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Eine wundersame Begegnung

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama / P6 / Gen
07.12.2007
07.12.2007
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1.420
 
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Eine wundersame Begegnung
       
"Wenn Du traurig bist und sterben willst, dann denke an die, die traurig sind, weil sie sterben müssen!"

Ich sitze hier im meinem Zimmer und denke über mein Leben nach.
Ein Leben das ich so nie wollte.
Schlimm genug das sich meine Eltern scheiden ließen.
Nein, ich dachte auch über meine vor 2 Jahren verstorbene Schwester nach, die bei einem Autounfall ums Leben gekommen war.
Wir waren die besten Freundinnen gewesen. Hatten alles zusammen gemacht, zusammen gelacht, zusammen geweint. Doch jetzt ging es nicht mehr.
Wieso nur? Warum?
Wieso sie? Wieso nicht ich?
Seitdem war ich nicht mehr ich selbst gewesen. Ich wurde nur noch „Die Stille“ genannt. Und meine Freunde, zumindest dachte ich das sie das wären, hatten sich von mir abgewandt, weil sie mit meinem „neuen“ Ich nicht klarkamen. Aber hat mich einer mal getröstet? Nein, selbst meine Eltern nicht. Sie hatten dauernd Streit und gaben sich gegenseitig die Schuld am Tod ihrer Tochter.
Ich dachte nicht, dass ich jemals wieder fröhlich werden könnte. Lachen könnte.
Doch dann kam er und ich wusste, jetzt würde alles besser werden.
Er tröstete mich, er stand mir bei und holte mich aus meinem tiefen Loch.
Mein neuer Freund Tobias. Er war in meiner Parallelklasse und eigentlich sehr beliebt.
Deswegen wunderte ich mich auch warum er mit mir zusammen war.
Was wollte er mit mir? Ich war nicht besonders hübsch, nicht mehr fröhlich, nicht sehr lebenslustig. Eher ein stilles, unscheinbares Mädchen, dass die ganze Zeit in einer anderen Welt war.
Wir waren 2 Wochen zusammen.
Doch dann…trennte er sich von mir.
Er sagte, es wäre nur eine Wette gewesen, er wäre doch niemals freiwillig mit mir zusammen gewesen.
Ab da war ich nur noch in ein tieferes Loch gefallen und niemand holte mich heraus. Niemand wollte mich herausholen.
Also lebte ich nur noch vor mich hin. Wie ein Körper ohne Seele.
Meine Eltern hatten mir den Rest gegeben und das meine Noten immer schlechter wurden, war dabei noch mein kleinstes Problem. Ich wollte nicht mehr hier sein. Ich wollte weg.
Nichts mehr denken, nichts mehr fühlen.
Denn es gab hier nichts mehr das mich abhielt….weiterzuleben.
Ich würde meine Schwester wieder sehen.
Ich würde frei sein und keine Probleme mehr haben.
Meine Eltern würden das schon verkraften, so wie sie schon den Tod meiner Schwester verkraftet hatten. Mit Streiten.

Nun stand ich hier auf einer Brücke. Keine Menschenseele war hier.
Ich kletterte auf den Holzbalken und hielt mich an einem Pfosten fest.
Unter mir war eine steile Klippe.
Ich hatte Höhenangst.
Aber es war mir egal.
Alles war mir egal.


,,Ich an deiner Stelle würde das nicht tun“, sagte eine raue Stimme hinter mir.
Ich drehte mich um und sah einen Mann von circa 45 Jahren stehen. Ich hatte ihn vorhin gar nicht bemerkt.
,,Wer sind sie?“, fragte ich mit einem Zittern in der Stimme.
,,Ist das von Bedeutung? Du bist immerhin gerade dabei hier etwas sehr schlimmes zu tun."
Es verwirrte mich. Wer war dieser Mann? Was wollte er von mir?
,,Wenn sie mein Leben kennen würden, würden sie das nicht sagen“.
,,Oh, ich leugne nicht, das ich Ahnung von deiner Situation habe, aber denkst du wirklich, dass du wegen deiner momentanen Lebenslage gleich den Löffel abgeben musst? Weißt du es gibt Menschen die sterben müssen, obwohl sie es nicht wollen. Manche Menschen haben tolle Leben, aber sie müssen es und du hast die Wahl. Du bist gesund. Freue dich, dass du die Wahl hast diesen Weg zu gehen. Manche Menschen wünschen sich nichts mehr.“
Ich runzelte verärgert die Stirn. Was wollte er mir damit sagen?
,,Viele Menschen waren sicher schon mal ganz unten. Aber sieh mal, wenn du schon ganz unten bist, kann es doch nur noch nach oben gehen. Gib dein Leben nicht auf. Ein Menschenleben ist zu viel Wert um es einfach aufzugeben.“
,,Sie, sie reden hier von Gerechtigkeit! Sie wissen doch gar nichts! Ist es etwa fair das meine Schwester sterben musste und mich hier ganz allein zurück gelassen hat?“, sagte, schrie ich schon beinahe.
,,Aber das tust du doch gerade. Deine Schwester musste sterben, du nicht. Sie wollte weiterleben, du nicht.
In der Welt da draußen herrscht zu viel Egoismus.
Die Menschen haben den Glauben an sich selbst verloren.
Sie sind nun mal höchmütig geworden und denken, dass alles richtig ist was sie denken und sagen.“
Ich stieg von dem Geländer runter. Was wollte der Kerl von mir? Konnte er mich nicht einfach in Ruhe lassen? Und mich mein Vorhaben endlich zu Ende bringen lassen?!
,,Wieso sagen sie mir das? Sie kennen mich doch überhaupt nicht. Wer sind sie überhaupt?“fragte ich vollkommen verwirrt.
,,Jemand der ihnen helfen will.“
,,Achso, na dann“, entgegnete ich trocken.
,,Kennst du den Spruch: Wenn du glaubst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her?“, fragte er. Er hatte etwas Seltsames an sich. Er sprach mit einer sehr ruhigen, melodischen Stimme.
Man hatte in seiner Gegenwart irgendwie das Gefühl von Vertrauen. Eine seltsame Aura eben.
,,Ja, aber ich glaube nicht dran.“
,,Und wieso nicht?“, fragte er neugierig.
,,Ich, weil, ich hab einfach keine Lust länger zu warten. 2 verdammte Jahre hab ich gewartet und meiner Meinung nach ist das genug!“
,,Oh, manche Menschen warten Jahrzehnte, aber dann passiert etwas besonderes und sie wissen, dass es sich gelohnt hat, zu warten“, sagte er.
,,Aber wer, verdammt noch mal, gibt mir die Garantie dafür?“, fragte ich verzweifelt.
,,Niemand. Aber sieh mal, denkst du deine Schwester hätte gewollt, dass du wegen ihr dein Leben aufgibst? Du könntest vielleicht ein Leben retten, wenn du weiterlebst.“
,,Ich mache das nicht nur wegen ihr. Ich habe einfach keinen Grund weiterzuleben, verstehen sie?“, versuchte ich es ihm verständlich zu machen.
Ich hatte keine Ahnung, warum ich diesem fremden Mann mein Herz ausschüttete. Ich wusste einfach, dass es richtig war. Mein Instinkt hatte eigentlich immer Recht behalten.
,,Es gibt immer einen Grund, sei es wegen deiner Eltern! Denkst du wirklich, sie würden damit leben können eine weitere Tochter verloren zu haben?“
,,Bei meiner Schwester kam es mir nicht vor als wäre bei ihnen eine Welt zusammen gebrochen. Es gab ihnen eher einen neuen Grund zum streiten.“
,,Ich denke nicht, dass das so ist. Selbst wenn es nur einem Menschen wichtig ist, dass man weiterlebt, ist es Wert das für diesen einen Menschen zu tun“, sagte der Mann ernst.
Langsam zweifelte ich an meiner Entscheidung. War es richtig mich so egoistisch zu verhalten? Meine Eltern und der Welt gegenüber nur weil ich es gerade nicht so gut hatte im Leben.
,,Ich glaube, ich weiß auf was sie hinauswollen. Man sollte einfach froh sein zu leben, egal wie“, meinte ich gedankenverloren und fragte ihn verwundert, warum er mir überhaupt half.
,,Vielleicht weil ich solche Situationen nachvollziehen kann. Aber ich glaube du brauchst meine Hilfe nicht, du hast nur einen kleinen Anstupser gebraucht. Denn du bist ein starker Mensch mit geprägten Ereignissen.“
Ich lehnte mich ans Geländer und ließ meinen Blick über die Landschaft streifen und bemerkte seit langer Zeit wieder die Schönheit der Natur und atmete tief die frische Luft ein.
Dabei fasste einen Entschluss: Nein, ich wollte das hier nicht aufgeben.
Ich drehte mich um, um mich bei dem Mann zu bedanken, doch er war weg.
Ich stutze und runzelte die Stirn. Wer war dieser Mann gewesen? Würde ich ihn jemals wieder sehen? Mit gemischten Gefühlen ging ich nach Hause.

Ich hatte niemals jemandem etwas von diesem Treffen erzählt. Einerseits weil mich die anderen wohl für verrückt halten würden, andererseits, weil es die anderen nichts anging.
Wer dieser Mann war erfuhr ich schon am nächsten Morgen und zwar aus der Zeitung.
Bei den Todesanzeigen.
Er gab einen Bericht über einen Mann der 3 Kinder und eine Frau hinterließ und an Leukämie gestorben war.
Neben der Anzeige war ein Bild von diesem Mann.
Er war der Mann, mit dem ich gestern so ein besonderes Gespräch geführt hatte, komischerweise überraschte mich dies nicht einmal.
Jetzt wusste ich warum er mir geholfen hatte. Kleine Tränen glitzerten in meinen Augen und ich musste unwillkürlich lächeln. Er hatte jemanden das Leben gerettet.
Mir.


Und immer wenn es mir nicht so gut geht, denke ich an diesen Tag, den schlimmsten und sogleich lehrreichsten Tag in meinem Leben und denke an die Worte dieses Mannes, ohne den ich wohl schon vor Jahren gestorben wäre. Manchmal spielt das Leben verrückt um uns zu zeigen was richtig ist.
Und ich bin froh, dass ich das Glück hatte, das zu Bemerken.
Von einem wundersamen Menschen bei einer Wundersamen Begegnung….
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