Silvester in Lazy Town

GeschichteHumor / P6
29.12.2007
29.12.2007
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Silvester in Lazy Town

Die Sonne ging über den verschneiten Dächern auf und überzog sie mit einem rot - goldenen Schimmer. Ganz Lazy Town war noch ruhig und verschlafen und es herrschte ein Frieden, als würde heute mit Sicherheit nichts passieren. Aber heute um Mitternacht würde es das ganz sicher! Denn es war ein ganz besonderer Tag, es war der 31. Dezember!

Stephanie's Onkel stand wie jeden Morgen in der Küche und machte das Frühstück. Die Wohnung war noch recht weihnachtlich geschmückt und man hätte meinen können, Weihnachten wäre erst gestern gewesen. „Guten Morgen Stephanie!“, begrüßte er seine Nichte freudig, die frisch und fröhlich aus ihrem Zimmer gekommen war. „Dein Kakao ist gleich fertig, die Pfannkuchen auch. Möchtest du Bananen oder Erdbeeren darauf? Oder lieber beides?“ Stephanie entschied sich für beides und freute sich auf ihr leckeres Frühstück.
„Jetzt müssen wir aber den Weihnachtsschmuck abnehmen, wir müssen doch heute alles für die Silvesterparty fertig machen“, sagte Meinhard.
„Können wir nicht die Luftschlangen über die Tannenzweige hängen?“, fragte Stephanie und lächelte ein wenig verschmitzt.
„Ach Gottchen ach Gottchen! Na, das würde aber seltsam aussehen! Ich weiß wie sehr du Weihnachten liebst, Stephanie. Aber alles  hat einmal ein Ende.“
„Ich weiß, Onkelchen. War auch nicht so ernst gemeint“, lachte sie.
„Oh, na Gott sei Dank! Du weißt, wie schwer es mir fällt, dir etwas abzuschlagen. Sonst hätte ich noch wirklich die ganzen Tannenzweige mit Luftballons und Luftschlangen vollgehängt!“
Das Mädchen lachte, wurde aber nach kurzer Zeit wieder etwas traurig. Sie sah sich wehmütig um. Der geschmückte Weihnachtsbaum und die Lichterketten am Fenster durften noch eine Weile bleiben, aber um den Rest war es schade.
„Traurig, das es wieder vorbei ist“, seufzte sie. „Man freut sich das ganze Jahr darauf, und dann ist der Moment um. So wird es auch heute sein.“

„Ja, das ist nun mal leider so. Erst kann man es nicht erwarten und meint, die Zeit würde still stehen. Und dann geht es auf einmal ganz schnell. Aber sei nicht traurig. Es wird noch viele Dinge geben, auf die du dich freuen kannst. Zum Beispiel auf deine Pfannkuchen! Guten Appetit!“ Zur gleichen Zeit war Freddie Faulig ebenfalls wach – oder war es immer noch, weil er sich die ganze Nacht Filme angesehen hatte. Jetzt war es aber an der Zeit, sich aufs Ohr zu hauen. „Na, ein Stück Kuchen zum Frühstück werde ich mir eben noch gönnen, bevor ich pennen gehe“, sagte er und versenkte die Gabel in ein Stück seiner herrlichen Schoko - Sahne - Torte. Zufällig fiel sein Blick auf seinen Kalender - dort war noch das gestrige Datum zu sehen - und ihm kam ein schrecklicher Verdacht. Er wagte gar nicht das Blatt abzureißen, tat es aber und seine Augen weiteten sich vor Schrecken. „ICH HABE ES GEAHNT, HEUTE IST DER SCHRECKLICHSTE TAG VON ALLEN! Heute ist Silvester und das heißt: Um Punkt Mitternacht zischen laut krachende Raketen in den Himmel! Das ist nächtliche Ruhestörung, jawohl! Und niemand tut etwas dagegen, weil es sogar erlaubt ist! Alle Leute werden bis dahin wach bleiben und laut feiern...vielleicht bis in die Morgenstunden! Und was ist mit mir?!? Wann soll ich denn schlafen?! Ich muss etwas unternehmen und zwar sofort!“

Der Schurke lief aufgeregt hin und her. „So ein Scheibenkleister aber auch! Hätte ich früher dran gedacht, dann hätte ich die ganzen Raketen in den Läden aufkaufen und irgendwo verbuddeln können. Ach, was red' ich....das hätte auch nicht viel genützt. Wo der Bürgermeister jedes Jahr seine Silvesterraketen vorbestellt und sie sogar von einem ausgebildeten Pyrotechniker aufstellen lässt! So eine Geldverschwendung! Hmmmmmm, moment mal....!“ Freddie's Gesicht verzog sich zu einer hämischen Grimasse. „Der Pyrotechniker muss her, aber schnell! Aber nicht irgendeiner...“
Er grinste eine der Verkleidungsröhren an, in der wie immer das passende Kostüm steckte. Als er aber an dem Hebel zog, kam nicht nur seine Montur, sondern auch eine kleine Feuerwerksrakete heraus, die zischend umherflog und Freddie durch die ganze Fabrik jagte, bis sie durch die Röhre nach oben zischte und darin laut krachend explodierte. Freddie zog sich die Finger aus den Ohren. „Das war knapp! Und jetzt tritt Lennie Lunte seinen Dienst an!“ Als es bei Herrn Meintsgut klingelte, war der etwas verwundert, als schon der Pyrotechniker vor der Tür stand. „Oh, Sie sind aber sehr früh dran! Wollten Sie nicht erst am Nachmittag kommen und alles aufbauen?“
Der Techniker im violetten Overall grinste ihn selbstsicher an. „Aufbauen ja, aber vorher wollte ich ganz sicher gehen und jede Rakete auf ihre Qualität hin prüfen! Das dauert eine Weile, nicht wahr?“
„Hm ja, wenn Sie meinen? Ich kaufe zwar immer nur das Beste vom Besten, aber man kann nie vorsichtig genug sein. Gerade bei Feuerwerkskörpern!“
„Sehen Sie, das sage ich auch immer!“
„Dann tun sie mal Ihre Arbeit. Sie wissen ja, wo ich die Raketen und alles weitere aufbewahre.“
Freddie zuckte mit der Nasenspitze. „Ähh – hier drinnen?“

„Was? Aber nein, aber nein! Ach Gottchen! Das wäre mir viel zu gefährlich! Wenn da was passiert, dann fliegt ja das ganze Haus in die Luft! Nein, ich habe doch dafür einen ganz sicheren Lagerraum. Ich dachte Sie wüssten Bescheid?“
„Hat mir der Chef vergessen zu sagen“, lachte Freddie und kratzte sich verlegen an seiner feuerroten Perücke. Meinhard erklärte ihm wo sich der Lagerraum befand, dann drehte sich Freddie herum und eilte zu seinen orangfarbenen Lieferwagen, auf dessen Dach eine große Feuerwerksrakete als Erkennungszeichen prankte.
„Wenn irgendetwas sein sollte, dann fragen Sie mich einfach!“, rief Meinhard dem Mann hinterher.
„Ach Gottchen, ach Gottchen! So sehr ich Feuerwerk mag, ich habe immer Angst das etwas passieren könnte. Das ist zwar eine schöne, aber auch gefährliche Sache.“
„Der Pyrotechniker wird schon alles richtig machen“, beruhigte ihn Stephanie. Es dauerte nicht lange und Freddie hatte den Lagerraum erreicht, der auf einem abgelegenen Fleckchen stand. Auf den Wänden und der Tür waren groß und überdeutlich leuchtendgelbe Warnschilder befestigt, auf denen zu lesen war: VORSICHT! ACHTUNG! RAUCHEN VERBOTEN! Freddie staunte nicht schlecht, als er den großen Vorrat an Feuerwerksraketen erblickte. „Was das wohl gekostet haben muss“, dachte er laut. „Dafür hätte man sich bestimmt einen Jahresvorrat an Süßigkeiten kaufen können.“ Er lud alles in seinen kleinen Transporter und fuhr lachend davon. „Da wird der Bürgermeister aber dumm gucken und seine kleine pinke Nichte auch! Damit fällt die große Silvesterparty des Bürgermeisters aus!“

In der Zwischenzeit hatten sich alle Kinder bei Pixel getroffen und während Ziggy und Trixie ein neues Videospiel ausprobierten, redeten die anderen aufgeregt durcheinander. „Heute ist der einzige Tag, wo man nicht um acht Uhr acht ins Bett muss“, erklärte Meini feierlich. „Aber dafür werde ich mich heute Nachmittag etwas hinlegen, damit ich ausgeruht bin und nichts von der Party verpasse.“
„Ich auch und ich kann es bis Mitternacht kaum erwarten! Wieviele Feuerwerkskörper hat denn dein Onkel diesmal besorgt? Mehr als im letzten Jahr?“, wollte Pixel wissen.
„Er hat sich auf jeden Fall nicht lumpen lassen, ich glaube das hat auch etwas mit Senta zu tun. Sie liebt solche Ereignisse“, sagte Stephanie.
„Hauptsache das wird ein Mega – Feuerwerk! Hoffentlich wird alles bis dahin rechtzeitig aufgebaut sein.“
„Der Pyrotechniker ist sogar schon da und überprüft nochmal alles. Bis heute Nacht ist längst alles fertig.“
„Na, dann kann ja nichts mehr schiefgehen“, meinte Pixel. Genau das dachte sich auch der Bürgermeister. Nachdem er bereits die Partydekoration gesucht und ausgepackt hatte, gönnte er sich jetzt eine kleine Kaffeepause. Da fiel ihm ein, dass er nachsehen könnte, ob denn der Pyrotechniker zurecht käme. Noch dazu könnte er das nützliche mit dem angenehmen verbinden und einen kleinen Spaziergang machen. Als er am Lagerraum ankam und sah, dass er leer war, machte sich Meinhard keine großen Gedanken. „Er wird jetzt alles aufbauen“, sagte er zu sich und machte eine gemütliche Runde durch Lazy Town. Aber als er nirgendwo den Techniker, den Lieferwagen oder auch nur eine Raketenrampe erblicken konnte, fing er an sich Sorgen zu machen und lief wie ein aufgeregtes Huhn umher. Sportacus' Kristall reagierte darauf und der Superheld kam in seinem Flugschrauber angerauscht, sprang heraus und landete direkt vor Meinard.

„Herr Bürgermeister, was gibt es?“
„Tun Sie mir bitte einen Gefallen und halten Sie nach einem Pyrotechniker Ausschau! Violetter Overall und Kappe, rote Haare und orangener Lieferwagen! Er muss hier irgendwo sein!“
„Alles klar!“ Sportacus sprang wieder in seinen Flugschrauber und machte sich auf die Suche. Aber in der ganzen Stadt gab es niemanden, auf den die Beschreibung passte. Der Bürgermeister war außer sich. „Das heißt, man hat mich betrogen und bestohlen! Die ganzen Feuerwerksraketen sind futsch! Die Party fällt aus!“ Die Kinder hörten den aufgeregten Bürgermeister und Pixel verschaffte sich mit seiner Kamera einen Überblick. Schnell waren sie im Bilde und liefen zu Sportacus und Meintsgut. „Habe ich richtig gehört, MEINE Raketen sind gestohlen worden? Die haben 'ne Stange Geld gekostet!“, rief Meini höchst empört.
„Du meinst wohl MEINE“, berichtigte der Bürgermeister.
„Hab' ich doch gesagt!“
„Hm! Du weißt genau, wovon ich rede, Meini! Aber mit einem hast du recht: Eine schöne Stange Geld habe ich dafür hingelegt!“
„Meinhard, was soll das bedeuten?“, rief Senta Senfdazu, die mit schnellen Schritten um die Ecke kam. „Die Party fällt aus? Ich habe mir extra ein neues Kleid dafür gekauft!“
„Wer immer jetzt im Besitz dieser Raketen ist, der ist mit Sicherheit schon über alle Berge!“, sprach Meintsgut aufgeregt weiter.
„Können...können wir denn nichts neues kaufen...?“, fragte Ziggy zaghaft aber der Bürgermeister schüttelte den Kopf. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass jetzt noch in irgendeinem Geschäft etwas zu finden ist. Nicht heute. Und selbst wenn....ich hab auch gar nicht mehr genug Geld. Für ein paar Knallerbsen und Wunderkerzen reicht es gerade noch.“

„Das ist wirklich furchtbar“, gab Sportacus zu. „Aber vielleicht finde ich den Dieb doch noch, ich werde mal schnell die Hauptstraße entlang fliegen und gucken. Er mag schon längst aus der Stadt sein, aber schnappen kann ich ihn immer noch“, sprach er entschlossen und flog los. „Nicht die Hoffnung aufgeben, noch ist nichts verloren!“
„Na, da wäre ich mir nicht so sicher.“ Meinhard senkte traurig den Kopf. „Das das Jahr so endet, hätte ich nicht gedacht.“ Stephanie wollte aber auch nicht so schnell aufgeben und sie schlug vor, dass sie alle ihr Taschengeld opfern könnten, damit Sportacus doch noch irgendwo etwas kaufen könnte, falls er den Dieb und die Raketen nicht finden würde. Damit war der Bürgermeister aber gar nicht einverstanden. „Das kann ich nicht von euch verlangen! Das ist unglaublich nett von euch, aber das geht doch nicht!“
„Das Feuerwerk muss ja nicht so gewaltig werden wie das erste, aber Hauptsache wir haben überhaupt eins!“
„Doch, Stephanie, das muss es!“, rief Meini. „Es MUSS gewaltig werden, darum spende ich all mein Taschengeld und sogar etwas mehr!“ Alle drehten sich zu ihm um. „Ist das dein Ernst?! Ist das wirklich dein voller Ernst, Meini?“ Pixel konnte nicht anders, als ihn mit offenen Mund anzustarren. „Mund zu, sonst kommen die Fliegen rein! Natürlich ist das mein voller Ernst! Ich werde für alle Kosten aufkommen, das heißt, ich werde erst einmal meine Eltern fragen müssen, aber das wird sich schon machen lassen, denke ich.“
Stephanie umarmte den Jungen, dass ihm beinahe die Luft wegblieb. „Meini, du bist ein Schatz!“ Sie drückte ihm sogar ein Küsschen auf die Wange, dass er ganz verlegen wurde. Als Sportacus zurück kam musste er leider berichten, dass seine Suche erfolglos war, aber dafür war ihm eine Idee gekommen. Zuvor erzählten ihm aber seine Freunde, wie großzügig Meini sich auf einmal zeigte. Sportacus strahlte über das ganze Gesicht und er lobte den Jungen  über alle Maßen. Dieses Lob tat Meini richtig gut. „Danke schön! Jetzt hoffen wir nur, dass wir irgendwo auch ein Geschäft finden, das noch Feuerwerksraketen über hat.“
Sportacus nickte. „Da kommt meine Idee ins Spiel! Mir ist jemand eingefallen, an den ich mich wenden könnte. Wenn ich ihm erzähle, was passiert ist, dann hilft er mir bestimmt. Und über die Bezahlung ließe sich auch reden, falls deine Eltern doch nicht einverstanden sind.“
„Dann werde ich erst einmal loslaufen und fragen, wieviel sie locker machen können. Los Schweini, halt dich gut fest!“  Meini klemmte sich sein geliebtes Sparschwein unter den Arm und machte sich zu Fuß auf den Weg, weil er mit seinem Tretauto nur ganz schlecht durch den Schnee und den Schneematsch gekommen wäre.
„Sag deinen Eltern, dass sie auf jeden Fall das Geld von mir zurückbekommen!“, rief der Bürgermeister hinterher. „Ähm, vielleicht nicht sofort – aber sie kriegen es! Immerhin ist es meine Schuld, dass wir jetzt in so einer Notlage sind. Ich hätte besser aufpassen sollen, dann hätte ich diesen Schuft bestimmt entlarvt.“

Es dauerte nicht lange und Meini kam tatsächlich mit der Zustimmung seiner Eltern zurück. „Die Rechnung sollen Sie ihnen zuschicken, die bezahlen dann alles, haben sie gesagt. Sobald Sie wieder flüssig sind, können Sie dann Ihre Schulden bei uns in Raten abzahlen, Herr Meintsgut“, sprach Meini und machte ein Gesicht wie ein Bankangestellter. Sportacus wollte sich sofort auf den Weg machen. Er versprach den Kindern, sich früh genug bei ihnen zu melden.
„Na dann düsen Sie mal los und viel Glück! Wohin geht denn die Reise?“, fragte Meinhard.
„Nach China!“ Sportacus sprang in seinen Flugschrauber und flog rasch zu seinem Luftschiff.
„Wie aufregend!“, sagte Senta.  „Ich bin sicher, er schafft es!“
„Ach Gottchen! Na, da bin ich mal gespannt! Hoffentlich ist er schnell genug!“
„Niemand ist schneller als Sportacus!“, sprach Stephanie und alle gaben ihr Recht. Freddie Faulig bekam von alledem nichts mit. Er hatte sein böses Tagewerk verrichtet und war schon lange eingeschlafen. Den voll beladenen Lieferwagen hatte er mitten in der Fabrik abgestellt und jetzt träumte er gerade, er würde sich auf einer wonnig weichen Wolke ausruhen. In Wirklichkeit hatte er es sich auf seinem Sessel und einem besonders großen und flauschigen Kissen gemütlich gemacht. Nachdem sich Sportacus mit genügend Powersnacks gestärkt hatte, machte er sich sofort auf die Reise. Es war für ihn wirklich kein großes Problem, eben nach China und wieder zurück nach Lazy Town zu fliegen, denn er hatte ja schon einmal einen kurzen Abstecher dorthin machen müssen, weil Freddie ihn damals aus der Stadt locken wollte. Nur so hatte der Bösewicht, mit Hilfe eines Magneten, in aller Seelenruhe die Spielsachen der Kinder einsammeln können. Nur diesmal nutzte Sportacus sein flinker und leichter Flugschrauber wenig, denn er brauchte das Schiff um eine große Ladung zu transportieren. So kam er nicht ganz so schnell voran, aber er würde immer noch rechtzeitig zurück sein. Stephanie und ihre Freunde waren dabei, das Wohnzimmer endlich für die Silvesterparty fertig zu machen. Zusammen machte es einfach viel mehr Spaß und sie waren sich sicher, dass ihre Arbeit nicht umsonst sein würde. Außerdem half es, die lange Wartezeit zu überbrücken.

Als Sportacus in China angekommen war  – genauer gesagt in der Stadt Peking -  parkte er erst einmal brav sein Luftschiff und suchte die Feuerwerksfabrik auf. Es war wirklich ein riesiges Gebäude, und darauf prankte ein ebenfalls riesiger Feuerwerkskörper und ein chinesischer Schriftzug als Firmenlogo. Kaum hatte Sportacus beim Pförtner seinen Besuch angekündigt, da kam der Chef und Eigentümer der Fabrik schon angelaufen und begrüßte ihn überschwenglich. Vor einigen Jahren hatte der Superheld dieses Gebäude und die Mitarbeiter vor einer Katastrophe retten müssen und das hatte der Besitzer natürlich nicht vergessen. Sportacus sprach gut genug chinesisch um sein Problem schildern zu können und der Mann war sofort bereit zu helfen. Er suchte das beste Feuerwerkssortiment zusammen und bat seine Leute, alles ins Luftschiff zu laden. Von Bezahlung wollte er jedoch gar nichts wissen und sobald Sportacus bat, ihm eine Rechnung auszustellen, winkte er abwehrend mit den Händen und schüttelte den Kopf. „Alles umsonst!“, sagte er.
„Was, alles? Aber das geht doch nicht!“ Sportacus sah, wie Kiste um Kiste ins Luftschiff gepackt wurde. Es musste eine ungeheure Menge sein und das sollte er einfach für nichts und wieder nichts bekommen? Das fand er nicht ganz richtig, aber da war er mit seiner Bitte an der falschen Adresse.
„Sie haben damals meine Fabrik gerettet und unser aller Leben! Ich schulde Ihnen etwas und das hier ist das Mindeste, was ich tun kann. Also machen Sie sich keine Gedanken und versuchen erst gar nicht, mich umzustimmen. Das wird nicht funktionieren“, lachte der Mann und schlug Sportacus freundschaftlich auf die Schulter. Der Superheld bedankte sich unzählige Male und betrat sein Schiff, dass wirklich fast bis obenhin vollgeladen war. Er musste sich jetzt wirklich beeilen um seine Ladung pünktlich in Lazy Town abzuliefern. Er winkte allen Mitarbeitern zum Abschied und begab sich auf die Rückreise.

Es war schon Nachmittag geworden und die Kinder waren mit dem schmücken längst fertig. Jetzt saßen sie da und hofften, dass sich Sportacus melden würde. Ziggy hatte die ganze Aufregung etwas mitgenommen und kämpfte schon jetzt gegen die Müdigkeit. Er saß im Wohnzimmersessel und nickte andauernd ein. „Muss wachbleiben...unbedingt wachbleiben....“
„Ziggy, du kannst ruhig nach Hause und ein bisschen schlafen. Es sind noch Stunden bis zur Party!“, sagte Stephanie.
„Aber ich will wissen, ob Sportacus die Raketen gekriegt hat, sonst hat es doch keinen Zweck. Dann freue ich mich vielleicht umsonst auf etwas.“
„Er hat versprochen sich zu melden und das wird er auch tun.“ Kaum hatte Stephanie zuende gesprochen, da piepste Pixel's Laptop. „Aaah, wunderbar! Das wird er sein!“ Pixel klappte ihn auf und Sportacus erschien auf dem Bildschirm.

Im ganzen Haus herrschte unbändige Freude über Sportacus' gute Nachricht und er setzte hinzu, dass er doch noch etwas Zeit bräuchte wegen der schweren Ladung, er würde aber trotzdem früh genug da sein. „Schwere Ladung?“, fragte Meinhard und war etwas verunsichert. „Wieviel haben Sie denn geladen?“
„Oh, ich weiß nicht genau wieviele Kisten es sind, aber ich habe fast das ganze Schiff voller chinesischem Feuerwerk! Nur das Beste vom Besten!“
„Ach Gottchen! Darf man fragen, wie teuer mich der ganze Spaß kommt? Früher oder später muss ich es ohnehin abstottern.“ Sportacus lachte ihn an und erzählte von der Großzügigkeit des Fabrikbesitzers. Alle waren baff, nur Meini war ein wenig in seiner Ehre gekränkt. Da hatte er zum ersten Mal seit langem zu etwas Großen beigetragen und dann war es umsonst gewesen. Dabei wäre es doch diesmal wirklich SEIN Feuerwerk gewesen – oder nicht?
„Ach Meini“, hörte er jetzt Sportacus rufen, „Ich möchte dir trotzdem für deine Hilfe danken.  Das du mit deinem Geld das Feuerwerk spenden wolltest, war eine große Tat. Es ist schön wenn man weiß, dass man auf jemanden zählen kann. “
„Och, schon gut“, sagte Meini und ihm ging es schon ein klein wenig besser. „Aber kann ich mir eine Rakete für mich allein aussuchen?“
„Das darfst du und ich zünde sie dann für dich an! So, jetzt muss ich mich aber sputen! Bis später, Kinder!“
„Tschüüüüüüüüüüüüüüüsss!“
„Jetzt kann ich beruhigt schlafen gehen“, meinte Ziggy „und mich auf eine tolle Silvesterparty freuen!“
„Voll cool, der Abend ist gerettet!“, jubelte Trixi und alle ließen Sportacus hochleben. Sie jubelten so laut, dass Freddie davon wach wurde und er so erschrak, dass er aus dem Sessel plumpste. „Aaaauuuuuuaaaa....!“ jaulte er und rieb sich sein Hinterteil. „Wo bin ich und wo ist meine kuschelige Wolke? Ich will weiterschlafen!“ Als er endlich begriff wo er war, bekam er mit, wie sich die Kinder für nachher verabredeten und ein Telefongespräch zwischen Meinhard und Senta belauschte er auch noch. Als er verstand, was gerade vor sich ging und was das für seinen Plan bedeutete, da bekam er so eine Wut, dass er am liebsten wie eine Rakete explodiert wäre!
Für ihn war klar: Sportacus durfte mit seiner Ladung nicht nach Lazy Town zurückkehren, aber wie sollte er das anstellen? Da fiel sein Blick auf den orangenen Lieferwagen. Seine Augen begannen boshaft zu funkeln und er besah sich seinen Vorrat an gestohlenen Feuerwerksraketen. „Ich glaube, DAMIT sollte ich in der Lage sein, Sportacus von Lazy Town fernzuhalten....!“

In der Zwischenzeit biss Sportacus gerade herzhaft in einen Apfel, um weiterhin Kraft für den Rückweg zu tanken. Er hatte unermüdlich in die Pedale getreten und war nicht mehr allzuweit von der Stadt entfernt. „Eine gute halbe Stunde und dann bin ich endlich da“, sagte er und warf einen Blick auf seine Ladung, die gut verpackt und mit Haltegurten gesichert war, damit keine von den Kisten wegrutschen konnte. Sportacus freute sich wie ein Schneekönig und er stellte sich vor, was für große Augen seine Freunde wohl machen würden. So ein Feuerwerk hat Lazy Town bestimmt noch nicht erlebt, dachte er. Zur gleichen Zeit dachte sich Freddie Faulig ähnliches: So ein Feuerwerk hat Sportacus bestimmt noch nicht erlebt!
Er hatte sich in seine Verkleidung geworfen, mit der er am Morgen den Bürgermeister getäuscht hatte. Rundherum um Lazy Town waren Abschussrampen aufgebaut und Freddie war gerade dabei, die letzten Raketen so zu verkabeln, dass sie auf Knopfdruck gezündet werden konnten. Er freute sich diebisch und bedauerte, das überraschte Gesicht seines Feindes nicht sehen zu können, sobald die ersten Raketen auf ihn zusteuern würden. „Wenn er begriffen hat was los ist, wird er sich in die Hosen machen und Lazy Town ganz schnell verlassen wollen! Am besten soll er zurück nach China düsen und dort bleiben – FÜR IMMER! Und wenn das geschieht, haben die Gören bestimmt auch in Zukunft keine Lust mehr, irgendeine Party zu schmeißen. Weder an Silvester, noch an sonst einem Tag -  FÜR IMMER!!!“

Freddie rieb sich die Hände und beobachtete aufmerksam den Himmel. Da war er nicht der Einzige, denn der Bürgermeister stand am Fenster und wartete mit Spannung auf die Ankunft des Superhelden. Endlich war es soweit und das Luftschiff war in Sichtweite! Meinhard warf sich seine Winterjacke über und begab sich zum Rathausplatz. Irgendwo in einer ruhigen Ecke hatte sich Freddie zurückgezogen und auch er war im Bilde: „Ah endlich, es ist soweit! Na wo ist denn das kleine Luftschiff mit dem kleinen Sportiiiiii?“ Er wartete noch etwas ab und dann drückte er auf den Knopf seiner Fernsteuerung. Eine kleine bunte Rakete schoss zischend in den noch taghellen Himmel und flog haarscharf am Luftschiff vorbei. Sportacus sah ihr erschrocken nach, aber er dachte sich nichts dabei. Es gab immer Leute, die es nicht abwarten konnten und schon vor Mitternacht einen Teil ihrer Raketen abschossen. Nur war das für Sportacus auch ein Warnzeichen. Es hieß für ihn, dass er vorsichtig sein musste. Freddie war mit sich und seiner Leistung schon sehr zufrieden und er betätigte ein zweites Mal die Fernbedienung. Kurz darauf flogen schon die nächsten zwei Feuerwerkskörper knapp an dem Luftschiff vorbei und explodierten hoch über der Stadt. Ein grüner und blauer Funkenregen ging nieder. Als Sportacus die vierte Rakete vor sich sah und er sogar ausweichen musste, war er ziemlich irritiert.
Da macht sich offenbar jemand einen Spaß daraus, mich zu erschrecken, dachte er. Allerdings konnte er über diesen „Spaß“ überhaupt nicht lachen.

Dem sportlichen Superhelden blieb nicht viel Zeit um lange nachzudenken. Von allen Seiten zischte und jaulte es und Sportacus begriff, dass er in höchster Gefahr schwebte und Lazy Town mit ihm! Würde nur eine Rakete das Schiff treffen und somit Feuer fangen, dann würde seine ganze Fracht explodieren und das direkt über der Stadt! Sportacus sah zu, dass er sich so schnell wie möglich von Lazy Town entfernte und fuhr immer geradeaus. Die Kinder waren bei dem Krach aufgewacht und glaubten zuerst, dass es schon Mitternacht wäre und sie die Ankunft des neuen Jahres bereits verschlafen hätten. Umso verwunderter waren sie, als sie sahen, dass noch  nicht einmal die Abenddämmerung hereingebrochen war.  Trixie, Meini, Pixel und Ziggy fanden sich dennoch bei Stephanie ein. Vielleicht wusste sie, was vor sich ging. Doch das Mädchen war genauso verwundert und ratlos wie sie.
„Jetzt sag nicht, dein Onkel hat alle Raketen zu früh gezündet und jetzt haben wir wieder keine für heute Nacht!“, meckerte Trixie und Meini fürchtete, keine einzige Rakete für sich haben zu können obwohl es Sportacus versprochen hatte. Auf einmal hörten die Kinder, wie der Bürgermeister draußen in sein Mikrophon sprach und zwar so laut, dass es die ganze Stadt hören musste: „ICH WEIß NICHT WER DAFÜR VERANTWORTLICH IST, ABER ICH VERBIETE JEDE WEITERE ZÜNDUNG VON FEUERWERKSRAKTEN BIS MITTERNACHT! BÜRGERMEISTER MEINTSGUT HAT GESPROCHEN! Ach Gottchen!“

Die erstaunten Kinder und Senta kamen angelaufen. Meinhard bat Pixel, Sportacus zu kontaktieren. „Jetzt soll er es noch einmal versuchen und zurück kommen. Vorhin hat so ein Blödmann ein Feuerwerk veranstaltet! Ach Gottchen, ein Glück das nichts geschehen ist!“ Sportacus erhielt die Nachricht und wagte sich nochmal an die Stadt heran, aber diesmal mit größter Vorsicht. Er hatte ein seltsames Gefühl und wollte lieber nichts riskieren. Sein Gefühl trügte ihn nicht. Gerade hatte er die Stadtgrenze überflogen, als schon das nächste Feuerwerk in Gang gesetzt wurde. Sportacus setzte den Rückwärtsgang ein und verließ die Stadt augenblicklich. Allen Anwesenden lief es eiskalt den Rücken herunter. Der Bürgermeister tupfte sich mit einem Taschentuch den Schweiß von der Stirn. „Das ist ja schrecklich! Wem könnte denn so eine Teufelei einfallen? Wer immer dahinter steckt, weiß er denn nicht, was er damit anrichten kann?“
„Jetzt kann Sportacus nicht zu uns kommen und mitfeiern und ein Feuerwerk gibt es auch nicht“, schluchzte Ziggy. „Das ist wirklich das Schrecklichste, was man sich denken kann. Nein, stimmt nicht! Keine Süßigkeiten zu haben ist das Schrecklichste, was man sich denken kann! Oder? Ich kann mich nicht entscheiden...“
„Deine Sorgen möchte ich haben“, seufzte Meinhard. „Was denkst du was geschieht, wenn sein Luftschiff getroffen wird? Die ganzen Feuerwerkskörper können in Brand geraten! Sportacus und unsere ganze Stadt sind in Gefahr, sobald er sich mit seinem Schiff nähert. Na, wenn ich den Übeltäter erwische...!“
„Wir müssen den Kerl finden oder zumindest seine Raketen, damit wir sie unschädlich machen können!“, rief Stephanie aufgeregt.
Senta schüttelte den Kopf. „Das ist viel zu gefährlich, Kinder. Der Einzige der dagegen etwas ausrichten könnte, wäre Sportacus. Ich hoffe er hat schon eine Lösung gefunden.“
„Aber helfen könnten wir ihm trotzdem. Ich gehe an meinen Computer und dann versuche ich den Startplatz der Raketen auszumachen. Sportacus wird sich dann um den Rest kümmern“, sprach Pixel optimistisch und lief schnell Hause. „Warte, wir kommen mit“, rief Ziggy und Senta stöckelte als Letzte auf ihren hohen Schuhen hinterher. „Das werde ich mir nicht entgehen lassen“, sprach sie, „das wird eine einzigartige Rettungsaktion werden!“

Noch ahnte Sportacus nicht, welche Hilfe ihm zuteil wurde. Er dachte aber ähnlich wie Pixel und wollte mit seinem Flugschrauber die Stadt erkunden um nach der Wurzel allen Übels zu suchen.
„Sportacus, bist du da? Kannst du mich hören?“ Der Superheld horchte auf und lief zu seinem Bildschirm. „Hi Pixel! Was gibt es?“
„Wir wissen was geschehen ist und ich habe mit Hilfe meiner Kamera und meines Computers eine Karte erstellt. Dort findest du alle Punkte wo die Raketen aufgebaut sind, aber sei vorsichtig! Sie werden ferngezündet, und zwar von diesem Kerl da!“ Auf dem Bildschirm tauchte das Gesicht des falschen Pyrotechnikers auf.
„Das ist der Typ, der den Bürgermeister bestohlen hat. Vorhin war er an der Stadtgrenze, jetzt hat er sich schnell wieder verkrümelt. Pass also auf, der hat es faustdick hinter den Ohren!“
„Ich werde mich vorsehen“, versprach Sportacus. „Ich werde die Stadt durchkämmen und ihn suchen.“ Kurz darauf bekam er schon die Karte ausgedruckt. Sportacus schnappte sich einen Rucksack und verstaute zwei Badmintonschläger, zwei Äpfel und die Karte darin und verabschiedete sich. Pixel und all seine Freunde wünschten ihm Glück. Es dauerte nur wenige Sekunden und der Held sauste in seinem wendigen Fluggerät mit einer unglaublichen Geschwindigkeit durch die Stadt und hielt Ausschau. Freddie hatte das jedoch rechtzeitig bemerkt sich gerade noch rechtzeitig ins Gebüsch schlagen können. „Ach sieh an, machen wir einen kleinen Rundflug? Pass auf, dass dir nichts entgegen kommt, wie zum Beispiel Käfer, Vögel...ODER DAS HIER!“
Jetzt krachte, jaulte, heulte und zischte es genau da, wo immer sich Sportacus befand. Pixel zoomte die Kamera näher heran und die Bewohner verfolgten alles über den Bildschirm.
„SIE MÜSSEN HÖHER FLIEGEN!“, schrie Meinhard, „NEIN, TIEFER!“
„Er kann dich nicht hören, Onkel Meinhard!“
„Herrje, jetzt hätte ihn beinahe eine getroffen!“, rief Senta. „ Das ist furchtbar, einfach furchtbar!“

Für Ziggy war das alles zuviel. Er hatte sich unter dem Tisch verkrochen und wollte nichts mehr hören oder sehen. „Wenn es gut ausgeht, dann sagt mir Bescheid! Und wenn nicht, dann sagt mir bitte nichts!“
„Es wird gut ausgehen, das ist es bis jetzt immer“, beruhigte ihn Stephanie und beugte sich zu ihm hinunter. „Er wird es auch diesmal schaffen.“
„OH NEIN!“
Stephanie sprang auf. „Pixel, was ist passiert?!“
„So ein Mist, mir ist eine Rakete in die Kamera geknallt und explodiert! Jetzt ist die Linse voller Ruß! Aber Hauptsache die Kamera ist noch dran!
„AAAAAAAAHHHH, VORSICHT!“, brüllte Meini und sprang zur Seite. Jetzt kam eine Rakete durch das offene Fenster geflogen und landete direkt auf dem Boden, fast genau neben Ziggy, der immer noch unter dem Tisch kauerte. Meinhard fackelte nicht lange und griff nach einer vollen Limoflasche. Er kippte sie aus und löschte somit die Zündschnur. Die Gefahr war gebannt – hoffte er zumindest. Er holte Ziggy unter dem Tisch hervor und Trixie schloss schnell das Fenster.
Sportacus war genauso knapp einer Katastrophe entkommen. Mit Hilfe seiner Badmintonschläger hatte er nicht alle Flugkörper abwehren können. Einer davon war in seinem Flugschrauber gelangt und er hatte ihn in letzter Sekunde hinauswerfen können. Zwei andere hatten den Helden gestreift, so dass er am linken Oberarm einen roten Striemen hatte und sein Bart jetzt etwas angekokelt war.  

Sportacus hatte den Übeltäter in dem ganzen Chaos noch immer nicht finden können. Er konnte sich nicht auf die Suche konzentrieren und grübelte daher nach einem Ausweg. Da fiel sein Blick auf einen Müllcontainer, direkt hinter dem Theater. Und in dem Müllcontainer lag eine kaputte Schaufensterpuppe...Sportacus kam eine geniale Idee! Schließlich war der verrückte Pyrotechniker hinter dem Superhelden her und solange das der Fall war, konnte er sich kaum auf etwas anders konzentrieren. Der Held landete hinter dem Gebäude und zog die Puppe heraus, der zwar die Beine fehlten, aber das war egal. Sportacus steckte seinen Kristall in den Rucksack und zog der Puppe seine Weste, die Mütze, die Taucherbrille und den Schal über und schnallte sie in den Pilotensitz. Zu seinem Glück fand er, neben dem Müllcontainer auf dem Boden, zufällig den Rest eines fast aufgebrauchten schwarzen Schminkstiftes und malte der Puppe einen Spitzbart an.
So schnell wird er den Unterschied schon nicht merken und ich habe etwas Zeit gewonnen, dachte Sportacus. Er stellte den Flugschrauber auf Autopiloten und schon sauste der Schrauber los. Der Plan ging auf.

Freddie zielte wie ein Verrückter nach der Puppe und der Held konnte sich in Ruhe umsehen und nach und nach die Feuerwerkskörper unschädlich machen. Er entdeckte die Rampen und kappte die Kabel, die für die Zündvorrichtung gedacht waren. Er war aber mit seiner Arbeit noch lange nicht fertig, fand aber dafür etwas, womit er nicht gerechnet hatte: Freddie's Lieferwagen.
„Schau an! Ich verwette mein Luftschiff, wenn das nicht das Diebesgut gut!“ Sportacus blickte hinein und besah sich die restlichen Raketen. Der Held setzte sich auf den Fahrersitz und fuhr einige Meter, bis er ein geeignetes Versteck gefunden hatte. Er parkte den Wagen hinter einem Haus, das schon lange leer stand. Für den Fall, dass etwas schiefgehen und der Wagen Feuer fangen sollte, würden wenigstens keine Menschen verletzt werden. „Jetzt hat er keinen Vorrat mehr und seine Munition ist bald aufgebraucht“, sagte sich Sportacus und wartete ein wenig ab. Der Flugschrauber drehte unaufhörlich seine Kreise über Lazy Town, was Freddie ungemein ärgerte. „Will der Sportaclown mich vergackeiern?! Das macht dir wohl Spaß, was?“
Aber Freddie bemerkte, dass immer weniger Raketen in den Himmel schossen und einige schienen gar nicht zu zünden. Er vermutete, dass sie defekt waren oder das er schon die meisten verschossen hatte. Dann  musste er umgehend für Nachschub sorgen. Dafür war er aber jetzt zu ungeduldig und er wollte seinen größten Trumpf, den er eigentlich zum Schluss hatte anwenden wollen, sofort einsetzen. Er holte aus einer Ecke die größte Rakete hervor, die Meinhard gekauft hatte und befestigte sie auf der Rampe.
„Die wird ihn garantiert bis ans Ende der Welt jagen, weil ich dieses feine Teil ein wenig präpariert habe, haha! Die weiß genau, wo er sich befindest und wird immer hinter ihn herjagen, egal wohin er flüchtest! Tja, Sporti hätte die Gelegenheit nutzen und abhauen können, so muss ich jetzt kräftig nachhelfen! UUUUNNND ZÜNDUNG!“  Freddie ging sofort in Deckung und wartete gespannt ab. Inzwischen hatte Sportacus nach Pixel's Karte fast alle Startrampen unschädlich machen können. Jetzt fehlte nur noch eine – es sei denn, dem Pyrotechniker waren die Raketen ausgegangen, dann erledigte das Problem sich ganz von selbst. In dem Moment startete Freddie's Geheimwaffe und flog hoch über die Dächer von Lazy Town, um sich sein Ziel zu suchen. Sportacus machte ein äußerst besorgtes Gesicht und hoffte, dass sie einfach irgendwo explodieren würde, ohne Schaden anzurichten.

Meini beäugte ebenfalls kritisch den Himmel. „Solange dieses Ding da oben rumschwirrt, sollten wir uns besser noch nicht raustrauen! Sonst scheint alles ganz ruhig zu sein. Aber kann es sein, dass sie Sportacus verfolgt?“
„Woher soll ich das wissen, ich sehe GAR NICHTS!“, schimpfte Pixel zornig und schlug mit der Faust auf den Tisch.
„Dann sieh mal zur Abwechslung aus dem Fenster, du Computerfreak!“
„Hmm“, murrte Pixel und kam näher. Er klappte sich seine Cyberbrille über die Augen und drückte einige winzige Tasten daran, denn er konnte sie wie ein Fernglas verstellen. So sah er die beiden Objekte über Lazy Town umherzischen, aber selbst er erkannte nicht, dass nicht der echte Sportacus im Flugschrauber saß. Dafür war das Objekt zu schnell. „Ja, Sportacus hat echt ein Problem. Die Rakete verfolgt ihn tatsächlich, aber er ist schneller als sie. Übrigens sehe ich auch keine anderen Raketen, der Pyrotechniker scheint sie verballert zu haben.“
„So eine Gemeinheit! Das Geld dafür fordere ich aber von ihm zurück!“
„Nicht aufregen, Meinhard! Sie sind momentan ein einziges Nervenbündel!“
„Das ist bei der Situation auch kein Wunder, liebe Senta!“

„Seht mal!“, rief jetzt Stephanie und deutete in den Himmel. „Die Rakete ändert ihre Richtung!“ Meinhard zog seine Nichte vom Fenster weg. „Schnell, sofort alle auf den Boden!“
Zum Glück waren sie nicht in Gefahr, nur Freddie hatte seine liebe Mühe. Die Rakete war die ganze Zeit im Kreis geflogen und schien jetzt ein wenig irritiert, so das sie jetzt in die verkehrte Richtung flog und Freddie offenbar ein wenig ärgern wollte. Erst zischte sie ihm durch die Beine, bevor sie eine Wendung machte und über ihn hinwegflog. Dabei riss ihm der Feuerwerkskörper die rote Perücke vom Kopf. „Sag mal, was ist los mit dir?! Du sollst Sportacus folgen, nicht mir! Zisch ab!“
Tatsächlich fand sie kurz darauf ihre Route wieder und flog geradewegs auf den Flugschrauber zu.
Sie stießen frontal zusammen und die Rakete explodierte mit einem fürchterlichen Gekrache und ein großer bunter Funkenregen rieselte herab. Der Flugschrauber stürzte samt seinem „Piloten“ in einen großen Baum und blieb im dichten Geäst hängen. Die mächtige Baumkrone, die durch die kalte Jahreszeit kahl und nackt war, hatte jetzt ein paar starke Äste weniger, trotzdem schien sie der Belastung standzuhalten, obwohl es in ihr bedrohlich knackte und knirschte. Freddie hatte alles mitangesehen und der Schreck saß ihm so tief, dass er wie angewurzelt stehen blieb. Dieser Volltreffer war gar nicht geplant gewesen und das alles hatte ziemlich schlimm ausgesehen. „Er ist vorher gar nicht rausgesprungen, das tut er doch sonst immer“, murmelte er und konnte sich nicht entschließen, ob er weglaufen sollte oder nicht.

Die Kinder, der Bürgermeister und Senta lagen noch immer auf dem Boden. Meinhard sah auf.
„Es ist alles ganz still. Jetzt haben wir es hoffentlich überstanden. Ich glaube ich wage mich mal vorsichtig raus. Senta, sie bleiben bei den Kindern.“
„Nehmen Sie mein Handy, Meinhard! Falls sie Hilfe brauchen!“
Meintsgut steckte es dankbar ein und sah sich in der Stadt  vorsichtig um. Die Abenddämmerung senkte sich herab und sonst war wirklich gar nichts mehr zu hören oder zu sehen, es war eine gespenstische Stille. Nach einigen Metern fiel ihm eine große Gestalt auf, die regungslos in der Gegend herumstand, so dass man annehmen könnte, sie wäre aus Stein gemeißelt. Meinhard kam näher und beäugte diese Gestalt von oben bis unten und jetzt wurde ihm alles glasklar  „FREDDIE FAULIG!“
Der zuckte zusammen. „Was?! Wie?! Es war ein Versehen! Ich meine...Sie verwechseln mich, ich bin...“
„Mach mir nichts vor, ich sehe doch, dass du es bist!“ Freddie fasste sich an den Kopf. Richtig, die Kappe und die Perücke fehlten! Der Bürgermeister packte Freddie am Ärmel, holte tief Luft und rasselte herunter: „DU hast das alles getan! Erst gibst du dich für jemand anderen aus und stiehlst mein Feuerwerk, dann versetzt du uns alle in Angst und Schrecken! Was hast du dir nur gedacht, du...Moment, hörst du das? Was ist das?“ Der Motor des Flugschraubers war kurz angesprungen und wieder verstummt. Jetzt sah auch Meinhard das ganze Ausmaß und Freddie spürte so etwas wie einen Schüttelfrost in sich. „Du meine Güte, dass ist doch....was ist passiert?“ Der Flugschrauber hing immer noch im Geäst, und zwar schräg mit der Spitze nach unten, aber man konnte nicht in den Pilotensitz hineinsehen. Man sah nur die Hinterfront und das Unterteil. In einem oberen Ast hing Sportacus' blaue Zipfelmütze.
„Er wird sich doch vorher gerettet haben?! Hast du was gesehen, Freddie?“
Der schüttelte nur den Kopf. Er wagte gar nicht zu sagen, dass er schon seit einigen Minuten darauf wartete, ein Lebenszeichen zu vernehmen. Meinhard lief über die Straße und auf den Baum zu.
„Sportacus, sind Sie da drin? SPORTACUS!“

„Ich bin hier!“, tönte es aus einer anderen Richtung. „Herr Bürgermeister, passen Sie auf!“
Der Held schnappte sich Meinhard und zog ihn von der Unfallstelle weg, weil in dem Moment die  Äste brachen und der Flugschrauber krachend zur Erde stürzte. Meinhard und Sportacus sahen erschrocken auf die Stelle, wo das Fluggerät eine Bruchlandung gemacht hatte. „Mein armes altes Herz!“, schnaufte Meinhard. „Und ich dachte schon, Sie wären noch da drin und verletzt...Ach Gottchen! Ich sehe gerade, Sie sind doch nicht ganz unversehrt“, und er meinte damit die Schrammen, die Sportacus abgekriegt hatte. Aber die  waren wirklich nicht schlimm und der etwas angesengte Bart war auch nicht der Rede wert. Jetzt konnte man übrigens die Schaufensterpuppe im Pilotensitz erkennen und Sportacus nahm ihr die Weste und den Schal ab. Freddie war mit langsamen Schritten näher gekommen und sah mit vollem Entsetzen auf die Puppe.
„Du hast mich reingelegt! Ich dachte du wärst mit der Rakete in die Luft geflogen!“
„Wie du siehst, bin ich gesund und munter. Wolltest du mir denn wirklich so etwas schreckliches antun?“, fragte Sportacus und sah ihn ungläubig an. Freddie trat ein wenig unruhig auf der Stelle. „Ich hatte eigentlich etwas anderes im Sinn und dachte, das würde funktionieren....“

„Das du denkst, ist mir ziemlich neu!“, fing der Bürgermeister wieder wütend an. „Da kannst du mal sehen, was deine Einfälle für eine verheerende Wirkung haben! Unser aller Leben hast du in Gefahr gebracht!  Ich hoffe, der Schreck war dir eine Lehre. Du solltest einfach besser überlegen!“
„Und ich überlege gerade, wie ich schnell zum Luftschiff komme. Der Flugschrauber sieht arg mitgenommen aus. Ah, da fällt mir ein, ich hab ja noch deinen Lastwagen, Freddie!“
„Bitte, was hast du? Du klaust mir meinen Wagen?“
„Du sei mal jetzt ganz still“, mahnte der Bürgermeister. „So, und ich werde jetzt Senta anrufen und Entwarnung geben.  Dann komme ich mit Ihnen mit und wir fahren zum Luftschiff und werden uns um die Ladung kümmern. Es ist sehr spät geworden, ich hoffe nicht ZU spät! Und du, Freddie Faulig, kannst nach Hause gehen und über deine Schandtaten gründlich nachdenken!“

„Das werde ich wohl schlecht können! Wie soll ich nachdenken, wenn um Mitternacht ein Feuerwerk losbricht? Außerdem will ich das auch gar nicht! Im nächsten Jahr werdet ihr mich noch richtig kennen lernen!“, schimpfte er und ging verärgert davon.
„Wie auch immer, ich möchte dir trotzdem ein frohes neues Jahr wünschen“, sagte Sportacus, aber Freddie hörte gar nicht mehr hin. Sportacus hob seine Taucherbrille vom Boden auf und pflückte schnell seine Mütze vom Baum, ehe er mit Meinhard zu Freddie's Lastwagen lief und sie schnell losfuhren. Als sie wieder mit dem Luftschiff in der Stadt waren und ausluden, da begegneten sie dem echten Pyrotechniker, der bei Meinhard schon lange gewartet hatte und jetzt gehen wollte. Meinhard konnte ihn vertrösten und ihn zum Aufbau des Feuerwerks bewegen. Jetzt hatte der Techniker zwar kein Tageslicht mehr, aber das war kein großes Hindernis, weil Sportacus an seinem Luftschiff einen großen Scheinwerfer hatte, mit dem er dem Techniker leuchten konnte.  Allerdings fühlte sich der Mann während seiner Arbeit ein wenig gestört.
„Hören Sie bitte auf, mir an den Haaren zu ziehen, Herr Meintsgut! Ich BIN der Echte, oder wollen Sie noch einmal meine Firma anrufen?“
„Nichts für ungut, mein Lieber!“
Und so war die Party gerettet! Alle feierten ausgelassen bei Tanz und Musik und als es Mitternacht war, da stießen alle mit Sekt und Apfelsaft an und wünschten sich gegenseitig ein frohes neues Jahr. Das Feuerwerk, auf das alle so lange gewartet hatten, enttäuschte niemanden. Es war das prächtigste, was sie jemals gesehen hatten und obwohl sich Meini eigentlich eine Rakete ausgesucht hatte, rief er jedesmal, wenn eine in den Himmel schoss: „Das ist meine! Nein, DAS DA ist meine! Oh, wie schön, die da gehört mir!“ Die anderen lachten. „Schon gut, Meini!“ Freddie Faulig saß daheim und hatte sich an jedes Ohr ein Kissen gepresst und wartete genervt ab, bis die letzte Rakete verschossen war.... „Das neue Jahr fängt  gut an!“, knurrte er.

ENDE

Lazy Town (C) by Magnus Scheving
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