Licht und Dunkelheit

von schwert
GeschichteAllgemein / P16
12.01.2008
12.01.2008
4
5423
1
Alle Kapitel
7 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 Datenschutzinfo
 
 
Disclaimer: Saetan, Lucivar, Daemon, Jaenelle und Graufang sind Figuren, die Anne Bishop gehören, alle anderen Charaktere stammen von mir.


Eine sanfte Brise bewegte die Büsche und Bäume, die ihre weiten Kronen in den Himmel reckten und die Welt unter sich mit ihrem Schatten beschützten. Das frisch gemähte Gras duftete warm und würzig.

Eine Kutsche ratterte vorbei. Sie wurde von prachtvollen Schimmeln gezogen. In ihrem Innern saßen eine Frau und ein Mann.

Abschätzend glitt der Blick der Frau über den Körper des Mannes, der von weichen, fließenden Stoffen umschmeichelt wurde. Unbehaglich wand sich der Mann unter den Blicken der Frau.

Einmal trafen sich kurz ihre Augen, die der Frau kalt und schwarz wie polierter Stein, die des Mannes wie graue Splitter mit einem goldenen Funken darin.

Schnell sah der Mann weg. Die Kälte in den Augen der Frau erschütterte ihn zutiefst.

Als sie sich scheinbar von ihm abwandte, nutzte er die Gelegenheit, sie genauer in Augenschein zu nehmen.

Sie war in Rot gekleidet, der Farbe ihrer Juwelen. Sie trug außer ihrem Juwel keinen weiteren Schmuck. Diese Kargheit überraschte ihn irgendwie, denn sie schien nicht so recht zu der Fülle der Macht passen zu wollen, die sie ausstrahlte.

„Lady.“
Ihre Augen wurden zu Schlitzen, als sie ihm ins Gesicht blickte.
Dennoch fand er irgendwie den Mut, weiter zu sprechen: „Wann werden wir Euer Haus erreichen?“
„Habt ihr kein Sitzfleisch, Krieger?“ spottete sie.
Aldred sah ihr unverwandt in die Augen, obwohl ihm nur allzu deutlich bewusst war, das seine Lady das durchaus als Aufsässigkeit interpretieren konnte.
„Fleisch und Geist teilen nicht immer eine Meinung, Lady.“
Weil er sie so genau beobachtete, entging ihm das kurze Aufblitzen der Überraschung in ihren kalten Augen nicht. Für einen Augenblick, der so schnell verging, dass Aldred sich später nicht sicher war, ob er sich nicht getäuscht hatte, schien Gefühl in den schwarzen Pupillen auf.

Dann wurden die Züge der Lady hart: „Ihr seid nicht hier, um die Vergnügen des Geistes zu genießen.“
Aldred unterdrückte ein zorniges Schnauben. Mochte sein Körper auch in noch so kostbare Stoffe gekleidet sein, würde er am Hofe der Lady doch nichts weiter sein als ein Sklave.
„Sagt mir, wie ich euch dienen kann, wenn ich weder euren Namen noch den Eures Hauses kenne,“ forderte er sie auf.

Die Lady erbleichte. Namen hatten Macht in ihrer Welt. „Ich sollte euch die Zunge herausreißen lassen,“ schlug sie vor.
„Verzeiht, Mylady, ich wollte nicht unverschämt sein.“

„Seit Ihr in dieser Kutsche sitzt, steht eure Zunge nicht mehr still.“ „Gut beobachtet.“ Aldred hatte diese Äußerung durchaus nicht ironisch gemeint, doch die Lady errötete heftig.
„Verzeiht. Ich mache euch nichts als Schande.“
„Gut beobachtet.“ Das war durchaus ironisch gemeint.
Aldred lehnte sich zurück und starrte aus dem Fenster. Am Horizont ragten die Türme einer Burg in den Himmel, drohend wie abgeschnittene Finger, die jemand zum Vergnügen hatte aufstellen lassen. Das Gebäude atmete eine Dunkelheit, die Aldred erschauern ließ.

Zu seinem Entsetzen hielt die Kutsche geradewegs auf die schwarzen Mauern zu. Die Pferde wurden immer unruhiger, je näher sie der Burg kamen.

Die Lady beobachtete Aldred jetzt sehr genau, auf eine Art, die voller Neugier und frei von Begierde war.

„Wo sind wir?“ Aldred nahm sich zusammen, um seine  Gefühle aus seiner Stimme heraus zu halten.

„Das, mein Lieber, ist Burg SaDiablo. Kommt schon, bewegt euch.“ Betäubt registrierte Aldred, dass die Kutsche zum Stehen gekommen war. Die Burg – oder was davon übrig war – schien sich über den ganzen Horizont auszudehnen.

Aldred hatte nie zuvor etwas derart Großes, Bedrohliches gesehen.

Dunkelheit senkte sich über das Land, wie ihm mit Unbehagen bewusst war. Verächtlich musterte ihn die Lady: „Ihr glaubt nicht an die Dunkelheit, die uns alle geschaffen hat,“ stellte sie fest.

„Ich glaube an das Licht.“ „Verschont mich mit dieser neuen Religion,“ sagte die Lady. Ihre Stimme hatte viel von dem Eis in ihren Augen. „Wenn ihr mir dienen wollt, Aldred – Krieger – gestatte ich euch nicht, weiter dieser neuen Religion anzuhängen.“

„Ich diene euch, weil es Brauch ist, nicht, weil ich will.“ „Haltet eure Zunge im Zaum,“ warnte die Lady. „Nun, wir sind zu Hause.“

Erschüttert starrte Aldred die Lady an: „Ihr seid eine SaDiablo.“ Die Lady nickte: „Wann wurde das Gebäude geschleift?“ Lady SaDiablo schüttelte den Kopf. Aldred fühlte, dass seine Frage sie amüsierte. Als sie ihm – wider Erwarten – antwortete, fehlte ihrer Stimme jedoch lediglicher Spott: „Lange bevor ich geboren wurde. Da ihr anscheinend euren Geist mit Gedichten anstatt mit Geschichte geschärft habt...nun, begleitet mich.“

Sie ergriff die Hand des Kriegers und zog ihn mit sich.

Kaum hatte Aldred einen Fuß über die Schwelle gesetzt, erdrückte ihn beinah die Konzentration der Macht in dieser Ruine. Sie nahm ihm beinah den Atem. Mylady SaDiablo musterte ihn von der Seite:

„Es war euer Volk, das diese Burg zerstört hat. Vor langer, langer Zeit gab es einen Krieg. Die Anhänger des Lichts vertraten die Ansicht, dass die Dunkelheit verwerflich sei, und alles, wofür sie stünde. Wofür die Dunkelheit aber genau steht, das, Süße Dunkelheit, interessierte sie nicht.“

„Wir waren das?“ „Menschen eures Schlages, Krieger.“ Ein flaues Gefühl machte sich in Aldred breit: „Habt ihr mich deshalb hergeführt?“ „Ich habe euch hergeführt, damit Licht wieder gut machen kann, was Licht zerstört hat.“ „Rache,“ schwer kam dieses Wort über Aldreds Lippen. Ein kleines Wort nur, doch so bedeutungsvoll.
Die Lady strich sich das schwere goldene Haar aus der Stirn: „Rache. Was für ein wundervolles Wort.“ Eine Weile schwieg sie, umhüllt von der dichter werdenden Dunkelheit, die sich in dieser Ruine unnatürlich verdichten zu schien. Schwer hing das Schweigen zwischen ihnen.
Review schreiben