Sacrifice - Opfere die Zukunft, um die Vergangenheit neu zu gestalten

GeschichteAllgemein / P18 Slash
Harry Potter Remus "Moony" Lupin Severus Snape Sirius "Tatze" Black
06.12.2007
04.01.2008
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„Happy Birthday“, murmelte Harry zu sich selbst, während er das dritte Glas Feuerwhiskey herunterkippte. Er brannte schon lange nicht mehr in seiner Kehle, es hinterließ nur ein leicht warmes Gefühl.

Der Blick des Einundzwanzigjährigen glitt zu der noch fast vollen Flasche. Selbst wenn sie leer sein würde, würde sein Verstand noch viel, viel zu klar arbeiten, das wusste er. Aber so weit durfte er dieses Mal nicht gehen, er würde nach der halben Flasche bereits aufhören und dann mit dem beginnen, was er vorhatte.

Er sah sich in der kleinen Wohnung um, die er bezogen hatte, seit der Krieg um war. Sie waren tot, sie waren alle tot. Jeder, der ihm etwas bedeutet hatte, war gefallen, vor oder in der großen Schlacht. Dann hatte er selbst Dumbledore töten müssen, um selbst am Leben zu bleiben, weil dieser beschlossen hatte, dass Harry angeblich zu psychisch labil für seine mächtige Magie war und sie ihm hatte entreißen wollen.

Der Alte hatte endlich, nach knapp zwanzig Jahren, sein wahres Gesicht gezeigt, doch der hatte sich verrechnet – so einfach war das!

Man hatte ihm alles genommen. Die Chance, normal groß zu werden bei Menschen, die ihn lieben konnten, eine Kindheit, alles. Nur wegen einer verdammten Narbe auf seiner Stirn. Wegen dem Ding hatte er viel zu viel durchgemacht.

Er rieb sich über seine Stirn. Erst vor einem halben Jahr hatte er sie sich selbst, in besoffenem Zustand, nach über vier Flaschen Feuerwhiskey, selbst von der Stirn geschnitten – nun hatte er gleich ein noch größeres Narbengewebe.

Er stand auf, stolperte dabei fast über einige seiner Klamotten, die er achtlos im gesamten Schlafzimmer verteilt hatte. Ja, er lebte in einer wirklich kleinen und schäbigen Wohnung mitten in Muggellondon, nur um der Presse zu entkommen, die tagtäglich neue Berichte über ihn und sein verkorkstes Leben zum Besten gab. Er war eben noch immer für eine Schlagzeile gut, selbst fast zwei Jahre nach der Schlacht.

Gerade heute hatten sie sicher mal wieder eine Biographie und Bilder von ihm gedruckt. An seinem Geburtstag.

Sein Blick glitt über die wenigen, eingerahmten Fotos an der Wand und jedes Gesicht hatte eine schreckliche Geschichte. Sirius, der erst wegen ihm nach Azkaban und dann sogar sterben musste, weil er nicht in Dumbledores Pläne gepasst hatte. Sein geliebter Pate. Neben dem Bild lehnte immer noch sein alter Feuerblitz, obwohl er schon seit drei Jahren keinen Besen mehr bestiegen hatte. Weder zum Vergnügen, noch um Quiddich zu spielen. Nur noch, um zu entkommen.

Daneben das Bild von Remus Lupin, der sein Bestes getan hatte, um Sirius’ Stellung bei ihm einzunehmen und ihm zu helfen. Doch er hatte seinen Freund nur um ein halbes Jahr überlebt, bevor er sich, angeblich über den Verlust seines Gefährten, umgebracht hatte. Doch das war nicht wahr gewesen. Selbst wenn Remus sich hätte umbringen wollen, hätte er gewartet, bis Harry volljährig war und er hätte sich sicher nicht erhängt. Auch hier hatte Dumbledore seine Gichtfinger im Spiel gehabt.

Alles, um ihn unter absoluter Kontrolle zu halten und ihn zu den Dursleys zurückzuschicken, die ihn in dem Sommer fast totgeprügelt hätten. Dumbledores einziger Kommentar war gewesen, ob er erwarte, dass Voldemort ihn besser behandeln würde. Er wäre bei dieser Familie, um sich selbst abzuhärten...

Doch das waren nicht die Einzigen. Neben den beiden hing Hermines Bild – die Einzige, die von Tag eins an tatsächlich nur Harry und einen Freund in ihm gesehen hatte – und einen nervigen Jungen, den man eben manchmal maßregeln musste. Sie hatte nicht wie Ron den Ruhm und das Rampenlicht gesucht oder ihn hängen einfach lassen. Sie war bei ihm geblieben, bis zum bitteren Ende.

Sie hatte mit ihm zusammen einen Teil von Dumbles Machenschaften aufgedeckt. Doch passenderweise für den Alten war sie kurz danach und nur drei Monate vor der entscheidenden Schlacht einfach verschwunden. Ihr verstümmelter Körper war einige Wochen nach der Schlacht wiedergefunden worden, in den Kerkern von Hogwarts selbst. Sie war die ganze Zeit sozusagen unter seinen Füßen gewesen und er hatte sie weder finden, noch ihr helfen können.

Daneben ein Bild von Neville.

Der sanfte, gute Neville. Er hatte bis zur großen Schlacht gelebt, nur um sich dann zu opfern, um Harry die einzige Gelegenheit zu bieten, Voldemort umzubringen. Er war noch in Harrys Armen gestorben - durch einen grausamen Fluch – und er hatte dabei gelächelt, weil er gewusst hatte, dass es nicht umsonst gewesen war und  dass er nun seine kleine Familie wiedersehen konnte. Er war Luna gefolgt, mit der er bis dato bereits drei Jahre zusammen gewesen war. Sie hatten ein Kind gehabt, einen kleinen Jungen, den der dunkle Lord vor Lunas und seinen Augen umgebracht hatte. Luna war kurz darauf gestorben. Ein halbes Jahr vor der Schlacht.

Auf der gegenüberliebenden Seite war ein weiteres Bild von fünf Rotschöpfen. Fred und George, die immer einen munteren Spruch auf den Lippen und einen Scherzartikel in der Tasche gehabt hatten. George war bei der letzten Schlacht gefallen, getroffen von einem Todesfluch, bestimmt für seinen Zwilling. Fred hatte sich kurz danach selbst vergiftet. Die Zwillinge waren immer ein Herz und eine Seele gewesen, einer allein schien nicht überlebensfähig.

Bill und Charlie.

Bill und Fleur hatten gekämpft, wie die Besessenen. Am Ende hatte Bill sogar spioniert, was ihn das Leben gekostet hatte, wenige Tage vor Voldemorts Tod, das es noch schlimmer machte und Charlie war verkrüppelt. Er hatte ein Bein und einen Arm unwiderruflich verloren und seinen Verstand gleich mit dazu. Er lag auf der geschlossenen Abteilung in St. Mungos, vielleicht ganz in der Nähe von dem Zimmer der Longbottoms.

Darunter Ginny.

Hermines beste Freundin.

Auch sie hatte sich rückhaltlos  hinter Harry gestellt und das nicht, weil sie verliebt gewesen war, sondern, weil sie es für richtig empfunden hatte. Sie war eines der ersten Opfer gewesen und schon kurz nach Sirius gestorben. Aus der Winkelgasse weg entführt und grausam zu Tode gefoltert.

Von der gesamten Familie lebten nur noch die beiden, die es am Wenigsten verdient hatten – Percy und Ron. Und beide saßen in Azkaban. Der einzige Hoffnungsschimmer war Fleurs und Bills kleine Tochter, die in einer magischen Familie in Amerika aufwuchs. Harry hätte sich so gern um sie gekümmert, doch er wusste, er war ungeeignet, also hatte er eine gute Familie für die Kleine ausgewählt, wo sie sicher gut behandelt werden würde.

Draco Malfoy und seine Familie.

Sie waren letztendlich, am Ende des sechsten Jahres, doch noch Freunde geworden. Sehr gute Freunde. Damals hatte Harry eingesehen, dass es ein Fehler gewesen war, nicht nach Slytherin zu gehen und die Hand des Blonden abzuschlagen. Ja, Lucius hatte das dunkle Mal besessen, doch hatte er genauso nur spioniert, wie Severus selbst. Freunde, die alles miteinander getan hatten.

Dumbledore hatte Lucius umgebracht, mitten auf dem Schlachtfeld. Wahrscheinlich, um einen lästigen Mitwisser loszuwerden. Narcissa hatte schon sterben müssen, weil Draco es nicht geschafft hatte, Dumbledore umzubringen.

Das hatte den Blonden dazu gebracht, zu spionieren, wie sein Vater es bereits tat – doch er war entdeckt worden. Severus hatte bis zu seinem Ende Albträume darüber gehabt, was die Todesser seinem Patenkind angetan hatten, bevor es endlich ein Ende gehabt hatte. Harry hatte den in Einzelteile zerlegten Körper Stück für Stück in Paketen zugesandt bekommen. Das Schlimmste war der Kopf gewesen, mit dem schmerzverzerrten Ausdruck darauf...

Und zu guter Letzt – Severus Snape.

Der Tränkemeister von Hogwarts. Spion und Mitglied im Orden des Phönix. Der Einzige, auf den er sich immer hatte verlassen können, ohne zu verstehen warum, und der Andere ihn doch so sehr zu hassen schien – von wegen! Dumbledore hatte ihn gezwungen, so zu handeln, um zu verhindern, dass Harry Jemanden hatte, der ihn tatsächlich richtig unterstützen würde! Er hatte alles verloren, als man vor zwei Jahren Severus’ Leiche gefunden hatte. Wer ihn umgebracht hatte, wusste der Grünäugige bis heute nicht. Ob Dumbledore oder Voldemort. Severus war gestorben, einen Tag, nachdem Harry endlich, endlich die Wahrheit erfahren hatte.

Er wischte sich eine Träne aus dem Auge. Hier verbrachte er nun seine Tage. Allein mit Dobby, der nicht viel tun konnte, außer seinen Alkohol wieder aufzufüllen. Er aß schon seit Wochen kaum mehr etwas, gerade das Nötigste, um zu funktionieren. Er saß nun hier, in dem versifften Zimmer, dass er Dobby nicht sauber machen ließ, umgeben von den Gesichtern der Toten.

Hier war sein Entschluss gereift.

Hier würde er tun, was Severus nicht gewollt hatte, hier würde er etwas machen, das vielleicht alles ändern konnte. Wenn nicht, war er eben tot und das schien ihm nicht mal so schlecht. Es war eher die verlockende Aussicht all die, die er liebte, wiederzusehen.
Langsam und etwas schwankend trat er zu einem Regal und holte ein scheinbar unauffälliges, ledergebundenes Buch hervor. Mit einer nachlässigen Bewegung ließ er seine Kleidung verschwinden, die er trug. Dann griff er nach der schwarzen Kreide und begann, ein kompliziertes Muster auf den Teppich zu zeichnen.

Dieses Ritual war uralt und kaum noch bekannt, der einzige Grund, warum es noch nicht verboten war. Weil erstens ohnehin außer ihm kaum jemand Parsel verstand und es sprechen konnte und weil schlicht kaum jemand davon wusste. Hermine war darauf gestoßen und Harry hatte es damals schon anwenden wollen, um Sirius zu retten. Doch Severus hatte es ihm ausgeredet. Es sei zu gefährlich, er würde sterben und vielleicht noch nicht einmal schaffen, was er sich vorgenommen habe.

Damals hatte das noch etwas bedeutet. Nun war es unwichtig geworden.

Ein letztes Mal überprüfte Harry den Kreis, er war fehlerlos. Dann kippte er sein letztes Glas Whiskey in sich hinein. Bedenken hatte er absolut keine mehr, sowenig wie jemanden, der ihn dieses Mal aufhalten konnte. Er versah seinen Stab - nicht den von Ollivander, das bescheuerte Ding, sondern den, den er vor einigen Jahren in einer Nebenkammer zur Kammer des Schreckens gefunden hatte - mit einigen Zaubern. Er musste sicher sein, dass der Stab ihn begleitete, sollte sein Vorhaben Erfolg zeigen. Der Stab war nicht registriert, was das Wichtigste war. Seine stablose Magie war zwar auch alles andere als schwach, doch er fühlte sich mit dem Stab, der ihm schon so oft das Leben gerettet hatte, einfach sicherer.

„Jetzt hole ich mir mein Leben zurück“, flüsterte er dunkel zu sich selbst, bevor er sich in den Kreis kniete und sich mit zwei raschen Schnitten mit Sirius’ altem Messer die Pulsadern aufschnitt. Sein Blut floss auf die uralten Runen, brachte sie zum Leuchten. Und er begann in Parsel zu sprechen: „Götter des Schicksals, Weber des Geschehens! Hört mich an! Ich opfere euch mein Blut und mein Leben! Schickt mich zurück durch Raum und Zeit, zurück zu dem Punkt, den ihr für richtig haltet, lasst mich korrigieren, was geschah!“

Er machte eine kurze Pause, sein Blut begann nun, bläulich zu leuchten. „Lasst mich ändern, was unabänderlich scheint! Lasst mich korrigieren, was falsch gemacht wurde, lass mich verhindern, was geschah!“

Danach spürte er nichts mehr. Er merkte nicht, wie sein Körper zusammensackte und die Welt um ihn herum sich zu drehen begann...




Okay, sein Kopf schmerzte höllisch. Das war das Erste, was Harry wieder bewusst wahrnahm. Allerdings schien es dem Rest seines Körpers nur geringfügig besser zu ergehen. Aber er lebte noch – oder wieder, so genau konnte er es nicht beschwören. Er wollte neben sich greifen.

Sein Zauberstab!!!

Hastig richtete er sich auf, was er gleich wieder bereute, denn eine Welle von Schmerz und  Übelkeit hätte ihn fast überrollt. Wo zum...? Eine Schnur baumelte vor seinen Augen, er zog daran – und schluckte. Verdammt.

Er sah alles verschwommen, was ihm klar machte, dass er keine Kontaktlinsen mehr trug. Es passte zu der Umgebung. Die Matratze, aus der schon zwei Sprungfedern hervorgetreten waren, die alte, dünne Decke und der Stuhl, über dem ordentlich eine Hose und ein Pullover hingen.

Er schluckte schwer, bevor er alles abtastete. Er fand seinen Stab schließlich in einer Ritze zwischen Wand und Matratze. Seine Brille lag, wie immer, auf dem kleinen Kistchen neben seinem ‚Bett’.

Er setzte sie auf und atmete ein Mal tief durch. Er war zurück. In seinem schlimmsten Albtraum, auch genannt, Kindheit. Seine Hände waren im Grunde winzig und ihm tat immer noch alles weh. Wie alt war er wohl gerade? Vielleicht sechs oder sieben, beschloss er für sich, als er den Pullover erkannte. Und er wusste auch, warum er hier drin lag.

Er hatte eine Bratpfanne fallen lassen, weil sie zu schwer geworden war. Eine Scheibe Speck war dabei auf den Küchenboden gefallen, wenn er sich recht daran erinnerte. Sein Onkel hatte eine halbe Ewigkeit auf ihn eingeprügelt und seinen Kopf gegen die Tischkante geschlagen. Danach war er wie ein Sack Kartoffeln in den Schrank geworfen worden – für Tage. Seinem knurrenden Magen nach zu schließen lag er hier auch schon länger.

Er ließ sich zurück auf die Matratze sacken und überlegte, was er tun sollte. Er musste Pettigrew fangen und ausliefern, irgendwie, Irgendwem. Remus am Besten. Der würde alles in die Wege leiten, das wusste Harry. Sonst würde er hier nicht raus kommen und das wollte er nicht! Außerdem versauerte Siri schon lange genug in Azkaban. Dieses Mal nicht!

Dieses Mal würde niemand ihm die Kindheit nehmen! Oder Freundschaft! Das schwor er sich, während er seinen Geist ausstreckte und das Haus nach Zaubern abtastete. Er fand einige. Einen, der ihn beobachtete, einen, der das Haus generell sicherte und einen, der dafür sorgte, dass kein Fremder mit dem dunklen Mal ungesehen auch nur bis zur Haustür kommen würde. Er merkte aber auch, was fehlte – die Blutmagischen Sicherungen.

Er knurrte leise. So viel dazu. Der Alte ließ ihn hier eigentlich nur in der Hoffnung versauern, dass jemand ihn umbrachte, bevor er nach Hogwarts kam, da Voldemort ja angeblich ohnehin schon tot war und Dumbles keine Lust hatte, seinen Ruhm mit einem Kind zu teilen, gleich, ob es diesen Ruhm nun wollte, oder nicht.

Langsam, ganz langsam, um keinen Alarm auszulösen, begann Harry mit stabloser Magie erst mal, die Zauber umzuändern, so dass niemand ihn mehr direkt beobachten konnte.

Wenn Dumbles sich mal wieder an seinem Werk aufgeilen wollte, würde er sehen, was er wollte. Ihn am schrubben, kochen oder zusammengerollt mit Schmerzen auf der Matratze. Und er wusste, er würde einige Male dort noch zum Liegen kommen. Er konnte nicht viel Magie einsetzen, ohne dass es auffiel, mit Stab oder ohne und in dieser Form und in dem Alter fiel es ihm schwer, ohne Stab zu arbeiten. Es kostete verdammt viel Konzentration.

Erschöpft ließ Harry sich zurücksinken, zumindest für einen kurzen Augenblick. Dann hatte er sich wieder gefangen. Mit einem weiteren Zauber entsperrte er die Tür des Schrankes. Sein erster Weg führte in die Küche, wo er sich ein Brot schmierte, alles wieder wegpackte, dann verließ er das Haus. Er wusste, genug Magie dazu würde er wohl nur gerade jetzt aufbringen können.

Vor der Haustür disapparierte er sich direkt zum Fuchsbau. Durch die Fenster beobachtete er die Familie eine Weile. Es war wohl gerade Mitternacht, außer Miss Weasley ohnehin niemand wach. Lautlos schlich er los, die Tür war, wie immer nicht abgeschlossen oder irgendwie geschützt.

Ron lag in seinem Zimmer, es war, wie er sich daran erinnerte. Und es dauerte auch nicht lange, bis er Krätze, das widerliche Ding, fand. Ein lautloses ‚Stupify’ später hatte er das Ding am Schwanz und disapparierte sich auch schon wieder davon, seine Zeit und seine Energie wurden langsam ohnehin knapp.

Hastig lief er los, kaum, dass er vor Remus’ kleiner Bruchbude stand, die der bewohnte, weil er als Werwolf keinen Job bekam, Banntrank hin oder her. Er nutzte seinen Zauberstab, um seine Schrift zu verfremden und ließ eine kurze Nachricht da, die er unter den magischen Käfig heftete. „Bitte, holt mich schnell“, flüsterte Harry leise mit Tränen in den Augen, bevor er sich wieder davonstahl. Er hatte nach Remus sehen wollen, doch er wusste, wenn er zu diesem ging, würde ihn nichts mehr zu den Dursleys bringen.




Müde goss Remus seinen Morgenkaffee ein. Normalerweise war er ja der Morgenmensch, doch an diesem Tag bekam er seine Augen kaum auf. Er hatte bis spät in der Nacht gearbeitet, er bekam nur schlechte Jobs mit unmöglichen Zeiten und nicht wenige davon führten ihn in die  Nocturngasse. Das winzige Erbe seiner Eltern war schon lange aufgebraucht und es war sogar fraglich, wie lange er das kleine Häuschen noch würde halten können.

Aber nichts war so schlimm, wie der leere Fleck neben ihm im Bett. Er schlief nur zu oft im Wohnzimmer auf dem Sofa. Selbst jetzt noch, nach etwa fünf Jahren, drehte er sich manchmal nachts um, in der festen Überzeugung, Sirius dort zu finden - doch der war nicht da.

Er glaubte nicht, was man seinem Gefährten vorwarf. Nicht ein einziges Wort davon. Nie, niemals wäre ausgerechnet Sirius dazu in der Lage gewesen, Lily und James zu töten, oder gar einen Zauberstab gegen Harry zu richten, in den er immer vernarrt gewesen war, wie in sein eigenes Kind, das sie nie würden haben dürfen, weil er ein Werwolf war. Sirius mochte ein Hitzkopf sein, aber eines war er mit Sicherheit nicht: ein gewissenloser Mörder.

Aber wer hörte denn schon auf ihn? Er war nur ein lausiger Werwolf, von der Gemeinschaft der Magier geächtet und unerwünscht. Er bekam ja noch nicht mal einen ordentlichen Job, er war auf Botengänge und andere Dinge angewiesen...

Langsam nippte er an seinem Kaffee. Es tat so weh, diese Einsamkeit. Er hatte seinem Rudel den Rücken gekehrt, weil er Greyback verachtete, doch nun fragte er sich, ob dessen Gesellschaft nicht besser als gar keine gewesen war.

Wie es wohl Harry inzwischen ging? Er hatte nie erfahren, wo man ihn untergebracht hatte, Dumbledore hatte ihm gesagt, dass er es zur Sicherheit des Kindes nicht erfahren würde. Zwar war der dunkle Lord tot, doch seine Handlanger liefen immer noch herum und versuchten, des Jungen habhaft zu werden, um Rache an ihm zu nehmen.

Nach einem weiteren Schluck trottete er schließlich zur Tür, um die Morgenzeitung zu holen. Ja, er ließ sich die Zeitungen der Muggelwelt kommen, dort hatte er bessere Chancen einen Job zu finden, als in der magischen Welt. Und sie war interessant. Doch da war keine Zeitung, stattdessen stand da ein Karton mit Löchern, auf dem ein Brief lag. Und eine Warnung, den Karton nicht zu öffnen, bevor der Brief nicht gelesen war, leuchtete ihm entgegen.

Verwirrt brachte er beides in die Küche und stellte den Karton ab, bevor er das Wachs betrachtete. Darin war kein Siegel auszumachen. Vorsichtig brach er das Wachs, öffnete den Brief und holte eine Seite heraus. Menschenpapier, stellte er überrascht fest. Doch was er nun als, ließ ihn alles andere vergessen.

Sirius ist unschuldig. In dem Karton befindet sich Peter Pettigrew in seiner Animagusform. Bei Überprüfung wird sich herausstellen, dass das Einzige, was ihm fehlt, ein Finger ist, den er sich selbst abgeschnitten hat, um Sirius zu verdächtigen. Er hat die Potters verraten und die Muggel getötet.
Dumbledore weiß es! Geh nicht zu ihm! Nimm den Karton und bring ihn direkt zu Madame Bones und Kingsley Shacklebolt, lass Pettigrew unter Veritasserum befragen! Befreie Sirius!  Er hat lang genug gelitten! Er war nie der Geheimnisverwahrer, das war Peter.
Der Karton ist verzaubert, öffne ihn erst im Ministerium, dann kann die Ratte nicht entkommen. Viel Glück

Das war alles, kein Absender, kein Grund für das seltsame Verhalten. Aber da stand es, Schwarz auf Weiß!! Sirius war unschuldig. Remus packte den Karton und roch daran. Ja, kein Zweifel möglich – der angeblich tote Peter Pettigrew! Ein angeblicher Freund! Pah! So viel dazu!

Doch was ihm am meisten zu schaffen machte, war die Erwähnung von Dumbledore. Was? Warum sollte der Mann so etwas tun? Andererseits – warum hatte der Mann Sirius keinen Prozess ermöglicht? Auch, wenn er es nicht wollte, so schlichen sich doch Zweifel an dem Mann in sein Herz, dem er so lange vertraut hatte. Er würde tun, was der anonyme Absender ihm geraten hatte.

So schnell, wie selten zuvor, zog er sich an. Mit verächtlichem Schnauben packte er den Karton in seine Manteltasche, den Brief ließ er hier, dann griff er etwas Flohpulver: „Kingsley Shacklebolts Büro!“

Grüne Flammen leuchteten auf und er erreichte sein Ziel: Die Abteilung der Auroren. Er landete vor einem recht erstaunten Mann, der gerade mit einer Frau etwas besprochen zu haben schien. Nun – es sollte unmöglich sein, einfach so in diese Büros zu flohen, doch offensichtlich hatte man seit Sirius’ Zeiten als Auror keine neuen Sicherheitsmaßnahmen getroffen.

„Sir?“; fragte Kingsley ruhig, seinen Zauberstab gezogen und auf den Fremden gerichtet, der ihm vage bekannt vorkam.

„Der Fall Sirius Orion Black“, setzte Remus sofort an, ohne Begrüßung oder Erklärung. „Sirius ist unschuldig und hier ist der Beweis!“ Er setzte den Karton auf den Schreibtisch: „Darin befindet sich Peter Pedigrew, der angeblich von Black getötet worden ist, in seiner Animagusform und er ist lebendig! Er war der Geheimnisverwahrer der Potters, nur er kann sie verraten haben!“

Kingsley war sichtlich überfahren durch den Redeschwall des Mannes, doch sein Gehirn arbeitete schnell. Wie auch nicht? Der Fall war spektakulär. Er hatte in die Vernichtung des schrecklichsten Zauberers in England geführt! „Lupin?“, fragte er schließlich. „Remus Lupin?“

„Eben der. Und nun befragen Sie die verdammte Ratte! Ich hoffe, Sie haben Veritasserum hier!“

„Ich denke, dass es sich hier um einen Irrtum...!“

„Dann wird es doch wohl kein Problem sein, es zu überprüfen!!“

Seufzend fragte Kingsley sich, wie der Andere hier herein gekommen war. Er wusste, er würde ihn nicht ohne einen Aufruhr aus dem Gebäude bekommen. Es wäre leichter, einfach zu tun, was der von ihm verlangte. Auch, wenn er wenig Zweifel am Ausgang dieser Situation hatte. Black war absolut schuldig. Allerdings war der Werwolf der Gefährte des Verurteilten. Es war nur zu verständlich, warum Lupin sich dessen Unschuld wünschte.

Er griff nach dem Karton, seufzte noch einmal und förderte tatsächlich eine ziemlich hässliche Ratte zutage. Mit einem kurzen Blick auf Lupin sprach er den Zauber, der Animagi zurück in ihre Körper zwang: „Bitte, wie ich es dachte, nur eine gewöhnliche Ratte, kein M...“, weiter kam er nicht, bevor ihm die Augen übergingen. Die Ratte verwandelte sich tatsächlich!!

„Bei Merlin!“, brachte Madame Bones irgendwie zustanden. „Peter Pettigrew!“

Noch bevor der Mann flüchten konnte, wurde er von einem knurrenden Werwolf am Kragen gepackt und in einen der Stühle gezwungen. Zwei Zauber später war er an den Stuhl gefesselt und konnte sich nicht zurück in eine Ratte verwandeln.

In Remus’ Augen glomm dunkle Zufriedenheit, während er selbst dem Mann, der immer wieder seine Unschuld beteuerte, einige Tropfen Serum in den Mund zwang: „Wir werden sehen“, biss er eisig. Dann blickte er zu Shacklebolt und Bones, die sich vor den Mann stellten.

„Wie heißen Sie?“

„Peter Pettigrew“, kam die monotone Antwort.

„Sind Sie Anhänger des dunklen Lords?“

„Ja.“

„Haben Sie das Mal?“

„Ja.“

„Er hat es aber nicht am Arm!“, erinnerte Remus die beiden. „Da hätten wir es doch gesehen!“

„Wo befindet sich das dunkle Mal?“, fragte Amelia ruhig.

„Auf der Innenseite des rechten Oberschenkels.“

Sekundenlang herrschte betretenes Schweigen, bevor Kingsley fortfuhr. „Wer war der Geheimnisverwahrer der Potters?“

„Ich.“

„Wer hat sie verraten?“

„Ich.“

„Hat Sirius Black jemanden getötet?“

„Nein.“

„Wer war es dann?“

„Ich.“

Ein scharfes Einatmen. Es war wieder Amelia, die fragte: „Haben Sie es so aussehen lassen, als habe Black die Verbrechen begangen?“

„Ja.“

„Warum?“

„Um nicht aufzufliegen.“

„Sind Sie ein illegaler Animagus?“

„Ja.“

Amelia wandte sich zu Kingsley um: „Wir müssen Black sofort hierher bringen lassen“, stellte sie leise fest. „Wir haben jahrelang einen Unschuldigen in Azkaban festgehalten. Und das auch noch ohne Prozess.“ Das extrem schlechte Gewissen der Frau war regelrecht herauszuhören.

Kingsley nickte und verschwand nach draußen. Er kam, nur kurze Zeit später, mit weiteren Auroren zurück, Fragen wurden wiederholt, mehr Schaulustige strömten herbei, bis der Minister selbst geholt wurde, um von dieser Ungeheuerlichkeit zu erfahren.

„Holt endlich Sirius aus diesem Drecksloch! Nein, noch besser! Ich gehe mit! Ich habe jedes Recht dazu!“

Fudge, der wusste, dass er keine andere Wahl hatte, nickte. „Ja, Mister Lupin“, stimmte er zu, wohl wissend, dass er nun alles tun musste, um seinen Ruf zu retten. Was war besser, als volle Kooperation und eine sehr gute Entschädigung? Natürlich würde Black alle ihm zustehenden Titel erhalten. Außerdem – er hätte ohnehin kein Wort Dumbledore gegenüber verloren. Er mochte diesen Mann nicht, der ihm entschieden zu viel Macht hatte, mehr Macht als er selbst, da die Zauberwelt ihn verehrte, aus welchem Grund auch immer. Er würde alles unterstützen um diesem Idioten in den Hintern zu treten und er wusste, DAS hier würde ihn treffen, schließlich war es der Direktor von Hogwarts gewesen, der allen gesagt hatte, ein Prozess wäre eine Verschwendung von Zeit und Veritasserum, da seine Schuld zweifelsfrei feststehe. Auch war er einer der Wenigen, die wussten, wo Potter sich befand, neben ihm und Shacklebolt.

„Und bereiten Sie alle Unterlagen vor, damit er sein Patenkind zu sich holen kann“, giftete Remus sofort weiter, wohl wissend, dass das zu den Dingen zählen würde, an die Sirius sofort denken würde. „Außerdem wünsche ich nicht, dass Dumbledore von der Sache erfährt, bevor wir Harry geholt haben!! Sonst verspreche ich, werden Sie Berichte in Zeitungen finden, die es Ihnen unmöglich machen werden, auch nur wieder einen Fuß in diesen Bau zu setzen!!“

Fudge wusste, er hatte keine Wahl: „Aber, aber, Mister Lupin“, säuselte er. „Natürlich wird alles in die Wege geleitet werden. Ganz im Stillen, natürlich.“




Sirius hielt die Luft an und schloss die Augen, als er die herannahende Kälte spürte. Mit Gewalt lenkte er seine Gedanken in andere Bahnen. James und er beim Quiddich. Nein, nicht genug. Ja, das war es – Remus.

Er lächelte ein Wenig, als er an den Tag dachte, wo er es nicht mehr ausgehalten und den Anderen geküsst hatte, an einem Abend in ihrem Schlafsaal, nachdem er schon seit über einem Jahr in den Werwolf verliebt gewesen war. Er wusste, Remus musste es ähnlich gehen, er war jedes Mal eifersüchtig gewesen, wenn er geflirtet hatte, doch wenn er gewartet hätte, bis der etwas tat, hätte er Spinnennetze angesetzt.

Sie waren allein gewesen, in dem Schlafsaal, den sie sich normalerweise noch mit Peter und James geteilt hatten. James hatte sich zu Lily geschlichen und Peter hatte sich in die Bibliothek verabschiedet, da er da irgend etwas vergessen hatte. Wenn er das sagte, hieß das, dass es Stunden dauern konnte, bis er wiederkam. Es würde Sirius schon interessieren, wen der Andere da traf, doch andererseits hatte ihm das auch die Gelegenheit gegeben, zu tun, was er so lange vorgehabt hatte.

Er hatte einfach seine Sachen auf seinem Bett liegen lassen, war zu Remus gegangen und hatte ihn geküsst. Seitdem waren sie ein Paar gewesen. James hatte sie schließlich knutschend auf dem Bett erwischt und fröhlich gefragt, ob sie es endlich geschnallt hätten...

Endlich ließ die eisige Kälte wieder nach. Sirius seufzte erleichtert auf und lehnte sich an die Steinmauer hinter sich zurück. Wie lange war er inzwischen hier? Er wusste es nicht, nur, dass er nicht aufgeben durfte. Da draußen warteten zwei Leute auf ihn, die ihn dringend brauchten, für sie musste er stark bleiben. Remus, seine große Liebe und der kleine Harry, um den er sich hatte kümmern sollen.

Wieder und wieder fragte er sich, warum er keinen Prozess bekam. Er wollte freiwillig unter Veritasserum aussagen. Er hatte nichts zu Verbergen und er wusste, man würde ihn freisprechen. Er war unschuldig in allen Anklagepunkten...

Durchhalten...

Kurz überlegte er, ob er sich verwandeln sollte, als Hund war das alles hier leichter zu ertragen, doch etwas Ungewöhnliches hielt ihn davon ab: Schritte. Keine Dementoren. Es folgte keine Kälte und es waren zu Viele. Mindestens drei oder vier Leute, hätte er gesagt.
Was war los? Holte man ihn endlich zu einem Prozess? Denn nur darum würden Menschen hierher kommen. Das Essen wurde durch Zauber in die Zellen gebracht, das Geschirr verschwand auf dieselbe Art wieder. Einmal die Woche bekam er auch einen Eimer mit Wasser, um sich oberflächlich zu säubern, was nichts daran änderte, dass er sich, seit er hier war, konstant schmutzig fühlte und sein Bart wucherte hässlich an alle Richtungen, fast so wie die Haare von Klein-Harry. Aber sicher war Harry gar nicht mehr so klein...

Ein Geräusch, ein leises Knarzen, an seinem Schloss! Oh bei Merlin! Sie kamen tatsächlich zu ihm! Endlich!! Langsam arbeitete Sirius, der bis eben gelegen hatte, in eine sitzende Position, als auch schon die Tür aufflog. Nur einen Lidschlag später wurde er in eine Umarmung gezogen. „Tatze!“

Überrascht blickte Sirius an sich herunter: „Moony?“; fragte er mit krächziger Stimme. Er hatte lange nicht mehr gesprochen. Zu wem auch? Die Steine waren ja solche Konversationskiller! „Was... tust du hier?“

„Was schon! Dich aus diesem Loch holen! Was sonst? Komm schon! Ich will hier so schnell wie möglich wieder weg!“

„Nicht nur du“, murmelte er, als er sich auf die Beine helfen ließ. Auch, wenn das eigentlich nicht nötig war – er trainierte jeden Tag. Liegestützen, Sit-Ups, Laufen, wenn auch nur auf der Stelle. Etwas anderes konnte er hier kaum machen. „Geht es zum Gericht? Warum haben sie dich hier rein gelassen?“, fragte Sirius nach einiger Zeit verwundert, während sie, eskortiert von zwei Auroren, die ihm noch nicht mal Fesseln angelegt hatten, durch die Gänge liefen, einem dritten Auroren folgend.

„Nein, Sirius, kein Gericht. Keine Verhandlung. Du bist frei! Du bist unschuldig, wie ich es ihnen immer wieder gesagt habe!“

Abrupt blieb der Dunkelhaarige stehen, starrte seinen Geliebten verblüfft an: „Wirklich?“, fragte er überrascht.

Remus nickte und griff erneut nach der Hand des Anderen. Er war erstaunlich gut beieinander und bei klarem Verstand. Etwas, dass nach über fünf Jahren Azkaban einem wahren Wunder glich. Ein Lächeln glitt über Remus’ Züge. Sirius war schon immer ungewöhnlich stark gewesen. Stark genug, sich gegen die eigene Familie zu stellen..

„Was ist passiert? Warum hatte ich keine Verhandlung? Warum wurde ich nicht mal befragt? Was...?“

Der Werwolf strich dem Anderen beim Laufen mit dem Daumen über die Handoberfläche: „Das... ist eine Geschichte, die ich dir lieber unter vier Augen erzählen möchte“, flüsterte er, während er sich nach den Auroren umsah.

„Wo ist Harry?“

„Ich weiß es nicht.“

„Was?“, abrupt blieb Sirius stehen. „Was heißt das?“

Remus zog den Anderen erneut weiter. „Harry wurde irgendwo untergebracht. Man hat ihn mir nicht gegeben und glaub mir, ich habe versucht, das Sorgerecht zu bekommen. Ich hatte erst heute eine neue Chance, als ich den Beweis für deine Unschuld erbracht hatte... Aber ich habe Fudge gleich danach unter Druck gesetzt, wir können ihn holen, sobald du hier raus bist – und gebadet und rasiert. So, wie du jetzt aussiehst, würde jedes Kind nur schreiend vor dir davonlaufen...“

„Ich verstehe nicht...“

„Ich erkläre dir alles, was ich weiß, wenn wir hier weg sind“, beharrte Remus leise. „Und glaub mir, das ist schon herzlich wenig und du wirst es nicht mögen.“ Wie wenig er es selbst mochte, verriet er mit keinem Wort.

Sirius nickte langsam. Er wusste, er würde die Antworten bekommen, doch es hatte Zeit, bis er hier raus war, entschied er schließlich.

Und dann, endlich, nach einer kleinen Ewigkeit, die sie über die schrecklich gleichen, leeren, dunklen Gänge geschlichen waren, hatten sie das letzte Tor passiert. Er war frei! Nichts hielt ihn mehr! Er stand vor den Toren Azkabans und er hatte nicht vor, je wieder hierher zurückzukehren.

Ein Auror trat auf ihn zu und händigte ihm seinen Zauberstab wieder aus, den er mit einer fast liebevollen Bewegung wieder an sich nahm. Dann übergab er ihnen ein Tuch: „Es ist ein Portschlüssel, er wird Sie beide zurück ins Ministerium in ein Zimmer bringen. Dort wird ein Bad und frische Kleidung warten. Im Anschluss werden Ihnen alle nötigen Papiere überreicht werden, um die Sie gebeten hatten.“

Remus entriss dem Mann das Tuch und sofort wurden die beiden weggebracht. Wie versprochen landeten sie in einem Bad. Es war einfach gekachelt und es gab auch nur eine kleine Duschkabine, doch das war mehr, als Sirius in Jahren gehabt hatte.

„Setz dich“, bat Remus sanft, während er ein Rasiermesser und Schaum holte.

„Erzählst du es mir jetzt?“

Der Werwolf hob seinen Zauberstab, umschloss sie beide mit einer Stilleblase, bevor er Sirius einfach nur heftig umarmte: „Tatze, ich weiß es nicht mit Sicherheit, aber ich habe eine  wirklich komische Nachricht bekommen, dass es Dumbledore war, der dir den Prozess verweigert hat! Und Peter hat James verraten! Ich... verstehe das alles nicht! Ich dachte, wir wären Freunde!“

„Was...?“ Sirius wurde bleich. „Bist du dir sicher?“

Der Werwolf nickte. Er wusste nicht, warum, doch er bezweifelte nicht ein Wort aus diesem seltsamen Brief.

„Warum?“

„Ich...ich weiß es nicht...“

„Harry!“, rief Sirius auf einmal aus. „Wo ist der Junge? Wenn Dumbledore mich aus dem Weg geschafft hat, dann doch sicher nur, um an Harry ran zu kommen!“

„Das ist es, was mir so große Sorgen macht“, gab Remus leise zu. „Wenn es stimmt, was ich annehme, dann... Dumbledore hat ihn irgendwo hin gebracht..“

„Wir müssen...!“

Remus drückte den Anderen in den Stuhl. „Und wir werden ihn holen“, gab er leise zurück. „Aber erst mal wirst du dich duschen und diese Lumpen gegen Kleider eintauschen. Willst du Harry zu Tode erschrecken, wenn wir ihn gleich abholen? Ich sagte doch schon, ich habe Fudge erpresst. Wir bekommen alle nötigen Papiere und werden ihn holen, sobald du wieder aussiehst, wie ein Mensch und nicht wie ein Kobold, den man aus dem Matsch gezogen hat. Ich habe sogar dafür gesorgt, dass Dumbledore nichts erfahren wird, bis wir den Jungen bei uns haben!“

Sirius ließ sich zurücksacken. Er beschloss, alle weiteren Fragen auf später zu verschieben: „Dann sollten wir den Kleinen nicht länger warten lassen als nötig.“

Remus nickte nur und ließ das Rasiermesser aufschnappen.
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