Bricks in the wall

GeschichteDrama / P16
James "Krone" Potter Lily Potter Lucius Malfoy Remus "Moony" Lupin Severus Snape Sirius "Tatze" Black
20.12.2007
12.02.2012
18
72053
1
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Dieses Kapitel
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Titel: Bricks in the wall

Art: Mehrteiler

Fandom: Harry Potter

Genre: Drama, Romance, Friendship

Protagonisten / Handlungsträger: Severus Snape, Lily Evans, Francis Avery, Evan Rosier, Lucius Malfoy

Auftretende Nebenfiguren: Die Rumtreiber; Wilkes, Jugson, Mulciber, Nott, Abraxas Malfoy, Albus Dumbledore, der dunkle Lord

Pairing: Severus/Lily

Rating: Ab 16 Jahren

Warnung: Mobbing, Gewalt, Angst, Charakterstudie

Disclaimer: Diese Fanfiction basiert auf Charakteren, Situationen und Orte, welche geistiges Eigentum von Joanne K. Rowling sind. Die Rechte befinden sich im Besitz von Joanne K. Rowling und ihren Herausgebern, einschließlich, jedoch nicht beschränkt auf, u. a. Bloomsbury Books, Scholastic Books, Raincoast Books, dem Carlsen Verlag und Warner Bros. Inc.    Ähnlichkeiten mit anderen Werken und Publikationen, ob Original oder Fanwork, sind, außer es ist ausdrücklich am Ende des jeweiligen Kapitels erwähnt, nicht beabsichtig.
Die Rechte der Zitate am Anfang der Kapitel liegen bei den jeweiligen Verfassern der dort aufgeführten Quellen.
Ich verdiene kein Geld mit der Veröffentlichung dieser Geschichte

A/N: CANON! Die Geschichte des Prinzen, kein Happy End. Außerdem ein Versuch, Schwarz und Weiß zu Grau zu weben.  Gut Ding will bei mir Weile haben -> unregelmäßige Updates. Ich arbeite an Besserung, möchte jedoch keine leeren Versprechungen machen. Es ist, wie es ist.

Danksagung: Gleich an dieser Stelle einmal ein Dank an alle Leser, die trotz allem noch dabei sind. Und Willkommen an alle Neuen, die sich hier in das erste Kapitel verirrt haben.


Bricks in the wall
~ Lucindana Sakurazukamori ~

~

Wer von frühester Jugend an gelehrt wurde, das Missfallen seiner Gruppe als das schlimmste Unglück zu fürchten, der wird eher auf dem Schlachtfeld eines Krieges fallen, von dem er nichts versteht, als die Verachtung von Narren zu ertragen.
(Bertrand Russell)


~




Eröffnung

~

We don't need your education
We don't need your control
The darks are handsome in the classroom
But the teachers left their kids alone


(sehr frei nach Pink Floyd, "another brick in the wall part II")






Prolog
In Slytherin

~

Sein Blick ist vom Vorrübergehn der Stäbe
So müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
Und hinter tausend Stäben keine Welt


(Rainer Maria Rilke)

~


In Slytherin gab es keine Fenster. Das Licht spendeten die zahlreichen Fackeln entlang der Gänge, die prasselnden Feuer der Kamine und die Kerzen in den großen und kleinen Leuchtern, die auf den Tischen, in den Ecken und auf dem Boden verteilt waren. Klares, helles Tageslicht gab es nicht. Nichts war klar und rein, scharf und greifbar; die dunkle Seite der Schatten war allgegenwärtig. Die Flammen tauchten alles in flackerndes, sich ständig wandelndes, schlängelndes Zwielicht. Konturen verwischten, Dinge und Menschen zeigten ihr immer nur zur Hälfte ihr wahres Gesicht. Licht und Schatten, Hell und Dunkel, tanzten hier einen ewigen Tanz, umkreisten sich lauernd, ohne das eine der beiden Seiten jemals gewann.

Einige der neuen Schüler litten zu Beginn ihrer Schulzeit unter Kopfschmerzen und brennenden Augen, doch sehr schnell gewöhnten sie sich an die immer währende Anwesenheit der tiefen Schatten und das nur flüchtige Zwielicht im Feuerschein der Kamine und Fackeln, gewöhnten sich an die rasche Umstellung von hell zu dunkel innerhalb weniger Sekunden. Eine Fähigkeit, die sich auch in ihren Handlungen niederschlug.

Während die Räume Gryffindors und Ravenclaws sich in die Höhe schraubten und die der Hufflepuffs in die bequeme Breite strebten, zogen sich die Kerker Slytherins in die Länge. Gewundene Gänge aus kaltem Stein, durchzogen von blankem, ursprünglichen Fels, beherrschten das Bild. Die Räume lagen tief unten in den Kerkern der Schule. Sie begannen am äußersten, tiefsten Winkel des Schlosses und erstreckten sich bis weit unter die kalte, spiegelnde Fläche des schwarzen Sees. Die Decken waren niedrig und gewölbt, größere Schüler konnten sie mühelos mit den Fingerspitzen berühren. Alles wirkte gedrungen, geduckt, lauernd, wachsam. Jederzeit schienen selbst die Räume bereit zu Angriff oder Verteidigung, Hinterhalt oder Flucht.

In Slytherin gab es keine Fenster, obwohl die Rahmen dafür durchaus vorhanden waren. Die Schlangen ersetzten die Fenster. Es war als bestünde die Welt einzig und allein aus ihrem Anblick, als gäbe es nichts zu sehen, außer ihrem satten Grün und dem glänzenden Silber. Schlangen wanden sich zu hunderten auf Wandbehängen, Teppichen, Bettlaken, Lampenschirmen und sogar Teetassen, Duschkabinen und Klobrillen. Sie ringelten und räkelten sich auf den schweren, teuren Stoffen, überall und an allen Orten. Lange Körper in mattem Grün wanden sich auf kaltem Silber, flankiert von ihren glatten, silbrig glänzenden Schwestern auf ihrem Lager aus matter Jade.

Vor der Zeremonie des Sprechenden Hutes hatte man die Wahl, danach gab es nur noch die Schlange. Denn wen der Sprechende Hut nach Slytherin schickte, der kam nicht in irgendein Haus; er kam in das Haus. In Slytherin zählte nur Slytherin, nichts sonst. Man arbeitete, lernte und lebte für Slytherin.

Der Hut hatte Severus nach Slytherin gewählt und nichts in seinem bisherigen Leben hatte ihn mehr mit Stolz erfüllt und ihn zugleich mehr geängstigt als diese Entscheidung an jenem Abend des ersten Septembers vor fünf Jahren. Seine Mutter war in Slytherin gewesen, sie war es auch, die sich gewünscht hatte, er könne in Hogwarts ihr altes Haus besuchen. Doch sein Vater war ein Muggel und das machte die Sache kompliziert. Muggelgeborene kamen nicht nach Slytherin und Halbblüter wie Severus auch nur in sehr seltenen Fällen. Wenn sie es aber tatsächlich schafften, dann hatten sie traditionell keinen guten Stand. Seine Mutter freilich hatte sich fast überschlagen vor Stolz und Freude als er es tatsächlich geschafft hatte, das grün-silberne Abzeichen tragen zu dürfen.

Wer nach Slytherin kam kannte die drei wichtigsten Regeln, ob von den Eltern oder den Geschwistern oder aus Erzählungen der restlichen Verwandtschaft. Viele Familien blickten auf Generationen in den schwarzen Umhängen zurück, deren Brust das Lieblingstier Salazars zierte. Ein paar Schüler wurden jedes Jahr von ihren Familien auch einfach ins kalte Wasser geworfen. Diese und die übrigen lernten die Regeln ziemlich schnell. Sie waren so einfach wie erbarmungslos.

Die erste und wichtigste Regel ließ sich mühelos mit einem Wort beschreiben: Loyalität. Verrate nie die Leute aus deinem Haus. Niemals und unter gar keinen Umständen. In der Öffentlichkeit, also vor den anderen Häusern oder den Lehrern stand ein Slytherin immer auf der Seite seines Hauses und den Mitgliedern seines Hauses. Dabei war es egal, ob der oder die Betreffende im Recht war, oder nicht. Egal, ob die persönliche Meinung mit dem- oder derjenigen übereinstimmte oder nicht. Tat sie es nicht, hatte der Slytherin die Pflicht so lange darüber nachzudenken bis sie es tat.

Für die zweite Regel benötigte man zwar mehr Worte, dafür war sie aber genau so einfach wie Regel Nummer eins. Was in den Kerkern passiert, bleibt in den Kerkern. Die Slytherins regelten ihre Probleme untereinander, ohne jegliche Einmischung von außerhalb. Das bezog sich auch auf den Hauslehrer. Wichtiger war vor allem, das nichts, absolut nichts von den eigentlichen Abläufen und Geschehnissen innerhalb des Hauses nach außen drang.

Genau wie sein Blut gehörte Severus von Anfang an irgendwie nur halb dazu. Er zeigte große Loyalität, aber seine Mitschüler ließen ihn regelmäßig im Stich und bei den Gryffindors ins offene Messer laufen. Die Probleme mit ihm regelte man zwar diskret, jedoch mit durchschlagender Härte und gängelnder Gewissenhaftigkeit. Trotzdem dachte er nicht im Traum daran, sich zu beschweren, denn zumindest wurde er nun geduldet.

Dann gab es noch eine Regel, die dritte nämlich, deren beißender Sarkasmus einem jeden Tag schallend ins Gesicht lachte. Eine Regel, die in nur zwei Worten Hoffnung und Verzweiflung auf grausamste Art und Weise miteinander verband. Die letzte Regel, die zwar jeder kannte, die jedoch niemals, von niemandem laut ausgesprochen wurde. Diese dritte Regel wurde natürlich auch im Bezug auf Severus eingehalten, weil es eben die dritte Regel war. Ihr Bruch brachte in jedem Fall mehr Schaden als Nutzen.

Selbstverständlich hatte Severus Snape über seine Herkunft geschwiegen, so lange es eben möglich war. Doch in einer Welt, in welcher der persönliche Erfolg größtenteils davon abhing, welche Namen man im Stammbaum trug, ging das nicht lange gut. Das erste halbe Jahr war ein einziger Albtraum gewesen. Mittlerweile war er in seinem fünften Jahr und wurde mehr oder minder geduldet. Seine Rettung trug den Namen Lucius Malfoy. Der damalige Vertrauensschüler hatte ihn unter seine Fittiche genommen, nachdem Severus einem seiner Freunde einen höchst prekären, schwarzmagischen Fluch auf den Hals gejagt hatte, den er unter keinen Umständen in Hogwarts hätte erlernt haben können.

Lucius war zudem der einzige Mensch, dem es gelungen war, Evan Rosier an die kurze Leine zu legen. Severus wusste nicht, wie er das geschafft hatte, er hatte jedoch auch nicht vor, jemals danach zu fragen. An die Spitze des Schlangenkopfes würde Severus es zweifelsohne nie schaffen, doch er konnte sich ganz gut an einem der vorderen Glieder festhalten.

Es war noch früh am Morgen und schon jetzt drang auch außerhalb des Schlosses und der Kerker kaum Licht durch den wolkenverhangenen Himmel. Im Zwielicht des nur noch schwach glimmenden Kaminfeuers suchte Severus nach seinen Utensilien für den Zaubertrankunterricht. Ratlos blickte er auf das Chaos auf seinem Bett.

So wie es aussah, hatte sich besagter Evan Rosier mal wieder an seinen Socken bedient und auf der Suche nach eben jenen fast seine komplette Garderobe, sowie den Inhalt seines Koffers und seines Nachttisches auf dem Bett verteilt. In den Bergen aus Kleidungstücken, Pergamenten, Federn und Büchern ein paar Bündel Kräuter und kleine Phiolen mit Essenzen zu finden, stellte sich als Unmöglich heraus, vor allem unter dem Zeitdruck, unter welchem Severus stand. Er hatte nicht einmal die Hälfte von den Sachen zusammen, die er heute unbedingt hätte in den Unterricht hätte mitbringen müssen, geschweige denn sein Buch dabei, als er den Gemeinschaftsraum betrat.

In diesem herrschte das übliche Gezischel und Gesumme der restlichen Schülerschaft. Die Slytherins hatte sich, streng nach Jahrgängen getrennt, zu verschiedenen Gruppen zusammengerottet. Auf den Sesseln direkt am Feuer, den besten und begehrtesten Plätzen, saßen die Siebtklässler. Der beißende, zischende, lauernde Kopf der Schlange.

In den hinteren Ecken, möglichst tief in den Schatten verborgen, hockten die Erstklässler und bildeten einen einzigen dicht zusammengedrängten Haufen. Der zitternde, nervös zuckende, bebende Schwanz der Schlange.

Die Grüppchen dazwischen gehörten zum allgemeinen Rumpf. Auch hier wand und bog sich die breite Masse, mal stand die eine Gruppe über der anderen, mal rieben sich zwei Elemente aneinander, doch im großen und Ganzen blieb es eine einzige, verschworene, reibungslos funktionierende Gemeinschaft.

Ein Teil dieser Gemeinschaft zu werden, das war es, was Eileen Prince sich für ihren einzigen Sohn gewünscht hatte. Severus hatte es geschafft. Der Hut hatte ihm seinen Wunsch erfüllt, wenige Sekunden nachdem er ihn auf seinen Kopf gesetzt hatte. Vor gut zwei Monaten hatte nun sein fünftes Jahr im Haus der Schlange begonnen. Er war ein Teil von ihr geworden, trug das silbergrüne Abzeichen mit Stolz auf der Brust, bedankte sich jeden Abend in seinem Bett, wenn er endlich seine Ruhe hatte, im Stillen dafür, dass ihm diese Ehre zuteil geworden war.

Er hasste es.

Severus erblickte den Rest seines Schlafsaals, seiner Gruppe, vor dem Ausgang. Der große Benjamin Mulciber bemerkte ihn zuerst. Er nickte leicht, worauf sich die anderen herumdrehten. Francis Avery wandte seinen Blick sofort wieder ab als er sah, um wen es sich handelte. Nur Edwin Jugson und Jonathan Wilkes lächelten und winkten ihm zu. Neben ihnen stand Evan Rosier, in der Hand hielt er Severus Buch. Für Außenstehende mochte es den Eindruck vermitteln, dass sie auf ihn gewartet hatten. Ohne zu zögern schloss Severus sich der kleinen Gruppe an und ließ sich wenig später zusammen mit den anderen zu den Kerkern in den Unterricht treiben.
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