Wenn die Zeit kommt

von Lu Lu
GeschichteRomanze / P16 Slash
02.01.2008
02.01.2008
1
7467
 
Alle Kapitel
4 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
 
Wenn die Zeit kommt

Von Lu Lu  12/07

Für dms


Starsky betrachtete sich ein letztes Mal im Spiegel. Sein gebräunter Teint bildete einen interessanten Gegensatz zum hellen Stoff seines Anzugs, und die dunklen Locken waren an diesem Tag durch etwas Haarwasser gebändigt. Starsky  zupfte an der Fliege und war froh, dass er um das Schlipsbinden herumgekommen war. Eigentlich war das so gar nicht sein Ding, herausgeputzt zu sein wie... wie..Starsky fand keinen geeigneten Vergleich und streckte sich stattdessen die Zunge raus. Gleichzeitig spürte er die Aufregung und versuchte sich selbst zu beschwichtigen, dass am nächsten Tag der Alltag für ihn wieder einkehren würde.

Er hörte Stimmen an der Tür und ging hin um zu öffnen.

„Seht ihn euch an.“ Huggy empfing ihn mit ausgebreiteten Armen und Starsky ließ sich von seinem alten Freund umarmen.

„Hug, glaub es oder nicht, aber irgendwie lässt mich das nicht kalt – hast du die Ringe?“ Starsky hielt seinen Freund auf Armeslänge und schaute ihn fragend an.

„Ist der Papst katholisch?“ Huggy lächelte mit Überzeugung und Starsky atmete aus.

„Was ist mit Ma? Habt ihr sie vom Flugplatz abgeholt? Ist Nicki mitgekommen? Mein Gott,   ich brauche noch ein Taschentuch – und wo ist meine Sonnenbrille? Falls ich sie brauche…“

„Beruhig dich, du wirst die Hochzeit auch ohne Sonnenbrille überstehen, oder hast du Angst, dass es dich so mitnimmt?“ ulkte Huggy und geleitete Starsky zum gemieteten Thunderbird. Seine knallrote Farbe glänzte im Sonnenlicht und Starsky konnte seinen Stolz nicht verbergen.

„Danke, Freund, für diese Überraschung, auch wenn Rosie nicht dichthalten konnte und es mir schon verraten hat - ich danke dir.“

Huggy verzog das Gesicht, als wollte er sagen, ‚Hab’ ich’s doch gewusst; Rosie kann nichts verbergen, wenn es um eine Überraschung für ihren Lieblingsonkel David geht.’

„So, wir müssen los, wir wollen doch nicht, dass du auch heute zu dem wichtigsten Tag in deinem Leben zu spät kommst?“ Huggy öffnete die Beifahrertür und ignorierte Starskys flehenden Blick:

Resigniert fügte sich Starsky in das Unvermeidliche: An diesem Tag wurde er chauffiert, und er sah an Huggy’s stolzem Blick, dass es seinem Freund viel bedeutete, Starsky zur Synagoge zu fahren.

Eine Viertelstunde später hatten sie ihr Ziel erreicht. Als der Wagen in die Auffahrt zur Synagoge einbog, wischte sich Starsky zum wiederholten Mal über das Gesicht. Seine Hände zitterten und zerknüllten das seidene Taschentuch, das als Einstecktuch eigentlich an seinen Anzug gehörte. Auf weichen Knien folgte er Huggy zum Seiteneingang der Kirche.

Starsky atmete einmal tief durch und trat ein paar Schritte vorwärts.
Da saßen sie, seine Weggefährten aus vielen Jahren Polizeiarbeit. Wieviel hatten sie zusammen erlebt, und wie viel Kummer miteinander geteilt, wenn einem von ihnen auf den Straßen von Bay City das Glück nicht wohl gesonnen war und er sich im Krankenhaus wiederfand. Ihre Solidarität war nur umso größer geworden, und Starsky stellte mit Genugtuung fest, dass er es nicht hätte besser treffen können. Seine Mutter saß in der vordersten Reihe und hatte ihr Taschentuch griffbereit im Schoß liegen. Nicki war nicht zu sehen, und Starsky seufzte. Es wäre einem Wunder gleich gekommen, wäre Nicki aufgetaucht. Wahrscheinlich hatte er es vorgezogen, das schnelle Geld in einem dubiosen Geschäft zu machen oder hatte eine Glückssträhne beim Pferderennen…

Starsky’s Blick streifte umher, und obgleich er Freunde und Bekannte ausmachte, hatte er das Gefühl, dass irgendetwas fehlte. Er runzelte die Stirn und versuchte zu ergründen, was ihn beunruhigte. Da öffnete sich die gegenüberliegende Tür, und Cecilia Thompson wurde an der Hand ihres Vater in die Kirche geführt. Starsky starrte die junge Frau an, deren dunkle Locken einen wunderbaren Kontrast bildeten zum schneeweißen eng geschnittenen Brautkleid. Dunkelblaue Augen lachten Starsky an und er erwiderte ihr Lächeln und ließ sich von Huggy in die Mitte der Synagoge führen. Vergessen war die Unsicherheit, die sich seiner gerade eben noch bemächtigt hatte – er konzentrierte sich auf Cecilia und die bevorstehende Trauung.

„Bist du, David Michael Starsky, bereit, Cecilia Thompson zu deiner Frau zu nehmen und sie zu lieben und zu ehren, bis dass der Tod euch scheidet?“

Starsky schluckte und machte sich bereit, die entscheidenden Worte zu sprechen, aber er brachte keinen Ton heraus. Er räusperte sich und Panik stieg in ihm auf; das fehlte gerade noch, dass er seinen Spruch nicht auf die Reihe bekam.

Hilfesuchend wandte er sich Huggy zu, doch der schien sich in Luft aufgelöst zu haben. Wahrscheinlich war sein Freund nach draußen zum Auto gegangen, um ein wachsames Auge darauf zu werfen, versuchte Starsky sich zu beruhigen. Sein Blick fiel auf die offene Seitentür, durch die sie hereingekommen waren. Helles Sonnenlicht bahnte sich einen Weg in die dämmerige Kirche, und während Starsky fieberhaft versuchte, seiner Stimme mächtig zu werden, fiel ein Schatten auf die Tür und eine Gestalt füllte den Türrahmen. Starsky starrte auf den Mann, der nun lässig an die Tür gelehnt stand. Blonde Haare, im Sonnenlicht hell glänzend, umrahmten das gleichmäßig geformte Gesicht. Spöttische blaue Augen fixierten Starsky, und ein leichtes Lächeln umspielte den perfekt geschwungenen Mund. Das Blau seiner Augen fand sich wieder im Blau des Jeanshemdes, das halb aufgeknöpft war und einen Teil des gebräunten Oberkörpers zeigte. Jetzt hob der Mann eine Hand, um durch das Hemd seine Brust zu berühren. Starsky schluckte und merkte, dass er einen trockenen Mund bekommen hatte. Ein Glas Wasser wäre eine Erlösung für seine Kehle. Starsky konnte den Blick nicht von dem Mann lassen – alles andere schien in den Hintergrund gedrängt zu werden, und nur er und der Fremde existierten. Der Mann verlagerte sein Gewicht auf den anderen Fuß und Starsky folgte mit seinem Blick der Form der langen Beine. Enge Jeans umspannten muskulöse Oberschenkel und ließen erahnen, dass sich eine sportliche Figur darunter verbarg. Als wenn der Mann Starsky’s Blicke wahrgenommen hätte, breitete sich ein Lächeln auf seinem Gesicht aus, und Starsky spürte, wie sein Herz anfing zu hämmern.

„David?“ Cecila zupfte ihn am Ärmel und schaute ihn fragend an. Starsky schenkte ihr einen kurzen Blick, irritiert, was sie von ihm wollte. Wichtig war nur noch der blonde Mann, seine Gegenwart war das einzig Sinnvolle an der ganzen Situation. Starsky wollte dem Mann etwas sagen, ihm deutlich machen, dass er eine wichtig Rolle spielte. Da wandte sich der Blonde zum Gehen und Starsky hörte sich flüstern:

„Nein – nein…“.

Er wachte auf, schweißgebadet und mit klopfendem Herzen. Langsam versuchte er, in die Realität zurückzufinden: Er lag in seinem Bett, die frühe Morgensonne bahnte sich einen schmalen Weg durch die Vorhänge ins Zimmer und der Radiowecker plärrte leise vor sich hin. Starsky drehte sich auf die Seite um einen Blick auf die Uhrzeit zu werfen.

Verschlafen.

Er spürte, dass er erregt war; der Traum musste ihn ganz schön bewegt haben, stellte er fest und schmunzelte. Es war ein schöner, aufregender Traum gewesen, aber auch beunruhigend. Woran es lag, daran konnte sich Starsky nicht mehr erinnern. Er wusste nur, das ihn eine Sache so erregt hatte, dass er den Drang verspürte, sich Erleichterung zu verschaffen. Er ließ seine Hand nach unten gleiten und streichelte sich, erst sanft, dann intensiver. Die Bilder in dem Traum waren noch präsent, es ging um seine Hochzeit und die Braut war sehr anziehend, aber es war etwas anderes, was ihn so in Erregung versetzt hatte. Sein Atem beschleunigte sich und er gab er sich dem intensiven Gefühl hin und führte sich zum Höhepunkt. Er stöhnte auf und ließ die Wellen der Klimax durch seinen Körper gleiten. Er betrachtete sein Bild im Spiegel über seinem Bett und horchte auf seinen sich normalisierenden Herzschlag.

„Hey, sag mir nicht, du hast wieder verschlafen! Noch mal warte ich nicht so lange auf dich. Und noch nicht mal Frühstück hast du gemacht! Los, aus den Federn und unter die Dusche!“

Ken Hutchinsons Stimme erscholl aus dem Flur, und kurz darauf stand Starskys langjähriger Partner und bester Freund in der Tür. Starsky hatte gerade noch Zeit, sich mit der Bettdecke halbwegs zu bedecken, als sein Partner schon entschlossen dem Bett zustrebte und Starsky wusste, was ihn erwartete.

„Untersteh dich!“ brachte er gerade noch heraus, da hatte Hutch schon einen Zipfel der Decke in der Hand und zog erbarmungslos daran.

„Hey, was …!“ Starsky bewegte sich mit der sich entfernenden Decke und Hutch schmunzelte.


„Na, es geht doch.“ Hutch griff nach Unterwäsche, Shirt und Jeans und warf sie Starsky entgegen, der dankbar nach den Kleidungsstücken griff und an Hutch vorbei dem Badezimmer zustrebte. Er war normalerweise nicht besonders prüde, und Hutch und er waren sich näher als er jemals mit seinem Bruder Nicki gewesen war., doch nachdem ihn sein bester Freund und Partner beinahe beim Selbstbefriedigen überrascht hatte, wollte er nur schnell der übertriebenen Munterkeit seines Freundes entgehen und verschwand mit einem gemurmelten „Bis gleich“ im Badezimmer.

„Ei oder Toast?“ hörte er aus der Küche und rief unter dem Strahl der Dusche: „Beides!“

Die dunklen Locken waren noch feucht, als Starsky in der Türöffnung der Küche erschien und mit einem Kamm versuchte, die widerspenstigen Haare zu zähmen. Hutch stand am Herd und schwenkte die Pfanne mit den Rühreiern. Seine blonden Haare kringelten sich am Kragen seines blauen Jeanshemdes und mit einer unbewussten Geste griff er sich in den Halsausschnitt. um seine Brust zu massieren. Starsky hielt beim Kämmen inne und starrte auf seinen Partner. Die Morgensonne beschien Hutchs blondes Haar und ließ es glänzen. Hutch pfiff ein Lied vor sich hin, und seine geschwungenen Lippen sahen aus, als wollten sie gerade jemanden küssen.

Irritiert schaute Starsky auf den Kamm in seiner Hand. Was wollte er eigentlich? Ach ja, die Haare kämmen – nicht gerade sinnvoll, das in der Küche zu tun. Er drehte sich um, als Hutch ihn entdeckte und sagte:

„Du hast 10 Minuten, dann sind wir auf dem Weg. Ich habe Dobey angerufen und gesagt, wir stecken in einem Stau – das war’s auch für die nächsten Jahre mit Ausreden nur für dich. Okay?“ Hutch zeigte auf den Stuhl und bedeutete Starsky, sich endlich hinzusetzen und zu frühstücken.

Starsky konzentrierte sich auf seinen Toast und Ei, während Hutch wieder Ordnung in der Küche machte. Am Anfang ihrer Freundschaft hatte es Starsky aufgeregt, wenn Hutch alles liegen ließ. So langsam schien sein guter Einfluss auf Hutch eine gewisse Wirkung zu zeigen. Wohlwollend beobachtete Starsky, wie Hutch sich sogar daran machte, Krümel vom Boden aufzufegen. Bewaffnet mit Kehrschaufel und Besen beugte er sich herunter. Starsky starrtte auf Hutchs Hintern, seine langen Beine. In diesem Moment geschah etwas, womit Starsky nie gerechnet hätte und was ihm den Atem nahm. Plötzlich wurden alle Bilder des Traumes wieder lebendig: Der Mann, im Türrahmen stehend, ein unwiderstehliches Lächeln auf dem Gesicht, und Starsky hatte gewünscht, er möge für immer dableiben. Mein Gott, es war Hutch gewesen, der ihm im Traum erschienen war und der ihn so erregt hatte, dass er..

„Was starrst du so? Mich noch nie beim Arbeiten gesehen?“

Starsky starrte seinen Partner an und eine Röte breitete sich auf seinem Gesicht aus, die Hutch veranlasste zu sagen:

„Ja, jetzt tut’s dir Leid. In zehn Minuten bist du fertig, oder du kannst sehen, wie du ins Büro kommst. Dann bin ich nämlich weg.“

Hutch wandte sich zum Gehen, und Starsky konnte seinen Blick nicht von seinem Partner wenden. Die engen Jeans, das perfekt Profil… – plötzlich fiel ihm ein, was den Traum so beunruhigend gemacht hatte.

Hutch war dagewesen und er hatte den Blick nicht von seinem besten Freund abwenden können. Irgend etwas stimmte hier nicht. Träume sind Schäume, sage man, und Starsky wollte nur zu gern daran glauben. Und doch lag etwas Faszinierendes in der Traumszene, etwas, das ihn Cecilia hatte vergessen lassen. Wie Hutch dagestanden hatte, einfach nur Sinnlichkeit ausstrahlend und wie er ihn angelächelt hatte – die hellblauen Augen hatten spöttisch geblickt, wie es typisch für Hutch war, und doch hatte in ihnen etwas aufgeblitzt wie…Starsky suchte noch nach einem passenden Begriff, als ihm etwas über den Kopf geworfen wurde. Er zuckte zurück und schrie auf.

„Gordo, warum so schreckhaft? Deine Haare sind immer noch nicht trocken.“ Hutch frottierte Starskys Locken, und Starsky konnte nicht umhin, die sanfte Berührung der langen Finger auf dem Handtuch zu genießen. Das war Hutch, immer um das Wohlergehen seines besten Freundes besorgt, und trotz der ständigen Neckereien immer loyal, wenn es darauf ankam.

„So, fertig. - Wie geht’s Cecilia?“ Hutch fuhr mit seinen Fingern durch Starskys Haar und nickte zufrieden.

„Hm? Was meinst du?“ Starsky fühlte sich wie ertappt, fing sich aber sogleich und schob seinen Stuhl zurück, um aufzustehen.

„Danke der Nachfrage. Ich sehe sie heute Abend, mal sehen, was wir machen. Und du? Verabredet?“

Hutch schüttelte fast unmerklich den Kopf und sagte beiläufig: „Die Kleine aus dem Büro der Inneren Abteilung – die werd’ ich mal anrufen…“

Dreißig Minuten später ließen sie das Donnerwetter ihres Vorgesetzten Dobey für ihre Verspätung über sich ergehen und fanden keine Widerworte, als er sie für die unangenehme Aufgabe abstellte, im neuen Einkaufszentrum nach Trickdieben Ausschau zu halten, die die Umgebung unsicher machten und die die Geschäftsleitung dazu veranlasst hatte, die Polizei einzuschalten.

„Wenn ich Kaufhausdetektiv hätte werden wollen, hätte ich gleich die Ausbildung machen können,“ murrte Huch und setzte hinzu, „und das alles wegen dir! – Hey, wo bist du?“

Starsky stand an der nächsten Ecke und starrte gebannt die Passage entlang. Seine Haltung drückte die Anspannung aus wie bei einem Tier, das kurz vorm Absprung auf seine Beute lauerte. Hutch näherte sich leise und legte seine Hand auf Starskys Arm.

„Was ist?“ flüsterte er, und wortlos zeigte Starsky auf zwei Männer, die gerade im Begriff waren, sich an zwei älteren Frauen vorbeizuschieben und im Gedrängel in die Taschen zu greifen und die Geldbörse zu entwenden.

„Los!“ Starsky wartete nicht auf Hutch, er hatte nur einen Gedanken und das war, die beiden Trickdiebe in flagranti zu erwischen. Er sprintete vorwärts und hatte die Gruppe fast erreicht, als ihm der Boden unter den Füßen weggezogen wurde und er der Länge nach hinschlug, nicht wissend, wie ihm geschah. Aus der Ferne hörte er Fußgetrampel und eine vertraute Stimme, die schrie: „Haltet sie!“ Dann wurde alles schwarz um ihn.

***

Starsky fühlte, wie jemand etwas Kühles auf seine Stirn legte, und die Schmerzen in seinem Kopf schienen etwas nachzulassen. Er seufzte, und sofort strichen Fingerspitzen über seine Wange, und eine sanfte Stimme sagte:

„Schön, dass du endlich aufwachst – sag mal, bist du mit der Nummer noch frei?“

Starsky runzelte die Stirn und versuchte sich zu erinnern, aber alles erschien wie in einem Nebel. Langsam machte er die Augen auf.

„Hutch… was ist passiert?“

„Du wolltest im Alleingang eine Verhaftung durchführen und hast mit deren Tricks nicht gerechnet – da war noch ein dritter im Bunde und der hat dir ein Bein gestellt und dich außer Gefecht gesetzt. Du warst schon in der Notaufnahme, und jetzt brauchst du viel Ruhe, aber ohne einzuschlafen, für den Fall dass du eine Gehirnerschütterung hast. Ich habe Cecilia angerufen, sie müsste jeden Moment da sein.“

„Und du?“ brachte Starsky heraus und schaute seinen Partner an. Hutch sah erschöpft aus und Starsky ahnte, welche Aufregung Hutch mit ihm durchgemacht hatte. Starsky nickte schnell und sagte:

„Okay, seh’ dich morgen,“ und er schloss die Augen.

„Nicht doch. Nicht einschlafen,“ erinnerte ihn Hutch, und Starsky merkte, wie das Bett unter Hutchs Gewicht nachgab. Instinktiv suchte er die Nähe seines Partners und gab einen Laut der Zufriedenbheit, als Hutchs Arm sich um seine Schultern legte und er sich gegen seinen Freund lehnen konnte.

„Erzähl mir was,“ bat Starsky und blinzelte Hutch an.

„Wie du willst – versprich mir, dass du nicht einschläfst. Weißt du schon die neuesten Neuigkeiten?“

Starsky grunzte und legte seinen Kopf in Hutchs Armbeuge.

„Hm…spuck’s aus, Blondie.“

„Ahem, ich denke, Cecilia liebt dich und wenn mich nicht alles täuscht, steht bald eine große Feier ins Haus.“ Hutchs Hand strich über Starskys Arm, und Starsky war schon wieder halb am Einschlafen, als er merkte, wovon Hutch gesprochen hatte.

„Was – was hast du gesagt?“ Starsky versuchte den Kopf zu heben und sank zurück in Hutchs Arm. Alles drehte sich um ihn, aber irgendwas hatte Hutch etwas gesagt, was ihn beunruhigte,

„Ich sagte, dass ich Cecilia angerufen habe, um sie von deinem Missgeschick zu unterrichten, und da sagte sie, du müsstest schnell wieder gesund werden für die große Feier.“

„Blödsinn!“ platzte Starsky heraus. „Wie kommst du darauf?“

„Na, ich nahm an, Cecilia würde über eure gemeinsame Zukunft sprechen – hast du nicht selbst gesagt, Cecilia wäre die Frau nach Terry?“

“Sprecht ihr über mich?“ Cecilia war gekommen und betrat das Zimmer. Sie legt ihre Jacke ab und trat auf das Bett zu.

„Was machst du für Sachen, Schatz?“ Sie beugte sich über Starsky, um ihn zu küssen. Ihre Haare streiften dabei Hutchs Gesicht und er fing an zu niesen.

Tut mir Leid, aber anders ist an Starsky nicht ranzukommen,“ sagte sie mit einem Lächeln, aber Starsky hatte das Gefühl, dass Missbilligung darin mitschwang.

„Ich muss sowieso los.“ Hutch setzte sich auf und stand auf. Sofort hatte Starsky das Gefühl der Leere, und er begann zu frieren. Wahrscheinlich hatte er leichtes Fieber und würde ein Aspirin benötigen.

„Wann kommst du wieder?“ fragte er und Cecilia antwortete an Stelle von Hutch.

„Ich bin ja jetzt da. – Mach’s gut, Hutch. Ich informier dich, wie es Starsky geht.“ Sie setzte sich auf den Bettrand und nahm das feuchte Tuch von Starskys Stirn. Dabei verdeckte sie die Sicht auf Hutch und Starsky reckte den Kopf, um seinen Freund zu sehen.

„Hutch?“ Er wollte ihn noch etwas fragen, aber Cecilia drückt ihn sanft, aber bestimmt zurück in die Kissen.

„Sshh… Hutch ist weg. Nun ruh dich aus.“ Sie strich mit der Hand über die Bettdecke und als sie weiter sprach, hatte ihre Stimme einen vorwurfsvollen Unterton.

„So langsam geht es mir auf die Nerven, dass du in diesem Job jeden Tag dein Leben riskierst, nur um ein paar alte Schachteln vor ein paar harmlosen Trickdieben zu schützen. Wo war denn dein ach so besorgter Partner, als es darum ging, dir Deckung zu geben?!“ Jetzt blitzten ihre Augen, und Starsky wandte seinen Blick ab; die Kopfschmerzen schienen sich wieder zu verschlimmern.

„Hör mir ruhig zu, David Michael Starsky. Für unsere gemeinsame Zukunft sollte es dir das wert sein. Ein Bekannter von Dad hat Beziehungen zur Polizei in Shelter Pointe. Sie suchen einen Kriminalbeamten, der das Archiv auf Vordermann bringt und verwaltet. Ich dachte, das ist eine Aufgabe, die dich von der Straße wegbringt und uns ein sicheres Leben ermöglicht. Wenn erst Kinder da sind…“ Starsky starrte sie an and sah, wie ihr Blick weicher wurde und in die Ferne schweifte.

Starsky zupfte an ihrem Ärmel und flüsterte:

„Du machst Witze, oder? Hutch und ich machen diesen Job, weil wir es so haben wollen.“ Erschöpft schloss er die Augen und hoffte, die Unterhaltung wäre zu Ende.

„Manchmal glaube ich, dir bedeutet Hutch mehr als ich,“ hörte Starsky sie sagen, und ein warmes Gefühl breitete sich in ihm aus und er murmelte: „Hutch – wo ist er?“

„Weg.“ Kurzerhand wechselte sie das Tuch noch einmal auf seiner Stirn und stand auf.

„Habe noch ein paar Besorgungen zu machen. Bis morgen solltest du dich entschieden haben, ob du mit mir nach Shelter Pointe kommst. Es geht schließlich um unsere Zukunft.“ Mit diesen Worten griff sie nach ihrer Jacke und wandte sich der Tür zu. Starsky schaute sie ungläubig an und es fehlten ihm die Worte. Sein Kopf schmerzte und er hatte nur einen Gedanken, und den sprach er leise aus, als sie schon gegangen war.

„Meine Zukunft. Es geht auch um meine Zukunft – und um Hutch..“ Erschöpft schlief er ein.

***  
Als er erwachte, war es dunkel und er lag in T-Shirt und Sweathose in seinem Bett. Er musste dringend zur Toilette und versuchte sich aufzusetzen. Erleichtert stellte er fest, dass die Kopfschmerzen fast verschwunden waren bis auf ein dumpfes Gefühl im Hinterkopf. Langsam kam die Erinnerung zurück an das, was vorgefallen war. Mein Gott, warum hatte er nicht geahnt, dass die Trickdiebe auch ihn schachmatt setzen würden? Dann hatte Hutch sich um ihn gekümmert, bis Cecilia ihn abgelöst hatte.

Starsky wunderte sich, dass seine Freundin nicht bei ihm war – hatte Hutch nicht erwähnt, er müsse für die nächsten Stunden jemand haben, der ihn wach hielt, wegen einer möglichen Gehirnerschütterung? Starsky trottete zum Badezimmer, und auf dem Weg dorthin fiel ihm das Gespräch mit Cecilia ein und ihre Forderung, er solle mit ihr aus Bay City fortgehen – wegen eines sichereren Jobs in einem Archiv!

Starsky hatte Schwierigkeiten, in Ruhe zu pinkeln, als er sich ein Leben ohne seinen Job in Bay City vorstellte. Und Hutch…was kam Cecilia in den Sinn, ihm solche Forderungen zu stellen?

Starsky stellte die Dusche an und wartete darauf, dass das Wasser heiß wurde. Ihm fiel der Traum ein, in dem er fast mit Cecilia verheiratet worden wäre – wenn nicht plötzlich Huch erschienen wäre und Starsky nur Augen für seinen Partner gehabt hatte.

Starsky seufzte und trat unter den warmen Strahl. So grotesk dieser Traum gewesen war, zeigte er doch, dass Starsky anscheinend von einer Hochzeit mit Cecilia nicht ganz überzeugt war. Dass er Hutch auf eine erotische Weise angesehen hatte, war wohl eine gedankliche Verirrung und hatte nichts mit der Realität zu tun.

Starsky nahm das Shampoo und war dabei, seine Haare einzuschäumen, als ihn ein Schwindel befiel, und ehe er sich versah, sackte er an den glatten Fliesen der Duschkabine in Richtung Fußboden und blieb benommen liegen.

***  
„Starsk? Mein Gott, wie lange liegst du hier schon? Das Wasser ist ja eiskalt!“

Starsky hörte die vertraute Stimme, aber er war unfähig sich zu bewegen oder seine Augen zu öffnen. Alles schien taub und gefühllos, seine Gliedmaßen waren wie Gummi, und als er seine Arme heben wollte, merkte er, dass sie schwer wie Blei waren.

„Warte, ich helfe dir.“ Starke Arme fassten ihn unter und versuchten ihm aufzuhelfen. Starsky stöhnte; plötzlich meldeten sich die verkrampften Muskel und begannen zu schmerzen. Gleichzeitig befiel ihn ein Schüttelfrost, dass er meinte, seine Zähne klappern zu hören.

„Hutch…“

„Keine Sorge, ich bin da. Vorsichtig, rutsch nicht aus.“ Starsky stand auf wackeligen Beinen und machte einen vorsichtigen Schritt aus der Duschkabine, gestützt von Hutch. Er spürte, wie ein großes Badelaken um seinen Körper gelegt wurde und stöhnte auf; seine Haut war so weich und sensibel geworden, dass jede Berührung wie Nadelstiche wirkte.

„Komm, du musst erstmal warm werden.“ Es schien Stunden zu dauern, bis Starsky mit Hutchs Hilfe das Bett erreicht hatte und erschöpft auf das Leinen sank, immer noch zitternd vor Kälte.

„Deine Haar sind klitschnass – das zweite Mal an diesem Tag,“ merkte Hutch an und hatte ein Handtuch, mit dem er vorsichtig versuchte Starskys Locken zu trocknen.

Starsky verzog das Gesicht. „Hutch, mein Kopf tut noch etwas weh. Holst du mir mein Shirt und meine Trainingshose? Sie müssen noch im Bad liegen.“

„Dein Wunsch ist mir Befehl.“ Hutch lächelte ihn an, und seine Fingerspitzen berührten sanft Starskys Gesicht, bevor er im Badezimmer verschwand. Starsky schloss die Augen – er fror und seine Haut fühlte sich runzelig an, aber Hutchs Nähe gab ihm ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit.

„Was lächelst du? Gute Nachrichten von Cecilia? – Wo ist sie überhaupt? Als ich anrief, meldete sich niemand und ich machte mir Sorgen…“ Hutch schlug die Bettdecke zurück und versuchte Starsky aus dem Badelaken auszuwickeln.

„Kalt,“ protestierte Starsky, drehte sich aber auf die Seite, so dass Hutch das Handtuch beiseite legen konnte.

„Hier dein Shirt und die Hose. Hilf etwas mit, dann haben wir’s gleich und dir wird wärmer werden. Was ist überhaupt passiert? Bist du in der Dusche eingeschlafen?“ Hutch schaffte es mit geübten Griffen, Starsky die Hose überzuziehen, es folgte das Shirt, und mit einem wohlwollenden Grunzen lehnte sich Starsky zurück und kuschelte sich in die Decke, die Hutch noch glatt strich.

„Nun erzähl.“ Hutch setzte sich auf den Bettrand und schaute Starsky fragend an.

„Ja, also…“ Und dann erzählte Starsky von der Unterhaltung mit Cecilias und ihrem Ultimatum.

„Und? Wann geht ihr?“ Hutchs Frage klang beiläufig, doch Starsky deutete seinen Gesichtsausdruck anders.

„Hutch, das wird niemals passieren. Mein Job ist hier, mit dir. Ich weiß nicht, was in Cecila gefahren ist. Ich werde ihr den Kopf schon zurechtrücken.“ Starskys Stimme klang entschieden und es schien, als atmete Hutch auf.

„Nun noch die Sache mit dem Duschen. Wenn ich nicht gekommen wäre…Warum ist Cecilia nicht geblieben?“ Hutch strich mit der Hand über die Decke und Starsky stoppte die ruhelose Bewegung, indem er Hutchs Hand festhielt.

„Sie sagte, sie müsse noch etwas besorgen, und ich denke, sie war sauer, dass ich nicht richtig auf ihren Vorschlag einging. Und in der Dusche war mir plötzlich schwindelig, und dann weiß ich nichts mehr. Gut, dass du gekommen bist.“ Und Starsky drückte Hutchs Hand.

„Möchtest du etwas trinken? Ich mach Tee, okay?“

„Hey, das reimt sich,“ sagten beide wie aus einem Munde und Starsky lächelte. „Wir leben noch ein Jahr zusammen.“

Hutch stand auf und entfernte sich schnell in die Küche. Nachdenklich schaute Starsky ihm nach. Irgendwie reagierte Hutch komisch, so als würde der Satz, leichthin ausgesprochen, für ihn nicht gelten könne. Warum hatte Hutch ihn immer wieder nach Cecilia gefragt und eine große Feier erwähnt? Wollte Hutch, dass Starsky heiratete, damit er seine eigene Karriere weiter verfolgen konnte? Plötzlich brach Starsky der Schweiß aus, und obgleich ihm immer noch kalt war, fühlte sich sein Gesicht ganz warm an und sein Herz begann schneller zu schlagen.

Die Bilder seines Traumes in der vorigen Nacht waren durch die Ereignisse des Tages in den Hintergrund gedrängt worden. Nun bekamen sie eine ganz neue Bedeutung für Starsky. Der Traum bedeutete, dass Hutch ihn verlassen wollte und dass Cecilia nicht die richtige Frau für ihn war. So hatte er alles verloren, wollte man den Traum auf diese Weise deuten. Keine Freundin, und der Mann, den er liebte wie…Starsky traute sich nicht weiterzudenken und versuchte stattdessen, seinen Schweißausbruch und gleichzeitige Zittern unter Kontrolle zu bringen.

„Hier, dein Tee. Du zitterst ja immer noch.“ Und Hutch stützte Starskys Kopf, um ihm beim Trinken behilflich zu sein. Starsky wehrte die stützende Hand ab und sagte beinahe schroff:

„Ist schon gut. Musst du nicht los zu deiner Verabredung mit Wieheißtsienoch von der Inneren?“ Es sollte lustig klingen, doch Hutchs besorgter Blick sprach Bände.

„Wovon träumst du nachts? Ich bleibe hier, es ist sowieso bald Mitternacht, und du weißt, deine Couch gehört schon halb mir, so oft wie ich hier gepennt hab’.“ Hutch lächelte Starsky beruhigend zu und Starsky hoffte inständig, dass seine Befürchtungen, Hutch zu verlieren, auf seinen momentanen Zustand der Erschöpfung zurückzuführen waren.

„Schlaf gut. Bis morgen.“ Hutch löschte die Lampe auf dem Nachttisch und entfernte sich zur Tür.

„Danke,“ brachte Starsky leise heraus. Dann drehte er sich auf die Seite und versuchte einzuschlafen.

„Liebling, wie gefällt es dir? Ist es nicht ein schönes Haus? Mein Paps hat alles für uns arrangiert, und Montag kannst du im Hauptquartier anfangen. Ich liebe dich!“ Warme Lippen verschlossen seinen Mund und Starsky hatte das Gefühl von etwas Angenehmen und gleichzeitig schien es ihm, der Kuss würde ihm die Luft zum Atmen nehmen.

„Freust du dich?“ Glänzende Augen blickten ihn übermütig an, und Cecilia schlang ihre Arme um ihn und schmiegte sich an ihn.

„Wo ist Hutch?“ Starsky schaute über ihre Schulter, aber die Umgebung war gänzlich fremd für ihn und niemand außer ihnen war zu sehen.

„Hutch? Wer ist Hutch?“ kicherte sie und rollte Starsky auf den Rücken. Sie lag auf ihm und schaute ihn durchdringend an. Sein Blick ging an ihr vorbei nach oben. Eine kleine Wolke war am blauen Himmel zu sehen. Blau wie Hutchs Augen, dachte Starsky und wollte aufstehen, um nach Hutch zu suchen, aber er konnte sich nicht aus Cecilias Umarmung befreien.

„Lass mich – wo ist Hutch? – Hutch!“ Mit panischen Bewegungen versuchte Starsky sich aufzurichten. Er musste Hutch finden, doch Cecilia hielt ihn am Boden und ein selbstzufriedener Ausdruck erschien auf ihrem Gesicht.

„Hutch!“

„Shhh, ist schon gut, ich bin ja hier.“ Eine Hand berührte seine Wange und strich die Haare aus der schweißnassen Stirn. Starsky hob eine Hand und fühlte den Stoff von Hutchs Flanellhemd, kurz darauf wurde er von starken Armen umfasst und an Hutchs Brust gedrückt. Starsky schlang beide Arme um seinen Partner und nahm nur noch ihren gemeinsamen Herzschlag wahr. Endlich war alles gut.

„Du hattest einen Alptraum, schriest meinen Namen, als wenn etwas Schlimmes passiert wäre – was ist denn los?“ hörte Starsky Hutchs Stimme an seinem Ohr, und tief ausatmend sagte er:

„Ich war allein mit Cecilia, und ich wollte dich suchen, aber sie ließ mich nicht...Du warst nicht mehr da, Hutch, und ich dachte, „Starsky räusperte sich verlegen, „ du wärest nicht mehr mein Partner und irgendwie bekam ich Panik und…“

„Schon gut, es war nur ein Traum…“

Hutch drückte Starsky an sich, bevor er ihn losließ und sich erhob.

„Wo willst du hin?“ Starsky fühlte sich verdammt hilflos und hasste sich für seine Schwäche. Warum reagierte er wie ein kleines Kind, wenn es ihm mal nicht so gut ging? Warum war er so verdammt abhängig von Hutch?

„Will sehen, ob du Fieber hast – bin gleich zurück.“ Hutch verschwand im Badezimmer und Starsky merkte, dass sein Shirt durchgeschwitzt war – das fehlte ihm gerade noch, dass er wieder einer seiner Fieberschübe bekam. Nach Gunther war nichts mehr wie vorher; sein Körper war anfälliger geworden und vielleicht hätte seine Einmischung in dem Einkaufszentrum einen anderen Ausgang genommen, wenn er im Vollbesitz seiner Kräfte gewesen wäre.

Man konnte es Hutch nicht verübeln, wenn er ohne einen geschwächten Partner plante, eine Karriere als Lieutenant anzustreben. Starsky fühlte sich miserabel, kalt und heiß zugleich. Er zog die Bettdecke bis zum Hals, doch das Zittern wollte nicht aufhören.

„Hutch, mir ist immer noch kalt – denkst du, es könnte wieder Lungenentzündung sein?“

Hilfe suchend schaute Starsky zu seinem Partner auf, der das Thermometer schon griffbereit in der Hand hielt.

„Nein, glaub’ ich nicht. Komm her,“ und Hutch zog seine Schuhe aus und legte sich neben Starsky aufs Bett, die langen Beine überkreuzt. Einladend streckte er den Arm aus, und nach kurzem Zögern folgte Starsky der Aufforderung und glitt in die Arme seines Partners. Hutch zog die Decke über sie beide, so dass seine Körperwärme auf Starsky übergehen konnte. Starsky atmete tief ein und aus; einmal stockte sein Atem, als er darüber nachdacht, was man von ihnen denken würde, sähe man sie so zusammen liegen.

Dann spürte er, wie Hutchs Hand auf seinem Rücken leicht hin und her strich, und Starsky entspannte sich weiter.

Langsam wurde ihm warm, und bevor ihn der Mut verließ, musste er Hutch die entscheidende Frage stellen.

„Hutch?

„Hm?“

„Gehst du weg aus Bay City?“

Hutch’s kreisende Handbewegung auf Starskys Rücken kam zum Stillstand. Ein Finger schob sich unter Starskys Kinn und drehte seinen Kopf, bis Starsky direkt in Hutchs Augen sah.

„Wie kommst du darauf? Solange du bleibst…oder gehst du mit Cecilia?“ Ein ernster Blick aus Augen, deren Blau plötzlich viel dunkler erschien, traf Starsky.

Starsky schluckte. Er sah soviel Liebe und gleichzeitig Verzweifelung in Hutchs Augen, dass er sich plötzlich ganz leicht fühlte. Hutch liebte ihn, und vielleicht war dies ein neuer Anfang für ihre Beziehung. Nur wie sollte er das seinem Partner klarmachen? Der erste Traum war ein klarer Hinweis gewesen, dass sich seine Beziehung zu seinem langjährigen Freund und Partner einen Schritt weiter entwickelt hatte – ob Hutch wirklich wie er empfand?

Starsky löste sich aus der Umarmung und stützte sich auf seinen Ellenbogen. Er schaute Hutch an, und ein verschmitztes Lächeln erschien auf seinem Gesicht. „Cecilia? Sie ist eine tolle Frau, intelligent, hat Humor, weiß was sie will..“

Hutch sank zurück in die Kissen, sein Gesichtsausdruck unlesbar.

„Wie gesagt, sie weiß was sie will …was ich will, ist…“ Starsky hob seine Hand und näherte sich Hutchs Gesicht. Hutch wich zurück und Starsky verharrte.

„Was ich will, bist du. Mir ist klar geworden, was du mir wirklich bedeutest.“

Hutch starrte ihn wortlos an und Starsky fühlte sich verunsichert. Was, wenn er falsch lag und Hutch seine Gefühle nicht erwiderte? Er hätte alles verdorben und ihre Beziehung wäre nicht mehr zu retten. Starsky seufzte und zog seine Hand zurück – in diesem Augenblick griff Hutch danach und hielt sie fest. Warme Finger umschlossen Starskys und dann führte Hutch sie an seine Lippen und küsste sie.

Starsky hielt den Atem an. Plötzlich war ihm alles viel zu eng und er zog seine Hand aus Hutchs und setzte sich auf, eine Distanz zwischen ihnen schaffend. Vergessen waren Fieberschub und Schüttelfrost – Schmetterlinge tanzten in seinem Bauch und er rückte noch etwas weiter ab, um seiner Gefühle Herr zu werden.

„Tut mir Leid, Starsk, es liegt alles an mir, ich hatte dich falsch verstanden.“ Hutch fuhr sich mit der Hand übe die Augen und war verlegen; eine leichte Röte hatte sein Gesicht überzogen. „Vergiss es. Und jetzt schlaf.“ Hutch war im Begriff, das Bett zu verlassen, als Starskys Arm hervorschnellte und Hutch am Ärmel festhielt.

„Nicht so schnell, Blondie. Komm her. Wir haben etwas zu besprechen.“

Widerstrebend ließ sich Hutch auf dem äußersten Rand des Bettes nieder und schaute Starsky an, sein Gesichtsausdruck verriet nichts von etwaigen Emotionen. Starsky wusste, dass Hutch total cool sein konnte. Viele Kriminelle hatten sich davon überzeugen können und selbst Starsky hatte diesen eiskalten Blick ertragen müssen, wenn er mal übers Ziel hinausgeschossen war und Hutch echt von ihm genervt gewesen war.

Wie konnte Starsky seinem Freund begreiflich machen, was in ihm vorging – anscheinend war Hutch dabei sich zurückzuziehen.

„Gestern Nacht hatte ich einen Traum. Es ging um eine Hochzeit – genauer gesagt, meine Hochzeit. Alles war arrangiert und Cecilia wurde von ihrem Vater in die Synagoge geführt.“

Hutch rutschte noch weiter an den Rand des Bettes und Starsky sprach schnell weiter bevor Hutch als Nächstes auf der Erde saß.

„Und als ich gefragt wurde, ob ich Cecilia zur Frau nehmen wollte, erschienst du in der Tür – und von dem Moment sah ich nur noch dich.“ Starsky räusperte sich verlegen, und seine Hand beschäftigte sich intensiv mit der Ecke der Bettdecke.

„Toller Traum – und was willst du mir damit sagen?“ Spöttisch zog Hutch die Augenbrauen hoch und schien auf dem Sprung zu sein.

„Ich weiß nicht, wie ich es erklären soll, aber irgendwie hast du mich angemacht, wie du da so standst – als ich aufwachte, konnte ich mich nicht mehr an Einzelheiten des Traumes erinnern – und dann scheuchtest du mich aus dem Bett und als du in der Küche standst, da wusste ich plötzlich, was der Traum bedeutet…“

„Hast du bei einem Traumdeuterseminar mitgemacht oder willst du mich für dumm verkaufen?“ Jetzt stand Hutch endgültig auf und bewegte sich auf die Tür zu.

„Schlaf endlich – wir haben nur noch drei Stunden und ich möchte mich nicht noch mal mit Dobey anlegen.“

Mit diesen Worten verschwand Hutch und Starsky hörte die Sprungfedern der alten Couch knarren, als Hutch sich hinlegte. Das Licht im Wohnbereich ging aus und Starsky lag da, durcheinander und ratlos. Hutch hatte nicht verstanden, was Starsky ihm hatte mitteilen wollen, dass er ihn liebte auf eine neue Art, dass Hutch ihn erregte, dass er Hutch bei sich haben wollte.. Starsky machte das Licht aus und versuchte zu schlafen, aber die Gewissheit, dass Hutch im Nebenzimmer war und dabei greifbar nahe, und doch so fern, .ließ ihn nicht zur Ruhe kommen. Schließlich musste er doch in einen erschöpften Schlaf gefallen sein. Als der Wecker klingelte, fühlte er sich wie gerädert. Mühsam schleppte er sich ins Badezimmer und wagte nicht, Hutch auf der Couch anzusehen. Wortlos zog er sich an, und auch Hutch äußerte nur das Nötigste.

***    .
Der Tag verging ohne nennenswerte Ereignisse und Starsky war froh, als sie ins Büro zurückkamen, um ihre Berichte zu schreiben. Er hatte wieder leichte Kopfschmerzen und gedachte sich früh an diesem Abend hinzulegen. Er setzte sich an seinen Schreibtisch und spannte ein Blatt ein, als die Tür aufging und Cecilia eintrat. Mit einem schüchternen Lächeln grüßte sie die anderen Beamten und ging auf Starskys Schreibtisch zu.

„Hallo, David. Ich wollte fragen, ob du gleich fertig bist. Ich war gerade in der Gegend und dachte, wir könnten zusammen essen.“ Starsky fiel auf, dass sie Hutch keines Blickes würdigte, ihm sogar den Rücken zuwandte.

„Tut mir Leid, aber wir sind hier noch nicht fertig, und Hutch und ich haben noch was zu besprechen – es könnte also später werden..“ Starsky schaute wieder auf sein Blatt, nicht ohne zu bemerken, dass Hutch ihm einen kurzen fragenden Blick zuwarf.

„Wir haben auch was zu besprechen, wie du dich vielleicht erinnerst. Sag einfach ja, und ich lass dich in Ruhe weiterarbeiten.“ Cecilia setzte ein gewinnendes Lächeln auf, aber Starsky schüttelte den Kopf.

„Und wenn ich nein sage?“ Aus den Augenwinkeln sah Starsky Hutch mit offenem Mund dasitzen und fast musste Starsky ein Lächeln unterdrücken.

Cecilia starrte ihn an, und auf ihrem hübschen Gesicht zeigten sich Verblüffung und unterdrückte Wut.

„Gut, wie du meinst – noch frohes Schaffen,“ und sie rauschte raus und Starsky atmete hör bar auf.

„Nicht sehr diplomatisch, wenn du mich fragst,“ äußerte sich Hutch, und Starsky zuckte nur mit den Schultern.

„Mein Problem, Blondie.“

Eine halbe Stunde später hatte Starsky genug. Er rieb sich die Augen, die vor Müdigkeit brannten und erhob sich von seinem Platz. Er schnappte sich seine Jacke und wandte sich zum Gehen.

Mehrere Augenpaar folgten ihm, denn es war ungewöhnlich, dass das „dynamische Duo“, wie sie genannt wurden, wortlos auseinander ging – es sei denn, es herrschte dicke Luft zwischen ihnen.

Starsky hatte das Gefühl, einen Schokoriegel zu brauchen, und er machte einen Umweg über den Automaten, um sich mit Süßigkeiten einzudecken. Seine schlechte Laune wurde jedoch nicht besser. Missmutig steuerte er den Torino durch den dichten Feierabendverkehr. Sein Leben hatte in eine Sackgasse geführt. Jahrelang hatte er vergeblich nach der Frau seines Lebens gesucht, hatte das Glück mit Terry nicht festhalten können, und Rosey hatte es vorgezogen, mit ihrem Vater fortzugehen. Als er Cecilia kennenlernte, hatte er sich eingebildet, ihre lustige schlagfertige Art würde das Richtige sein, um ihn nach Gunther aus dem Tal der Depression herauszuholen. Dass sie sich lustig machte, er und Hutch wären wie siamesische Zwillinge – unzertrennlich -, hatte ihn nicht weiter beunruhigt. Hutch gehörte nun mal zu ihm und Cecilia würde sich schon daran gewöhnen. Durch den verrückten Traum war ihm klar geworden, dass Hutch mehr war für ihn und dass er im Begriff war, sich in seinen langjährigen Partner zu verlieben. Laut fluchend schlug Starsky aufs Lenkrad, als er bemerkte, dass er mit den Gedanken so abgelenkt gewesen war, dass er tatsächlich in einer Sackgasse gelandet war.

Schließlich bog er mit quietschenden Reifen um die Ecke seiner Straße und hielt abrupt vor seinem Wohnblock an. Ein kleiner Parkplatz war noch frei, und verbissen versuchte Starsky, die rote Tomate, wie Hutch sie immer nannte, einzuparken. Normalerweise war es kein Problem, aber an diesem Tag schien alles schief zu gehen. Metall schrammte gegen Metall, als er beim Rückwärtsfahren einen parkenden Wagen touchierte.

„So ein Mist!“ Starsky klemmte seine Visitenkarte an die Windschutzscheibe und hastete die Treppe zu seinem Appartement hinauf. Er wollte nur noch die Bettdecke über die Ohren ziehen und nichts mehr hören und sehen.

„Was machst du denn hier?“ rutschte es Starsky heraus, als er seine Wohnung betrat und ausgerechnet Hutch in seinem Wohnzimmer sitzen saß, in einer Motorradzeitschrift blätternd.

„Ich denke, wir haben was zu bereden.“ Hutch blickte auf und wirkte sehr entschlossen, als er aufstand und auf Starsky zuging.

„Wieso hast du zu Cecilia „nein“ gesagt – und was habe ich mit deinem Traum zu tun?“

„Hutch, ich bin müde und kaputt und ich bin nicht bester Laune. Gestern habe ich versucht dir alles zu erklären, aber du wolltest nicht verstehen. Was soll ich machen, um dir zu zeigen, wie ich, ich meine, was ich – oh verdammt, ist das schwer.“

Starsky fuhr sich über die Augen, und diesmal machte er eine abwehrende Geste, als Hutch seinen Arm nehmen wollte.

„Du bist müde – komm her, setz dich hin. Was machen die Kopfschmerzen?“

Starsky schüttelte den Kopf und versuchte einen klaren Gedanken zu fassen. Aber er war zu erschöpft, um eine strategische Gesprächsführung aufzubauen. Er ließ sich auf die Couch fallen, lehnte sich gegen die Rückenlehne und schloss die Augen. Er merkte, dass Hutch seinen Arm um seine Schultern legte, und aus der Macht der Gewohnheit heraus neigte Starsky seinen Kopf zur Seite geneigt und endete an Hutchs Schulter.

„Ich könnte nicht ohne dich leben,“ hörte Starsky sich zu seinem Erstaunen sagen, und die nächsten Worte kamen automatisch. „Cecilia versteht nicht, was du für mich bedeutest. Ich habe gemerkt, dass ich nur dich bei mir haben möchte – ich möchte morgens neben dir aufwachen, ich möchte in deinen Armen liegen und dich nicht mehr loslassen.“

Überrascht registrierte Starsky, wie Fingerspitzen die Konturen seiner Lippen nachzeichneten, und er hielt die Augen geschlossen und gab einen wohlwollenden Laut von sich. Die Fingerspitzen wanderten über seine Wangen, verfingen sich in den widerspenstigen Locken und verharrten dort.

„Dann sind wir schon zwei, die dasselbe wollen,“ flüsterte Hutch und zog Starsky näher zu sich heran. Starsky hatte kein Bedürfnis zu reden, Mit einem Arm umfasste er Hutchs Taille, mit der linken Hand wanderte er nach oben, strich über Hutchs Hemd und genoss die vertraute Nähe. Wie oft hatte er so gesessen, wenn alles schief gelaufen war und hatte sich in den Armen seines Partners sicher und geborgen gefühlt. Als er jetzt über den offenen Halsausschnitt glitt, ließ er seine Hand auf warmer Haut verweilen und es war, als entzünde sich ein Feuer in seinem Innern, wie er es lange nicht mehr gespürt hatte. Instinktiv hob er den Kopf und überwand die letzte Distanz mit Leichtigkeit, bevor seine Lippen auf Hutchs trafen.

Himmel auf Erden, das Gefühl, emporgehoben zu werden, weil das Herz Purzelbäume schlägt vor Freude und Übermut, endlich am Ziel seiner Wünsche zu sein. Beinahe zart erwiderte Hutch Starskys Kuss, und Starsky schloss die Augen und gab sich ganz dem Gefühl hin, seinen Partner neu zu spüren.

Atemlos löste er sich und schaute Hutch in die Augen.

„Stimmt es also, dass du genauso empfindest wie ich? - Babe?“

Hutch lächelte beinahe schüchtern und nickte. Der nächste Kuss enthielt lang zurückgehaltene Emotionen, und schließlich hauchte Starsky in Hutchs Mund:

„Lass uns rübergehen, okay? Ich brauch’ dich.“ Starsky half seinem willigen Partner von der Couch hoch und zog ihn in Richtung Schlafzimmer. Im Gehen öffnete Starsky Hutchs Hemd und Hutch sagte: Führ’ mich“, und ging rückwärts, dabei Starskys Hosengürtel und den Reißverschluss öffnend. Beim Versuch, Starskys enge Jeans über seine Hüften zu ziehen, waren beide abgelenkt und stolperten über Starskys Adidas. Beide fielen aufs Bett , und nach dem ersten Schrecken umschlangen sie sich mit beiden Armen und hielten sich gegenseitig fest.

Starsky verlagerte sein Gewicht auf Hutchs Seite und wanderte mit seiner Hand an Hutchs Körper entlang. Als er Hutchs Hüfte erreicht hatte, merkte er, wie Hutch verlegen sich bewegte, und Starsky, der Hutchs Erregung wahrgenommen hatte, lächelte zärtlich.

„Mir geht’s genauso. Hier,“ und er nahm Hutchs Hand und legte sie auf seine Erektion, bedeckt von den nun noch enger wirkenden Jeans.

„Ich liebe dich.“

Beide sagten es wie aus einem Munde, und Starsky folgerte sofort:

„Wir leben noch ein Jahr zusammen.“

„Nein.“ Hutch sagte es mit Entschiedenheit, und für einen Moment war Starsky verunsichert.

„Wir leben für immer zusammen.“ Hutch griff Starsky und drehte ihn mit einer geschickten Bewegung, so dass Hutch auf seinem Partner lag.

Starsky schaute nach oben und sah sich mit der Person im Spiegel, die ihm alles im Leben bedeutete. Er schloss die Augen und gab sich der Liebe hin.

Ende

.
 
 
'