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Mitternachtsdiamant

von Morwie
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Sebulon
12.12.2007
30.08.2009
5
16.729
 
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Kapitel drei - Unzerstoerbare Bande

2. September 2004 (nach wie vor)

„Was zum Henker...“
Sebulon setzte seinen Satz nicht fort, musterte stattdessen seine Tochter recht genau.
Eine Schramme konnte er auf ihrer Wange erkennen, ihre Kleidung schien auch etwas in Mitleidenschaft gezogen worden zu sein.
Anna sah ihn unsicher an.
Ihre Sachen hatte Nikolai getrocknet, doch deshalb konnte man kaum von der Tatsache absehen, dass diese eher in die Waschmaschine als an ihren Körper gehörten.
Genauso wie sie wohl auch ein Bad vertragen konnte.
„Wer ist das denn?“, fragte Anna Lemeschewa derweil leise.
Sie hatte den letzten Besuch der kleinen Zauberin in der Tagwache verpasst.
„Die Tochter vom Chef.“, erwiderte eine andere Hexe.
„Seine Tochter?“
Die Ältere Hexe schien allein schon bei dem Fakt verstimmt, dass dort draußen eine Frau rum lief, die Kind mit Sebulon hatte.
„Sie heißt übrigens auch Anna.“, murmelte eine Vampirin, die hinter den Hexen stand, doch das ließ die Lemeschewa einfach an sich vorbei rauschen.
Anna war ein sehr häufiger Name in Russland, da musste man sich keine Illusionen machen.
Sebulon derweil betrachtete seine Tochter ausgiebig und schüttelte dann den Kopf.
Eigentlich hatte er ja sowieso gerade Feierabend machen wollen und die Dreizehnjährige brauchte dringend ein Bad.
Und etwas zu Essen, wenn er das Grummeln aus ihrem Magen richtig deutete.

                              ~oO@Oo~

„Du weißt also nicht, was dich getroffen hat?“, hakte Sebulon noch einmal nach, erhielt jedoch nicht sofort eine Antwort, weil Anna gerade bemüht war erst einmal herunter zuschlucken, was sie im Mund hatte.
Dennoch schüttelte sie den Kopf.
„Es war, als würde mich ganzer Betonpfeiler treffen.“, sagte sie dann und spießte ein paar weitere Nudeln auf ihre Gabel.
„Ich habe den Schild des Magiers aufgestellt und ihn aufgeladen.“
Sebulon nickte zustimmend.
„Und dann ging ich auch schon auf einen Freiflug in die Moskwa. Da liegen jetzt übrigens auch mein Handy und meine Tasche. Mein Portemonnaie auch.“
„Ansonsten ist dir nichts aufgefallen?“
Anna runzelte angestrengt die Stirn.
„Mich hat ein Luftzug gestreift. Kalt wie das Zwielicht. Und ich glaube ich habe etwas Dunkelblaues gesehen.“, sagte sie schließlich langsam.
Der Magier verzog das Gesicht.
Er ahnte, was es für ein Fluch war, der seine Tochter da fast in Stücke gerissen hätte.
Sein Blick glitt unwillkürlich zu dem winzigen Amulett, dass aus Knochen geschnitzt war und dass sie immer trug.
Ihre Abschirmung schien ebenfalls funktioniert zu haben und dann war da ja noch der Schild gewesen, den sie selbst aufgestellt hatte.
Deswegen war ihr auch nichts passiert.
Doch wenn sie diesen Schutz nicht gehabt hätte, wäre das Ganze in einer Katastrophe geendet.
„Papa?“
Er sah auf und ihr in die Augen, die ihn fragend anblickten.
„War das ein Fluch, der mich umbringen sollte?“
Die Frage schwebte einen Moment wie ein übler Geruch im Raum, doch Sebulon nickte schließlich.
„Aber warum?“
Nun zeichnete sich auf dem Gesicht der jungen Lichten deutlich Verwirrung ab.
„Ich habe niemandem etwas getan, es gibt keinen Grund mich einfach anzugreifen.“
„Es gibt genügend Leute die keine Rechtfertigung für ihr Handeln suchen müssen.“, erwiderte er nur verstimmt.
Dann deutete er stumm auf ihren Teller und sie kam der unausgesprochenen Aufforderung nach und aß weiter.
Sie ahnte, dass es keinen Sinn hatte noch weitere Fragen zu stellen und so ließ sie es.

14. September 2004

Mit einem kleinen Lächeln lief Anna durch die Stadt und sah immer mal wieder zum Himmel, wo sich die dunklen Wolken verzogen.
Ob heute noch mal die Sonne rauskommen würde?
Sie hoffte es sehr, denn als sie heute in der Schule gewesen war, hatte ihr das trübe Wetter irgendwie aufs Gemüt geschlagen.
Sie starrte weiter zum Himmel hinauf, ohne auf ihren Weg zu achten und es kam wie es kommen musste.
Mit einem überraschten Ausruf ging sie zu Boden und schlug mit dem Knie auf dem harten Pflaster auf.
Sofort schossen ihr die Tränen in die Augen, die sie weg zublinzeln versuchte, doch das war beinahe vergeblich, denn ihr Knie brannte.
Unschlüssig sah sie auf ihre Hose, wo ein Loch klaffte und darunter konnte sie auch die aufgeschürfte Haut sehen.
Oh, da würde ihr Vater wieder schimpfen, weil sie erneut Löcher in die Luft gestarrt hatte, obwohl sie sich besser auf ihren Weg konzentriert hätte.
„Alles in Ordnung?“
Anna sah überrascht auf und blickte einer jungen Frau ins Gesicht, die sie besorgt musterte und ihr schließlich eine Hand reichte.
Verdutzt ergriff die Dreizehnjährige diese und ließ sich wieder auf ihre Füße ziehen.
Augenblicklich zischte sie schmerzerfüllt, denn jetzt brannte ihr Knie erst recht.
„Das ist gleich wieder vorbei.“, meinte die Frau und lächelte nun, doch Anna bemerkte auch etwas anderes.
„Sie sind eine Lichte.“, meinte sie verblüfft und musterte ihr Gegenüber nun erst genau.
„Eine Hohe.“, fügte sie noch leise an.
„Wenn hast du denn da aufgelesen, Sweta?“, fragte plötzlich jemand und die Ältere Zauberin wandte den Kopf ihrem Mann zu, der ihre Tochter an der Hand hatte.
Anton blieb irritiert stehen, als er Anna entdeckte und runzelte schließlich die Stirn.
„Was willst du denn?“, fragte er leicht verstimmt, doch wer konnte es ihm wirklich verübeln, dass er einen Hinterhalt Sebulons vermutete, wenn plötzlich dessen Tochter vor dem Lichten Magier stand?
Immerhin hatte der Chef der Tagwache schon ganz andere Leute für seine Pläne eingespannt, ohne dass die betreffenden Personen auch etwas davon geahnt hatten.
„Ich komme gerade von der Schule.“, erwiderte Anna vollkommen ruhig.
Warum war der Kerl nur so unfreundlich?
Das fragte sich Swetlana allerdings auch.
„Du kennst das Mädchen?“, meinte dennoch nur und Anton nickte.
„Das ist Sebulons Tochter.“, gab er knapp zur Auskunft.
Sweta hob nur überrascht die Augenbrauen und sah wieder zu der Dreizehnjährigen, die sich gerade ihr Knie begutachtete und dabei das Gesicht verzog.
„Nehmen wir sie mit hoch und verarzten sie erstmal.“, beschloss die junge Frau schließlich.
„Swetlana.“
Anton schien alles andere als begeistert von der Idee.
„Danke, aber es geht schon.“, meinte Anna, denn sie wollte auf keinen Fall, dass sich die beiden Lichten wegen ihr in die Haare bekamen.
Sweta wischte ihren Einwand erstmal beiseite.
„Unsinn. Ein bisschen Jod und ein Pflaster drauf und dann geht es, aber so kann man dich doch nicht durch die Stadt laufen lassen.“, bestimmte sie.
Anna sah unsicher zu Anton, der nur ergeben seufzte.
Überrascht hob sie eine Augenbraue.
Der Lichte schien seine Frau sehr zu lieben und ihr jetzt auch nicht wirklich widersprechen zu wollen.

***

„So gut wie neu.“, meinte Sweta und Anna legte den Kopf schief, als sie ihr Knie betrachtete.
Nadja tat ihr das sofort nach und die Dreizehnjährige grinste.
Irgendwie fand sie das Kind sehr süß.
„Kann ich ein Glas Wasser haben?“, fragte sie dann und Swetlana nickte.
Die Jüngere folgte ihr in die Küche und setzte sich auf einen Stuhl, als Sweta mit der Hand darauf wies.
Anton saß bereits am Küchentisch und musterte sie immer noch etwas verstimmt.
Als er den Blick seiner Frau jedoch bemerkte, riss er sich zusammen.
Es stimmte schon, was sie ihm erst vor wenigen Augenblicken allein mit den Augen zu verstehen gegeben hatte.
Das Mädchen war eine Lichte und noch dazu eine äußerst liebenswerte.
Anna sah sich derweil interessiert in der Küche um, schielte auch unwillkürlich zur der Pfanne auf dem Herd hinüber, wo Sweta gerade etwas briet.
„Hast du Hunger?“, fragte Anton, der den Blick durchaus bemerkt hatte, doch sie schüttelte schnell den Kopf.
„Nein, ich hab mich nur gefragt, was das für Fleisch ist.“, meinte sie.
„Schweinefleisch. Koteletts.“, erwiderte Sweta und gab ihr das gewünschte Wasser, wofür Anna sich höflich bedankte.
„Kennst du das nicht?“, fragte Anton schließlich und Anna wiegte den Kopf.
„Ich habe es noch nie gegessen.“, sagte sie dann und nun warfen sich die Eheleute einen kurzen Blick zu.
„Wer kocht eigentlich bei euch zu Hause?“, hakte Sweta da nach.
„Papa. Das kann er weitaus besser als ich. Und er kennt die Kaschrut auch besser. Auch wenn wir uns nicht immer daran halten. An die ethischen Prinzipen hält er sich ja auch nicht immer, obwohl ich glaube, dass es daran liegt, dass er ein Dunkler ist.“, plapperte Anna gedankenverloren und sah wieder zu dem Fleisch hinüber.
Gut riechen tat es ja, aber...
Nein, sie würde sich zumindest daran immer halten.
„Was ist die Kaschrut?“, fragte jetzt Anton verwirrt.
Anna blinzelte und wurde dann verlegen.
„Speisevorschriften.“, sagte sie.
„Speise-was-bitte?“
„Die jüdischen Speisevorschriften. Schweinefleisch ist trefe, als unrein.“, erklärte Anna jetzt geduldig.
„Du bist Jüdin?“, fragte Sweta verblüfft und setzte sich neben Anton, der nicht minder überrascht war.
„Das heißt deine Mutter war auch Jüdin nicht war?“, fragte er.
Soviel wusste er dann doch.
„Papa ist auch Jude.“, meinte Anna, so als wäre das ein Umstand, den man doch wissen müsste.
„Sebulon ist gläubig?“, fragten Sweta und Anton wie aus einem Mund und Anna sah sie etwas verschreckt an.
Was war denn mit denen los?
„Ja, wir gehören zum Liberalen Judentum.“, meinte sie jetzt etwas verschüchtert.
Warum guckten die beiden nur so komisch?
Allein der Umstand, dass die beiden zum Licht gehörten, beruhigte sie jetzt noch, sonst wäre sie schon längst getürmt.
Sweta bemerkte den verschreckten und vor allem misstrauischen Blick zuerst, aber auch, dass Anna sich zum Sprung bereithielt.
„Wir sind keine Antisemiten, Kleines. Ganz ruhig.“, meinte sie sofort, den Grund für Annas Unruhe sofort erfassend.
Auch Anton begriff, was die Dreizehnjährige so plötzlich dachte und schüttelte energisch den Kopf.
Bei dem was dieses Volk hatte durch machen müssen, war es kein Wunder, dass sie sich mit diesem Gespräch so plötzlich auf dünnem Eis bewegten.
„Du hast schon mal Menschen getroffen, die sich alles andere als nett über deine Religionszugehörigkeit geäußert haben, oder?“, fragte Anton plötzlich mitfühlend.
Anna kniff die Lippen zusammen.
„Sie haben Papa und mich beleidigt. Später hat er gesagt, dass er nur nichts gegen sie getan hat, weil er so nah vor der Synagoge kein Blut vergießen wollte.“, murmelte sie.
Swetas Gesicht zeigte so viel Mitgefühl, als hätte man sie beleidigt.

***

„Danke noch mal.“, meinte Anna und öffnete die Wohnungstür.
„Schalom, Anuschka.“
Nicht nur Sweta und Anton guckten nicht schlecht, als sie plötzlich Sebulon im Treppenhaus stehen sahen.
Anna derweil senkte etwas den Blick, doch dann sagte sie etwas.
Sebulon antwortete ihr, ebenfalls in einer dem Ehepaar Gorodezki vollkommen fremden Sprache.
„Denkst du das ist Hebräisch?“, fragte Sweta Anton sehr leise, doch der Dunkle Magier hörte sie trotzdem.
„Ja, dass ist Hebräisch.“, erwiderte er vollkommen ungerührt, bevor er die beiden Lichten musterte.
Kurz schien er zu überlegen, doch dann nickte er ihnen zu.
„Danke, dass ihr euch um meine Tochter gekümmert habt.“, sagte er, bevor er besagtes Kind in Richtung Treppen schob.
Vater und Tochter verschwanden leise diskutierend, wie es schien.
„Ich glaube, je mehr ich über die alten Magier erfahre, desto verwirrter bin ich.“, murmelte Sweta.

11. Oktober 2004

„Ins Bett.“
„Wieso?“
„Es ist um zehn.“
„Meine eine Freundin darf immer bis um elf aufbleiben.“
„Treib’s nicht zu weit, Anna, ich warne dich nur einmal.“
Murrend trabte Anna Richtung Bad um sich die Zähne zu putzen.
Wieder einmal hatte sie eine beinahe beschämende Niederlage gegen ihren Vater hingenommen.
Er war er ein Dunkler, warum war er dann so ein strenger Erzieher?
Sebulon sah seiner Tochter derweil kopfschüttelnd nach, bevor er ihren Pullover nahm und ihn in ihr Zimmer trug.
Kurz blieb er im Türrahmen stehen, dann seufzte der Dunkle Magier und beförderte die Schultasche in eine Ecke, da sie nämlich knapp hinter der Tür gelegen hatte und Anna sonst mit Sicherheit darüber fiel, sobald sie ihr Zimmer betrat.
Ein paar mal hatten sie dieses Spielchen schon durch, doch gelernt hatte sie aus den blauen Flecken offensichtlich nichts.
Sein Blick streifte ihren Schreibtisch und blieb an einem Blatt hängen, das scheinbar schon oft gelesen worden war.
Vielmehr sah es so aus, als hätte Anna es im Arm gehalten, um damit einzuschlafen.
Die Schrift war etwas krakelig und Sebulon tippte deshalb auf einen Jungen.
Der Chef der Tagwache runzelte die Stirn.
Warum bekam seine Tochter Briefe von einem Altersgenossen?
Er betrachtete kurz den Text und verzog leicht das Gesicht.
Beim Dunkel und beim Licht, dass waren ja sogar richtig gut gewählte Formulierungen.
Ein leiser Schrecksschrei drang an sein Ohr und im nächsten Moment riss ihm Anna den Brief auch schon aus der Hand.
Ihr Gesicht glühte dermaßen, dass jede Tomate vor Neid erblasst wäre.
„Name, Alter, Wohnort... Ist er ein Mensch?“, fragte Sebulon sofort, denn um diese Situation zu begreifen, musste man nun wirklich nicht lange überlegen.
Anna faltete das Papier derweil ordentlich zusammen, lächelte aber leicht.
„Nein, nein, nein und ja. Menschlicher geht es nicht.“, sagte sie schließlich.
Ihre Wangen brannten immer noch.
Warum hatte sie Viktors Brief nicht auch gleich weggepackt?
Sebulon derweil hatte leicht die Augen verengt.
Ein Menschenjunge, der sich für seine Tochter interessierte.
So, so.
Na, den würde er sich doch mal etwas genauer angucken.

17. Oktober 2004

„Schon wieder durchgedrehte Vampire?“, fragte Ilja müde und massierte sich die Schläfen.
„Kaum zu glauben. Irgendwie muss es am Wetter liegen, dass die niederen Dunklen plötzlich alle die Kontrolle verlieren.“, murmelte Garik.
„Ich sehe keine Wolke am Himmel. Dafür aber eine Menge Überstunden.“, grummelte Semjon nur.
Dann streckte er sich und gähnte.
„Ich geh mir das mal angucken, vielleicht ist das auch bloß falscher Alarm.“, meinte er.
Wie Unrecht er damit haben sollte, war ihm da noch nicht klar.
Als er allerdings kurz vor neun Uhr morgens an besagter Stelle ankam, wurde ihm bewusst, was für ein Berg Arbeit da wieder auf ihn zukam.
Zwei Dunkle waren bereits am Tatort und sahen sich drei Leichen an, die wie die Sardinen in der Büchse aufgereiht waren und irgendwie aussahen, als würden sie schlafen.
Natürlich nur, wenn man die Bisswunden an jedem Hals einfach missachtete.
Semjon zuckte leicht zusammen, als sich hinter ihm ein Portal öffnete, ebenso wie vor ihm.
Geser und Sebulon erschienen auf der Bildfläche, der Lichte Magier deutlich verstimmt, während sein ewiger Gegenspieler ganz gelassen schien.
„Könnt ihr euer Kroppzeug nicht unter Kontrolle halten?“, blaffte Boris Ignatjewitsch fast sofort, was Sebulon nur mit einem ironischen Blick beantwortete.
„Sicher doch.“, erwiderte der Dunkle dann.
„Wenn wir über alle die Kontrolle übernehmen, dann mit Sicherheit. Nur wird das der Inquisition nicht gefallen.“
Geser presste etwas, zweifellos Unschönes, zwischen den Zähnen hervor und sah dann zu Semjon.
„Sorg dafür, dass hier bald mal ein paar Leute von uns auftauchen, oder habt ihr etwa schon Feierabend gemacht?“, zischte er verstimmt.
Semjon schielte zu den Dunklen, die alle einen interessierten und auch höhnischen Blick in die Richtung der Lichten warfen.
„Wir sind alle überarbeitet wegen diesen ständigen Vorfällen.“, murmelte Semjon.
Geser seufzte und schenkte ihm ein mitfühlendes Nicken.
„Das weiß ich doch. Wir sind ja auch schon dabei heraus zu finden, was die Ursache dafür ist.“, murmelte der Chef der Nachtwache.
Semjon kratzte sich müde das unrasierte Kinn, während Geser anfing zu telefonieren.
In der Nähe klingelte noch ein weiteres Handy.
Sebulon sah verwundert auf die Nummer.
Die kannte er kein bisschen und doch spürte er, dass es etwas Dringendes war.
Geser drehte sich derweil wieder zu seinem Mitarbeiter.
„Sie sind gleich hier. Und dann könnt ihr für heute Schluss machen.“, meinte er.
Semjon wollte schon beruhigt nicken, als er plötzlich zusammenzuckte.
„Was?!“, zischte Sebulon gerade äußerst giftig, hörte dann aber weiter schweigend zu.
Doch seine Miene versteinerte zusehends.
„Scheinbar keine guten Nachrichten.“, murmelte Semjon, auch wenn ihm sein Instinkt sagte, dass auch ihm bald das Lachen vergehen würde.

***

Tolik guckte irritiert das Telefon an, als dieses plötzlich losschrillte und nahm schließlich ab.
Seine Augen wurden groß, dennoch prägte er sich rasch die Informationen ein, die durchgegeben wurden.
Kaum lag der Telefonhörer wieder auf der Gabel, als der Magier auch schon lossprintete.
„Anton!“
„Was brüllst du so?“, fragte dieser, als der andere in das kleine Büro platzte.
„Erinnerst du dich an die kleine Mangusowa, Sebulons Tochter?“, fragte dieser und Anton schnaubte.
Wie bitte schön konnte man so etwas Ungewöhnliches wie Licht und Dunkel in einem Haushalt vergessen?
Das kam so selten vor und klappte noch viel seltener.
„Sie ist schon wieder angegriffen worden. Und diesmal hat sie es bis in Krankenhaus geschafft.“, meinte Tolik.
Antons Stuhl fiel krachend zu Boden.

***

Nach seinem Gesichtsausdruck zu schließen, war Sebulon sauer, doch innerlich tobte ein Orkan los, als er ein Portal öffnete.
Schon wieder, innerhalb von wenigen Wochen, ein Angriff auf sein eigen Fleisch und Blut.
Zufall?
Es gab keine Zufälle.
Und genau das beunruhigte ihn.

***

Anton war sich zwar sicher, dass es weder Schicksal noch Zufälle gab, doch manche Begebenheiten beunruhigten ihn dann doch.
Er hatte kaum den Empfangsbereich im Krankenhaus angesteuert, als er schon einige bekannte Gesichter entdeckte.
„Welches Zimmer?“, knurrte Sebulon gerade und die Schwester, mit der er sprach, schien sich irgendwo anders hin zu wünschen.
In den Augen des Magiers lag eine Art väterlicher Zorn, der Mord und Totschlag für denjenigen versprach, der es gewagt hatte Anna anzugreifen.
„205.“, meinte sie und starrte im nächsten Moment auch schon auf eine leere Stelle.
Geser hatte einen gemächlicheren Schritt drauf, doch auch er wirkte verstimmt.
Nun, dass wunderte Anton nicht, immerhin wurde eine Lichte angegriffen.
Auch wenn er sich fragte, wie Anna niedergestreckt wurde.
Sie hatte doch einen äußerst starken Schutz, um den zu umgehen, musste man schon ziemlich nah an sie herankommen.
„Schließ die Tür, Anton.“, meinte Geser leise, als dieser das Krankenzimmer betrat.
Sebulon hatte sich bereits über die Zauberin gebeugt, die scheinbar recht friedlich schlief.
Wahrscheinlich hatten die menschlichen Ärzte keine Erklärung für ihren plötzlichen Zusammenbruch gefunden und sie deshalb einfach ins Bett gesteckt, mit der Begründung, dass das Kind übermüdet sei und Schlaf bräuchte.
Anton spähte durchs Zwielicht.
Ein einfacher Fluch, den Anna da abbekommen hatte.
Und ein tödlicher, wenn er nicht schnell beseitigt wurde.
Geser schickte einen winzigen Klumpen Kraft in Richtung der Dreizehnjährigen, während der Dunkle Magier kurze, sparsame Passes ausführte, die ihre Wirkung allerdings nicht verfehlten.
Anna schlug die Augen auf und spuckte etwas aus.
Ein Schwall dunkles Blut klatschte auf den Boden.

***

Morwie: Oi!

Chanti: Was hast du gegen das Mädchen, dass du ihr ständig etwas antust?

Morwie: Ich mag sie!

Gloomy: Wie könnte man auch was anderes denken? *sarkastisch ist*
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