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GeschichteThriller / P18
Emppu Vuorinen
06.01.2008
26.06.2011
27
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„hey ihr!wie ists in neuseeland.hat euch dad schon sämtliche“herr der ringe“drehorte gezeigt oder bekommt ihr was anderes auch noch zu gesicht?letzte prüfung dürfte geklappt haben, auf die masterarbeit hab ich ne 2.viel spaß noch und bis bald!“

Ich sah die Sms noch schnell durch und schickte sie dann an meine Mutter. Es war erstaunlich, meine Familie wollte niemals gemeinsam einen Urlaub verbringen und diesmal taten sie es. Um ehrlich zu sein, ich fand es mir gegenüber ziemlich unfair, musste ich doch allein Zuhause bleiben, da die letzten Prüfungen anstanden und ich dann endlich mein Studium beendet hätte. Wie sehr ich mich auf die Feier freute, das konnte sich wohl kaum einer denken. Aber sie würde erst nächste Woche stattfinden und bis dahin waren Oma, Opa, Tanten und Onkeln, Eltern und sämtliche Kinder wieder hier.
Dann würden wir ordentlich feiern und einfach nur glücklich sein, dass meine Studienzeit vorbei war.

Lächelnd ging ich die Treppen hinauf. Dieses Wohnheim würde ich nun auch bald verlassen und dann, dann wartete das richtige, reale Leben auf mich, das immer mein größter Ansporn war in der Mindeststudienzeit durchzukommen.

Aus der Küche hörte ich laute Stimmen und sie schienen nicht gerade begeistert zu sein, eher schon schrill und panisch. So wie damals… vor sieben Monaten, als das Virus beinahe die ganze britische Bevölkerung ausgelöscht hatte.
In den letzten Wochen schien es ja ziemlich ruhig dort abzulaufen, die Amerikaner kümmerten sich um den Wiederaufbau und schienen etwas von ihrem Handwerk zu verstehen, denn es gab schon wieder ein besiedeltes Gebiet, in dem die letzten Briten lebten. Allein der Gedanke, dass so etwas auch hier passieren könnte, ließ mir Schauder über den Rücken laufen. Meine gute Freundin Camilla würde nun wieder sagen: „Mich gruselt’s.“
Und mit ihrem Lieblingsspruch hatte sie gar nicht mal so sehr Unrecht.

Ich öffnete die Tür und sah, dass viele meiner Freunde vor dem Radio hingen und richtiggehend in Panik gerieten.
Sie bemerkten mich nicht mal und das, obwohl ich meine blauen Stiefel anhatte, die man einfach nicht überhören konnte.
„... und nun zu den Nachrichten im Inland…“

„Verdammte Scheiße, ich fress einen Besen, wenn es diesmal nicht rüberkommt. Ich schwöre es, dass ich es in meinem Bein spüre. Eindeutig!“, schimpfte der schwarzgelockte Hansi vor sich hin und deutete immer und immer wieder auf seine Knie.

„Nein, es ist vorher nicht rüber gekommen, warum sollte es dies jetzt tun?“, erkundigte sich Gitti, die immer ein sehr positiv denkender Mensch war.

„Es kommt. Ich glaube es auch, irgendwie… wenn man sich den Evolutionsverlauf ansieht… wir Menschen haben die Natur ziemlich in Mitleidenschaft gezogen… globale Erwärmung und so ein Mist… vielleicht is dieses Virus einfach nur die Rache unserer lieben Mutter Erde… denn… hmm… ihr wisst ja… ein meteorologisches Ungleichgewicht wird auch durch Gewitter wieder ausgeglichen und… na ja… wenn wir uns mal ehrlich sind, die Menschen sind wohl am kürzesten hier und mit dieser bescheuerten Überzüchtung dieses Virus durch unsere lieben ausgerotteten Freunde, die Briten… es ist nur noch eine Frage der Zeit bis es bei uns ist“, plapperte der schöne Josch, mein Cousin, vor sich hin.

„Was is denn verdammt noch mal los?“, nutzte ich diese kurze, angespannte Ruhe aus.
„Das Virus hat nun die letzten Briten drangekriegt. Die Amis mussten einen Code Red ausführen und zusehen, dass sie die Meute unter Kontrolle bekommen, aber… es sind noch ein paar flüchtig, die haben sie nicht erwischt… und es scheinen nicht mal so wenige zu sein“, raunte Pete, der Südafrikaner und schüttelte den Kopf.

„Das soll heißen…“, fragte ich absichtlich ruhiger, als ich mich fühlte.

„Die kommen… Mani hat da ein paar Funksignale abgefangen, dass die Amis in Panik sind. Und wenn die Amis in Panik sind, dann sollten wir es für gewöhnlich auch sein“, erklärte Hansi gelangweilt.

„Packen wir unsere Sachen und ab geht’s… studieren können wir auch wo anders“, erklärte Pete lachend und verließ uns.

„Du bist ja wahnsinnig!“, rief Gitti entrüstet. „Da kommt nix und da wird auch nix kommen“, erklärte sie energisch.

„Ich geh jetzt einkaufen, wer kommt mit?“, erkundigte sich der schöne Josch, mit dem ich eigentlich immer meine Mittagsstunden in der Küche verbrachte. Hunger hatte ich, Ablenkung konnte ich gebrauchen und etwas vom normalen Wahnsinn des Alltags würde nun ein Gefühl von Sicherheit vermitteln.

„Komme mit“, erklärte ich einfach, denn mein Bauchgefühl sagte mir, dass ich jetzt so schnell wie möglich irgendetwas tun musste, um mich abzulenken. Ein bisschen zumindest.

„Gut“, erklärte er einfach und ruhig. Ich folgte ihm hinaus auf den Gang. „Pack deine Sachen, wir fahren nach Hause und dort suchen wir uns dann eine Art Bunker, rein als Vorsichtsmaßnahme. Unsere Leute sind in Sicherheit, aber wir werden es bald nicht mehr sein“, meinte er ruhig und ich runzelte die Stirn.

„Is das nicht ein wenig übertrieben?“, fragte ich nach, doch er schüttelte den Kopf und zog mich in sein Zimmer.

„Mani! Spiel mal das Band ab!“, sagte er und ich schluckte, das hatte eindeutig nix Gutes zu bedeuten. Mich gruselte es wie Camilla nun wirklich sagen würde.

„They are coming… just… save yourselves and… run… hide… don’t go out… an France… France’ll be next… they’re coming!“, schrie ein Mann. Im Hintergrund hörte man Schüsse und Schreie.

„Ruf Camilla und Resi an, sie sollen sich fertig machen, wir zischen hier ab“, erklärte mein kleiner Cousin ernst und holte seine Sporttasche, um seine Habseligkeiten einzupacken.

„Gut… mach ich“, flüsterte ich entsetzt. Das war nicht nur irgendein Spruch, dieser Mensch war voller Angst, panischer Angst.
So schnell ich konnte eilte ich hinüber und packte meine Klamotten ein, schnappte den Laptop und verstaunte meine Bücher und Lebensmittel so weit es ging, nebenbei rief ich Resi am Handy an. Sie lachte, als ich ihr erzählte, dass wir abhauen würden und sie müsse kommen. Es schien sie nicht sonderlich zu stören, dass das Virus erneut ausgebrochen war.

„Weißt du, ich hab gerade ein Praktikum und heute Abend fahr ich sowieso nach Hause mit dem Zug und da is es ja nicht so schlimm, denn wenn erstmals Frankreich betroffen is, dann dauert’s ja noch bis das Virus bei uns ist. Ich gehe das Risiko ein und lerne lieber noch etwas mehr“, schrie sie in ihrer unnachahmlich lauten Stimme durch den Hörer.

„Gut… aber… nein… komm mit uns… du kannst nicht hier bleiben. Das geht ja nicht“, brüllte ich durch den Hörer, aber sie legte mit einem Lachen auf. Mir wurde kalt, als ich nun endlich das letzte Buch verstaut hatte, rief ich Camilla an.
„Hey, Liebes… wir fahren heute schon, willst du mit?“, erkundigte ich mich und sie schien richtg gehend erleichtert zu sein, als ich sie das fragte.

„Ja, gerne… ich hab gerade so was in der Küche gehört und… ja… ich scheiß auf die Vorlesung. Die is mir wirklich egal… und… ja… ich bin eigentlich schon am Packen“, murmelte sie etwas gestresst.

„Wir sind in zehn Minuten da, Liebes“, versuchte ich beruhigend zu vermitteln und sie seufzte erleichtert auf.

„Gut, gut… ich hab schon mit meinen Leuten telefoniert. Die sind gerade einkaufen und laden das Wohnmobil voll. Wir fahren in die Ferien“, freute sie sich. Sie konnte negative Dinge einfach schnell aus ihrem Kopf blenden. Es war so einfach für sie.

„Gut… wir sind bald da“, wiederholte ich einfach und Josch stürzte schon in mein Zimmer, während ich auflegte.

„Wir sind jetzt schon ein paar Leute mehr… komm schon endlich… warum trödelst du so? Noch haben wir Zeit, aber wenn die Viecher wirklich kommen, würd ich es bevorzugen schon weit weg zu sein. Mit den Zügen heute ist es nicht mal so unwahrscheinlich, dass die schnell da sind, mein Herz, also… Beeilung. Wir müssen noch einkaufen gehen. Ich hab Opas – für Notfälle – Karte seit Ewigkeiten mit. Hab schon bei den Flügen nachgeschaut… die sind entweder nicht weit genug oder alle weg. Scheiß Osterferien! Wir müssen zur Bank und einkaufen, vorher holen wir aber noch Cam, die kann auch einen Wagen nehmen und dann geht’s ab. Sind das all deine Sachen? Den Rest lässt du hier? Wo ist Resi?“

„Studieren! Hetz nicht so… du bringst mich noch ganz durcheinander, verdammt! Noch is es nicht sicher, dass es so gefährlich wird!“, schrie ich ihn an und atmete tief durch, bevor ich an ihm mit meiner schweren Sporttasche, der Laptoptasche und meiner selbstgemachten Stofftasche vorbeiging, über die Treppen hinab zu seinem Auto, wo auch schon Mani auf uns wartete.

„Könntest du mal Mervi anrufen? Du weißt schon… die heiße Braut, die Snowboardmeisterin von Finnland war. Weil wir sind draufgekommen, dass es wohl besser wäre, wenn wir uns bei ihr einfach ein wenig untermieten… da is die Bevölkerungsdichte nicht so hoch, da könnte man leichter überleben“, meinte Mani in seiner uninteressierten und ruhigen Art und Weise, als ob ihn grundsätzlich nix erschüttern könnte.

„Zuerst holen wir Cam, die is nämlich schon vollkommen… in ihren Urlaubsplänen aufgegangen“, stockte ich und versuchte mich auch so gut zu halten wie Mani. Grundsätzlich konnte ich den Zimmerkollegen und besten Freund meines Cousins nicht leiden, aber jetzt, hier, war selbst er in Ordnung.

Wir hatten eigentlich ziemlich viel Glück zu Beginn unserer Reise. Das Geburtstagsgeschenk für Josch und mich war ziemlich gut ausgefallen, weil wir eben gemeinsam in dieser Stadt studierten und unser Großvater sehr stolz auf uns war und uns den Reiseweg so angenehm wie möglich machen wollte. Ein Minivan mit – wenn man die hinteren beiden denn aufklappte – sieben Sitzen, die wir zweimal die Woche wirklich brauchten, außerdem fuhren wir gerne mit unseren Freunden in den Urlaub und da konnte man das große Auto ehrlich gut gebrauchen.

Ein paar Minuten später waren wir bei Cam, die grinsend mit ihren Sachen vor der Tür stand. Wir packten sie ein und fuhren weiter zum nächsten Geschäft, wo wir uns mit Trockenfertiggerichten, Nudeln, Reis, Dosenfutter, Wasser und was uns halt sonst noch so einfiel eindeckten. Die Kassiererin war sichtlich bestürzt, da wir mit vier Einkaufswagen scheinbar alles geleert haben, was wir nur bekommen konnten.

„Tut uns Leid, wir fahren auf Urlaub… Sie kennen das bestimmt“, lachte mein Cousin dumm vor sich hin.

„14 Leute 14 Tage in einer einsamen Hütte mitten am Berg!“, ergänzte nun Mani in seiner schlichten Art. „Wir haben das Bier vergessen!“, brüllte er plötzlich entsetzt – okay, er hatte einen einzigen Schwachpunkt, wenn die Aussicht auf Bier fehlte, dann war er fertig und zwar ziemlich – lief zurück und holte drei Paletten Dosenbier. „Davon brauchen wir noch mehr!“, seufzte er ruhig und schüttelte den Kopf.

„Oh… wie schön… sehr schön… das… wird sicher ein… Heidenspaß“, versuchte die Dame einzulenken, bevor sie sämtliche Waren über dieses Strichcodeding zog. Wir hatten tatsächlich viel eingekauft. Ich starrte immer und immer wieder entsetzt auf den Rechnungsbetrag und tippte zaghaft auf Joschs Schulter.

„Ähm… das wird Opa aber nicht freuen“, meinte ich und deutete auf die Anzeige.

„Ja, aber der wird sich sicher freuen, dass wir und unsere Freunde überhaupt überleben… in der Wildnis. Du weißt doch… Geburtstagsgeschenk“, lächelte er und seine grünen Augen funkelten. Gott, wie ich es hasste, wenn er das tat. Der schöne Josch eben.

Nachdem wir den Einkauf hinter uns hatten, langsam für alles Platz suchten im Wagen und noch in einen Baumarkt gefahren waren(Gaskocher, Kartuschen, Batterien und Taschenlampen musste man einfach mitnehmen) , konnte es endlich losgehen. Wir legten die 130 km von Salzburg in unser Heimatkaff zurück und brachten Cam nach Hause. Ihre Leute hatten mindestens genauso vorgesorgt wie wir und waren bereits startklar, was wir als sehr gut erachteten.

Josch und ich entschieden uns nochmals unsere Wohnungen durchzuschauen, Fotos und andere Dinge mitzunehmen, da wir einfach Erinnerungen haben wollten, die wir später unseren Familien zeigen konnten, wenn wir sie wieder sehen würden.
Er war der Ansicht, dass wir alles, was wir fänden ebenfalls in das Auto meines Vaters packen sollten, was wiederum ewiglich zu dauern schien. Als wir tatsächlich wegkamen – ich nun mit dem Gefährt meines Vater losziehend und Cam direkt neben mir – begann es bereits zu Dämmern. Die Autos waren beide nicht ganz vollgetankt, also hielten wir und füllten sie auf, so viel wir konnten.

Ich schrieb währenddessen eine SMS an Mervi, als Mani gemächlich auf Cam, ihre Familie und mich zukam und breit grinste. „Ach ja… habs gerade gehört… im Funk. Das Päckchen is in Frankreich angekommen, jetzt sollten wir uns ein bisserl beeilen.“ Er trabte wieder zurück zum Van, während ich auf das Dach des Kombis entsetzt einschlug.
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