Der Widerspenstigen Zähmung

von Delta
GeschichteAbenteuer / P18 Slash
Albus Dumbledore Dolores Umbridge Minerva McGonagall Remus "Moony" Lupin Rita Kimmkorn Severus Snape
05.12.2007
02.10.2009
41
250877
1
Alle Kapitel
120 Reviews
Dieses Kapitel
12 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
Inhaltsangabe: Diverse lebensgefährliche Angriffe auf Minerva McGonagall, die Entführung von Remus Lupin und das Auftauchen eines Helden mit dem keiner rechnete, bringen das Leben von vielen Hogwartsbewohnern durcheinander. Pairing: MM/GL und später SS/RL

Disclaimer: Die Figuren und die HP-Welt gehören J.K. Rowling, doch die Geschichte gehört mir.





Der Widerspenstigen Zähmung

Kapitel 1

Unheilvolle, gespenstische Ruhe herrschte in den dämmrigen Gängen; ab und zu unterbrochen, von dem leisen Rascheln gestärkter Roben. Trübe Fackeln flackerten lustlos an den Wänden, beleuchteten Portraits der unzähligen Heiler, die hier schon ihren aufopferungsvollen Dienst taten. Kein Laut drang aus den vielen Zimmern, deren geschlossene Türen rechts und links zu sehen waren. Eine Atmosphäre der Angst und der Hoffnungslosigkeit lag über allem, geschürt durch die unsägliche Furcht, die aus allen Poren der Patienten drang.

Bewegungslos ruhte der schlanke Körper einer Frau auf dem Bett. Helle, freundliche Vorhänge schirmten sie von der normalen Welt ab. Schwarzes Haar, durchzogen von schimmernden Silbersträhnen, breitete sich auf dem Kopfkissen aus. Smaragdgrüne Augen starrten leer, ohne jeglichen Ausdruck, an die Decke des Zimmers. Ihr schmales, asketisches Gesicht war regungslos – nur ab und zu zuckte ein Muskel in ihren eingefallenen Wangen.

Albus Dumbledore, seines Zeichens Schulleiter der Zaubererschule von Hogwarts, sah mit umflortem Blick auf seine langjährige Freundin und Vertraute, der er in diesem Fall nicht helfen konnte, sosehr er es auch wollte.

„Irgendwelche Fortschritte?“, tiefe Besorgnis vibrierte in seiner dunklen Stimme, als er sich nach langen Minuten des Schweigens an die Krankenschwester wandte.

„Leider nein“, antwortete die Angesprochene kühl und diszipliniert, „es wird seine Zeit brauchen, bis die Patientin die unterschiedlichen Flüche kompensieren kann. Da uns keiner genau sagen konnte, womit wir es zu tun haben, müssen die Heiler leider experimentieren.“ Diskret zog sich Schwester Desdemona an die Tür zurück, um dem alten Zauberer die nötige Privatsphäre zu gewähren.

Schwer nickte Dumbledore, beugte sich noch einmal zu der bewegungslosen Frau hinunter, streichelte sanft ihre Wange.

„Ich verspreche dir, Minerva“, flüsterte er leise, „ich werde die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen. Schlaf ruhig weiter, du bist hier in guten Händen.“

Seufzend richtete er sich wieder auf, strich seine Robe glatt und verließ hochaufgerichtet das Krankenzimmer. Nachdem sich hinter ihm die Tür geschlossen hatte, wandte er sich noch einmal an die Krankenschwester.

„Ich wünsche, dass alles, wirklich alles, für Professor McGonagall getan wird.“

***


Mit wehendem Umhang, wie üblich ganz in Schwarz, strebte Severus Snape mit eiligen Schritten in seinen Unterrichtsraum. Wild fuhr sein Blick über die Schüler von Gryffindor und Slytherin, doch mucksmäuschenstill saßen alle auf ihren Plätzen und sahen ihn erwartungsvoll an. In dem Professor brodelte es, denn etwas war geschehen, womit niemand rechnete: Minerva McGonagall war in Hogsmeade von Unbekannten angegriffen worden! Er war außer sich, da er genau wusste, dass der dunkle Lord in diesem Fall nichts damit zutun hatte. Also, wer waren die Übeltäter, die eine voll ausgebildete Magierin, dazu eine Professorin von Hogwarts, so mir nichts dir nichts, kompromisslos angriffen. Minerva war zwar eine kompetente Hexe, die sich äußerst effizient verteidigen konnte, aber dieser Angriff kam aus dem Hinterhalt und damit war ihre keine Möglichkeit gegeben, sich zu wehren. Er machte sich Sorgen um die Professorin. Zwar stritten sie häufig, da ihre Schüler und seine regelmäßig um den Hauspokal wetteiferten, aber sie so zu sehen, völlig leblos und apathisch – nein, das wollte er nun doch nicht.

„Granger ... 20 Punkte Abzug für Gryffindor“, fauchte er plötzlich, „ich sagte nichts davon, dass Sie ihr Buch aufschlagen sollen.“ Snape musste seine Wut in vernünftige Bahnen lenken, um den Unterricht normal abhalten zu können. Doch so konnte es nicht weitergehen. Seine Gedanken schwirrten von einem Punkt zum nächsten, ließen sich nicht abstellen und er merkte, dass die Schüler langsam unruhig wurden.

„Aufgepasst“, schnarrte er also laut und musterte jeden mit einem stechenden Blick. „Wir werden sehen, wie weit sie sich meine Tränke merken konnten. Sie werden den Trank zur Heilung von Furunkeln wiederholen.“ Mit unbewegtem Gesicht hörte Snape das leise, unwillige Murren der Slytherins, wobei sich besonders Draco Malfoy hervor tat. Doch der Professor war der Hauslehrer der Schlangen, deshalb ließ er es durchgehen. „Ich hoffe, Sie alle haben noch das Wissen, welche Zutaten dafür benötigt werden“, er ließ ein heiseres, unechtes Lachen hören, „beginnen Sie!“

Ein strahlendes Lächeln glitt über Hermines Gesicht, das war leicht, und eifrig begann sie die benötigten Sachen zusammenzusuchen. Fragend sahen Harry und Ron zu ihr rüber, doch die Schülerin ließ sich nicht ablenken.

„Was brauchen wir?“, raunte ihr Potter zu, doch sie zuckte nur mit den Schultern, bis auch Ron leise einfiel.

„Getrocknete Nesseln, gemahlene Schlangen-Giftzähne, geschmorte Wellhornschnecken und Stachelschweinpastillen“, zischte sie ihnen schließlich aus den Mundwinkeln zu. Erleichtert atmeten die beiden Jungen auf.

Ein geschäftiges Treiben begann in dem düsteren Unterrichtsraum. Es wurde geschnitten, gemahlen, geschmort und die ersten ekelerregenden Düfte stiegen qualmend an die Decke. Malfoy und seine beiden Satelliten, Vincent Crabbe und Gregory Goyle tuschelten. Warfen immer wieder prüfende Blicke zu dem Professor, behielten aber auch die verhassten Gryffindor im Blickfeld. Tuschelnd steckten sie ihre Köpfe zusammen, während sie die Nesseln zerkleinerten.

Hilflos starrte allerdings Neville Longbottom in den Kessel, wo langsam die Wellhornschnecken schmorten. Er hatte fürchterliche Angst zu versagen. Genau dieser Trank bescherte ihm schon üble Schmerzen, ganz am Anfang seiner Schulzeit und mehrere Tage im Krankenflügel. Zögernd fügte er dann Nesseln und die Giftzähne in den Trank, rührte um und wartete, dass alles aufkochte.

Aus den Augenwinkeln beobachtete Draco die Versuche des Gryffindor und wartete auf eine günstige Gelegenheit. Der Professor war anscheinend tief in seinen Gedanken versunken und achtete in keinster Weise auf seine Schüler, was wirklich sehr ungewöhnlich war. In dem Dämmerlicht des Kerkers schimmerten seine Augen unheilvoll in einem dunkelsten Schwarz, seine Gesichtszüge waren wie versteinert und seine Lippen zu schmalen Streifen zusammengepresst. Der Slytherin Schüler wollte nur zu gern wissen, an was Snape dachte, aber jetzt war erst einmal etwas anderes wichtiger – den Gryffindor eines auszuwischen.

Die Schwachstelle des Hauses war eindeutig Neville Longbottom und auf ihn hatte es Draco abgesehen.

Sein Trank blubberte schon verheißungsvoll vor sich hin, doch anscheinend war es noch nicht soweit, ihn von der Feuerstelle zu nehmen. Draco gab Goyle ein Zeichen und der warf mit einer knappen Handbewegung drei Stachelschweinpastillen in den Kessel von Longbottom. Es dauerte nicht lange und schon stiegen ätzende giftgrüne Rauchwolken in die Höhe. Mit einem lauten Aufschrei sprang Neville zurück, während Harry, Ron und auch Hermine entsetzt aufsahen. Da passierte es auch schon: Zischend und brodelnd bahnte sich die Flüssigkeit einen Weg durch das Metall, traf mit einem spritzenden Plätschern auf den Boden auf und versprühte seine Säure in alle Richtungen. Doch jeder der Schüler, gewarnt durch unzählige Vorkommnisse mit einem Longbottom der auf Kriegsfuß mit den Zaubertränken stand, passte auf und sprang rechtzeitig zur Seite – bis auf Neville. Wie erstarrt stand er auf seinem Platz, dicke Tränen rannen über seine fülligen Wangen, doch er konnte sich nicht bewegen. Und so kam es, wie es kommen musste. Mehrere Spritzer der giftigen Substanz trafen ihn an den Händen, die schlaff an seinen Seiten hingen und brannten auch Löcher durch die Schuluniform. Ein heulendes Wimmern entkam seinem Mund, wurde immer lauter und schriller, bis Snape aufmerksam wurde.

Mit einem Wutschrei sprang der Professor in die Höhe, registrierte auf dem ersten Blick die Bescherung, sah die vergeblichen Hilfeversuche von der impertinenten Granger und eilte hinzu.

„Granger... 20 Punkte Abzug für Gryffindor für unerlaubtes Entfernen vom Arbeitsplatz! Longbottom... 50 Punkte Abzug für Gryffindor wegen unaussprechlicher Dummheit“, seine Stimme vibrierte vor unauslöschlichem Zorn, seine Augen sandten Blitze auf den zusammenzuckenden Schüler, doch nichts konnte den Tränkemeister in seiner Rage stoppen. “Hatten wir dieses Spielchen nicht schon einmal, Longbottom?“, zischte er gehässig, „ich kann mich an genau dieses Theater erinnern und Sie sind anscheinend immer noch nicht klüger geworden. Vielleicht sollte ich mich mit ihrer Großmutter in Verbindung setzen, da Sie womöglich für diese Schule nicht geeignet sind.“

„Professor“, rief Harry Potter entrüstet aus und stellte sich neben Neville, der jämmerlich schluchzte. „Er kann doch nichts dafür ... er wurde mit Sicherheit sabotiert. Malfoy und seine Freunde haben ihn die ganze Zeit beobachtet und ich bin mir sicher, dass sie etwas damit zu tun haben.“ Empört wies er auf die feixenden Slytherin, die lachend an ihren Kesseln standen.

„Mister Potter“, entgegnete Snape gedehnt, „Sie sollten ihre Zunge im Zaum halten, bevor ich ihnen nicht nur 50 Punkte abziehe, sondern Sie auch zu Strafarbeiten erwarte“, ein flüchtiges boshaftes Lächeln glitt über seine strengen Züge, dann richtete er sich zu seiner vollen Größe auf. „ Ich erwarte von jedem Schüler einen vollständigen Aufsatz über den Furunkeltrank, mindestens vier Seiten. Vielleicht sollte auch jemand Mister Longbottom in den Krankenflügel begleiten. Und jetzt raus hier.... alle!“

Ein hastiges Füßescharren setzte ein, als die Schüler aufsprangen und machten, dass sie fort kamen.

Severus Snape ließ sich müde in seinen Stuhl fallen. Die Nacht war kurz gewesen, da Dumbledore Himmel und Hölle in Bewegung setzte, um herauszufinden, was mit Minerva geschehen war, doch noch immer war es ein Rätsel und er würde am späten Nachmittag die nächste Versammlung abgehalten. Dieses Mal würden auch die Mitglieder des Ordens dabei sein und mehrere Auroren des Ministeriums. Schwer seufzte der Tränkemeister auf – der Angriff trug die Handschrift der Todesser, das war sicher. Doch wer, in Merlins Namen, würde es wagen ohne den Befehl von Voldemort zu handeln?

***


Mit behutsamen, verstohlenen Schritten betrat der blondgelockte Mann das ruhige Krankenzimmer. Er huschte an das einzelne Bett und sah bewundernd auf die regungslose Frau. Nur das leichte Heben und Senken ihres Brustkorbes zeigte, dass noch Leben in ihr war. Strahlende Zähne blitzten auf, als sich der heimliche Besucher vorsichtig auf die Bettkante niederließ.

„Kennst du mich?“, flüsterte er leise mit einer verführerischen Stimme, „ich kenne dich nicht ... oder sollte ich? Leider ist meine Erinnerung nicht mehr die Beste... vielleicht kannst du mir ja helfen?“ Seine perfekt manikürte Hand strich ihr zärtlich eine Strähne aus dem Gesicht, fuhr die Konturen ihrer Wangenknochen nach und seine Fingerspitze streifte ihre Lippen. „Du bist wunderschön“, hauchte er ergriffen, „vielleicht kennen wir uns ja?“

Plötzlich zuckte er zusammen, als Schritte vor der Tür erklangen. Hastig sprang er auf und sah ängstlich der Schwester entgegen, die nichtsahnend das Zimmer betrat und sofort die Stirn runzelte, als sie den Mann erblickte.

„Mister Lockhart“, ihre strenge Stimme drang an seine Ohren, „was haben sie in diesem Zimmer zu suchen? Sie wissen doch, dass Sie die anderen Patienten in Ruhe lassen sollen.“ Kopfschüttelnd nahm sie seinen Arm und zog ihn mit sich. „Ich kann doch nicht ständig auf Sie aufpassen ... wenn Sie schon jemanden besuchen wollen, dann doch lieber den armen Mister Belcher, der freut sich und wird etwas von seinen Gummiarmen abgelenkt.“ Unerbittlich zerrte sie den sich sträubenden Mann mit sich.

„Aber die Dame könnte mich kennen“, jammerte Lockhart und sein Lachen verblasste. „Außerdem könnte ich ihr meine ganzen schönen Sachen zeigen und ... und meine Photos .... meine bezaubernden Photos. Sicherlich möchte sie eines davon“, eifrig und völlig eingenommen von seiner Idee, sprach er auf die Schwester ein, „ich ... ich könnte sie auch unterschreiben, dann werden sie noch viel schöner.“ Seine stahlblauen Augen blitzten auf und seine Zähne funkelten strahlendweiß im Schein der unzähligen Fackeln, die ihren Weg säumten.

„Die Professorin braucht Ruhe“, erwiderte Desdemona scharf und schnitt damit seine weiteren Worte ab, „leider konnten wir ihr bisher nicht helfen, aber das wird schon noch.“ Eigentlich sprach sie nur für sich, aber Gilderoy Lockhart hörte genau zu.

Die Dame brauchte also Hilfe ... und er würde sie ihr großzügig gewähren... wozu war er der beste und beliebteste Zauberer dieser Welt. In seinem Kopf entwickelten sich schon diverse Ideen, wie er diese wunderschöne Dame retten könnte. Und, eventuell, sagte sie ihm dann ja auch, wer er war und wo er hingehörte.

Willig ließ er sich jetzt von der Schwester zu seinem Zimmer begleiten, denn nun hatte er eine Aufgabe und die musste wohl vorbereitet werden, misstrauisch sah er ihr nach, ob sie auch wirklich sein Zimmer verließ, dann fing er geschäftig das Kramen an. Seine schönsten Roben zerrte er aus dem Schrank, um ihr zu imponieren, denn er vergeudete keinen Gedanken daran, dass sie ihn nicht erkennen würde. Diese wunderschöne Dame kannte ihn, da war er sich ganz sicher und wenn er sie erneut besuchte, sagte sie ihm bestimmt, wer er war.

Still verharrte Gilderoy in seinem Tun, als ihm ihre Augen einfielen – smaragdgrüne Edelsteine, die ihm nicht mehr aus dem Sinn kamen. Ihr Haar – tiefes Schwarz mit silbernen Strähnen – fein und weich unter den Händen. Langsam sanken seine Arme nieder, als er weiter über diese rätselhafte, bezaubernde Frau nachdachte. Ein Lächeln zeigte sich auf seinem schönen Gesicht, als er daran dachte, welche Wunder er mit dieser Fremden erleben könnte. Diese Frau, die er seit dem ersten Tag ihrer Einlieferung in St. Mungos heimlich beobachtete, ging ihm nicht mehr aus dem Sinn. Er krauste plötzlich die Stirn, als seine Gedanken abschweiften, was ihm öfter passierte, als ihm lieb war. Frauen, die hysterisch kreischten, alte Männer die sich ängstlich vor ihm duckten, Kinder unterschiedlichsten Alters, die irgendetwas schrieben...

Voller Unbehagen schüttelte er sich, doch rasch wischte er die unliebsamen Gedanken beiseite, sondern stellte sich vor einen großen Spiegel und bewunderte seinen exzellenten Geschmack, was die Auswahl seiner Kleidung betraf, als auch seinem Gesamtbild. Seine goldenen Locken lagen akkurat und auch sein feines Gesicht wies keinerlei Falten oder Runzeln auf. Geschmeichelt lächelte er sich zu, bevor er sich seinen unzähligen Fotos zuwandte, um das passende für die Fremde zu finden.

***


Albus Dumbledore saß hinter seinem Schreibtisch und musterte mit ernstem Blick seine vor ihm sitzenden Kollegen. In den Gläsern seiner obligatorischen Halbmondbrille verirrte sich gerade der letzte vorwitzige Sonnenstrahl der untergehenden Sonne, als er sich leise räusperte und langsam seine Hände faltete.

„Meine Lieben“, begann er mit sonorer Stimme, „Minervas Zustand ist unverändert ... davon habe ich mich heute leider überzeugt. Ihre Krankenschwester Desdemona bestätigte mir noch einmal, dass wenig für sie getan werden kann, da mehrere Flüche ihr Ziel trafen und die Heiler einfach nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen. MadEye wird im Laufe des heutigen Abends noch auf Hogwarts eintreffen. In ihm steckt meine größte Hoffnung. Er hat schon soviel erlebt und gesehen, dass er vielleicht der Einzige ist, der bei der Behandlung von Minerva helfen kann.“ Seine trüben Augen wanderten über die Anwesenden und blieben schließlich an Severus Snape hängen. „Was sagst du zu den Geschehnissen, Severus?“, freundlich wandte er sich an den ehemaligen Todesser, der nun für ihn den dunklen Lord ausspionierte. „Kann es sein, dass doch Voldemort dahinter steckt? Dass er uns Schwächen will, da ein Angriff droht?“

Bedächtig schüttelte der Schwarzgewandete seinen Kopf.

„Nein, ich habe eine Eule zu Lucius geschickt, um meine Gratulation für den gelungenen Coup abzugeben, doch Malfoy war sehr überrascht darüber – zumindest tat er so – doch dieses Mal glaube ich ihm. Es wäre auch nicht die Art des Lords, in keinster Weise mit dem Erfolg zu prahlen – schon gar nicht, da eine renommierte Hexe dran glauben musste“, Snape schüttelte den Kopf, „nein, es muss mit etwas anderem zusammenhängen, weshalb Minerva angegriffen wurde.“

Remus Lupin, der unruhig auf seinem Stuhl umher rutschte, sah den alten Zauberer an.

„Warum begab sich Minerva allein nach Hogsmeade? Konnte sie nicht jemand begleiten? Gerade in diesen Zeiten sollte sich wirklich keiner von uns in Sicherheit wiegen.“, er bewegte sich erneut und in seinen bernsteinfarbenen Augen flackerte es wild auf. Der Tränkemeister sah ihn nachdenklich von der Seite an.

„Sie sollten sich heute noch ihren Wolfsbanntrank holen“, schnarrte er arrogant. „Seit Tagen habe ich ihn schon fertig, doch anscheinend ist es Ihnen nicht wichtig genug, obwohl in vier Tagen der Vollmond am Himmel steht.“ Genervtheit und eine heimliche Zufriedenheit, dass er der Einzige war, der dem Werwolf helfen konnte, hielten sich in seiner Stimme die Waage und sein düsterer Blick tat sein übriges, um jedem mitzuteilen – er riss sich nicht um diesen Job.

Ein schweres Seufzen kam nach diesen Worten von Lupin und mit einem Lächeln wandte er sich an Snape.

„Severus, ich danke dir. Aber es ging, wie du ja weißt, in den letzten Tagen drunter und drüber. Nachdem Albus mir vorläufig die Hauslehrerschaft über die Gryffindors erteilte, musste ich den dortigen Schülern natürlich Rede und Antwort stehen. Du wirst mir sicherlich verzeihen, wenn ich dir sage, dass es nicht einfach ist, mit 15 Jährigen Schülern zu diskutieren und ihnen beizubringen, nicht nach den Übeltätern zu suchen, die ihrer Hauslehrerin so übel mitgespielt haben.“ Er trank einen Schluck Tee und fügte freundlich hinzu: „Aber ich werde, wenn du die Zeit erübrigen kannst, sofort nach diesem Gespräch mit dir kommen und mir das Mittel holen.“

Knapp nickte Snape nach diesen friedfertigen Worten dem jüngeren Mann zu und richtete schließlich seine Aufmerksamkeit erneut auf den Schulleiter, der in diesem Moment eine Eule in Empfang nahm. Wendig nahm er dem widerspenstigen Habichtskauz das Pergament ab und belohnte ihn mit einem Keks, den dieser aber beleidigt verschmähte und sofort wieder aus dem Fenster flog. Raschelnd öffnete Dumbledore das Siegel des Briefes und vertiefte sich in die Zeilen. Jedem der Anwesenden fiel dabei auf, dass sich seine Stirn sorgenvoll runzelte, je mehr er las. Lange Zeit saß er schließlich an seinem Schreibtisch und starrte ins Leere, dann richtete er sich auf, holte tief Luft und schüttelte den Kopf.

„Der Brief ist von St. Mungos“, begann er leise, „einige der Flüche konnten inzwischen entschlüsselt werden, doch es sieht immer noch nicht gut aus für Minerva. Es gilt als sicher, dass auf jeden Fall ein Crucio dabei war, Stupor sowieso, aber auch einige Flüche, die fremd sind. Der Heiler Dravis teilt mir mit, dass sich einige seltsame Veränderungen am Körper von Minerva zeigen.“, Dumbledores sonst so humorvollen Augen zeigten einen ungewohnt ernsten und sorgenvollen Blick, so dass Professor Sprout, die üblich lustige Kräuterlehrerin, erschrocken die Hände vor den Mund legte, um nicht etwas Unbedachtes zu sagen. Der kleine Professor Flitwick wackelte auf seinem erhöhten Sitzplatz gefährlich hin und her, doch niemandem entwich ein Wort. Minutenlang herrschte Schweigen in dem Büro, nur das Surren und Rasseln der vielen Apparaturen die überall in diesem Zimmer herumstanden, war zu hören. Schließlich hielt es Madam Hooch nicht mehr aus.

„Was verändert sich denn bei Minerva? Hoffentlich nicht etwas, was noch zusätzlich ihr Leben bedroht“, presste sie zwischen ihren zusammengebissenen Zähnen hervor und richtete den starren Blick ihrer gelben Augen auf Dumbledore. Der zuckte mit den Schultern und nahm noch einmal den Brief zur Hilfe.

„Um es auf den Punkt zu bringen“, hilflos sah der Schulleiter von einem zum anderen, „Minerva wird jünger!“

Ein nervöses, ungläubiges Kichern entwich Sprout und hektisch glitt ihr Blick von ihren gefalteten Händen zu Dumbledore, dann zu Snape, der zischend die angestaute Luft aus seinen Lungen entließ.

„Unmöglich“, stieß er abfällig hervor, „kein noch so kompetenter Zauber könnte das bewirken – es gibt zwar in der schwarzen Magie mehrere Möglichkeiten, um diesen Effekt hervorzurufen, aber er ist niemals von Dauer.“ Steif und höchst unbequem saß Snape auf dem Stuhl, immer darauf bedacht, niemals das Behagen eines dazugehörenden Lehrers zu empfinden. In seinen Augen gehörte es sich nicht, als ehemaliger Todesser, der zwar geläutert schien und als Spion für Dumbledore arbeitete, die Annehmlichkeiten anzunehmen, die anscheinend jedem Angehörigen der Lehrerschaft zustanden. Nicht umsonst lebte er in den Kerkern von Hogwarts. Es war eine Art Selbstbestrafung, um immer daran erinnert zu werden, was für Taten er in seinem vergangenen Leben ausübte.

Einzig und allein, schien sich Lupin darüber zu amüsieren, dass Professor McGonagall sogar noch etwas Positives aus diesem Angriff mitnahm und ein leichtes Schmunzeln zierte seine Lippen.

„Na da finde ich doch, dass wir alles tun sollten, damit Minerva auch etwas davon hat“, in seiner Stimme vibrierte die unterdrückte Heiterkeit, die er allerdings nicht so offen zeigen wollte. „Ich bin sicher, dass sie nichts dagegen hätte, wenn eine neue Jugend in ihrem Körper Einzug hielte“, er überlegte kurz, wandte sich an Dumbledore und meinte: „Was spricht der Heiler darüber, wie sie Minerva wieder aufwecken wollen?“

„Sie wissen es nicht“, gab der alte Zauberer widerstrebend zu, „deshalb wollte ich dich, Severus, bitten, in deinen Büchern nach eventuellen Tränken zu suchen, die in dieser Situation helfen könnten. Anscheinend sind die Heiler in St. Mungos mit ihrem Latein am Ende und es liegt nun auch an uns, Hilfe für Minerva zu finden.“ Betrübt funkelten seine Augen hinter der Brille und die tiefe Besorgnis die er empfand, wenn er an seine altgediente Freundin dachte, war ihm deutlich anzusehen.

Zwischen den dichten Augenbrauen des Tränkemeisters, bildete sich eine steile Falte, als er die Bitte von Dumbledore vernahm. Sicher, auch er wollte, dass die Professorin wohlbehalten zu ihnen zurückkehrte – aber auch seinen Fähigkeiten waren Grenzen gesetzt, vor allen Dingen, da er keine schwarze Magie anwenden sollte. Und wenn selbst die Heilmagier im St. Mungos nicht mehr weiter wussten...

Doch schließlich nickte er Dumbledore zu – er würde sein Bestes geben.

***


Die Nacht lag wie ein schwarzes Leichentuch über London. Kein Auto war mehr unterwegs und die wenigen Fußgänger, die sich noch auf den leeren Straßen herumtrieben, hatten dem Alkohol gut zugesprochen. Lautlos landeten mehrere Besitzer von fliegenden Besen ungesehen vor dem unsichtbaren Eingang von St. Mungos. Getarnt als Kaufhaus „Reinig & Tunkunter“, befand sich das Krankenhaus der Zaubererwelt mitten in der Großstadt London. Die angekommenen Zauberer sprachen leise die passenden Worte zu einer besonders hässlichen Schaufensterpuppe, um hinein zu gelangen und waren, wie Gespenster, auch sofort verschwunden.

Auf der Station für unheilbare Zauberer im vierten Stock, herrschte die Ruhe, welche hier alltäglich war. Mit forschen Schritten bewegte sich die rothaarige Hexe in Richtung des Zimmers der Pflegerinnen, um diejenige zu finden, die für ihren besonderen Schützling zuständig war.

„Schwester Desdemona?“, nicht gerade leise, verdrängte ihre helle Stimme die trübsinnigen Schatten der Leiden und unternehmungslustig blitzende Augen huschten über die anwesenden Schwestern. Eine großgewachsene, schlanke Zauberin trat vor und musterte die Jüngere misstrauisch.

„Wer sind Sie?“ Ihre dunkle Stimme bildete den vollen Kontrast zu der zuvor gehörten. Ausgebildet dafür, die schwierigsten Heilzauber laut und deutlich sprechen zu können.

„Ich bin Tonks“, leicht trotzig stieß die Rothaarige die Worte aus und presste angriffslustig ihre Fäuste in die Seiten. „Albus Dumbledore schickt mich, um auf Minerva McGonagall aufzupassen.“

„Was?“ Zorn zitterte in dem einzigen Wort, welches aber mit solcher Vehemenz ausgesprochen wurde, dass es mehr als ein Fluch, als eine Frage klang. Doch die junge Hexe ließ sich in keinster Weise einschüchtern.

„Nach dem eine der Unsrigen auf offener Strasse angegriffen wurde, ist es wohl selbstverständlich, dass wir die Bewachung eigenständig übernehmen“, zischte Tonks zurück, „und ich wurde für die heutige Nacht dazu eingeteilt. Ich hoffe, Sie haben nicht die Absicht mir irgendwelche Schwierigkeiten zu machen?“, in ihren Augen blitzte es gefährlich auf und spitze Schärfe begleitete ihre Worte.

Desdemona runzelte kurz die Stirn, dann nickte sie bestätigend.

„Ich zeige Ihnen den Weg zu dem Zimmer“, murmelte sie leise und ging mit wehender Robe an der angrifflustigen Hexe vorbei. Mit einem zufriedenen Lächeln folgte Tonks. Aufmerksam sah sie sich um, als die Schwester sie durch die dunklen Gänge führte. Schauer rannen über ihren Rücken, als die trostlose Atmosphäre dieser Heilstätte ihre Wirkung tat und unwillkürlich wurden ihre Schritte schneller und länger, um möglichst rasch zu der Schwester aufzuschließen.

Plötzlich blieb Desdemona stehen und deutete auf eine Tür, die in dem dämmrigen Korridor auftauchte.

„Hier ist es“, meinte sie lapidar, „in diesem Zimmer liegt Professor McGonagall.“ Ein prüfender Blick streifte Tonks, dann verabschiedete sie sich mit einem Nicken, huschte lautlos wieder zurück.

Diese stand eine Weile zögernd vor der Tür. Krampfhaft überlegend, wie sie sich auf diese ungewöhnliche Situation einstellen sollte, wanderte die junge Hexe hin und her, immer wieder einen leicht furchtsamen Blick auf den Eingang werfend. Tonks mochte Minerva McGonagall ... sehr sogar. Seit dem sie in den Orden des Phönix aufgenommen wurde, war die ältere Frau immer ihre Ansprechpartnerin gewesen, wenn sich Probleme mit den männlichen Zauberern auftaten. Viele Stunden unterhielt sich die junge Frau mit ihr, vor allen Dingen, da Minerva fasziniert von ihrer Spezialität schien. Metamorphmagus! Für die Professorin, die selbst ein Animagus war, gab es kaum interessanteres, als eine Magierin zu kennen, die nicht nur zu einem Tier werden konnte, sondern ihren ganzen Körper an den unterschiedlichsten Stellen, verwandelte. Über Tonks angespanntem Gesicht glitt ein kleines Lächeln, als sie an die anregenden Gespräche zurückdachte, die sie daraufhin führten.

Nach unendlich langen Minuten, blieb Tonks erneut vor der betreffenden Zimmertür stehen, als sie plötzlich eine leise Stimme hörte, die definitiv aus dem geschlossenen Raum drang. Ihr Körper spannte sich angriffslustig, mit einem heftigen Ruck riss die junge Frau die Tür auf, ihre Augen wanderten blitzschnell durch das kleinere Zimmer und sie erstarrte, als sie das unerwartete Szenario in sich aufnahm.

Ein blondgelockter Mann saß mit übereinandergeschlagenen Beinen bequem in einem gemütlichen Sessel. Locker lag ein aufgeschlagenes Buch in seinen manikürten Händen und ein strahlendes Lächeln zeigte seine blitzenden Zähne.

„Oh, einen wunderschönen guten Abend wünsche ich Ihnen ..... kennen wir uns?“ Eine leichte Unsicherheit schwankte in der markanten Stimme, aber immer noch lächelte er der jungen Hexe zu.

„Lockhart ... Sie sind doch Gilderoy Lockhart“, stieß Tonks verblüfft aus und näherte sich vorsichtig dem Bett, in dem sie die regungslose Minerva McGonagall gewahrte. „Was machen Sie hier? Und warum sind Sie in diesem Zimmer?“

Die tiefblauen Augen des Mannes flackerten unruhig auf und auch das Lächeln verblasste für einen winzigen Moment, doch schnell fasste er sich wieder, erhob sich rasch und streckte ihre seine Hände entgegen.

„Sie kennen mich? Sie wissen, wer ich bin?“ Unbändige Freude drang aus seinen Worten, in seinem Gesicht glühte es rosig auf und stürmisch schüttelte er ihre Hand, die er mit seinen beiden umschlossen hielt. „Ich heiße Gilderoy Lockhart? Welche Freude, dass Sie das wissen.“ Sein Blick wanderte zu dem Bett. „Kennt diese schöne Dame mich auch? Ich hoffe es so sehr.“ Sorgenvoll umwölkten sich seine Augen, die zuvor seine tiefempfundene Dankbarkeit ausdrückten. „Ich ... ich mag diese Dame“, flüsterte er leise. Lockhart ließ Tonks los, stellte sich neben das Bett und streichelte scheu über das Bettlaken der Ruhenden. „ich mag sie sogar sehr. Selbst in meinen Träumen bin ich mit ihr zusammen, wir unterhalten uns und dabei hat sie mich gebeten, ihr etwas vorzulesen“, jetzt schwang ein gewisser Stolz über seinem Tun und er richtete sein Augenmerk kurzzeitig auf die rothaarige Hexe, die immer noch still neben ihm stand und nur staunen konnte.

„Aber ... aber, wie kommen Sie hierher und ausgerechnet in dieses Zimmer?“, Tonks konnte es immer noch nicht fassen, was sie hier vorfand und sie fragte sich ernsthaft, ob Dumbledore davon wusste. Sicher, es war allgemein bekannt, dass Lockhart sich im St. Mungos aufhielt, aber es war anscheinend schon mehr als ein Zufall, dass ausgerechnet er das Zimmer der Professorin fand. „Hat Sie jemand hereingelassen?“

Lockhart schüttelte vehement den Kopf und zwinkerte ihr verstohlen zu.

„Ich habe mich reingeschlichen“, gab er verschmitzt lächelnd zu. „Schwester Desdemona verbot mir zwar zu dieser Dame zu gehen, aber sie braucht mich doch. Sehen Sie wie sie daliegt .... so wunderschön und ganz allein“, ein zärtliches Timbre schwang in seinen leisen Worten mit und liebevoll zupfte er an der Bettdecke, um sie zu glätten.

Erst jetzt fand Tonks die Zeit, sich der leblosen McGonagall genauer zu widmen und erneut geriet sie ins Staunen. Wie von Zauberhand hatten sich die unzähligen Falten und Runzeln der älteren Frau geglättet, um mindestens zwanzig Jahre schien sie verjüngt. Ihr tiefschwarzes Haar glänzte, nur vereinzelnd schlichen sich schimmernde silbrige Strähnen hinzu. Tonks erinnerte sich daran, dass Dumbledore so etwas erwähnte – aber es zu hören und dann mit eigenen Augen zu sehen – das war schon ein gewaltiger Unterschied. Doch die sonst so ausdrucksstarken smaragdgrünen Augen der Professorin waren leer, ohne jegliches Gefühl. Tief beugte sich Tonks über das versteinerte Gesicht, suchte in den Augen nach einem Funken von Leben, doch ergebnislos – sie erblickte nur einen seelenlosen grünen See, in dem man nicht bis auf den Grund schauen konnte. Seufzend richtete sich die Hexe wieder auf. Lockhart hatte ihr gespannt zugesehen, ein einsamer Wachposten, der jeden aus dem Weg räumen würde, der seiner Dame etwas antun wollte.

Das Schweigen zwischen ihnen störte Tonks nach einiger Zeit und sie versuchte sich in einem freundlichen Lächeln, bevor sie sich an den ehemaligen Professor von Hogwarts wandte.

„Wie lange befinden Sie sich eigentlich schon in St. Mungos?“, fragte sie schließlich, nur, um überhaupt etwas zu sagen.

Lockhart fuhr sich nervös über sein perfekt sitzendes Haar, errötete sichtlich und fahrig strich er über seine rotgoldene Robe. Dann warf er seinen Kopf in den Nacken und sah Tonks offen an.

„Leider kann ich das nicht sagen“, antwortete er, „es scheint mir aber schon eine Ewigkeit zu sein. Doch wenn man nicht weiß, wer man ist, macht es wohl nicht allzu viel aus“, ein kleines, verlorenes Lächeln, als er sich mühsam bemühte, seine Fassung zu behalten. „Doch, werte Frau, sagen Sie mir doch endlich, wer diese Schönheit ist, die so leblos in dem Bett liegt.“

„Professor Minerva McGonagall“, antwortete Tonks und sah dabei den Mann genau an. Jede Regung in seinem Gesicht, kontrollierte und beobachtete sie kritisch, in ihr herrschte immer noch der Unglaube, dass Lockhart wirklich nicht wusste, wer sich da vor ihm befand – doch sie entdeckte in seinen Augen nur pure Faszination und Bewunderung. „Sie ist Lehrerin in Hogwarts“, fügte sie hinzu, doch auch dieses Wissen schien ihm keinerlei Erinnerung zurückzugeben.

„Minerva... Minerva McGonagall“, wiederholte Lockhart leise und ließ jede einzelne Silbe auf der Zunge zergehen. Tonks hatte es noch nie erlebt, dass jemand einen einfachen Namen mit soviel Zärtlichkeit aussprach und ihre Augen weiteten sich verblüfft. „Dieser Name berührt mein Innerstes“, wisperte der Mann, „doch ich weiß nicht warum. Wissen Sie es?“ Er wandte sich erneut der jungen Hexe zu, sah sie flehend an, doch sie zuckte nur mit den Achseln.

„Vor einigen Jahren haben Sie zusammen mit der Professorin in Hogwarts unterrichtet – wissen Sie das noch? Minerva ist die Hauslehrerin der Gryffindor und Lehrerin für Verwandlung. Sie hatten das Fach ‚Verteidigung gegen die Dunklen Künste’ übernommen, doch recht erfolgreich waren Sie wohl nicht“, unsicher überlegte Tonks, was sie dem Mann mitteilen sollte, da sie keine Ahnung von den Behandlungsmethoden bei Gedächtnisverlust hatte. „Soviel ich weiß, haben Sie sich ja auch nicht lange in Hogwarts aufgehalten.“

Erstaunt musterte Lockhart die junge Hexe, da sich auf ihrem Kopf ein interessantes Farbenspiel abspielte. Von feuerrot, über Blau, dann wieder ein schäbiges Mausgrau, bis es endlich in einem Giftgrün endete, doch rasch wurde er wieder abgelenkt, als sein Blick zum wiederholten Male auf die Frau in dem Bett fiel.

„Ist es nicht egal?“, wisperte er und seine Fingerspitzen fuhren vorsichtig über die kalte Hand, die sich außerhalb der Bettdecke befand. „In meinem Herzen brennt auf jeden Fall eine Fackel der Sehnsucht, wenn ich nur an sie denke – ist das falsch? Mein Bauch füllt sich mit wirbelnden Schmetterlingen, wenn ich sie dann endlich sehe.“ Nachdenklich strich er sich über sein perfekt sitzendes Haar. „Können Sie mir sagen, was das ist? Was ich empfinde? Sie verkündeten mir meinen Namen und auch den ihren... ich will Ihnen glauben ... doch diese befremdlichen Gefühle die ich spüre, wenn ich mit dieser Dame zusammen bin...... Mein Herz schmerzt unendlich und klopft doch gleichzeitig voller Freude über ihre Gegenwart“, abrupt drehte sich Lockhart von dem Bett weg und sah Tonks mit traurigen, verhangenen Augen an. „Ich weiß nichts mehr über mich. Und ich weiß auch nicht, was Minerva von mir gehalten hat und doch fühle ich mich stark zu ihr hingezogen, möchte sie nicht verlassen, will sie behüten und beschützen ... sie nicht verlassen müssen. Doch immer wieder werde ich weggeschickt, wenn man mich in diesem Zimmer erwischt. Bitte, junges Fräulein, sorgen Sie dafür, dass man mich bei ihr lässt, dass ich nicht jedes Mal gehen muss, wenn die Schwester kommt .... bitte.“

Entsetzte beobachtete Tonks, wie sich die kristallblauen Augen mit Tränen füllten und sie konnte nicht umhin, Mitleid mit diesem Mann zu empfinden. Leise seufzte sie auf.

„Nun gut“, brachte sie schließlich hervor, „Sie können bleiben, wenn ich da bin, aber für die Anderen kann ich nicht sprechen, und schon gar nicht für Professor Dumbledore“, einen momentlang schwieg sie, dann kam ihr noch eine Frage in den Sinn: „Was haben Sie eigentlich die ganze Zeit getan, wenn Sie hier stundenlang saßen?“

„Ich habe ihr vorgelesen“, erwiderte Lockhart und ein stolzes Lächeln überzog sein Gesicht, während er ein dickes Buch in die Höhe hielt.

--tbc--
Review schreiben