Die verborgene Macht eines Volkes.

von bea1111
GeschichteAbenteuer / P16
25.11.2007
05.07.2008
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Mit dieser Geschichte begann ich vor einem Jahr. Es dauerte ertwas, bevor ich den Mut fand sie zu veröffentlichen. Die positiven Feedbacks zu meinen anderen Geschichten halfen mir bei dieser Entscheidung.

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1. Teil  


In einer kalten, klaren Nacht saß eine schlanke Gestalt am Fenster seines Zimmers und blickte konzentriert durch das Teleskop zum Sternenhimmel. Sein Blick wanderte zum Mond. Er verfolgte die Ränder der Krater und verglich sie mit den Bildern aus seinem Astronomie Buch, das neben ihm auf dem Schreibtisch lag. Gebannt sah er wieder zum Mond hinauf und wünschte sich, wie Niel Armstrong auf den Mond zu spazieren.  Die geringe Schwerkraft zu spüren und auf die Erde hinab zusehen. Das war sein größter Wunsch. Einmal die Erde aus einer anderen Perspektive zu sehen. Nicolas seufzte leise. Ein Junge wie er, der auf einem einsamen Dorf lebt. Kilometer weit entfernt von der nächsten Stadt würde nie die Chance dazu erhalten, obwohl sein Vater immer sagt, dass alles möglich ist, wenn man es will.  
Nicolas Zimmer ähnelte nicht im entferntesten eines elfjährigen Jungen. Es war aufgeräumt und Spielsachen gab es kaum. Neben seinem Bett stand ein großes Regal voller Bücher über Astronomie und Sciencefiction Romane. Über dem Bett hingen Medaillen an der Wand, die er in Leichtathletik und Schwimmen gewonnen hatte. Er selbst legte keinen Wert auf solche Anerkennung, aber sein Vater meinte, dass man Respekt, den man sich durch Leistung verdient hat, ruhig zeigen darf. In seinem Kleiderschrank lagen alle Kleidungsstücke ordentlich zusammengefaltet und auf Kante. Nicht seine Mutter räumte die Sachen für ihn ein, sondern er selbst und sein Vater führte einmal in der Woche ein Stichprobe durch. Er war bei solchen Dingen sehr genau. Auf seinem Schreibtisch neben dem Fenster stand ein Computer, der neuesten Generation. An dem er seine Hausaufgaben schrieb. Spiele gab es kaum. Sein Vater gab ihn nur ausgewählte Spiele, die seines Erachtens einen Lernerfolg versprachen.  
Nicolas rieb sich die Augen und sah hinaus auf den Garten, um seine müden Augen etwas Ruhe zu geben. Seine Mutter mochte keine Gartenarbeit, daher bestand der Garten aus einer großen Grünfläche mit ein paar Obstbäumen, die im Mondschein unheimliche Schatten warfen. Auf dem Rasen lag noch sein Rad, welches er heute Nachmittag wutschnaubend hingeworfen hatte. Wie er dieses Fahrrad hasste. Das Klapprad hatte bereits die besten Jahre hinter sich als sein Vater es vom Nachbarsjungen erstand. Es klappert und rostet an jeder Stelle.
Heute ist das passiert, worauf er schon lange gewartet hatte. Drei Kilometer vor dem Haus, sprang die Fahrradkette runter und verklemmte sich zwischen den Ritzeln. Da half kein Rütteln oder rohe Gewalt. Also schob er das Rad bei anhaltenden Regen nach Hause. Als dann noch der Schulbus an ihm vorbei fuhr und ihn von oben bis unten mit Schlamm vollspritzte, hatte er endgültig die Nase voll. Von dem Gelächter seiner Schulkameraden ganz zu schweigen.
„Nico! Abendbrot.“, rief seine Mutter aus der Küche. Nicolas erschrak aus seinen trüben Gedanken.
„Ja, Mama.“ Er deckte sein Teleskop ab und sein Blick wanderte erneut zum Garten, blieb aber diesmal am Gartenschuppen haften. Dort stand sein Geburtstagsgeschenk. Ein nagelneues Mountainbike. Schwarz-rot lackiert mit Federgabel. Ein absoluter Traum für einen Jungen der morgen zwölf Jahre alt wird. Mit einem breiten Grinsen verließ er das Zimmer hinunter in die Küche.  
„Nico, hilf mir beim Abendessen.“, sagte seine Mutter als sie ihren Sohn entdeckte, dessen dunkelblonden, kurzen Haare wie immer strubbelig lagen. Wie oft versuchte sie erfolglos, diese Haare in den Griff zu bekommen. Ihr Mann liebte die Ordnung. Alles musste sauber im Haus sein. Das einzige Chaos dem sie in diesem Haus nicht Herr wurden, waren Nicos Haare. Sie seufzte und füllte eine Schüssel mit Gemüse auf. „Trag das Essen bitte ins Wohnzimmer.“
„Ja, mach ich.“ Nicolas nahm das Gemüse sowie die Schüssel mit den Kartoffeln und brachte es ins Wohnzimmer. Es gab sein Lieblingsessen. Gemüse, Kartoffeln und Frikadellen. Er stellte alles auf den Tisch, wo bereits sein Vater saß und in der Zeitung schmökerte. Sein Vater schaute von der Zeitung auf. Seine Lesebrille, die erstaunlicherweise schmutzig war und wo sich Nico fragte, ob er überhaupt noch etwas damit lesen konnte, saß schief auf der Nase. Nico lächelte seinen Vater an und deutete auf die Nase. Merkwürdig, dachte er. Schmutzige Brille, kein Kommentar zu seinen Haaren.
„Hm, das sieht ja gut aus.“, bemerkte Nicolas Vater, nahm die Brille ab, säuberte sie und legte sie in ein Brillenetui.  
Nico setzte sich an den Tisch und wartete, dass seine Mutter mit den Frikadellen kam und sich setzte. Sie strich ihr widerspenstiges, blondes Haar aus dem Gesicht, dass ihr immer wieder ins Gesicht fiel und verteilte das Essen.
„Na dann.“, strahlte sie ihre beiden hungrigen Männer an. „Fangt an.“
Nico ließ es sich nicht zweimal sagen und stürzte sich hungrig auf das Essen. Denn eines stand fest. Seine Mutter war eine wahre Meisterköchin.
„Wie läuft es in der Schule?“, fragte sie während des Essens. Nicolas blickte zu ihr auf mit einem Blick der Bände sprach. Er mochte dieses Thema ganz und gar nicht. Es lag nicht daran, dass er nicht gut war. Eher das Gegenteil. Er gehörte zu den Besten in seiner Klasse. Wenn er aber eine drei oder schlimmer bekam, war es für seinen Vater wie ein Weltuntergang. Dann gab es jedes Mal den gleichen Vortrag. Er seufzte und antwortete mit vollem Mund. „Ganz gut.“
„Nico, sprich nicht mit vollem Mund.“, ermahnte sein Vater ihn.
„Ich habe eine eins in Mathe und eine drei in Biologie bekommen.“, erzählte Nicolas als er das Essen eilig runterschluckte. Jetzt war es raus und sein Vater blickte ihn ernst an. Dabei bewegten sich dessen Augenbrauen zur Nase und tiefe Falten erschienen auf der Stirn.  
„Wieso nur eine drei in Biologie. Hast du nicht gelernt?“
Na bitte, da haben wir es. „Nicht so richtig.“, stammelte Nico. „Es war eine Überraschungsarbeit gewesen.“  
„Solltest du nicht jeden Abend lernen. Wie oft habe ich dir schon gesagt, dass man in Leben mit schlechten Noten nicht weit kommt.“, predigte sein Vater verärgert. Er spießte ein Stückchen Frikadelle auf seine Gabel und fuhr streng fort. „Nach dem Essen gehst du sofort auf dein Zimmer. Hast du verstanden?“
„Ja.“ Nico sah bedrückt auf seinen Teller. Er hasste diese Ansprache. Wenn sein Vater so tat, als ob er immer nur faul ist und nie lernte.    
Nicolas Mutter warf einen strengen Blick zu ihrem Mann, der sofort Ruhe gab. Sie lächelte ihren Sohn sanft an.
„Ach, lass Papa nur reden. Zensuren sind wichtig, aber ab und zu dürfen Ausrutscher passieren. Ich finde du hast es dafür ganz gut gemacht.“, sagte sie freundlich. Nico strahlte über das ganze Gesicht und nahm sich eine zweite Frikadelle. Das weitere Essen verlief ruhig. Als Nicolas fertig war, ging er sofort auf das Zimmer.
Nico Mutter wartete bis ihr Sohn aufgestanden und in seinem Zimmer verschwunden war. „Bernd, ein bisschen Lob kann nicht schaden. Er ist doch so sensibel.“
Ihr Mann sah sie verwundert an. „Linda, du weißt wie schwer ich es hatte. Mich hat auch keiner gelobt. Jetzt habe ich einen Sohn, eine gute Arbeit mit der ich meine Familie ernähren kann und eine wunderschöne Frau.“, fügte er schmeichelnd hinzu.
„Du alter Schamör.“ Sie lächelte kurz, wobei ihr ganzes Gesicht erstrahlte und Bernd kurz die Luft anhielt, um diesen Augenblick einzufangen.  
„Trotzdem könntest du etwas auf ihn eingehen.“ sagte sie wieder ernster.
„Aber ...“
„Bernd Gutenberg. Dein Sohn verdient deinen Respekt. Du kannst ihn es ruhig sagen wie stolz du auf ihn bist.“, sagte sie in einem Ton, der keinen Widerspruch duldete.
Nicolas Vater begann wieder zu atmen und seufzte. „Ja, Schatz.“ Seine Frau hatte es mal wieder geschafft. Er war definitiv nicht der Jenige, der im Haus das Sagen hatte.
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