The Opiumteahouse

von Kouriel
GeschichteDrama / P18 Slash
11.12.2007
08.09.2010
10
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Teil 1 - Lune

Die Gestalt eines jungen Mannes schälte sich aus der Dunkelheit. Hinter ihm verebbten Applaus und die begeisterten Schreie seines Publikums, vorwiegend junge Mädchen.
Was auch sonst?
Mit seinem Aussehen entsprach er dem aktuellen Trend bis ins letzte Detail, denn genau dies war sein Beruf. Nein, er war keiner der Musiker, die es nötig hatten, ihre Lebensgeschichte mit Liedern aufzuarbeiten oder Botschaften in die Welt zu senden; auch wenn er vielleicht genug zu erzählen hätte.
Es ernährte ihn und verschaffte ihm ein einigermaßen luxuriöses Leben – nicht mehr und nicht weniger.

Lune dachte gar nicht daran, für die überdeutlich geforderte Zugabe nochmals die Bühne zu betreten. Sollten sie doch kreischen.
Wer mehr wollte, sollte gefälligst eine Karte zu einem weiteren Konzert kaufen.

In seiner Garderobe angelangt, ließ er sich müde gegen die Tür sinken, er wollte einfach nur noch zurück ins Hotel. Die nächsten Tage waren angefüllt mit Terminen und jeden Abend ein weiteres Konzert.

Schwerfällig griff er nach seinem Mantel und der großen Sonnenbrille, die eigentlich nur dazu da war, seine Augenringe zu verdecken.

Er konnte ohnehin nicht unerkannt die Straße betreten, zu auffällig war seine Erscheinung.
Groß und mager mit langen, grauen Haare – sehr ungewöhnlich für einen Mann von 23 Jahren – seine Augen, von einem dunklen und unergründlichen Mitternachtsblau.
Auf seiner Brust prangte ein großer, schwarzer Schmetterling. Diesen hatte er sich mit 18, kurz nach seiner Entdeckung stechen lassen.
Ziemlich kitschig, fast lächerlich, in seinen Augen. Aber solange es bei dem Fans gut ankam… und das tat es.

Nicht selten hätte Lune am liebsten laut aufgelacht, wenn er eine Zeitung aufschlug und zum wiederholten male die gleichen abgekauten Klischees, welche sich in einer endlosen Spirale aneinander reihten, hübsch um seine Person drapiert sah.
Die tragische Gestalt mit der düsteren Vergangenheit, der einsame Poet mit der zerbrechlichen Seele – von der Welt verlassen und alleine in seiner Trauer, der androgyne Verführer…. Es gab so viele abziehbildhafte Rollen, in die er immer wieder schlüpfte.
Und allein das reichte, um kleinen Mädchen, auf dem Wege zur Frau den Schlaf zu rauben. Sie fühlten sich, in ihrer so kalten und grausamen Welt allein von ihm verstanden….
Und so weiter und so weiter…
Es war so einfach, so lächerlich einfach.

Wissend, dass seine Band wahrscheinlich schon auf dem Weg zur nächsten Party war, um sich von ihren Fans umschwärmen zu lassen, ließ er sich Zeit; er würde ohnehin nicht auf ihren kleinen Feiern auftauchen.

Betont langsam streifte er sich den langen Mantel über und schob die Sonnenbrille ins Gesicht. Während er mit der einen Hand die Klinke der Tür hinunterdrückte, angelte er mit der anderen nach der angebrochenen Packung Zigaretten in seiner Tasche.
Im Neonlicht des kahlen Flurs ringelte sich ein dünner Rauchfaden hinter ihm her. Kein Bild schmückte die leeren Wände. Er hatte schon auf besseren Bühnen gesungen, dachte er abfällig.
Ohne sich noch einmal umzudrehen verließ er den grauen Gang und kühle Nachtluft schlug ihm entgegen. Sofort wurde er von zwei bulligen Leibwächtern eingekeilt und zu seinem Auto gebracht.
Der Umstand, dass ihm das Auto gehörte, bedeutete allerdings nicht automatisch, dass er es auch selbst fuhr. Zumindest für die Hin- und Rückfahrten seiner Termine, war es ihm vertraglich untersagt zu fahren; und wahrscheinlich ohnehin zu riskant.
Die Fahrt verlief schweigend, nur das Radio dudelte leise vor sich hin.

Zum Glück erreichten sie ihr Ziel bald.
Lune wurde durch die Hintertür des Hotels geschleust, um nicht allzu viel Aufregung zu Erzeugen. Wie er es hasste…
Doch zumindest entging er auf diese Weise weiterem Trubel um seine Person und fand zumindest in seiner Suite Ruhe.
Diese war viel zu groß für eine Person und durch die moderne Einrichtung aus Glas, Metall und zu viel Weiß seltsam steril.
Jedenfalls nicht dazu geeignet, sich wirklich wohl zu fühlen.

Er hatte sich alle Mühe gegeben, das größtmögliche Chaos zu hinterlassen, doch selbst dies war während des Konzertes beseitigt worden. Alles glänzte, als hätte er niemals diese Räume betreten.

Unwillig ließ sich der junge Mann auf dem Ledersofa nieder, ebenfalls weiß…
Er blickte sich gelangweilt um.
Jeder andere Mensch wäre wahrscheinlich als erstes begeistert zu der großzügigen Fensterfront geeilt, um das grandiose Panorama zu genießen, dass die nächtlich-pulsierende Stadt bot. Nicht jedoch Lune.
Er hatte dergleichen schon viel zu oft gesehen, als dass es ihn noch beeindrucken könnte.
Der Inhalt der Minibar interessierte ihn weitaus mehr.

Doch dazu kam er nicht, ein Klopfen an der Tür durchbrach die Stille. Seine Laune sank noch weiter in den Keller; falls das noch irgend möglich war.
Der Störenfried erwies sich als Hotelangestellter, welcher ihm ein eiliges Telegramm überbrachte.
Innerlich fluchte Lune, wer in aller Welt schickte ihm um diese Uhrzeit ein Telegramm?
Und auch der Inhalt dessen macht es nicht unbedingt besser. Eher im Gegenteil.

"Lune,
Auch wenn es mir schwer fällt, diesen Brief zu schreiben...
Es tut mir leid,  aber ich werde Epitaph verlassen. Für dich wird diese Neuigkeit nicht besonders schlimm sein, dessen bin ich mir durchaus bewusst. Du wirst sehr schnell einen Ersatz für mich finden....
Ich konnte mit deinen Ansichten über Musik noch nie gut Leben, aber das Geld hat mich wohl überzeugt. Doch jetzt bin ich an einem Punkt, an dem ich nicht mehr so weitermachen kann.
Ich will mehr.
Wie dem auch sei, ich habe eine neue Band in London gefunden. Sie haben mir ein großzügiges Angebot gemacht und ich werde noch heute Nacht abreisen.
Bitte richte den anderen meine Grüße aus.

Seth"

Lune lachte bitter, während er das Papier in kleine Fetzen riss. Doch sein Gesicht blieb starr.
„Als wenn das jemanden interessiert…“

Na und? Bassisten gab es wie Sand am Meer. Für den Rest der Tour würden sie sich eine Aushilfe suchen und danach gab es bestimmt schnellen Ersatz.
Jeder Musiker würde sich die Finger danach lecken, für Epitaph zu spielen. Geld und Ruhm waren zu verlockend um abzulehnen.

Er würde sich morgen darum kümmern. Der Rest der Nacht gehörte ihm und einer Flasche Wein…


Ende Kapitel 1
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Uff, das erste Kapitel wäre geschafft.
Die Story spukt schon lange in meinem Kopf und musste endlich mal raus.
Aller Anfang ist ja bereits schwer, daher hoffe ich, dass ihr trotzdem daran gefallen findet.
Reviews wären auch schön.
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