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Very first encounter

Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P16 / Gen
26.11.2007
20.04.2010
40
140.733
2
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Dieses Kapitel
16 Reviews
 
 
26.11.2007 3.770
 
Kurzbeschreibung: Welche Ereignisse haben damals zum Angriff des Kyuubi auf Konoha geführt und den vierten Hokage zu seinem größten Opfer gezwungen? Wie haben die anderen Shinobi die Zeit vor und nach diesem Desaster erlebt und war überhaupt abzusehen, was auf Konoha zukam?

Weiteres zur Geschichte: Grundsätzlich lässt diese Geschichte sich in zwei große Handlungsstränge einteilen: Der erste beschäftigt sich mit einem frischgebackenen Genin-Team bestehend aus Yuugao, Hayate und Tenzou und ihrem ebenfalls zum ersten Mal mit seiner Aufgabe betrauten Sensei Raidou. Der zweite handelt von Minato und seinem Vorgehen gegen die mögliche Bedrohung durch den Kyuubi. Dreht sich die Geschichte im ersten Teil noch größtenteils um Raidous Team, seine Schwierigkeiten und sein Umfeld, verschiebt sich der Fokus im späteren Verlauf auf den Kyuubi-Plot und dafür relevante Personen wie Jiraiya, Kakashi und Rin.
Zu dem Zeitpunkt, zu dem ich die Geschichte geschrieben habe, stellte sie eine für mich mögliche Variante dessen dar, was wohl kurz vor Narutos Geburt geschehen ist. Mittlerweile ist das durch den Manga widerlegt. Somit handelt es sich bei dieser Geschichte in letzter Konsequenz um eine AU-Geschichte.

Beta: morgain-le-faye, ab Kapitel 22.

Rating: P-16

Disclaimer: Die auftretenden Personen und die Welt, in der sie handeln, verdanken wir Masashi Kishimoto. Nur diese Geschichte, die gehört mir.

Außerdem: Gibt es inzwischen sogar schon zwei Side-Storys zu dieser Geschichte *__* kono war so wunderbar, sich in Drabbleform und mit einer Kurzgeschichte auf diese Geschichte zu beziehen. Da eine Spoilerwarnung an dieser Stelle jedoch eindeutig angebracht ist, verlinke ich das Drabble am Ende von Kapitel 26 bzw. Kapitel 40.

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1. Kapitel: Die Genin-Prüfung


Ihre Füße kribbelten. Probeweise wackelte Yuugao mit den Zehen, doch das unangenehme Gefühl blieb. Sie schloss die Augen und wippte mit den Füßen auf und ab. Die Bettdecke hemmte diese Bewegungen und das forderte ihre Aufmerksamkeit, vielleicht sogar schon ein wenig Konzentration, um ein regelmäßiges Wippen hinzubekommen. Seufzend öffnete Yuugao die Augen und starrte an die Zimmerdecke. Wenn sie so weiter machte, bekam sie noch einen Krampf … Der Gedanke erschreckte sie. Nein, das durfte nicht passieren, nicht heute!

Sie zwang sich dazu die Füße ruhig zu halten und trommelte stattdessen mit den Fingern einen ungeduldigen Rhythmus auf die Matratze. Langsam wandte sie ihren Kopf nach rechts. Gleich könnte sie es sehen … Gleich würde sie … Nein!

Hastig zwang sie sich dazu wieder an die Zimmerdecke zu starren. Sie hatte sich vorgenommen, nicht mehr auf den Wecker zu schauen, bevor nicht mindestens zehn Minuten vergangen waren. Doch war das nicht bereits der Fall? Schließlich lag sie hier schon eine halbe Ewigkeit. Es waren bestimmt zehn Minuten vergangen – wenn nicht sogar zwanzig!

Hoffnungsvoll wandte sie den Kopf und stützte sich auf den Ellbogen, um einen Blick auf die Leuchtanzeige ihres Weckers zu werfen.

Das durfte doch nicht wahr sein! Das war absolut frustrierend! Grummelnd rollte sie sich zurück auf den Rücken und warf der Decke einen missmutigen Blick zu. Drei … Gerade mal drei Minuten …
Es war jetzt zwanzig vor sechs. Sie war noch dazu verdammt eine Stunde und zwanzig lange Minuten auszuharren. Warum hatte sie ihrer Mutter auch so schnell zugestimmt? Gestern beim Abendbrot hatte sie Yuugao angewiesen, sich gut auszuruhen und früh ins Bett zu gehen, damit sie am nächsten Morgen auch „topfit“ sein würde. Schließlich war morgen – also eigentlich heute, korrigierte sie sich mit leichtem Herzklopfen – ein besonderer Tag. Doch genau deshalb war der Plan nicht aufgegangen. Früh hatte Yuugao im Bett gelegen und genauso früh war sie auch wieder aufgewacht – nicht dass es mit dem Einschlafen sonderlich gut geklappt hätte. Sie konnte sich schon nicht mehr an die Anzahl der Shuriken erinnern, die sie gezählt hatte. Irgendwann hatte sie ohnehin von vorne angefangen, weil die Zahl ihr zu groß geworden war.

Wehmütig lauschte Yuugao den Vogelstimmen, die bereits seit einiger Zeit vor ihrem Zimmerfenster ertönten. Bei dem Konzert konnte doch auch niemand schlafen! Widerwillig rollte sie sich herum, umschloss ihr Kissen mit beiden Armen und fixierte ihren Wecker mit bitterböser Miene. Achtzehn Minuten vor sechs … Ungeduldig wartete sie darauf, dass neben der Null und der Fünf eine Dreiundvierzig erschien. Als es endlich soweit war, begann sie die Sekunden zu zählen. Doch irgendetwas lief gewaltig schief, denn als sie bei 60 ankam, sprang die Anzeige noch lange nicht um. Könnte es sein …

Ein leises Lachen ließ sie zusammenzucken. Erschrocken hob sie den Blick und konnte eine Gestalt ausmachen, die auf ihrer Fensterbank hockte. Schnell setzte sie sich auf und verschränkte die Arme vor der Brust. „Was gibt’s da zu lachen?“

„Ich wusste, dass du wach sein würdest.“ Izumo grinste breit. „Aber was hat dein Wecker dir getan?“

Missmutig kniff sie die Augen zusammen. „Gar nichts … Außerdem habe ich auch gar nicht …“

Hastig suchte sie nach einer passenden Ausrede, doch so schnell wollte ihr keine einfallen. Warum war eigentlich immer sie diejenige, die in peinliche Situationen geriet?

„Was machst du eigentlich hier?“, fragte sie schließlich. „Deine Mutter hat dir doch verboten, durch die Fenster einzusteigen. Sie hat gesagt, dass es zu gefährlich ist!“

„Pff.“ Er machte eine wegwerfende Handbewegung á la das-kann-mich-doch-nicht-beeindrucken und grinste breit. „Sie wird es doch eh nie erfahren. Und außerdem ist es für mich nicht mehr gefährlich.“

Yuugao hob eine Augenbraue.

„Ernsthaft! Schau!“ Er sprang ins Zimmer und sah sich prüfend um. „Das hat uns unser Sensei beigebracht. Es ist extrem cool.“

„So? Was denn?“

Scheinbar unbeeindruckt sah sie ihn an, doch innerlich fieberte sie dem entgegen, was er ihr gleich zeigen würde. Und als er plötzlich an ihrer Wand emporlief und nur einen Moment später kopfüber von der Zimmerdecke hing, blieb ihr vor Staunen der Mund offen stehen. Natürlich hatte sie davon gehört, dass es Shinobi gab, die das konnten, doch das war weit entfernt gewesen. Sie hatten sich davon erzählt, wie es wäre das zu können – wie viele Möglichkeiten sich ihnen dadurch eröffnen würden – doch sie hatten es für eine schier unlösbare Aufgabe gehalten, für eine echte Herausforderung.

„Wow …“, entfuhr es ihr unwillkürlich und er grinste stolz. „Voll cool, oder?“

Einen Moment lang war sie versucht mit glänzenden Augen zu nicken, doch dann besann sie sich und setzte eine gleichgültige Miene auf. „Wenn selbst du es gelernt hast, kann es ja nicht so schwer sein.“

Er verdrehte die Augen und kehrte auf den Zimmerboden zurück. „Ich weiß, dass du beeindruckt bist.“

Glücklicherweise kam sie um eine Antwort herum, denn in diesem Moment ertönte Kotetsus gedämpfte Stimme. „Was wird das da oben? Wie lange braucht ihr noch?“

Izumo trat ans Fenster und warf einen Blick nach unten. „Ach, keine Sorge. Wir kommen glei…“

Mitten im Satz brach er ab und trat zurück. Kurz darauf hockte Kotetsu in der Fensterbank und blickte ihn aus skeptisch zusammengekniffenen Augen an. „Du hast es ihr gezeigt.“

„Wo denkst du hin? Ich habe bloß …“

„Ja, hat er“, fiel Yuugao ihm ins Wort und Izumo schnitt ihr eine Grimasse. „Wie nett von dir.“

Sie wollte gerade ein verschwörerisches Grinsen mit Kotetsu tauschen, als sie dessen spöttischen Blick bemerkte.

„Oh, wie schick!“

Sie spürte, wie ihr die Röte ins Gesicht schoss. Sie warf einen kurzen Blick auf ihr Nachthemd und wandte sich dann wieder den beiden Jungen zu, die mittlerweile breit grinsend, nebeneinander vor ihrem Fenster standen. Aufgebracht schlug sie die Decke zurück und sprang aus dem Bett.

„Wie kommt ihr eigentlich dazu, frühmorgens in mein Zimmer zu klettern und mich aufzuwecken? Ihr habt …“

„Yuugao, du warst schon wach“, erinnerte Izumo sie, doch sie ließ sich davon nicht beirren. „Ihr habt gar nicht die Erlaubnis so was zu tun. Nur weil wir Nachbarn sind und im gleichen Haus wohnen, heißt das nicht, dass ihr einfach in mein Zimmer kommen dürft, wann ihr wollt!“

Die beiden tauschten einen kurzen Blick. „Ach, wir dachten uns, wir schaun einfach mal kurz rein …“

„… und bringen dich auf den neuesten Stand.“

„Nicht, dass du noch was verpasst.“

„Wir wollen dir ja nichts vorenthalten.“

„Und wir können dir ja zeigen wie das geht …“

„… weil du ja immer noch auf der Akademie bist …“

„… und noch keinen eigenen Sensei hast.“

Bei ihren Worten verfinsterte sich Yuugaos Miene mehr und mehr. Klar, die beiden waren sage und schreibe zwei Jahre älter als sie – immerhin schon zwölf – und hatten die Genin-Prüfung bereits bestanden. Im letzten Jahr war das gewesen und Yuugao erinnerte sich noch deutlich an den Tag, an dem sie ihr mit stolzer Miene ihre Stirnbänder mit dem ins Metall eingravierte Konoha-Zeichen gezeigt hatten. Es war nur eine geringe Genugtuung gewesen, dass die beiden seit diesem Zeitpunkt nur selten etwas Spektakuläreres zu erzählen gehabt hatten als das Einfangen entlaufener Haustiere oder das Abjähten von Unkraut befallener Gärten. Doch ab und zu war es anders gewesen. Ab und zu hatte es diese Missionen gegeben – außerhalb Konohas, nervenaufreibend, spannend. Die Berichte waren mit Sicherheit ausgeschmückt gewesen, doch nichtsdestotrotz hatte Yuugao ihre beiden Sandkastenfreunde beneidet.

Doch heute würde sie die Chance bekommen, all dies zu ändern, endlich ein gewaltiges Stück aufzuholen. Kusaha-sensei hatte es ihr gesagt: Sie konnte es schaffen. Sie durfte an der Genin-Prüfung teilnehmen – ein Jahr früher als all ihre Klassenkameraden, heute, zusammen mit den älteren Schülern aus dem Jahrgang über ihr.
Izumo und Kotetsu wussten nichts davon. Sie hatte es ihnen nicht erzählt. Lag es daran, dass die beiden noch bis vor kurzem auf einer weiteren Mission gewesen waren? Daran, dass sie die zwei überraschen wollte? Oder gab es da vielleicht auch die geringe Möglichkeit, dass sie Angst hatte? Angst davor, dass sie es nicht schaffen würde? Angst davor, was die beiden dann sagen würden?

„Ich kann nicht“, sagte sie schlicht und die beiden blickten sie erstaunt an.

„Aber du musst erst um acht in der Akademie sein. Wir haben noch …“ Izumo trat neben sie und warf einen Blick auf ihren Wecker. „… fast zwei Stunden Zeit.“

Überrascht folgte Yuugao seinem Blick und stellte fest, dass es bereits nach sechs Uhr war – ganz ohne zählen und zittern. Es entlockte ihr ein Lächeln.

„Ich habe meiner Mutter gesagt, dass sie mich wecken soll, damit ich … damit ich nicht verschlafe.“

Die beiden sahen sie ungläubig an. „Das ist jetzt nicht dein Ernst, oder?“, fragte Izumo.

Kotetsu sah aus, als müsste er sich ernsthaft das Lachen verkneifen.

Trotzig verschränkte sie die Arme vor der Brust und blickte die beiden an. „Doch, natürlich! Außerdem bin ich nur aufgewacht, weil du so viel Krach gemacht hast, als du zum Fenster reingeklettert bist. Das hat mich geweckt.“

„Und warum bist du dann so zusammengezuckt, als ich lachen musste?“

„Nur um dich zu täuschen. Ein Shinobi muss seinen Gegner exzellent hinters Licht führen können. Das habt ihr selbst gesagt.“

„Eze…Exe… Das hab ich sicher nicht gesagt!“, protestierte Izumo und schüttelte den Kopf. Yuugao konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. „Stimmt, das war wahrscheinlich Kotetsu.“

Izumo verdrehte die Augen, während sein Freund sich bereits wieder Yuugao zuwandte: „Und du willst das echt nicht lernen? Es ist echt nicht so schwer. Wir können dir zeigen, wie …“

„Es ist schwer!“, protestierte Izumo. „Das kriegt sie eh nicht hin!“

Yuugaos Augen verengten sich zu Schlitzen und die beiden Jungen beugten sich kaum merklich vor. Ehe sie den Fehler machen und die beiden lautstark darauf aufmerksam machen konnte, dass sie sicher war, besser als sie beide zusammen zu werden, bemerkte sie das aufgeregte Funkeln in ihren Augen und besann sich. „Ich fall da nicht drauf rein“, erklärte sie, beinahe selbst erleichtert, dass sie es im letzten Moment noch bemerkt hatte.

„Dann eben nicht.“ Kotetsu schwang sich auf die Fensterbank. „Du weißt ja nicht, was du verpasst!“

„Und lass deinen Wecker in Ruhe“, feixte Izumo. Noch ein letztes Grinsen, dann waren die beiden wieder verschwunden. Mit einem lauten Seufzer ließ Yuugao sich zurück ins Bett fallen. Ihr Blick glitt über die Zimmerdecke. Izumo hatte dort eben gerade doch tatsächlich gehangen – falsch herum, als wäre es die natürlichste Sache der Welt. Sie würde das ebenfalls schaffen! Das würde sie den beiden schon zeigen.


--


Sie zitterte vor Aufregung. Das hatte sie vor wenigen Minuten festgestellt, als sie den langen Gang zum Klassenraum entlang gegangen war. Diese unregelmäßigen Bewegungen ihrer Hände, das nicht zu kontrollierende Beben … Ja, das konnte nur ein Zittern sein und das ärgerte sie. Es war ein Test, ein einfacher Test! Sie würde doch deshalb nicht anfangen zu zittern! Nein, wisperte eine leise Stimme in ihrem Hinterkopf. Das ist nicht bloß irgendein Test. Das ist die Genin-Prüfung.

Dieser Gedanke hallte immer noch in ihrem Kopf nach, als sie an der Tür des Prüfungsraums angekommen war. Vorsichtig schob sie sie auf und trat ins Innere. Viele Augenpaare wandten sich ihr zu und sie schluckte. Das waren wirklich nicht wenige und sie waren alle nicht nur älter sondern auch größer als sie.

„Hey, Kleine, hast du dich verirrt?“

Die spöttische Stimme eines Jungen brachte sie in die Wirklichkeit zurück. Böse funkelte sie ihn an, doch ehe sie etwas Bissiges erwidern konnte, spürte sie die Präsenz eines anderen hinter sich. Mit großen Augen sah sie sich um und blickte in Kusaha-senseis Gesicht. Ein Stein fiel ihr vom Herzen, als er ihr ein freundliches Lächeln schenkte und sich dann an die Klasse wandte.

„Ich werde euch bei der ersten Prüfung beaufsichtigen. Setzt euch!“

Alle folgten seiner Anweisung augenblicklich und Yuugao bemühte sich schleunigst um einen freien Platz. Am äußeren Rand der zweiten Reihe fand sie einen und setzte sich erleichtert. Gespannt sah sie Kusaha-sensei beim Verteilen der Prüfungsblätter zu. Nur kurz darauf lag auch eines vor ihr, die weiße Rückseite nach oben gekehrt. Jetzt wurde es ernst … Mit zittrigen Fingern griff sie nach dem Bleistift, der auf ihrem Platz bereitlag und wartete auf weitere Anweisungen.

„Versucht gar nicht erst abzuschreiben“, warnte Kusaha-sensei in diesem Moment. „Jeder, der erwischt wird, fällt sofort durch die Prüfung. Und glaubt mir – ich werde euch erwischen.“ Er blickte sich einmal um. „Dann fangt an!“

Das Rascheln von Papier ertönte, als 32 Genin-Anwärter ihre Prüfungsbögen umdrehten und mit unsicheren Mienen auf die erste Frage starrten. Ungläubig las Yuugao die erste Frage: Wann hat der große Ninjakrieg stattgefunden, welche Länder waren beteiligt und wie hießen ihre damaligen Oberhäupter? Sie schluckte schwer. Das konnte sie nur zur Hälfte beantworten – wenn überhaupt. Mit sinkendem Mut beschloss sie, diese Frage zu überspringen und mit etwas einfachem zu beginnen. Nach kurzem Überfliegen hatte sie etwas gefunden: Frage 8: Wie viele Ninja-Ränge sind dir bekannt? Zähle sie auf!

Während nur das leise Kratzen von Bleistiften auf Papier und ein gelegentliches hohles Hüsteln im Prüfungsraum zu vernehmen waren, durchlitt Yuugao ein Wechselbad der Gefühle. Ein Drittel der insgesamt 40 Fragen erschien ihr auf den ersten Blick schier unlösbar. Nur wenige Fragen konnte sie mit absoluter Sicherheit beantworten. Diese lösten in ihr jedes Mal ein hoffnungsvolles Hochgefühl aus. Das was übrig blieb, war eine Mischung aus Halbwissen, Vermutungen und als Ahnung getarntem Raten.

Als die Zeit abgelaufen war und Kusaha-sensei die Prüfungsblätter einsammelte, hatte sich in Yuugaos Magen ein schmerzhafter Knoten gebildet. Vielleicht hatte er sich doch geirrt und sie war noch nicht soweit, die Genin-Prüfung zu bestehen. Immerhin war sie ein Jahr zu früh dran – sie war erst zehn. Natürlich gab es Wunderkinder, die die Akademie schon in viel jüngerem Zustand abgeschlossen hatten. Hatake Kakashi zum Beispiel. Er sollte es doch tatsächlich im Alter von fünf Jahren geschafft haben. Fünf Jahre … Yuugao, der war damals halb so alt wie du! Das kannst du doch nicht auf dir sitzen lassen! Doch Hatake Kakashi war ein Wunderkind – er war schon lange Jounin – und sie … Sie war sicher kein Wunderkind.

„Die nächste Übung findet draußen auf dem Übungsplatz statt. Meldet euch dort bei Iwana-sensei.“

Mit beklommener Miene folgte Yuugao ihren Mitstreitern nach draußen. Ein grimmig aussehender Shinobi empfing sie. Sein Stirnband hatte er kurzerhand zu einem Kopftuch umfunktioniert und sein linkes Auge war hinter einer Augenklappe verborgen. Mit missmutiger Miene blickte er sie an.

„Zweiunddreißig Stück, eh? Na, ich will kein Lehrer sein, wenn ihr alle durch die Prüfung kommt.“

Yuugao blinzelte ungläubig. Hatte er das gerade tatsächlich gesagt oder hatte sie sich verhört? Sie hoffte zwar auf letzteres, doch die verunsicherten Mienen ihrer Mitstreiter signalisierten eindeutig das Gegenteil. Yuugaos Mut sank. Erst eine frustrierende schriftliche Prüfung und nun auch noch ein Prüfer, der keinen Hehl daraus machte, dass er einige von ihnen mit Freude durchfallen lassen würde. Besonders gute Aussichten waren das nicht.

„Gut aufpassen, eh? Das wäre gut. Also schaut her, eh!“ Und nen Sprachfehler hatte er auch noch. „Da drüben stehen Ziele – für jeden von euch eines. Ihr zieht eine Nummer und schreibt euch in die Liste da. Dann geht ihr zu eurem Ziel, eh, und werft die dazugehörigen Waffen.“

Yuugao zog die Nummer 17 und wandte sich ihrem Posten mit unsicherer Miene zu. Das Ziel war eine einfache, mit Stroh ausgestopfte Puppe. Irgendjemand hatte ihr ein breites Grinsen aufs Stoffgesicht gemalt. Sie konnte nicht genau sagen, warum, doch die Puppe erinnerte sie an Izumo. Lag es am Grinsen? Unwillkürlich fragte Yuugao sich, wie es ihm wohl ergangen war, als er und Kotetsu vor einem Jahr hier gestanden hatten. Sicher waren sie auch aufgeregt gewesen. Wie gerne wollte sie es den beiden endlich gleichtun, endlich auch ein Genin werden. Dann hau rein!, ermahnte sie sich selbst. Wenn du in der schriftlichen Prüfung schon Mist gebaut hast, dann mach wenigstens das hier vernünftig!

Mit prüfendem Blick nahm Yuugao die vor einer Markierungslinie abgelegten Waffen in Augenschein. Fünf Kunai und vier Shuriken. An den Wurfbewegungen und –geräuschen, die um sie herum ertönten, erkannte sie, dass die Prüfung längst freigegeben war. Alles, was sie tun musste, war anfangen. Sie hob die Shuriken auf und erinnerte sich an das, was sie gelernt hatte. Was waren die Zielpunkte für Shuriken? Entschlossen holte sie aus und warf den ersten. Mit Schrecken sah sie ihn knapp über den Kopf der Puppe hinwegfliegen und im dahinterstehenden Holzbalken stecken bleiben. Einige, wohl als Haare gedachte Strohhalme waren abgesäbelt worden. Mensch, so funktioniert das nicht! Konzentrier dich! Sie schloss die Augen und holte tief Luft. Sie wusste, dass sie das hier besser konnte. Sie musste es nur so machen, wie sie es geübt hatte.

Entschlossen öffnete sie die Augen und warf. Der erste Shuriken bohrte sich zielsicher ins aufgemalte linke Auge der Puppe, der zweite fand seinen weg ins rechte. Erleichtert atmete Yuugao auf und zielte auf die rechte Hand der Puppe. Der Shuriken blieb im Handgelenk stecken und Yuugao bückte sich nach den Kunais. Die lebenswichtigen Organe … Das war eine Strohpuppe! Wie sollte sie da auf etwas Bestimmtes zielen?

Kurzentschlossen visierte sie mit sämtlichen zur Verfügung stehenden Waffen den Unterleib der Strohpuppe an – soweit man diesen bestimmen konnte. Drei Kunais trafen ihr Ziel, die anderen beiden verirrten sich in die Brustgegend – was sicher auch nicht das schlechteste war.

Ein prüfender Blick zu beiden Seiten sagte ihr, dass die meisten Genin-Anwärter die Prüfung ebenfalls abgeschlossen hatten. Aus ihren Strohpuppen ließ sich jedoch nichts schließen. Sie waren auf die unterschiedlichsten Arten und Weisen mit Waffen gespickt. Yuugao vermochte nicht zu sagen, ob sie auf die gleichen Punkte gezielt hatten wie sie selbst. Klare Übereinstimmungen sah sie nicht.

„Alle fertig, eh? Na schön, dann passt auf!“

Er teilte sie in vier Gruppen ein und gab weitere Anweisungen. Im Verlauf der nächsten zwei Stunden warfen sie Shuriken und Kunais aus den unterschiedlichsten Positionen – unter erschwerten Bedingungen, mit vorhergehenden oder Folgeaktionen und auf bewegliche Ziele. Zu Beginn hatte Yuugao versucht ihre Treffer und Fehlversuche zu zählen, doch nach kurzer Zeit hatte sie aufgeben müssen. Es ging einfach viel zu schnell.

Außer Atem ließ sie sich am Ende dieses Prüfungsteils auf den Boden fallen und viele ihrer Mitstreiter taten es ihr gleich. Mit berechnendem Blick sah Iwana-sensei auf die Gruppe hinab.

„Einen Großteil werd ich dann wohl nächstes Jahr wieder sehen, eh?“ Allgemeiner Missmut machte sich zwischen den Genin-Anwärtern breit, doch der Prüfer ließ sich davon nicht beeindrucken. „Ihr habt noch eure Nummer im Kopf, eh? Merkt sie euch und kommt mit!“

Müde und verstimmt rappelten sie sich auf und folgten Iwana-sensei, der sie in den Gang vor einem der Klassenräume führte. Er deutete auf die verschlossene Tür und erklärte ihnen, dass sie nacheinander hineinzugehen hätten – einzeln und in der Reihenfolge ihrer Nummern. Dann ließ er sie stehen und verschwand.

Ein Genin-Anwärter nach dem anderen betrat den Prüfungsraum, doch kein einziger kehrte zurück. Das einzige Zeichen, das die Wartenden wieder und wieder erhielten, war das geisterhafte Aufgleiten der Tür zum Prüfungsraum. Als der achte Kandidat den Raum betrat, begann Yuugaos Herz schneller zu schlagen. Beim zwölften musste sie den Impuls unruhig auf und abzugehen beinahe krampfhaft unterdrücken und als der sechzehnte Kandidat aus ihrem Blickfeld verschwand, trommelte ihr Fuß einen unruhigen Takt auf den Boden. Das nächste Mal, wenn diese Tür sich öffnete, würde sie diejenige sein, die hindurchgehen musste. Was für eine Prüfung würde sie auf der anderen Seite erwarten? Und warum kehrte niemand von dort zurück? Horrorszenarien begannen sich in ihrem Kopf zu formen und als die Tür schließlich aufschwang, war sie beinahe erleichtert, denn nun konnte sie diese Bilder verdrängen.
Mit klopfendem Herzen ging sie auf die Tür zu und betrat den Prüfungsraum.

Bis auf einen Tisch, an dem zwei Prüfer saßen, befand sich nichts hier drinnen. Wo waren die anderen hin? Unsicher blickte Yuugao sich um und hörte nur kurz darauf, wie die Tür sich hinter ihr schloss.

„Und du bist?“

Fragend blickte einer der beiden Prüfer sie an und sie räusperte sich leise. „Uzuki Yuugao.“

„In Ordnung, Yuugao. Alles, was wir nun von dir sehen wollen, ist ein Henge no Jutsu.“

Sie atmete auf. Das war bei Weitem nicht so schlimm wie sie erwartet hatte. Sie beherrschte dieses Jutsu zwar nicht perfekt, doch es hätte weitaus schlimmer kommen können. „Und in wen soll ich mich verwandeln?“

„In eine gut bekannte Person: Unseren Hokage, Minato-sama.“

Yuugao holte tief Luft, dann legte sie die Hände zum entsprechenden Zeichen aneinander. „Henge no Jutsu.“

Mit banger Miene blickte sie die beiden Prüfer an. Einer der beiden hatte nur schockiert die Augenbrauen gehoben, der andere grinste breit. Was sollte ihr das jetzt sagen? Unsicher wartete sie auf weitere Anweisungen.

„In Ordnung, du kannst zu deinen Kameraden gehen. Sobald die Prüfungen abgeschlossen sind, werden sie ausgewertet. Danach teilen wir euch umgehend das Ergebnis mit.“

Er deutete auf eine Tür hinter sich und peinlich berührt stellte Yuugao fest, dass sie diese zunächst überhaupt nicht bemerkt hatte. Schnell löste sie das Jutsu auf und verließ den Prüfungsraum. Wie lange würde sie wohl auf das Ergebnis warten müssen?



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Jaaaa, damals waren die Genin-Prüfungen noch etwas umfangreicher^^
Wer bis hierher gelesen hat, ist nun natürlich herzlich dazu aufgefordert, mir ein Review zu hinterlassen. Freue mich über eure Meinung, über Lob, vor allem aber auch über konstruktive Kritik!
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