Challenges

von Lalaith
GeschichteDrama / P12
13.11.2007
06.11.2013
35
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1
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
1. Kapitel    Der „Hilferuf“

Anm. der Autorin: Herzlich willkommen zum 1. Kapitel! Reviewkommentare gibt’s wie immer zum Schluss!    Eure Lala

What’s in it for me? I really gotta know

What’s in it for me? This ain’t a one man show

You in my new life – you come, you go

Ain’t happy about it, so I gotta know

What’s in it for me?


~ Diamond – What’s in it for me? ~



„Bewegt euch, oder soll ich euch den Besenschweif in Flammen setzen?!?“

Die Stimme Robert Grants zerriss den regnerischen Nachmittag wie einer der scharfen Blitze, die in unregelmäßigen Abständen über den schwarzen, mit großen Wolken verhangenen Himmel zuckten. Tropfen fielen in dichten Schnüren schwer vom Himmel und hatten den Boden aufgeweicht, sehen konnte man wegen diesem Sauwetter nichts. Nur hin und wieder nahm der Mann vierzehn verschwommene, blaue Schleier wahr, die in atemberaubendem Tempo durch die Luft sausten.

Grant selbst, in die Jahre gekommener Head Coach der Mannschaft Puddlemere United, von seiner früheren ruhmreichen Quidditchkarriere mit Mengen an Erfahrung gezeichnet; grauhaarig, kantengesichtig und etwas raubeinig, spuckte in den matschigen Boden und seufzte. Dass mieses Wetter gleichzeitig miese Stimmung beim Team bedeutete, passte ihm so ganz und gar nicht.

Es war ja nicht so, dass sie grottenschlecht spielten, doch gedrückte Stimmung und der eindringliche Wunsch, nicht draußen sondern drinnen zu sein, beeinträchtigte ihren Willen und ihre Leistung doch sehr.

Heute hatte er beschlossen, nicht das Ligateam gegen das Reserveteam spielen zu lassen, sondern ausgelost, wer mit wem zusammenkam. Dies förderte immerhin den Teamgeist und vermied eine Kluft zwischen den beiden Mannschaften.

Mit einem dumpfen Zischen sauste ein Klatscher über seinen Kopf hinweg, dicht gefolgt von Ted Kelly, dem Treiber der einen Mannschaft, die zur besseren Erkennung silbrige Schleifen trug, der wie besessen dem kleinen, schwarzen Ball mit seinem Schläger nachjagte. Der junge Ire mit einem Alter von 25 Jahren war einer der wenigen in der Mannschaft, dem dieses Wetter nichts auszumachen schien.

Laute Rufe drangen durch den grollenden Donner zum Boden herunter, und der Trainer konnte Dinge wie „Hierher … komm schon!“ oder „Achtung, hinter dir!“ vernehmen.

Grant musste grinsen, als er an sein Team dachte. Vierzehn Spieler, davon sieben auf Reserve, die wirklich einiges zu bieten hatten an Ausdauer, Talent und Teamgeist.

Da waren einmal die drei Mannschaftsjäger Bill Parrish, Amanda Hopkins und Adrien Harrold (auch der Kapitän der Liga-Mannschaft), auf Reserve ersetzt durch Lester Dormish, Helena Eightor und Harry Eversemen. Allesamt pfeilschnell, ausgestattet mit den nötigen Reflexen und Treffsicherheit.

Dann gab es noch die vier Treiber Derrick Long und Ted Kelly (welche eine enorme Kraft in ihrem Schlägerschwung hatten), sowie Andrew Johnson und Eugene Carleigh.

Gary Callagher spielte auf dem Platz des 1. Suchers, Alanis Coverton machte die Reservespielerin (obwohl man in den Quidditchmagazinen viel munkelte, dass sie besser sei als Callagher).

Und dann waren da noch … die Hüter.

Ja, dachte Grant und spuckte erneut aus. Die Hüter waren eine Sache für sich.

Bis vor kurzem war Lee Blackburn 1. Hüter gewesen, hochqualifiziert und talentiert; ein Brite mit blondem Haar, kantigen Zügen und gefährlichem Gesichtsausdruck. Er war berüchtigt gewesen … und doch hatte es der Reservespieler, den Grant erst ein Jahr lang trainierte, geschafft, besser, schneller und gefürchteter zu sein.

Der junge Schotte hatte seinen 18. Geburtstag gerade hinter sich gebracht, als er ihn für die Mannschaft als Reservehüter verpflichtet hatte; kurz vor dem Abschluss in Hogwarts, wo er Mannschafskapitän von Gryffindor gewesen war. Genügend Erfahrung war also vorhanden (wenngleich man ohne sowieso nicht ins Team kam), die er sofort glänzend umzusetzen wusste, auch wenn er sich anfangs erst an die härteren Bedingungen des Berufsports anpassen musste – noch dazu war er auch bei weitem der Jüngste in der Mannschaft.

Wie es dann gekommen war, dass der Junge ein Jahr später Blackburn von seinem Posten verdrängt hatte, wusste Grant selbst nicht mehr so genau. Tatsache war, dass er jetzt mit verbissener Ausdauer und nötiger Konzentration den Hüter machte, ausnahmslos bei jedem Wetter, und mit seinen Leistungen nicht nur sich selbst, sondern auch das Team zu Höhenflügen inspirierte. Aus den letzten Spielen waren sie immer als Sieger hervorgegangen, schon allein deshalb, weil nahezu kein Quaffel den Weg an ihm vorbei gefunden hatte.

„Oliver! Den hältst du! Komm schon!“, brüllte Adrien über einen schwachen Donner hinweg und flog eine scharfe Kurve, als Harry Eversemen der Jägerin Amanda Hopkins den Quaffel abnehmen konnte und damit in Richtung der gegnerischen Torstangen davonjagte, dicht gefolgt von den Jägern der anderen Mannschaft.

Vor den drei Torringen schwebte ein junger Mann von  gerade zwanzig Jahren, das kurz geschnittene, dunkelbraune Haar hing ihm regen- und schweißnass in die Stirn und seine haselnussbraunen Augen hatten einen grimmigen Ausdruck angenommen. Die Hände fest um den rutschigen Stiel seines Besens geklammert hatte Oliver Wood den Ruf seines Kapitäns gehört und folgte mit den Augen wie ein Adler seinem Teamkollegen Harry, der pfeilschnell und im Zickzack durch den dichten Regen als verschwommener, blauer Fleck auf seine Tore zugerast kam.

Über ihnen zuckte ein weit verästelter Blitz über den grauen Himmel und es donnerte erneut, gleichzeitig wurde es in der nassen, schweren Kleidung samt den ledernen Arm- und Beinschützern immer schwerer, zu spielen.

Oliver biss die Zähne zusammen und konzentrierte sich; diesen Ball durfte er nicht hindurch lassen. Es lag an ihm, Alanis Coverton – der Sucherin seiner Übungsmannschaft – Zeit zu verschaffen, die nicht von Torschüssen der Gegner gesäumt sein sollte.

Seit er bei Puddlemere United nun den Sport zu seinem Beruf gemacht hatte, hatte er auch etwas herausgefunden; etwas, dass er in Hogwarts eher selten gefühlt hatte.

Jedes Mal – kurz bevor Jäger und Quaffel so nahe waren, dass ein Tor erzielt werden konnte – schien die Welt vor seinen Augen plötzlich genau an den Punkten zu enden, wo der Umriss seines Gegners samt dem Ball begann. Seine Augen fokussierten sich genau auf das rote Etwas, und es war, als hätte jemand den Ton um einiges leiser gedreht. Dann kam eine ungeheure Stärke in ihm auf, beflügelte ihn zu gefährlichen Flügen und Paraden, die ihn meistens, würde er fallen, Kopf und Kragen kosten würden, doch es wirkte – der Quaffel kam nie ins Ziel.

Im Team nannte man dieses „Ereignis“ bereits nurmehr „Olivers Blackout“, keiner von den anderen konnte genau nachvollziehen, was dort oben mit ihrem Kameraden geschah. Es war vielleicht keine wirklich betreffende Bezeichnung, aber es nützte der Mannschaft, und das war wohl das wichtigste.

Eversemen war mittlerweile sehr nahe vor den Torringen, seine Silhouette war nur verschwommen im Regen erkennbar; doch Oliver sah sehr genau den dunkelroten Ball, der unter seinem rechten Arm klemmte. Wie in Zeitlupe hob der Jäger seine Hand mit dem Quaffel und holte aus – und in dieser Bruchteilsekunde geschah es wieder.

Es war, als würde sich Woods Blickfeld zusammenziehen, sein Blick sich nur auf Eversemen und den Quaffel beschränken; die stechend grauen Augen des Jägers (den Oliver übrigens nicht sonderlich leiden konnte) flogen von einem Torring zum anderen, so schnell und unkontrolliert, dass es Oliver ein Grinsen entlockte. Schließlich blieb Harrys Blick auf dem Ring rechts außen hängen und er schleuderte den Ball so weit und so zielgenau er konnte in Richtung des Torringes.

Dies war der Zeitpunkt, in dem Wood zu handeln hatte. Er zischte los und steil in die Höhe –

„Verdammt, Oliver! Was machst du denn?“, brüllte Adrien von der anderen Seite des Feldes wütend und schüttelte den Kopf, doch was sein Hüter machte, sah er im nächsten Moment.

Der Schotte war nämlich in nur einer Hundertstel Sekunde über dem rechten Torring gewesen und im steilen Sinkflug mit dem Gesicht zum Ring nach unten gerast; kaum hatte er den Ring passiert, schoss auch schon der Quaffel auf ihn zu. Wood musste seinen Besen hart packen und nach oben reißen und spürte, dass der Schweif den Ball zu fassen bekam und ihn quer über das Spielfeld schleuderte, wo er direkt dem verdutzten Adrien in die Hände flog, der sich nach einer Schrecksekunde sofort auf dem Weg zu den gegnerischen Toren machte und den Quaffel versenkte.

Oliver atmete tief durch und ließ sich einige Meter absacken, bevor er wieder seine Position einnahm; solche Paraden kosteten ihn zwar Kraft, aber machten ihn gleichzeitig auch unheimlich stolz und glücklich. Ja … hier in der Luft war er zuhause, das war seine Welt …
Schon in Hogwarts war sie es gewesen … doch hier … er war endlich frei

Unten auf der Trainerbank spuckte Rob Grant erneut aus, nachdem er Woods Parade verfolgt hatte. Dieser Junge war ein Naturtalent, und dass er mit seinen gewagten Fängen den Kapitän Adrien Harrold manchmal zur Weißglut trieb (obwohl er die Bälle immer hielt) fand der Trainer beizeiten sogar ganz amüsant.

Lautes Rufen vom anderen Ende des Spielfeldes riss ihn aus seinen Gedanken und er hob den Blick in den verschleierten Himmel. Alanis in ihrem marineblauen Umhang drehte einige Loopings hoch über dem Spielfeld, in ihren zierlichen Händen glitzerte der Goldene Schnatz. Damit hatte Adriens Team gewonnen und die Spieler ließen ihrer Freude freien Lauf, auch wenn es nur ein Übungsspiel gewesen war, um sie auf die Begegnung gegen die Harvest Eagles vorzubereiten (Alanis würde dieses Mal statt Callagher spielen).

Oben in der Luft flog Adrien auf Oliver zu, und sein kantiges, gut aussehendes Gesicht zierte ein breites Grinsen. Auch wenn man es im Team selbst nicht immer sah, aber er und Wood waren ziemlich gute Freunde geworden, seit man den Schotten für das Team verpflichtet hatte.

„Du ausgekochtes Schlitzohr“, meinte er und boxte seinem Teamkollegen in die Seite. „Hab ich dir eigentlich schon mal gesagt, dass du meine Nerven ungeheuer strapazierst, wenn du so was machst?“

„Jedes mal, wenn ich so was mache“, antwortete Oliver trocken und zwinkerte. „Und es bereitet mir jedes mal wieder Freude. Was glaubst du, was ich mir damals alles ansehen musste?“

„Ach jaaaa, unser Hüter war ja auch mal Kapitän“, grinste Adrien, während sie in sanftem Sinkflug gen Rasen flogen und aufpassten, dass sie nicht von einer Windbö davongeweht wurden. „Hätt’ ich beinahe vergessen!“

Sicher auf dem Boden angekommen machten sich die beiden klatschnass und ihre Armschützer abschnallend auf den Weg zu den Umkleiden; Oliver sah ein letztes Mal hoch in den mittlerweile schwarzen Himmel, bemerkte jedoch die hellgraue Eule nicht, die mit einem Brief fest in den Krallen geradewegs hinüber zur Kabine des Trainers flog und hin und durch die Luft taumelte oder vom Wind davongetragen wurde.

~*~

Grant spuckte aus, bevor er seine Kabine betrat und sich sofort seines nassen Umhangs entledigte, indem er ihn an den Haken neben der Tür hängte.

Incendio“, murmelte er gedankenabwesend mit einem Schlenker seines Zauberstabs und die Holzscheite im Kamin begannen sofort munter zu brennen. Das Prasseln des Feuers erfüllte den Raum genauso schnell und angenehm wie die Wärme, und die Flammen malten verschwommene Muster an die mit Urkunden, Bildern und Pokalen vollgehängten beziehungsweise vollgestellten Wände. Von allen vier Seiten lachte das Team herunter, ob als strahlende Sieger oder nach einem erfolgreichen Training; ein jeder trug ein Lächeln auf den Lippen.

Erschöpft ließ der Mann sich in seinen Schreibtischstuhl fallen und hustete. Dieses Wetter war nicht auszuhalten. Schon seit Tagen schüttete es wie aus Kübeln, und eine Besserung war nicht in Sicht. Das Spiel gegen die Harvest Eagles konnte ja heiter werden …

Müde rieb Grant sich seine schmerzenden Knie und lauschte dem Peitschen eines weit verästelten Blitzes draußen, auf das kurz darauf der laute Donner folgte, an den er in den letzten Tagen schon gewöhnt hatte. Mithilfe seines Zauberstabes ließ er eine Tasse und eine Kanne zu sich herüberfliegen und schenkte sich daraus heißen Tee ein. Im nu breitete sich ein starker Duft nach Pfefferminz im Raum aus, der den Geruch von morschem Holz und muffeligen kleinen Kammern vertrieb. So sah die Welt doch gleich wieder ein wenig freundlicher aus …

Wohlig grummelnd lehnte sich der Trainer in seinem Stuhl zurück und wollte gerade an der Tasse mit Pfefferminztee nippen, als plötzlich – vollkommen zeitgleich mit einem der lauten Donnerschläge – etwas gegen sein regennasses Fenster krachte und draußen zu Boden fiel.

„Verdammt, heiß!“, fluchte Grant und trocknete seine teenassen, brennenden Hände an seiner Hose ab. Er war einer dieser Menschen, die es gar nicht leiden konnten, wenn sie nach „Feierabend“ gestört wurden, schon gar nicht, wenn das Wetter draußen beschissen und die eigene Stimmung sowieso schon am Tiefpunkt war.

Mühselig erhob er sich ächzend von seinem Stuhl und hinkte zum Fenster, um es zu öffnen. Dass das ein großer Fehler war, stellte sich Sekunden später heraus.

Kaum war es einen Spalt breit offen, fegte ein Windstoß mit solcher Wucht durch den kleinen Raum, dass er sämtliche Aktenpapiere und Formulare von Grants Schreibtisch fegte und selbst die Pokale neben den Wimpeln an den Wänden zu wackeln begannen. Der Regen benetzte sofort das Fensterbrett und einige Tropfen flogen ins Feuer, wo sie leise zischend zu Dampf verpufften. Dies kümmerte Grant im Moment jedoch nicht.

Viel interessanter war da schon die Eule, die etwas bedröppelt draußen vor dem Kabinenfenster hockte und sich schüttelte, offenbar zu schwach, um dem starken Wind standzuhalten und noch leicht benommen von der Kollision mit der Fensterscheibe.

Behutsam streckte der Mann die Hand aus und hob das Tier hinein in die warme Stube, bevor er schnell das Fenster wieder schloss. Die Eule schuhute leise und schüttelte sich, wobei die Wassertropfen aus ihren Federn in alle Richtungen spritzten, dann flatterte sie auf Grants Schreibtisch und hielt ihm demonstrativ ihr linkes Bein hin, an das ein Brief aus gelblichem Pergament gebunden war und seltsamerweise keine Spuren des herrschenden Unwetters aufwies.

Verdutzt nahm Grant der Eule ihre Last ab und sah ihr zu, wie sie vom Tisch zu Boden hüpfte und es sich mit einem wohligen Laut vor dem Feuer gemütlich machte. Dann erst wandte er seine Aufmerksamkeit dem Brief zu, den er in Händen hielt und der mit smaragdgrüner Tinte adressiert war an:

Mr. Robert Grant
Trainerkabine
Quidditchfeld Puddlemere United
Prestwick

Die Art einer solchen Adresse hatte der Mann schon in seinem Leben gesehen, doch das war schon ewig lange her. Zu lange. Er drehte den Brief um und fühlte sich sofort in seiner Vermutung bestätigt. Auf der Rückseite des Umschlages prangte das Wappen von Hogwarts; Löwe, Adler, Dachs und Schlange, die sich um ein großes „H“ rankten und für die vier Häuser standen.

Was konnte die Schule von ihm wollen? Oder besser gesagt, was konnte Dumbledore von ihm wollen, denn es war am wahrscheinlichsten, dass er den Brief geschrieben hatte.
Nach alledem, was Grant von den Ereignissen vor dem Sommer gehört hatte, schien das Ministerium den Schulleiter nicht mehr für voll zu nehmen. Voldemorts Rückkehr … dunkle Verschwörungen … es klang tatsächlich etwas abgedroschen und düster; doch Grant war schon immer ein Mann gewesen, der Dumbledore vertraut hatte, und so tat er das Geschwätz Fudges nur mit einem Kopfschütteln ab.

Nun aber öffnete der Trainer gespannt und mit leicht zitternden Fingern den Brief und entfaltete das Blatt Pergament, das sich in seinem Inneren befand und dicht in einer fein geschwungenen Handschrift beschrieben worden war.

Grants Augen huschten über die Zeilen, und je mehr er las, desto größer wurden sie.
Als er den Brief wieder sinken ließ und ins Feuer starrte, rasten die Gedanken in seinem Kopf und ihm fehlten für einen Moment die Worte. Dann las er den Brief noch ein zweites Mal. Und ein drittes Mal, bis er endlich im ganzen Ausmaß begriffen hatte, was Dumbledore von ihm verlangte.

„Beim Barte des Merlin …“

~*~

Der starke, heiße Strahl aus dem Duschkopf war wie eine Erlösung.

Kaum in seiner kleinen Wohnung in Prestwick angekommen, hatte Oliver sein klatschnasses Zeug ausgezogen und im Gang achtlos liegen gelassen, sich ein Handtuch geschnappt und war sofort unter die Dusche gesprungen.

Hier stand er nun und räkelte sich seufzend unter dem heißen Wasser, das auf seine schmerzenden Muskeln prasselte und in langen Bahnen seinen athletischen Körper hinablief. Darauf hatte er sich schon den ganzen Tag gefreut, und nichts in der Welt konnte ihn in der nächsten Viertelstunde aus der Dusche holen, dessen war er sich sicher.
Mit einer Hand strich er sich eine nasse Haarsträhne aus den Augen und streckte sich genüsslich. Bei solch einem Wetter war es sowieso das Beste, morgens einfach liegen zu bleiben. In seiner Schulzeit, dachte er grinsend, hätte er sich das noch erlauben können. Jetzt aber hatte er Verpflichtungen, nicht nur sich gegenüber, sondern auch seinem Trainer und seinen Teamkollegen.

Überhaupt war alles anders geworden, seit er von zuhause aus- und hier eingezogen war, um unabhängig zu sein. Von einem schönen Haus am Land in der Nähe von Glasgow bis hierher war es zwar nicht dermaßen weit, und doch bedeutete es eine gewisse Art von Unabhängigkeit, die er nach sieben Jahren Hogwarts sehr willkommen geheißen hatte. Die Wohnung, die er hier ganz in der Nähe des natürlich für die Muggel nicht wahrnehmbaren Quidditchplatzes erstanden hatte, war klein und gemütlich, bestehend aus Gang, Badezimmer, Schlafzimmer und Wohnraum mit integrierter Küche. Oliver zog es – meistens – vor, nach Muggelart zu kochen, wenn er denn überhaupt dazu kam, etwas zu essen. Da er aus einer reinen Zaubererfamilie stammte, war es ihm am Anfang schwer gefallen, mit den vielen Gerätschaften umzugehen, die die Muggel so besaßen; doch nun hatte er gelernt, wie beispielsweise mit einem Staubsauger oder einer Waschmaschine umzugehen war. Trotzdem war die Zeit, die er wirklich für sich alleine verbringen konnte, erschreckend gering, wie er festgestellt hatte.

Der junge Schotte drehte den Wasserhahn etwas zurück, beließ die Wärme jedoch gleich und ließ das Wasser einige Sekunden lang auf sein Gesicht prasseln. Abschalten und genießen … das war alles was er an diesem Abend noch vorhatte …

Wie sehr er sich getäuscht hatte …

Im nächsten Moment drang ein dumpfes Rumpeln durch die Tür, gefolgt von einem so durchdringenden Schrei seiner Eule Sayuri, dass Oliver vor Schreck beinahe in der glitschnassen Dusche ausgerutscht wäre.

Grummelnd und noch benommen von dem heißen Wasser stellte er den Hahn ab, steckte den Kopf aus der Dusche und öffnete die Badezimmertür einen Spalt breit. Die kalte Luft, die aus dem Gang hereinströmte, ließ ihn kurz mit den Zähnen klappern.

„Hallo? Ist da jemand?“

Niemand antwortete ihm, und die Wohnung schien still, bis auf Sayuris schrilles, leises Kreischen, das aus dem Wohnzimmer herüberdrang.
Noch einmal schickte der junge Mann ein „Hallo?“ in den Gang, doch wieder erhielt er keine Antwort, und so sah er sich gezwungen, die Dusche zu verlassen und nach dem Rechten zu sehen.

„Na toll“, grummelte er, als er nach seinem Handtuch griff und es sich um die Hüften schlang. „Genauso hatte ich mir das vorgestellt …“

Mit klatschnassen Haaren, Wassertropfen auf dem Oberkörper und der Temperatur entsprechend zitternd wagte sich Oliver in den Gang hinaus, stieg behutsam über seine liegengelassenen Quidditchklamotten und stieß leicht die Tür ins Wohnzimmer auf.

„Komm schon, Sayu, wovor hast du jetzt schon wieder -?“

Wovor seine Eule Angst haben sollte, blieb dem Hüter jedoch vor Schreck im Halse stecken, als er sah, dass seine Eule gerade von einer etwas älteren, ihm wohlbekannten Dame in smaragdgrünem Umhang und mit spitzem, schwarzem Hut gestreichelt und mit Eulenkeksen gefüttert wurde.
Die Dame, zweifellos eine Hexe, war nach diesen Worten ebenso erschrocken wie er, trat sofort einen Schritt beiseite und starrte ihn mit großen Augen an, während Oliver mit großem Schreck das Handtuch fester um seine Hüfte zog und sich gegen den Türrahmen presste. Er brauchte einige Sekunden, bis er wirklich begriffen hatte, wer da vor ihm stand.

„P-p-professor McGonagall?“, brachte er stammelnd hervor und hielt trotz geringer Hinunterrutschgefahr noch immer das Handtuch fest umklammert. Die Tatsache, dass er halbnackt vor seiner ehemaligen Hauslehrerin und Mentorin in seiner eigenen Wohnung stand, war ihm mehr als peinlich.

„Mr. Wood!“

Professor McGonagall, offenbar verschämt oder eher peinlich berührt von dem Anblick, der sich ihr bot, wandte sich diskret um und betrachtete gezwungenermaßen das große Bild eines Schnatzes, das über dem Sofa hing. „Um Himmels Willen, ziehen Sie sich etwas an!“

Für einen Moment fühlte Oliver sich in seine Schulzeit zurückversetzt und wollte schon fast gehorchen (was vielleicht auch besser gewesen wäre), doch stattdessen versuchte er, das letzte bisschen Stolz, das er jetzt besaß, zusammenzukratzen (denn schließlich war ja sie in seine Wohnung eingedrungen) und fragte mit leicht herausforderndem Unterton: „Sagen Sie mir zuerst, was Sie in meiner Wohnung zu suchen haben, Professor!“

McGonagall hielt es jedoch noch immer nicht für angebracht, sich zu ihm umzudrehen, stattdessen sagte sie – eher zum Schnatz an der Wand als zu ihm: „Mein Tun und meine Absichten, die mich hierher geführt haben, bedürfen einiger Zeit der Erklärung. Deshalb schlage ich vor, dass Sie sich schleunigst etwas anziehen, Oliver, bevor Sie sich noch eine Erkältung holen und vor Schüttelfrost vom Besen fallen!“

Das hatte gesessen; Wood musste sich wohl oder übel geschlagen geben und sich damit abfinden, dass diese Frau – der Tatsache zum Trotz, dass er bereits seit zwei Jahren kein Schüler mehr war – noch immer eine gewisse Macht über ihre Schützlinge besaß, ob ehemalig oder nicht. Er seufzte und schob sich eilig an der Wand entlang zur Tür seines Schlafzimmers, wo er hurtig im Raum dahinter verschwand, während McGonagall das hellgelb gestrichene Wohnzimmer mit den dunklen Möbeln und der holzverkleideten Küchenecke auf der Längsseite betrachtete. Neben dem Sofa lagen verwaschene Jeans und ein Paar Socken herum, über dem Stuhl am Küchentisch hingen ein paar Shirts und ein ungewaschener Topf samt Deckel zierte die Küchentheke. An den Wänden hingen nur fünf Bilder, eines zeigte einen Schnatz, zwei weitere Bilder die Mannschaft von Puddlemere United, eines eine Landschaft, die zweifellos in die Gegend rund um Glasgow, also seiner Heimat, gehörte; und das letzte Bild hatte die Professorin erst Stunden zuvor selbst in Dumbledores Büro gesehen. Harry Potter und der Rest der Mannschaft winkten ihr von dem eingerahmten Foto entgegen, Wood selbst hielt den Quidditchpokal in Armen und wusste gar nicht wohin mit seinem Glück.
Der ehemalige Kapitän hatte also seine Vergangenheit nicht vergessen, und das war gut so.

„Möchten Sie vielleicht etwas trinken, Professor?“

McGonagall fuhr zur Schlafzimmertür herum und fragte sich, wieso sie Wood nicht kommen gehört hatte. Jetzt trug er eine schwarze, weite Hose wie sie die jungen Muggel trugen, die sie bereits gesehen hatte und ein dunkelgraues Shirt, das sich an seinen vom Sport geprägten Körper schmiegte. Die Professorin stellte fest, dass er etwas dünner, aber dafür auch noch größer und athletischer geworden war. Das dunkelbraune, noch immer nasse Haar umrahmte verstrubbelt sein ziemlich gutaussehendes Gesicht mit den haselnussbraunen Augen, aus denen noch immer derselbe Ehrgeiz sprach, den sie auch schon in der Schulzeit innegehabt hatten. Sollte Wood der neue Professor für Flugkampf werden, so, dachte McGonagall, würde er dem gleichen Problem wie Lockhart  vor drei Jahren mit dem weiblichen Teil der Schülerschaft gegenüberstehen; mit dem kleinen, aber schwerwiegenden Unterschied, dass Wood sich nicht in seinem Ruhm sonnen und seine Schülerinnen nicht mit Autogrammen versorgen würde.

„Gerne.“

Oliver spazierte gelassen hinüber zur Küchenzeile und öffnete den Kühlschrank – eine weitere praktische Erfindung, wie er fand.

„Wasser, Saft, Butterbier, …?“

„Wasser, Dankeschön.“

Mit einem schnellen Handgriff beförderte Wood eine Wasserflasche aus dem Kühlschrank sowie zwei Gläser aus dem Küchenkasten und deutete McGonagall, auf dem Sofa Platz zu nehmen. Während die Frau sich setzte, füllte der junge Schotte sorgfältig die beiden Gläser an, stellte sie zwischen ihnen auf den Couchtisch, fischte nebenher die Socken und die Jeans auf einen Haufen zusammen und ließ sich seiner ehemaligen Lehrerin gegenüber auf dem Sessel nieder, wo er die Beine im Schneidersitz verschränkte, das Kinn auf die Fingerspitzen legte und sie erwartungsvoll anblickte. Was wollte sie hier?

„Also?“

Nachdem Professor McGonagall einmal dezent an ihrem Wasserglas genippt, ihre Brille zurechtgerückt, ihren Umhang sorgfältig glatt gestrichen und mit ihren funkelnden Augen Wood fixiert hatte, fing sie endlich an zu sprechen.

„Wie geht es Ihnen, Oliver?“

Verdutzt über die völlig unerwartete Gegenfrage richtete sich der junge Mann etwas auf und hob verwundert eine Augenbraue. Noch immer hatte er keine Ahnung, worauf das alles hinauslaufen sollte. Er konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass seine alte Hauslehrerin plötzlich in seiner Wohnung stand, nur um ihn zu fragen, wie es ihm ging. Nicht McGonagall.

„Sehr gut, kann mich nicht beklagen“, antwortete er trotzdem und erwiderte ihren durchringenden Blick, der ihn auf Herz und Nieren zu prüfen schien. Langsam aber sicher fühlte er sich unter diesem Blick unwohl und er betrachtete den Wäschehaufen neben dem Sofa.
„Sie müssen die Unordnung entschuldigen, Professor; ich hatte in den letzten zwei Tagen immer bis spätnachts Training –“

„Machen Sie sich deswegen keine Sorgen.“ Sie räusperte sich kurz. „Ich kann verstehen, dass Sie sich gerade nicht erklären können, was ich hier in Ihrer Wohnung – Ihrem Leben zu suchen habe. Wenn Sie sich jedoch die Zeit nehmen wollen, es mich erklären zu lassen, wäre ich Ihnen mehr als dankbar. Dumbledore wäre Ihnen mehr als dankbar.“

Die Erwähnung von Dumbledores Namen ließ Oliver aufhorchen, und einmal mehr fragte er sich, was die Schule von ihm wollte, doch er beschloss, McGonagall erst einmal ihre Sache loswerden zu lassen, bevor er etwas dazu sagte.

Sein Schweigen schien die Professorin als Zusage für das Weitersprechen zu interpretieren, denn sie räusperte sich erneut und fuhr fort.

„Sie haben vielleicht von den schrecklichen Ereignissen gehört, die am Ende des letzten Schuljahres geschehen sind …“, Oliver nickte. Er hatte es im Tagespropheten gelesen; die Dinge, die man über Harry und Dumbledore geschrieben hatte, die Guten und die Schlechten. Persönlich aber glaubte er nicht an das Ministerium und seine Theorien. Wood kannte Harry zu gut, als dass er ihn als einen Lügner bezeichnet hätte. Was dies alles jedoch mit ihm zu tun hatte, konnte er sich nicht erklären.

„… Voldemorts Rückkehr und dergleichen“, holte ihn McGonagall aus seinen Gedanken, „haben die Stimmung und den Alltag in der Schule sehr verwandelt. Dumbledore setzt sich für den höchsten Schutz ein, den er seinen Schülern bieten kann; angefangen von umgekrempelten Stundenplänen und Fächern bis zu den Lehrplänen, die vollkommen neu und auf die wichtigsten und überlebensnotwendigsten Schwerpunkte ausgerichtet sind. Neue Banne wurden um die Schule gezogen, sie ist nun sicher wie vielleicht noch nie zuvor.“

Oliver lauschte ein klein wenig angespannt den Ausführungen McGonagalls und ihn befiel ein leichtes Gefühl der Traurigkeit, als er hörte, dass Angst und Schrecken nicht einmal vor dem Ort halt machten, der ihm in seiner späten Kindheit so viel Spaß und Geborgenheit gegeben hatte.

„Wie auch immer“, fuhr McGonagall fort und nippte erneut an ihrem Wasserglas, „Dumbledore hat vor, zwei neue Fächer im kommenden Schuljahr einzuführen. Das eine wird Okklumentik sein, unterrichtet von einer neuen Professorin. Es ist gut, wenn unsere Schüler sich gegen die geistigen Kräfte des Dunklen Lords wehren können. Das andere Fach“, sie zögerte kurz und fixierte Wood wieder fest mit ihrem Blick, „soll dazu dienen, Du-weißt-schon-wers Gefolgschaft nicht nur vom Boden, sondern auch aus der Luft angreifen und sich gegen sie verteidigen zu können. Manchmal sind zwei Angriffsvarianten besser als eine. Deshalb möchte Dumbledore, dass die Schüler verstärkt im Besenflug und für den Kampf darauf ausgebildet werden. Unser einziges Problem in dieser Sache ist, dass Madam Hooch nicht bester Gesundheit ist und die Schule aus Altersgründen bereits verlassen hat …verstehen Sie?“

McGonagall hatte genug gesagt, um die einzelnen Puzzleteile in Woods Kopf zusammenzufügen und ihm klar zu machen, warum sie hier war. Vollkommen entgeistert und mit hochgezogenen Augenbrauen saß der junge Schotte im Schneidersitz da und starrte die Professorin an, als sei sie einer der Hausgeister von Hogwarts. Dann, nach einigen qualvoll langen Sekunden, schaffte er es, zu sprechen.

„Wenn ich Sie also nun richtig verstehe, Professor, dann …“, er schluckte, „… dann soll ich…“

„Um das Sollen geht es hier nicht, Oliver“, unterbrach ihn McGonagall und hob beruhigend eine Hand. „Dumbledore bittet Sie aufrichtig darum. Um ehrlich zu sein, Sie sind seine letzte Hoffnung; er will dieses Fach in seiner Schule und hält es für wichtig genug, um dafür alle Hebel in Bewegung zu setzen. Darüber hinaus hält er Sie für mehr als fähig, nach alledem, was er all die Jahre lang von Ihnen sehen konnte.“

Sie seufzte kurz und musterte den mittlerweile komplett verwirrten jungen Mann, der ihr gegenübersaß. Erst jetzt wurde ihr bewusst, wie schnell und kompliziert das für ihn gekommen sein musste. Seine dunklen Augen verrieten, dass sich in seinem Kopf gerade eine Jagd der Gedanken abspielte.

„Dumbledore … Dumbledore will, dass ich Lehrer in Hogwarts werde?“, fasste er schließlich zusammen, nachdem er das alles verdaut hatte und starrte McGonagall mit einem Blick an, der wohl sagen sollte: Sagen Sie mir, dass das ein Scherz war. Das Nicken, das als Antwort folgte, zerstörte rapide diese Illusion.

„Aber wie kann Dumbledore das nur sagen?“, fragte der junge Mann fassungslos, erhob sich ruckartig aus seinem Sessel und begann mit vor der Brust verschränkten Armen auf und ab zu gehen. „Ich meine, sehen Sie mich doch an!“ Er drehte sich zu McGonagall um, beinahe schon mit einer hilfesuchenden Miene. „Mein Leben ist streng nach Vertrag festgelegt, ich kann weder essen, was ich will, noch schlafen, wann ich will; ich bin gerade mal zwanzig Jahre alt und höchstens autoritär genug, Quidditchkapitän einer Schulmannschaft zu sein. Aber Lehrer?“

McGonagall hatte diese Reaktion erwartet; gewusst, dass er Zweifel haben würde. Jeder andere an seiner Stelle würde sie auch haben, dessen war sie sich gewiss.

„Ich sehe einen jungen Mann“, begann sie mit ruhiger, gelassener Stimme und emotionslosem Gesichtsausdruck, „den ich fliegen sah wie selten jemand anderen. Der als Kapitän Verantwortung über ein Team hatte und es mit Stärke und Köpfchen durch alle Höhen und Tiefen führte, bis hin zum verdienten Sieg. Ich sehe einen jungen Mann, der auch stark genug ist, diese Herausforderung zu bestehen.“

Es wurde still im Wohnzimmer, und Wood war für den Moment so verdutzt, dass er sich kurzerhand wieder setzte. Solche Worte hatte er noch nie aus McGonagalls Mund gehört; und so absurd es ihm noch immer erschien, sich ihn als Lehrer in Hogwarts vorzustellen, ein wenig besser gefiel ihm die Vorstellung davon trotzdem. Lehrer … es bedeutete vor allem, sein altes Team wieder zu sehen, dessen Mitglieder er bis auf Harry seit seinem Abgang nicht mehr gesehen hatte.

„Wie ist die Wahl auf mich gefallen?“, fragte er schließlich in die Stille hinein und McGonagall lächelte. „Das Foto hat uns sozusagen inspiriert.“

Mit diesen Worten deutete sie auf das Bild seines ehemaligen Teams an der Wand und Wood fiel ein, dass Dumbledore ein Abbild in seinem Büro hängen hatte, wie von jeder Mannschaft, die je den Pokal errungen hatte. Der Pokal … er musste lächeln, als er sich an dieses Spiel und vor allem diesen Moment in seinem Abschlussjahr erinnerte. Noch nie zuvor hatte er aus Glück so viele Tränen vergossen. Es war einfach ein Traum gewesen, der endlich wahr geworden war.

„Ich frage Sie noch einmal, Oliver“, riss ihn die Professorin aus seinen Gedanken, „in aller Förmlichkeit und Ausführlichkeit. Dumbledore bittet Sie darum, Ihre Fähigkeiten unserer Schule zur Verfügung zu stellen und sie an lernhungrige junge Zauberer und Hexen weiterzugeben. Würden Sie die Stelle annehmen?“

Sie blickte ihn gespannt aus ihren Katzenaugen an, wartete auf eine Antwort; und sie hoffte so sehr, dass sie zu ihren Gunsten ausfallen würde.

Noch einmal rasten in Woods Kopf seine Gedanken umher; und er dachte an das Team von Puddlemere United, dass er wohl oder übel verlassen musste, wenn er nach Hogwarts ging. Er dachte an Adrien, der sicher ganz und gar nicht glücklich darüber sein würde, an Grant, der ihm wahrscheinlich den Besen in Brand stecken würde, wenn er das erfuhr, und an den Rest der Truppe, den er irgendwie in sein Herz geschlossen hatte.

Andererseits dachte er an das Schloss mit all seinen Geheimnissen und Mythen, an die Geister, die Festmähler, die gemütlichen Zeiten im Gemeinschaftsraum und die harten Trainingsstunden; er dachte an sein altes Team und all die anderen alten Freunde, die er wieder sehen würde, zumindest für die Zeit, in der sie noch die Schule besuchten. War das alles es wert, sein jetziges Leben dafür aufzugeben?

Würden Sie die Stelle annehmen?

McGonagalls Frage geisterte zusätzlich noch immer in seinem Kopf herum, doch auf sonderbare Art und Weise schien sein Herz schon eine Entscheidung gefällt zu haben.

Lächelnd sah er sein Gegenüber an und setzte sich aufrecht in den Sessel, jede Faser seines Körpers angespannt.

„Ja.“

Minerva McGonagall glaubte für den ersten Moment, sich verhört zu haben. Kam dieses entschlossene „Ja“ von demselben jungen Mann, der vor Sekunden noch behauptet hatte, nicht der Richtige für die Stelle zu sein?

„Ja?“

„Ja. Ich will versuchen, Madam Hooch ein würdiger Nachfolger zu sein.“

Oliver lächelte. McGonagall nickte anerkennend. „Das werden Sie sicher sein, darin hege ich keinen Zweifel. Sie wissen nicht, welch großer Stein Dumbledore vom Herzen fallen wird.“

„Ich kann es mir annähernd vorstellen.“

Nun entkam auch der betagten Hexe ein erleichtertes Lächeln und sie streckte Oliver über den Tisch hinweg ihre Hand entgegen, die er nach minimalem Zögern selbstbewusst ergriff. Der Gedanke, dass sie von nun an eine „Kollegin“ und nicht mehr eine Lehrerin sein würde, war doch etwas seltsam. Sayuri flatterte vergnügt mit den Schwingen und gab ein zufriedenes Glucksen von sich, ganz so, als ob sie das alles von Anfang an gutgeheißen hätte.
Die stellvertretende Schulleiterin von Hogwarts lächelte erneut und hob ihr Wasserglas.

„Willkommen im Kollegium, Professor.“

„Oliver wäre mir – zumindest bis Schulanfang – lieber“, gab Wood lachend zu bedenken und atmete tief durch. Ihm wurde bewusst, dass er gerade sein ganzes, bisheriges Leben über den Haufen geworfen und durcheinander gewirbelt, seinen Job geschmissen und eine Stelle als Lehrer angenommen hatte. Ideale Voraussetzungen für sein weiteres Leben, dachte er ironisch bei sich und leerte sein Wasserglas in einem Zug, als ob er sich wünschte, lieber etwas stark Alkoholisches darin vorzufinden.

„Unser härtester Kampf steht uns aber noch bevor“, meinte er schließlich mit einem Seufzen und stellte das Glas zurück auf den Tisch.

„Ach ja? Und der wäre?“

Oliver rollte mit den Augen und deutete zu dem Foto der Mannschaft Puddlemere United.

„Adrien, mein Kapitän. Und Rob … mein Trainer.“

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Anm. der Autorin: Sooo das war's mit dem ersten Kapitel!! Ich hoffe, es hat euch gefallen und ihr lest den Nachschub auch noch, der kommt ^^
Hier zu den Kommentaren vom Prolog:

@SEEKEKS: 1. Review!!! <3 Dankeschöööön! *knuddelt* Hoffentlich gefällt dir dieses Kapitel auch!!
@TANE: Meine Lieblingsdeutsche und Reviewerin seit "kindertagen" ^^ ich hab mich sehr gefreut *liebhab* Jaja McGonagall sollte sich endlich outen .. ^^
@FAHIR: Was ich dir zu sagen habe, liebste Muse, weißt du ja. Außerdem teile ich es dir in endlosen Mails, Besprechungen (^^) und Ratssitzungen mit ^^ deine reviews ehren mich *grinz* ~.-