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Mitternachtsdiamant

von Morwie
GeschichteAllgemein / P12
Sebulon
12.12.2007
30.08.2009
5
16.729
 
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12.12.2007 1.860
 
Mitternachts Diamant

Prolog

16. Juli 2004

Strömender Regen ergoss sich fast eimerweise auf die riesige Hauptstadt Russlands, weshalb sich auch nur diejenigen auf die Straße begaben, die es für unbedingt notwendig hielten.
„Verdammtes Wetter.“, fluchte Garik, ein Mitarbeiter der Nachtwache halblaut und blickte dann, kein Stückchen besser gelaunt, auf den Körper hinunter, der in dieser abgelegenen Seitengasse lag, in der er sich momentan befand.
„Könnte doch schlimmer sein. Stell dir mal vor, es würde hageln.“, versuchte ihn Farid aufzumuntern.
Allerdings fühlte sich keiner der Lichten heute besonders wohl in seiner Haut.
Die Luft schien zu stehen und der Regen brachte nun kaum Abkühlung nach einem heißen Tag, an dem man lieber irgendwo am Strand lag, als in einem stickigen Büro zu sitzen.
Da half keine Klimaanlage der Welt, soviel stand schon mal fest.
Garik wandte sich wieder dem toten Mädchen auf dem schmutzigen Boden zu, dass ganz eindeutig einige tiefe Wunden am Hals aufwies, was wiederum nur einen Schluss zuließ.
Ein Vampir, der wilderte.
„Wozu geben wir eigentlich Lizenzen aus, wenn sich dieses Dreckspack nicht daran hält? Und was macht die Tagwache eigentlich, um diese Blutsauger unter Kontrolle zu halten?“, fluchte der Magier halblaut.
„Nun ja, es ist kurz vor zehn und stockdunkel, also nicht mehr ihre Zeit.“, meinte Ilja und putzte seine Brille.
Eine vollkommen sinnlose Aktion natürlich, denn in weniger als zwei Minuten würde sie wieder vom schmutzigen Regenwasser komplett beschmiert sein.
„Wenn ich diesen Kerl erwische, dann reiß ich ihm die Hauer einzeln aus.“, brummte Farid leise.
Er hatte die Leiche gefunden und damit seinen Aufenthalt im Freien bei diesem ungemütlichen Wetter verlängern müssen.
In dem Moment fiepte irgendwo ein Handy und aus dem Schatten trat eine weitere Person, der das Wetter nicht im Geringsten etwas auszumachen schien.
„Das ist schon das vierte Mal in dieser Woche.“, maulte Garik derweil weiter.
„Vielleicht auch das letzte Mal.“, erwiderte Semjon und ließ das Handy verschwinden.
„Wieso?“
„Scheinbar hatte unser blutsaugender Freund seinen Appetit noch nicht gestillt und wollte sich auf ein neues Opfer stürzen. Leider hat er es diesmal schlecht gewählt.“, grinste Semjon, auch wenn er nicht vollends glücklich war.
Fragende Blicke wurden im zugeworfen.
„Hat eine kleine Zauberin angegriffen. Eine Lichte. Die hat sich so erschrocken, dass sie ihm ein paar Feuerbälle um die Ohren geworfen hat. Allerdings hat sie ihn damit in einen Aschehaufen verwandelt.“, erklärte der Lichte Magier.
„Geschieht ihm Recht.“, brummte Ilja mit leichter Genugtuung.
Was vergriff dieser Vampir sich auch an so jungen Mädchen?

                              ~oO@Oo~

Etwas verschüchtert sah sich das Mädchen in dem Büro um, das ihr irgendwie unheimlich schien.
Sie konnte nicht einmal sagen wieso, denn der Raum war groß, hell gestrichen und freundlich eingerichtet.
Aber die vielen Leute die sie anstarrten, dass war schon irgendwie nicht ganz normal.
Dabei hatte sie sich doch nur verteidigt.
Was hätte sie auch sonst tun sollen?
Immerhin war dieser Vampir direkt auf sie zugesprungen, hatte bereits seine Transformation fast vollständig abgeschlossen und wollte seine langen Zähne in ihren Hals schlagen.
Also hatte sie reagiert und ihr war einfach nichts anderes eingefallen, als ihn zu verbrennen.
Was ja auch geklappt hatte.
Glücklicherweise.
„Also, Mädchen.“, meinte ein Lichter, der direkt vor ihr saß und offenbar einige Akten durchblätterte.
„Anna.“, sagte sie sofort.
„Bitte?“
„Mein Name ist Anna. Anna Mangusowa.“, wiederholte sie nun etwas deutlicher.
„Semjon.“, stellte der Magier sich vor und sie begrüßten sich mit Handschlag.
Anna grinste leicht.
Ziemlich lockerer Typ, dass musste sie zugeben.
„Also, Anna. Du hast diesen Vampir erledigt. Reife Leistung.“
„Es war keine Absicht.“, meinte sie kleinlaut.
Semjon grinste.
„Macht dir doch auch niemand einen Vorwurf. Du hast uns eine Menge Arbeit und ein paar weitere Leichen erspart. Ich finde es nur erstaunlich, immerhin hast du doch erst den fünften...“, er stockte und musterte sie genauer „Nein, den vierten Grad inne. Wie alt bist du?“
„Am 1. Januar bin ich dreizehn geworden.“
Semjon pfiff leise durch die Zähne.
Wirklich, eine ganz beachtliche Leistung, die das Mädchen dort gebracht hatte.
Der Vampir hatte den dritten Grad inne, wenn nicht sogar höher.
„Wann wurdest du initiiert?“
„Mit neun.“
Nun musterte sie Semjon doch etwas genauer als zuvor.
„Neujahrskind und zur Jahrtausendwende initiiert... Wollte da jemand dein Kraftniveau anheben?“, fragte er schließlich und Anna zuckte nur mit den Schultern.
Sie kannte die Antwort, da war sich Semjon sicher, doch sie wollte den Mund nicht aufmachen, aus welchen Gründen auch immer.
„Du wurdest aber nicht von uns entdeckt, oder? Du bist auch nie in der Wache zu einem Praktikum, zu einer Ausbildung gewesen.“
„Mein Vater hat mich initiiert. Er bildet mich auch aus.“, erwiderte die Dreizehnjährige leise.
„Und hat uns das nicht mitgeteilt.“, brummelte der Magier in seinen nicht vorhandenen Bart.
Warum sollte er auch, dachte Anna, senkte aber lediglich leicht den Blick und betrachtete stattdessen ihre Schuhspitzen.
Eigentlich war sie sich sicher, dass ihr Vater die Nachtwache informiert hatte, nur wusste Semjon eben nichts davon.
„Gut, dass kann man ja noch bereinigen. Wegen dem Einsatz von Magie wirst du ja nicht belangt, immerhin hast du dich nur verteidigt.“
„Kann ich dann jetzt gehen? Es ist schon spät, ich müsste nach Hause.“, meinte Anna vorsichtig.
Und wie sie gehen musste.
Es wunderte sie sowieso schon, warum ihr Vater sie noch nicht angerufen hatte, um ihr die Leviten zu lesen, schließlich hatte er ihr schon recht oft eingeschärft, dass sie um diese Zeit nichts mehr auf den Straßen Moskaus zu suchen hatte.
„Ja, geh ruhig.“, nickte Semjon, zuckte in dem Moment aber zusammen und blickte zur Tür, die gerade schwungvoll geöffnet wurde.
„Nein, sie geht noch nicht. Vorher würde ich mich noch gerne mit ihr unterhalten.“
„Guten Abend, Boris Ignatjewitsch.“, erwiderte Semjon höflich.
Anna beäugte den Chef der Nachtwache etwas misstrauisch, bevor sie leicht nickte.
„Ich grüße Sie, Helllichter Geser.“, sagte sie schließlich leise.
Sie hatte ihn erst einmal getroffen, aber schon damals war sie reichlich verschüchtert gewesen.
Auf ein Zeichen hin, folgte sie ihm aber in den dritten Stock, in sein Büro wie sie vermutete.
Geser musterte das Mädchen aus den Augenwinkeln mit einiger Belustigung.
Die Verwandtschaft zu ihrem Vater war, wenn man es wusste, doch nicht verkennbar.
Besonders die grauen Augen.
Anna strich sich derweil ihre langen schwarzen Locken aus dem Gesicht, die immer noch leicht feucht waren.
Der Regen hatte sie mehr oder weniger überrascht, jedenfalls hatte sie keinen Regenschirm dabei gehabt und hatte sich dem unwillkommenen Nass halt aussetzen müssen.
Der Große Lichte Magier öffnete ihr derweil die Tür zu seinem Büro und sie folgte der stummen Aufforderung.
Allerdings hätte sie am liebsten wieder kehrt gemacht, als sie sah, wer dort vor dem Schreibtisch stand und sie verstimmt ansah.
Nun, verstimmt war der falsche Ausdruck für das, was Sebulon momentan empfand.
Er war stinksauer.
Nicht nur, dass er sich von Geser an den Kopf werfen lassen musste, dass die Tagwache die Vampire nicht unter Kontrolle halten konnte, nein, auch Anna schien heute wieder mal auf Abwegen zu wandern.
„Ich hoffe, du hattest heute Abend deinen Spaß.“, meinte er kalt und die junge Lichte Zauberin schluckte.
„Nicht wirklich.“, erwiderte sie kleinlaut.
„Schade. Für die nächsten zwei Wochen hast du nämlich Hausarrest.“
Anna sah trotzig auf.
„Das ist nicht fair.“, platzte sie heraus und biss sich im nächsten Moment schon auf die Zunge.
Doch es war zu spät.
„Und eine Woche Magieverbot.“, nickte Sebulon vollkommen ungerührt.
„Verzeihen Sie, Kollege, aber das ist tatsächlich eine etwas harte Bestrafung.“, mischte sich Geser gutmütig ein, aber doch mit dem Vorsatz, den Chef der Tagwache heute noch ein bisschen zu reizen.
Im Rahmen des Möglichen natürlich.
„Verzeihen SIE, Kollege.“, erwiderte der Dunkle Magier eiskalt, ohne auf die Provokation einzugehen.
„Aber wie ich meine Tochter erziehe, geht Sie rein gar nichts an.“
Anna seufzte leise.
Warum musste sie, eine Lichte, auch ausgerechnet die Tochter des Chefs der Tagwache Moskaus sein?
Warum musste er unbedingt allein erziehend sein, so dass es nicht mal eine Mutter gab, die noch ein Veto für sie einlegen konnte?
„Wir gehen, Anuschka.“
Die Dreizehnjährige fügte sich in ihr Schicksal, da sie nur zu deutlich spürte, was für eine üble Laune ihr Vater momentan hatte.
Sie war ja schließlich nicht lebensmüde.
„Ja, Papa.“
Geser sah den beiden zu, wie sie durch ein Portal verschwanden.
Interessant, wie groß das Kind schon war.
Andererseits hatte er Anna nur einmal wirklich gesehen, dass war kurz vor ihrer Initiierung, als Sebulon ihm, mehr oder minder freundlich, mitgeteilt hatte, dass seine Tochter eine potenzielle Andere, vom Licht bereits vorherbestimmt, sei, die Nachtwache sie aber weder ausbilden noch anwerben sollte.
Geser hatte darauf verzichtet, denn so nett dieses Mädchen auch war, sie war immer noch Sebulons Tochter, also jemand, den er gut aushorchen konnte über die Dinge, die sie in der Nachtwache hörte.
Ein viel zu großes Risiko.

                              ~oO@Oo~

„Hab ich wirklich für die nächsten zwei Wochen Hausarrest? Und eine Woche Magieverbot?“, fragte sie kleinlaut, als die Wohnungstür ins Schloss fiel.
Das Portal hatte sich kurz vor der Haustür geöffnet.
In diese Wohnung hätte man es nicht legen können, denn das Zwielicht war hier geschlossen.
Sebulon musterte seine dreizehnjährige Tochter genau, bevor ein dünnes Lächeln auf seinen Lippen erschien.
„Ja.“
Anna sah ihm sprachlos nach.
„Paps, das ist nicht fair.“
„So ist das Leben. Hart und ungerecht.“, ertönte die Antwort aus einem anderen Raum und sie ließ den Kopf hängen.
„Wie soll ich mich eine Woche, ohne Magie, allein zu Hause beschäftigen?“, fragte sie leicht entgeistert.
Immerhin waren Sommerferien.
Die zweite Woche würde sie ohne Probleme überstehen.
„Du könntest zum Beispiel dein Zimmer aufräumen. Dafür brauchst du mit Sicherheit eine Woche.“, erklärte der Dunkle Magier lachend.
Irgendwie gab diese Situation seiner Laune wieder einen gewaltigen Auftrieb.
Ein Blick in das Zimmer seiner Tochter ließ ihn jedoch leicht die Stirn runzeln.
„Ich korrigiere mich. Selbst mit Magie brauchst du zwei Wochen, um diesen Saustall wieder in Ordnung zu bringen.“
Anna seufzte und ließ die Schultern hängen, tapste aber dann in Richtung Küche.
„Wo willst du denn hin?“
„Ich hab Hunger.“, erwiderte sie mit großen und unschuldig wirkenden Augen.
Sebulon ließ sich dadurch nicht täuschen, er kannte sie zu gut.
Prüfend besah er sich jedoch ihre Kleidung.
„Deine letzte Erkältung ist schon eine Weile her, oder?“, fragte er dann und Anna schien zu überlegen.
„Etwas mehr als ein Jahr.“, gab sie dann zu.
„Und was war das diesen Winter?“
„Eine ausgewachsene Bronchitis.“, erklärte sie strahlend und ihr Vater schüttelte den Kopf.
„Abmarsch. Umziehen.“, befahl er nur.
„Oui mon général.“, murmelte sie und bekam dafür einen Klaps auf den Hinterkopf.
„Sei nicht so frech.“

                              ~oO@Oo~

Chanti: Also diese Vater Tochter Beziehung finde ich wirklich unterhaltsam.

Gloomy: Mir ist nur aufgefallen, dass Morwie mal Daten verwendet.

Morwie: Irgendwelche Beschwerden?

Gloomy: *Schulternzuck* Nein!

Chanti: *grins*
 
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