Geschichten aus Krynn

von -RenTao-
GeschichteAbenteuer / P6
16.12.2007
16.12.2007
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Tolpan und die Elster

Der Herbst war in Solance eingezogen. Die Blätter der Bäume hatten sich goldgelb verfärbt und goldgelb war auch der Apfelkuchen, welchen Tolpan triumphierend in Flints Haus schleppte. „Schaut mal, den hab ich bei Otik gefunden! Riecht der nicht lecker?“
Er hielt seinen Fund unter die große Nase des alten Zwergen. „Nimm den weg“, knurrte Flint und wandte seinen Kopf ab, „den hast du bestimmt Otik gestohlen! Bring ihn wieder zurück oder bezahl ihn das nächste mal!“
Gekränkt schob der Kender die Unterlippe hervor. „Flint, du weißt genau, dass ich nie stehle! Wenn ihr alle immer etwas verliert und ich es finde, ist es doch nicht meine Schuld! Tanis, sag doch auch mal was.“
Der Halbelf hatte sich dezent aus dem noch kleinen Streit enthalten und musste innerlich Grinsen als Flint ihm einen strengen ‚sag-jetzt-nichts-gegen-mich-aus’-Blick zuwarf.
„Du kannst den Kuchen hierlassen. Kitara wollte gleich vorbeikommen und wenn sie Caramon mitbringt, wird ein Kuchen nicht fehl am Platz sein. Hier, Tolpan, bring das bitte Otik und grüße ihn von mir.“
Der Kender spürte etwas kaltes, schweren in seiner kalten Hand und blickte auf das, was Tanis ihm gegeben hatte. „Eine Münze?“, fragte er verwundert, „warum soll ich sie Otik geben?“
„Um den gestohlenen Kuchen zu bezahlen“, fuhr Flint ihn an, doch der Halbelf legte seinem Freund beruhigend eine Hand auf die Schulter und lächelte Tolpan schon fast väterlich an.
„Nein, schließlich hast du ihn nicht gestohlen…ich schulde ihm aber diese Münze, bring sie ihm deswegen bitte.“
Tolpan strahlte über das ganze Gesicht, nickte dann und verschwand aus dem Haus.
Flint seufzte. „Du bist ein Türknauf, Tanis! Warum bezahlst du den Kuchen? Er hat ihn gestohlen, nicht du!“ Der Halbelf erwiderte nichts auf die Frage, sondern lächelte nur vor sich hin.

Munter stieg Tolpan die vielen Stufen zu dem Gasthaus Zur letzten Bleibe hinauf. Ihm kamen viele Menschen entgegen, doch die meisten machten einen großen Bogen um ihn und hielten ihre Geldbörsen fest. Der Kender grüßte viele, doch sie schienen es alle ziemlich eilig zu haben. Verwundert zuckte er mit den Schultern. Er machte sich nichts daraus, bestimmt hatten all die Menschen wichtige Verabredungen oder ihre Suppe brannte zu Hause gerade an.
Tolpan zog die Münze aus seiner Tasche und betrachtete sie genau. Sie war viel wert, warum schuldete Tanis Otik so viel Geld? Er ließ sich doch sonst nie etwas zu schulden kommen.
Plötzlich flog etwas schwarzes auf seine Hand zu, schnappte die Münze und machte sich laut krächzend davon. „Was?! HALT!!!“, schrie der Kender und versuchte noch nach dem Tier zu haschen, doch die Elster verlachte ihn nur spöttisch und brachte ihre Beute in ein Nest, auf dem Dach des Gasthauses Zur letzten Bleibe.
Tolpan war wütend. Was viel diesem Vogel nur ein? Ihn einfach so zu bestehlen?! Er musste die Münze wiederbekommen, so viel stand fest. Tanis hatte bestimmt nicht so viel Geld flüssig, als das er Otik die Schulden zweimal zurückzahlen konnte. Und Flint? Er würde ihn bestimmt wieder beschuldigen die Münze gestohlen zu haben.
Er musste auf das Dach kommen – aber wie?
Er musste ziemlich ins Grübeln gekommen sein, denn dir Person hinter ihm bemerkte er erst, als sie ihm einen schlag versetzte, der ihn umriss. „Hoppla, tut mir Leid, Tolpan.“ Eine starke Hand griff nach seinem Kragen und hob ihn wieder auf seine Beine.
„Du solltest lernen deinen Kraft besser zu beherrschen, mein Bruder“, flüsterte eine zweite Stimme. Tolpan blickte sich um und erkannte Caramon, welcher ihn breit angrinste und hinter ihm Raistlin, die Kapuze wie immer tief ins Gesicht gezogen. „Was macht ihr beide denn hier?“, fragte der Kender und schritt etwas zur Seite, damit er nicht im Weg stand. „Wir wollten Kitara abholen und mit ihr zusammen zu Flint und Tanis gehen“, verriet Caramon bereitwillig und winkte einer jungen Frau zu, welche aus dem Gasthaus kam. Ihre schwarzen Augen blickten Tolpan nicht gerade freundlich an. „Hallo, Kit“, begrüßte der Riese seine Schwester und erdrückte sie fast in seiner Umarmung. Tolpan bewunderte Caramons Stärke immer wieder. Wäre er doch so groß und stark, dann wäre es ein leichtes auf das Dach zu klettern…ja, warum eigentlich nicht? Wenn er nicht so groß war, aber jemand kannte der es war, warum fragte er ihn nicht einfach. „Halt, Caramon, warte mal!“, rief er ihm hinterher, als sich das kleine Trüppchen schon von ihm entfernte. „Kannst du mich auf das Dach heben? Ich habe…ausversehen etwas dort hinaufgeworfen und will es holen gehen.“
Caramon blickte den Kender verdutzt an und zögerte einen Moment. „Komm endlich“, zischte Raistlin seinen Zwillingsbruder an. „Jaja, sofort“, rief Caramon zurück, hob Tolpan hoch und setzte ihn auf dem Dach ab. „Sei vorsichtig und runter musst du von alleine kommen“, flüsterte er und lief zu seinen Geschwistern zurück, welche schon fast am Boden angelangt waren.
„Vielen Dank“, rief der Kender ihm noch hinterher, bevor er weiter auf das Dach hinaufkletterte. Das Nest der Elster war leicht zu erreichen. Es trohnte direkt auf einem Dachziegel. „Na bitte, da ist die Münze“. Tolpan griff nach ihr, als ein Schnabel nach seiner Hand schnappte. Sofort zog er sie zurück.
„Was fällt dir ein, du Dieb?! Willst du mir meine Beute stehlen? Verschwinde von meinem Nest, kraaahh“, krächzte der Vogel und hüpfte aufgebracht. „Aber du hast mir doch die Münze gestohlen“, verteidigte Tolpan sich. „KRAHHH !Von wegen! Ich habe sie in deiner Hand gefunden. Und nun gehört sie mir!“
„Du hast sie aus meiner Hand genommen und somit gestohlen“, versuchte der Kender zu erklären, doch die Elster ließ nicht mit sich reden. „Nichts da! Ich habe sie gefunden! Du stiehlt doch auch immer alles, ich hab es genau gesehen! Du hast den Kuchen verschleppt, krah, und dann wirfst du mir vor zu stehlen.“
„Aber ich stehle doch nicht“, wehrte Tolpan sich und versuchte die Münze zu erhaschen, „Sturm hält mir auch immer Predigten ich soll nicht stehlen, aber der Kuchen stand alleine in der Gegend herum. Dort fand ich ihn auch…“
Der Kender verstummte. Irgendwie sagte die Elster genau das gleiche wir er jetzt.
Der Vogel blickte Tolpan an und er hatte das Gefühl, sie würde ihn angrinsen. „Merkst du etwas? Wir sind Gleichgesinnte. Zwei Finder, denen die Welt unterstellt zu stehlen, krah, lass und zusammen Dinge finden.“
Tolpan blickte die Elster fragend an. Irgendwie wurde er aus ihr nicht schlau. Was genau wollte sie von ihm? Was redete sie? Und seit wann verstand er Vögel?
Sein Kopf schmerzte von all dem Denken und ihm wurde leicht schwarz vor Augen. Die Elster verschwamm langsam und Stimmen schallten in sein Ohr, erst dumpf und dann immer lauter.
„Warum hast du ihn auf das Dach gesetzt, mein Bruder?“
„Er wollte dort hinauf, außerdem hab ich ihm gesagt, er soll vorsichtig sein.“
„Dieser Türknauf war alles andere als vorsichtig, sonst wäre er nicht wieder heruntergefallen. Man kann ihn keine Minute aus den Augen lassen.
„Flint, beruhig dich. Es ist nichts schlimmes passiert, Otik hat außerdem meine Münze erhalten.“
„Shht, ich glaube er kommt wieder zu sich.“

Tolpan riss seine Augen auf und blickte in fünf Augenpaare, welche ihn erwartungsvoll und besorgt zu gleich anstarrten.
„Gott sei Dank, er lebt!“
„Natürlich lebt er, mein Bruder, so tief ist er nun auch wieder nicht gefallen.“
„Tolpan, wie geht es dir?“
Der Kender fasste sich an den Kopf und spürte eine dicke Beule an seiner rechten Schläfe. „Huch? Wo kommt die denn her? Hab ich sie gefunden? Tanis, kann man Beulen finden?“
„Nein, aber wenn du weiter solche dummen Fragen stellt, bekommst du eine zweite von mir“, knurrte Flint und wandte sich seinen Schnitzereien zu.
Tanis belächelte die Situation mal wieder und Caramon begann zu schildern, wie er einen schrei gehört hatte und Tolpan dann auf den Boden wiederfand.
„Ich bin vom Dach gestürzt?!, fragte der Kender entrüstet,“ das stimmt doch garnicht, ich hab mit der Elster gesprochen und dann kamen so Stimmen in meinem Kopf.“
„Stimmen? Vielleicht solltest du mal mit Raist darüber sprechen, wenn du Stimmen hörst.“
„Nur weil ich ein Magier bin, heißt das noch lange nicht, dass ich mich mit Stimmen in Köpfen auskenne“, herrschte Raistlin seinen Bruder an, welcher wie ein geschlagener Welpe den Kopf einzog.
Tolpan blickte verwirrt von einem zum anderen.
„Bestimmt hast du das nur geträumt“, sprach Kitara ihm gut zu, hob ihn aus Flints Bett und begutachtete den Kender nochmal. „Sieht gut aus, ich hab schon schlimmere Wunden gesehen, da ist eine Beule nichts dagegen, hab ich euch schon erzählt wie ich am Blutmeer gegen eine Armee Söldner gekämpft hatte mit nur 50 Mann unter meinem Befehl gegen mindestens 2000? Nein? Also, das war…-„
Tolpan hörte nicht weiter zu. Sein Kenderblut hatte ihn schon wieder vor Flints Haustür gelockt und er genoss die warmen Sonnenstrahlen, welche auf seinen kleinen Körper fielen und ihn wärmten. Er ließ seine Hände in die Hosentaschen sinken und zog seine rechte Hand verblüfft wieder heraus. Er hielt einen kleinen Dolch in der Hand. Komisch, er hatte ihn schon mal irgendwo gesehen. Natürlich, das war Kitaras! Man gut das er ihn gefunden hatte, wer weiß wer den Dolch sonst in seine Finger bekommen hätte!

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Ich hoffe die Geschichte hat euch gefallen.^^

-RenTao-
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