(Kein) Kinderwunsch

von Deira
GeschichteRomanze / P16
16.01.2008
14.04.2008
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Also, ich versuche mich jetzt erstmals an einer Geschichte die nicht im Bereich des Übernatürlichen oder Fantastischen liegt. Im dieser Geschichte geht es um Margit und Frank.
Die beiden sind seit einigen Jahren verheiratet und führen eigentlich eine glückliche Beziehung. Doch in einem nicht unwichtigen Punkt haben sie eine grundsätzlich andere Meinung.... Viel Spaß beim Lesen dieser manchmal auch ein wenig traurigen Geschichte.

Margit Becker schaltete ihren Computer aus und schloss ihren Schreibtisch ab. Es wurde allmählich Zeit, Feierabend zu machen.
Ihr Blick fiel auf das Hochzeitsfoto auf ihrem Schreibtisch. Es stand neben einer Tasse mit eiskaltem Kaffee. Irgendwie schaffte sie es während der Arbeit nie, ihren Kaffee einmal warm oder gar heiß zu trinken, jedes mal kam etwas dazwischen.
„So mag ich den auch nicht mehr," dachte die stellvertretende Abteilungsleiterin der Firma „Best PC & Mobil Phone*, die hoffentlich bald einen Sprung nach oben auf der Karriereleiter machen würde.

Sie strich sanft über das Hochzeitsfoto das vor vier Jahren aufgenommen worden war. Es zeigte sie und ihren Mann Frank. Beide lächelten sie glücklich und sie trug ein traumhaftes Brautkleid.
Sie standen scheinbar an einem Strand im Schein der untergehenden Sonne.
Natürlich hatten sie nicht wirklich irgendwo im Süden an einem einsamen Strand geheiratet obwohl das Margits heimlicher Traum gewesen war. Die Hochzeitsbilder hatte ein Fotograf in seinem Studio gemacht und eine hübsche Summe dafür in Rechnung gestellt. Jedoch noch immer war sie der Meinung dass die Bilder jeden Cent wert gewesen waren.

„Es fällt nicht einmal auf dass ich fast vier Jahre älter als Frank bin,“ dachte sie mit einem Schmunzeln. Am Anfang der Beziehung hatte sie dieser Umstand ein wenig gestört, sie war damals 27 und Frank 23 Jahre alt gewesen.
Jedoch er hatte sich in seinen Anstrengungen sie zu seiner Freundin und anschließend zu seiner Frau zu machen als äußerst hartnäckig erwiesen. Zwei Jahre nach ihrem ersten Treffen war es dann zur Traumhochzeit im Familien- und Freundeskreis der ungefähr, da sie ihre Kollegen auch eingeladen hatte, 110 Personen umfasst hatte.

„Das war einer der schönsten Tage in meinem Leben,“ dachte sie.
Margit packte eine Plastiktüte die neben ihrem Schreibtisch stand und verließ ihr Büro.

Sie warf einen Blick aus dem Fenster und genoss die Aussicht über die Stadt. Im vorletzten Stockwerk eines zehnstöckigen Hochhauses lag das Büro der stellvertretenden Abteilungsleiterin.

Lediglich die Chefetage befand sich noch ein Stockwerk höher.

Auf dem Weg zum Aufzug traf sie auf die Abteilungleiterin Anne Schmidt deren Posten sie demnächst zu übernehmen hoffte. Anne lief auf sie zu. „Warte, ich komme mit nach unten! Ich mache jetzt auch Feierabend!“

Margit nickte und gemeinsam stiegen sie kurz darauf in den Fahrstuhl. „Und wie geht es dir?“, erkundigte sich Margit ohne wirkliches Interesse.
Sie und Anne hatten sich noch nie besonders nahe gestanden und im Augenblick ging diese ihr einfach nur auf die Nerven.
Auch jetzt strich Anne sich wieder einmal demonstrativ über ihren dicken Bauch. „Uns geht es gut,“ lachte sie.
„Bald hat der Stress hier ein Ende und der Mutterschutz fängt an. Du weißt schon, diese Sechswochenfrist vor der Geburt!“

„Dann wirst du in dieser Zeit nicht arbeiten? Frau Mörkelbach ist bis zwei Tage vor der Entbindung gekommen!“, erkundigte sich Margit erschrocken.
Also würde in dieser Zeit sehr viel Arbeit an ihr hängen bleiben. Andererseits war dies eine gute Gelegenheit für sie um zu zeigen dass sie eine gute, vielleicht sogar bessere Abteilungsleiterin als Anne war.
„Bist du wahnsinnig? Ich werde mich daheim auf mein Sofa legen und es mir gut gehen lassen! Aber jetzt muss ich mich beeilen, ich muss zum Geburtsvorbereitungskurs!“, antwortete Anne und winkte Margit zum Abschied zu als sie den Aufzug verließen.

„Früher hat sie sich im Job echt durchgebissen und jetzt interessiert es sie scheinbar gar nicht mehr,“ dachte Margit. „Aber um so besser für mich wenn sie eine lange Elternzeit nimmt!“

Kurz darauf stieg Margit in ihren neuen Wagen, einen kleinen Nissan, den sie sich erst vor kurzem gekauft hatte.
Zwar handelte es sich um einen Gebrauchtwagen jedoch dieser hatte gerade erst 3 Jahre auf dem Buckel und ließ sich ausgezeichnet fahren.

„Und jetzt muss ich mich erneut einer Frau widmen, die etwas mit Babys zu tun hat,“ dachte sie schmunzelnd und parkte auf dem Parkplatz des Krankenhauses. Allerdings freute sich sich auf dieses Baby oder vielmehr auf dessen Mutter, ihre beste Freundin Silke.
Silke war zwei Jahre jünger als sie und in den frühen Morgenstunden das erste Mal Mutter geworden. Ein kleiner Junge, auf den sie und ihr Mann lange vergeblich gewartet hatten, hatte das Licht der Welt erblickt.

Margit griff nach der Tüte in der sich das Geschenk für Silke und ihr Baby. Sie hatte es in der Mittagspause in einem der teuersten Läden der Stadt besorgt.

Margit schloss ihren Wagen ab und betrat kurz darauf das Krankenhaus. Dort fragte sie sich zur Entbindungsstation durch und stieß auf dem Flur fast mit einer jungen Mutter zusammen die einen Säugling in einem Bettchen vor sich her schob.
Das Kind schrie aus Leibeskräften und Margit widerstand dem Drang sich die Ohren zuzuhalten.

„So süß sie auch sind, wenn sei schreien gefallen sie mir gar nicht,“ dachte Margit und öffnete die Tür zum Zimmer in dem ihre beste Freundin mit ihrem Kind untergebracht war. Dort stieß sie wieder fast mit jemandem zusammen, dieses Mal mit Silkes Mutter.
„Frau Becker, schön dass Sie kommen! Die Silke wird sich freuen! Aber Sie müssen sich unbedingt mein Enkelchen ansehen, das ist so süß! Heute hat es schon 50 Millilitter getrunken und vorhin an Silkes Schulter ein Bäuerchen gemacht! Süß ist das,“ freute sich die stolze Großmutter überschwenglich und mit einem weiteren „so süß ist das“, ließ sie Margit vorbei.

„Deine Mutter scheint sich ja wirklich über ihr erstes Enkelkind zu freuen,“ begrüßte Margit ihre Freundin und gab ihr einen Kuss auf die Wange. So begrüßten sie sich immer.
„Und, wo ist dieses Wunderbaby? Ist es das?“, fragte Margit und deutete auf das Bettchen neben Silkes Bett.

„Natürlich, denkst du ich habe ein anderes Kind neben meinem Bett stehen?“, fragte Silke fast schon beleidigt.
Margit zuckte zusammen. Hatte Silke ihren Sinn für Humor verloren? Jedoch dann sah sie sich pflichtbewusst das Baby an.
„Er ist wirklich sehr niedlich! Ich glaube die Nase hat er von Robert,“ sagte sie und nun lächelte Silke.
„Ja, das finde ich auch! Und die Ohren hat der kleine Leon von seinem Opa Rudolf, Roberts Vater! Er und Roberts Mutter waren vorhin auch schon da und haben mir den dicken Blumenstrauß dort hinten gebracht!“, sagte Silke und deutete auf einen Riesenstrauß der auf einem Tisch in einer Vase stand.

„Der ist schön,“ antwortete Margit und drückte ihrer Freundin die Tüte in die Hand. „Hier, ich habe dir als du mich heute Vormittag angerufen hast eine Kleinigkeit besorgt! Ich habe dafür sogar meinen Kollegen stehen lassen, der wollte eigentlich mit mir die Termine für nächsten Monat durchgehen!“
„Das ist lieb von dir, freute sich Margit und nahm einen Gutschein heraus.
„Margit, das sind 150 Euro! Das ist sehr viel! Das wäre nicht nötig gewesen! Und der Strampler ist auch sehr schön! Danke!“, sagte sie.

„Ich dachte du weißt selbst am besten was du brauchst, daher der Gutschein! Aber den Strampler fand ich ganz niedlich!“, erklärte Margit ihrer Freundin die Geschenke.

„Und, wann ist es bei dir so weit?“, fragte Silke grinsend und deutete auf ihren kleinen Sohn der nun die Augen geöffnet hatte und ein leises Quäcken von sich gab. Jedenfalls kam es Margit so vor.

„Mal sehen,“ sagte sie ausweichend und verabschiedete sich schnell als Silke das Kind aus dem Bettchen nahm und an ihre Brust legte.
„Ich soll ihn oft anlegen, dann bekomme ich viel Milch hat die Hebamme gesagt,“ teilte Silke ihr noch mit bevor Margit den Raum verließ.

„Ich will dich dann mal nicht länger stören! Ich rufe dich morgen Mittag mal an!“, sagte Margit zum Abschied und traf auf dem Gang auf ein junges Paar.

Die Frau hatte eine dicken Bauch und hielt sich mit schmerzverzerrtem Gesicht an dem Mann fest. Offenbar befand sie sich auf dem Weg in den Kreissaal.

„Silke sah auch ganz schön geschafft aus!“, dachte Margit und war froh dass die Freundin sie mit Einzelheiten der Geburt verschont hatte. Damit waren ihre beiden Schwägerinnen ihr bereits auf die Nerven gegangen und nur um des lieben Familienfriedens willen hatte sie diese Erzählungen ertragen.

„Silke wollte vorhin wissen wann es bei mir so weit ist! Wenn ich ganz ehrlich bin dann hätte ich sagen müssen dass es bei mir niemals so weit sein wird!“, dachte Margit und war froh als sie das Krankenhaus verlassen konnte.

Nein, die Welt der Schwangeren, Babys, Stillenden und Wickelnden war ganz eindeutig nicht die ihre.....

*Die Firma „Best PC & Mobil Phone“ habe ich mir nur ausgedacht und es gibt sie nicht wirklich.
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