.
Inhalt: Lex ruft um Hilfe, Clark eilt herbei, um seinen Freund vor vermeintlichen Ganoven zu retten.  Aber es kommt ganz anders, als erwartet. Es heißt nicht umsonst, dass Kinder und Betrunkene stets die Wahrheit sagen… Kinder kommen hier allerdings nicht vor.

A/N:
Diese Story habe ich 2005 geschrieben. Da ich auf dieser Seite noch neu bin, kommt sie hier erst jetzt. Damals war die Welt noch in Ordnung, Clark und Lex waren „gute Freunde“ und alles hätte sooo schön werden können. Aber nun… Da es im TV nicht in meiner Macht liegt, die Dinge zu ändern, tue ich es eben in FFs.
Der Grundton hier ist eher humorig, wenn auch eine ordentliche Portion Luthor’sche Verbitterung dabei ist, schätze ich. Viel Spaß!

Erdbeermund



--- 1 ---

„Hallo? Kent Farm.“

„Clark? Hey Claaark!!! “ Clark hielt den Hörer ein wenig vom Ohr weg. Er hatte nicht damit gerechnet, angeschrieen zu werden.

„Lex, bist du das?“ Er rieb sich die Augen und sah auf die Küchenuhr. Kurz vor Mitternacht. Er hatte noch keine Stunde geschlafen. Immerhin waren es nicht seine Eltern, die sichergehen wollten, dass er diesmal keine Party schmiss, bei der die halbe Einrichtung zu Bruch ging.

„Hör zu. Du musst sofort herkommen.“ Der dringliche Tonfall am anderen Ende der Leitung war alarmierend. Undeutliche Stimmen im Hintergrund verstärkten Clarks Gefühl, dass etwas nicht in Ordnung war.

„Lex, was ist da los? Geht es dir gut?“

„Beeil dich Clark, ich brauche dich hier! Aah!“ Ein Poltern, dann wurde die Verbindung unterbrochen.

Einen Moment lang starrte Clark den Hörer an, als erwarte er von ihm eine Erklärung. Lex war in Schwierigkeiten. Das war nichts Neues. Lex war dauernd in Schwierigkeiten. Doch für gewöhnlich rief er nicht mitten in der Nacht bei ihm an. „Ein Luthor kommt allein zurecht“, das betonte der junge Milliardär immer wieder. Meist vermied es Clark dann, ihn darauf hinzuweisen, wie oft er nicht allein zurechtgekommen war, denn er wusste, dass Lex ihm in Wahrheit zutiefst dankbar war für die unzähligen Male, die er sein Leben gerettet hatte.
Aber jetzt hatte er angerufen. Und er hatte ziemlich aufgeregt geklungen. Das konnte nur bedeuten, dass es ernst war.
Es waren Leute bei ihm, Schurken, Kidnapper, Mutanten! Vielleicht bedrohten sie Lex, raubten das Schloss aus, hielten ihn als Geisel, folterten ihn womöglich, um irgendwelche Safecodes zu bekommen. Aber nein, er hatte ja ans Telefon gekonnt. Doch vielleicht war er den Gangstern nur kurz entkommen. Inzwischen hatten sie ihn wahrscheinlich schon wieder in ihrer Gewalt. Oh Gott, sie hatten ihn erwischt und zusammengeschlagen! Schon zog Clark eine Staubwolke auf der Straße hinter sich her, als ihm auffiel, dass er noch im Pyjama und barfuß war. So führte man keine Rettungsaktion durch. In einem Atemzug war er wieder auf Kent’schem Grund und Boden und in seinem Zimmer. Seine Eltern waren das Wochenende über in Granville, um den jährlichen Viehmarkt zu besuchen. Deshalb musste er nicht befürchten, jemanden zu wecken. Trotzdem drosselte er seine Supergeschwindigkeit ein wenig, um aus dem Pyjama zu schlüpfen und Jeans, T-Shirt und Turnschuhe anzuziehen, denn er hatte bei ähnlichen Aktionen schon genug Klamotten ruiniert. Manchmal haperte es noch mit der Koordination.

Zehn Sekunden später stand er vor dem Luthor-Anwesen und runzelte die Stirn angesichts der vollen Beleuchtung hinter fast allen Fenstern. Ein schneller Scan des Hauses zeigte ihm unzählige Gestalten in mehreren Räumen an. Er zögerte. Mit einer so großen Bande hatte er nicht gerechnet. Aber er musste näher heran, bevor er sich einen Plan überlegen konnte.
Der Haupteingang war unverschlossen. Er gab der Tür einen Stoß und spähte vorsichtig hinein. Doch niemand war dort, der ihn hätte entdecken können. Seltsam, dass sie niemanden zum Schmierestehen abgestellt hatten. Clark betrat die hell erleuchtete Eingangshalle und stutzte, als ihm leise Klaviermusik entgegen schallte. Einbrecher, die Musik hörten? Die fühlten sich ja sehr sicher! Zorn kam in Clark auf. Zorn über die Dreistigkeit dieser Leute und auch über Lex’ lockeren Umgang mit den Sicherheitssystemen. Es gab Phasen, in denen keine Ameise das Schloss betreten konnte, ohne massiven Alarm auszulösen, und dann wieder gab Lex der Security und dem Personal frei, weil er in Ruhe ein Buch lesen wollte. Lex nannte so etwas höchstens exzentrisch, Clark fand es schlichtweg dumm. Nun war eingetreten, was Clark immer wieder prophezeit hatte. Lex hatte Ärger am Hals.

Mit wachsender Wut im Bauch stürmte Clark in den nächsten Raum, hinter dessen Mauern er mehrere Skelette umhergehen sah, bereit, sie alle in einem Augenblick zu überwältigen, und - erstarrte, den Türgriff noch in der Hand. Mehrere Augenpaare richteten sich auf ihn, musterten ihn kurz und wandten sich wieder ab. Ihre Träger stuften ihn offenbar nicht als Bedrohung ein und fuhren mit ihrer Tätigkeit fort. Was Clark schockierte, war die Tatsache, dass diese Tätigkeit nichts mit der von gewöhnlichen Dieben gemein hatte. Etwa ein Dutzend Leute, gekleidet in Cocktailkleider und teure Anzüge, standen plaudernd herum, Kristallgläser und kleine Teller mit bunten Häppchen in den Händen. Zu der beschwingten Klaviermusik gesellte sich ein jazziges Saxophon.
Clark ließ die Tür los, und stellte fest, dass er den Atem angehalten hatte. Was war hier los? Da ihm niemand Beachtung schenkte, kam er sich fast vor, wie der Einbrecher, wie jemand, der nicht hierher gehörte. In seinen verwaschenen Jeans und dem alten blauen T-Shirt fiel er deutlich aus dem Rahmen. Langsam und bemüht unauffällig suchte er sich einen Weg zur offen stehenden Tür gegenüber. Dorther schien die Musik zu kommen, sowie lauteres Stimmengewirr. Plötzlich erhob sich eine wohlbekannte Stimme aus dem allgemeinen Gemurmel.

„Clark!“

Das Zimmer, das Clark gerade betreten wollte, war weitaus voller als das erste. Als Clark sich in die Richtung drehte, aus der die Stimme gekommen war, sah er zunächst nur eine winkende Hand, die sich über die Köpfe der Leute erhob. Dann erblickte er ihren Besitzer. Es war Lex, der sich ein wenig schwankend, aber zielstrebig, seinen Weg durch die Menge bahnte. Ein erfreutes Strahlen lag auf seinem Gesicht. Als er nur noch wenige Schritte entfernt war, öffnete Clark schon seinen Mund, um die Frage zu stellen - Was ist hier los? - aber Lex legte einen unerwartet schnellen Endspurt ein und flog ihm praktisch entgegen. Bevor Clark auch nur einen Ton hervorbringen konnte, hatte Lex seine Arme um ihn geschlungen und presste sich fest an ihn. Er vergrub das Gesicht an seinem Hals. In seinem Nacken spürte Clark, wie Lex ausatmete. Ein warmer Hauch, der ein Kribbeln durch seine Wirbelsäule sandte. Er war zur Salzsäule erstarrt. Er verstand nichts mehr, wusste nicht, wie er reagieren sollte. Zu sehr erinnerte ihn dies an heimliche Phantasien, die ihn nachts beschlichen, wenn er seinen Gedanken freien Lauf ließ. Locker bleiben, Kent!, versuchte er sich zu ermahnen. Nicht ganz einfach, da Lex keine Anstalten machte, sich von ihm zu lösen, sondern sich weiterhin an ihn klammerte.

Clark räusperte sich. „Um... Lex?“

Als Antwort vernahm er lediglich ein Seufzen, wobei der tiefe Atemzug Clark deutlich bewusst machte, wie nah er seinem Freund war. Durch den dünnen Stoff des Shirts spürte er nun Lex’ Arme und Hände, Lex’ Brust an seiner, Lex’ Finger an seinem Nacken und Lex’ Gesicht an seinem Hals. Im gleichen Moment kroch ein moschusartiger und zugleich blumiger Duft in seine Nase und ließ ein Bataillon von Schmetterlingen durch seine Eingeweide flattern. Lex... Es war dieser typische Geruch von Lex. Wahrscheinlich von einer besonderen Seife oder einem Parfum, mit einem Hauch von Schokolade und von... von Lex eben. Allzu oft hatte Clark wegen ebendieses Duftes eine Partie Pool oder den Faden eines Gesprächs verloren. Jetzt war er nahe daran, seine Selbstbeherrschung zu verlieren.
Einen Moment lang gab er der inneren Stimme nach, die ihm befahl, die Situation auszunutzen und sich der Umarmung hinzugeben, seine Hand auf den bloßen Nacken direkt vor seiner Nase zu legen, doch dann fasste er Lex an den Schultern und schob ihn sacht von sich, bis er ihm in die Augen sehen konnte. Ihm begegnete ein seliges Lächeln.

„Clark... Clark... wie schön, dass’u endlich da bis’.“

Lex Luthor lallte nicht. Nicht die Aussprache war es, die Clark davon überzeugte, dass sein Freund hoffnungslos betrunken war, sondern vielmehr kleine Anzeichen, wie erweiterte Pupillen, ein Anflug von Röte auf Lex’ Wangen oder das so ungewohnt strahlende Lächeln.
Ebenso die mehr als ungewohnte Anhänglichkeit. Was wollte Lex eigentlich? Am Telefon hatte es nach einem Notfall geklungen, aber jetzt sah es eher nach einer Schnapslaune aus, und Clark hatte keine Lust, den Babysitter zu spielen. Außerdem hatte Lex ihn noch nie zu einer Party mit Geschäftsfreunden, oder was immer diese Leute waren, eingeladen!

Gerade wollte er seinem Unmut Luft machen, als er bemerkte, dass Lex seinen Arm streichelte. Clark schluckte. Er hielt Lex noch immer bei den Schultern fest, weil dieser anscheinend die Stütze brauchte, und nun beobachtete er fast wie in Trance, wie Lex mit einer Hand langsam seinen Arm hinauf- und wieder hinabfuhr. Er spreizte die Finger, als er zum breiteren Oberarm kam, drückte ein wenig, als wolle er die Festigkeit der Muskeln testen, und schob dann die Fingerspitzen unter den Ärmel des T-Shirts, wo er sie sanft kreisen ließ.

„Ähm... Ah...“

Zweimal setzte Clark zum Protest an. Zweimal versagte ihm die Stimme. Wollte er Lex überhaupt stoppen? Was wäre, wenn er ihn fortfahren ließe? Wenn er ehrlich war, war die warme Handfläche mehr als angenehm auf seiner Haut. Was Lex tun könnte? Er könnte sich noch den anderen Arm vornehmen, oder... Gott, natürlich muss ich ihn stoppen! Was mache ich hier?

„Lex, was ist hier los?“

Ein wenig unsanft schüttelte er Lex von sich ab und trat einen Schritt zurück; und musste trotz allem ein Kichern unterdrücken, als Lex an seiner Unterlippe nagte, zu ihm aufblinzelnd wie ein Kind, das mit der Hand in der Keksdose erwischt worden war.

„Uups?“

Nun, in diesem Fall war Clark die Keksdose...

Clark hätte sich eine etwas ausführlichere Erklärung als „Ups“ gewünscht. Ein kurzer Blick in die Runde zeigte ihm, dass sie von mehreren Leuten neugierig beäugt wurden. Ihm wurde mulmig zumute. Wahrscheinlich war der Anblick des elegant gekleideten Hausherren in Gesellschaft eines Jungen in verblichener Jeans, knitterigem T-Shirt und barfuß in seinen Turnschuhen schon merkwürdig genug, weshalb Clark gar nicht daran denken mochte, welchen Eindruck die feine Gesellschaft hatte, wenn Lex sich ihm an den Hals warf. Dabei ging es um seinen eigenen ebenso wie um Lex’ Ruf, den es zu schützen galt. Clark konnte es sich nicht leisten, mehr Aufmerksamkeit als nötig auf sich zu lenken, und Lex würde das Ganze sicher furchtbar peinlich sein, sobald er erst wieder nüchtern war.

„Komm Lex, wir setzen uns irgendwo hin.“ Das schien ihm in Lex’ Zustand das Sicherste.

„Okay.“ In einer schnellen, katzenhaften Bewegung fischte Lex ein Glas Champagner vom Tablett eines vorübergehenden Kellners, ergriff Clarks Handgelenk mit der Rechten und marschierte erstaunlich zielsicher auf eine Sitzecke im angrenzenden Waffenzimmer zu. Bevor er sich niederließ, winkte er noch einen Kellner herbei und orderte: „Champagner für Mister Kent!“

„Nein danke, Lex, ich...“

„Keine Widerrede!“ Und schon stand ein Glas vor ihm auf dem kleinen quadratischen Tisch.

Clark hatte sich auf die Couch gesetzt und befürchtete schon, dies könnte ein taktischer Fehler gewesen sein, da neben ihm viel freier Raum war, atmete dann erleichtert auf, als Lex sich in dem Sessel zu seiner Rechten niederließ. Nicht wirklich weit weg, aber hoffentlich weit genug für eine vernünftige Unterhaltung. Sein Blick fiel auf das japanische Schwert an der Wand, das irgendwie nicht zu der sonstigen Einrichtung des Schlosses passen wollte. Der Rest war eher europäisch, mittelalterlich, da fiel so ein - was war es eigentlich? ein Samuraischwert? - schon aus dem Rahmen. Ein ungeduldiges „Hey, Erde an Cla-ark” von rechts riss ihn aus seinen kulturhistorischen Überlegungen. Lex erhob sein Glas in einer theatralischen Geste: „Ich danke dir, dass du gekommen bist, Clark Kent.“ Der übertrieben salbungsvolle Tonfall brachte Clark beinahe zum Lachen, doch als Lex sich anzüglich über die Zähne leckte und zwinkerte, bekam er einen Hustenanfall und wurde augenblicklich rot. Denk sofort an etwas anderes! Kaninchen! Kaninchen sind harmlos.
Laut sagte er: „Du hast mir ja nicht gerade die Wahl gelassen. Ich dachte, du wirst überfallen. Würdest du mir jetzt vielleicht sagen, was --“

„Sshhh! Moment! Zuerst einen Toast. Clark, ich trinke auf unsere Freundschaft!“

Die Wahrhaftigkeit dieser schlichten und ungelallten Aussage rührte an Clarks Herz, obwohl er es sich nicht eingestand und darauf beharrte, dass Lex nicht Herr seiner Sinne war. Andererseits... hieß es nicht, Kinder und Betrunkene sagen stets die Wahrheit? Seufzend hob Clark ebenfalls das Glas und stieß mit Lex an. Er mochte Champagner nicht besonders, aber da es nichts bringen würde, jetzt zu argumentieren, trank er einen winzigen Schluck. Lex beobachtete ihn zufrieden dabei, während er selbst einen weitaus größeren Schluck nahm. Clark blinzelte. Auch ein betrunkener Lex war sexy, wenn er trank, wenn er schluckte, wenn er... Ein weiterer, diesmal vorgetäuschter, Hustenanfall brachte ihm einen besorgen Blick seines Gegenübers ein, rettete aber zum Glück die Situation. Kent, du bist der Vernünftige hier. Benimm dich so!

„In Ordnung, Lex“, sagte Clark, als er sich wieder beruhigt hatte. „Was ist der Anlass?“

„Brauch’ ich einen Anlass, um auf unsere Freundschaft zu trinken?“

„Der Anlass für diese Party. Die ganzen Leute.“

Lex sah sich um, als erblickte er die Partygäste soeben zum ersten Mal. „Ah.“ Er nickte. Und schwieg.

„Was wird hier gefeiert, Lex?“

Ein verschmitztes Grinsen huschte über Lex’ Gesicht. „Soll ich’s dir verraten?“

„Würde ich sonst fragen?“ Augenrollend bemühte Clark sich nicht sehr, die Ungeduld zu verbergen.

„Gut Clark, weil du’s bist, sag ich es dir.“ Lex leerte sein Glas in einem langen Zug. Dann verkündete er: „Mein Geburtstag.“

Clark war sprachlos. Lex hatte heute Geburtstag? Wieso wusste er nichts davon? Wieso hatte er in den zwei Jahren, die sie sich kannten, nie Lex’ Geburtsdatum erfahren? Wieso hatte er Lex nie danach gefragt? Wieso -?

„Wieso -?“

„Überraschungsparty. Dad meinte, das sei eine gute Idee.“

„Dein Vater hat das organisiert, ohne dass du etwas wusstest?“

„In der Tat ist das der Sinn einer Überraschungsparty, Clark, weißt du“, meinte Lex betont ruhig, als erkläre er einem Kind etwas.

„Das ist irgendwie... hm... nett... von ihm. Äh...“ Clark rief sich ins Gedächtnis, über wen er da sprach und fügte hinzu: „Versteh mich nicht falsch. Aber... warum tut er so was?“

Das tonlose Schnauben zeigte, dass Lex genau verstand, was Clark meinte. „Sein geliebter Sohn ist von den Toten auferstanden. Wir sind wieder Partner. Daddy liebt mich eben.“ Mehr als nur ein Hauch Sarkasmus färbte die Worte, doch bevor Clark darauf etwas erwidern konnte, sprach Lex schon weiter. „Aber lass uns nicht über Big Daddy reden. Ich bin ja so froh, dass du hier bist! Du bist mein Freund“, erklärte er ernsthaft. Und dann: „Clark, ich liebe dich.“

„Ja, Lex, sicher, ich liebe dich auch. Aber --“

„Ich wusste es!“, grinste Lex.

„Warum hast du mich angerufen? Ich dachte, du brauchtest Hilfe.“

„Ich brauche Hilfe. Ich brauche dich.“

„Lex, jetzt werd bitte mal kurz ernst. Ich hab mir Sorgen gemacht. Du rufst mitten in der Nacht an. Ich dachte, du wirst überfallen, ausgeraubt, bedroht, was weiß ich, und jetzt feierst du bloß eine Party. Ich meine, ich freue mich, dass es dir gut geht, aber wieso hast du am Telefon so verzweifelt geklungen?“

„Wow, du hast nicht einmal Atem geholt.“

„Lex, bitte...“

„Okay, Okay. Also, ich mache es kurz. Dad schmeißt eine Party für mich, ich amüsiere mich ihm zuliebe so gut es geht, bis mir etwas auffällt: Es ist mein Geburtstag, und mein einziger Freund ist nicht hier. Das musste ich ändern. Ergo das Telefonat.“

„Aber wer sind die ganzen Leute?“, fragte Clark, bewusst den einziger-Freund-Teil ignorierend.

Lex winkte ihn verschwörerisch mit dem Zeigefinger näher und flüsterte: „Weißt du was? Ich habe keine Ahnung.“

„Du machst Witze.“

Lex hob abwehrend beide Hände und schüttelte den Kopf.

„Dein Vater organisiert doch keine Party für dich mit lauter Fremden. Wo ist er übrigens?“

„Ach ja, mein Lieblingsdad“, seufzte Lex mit verträumtem Ausdruck. “Er war hier, hat mich umarmt und alles, mir symbolisch den Schlüssel zu meiner Büro-Etage im neuen LuthorCorp-Turm überreicht. Er hatte eine Schleife drum gebunden, die dreimal so groß war wie der Schlüssel, kannst du dir das vorstellen? Und sie war grün. Clark, hab’ ich dir eigentlich je gesagt, dass du wunderschöne grüne Augen hast?“

„Nein, Lex, hast du nicht, aber was soll di-“

„Clark, du hast wunderschöne grüne Augen.“

„Ähm, danke...“

„Als ich die Schleife sah, musste ich an dich denken. Und dann kamen all die Leute, und mein Vater ließ großzügig die Champagnerkorken knallen. Die beiden Musiker hat er direkt von der Philharmonie Metropolis geholt. Die besten Solisten. Bill und Ted heißen sie, aber ich konnte kaum mit ihnen plaudern, da Dad sie dafür bezahlt, den ganzen Abend keine Pausen zu machen.“

„Im Ernst? Dein Vater ist gegangen? Wie lange war er denn hier?“

„So eine knappe Stunde. Er hatte noch zu tun.“

„Geschäfte mitten in der Nacht?“

„Das oder ein Sondertermin bei seiner thailändischen Lieblingsmasseuse.“ Spöttisch angehobene Augenbrauen deuteten an, dass es sich in dem Fall wahrscheinlich nicht um die übliche Massage zur Lockerung von Verspannungen handelte.

„Lex, du weißt, ich bin kein besonders großer Fan von deinem Vater, aber -“

„Da wären wir schon zwei.“

„- aber dich nach so kurzer Zeit schon allein zu lassen, finde ich selbst für ihn ein starkes Stück.“

„Allein bin ich ja nun nicht gerade.“ Lex sah belustigt aus und machte eine ausladende Geste in Richtung Gäste.

„Du weiß genau, wie ich das gemeint habe.“

„Ach, du weißt doch, bei uns ging es nie besonders herzlich zu. Er hat seinen Part hier erledigt, und damit reicht es auch. Ich seh’ ihn ja jetzt dauernd in Metropolis.“

Seufzend gab Clark seine Einwände auf. Im Grunde hatte Lex ja Recht. Natürlich sollte ihn bei Lionel Luthor gar nichts wundern, der oft genug bewiesen hatte, dass er über Leichen ging. Die Party an sich war wohl ungewöhnlicher als Lionels früher Abgang. Außerdem war Lex ja auch kein kleines Kind mehr, das an Papas Rockzipfel hing. Ein albernes Grinsen wollte sich seinen Weg auf Clarks Gesicht suchen, als er sich Lionel im Rock vorstellte, doch plötzlich ließ ihn ein durchdringender Pfiff hochfahren. Lex war dabei, ein weiteres Glas Champagner zu ordern. „Nein, warten Sie. Bringen Sie uns die Flasche von meinem Vater!“, rief er dem davoneilenden Kellner hinterher.

„Meinst du nicht, du hast genug?“

„Genug? Mir geht’s phantastisch, jetzt da du hier bist. Im Übrigen ist das ein Neunziger Clos du Mesnil, nicht für die Öffentlichkeit, sondern mein Geburtstagsgeschenk. Für seinen Lieblingssohn ist Big Daddy nichts zu teuer. Also Prost! Mach dein Glas schnell leer, damit wir’s gleich mit dem Edelgesöff füllen können.“

Bis zur Hälfte hatte Clark sein Glas schon geleert und nahm aus reiner Höflichkeit einen weiteren Schluck. Er war sich noch nicht ganz sicher, ob er sich ernsthaft Sorgen um Lex’ Zustand machen sollte. Gut, Lex war betrunken. Das würde er überleben, aber es war offensichtlich, dass hinter der fröhlichen Fassade eine ungeheure Menge an Bitterkeit steckte. Außerdem war ihm immer noch nicht ganz klar, was er eigentlich hier sollte. Lex’ Anfall von Zärtlichkeit war doch wohl nur auf den Alkohol zurückzuführen.

Oder?, wisperte der kleine rote Teufel auf seiner linken Schulter.

Dieses beharrliche Oder machte Clark schwindelig. Noch nie war Lex ihm körperlich so nahe gewesen wie bei der Begrüßung kurz zuvor. Jedenfalls nicht, wenn es um etwas anderes als Leben und Tod ging. Noch nie hatte Lex ihm solche Komplimente gemacht. Clark konnte nicht behaupten, dass diese Version ihm prinzipiell missfiel, doch es war nur allzu wahrscheinlich, dass Lex nicht Herr seiner Sinne war.
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