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For you

GeschichteDrama / P6
13.01.2008
13.01.2008
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Vorwort: Diese kurze Story ist schon ein bisschen älter, ich hoffe sie gefällt euch! Ich freue mich auf eure Meinungen!


- For you -

Mit langsamen, müden Schritten betrat ich unser gemeinsames Haus etwas außerhalb des Schlosses. Teiou war noch nicht da, wofür ich schon fast dankbar war. Auch wenn ich seine Gegenwart normalerweise noch so sehr genoss - im Moment musste ich einfach etwas allein sein.
Leise, kaum hörbar seufzend ließ ich mich auf der Fensterbank nieder und sah hinaus in den Garten. Es war schon fast dunkel, aber die nahezu untergegangene Sonne warf noch einen winzigen Schein orange farbenes Licht auf die Bäume und das Gras. Ein schöner Anblick, so friedlich, aber im Moment hatte ich kein Auge dafür.
In Momenten wie diesen fragte ich mich, warum ich mir das alles antat, warum ich mir das gefallen ließ. Hatte ich es denn nötig, mich ständig verspotten zu lassen, ob nun offen oder hinter vorgehaltender Hand?
An diesem Tag war es wieder besonders schlimm gewesen. Fast immer verrichtete ich meinen Dienst direkt an Teious Seite und niemand hätte es in seiner Gegenwart gewagt, auch nur ein schlechtes Wort über mich zu verlieren. Natürlich fielen mir auch da die Blicke auf, das abschätzige Verhalten und die Tatsache, dass sie mich nicht als ihresgleichen ansahen, aber so war es noch halbwegs möglich das zu ignorieren. Wenn ich jedoch allein war, wie an diesem Tag, war es kaum auszuhalten.
Ständig wurde ich verspottet, teilweise sogar von jenen, die mir unterstellt waren. Taten sie es nicht direkt, dann redeten sie so laut miteinander, dass ich es bloß ganz sicher mitbekam.
Natürlich, ich hätte mich wehren können, aber was hätte ich davon gehabt? Als Dämon wäre dann wohl automatisch ich der Unruhestifter gewesen, wer angefangen hatte interessierte da niemanden. Im Zweifelsfall hätte vielleicht noch jemand - natürlich mit Unterstützung seiner Kameraden - behauptet, ich hätte ihn angegriffen. Und dann hätten mir weder Teiou noch Tia helfen können.
Also hielt ich still und ließ es stumm über mich ergehen. Blöße gab ich mir keine - zumindest mein Stolz war mir noch geblieben.
Manchmal kam ich mir hier vor wie in einem Gefängnis; ein Gefängnis, das ich freiwillig gewählt hatte.
Mittlerweile lag der Garten in vollständiger Dunkelheit. Kleine Tiere flitzten über das Gras und für einen Moment beneidete ich sie. An Tagen wie diesen vermisste ich meine Freiheit, die Freiheit hinzugehen, wo ich wollte und das ohne ständig von jemanden beobachtet zu werden, der nur auf eine Gelegenheit wartete, mich bei irgendetwas zu erwischen, das mir das Genick brechen würde. So geehrt ich mich auch gefühlt hatte, als Tia mich in dasselbe Regiment eingeteilt hatte wie Teiou, die Ernüchterung war schnell eingetreten.
Warum also?
Verpflichtungen hatte ich keine, ich war auch kein Sklave wie die meisten Dämonen, die im Himmelsreich gelebt hatten. Niemand könnte mich aufhalten, wenn ich gleich heute meine Sachen packen würde und bei Nacht und Nebel verschwinden würde.
Und doch wusste ich, dass ich das nie tun würde, denn ...
Diesen Gedanken konnte ich nicht fortführen; plötzlich hörte ich, wie jemand hereinkam, die Tür achtlos hinter sich zuwarf und auf mich zukam. Ich machte mir nicht einmal die Mühe mich umzudrehen - schließlich konnte es nur einer sein.
Teiou.
Sanfte Arme legten sich von hinten um mich und ich spürte seinen warmen Atem in meinem Nacken. Automatisch lehnte ich mich in seine Umarmung und schloss die Augen zur Hälfte.
"Hey, hattest du einen stressigen Tag?" Er wusste nicht, wovon er redete. Zwar bekam er ab und zu mit, wie man sich mir gegenüber verhielt, aber das ganze Ausmaß war ihm nicht bewusst. Und von mir würde er es nie erfahren, schließlich wollte ich seiner Karriere nicht im Weg stehen.
Trotzdem, obwohl er nicht wusste, was hinter seinem Rücken vor sich ging hatte er sofort gemerkt, dass etwas mit mir nicht stimmte. "Ja", erwiderte ich. "Ziemlich stressig. Es gab mehrere Angriffe von Dämonen." Das war keine Lüge und ich hoffte, dass er sich damit zufrieden gab.
Scheinbar schon, denn jetzt fing er an wortlos meine Schultern zu massieren.
Hätte mir jemand vor ein paar Jahren gesagt, dass ein Bewohner des Himmelsreiches so etwas für einen Dämonen tun würde - ich hätte ihn ausgelacht!
"Manchmal ...", begann Teiou, brach dann aber ab.
Fragend drehte ich mich zu ihm herum. "Manchmal?"
"Manchmal ... habe ich Angst, dass dir das alles hier zu viel wird. Ich weiß, wie sehr du dein Leben in Freiheit geliebt hast und dagegen die ganzen Verpflichtungen hier." Er senkte den Blick; es kam selten vor, dass er mir nicht in die Augen sehen konnte. "Und ich weiß, dass du es nicht immer einfach hast mit den anderen hier", fügte er leise hinzu. "Ich weiß nicht wie es ist, wenn ich nicht dabei bin, aber ich weiß, dass du es nicht einfach hast."
Ich hörte das schlechte Gewissen aus seiner Stimme heraus und seufzte leise. Sanft legte beide Hände an seine Wangen und hob langsam seinen Kopf wieder an, bis ich in seine Augen sehen konnte. "Weißt du noch als du mich darum gebeten hast, niemals einfach zu verschwinden?"
Trotz des ernsten Gesichtsausdrucks und den fast schon traurigen Augen lächelte er leicht. "Ja ... Wie könnte ich das vergessen? Du hast mir aufrichtig versprochen, bei mir zu bleiben."
Wie damals sah ich ihm fest in die Augen. "Und habe ich dich je belogen?"
Endlich erreichte das Lächeln auch seine Augen. "Nein."
"Dann werde ich auch jetzt nicht damit anfangen", sagte ich einfach. Dann löste ich mich von ihm und sah ihn gespielt sauer an. Mit einem etwas barscheren Ton fuhr ich fort: "Was denkst du eigentlich von mir?"
Schnell überquerte er den Abstand zwischen sich und mir und verwickelte mich auf seine unnachahmliche Art in einen zärtlichen Kuss. "Jedenfalls nichts Schlechtes."
Darauf ließ ich es nur zu gerne beruhen.
Die Küsse wurden leidenschaftlicher und ich konnte für den Moment endlich alles vergessen, was am Tag vorgefallen war und mich noch vor wenigen Minuten so bedrückt hatte - spätestens als er mich hochhob und zum Bett trug und mich liebte als wäre alles andere auf der Welt unwichtig.

Das Licht des Vollmonds schien auf sein Gesicht und ließ mich seine friedlich schlafenden Züge erkennen. Sanft strich ich eine Strähne seines schwarzen Haares zurück und küsste seine leicht geöffneten Lippen, wohlwissend, dass er fest genug schlief um nicht aufzuwachen.
Und trotzdem lächelte er leicht im Schlaf, drehte sich etwas zu mir hin und murmelte meinen Namen.
Auch auf meine Lippen schlich sich der Hauch eines Lächelns.
Und endlich konnte ich den Gedanken von vorhin auch zuende führen: Niemals würde ich einfach wieder aus dem Himmelsreich verschwinden, denn hier war die Person, die innerhalb kürzester Zeit zum Mittelpunkt meines Lebens geworden war. Wenn es sein musste würde ich für den Rest meines Lebens hier bleiben, selbst wenn viele hier mir nie trauen würden. Ich würde das alles auf mich nehmen, und das ohne je zu klagen.
"Für dich, Teiou", flüsterte ich, auch wenn er mich nicht hörte. "Nur für dich."

- Owari -
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