Der Seher

von Secreta
GeschichteDrama / P18 Slash
Draco Malfoy Harry Potter Hermine Granger Lord Voldemort / Tom Vorlost Riddle Ronald "Ron" Weasley Severus Snape
09.12.2007
30.09.2008
33
96880
66
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Hallo Zusammen!
Ich bin wieder da, mit einen brandneuen Story, frisch aus dem Ofen und das nur für euch und insbesondere für meine liebe Grinsekatze.
Wie ihr sicher schon bemerkt habt, hat  mein Pairing eine kleine Wendung gemacht… hahaha… Ich wollte schon immer ein TR/HP schreiben und diese Geschichte spuckte mir schon eine Weile durch den Kopf, so dass ich entschlossen habe,  mich jetzt daran zu setzten und sie endlich zu schreiben.
Also viel Spass damit. Über Kommentare würde ich mich freuen.
Liebe Grüsse
Secreta



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Disclaimer: Harry Potter und seine Welt gehören J. K. Rowling. Dies ist eine Fanstory. Sie dient nur zum Lesen und keinerlei kommerziellem Zweck. Die Rechte an dieser Geschichte und an den von mir erfundenen Charakteren liegen bei mir.

Story-Art: Drama, Romanze

Warnung: AU, Slash, OOC, Lemon/Lime

Pairing: TR/HP

Zeitpunkt: Es spielt Anfangs siebtes Schuljahr von Harry und seine Freunde. Die Prophezeiung, wie auch Band 6 und 7 werden von mir ignoriert.

Beta: Eternety (bis Kapitel 17), Luka und Mondkatze (ab 24. Kapitel)

Widmung: Für grinsekatze/smilingcat, damit sie auch einmal zurücklehnen kann und eine Geschichte von mir genießen kann.

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Im Hogwarts-Express

Harry Potter hatte seine Stirn an die Scheibe gelehnt. Es war für ihn angenehm und gleichzeitig auf eine Art beruhigend für seine Gedanken. Ein leises Seufzen verließ seine Lippen. Einerseits war er froh, wieder nach Hogwarts zurückzukehren, anderseits fürchtete er sich aber auch davor.

Er war in diesem Augenblick alleine in seinem Abteil. Seine besten Freunde Hermine Granger und Ronald Weasley waren vorne im Vertrauensschülerabteil und würden nach der Besprechung zu ihm stoßen.

Die Sommerferien waren für Harry einmal ruhig vergangen. Seine Verwandten hatten ihn in Ruhe gelassen, so wie er vermieden hatte, mit ihnen irgendwie groß in Kontakt zu kommen. Sogar sein Vetter Dudley ließ ihm in Ruhe. Sonst hatte Dudley früher immer Spaß daran gehabt, bei ihm an der Tür zu hämmern oder kleine Steine an dessen Fenster zu werfen, doch das blieb, zu Harrys Erleichterung, aus.

Was Tante Petunia betraf, sie hatte sogar sein Essen immer durch die Katzenklappe in seiner Tür geschoben, so dass er nie nach unten kommen musste. Die Portionen waren immer genug gewesen, sogar mehr, als er von ihr in den zurückliegenden Jahren gewohnt gewesen war.

Am Anfang war er über diese Geste verwirrt gewesen, aber als ihm bewusst wurde, dass er bald 17 Jahre alt werden würde, fiel es ihm wie Schuppen vor dem Augen.

Es wurde ihm klar, wieso man ihn nicht mehr belästigt und zu Haushaltsarbeiten verdonnert hatte: Sie hatten Angst vor ihm und besonders vor dem Tag, an dem er 17 werden würde, denn dann war auch er endlich volljährig und konnte somit zaubern ohne Einschränkungen, dies hatte Harry aber nicht wirklich ausgenutzt. Das Einzige, was er gemacht hatte, war, seine Sachen zu packen und zu verschwinden.

Den Rest seiner Ferien hatte er, wie schon im dritten Schuljahr, im Tropfenden Kessel verbracht. Vom Orden war darüber niemand begeistert gewesen, aber Harry ließ sich nicht umstimmen. Er brauchte diese Zeit. Er akzeptierte in diesen Zeitraum nur, dass Remus ihm fast jeden Tag kurz besuchte, um nach dem Rechten zu sehen.

Er hatte diese Ruhe gebraucht, hatte über einiges nachdenken müssen. Auch über etwas ganz besonderes, das ihn seit dem Zwischenfall im Ministerium nicht mehr losließ. Vor über einem Jahr hatten sein Körper und sein Geist begonnen, sich weiterzuentwickeln. Eine Fähigkeit hatte sich in Harry ausgebildet, die ihm immer mehr Probleme schaffte und auch große Angst einjagte.

Zuerst dachte er, es würde nur passieren, wenn er jemanden anfassen würde, aber so war es nicht. Harry musste schnell feststellen, dass es nichts brachte, wenn er sich dagegen wehrte, denn egal, was er tat. Es kam und ging einfach.

Er war froh darüber, dass es nicht mehr passierte, wenn er einfach nur jemanden berührte, doch wenn es passierte, fühlte er sich hinterher immer leer und kraftlos.

Es hatte erstmal nur mit Träumen angefangen, doch mit der Zeit wurde es immer schlimmer. Aus den Träumen wurden Visionen, die sich sogar nach einigen Tagen bestätigten.

Er sah alles Mögliche, von Todesserangriffen bis hin zu Ereignisse in der Muggel- oder Zauberwelt, egal, ob im positiven oder negativen Sinne.

Mehrmals war Harry nahe daran gewesen, sein Schuldirektor anzuschreiben, aber hatte diese Idee gleich wieder verworfen, weil er sicher war, dass man ihm nicht glauben würde. Nicht, wenn man bedachte, wie die Beziehung zwischen ihm und Severus Snape – dem momentane Schulleiter von Hogwarts - war.

In solchen Augenblicke hatte sich Harry Albus Dumbledore zurückgewünscht. Dumbledore hätte bestimmt eine gute Lösung oder einen Ratschlag gewusst, aber ihn konnte Harry nicht mehr fragen. Erneut entfuhr ihm einen Seufzer, als er sich daran erinnerte, wie der ehemaliger Direktor von Hogwarts gestorben war.

Auch wenn man ihm ausgeredet hatte, dass es seine Schuld gewesen war, machte sich Harry dennoch immer noch Vorwürfe darüber. Es war im Großen und Ganzen einfach ein Desaster gewesen. Nicht nur, dass damals Sirius gestorben war, nein, als Harry von Voldemort kurzweilig übernommen wurde, war irgendwie alles außer Kontrolle geraten. Albus Dumbledore hatte ihn befreit, aber starb kurz darauf an Herzversagen, weil ihm die Kraft und Energie ausgegangen war.

Abermals verließ seine Lippen ein Seufzer und Harry schloss gequält seine Augen. Sein Kopf schmerzte. Er wusste nicht, ob es daran lag, dass seine Fähigkeit gerade in einem weiteren Entwicklungsstadium befand oder, ob es einfach nur an dem ganzen Stress lag.

Eins war sicher: An Voldemort konnte es nicht mehr liegen.

Seitdem sich seine Fähigkeit entwickelt hatte, hatte er keine Verbindung mit ihm mehr gespürt, noch Visionen von ihm direkt erhalten.

Das ganze letzte Jahr über hatte er immer wieder in der Bibliothek nach Antworten gesucht, doch leider keine gefunden.

Professor Trelawney wäre sicher begeistert gewesen, denn Harry besaß die Gabe des ‚Sehens’. Immer wieder sah er Zukunft und Vergangenheit und es wurde immer schlimmer.

Am Anfang war es für ihn schwierig, es wirklich wahr zu nehmen, weil es oftmals undeutlich und verrissen gewesen war.

Es änderte sich allerdings langsam und die Bilder und Geräusche wurden mit der Zeit immer klarer und schärfer, besonders seit dem Frühling.

Deswegen hatte Harry sich nur ungern berühren lassen. Er suchte auch freiwillig keinen körperlichen Kontakt mehr, weil er Angst hatte, etwas zu sehen, was er nicht sehen durfte oder wollte. Schließlich wollte er ja nicht in die Privatsphäre der Anderen eindringen.

Das Öffnen der Abteiltür riss Harry wieder zurück ins hier und jetzt. Er hoffte nur, dass Hermine nicht auf die Idee kam ihm gleich um den Hals zu fallen, wenn sie ihm sah. Er wollte es nicht zulassen, solange er sein Seher-Fähigkeiten nicht unter Kontrolle hatte.

„Sieh einmal an, wen wir hier haben: Potter und das ganz alleine“, ertönte eine nur zu gut bekannte, spöttische Stimme.

Der Gryffindor schloss kurz die Augen und atmete einmal tief durch.

‚Auch das noch!’, ging es ihm verärgert durch den Kopf. „Verschwinde, Malfoy!“, sagte Harry leicht angesäuert. Als er seine Augen öffnete, sah er nicht zu Draco Malfoy, sondern sein Blick blieb starr aus dem Fenster gerichtet.

„Wieso? Hier ist doch genug Platz und dich wird es bestimmt nicht stören, wenn ich dir ein paar Minuten Gesellschaft leiste, oder nicht?“, sprach Draco hämisch.

Nebenbei musterte er Harry. Dieser sah in seine Augen krank aus und auch, wenn Draco sein Gesicht nicht direkt sehen konnte, fiel ihm dennoch auf, wie blass und müde er doch wirkte.

Seit einigen Monaten fragte sich Draco Malfoy, was mit dem Schwarzhaarigen los war. Er hatte die langsame Veränderung von Harry Potter wahrgenommen. Draco war ja schließlich nicht dumm, aber anscheinend Harrys Freunde. Er fragte sich, wieso sie eigentlich nicht um ihren besten Freund kümmerten, anstatt so zu tun, als wäre es nichts.

Der Blonde konnte ja nicht ahnen, das Hermine und Ron die ganze Zeit versucht hatten herauszufinden, was mit Harry los war. Sie hatten nach mehrmaligem Versuchen aufgegeben, nachdem Harry sich geweigert hatte über dieses Thema mit ihnen oder gar jemand anderen zu reden.

Langsam und völlig entnervt drehte Harry seinen Kopf. Seine Augen blitzten wütend. Er setzte sich seine Brille auf, die Harry, seit der Zug aus King Cross herausgefahren war, abgenommen hatte.

„Ich sagte, verschwinde! Ich möchte dich nicht sehen!“, spie Harry und stand auf.

Draco staunte nicht schlecht, als sich Harry bedrohlich vor ihm aufbaute. Auch wenn Harry durch den Sommer einige Zentimeter gewachsen war, war Draco doch ein Stückchen größer als er.

„Was ist los, Potter. Angst, wenn deine Freunde einmal nicht da sind?“, fragte Draco süffisant. „Einmal komme ich alleine hierher und schon flippst du aus. Dabei wollte ich dir wirklich nur einmal Gesellschaft leisten, bis deine Freunde kommen. Die Frage ist nur, wann die kommen. Die hab ich vorher wieder einmal streiten gehört“, fügte Draco zuletzt beiläufig hinzu.

Eigentlich sagte Draco die Wahrheit, was die Gesellschaft betraf. Er war eigentlich eher neugierig von Harry zu erfahren, was mit diesem los war. Aber anscheinend hatte er sich zu einfach vorgestellt.

„Angst? Das ich nicht lache!“ Harry schüttelte den Kopf und blieb ein paar Zentimeter vor dem Blonden stehen. „Wer hier Angst haben müsste, wäre eher du. Ich meinerseits habe nichts mehr zu befürchten, gar nichts. Ich hab in letzten Monaten so viele Sachen gesehen….“, das Wort ‚gesehen’ sagte er mit so einem Wut, dass man glauben konnte, Harry würde gleich explodieren. „…das du dein Arsch gepackt hättest und wie ein Feigling zu deine Mami gerannt wärst!!!“, fauchte Harry zuletzt.

Jetzt lag es an Draco den Anderen wütend anzufunkeln. „Niemand wagt es, mich ein Feigling zu nennen, besonders du nicht, Potty!“ Draco schritt sogleich auf ihm zu und packte den Kleineren am Kragen.

Bevor Harry irgendetwas tun oder sagen konnte, verlor er die restlichen Farben aus seinem Gesicht und starrte durch Draco hindurch…

*** Vergangenheit-Flashback Anfang ***

„Stella! Mutter und Vater haben gesagt, dass wir nicht in Wasser dürfen, wenn niemand von den Erwachsenen hier ist!“, ertönte die kindliche Stimme des fünfjährige Draco Malfoy.

„Ach Drache, mach dir doch keine Sorgen. Es wird schon nichts geschehen. Ich bin doch schon elf Jahre alt und werde in ein paar Wochen ja nach Hogwarts gehen“, sagte das blonde Mädchen grinsend.

„Bitte, Stella! Ich hab kein gutes Gefühl dabei!“, sprach der Knabe ein wenig ängstlich.

„Sei jetzt nicht so und benimm dich gefälligst wie ein Malfoy“, erwiderte sie und stieg ins Wasser, nur mit Badekleid angezogen. Sie hatte es schon unter ihren Kleidern angehabt.

Draco stattdessen blieb die ganze Zeit am Rand des kleinen Sees stehen, der zum Malfoy Anwesen gehörte. Er beobachtete seine große Schwester die ganze Zeit. Vielleicht war sein ungutes Gefühl doch umsonst. Draco konnte mitverfolgen, wie sie immer wieder unter Wasser abtauchte und einige Meter später wieder hochkam.

„Komm schon, Draco! Das Wasser ist herrlich!“, rief sie einmal zu ihm rüber und tauchte wieder runter.

Der kleine Junge war kurz in Versuchung, aber konnte sich doch dagegen innerlich wehren. Nur zu deutlich konnte er die warnenden Worte in seine Gedanken hören.

Die Minuten zogen immer mehr dahin. Aus Einer wurden Zwei und dann Drei. Wo war sie nur? Wieso tauchte sie nicht wieder auf? Machte sie sich über ihn lustig und wollte ihn erschrecken? Panik erfüllte Draco.

„Stella! STELLA!!! Komm wieder hoch! Das ist nicht lustig!“, rief Draco über den See laut.

Aber Stella tauchte nicht auf, auch nicht in den nächsten zwei Minuten. Ohne weitere Zeit zu verlieren, rannte Draco daraufhin sofort zum Haus…

*** Vergangenheit-Flashback Ende ***

Harry torkelte zurück, als die Erinnerung von ihm abließ und schaffte noch rechtzeitig, sich abzustützen, um nicht auf dem Boden zu landen. Mit weit aufgerissenen Augen sah er Draco an, der sein Blick nur mit einem großen Fragezeichen erwiderte.

„Potter, was ist mit dir?“, fragte Draco neutral.

Er hatte dessen Änderung bemerkt und auch den Schwächeanfall. Vor einigen Augenblicken wäre Draco noch auf Harry losgegangen, aber als dieser in seiner Bewegung innen gehalten hatte und drohte zu kippen, hatte Draco ihn nur instinktiv festgehalten und dessen Gesichtsausdruck beobachtet.

Es war für Draco ein unangenehmes Bild gewesen. Der Gryffindor war wie weggetreten. Seine Atmung hatte sich beschleunigt und seine Augen hatten glasig gewirkt, so, als ob er unter Fieberwahn leiden würde.

„Stella? Stella war deine Schwester, nicht wahr?“, stammelte Harry und schüttelte mit dem Kopf, um die Bilder von seinen Kopf zu verbannen. „Sie ist tot...Ertrunken im See…“ Harry verstummte daraufhin. Er musste seine Gedanken wieder ordnen. Seine Augen waren dennoch erschrocken auf Draco gerichtet.

Dieser sah ihm zuerst verblüfft und dann erschrocken an. „Wieso...Wieso weißt du davon!?!“, rief er aus. Es war nicht so bekannt gewesen, dass die Malfoys eine Weile zwei Kinder gehabt hatten. Es war fast ein wohl gehütetes Geheimnis gewesen, um sie vor dem schlechten Einfluss zu schützen, bevor sie nach Hogwarts kommen würde. Nur sehr wenigen hatten davon gewusst, aber keine Außenseiter und noch weniger Personen, die in der Muggelwelt aufgewachsen waren.

Stella Malfoy war damals wirklich in See ertrunken. Ihr Fuß hatte sich in einer der Seepflanzen verfangen. Daraufhin konnte das Mädchen sich selber nicht mehr befreien und war jämmerlich ertrunken. Er hatte ihr nicht helfen können. Seine Eltern hatten Draco nie dafür verantwortlich gemacht, trotzdem hatte Draco lange daran knabbern müssen und hatte oftmals deswegen Alpträume gehabt.

„Lass mich allein, bitte. Lass mich einfach allein“, bat Harry flehend und kauerte sich in der Sitzbank zusammen. Er fühlte sich unendlich müde und wollte nur für einen Augenblick die Augen schließen.

Draco merkte, dass es keinen Sinn hatte weiter nachzubohren. Er wollte versuchen, den Gryffindor später wieder in Beschlag zu nehmen. Er verließ das Abteil ohne ein weiteres Wort und schloss sogar die Tür hinter sich. Draco wollte später unbedingt mit jemand darüber sprechen. Dafür musste er aber warten, bis er in Hogwarts ankam.

Erst als Draco das Abteil verlassen hatte, wagte Harry seine Augen zu schließen. Einen Augenblick später verfiel er sogleich in einen traumlosen Schlaf.

Der Held der Zauberwelt bemerkte nicht, wie seine beiden besten Freunde eine halbe Stunde später im Abteil auftauchten und sich zu ihm setzten. Sie versuchten zuerst, ihn zu wecken, doch alle Weckversuche blieben ergebnislos, denn Harry schlief tief und fest.

Besorgt musterten sie ihn und beschlossen, Harry bis kurz vor Hogwarts schlafen zu lassen und danach erneut zu versuchen, ihn zu wecken. Sie wussten, dass etwas mit ihm nicht stimmte, aber sie wussten nicht, an was es lag.

Zu Anfang hatten sie gedacht, dass sein merkwürdiges Verhalten an Sirius und Dumbledores Tod lag. Mit der Zeit änderte sich ihre Meinung aber und sie waren sich sicher, dass da noch etwas Anderes war. Allerdings hatten sie bis heute noch nicht herausfinden können, was es war, denn wenn sie versucht hatten, mit Harry darüber zu reden, blockte Harry ab. Entweder tat er so, als hätte er die Frage nicht gehört oder wollte einfach darüber nicht reden.

„Wir sollten ihm jetzt wirklich langsam wecken, Mine“, sagte Ron.

„Du hast recht…. Harry!“, sprach Hermine daraufhin ihren schlafenden Freund an. Sie beugte sich zu ihm hinunter und schüttelte ihn sanft an der Schulter. „Harry, aufwachen! Wir sind bald in Hogwarts.“

Harry wurde langsam wieder wach und blinzelte erstmal. Er spürte Hermines Hand auf seiner Schulter und wollte gerade instinktiv abschütteln, als sie es schon von selber zurückzog, nachdem sie erleichtert feststellen konnte, dass Harry endlich erwacht war.

„Was ist?“, murmelte Harry und merkte, dass seine Brille fehlte.

„Hier“, sagte sie und gab Harry seine Brille zurück. Sie hatte sie ihm vor einige Stunden abgenommen, als Harry nicht aufgewacht war. Harry nahm seine Brille entgegen und bedankte sich.

„Hey, Kumpel. Alles in Ordnung?“, fragte Ron sogleich und sah Harry besorgt an.

„Du siehst nicht gut aus, Harry. Was ist los? Können wir dir irgendwie helfen?“, wollte Hermine ebenso besorgt wissen.

„Nein, schon gut. Ich hab nur in letzter Zeit schlecht geschlafen, das ist alles“, sagte er diesmal mit festerer Stimme und setzte sich auf seinem Sitz aufrecht. Er streckte sich kurz, weil die Polsterung auf der er geschlafen hatte, nicht gerade bequem gewesen war.

Seine Freunde nickten langsam, aber dennoch waren sie über Harrys Antwort nicht zufrieden. Trotzdem konnten sie ihren Freund nicht dazu zwingen, ihnen zu erzählen was wirklich los war.

„Und erzählt mal, wie waren eure Ferien so?“, fragte Harry und tat so, als wäre alles in bester Ordnung.

Ron brummte, weil Harry so plötzlich das Thema gewechselt hatte.

Kurz darauf machte er sich dennoch daran, über die Ferien zu berichten. Er hatte die ganzen zwei Monate mit Ginny in Rumänien verbracht. Hermine hatte mit ihren Eltern ein paar Wochen Urlaub in Asien verbracht, um die Kultur kennen zu lernen und zuletzt um zwei Wochen Strandurlaub zu machen.

Als sie merkten, dass es draußen langsam dunkel wurde, nahm Harry seinen Schulumhang aus seinem Koffer, so, wie auch Ron. Sie sahen überrascht zu Hermine, die ihre Schulumhang schon zuvor angezogen hatte, aber erst jetzt das Schulsprecherabzeichen an ihren Umhang anheftete.

„Du hast mir davon gar nichts erzählt!“, rief Ron erstaunt aus und sah Hermine mit großen Augen an.

„Bin ich etwa Percy, der es schon vor der Schule ausposaunen musste?“

Hermine rümpfte kurz die Nase und sprach daraufhin gleich weiter. „Ich hab mich darüber, ehrlich gesagt, sehr gewundert. Aber wie es aussieht, hat Professor Snape mich und Blaise Zabini tatsächlich zum Schulsprecher für dieses Jahr ernannt.“

„Wow“, murmelte Harry anerkennend. Er hätte nie erwartet, dass der Schulleiter ein Gryffindor zum Schulsprecher ernennen würde.

Damals war es für alle – außer den Slytherin - ein riesiger Schock gewesen, als bekannt wurde, dass Severus Snape Schulleiter von Hogwarts werden würde.

Minerva McGonagall hatte es dankend abgelehnt, diesen Posten zu übernehmen. Sie war mit den Aufgaben zufrieden, die sie zurzeit inne hatte und wollte keine zusätzlichen übernehmen, da sie nach Albus Tod nun auch den Orden des Phönix leitete.

Soviel Harry wusste, war Severus Snape immer noch für den Orden des Phönixs als Spion tätig. Dennoch wusste der junge Mann nicht, wem dieser wirklich Loyal gegenüber war: die helle Seite oder doch die Dunkle? Auf Hogwarts schien dieser Mann auf jeden Fall eine neutrale Rolle einzunehmen, seit er Schulleiter war. Damit konnte Harry sich anfreunden, trotzdem wusste er nicht, ob man ihm wirklich trauen konnte. Im sechsten Jahr hatte Harry mit diesem viel weniger als sonst zu tun.

„Jetzt macht schon ihr Zwei! Sonst seid ihr immer noch nicht angezogen, wenn wir im Bahnhof von Hogsmeade einfahren.“, wies Hermine die Beiden lächelnd an.

Weder Harry noch Ron ließen sich das zweimal sagen.