Hauros schlagendes Herz

von Seto-Chan
GeschichteRomanze / P12
Calcifer Hauro Madame Suliman Markl
12.11.2007
07.01.2010
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Hauros schlagendes Herz

Alltag – aber was ist es für andere???

Zu Zeiten des Krieges zwischen zwei benachbarten Reichen waren Zauberer gefragte Waffen. Aufgrund ihres übergreifendes Wissens und ihrer magischen Kräfte waren sie normalen Soldaten und Kriegsmaschinen weit überlegen, weshalb sie sofort eingezogen wurden, für ihren König zu kämpfen. Doch eine Hand voll Magier ignorierte die Einberufungsbefehle so auch der Schwarm aller unschuldigen Frauen: Hauro. Von seinem wandelnden Schloss aus richtete und kämpfte er, nur seinem eigenen Gewissen und keiner Obrigkeit verpflichtet. Mit ihm unterwegs waren Markl, ein kleiner, rothaariger Junge, der selber schon ein wenig Magie wirken konnte und, mehr oder weniger freiwillig, der Feuerdämon Calcifer, der das Schloss bewegte und seine Feuerstelle nicht verlassen durfte. Da Hauro einen Pakt mit Calcifer dem Dämon abgeschlossen hatte, wurde er in den Augen Sulimans, seiner früheren Lehrmeisterin, als ‚unreiner’ oder ‚verdorbener Zauberer’ erachtet, den die mächtige Hexe entweder ‚reinigen’ oder töten wollte…

Lautstark ließ das wandelnde Schloss Hauros die Erde im Niemandsland, von dem es hieß, dass sich nachts Zauberer und Hexen darin tummelten und daher von Menschen gemieden wurde, erbeben. Die klauenartigen Füße stampften auf und hoben sich, ohne einen Abdruck im Boden zu hinterlassen. Das Schloss selber war ein unförmiges Gebilde aus verschiedensten (Schrott-)Elementen, welches ohne Magie sofort in sich zusammengebrochen wäre. Plötzlich hielt das Monstrum aus Stahl und Eisen inne, das rechte Vorderbein in der Luft schwebend. Aus der Tür, hinten am Bauch, hastete Markl zum scheinbaren Gesicht des Schlosses und tauchte darunter, zur rechten Seite. Auch der Junge stockte kurz. Vor ihm im grünen Gras lag eine Frau. Ihre hüftlangen, goldblonden Haare lagen wie ein Kranz auf dem Boden verstreut, wie auch ihre Gliedmaßen.

Der Junge brauchte eine Minute, um sich zu fassen, in der er feststellte, dassdie Frau sehr gutaussehend war.
Sogleich rannte er zurück ins Schloss, blieb schlitternd am Treppenabsatz stehen und rief laut: „Meister Hauro! Meister Hauro! Kommt schnell Meister Hauro!“ Leicht verschlafen erschien der Angesprochene kurz darauf am oberen Ende der Treppe.
„Was ist denn?“, wollte der Blonde, hochgewachsene, ungewöhnlich gutaussehende Mann wissen.
„Kommt einfach!“, drängte Markl und rannte vor nach draußen. Hauro seufzte theatralisch und setzte dem Jungen nach. Ihm viel sofort die Frau am Boden auf und mit wenigen Schritten war er bei ihr und kniete sich neben sie.
„Ist sie – gestorben?“, wollte Markl traurig wissen.
„nein… sie ist nur bewusstlos. Wenn Calcifer auf sie getreten wäre, DANN wäre sie tot.“, erwiderte Hauro und hob die Blonde, die in seinen Armen nicht mehr als eine Feder wog, hoch. Vorsichtig trug er sie in sein Schloss, es dabei nicht versäumend, sich die Frau und ihre Schönheit eingehend zu Gemüte zu führen. Behutsam legte er sie im Wohnzimmer auf das leicht staubige Sofa und weiß Markl an, ihn sofort zu informieren, falls sie aufwachen sollte. Daraufhin zog er sich wieder nach oben zurück: Er wollte baden.

Zwei Stunden später schlug die Frau die Augen auf. Keine drei Sekunden später fuhr sie auf, sodass sie kerzengerade auf dem Sofa saß.
„Du scheinst verwirrt zu sein.“ Bemerkte Calcifer, das Feuer rechts von ihr. Als Antwort darauf fuhr die Blonde zusammen, laut schreiend. Sofort kam Markl um die Ecke.
„Beruhige dich!“, herrschte er sie mit aller Autorität an. Die Frau sah vom Feuer zum Jungen und wieder zurück.
„Also: Wer seid ihr, wo bin ich und was habt ihr mit mir gemacht?!“, wollte sie von ihnen wissen und der bedrohliche Unterton war nicht zu überhören.
„Mein Name ist Hauro, das Feuer oder eher der Feuerdämon wird Calcifer genannt und das Junge heißt Markl. Du bist hier in meinem wandelnden Schloss und wir haben dich vor dem Tod bewahrt.“, ertönte die angenehme Stimme des Schlossherrn von der Treppe her. Sofort richtete sich die Aufmerksamkeit der Frau auf den Neuankömmling. Als Hauro die letzte Treppenstufe erreicht hatte, hob er erneut die Stimme.
„Und du? Wer bist du, woher kommst du und wie hast du es geschafft in einem menschenleeren Ort in Ohnmacht zu fallen?“, wollte der Blonde, stetig zum Sofa schreitend, wissen.
Die Frau schwieg einen Moment, dann erwiderte sie bissig: „Nun, wenn ihr mich dort aufgelesen habt, scheint es ja doch nicht menschenleer zu sein.“ Auf Hauros schönem Gesicht erschien ein Lächeln, was keine Frau kalt lassen würde.
„Gut. Nun zu meinen anderen Fragen.“, lenkte er das Thema zurück. Die Blonde machte ein säuerliches Gesicht. Offenbar war sie nicht erfreut darüber, dass ihr ‚Ablenkungsmanöver’ nicht die gewünschte Wirkung erzielt hatte.

Nachdem die Frau noch einmal tief Luft geholt hatte antwortete sie: „Mein Name ist Amaya, ich komme – von weit her und wie ich das Bewusstsein verlor ist meine Sache.“ Darob hob Hauro eine Augenbraue.
„Du bist ziemlich unhöflich, wenn man bedenkt, dass du uns das Leben verdankst.“, gab der Blonde zurück.
„Ich habe nicht darum gebeten, mich zu retten.“, erwiderte Amaya und sah zum Feuer.
„Nun… wie du meinst.“, sagte Hauro und ging mit wehender Jacke, die er locker über die Schulter gelegt hatte, zur tiefer liegenden Tür. Er drehte den Knauf über der Klinke und der schwarze Farbteil einer Drehplatte an der Wand richtete sich nach oben, wo ein Pfeil darauf wies.
„Markl… sieh zu, dass du unseren Gast gesprächiger machen kannst.“, befahl Hauro und verschwand in die Schwärze der offenen Tür, die direkt hinter ihm zu schwang. Amaya starrte versteinert auf die Tür. Sogleich sprang Markl herbei.
„Das ist eine magische Tür, die zu vier verschiedenen Orten führt. Ins Niemandsland, wo wir dich gefunden haben, in die Hafenstadt und nach Kingsbury.“, erklärte der Junge eifrig.
„und die Vierte Tür? Wohin führt die?“, wollte die Blonde wissen.
„Das weiß nur Meister Hauro. Durch die ist er auch gerade eben verschwunden.“, antwortete Markl etwas kleinlaut.
„Aha.“, war Amayas einziger Kommentar dazu. Nach wenigen Minuten der Stille erhob sich die Frau und sah sich im so genannten Wohnzimmer, für das die Umschreibung Rumpelkammer passender gewesen wäre, um.
„Ok… was soll ich tun um meine Schuld abzugleichen?“, wollte Amaya mit einem undefinierbaren Unterton wissen.
„oh! Na da musst du Meister Hauro fragen.“, erwiderte Markl. Die Frau seufzte resigniert.
„Wann kommt er wieder?“, fragte sie und fürchtete doch die Antwort.
„So gegen Abend.“, kam die vage Aussage seitens des Jungen.
„Super… dann mach ich hier erst mal sauber… für den Fall, dass ich hier länger zu wohnen habe…“, gab Amaya zurück und machte sich auf, in dem Chaos aus Büchern, Essbarem und anderen Dingen einen Besen, einen Wischmob und einen Staubwedel zu finden. Zwanzig Minuten später hatte die Frau den Kampf gegen die flohmarktreifen Artikel gewonnen und hielt ihre Utensilien wie Waffen in der Hand.
„Ich sehe schon, ich habe eine Menge zu tun…“, seufzte die Frau und nahm zuerst den Staubwedel in die Hand. Gleich darauf ging sie ans Werk….

Draußen war bereits die Sonne untergegangen als Amaya sich erschöpft auf das Sofa fallen ließ.
„Oh man… noch nie in meinem Leben habe ich ein so verwahrlostes Haus gesehen…“, murmelte sie deutlich vernehmbar.
„Schloss, wenn ich bitten darf.“, meldete sich Hauro von der Tür her.
„Diese Müllhalde ein Schloss zu nennen ist zwar sehr eigen… aber ich habe schon Schlimmeres gesehen.“, erwiderte die Blonde ohne den Schlossherrn anzusehen.
„Du siehst müde aus, Hauro.“, meinte Calcifer besorgt.
„Es war ein harter Tag…“, gab der Blonde seufzend zurück. „Lass mir bitte ein Bad ein, Calcifer, danach werde ich noch mal versuche, mit Amaya zu reden.“, fuhr Hauro fort und erklomm bereits die Stufen zum Badezimmer.
„Was denn, schon wieder?!?“, empörte sich der Dämon laut.
„Wie schon wieder?“, hakte die Frau nach.
„Dass Hauro zwei Mal am Tag badet ist nicht selten! So eine Verschwendung meines heißen Wassers!“, maulte der Feuerdämon. Auf einmal kam Amaya eine interessante Idee. Sie hatte auch die Feuerstelle des Dämons gesäubert, die vorher von Asche nahezu überschwemmt gewesen war.
„Wie wäre es, wenn du mal ne Strichliste führst und dazu die Anzahl der Tage?“, schlug sie vor.
„Jaah… das könnte ich wirklich mal machen. Dann habe ich stichhaltige Beweise! Gute Idee!“, lobte Calcifer sie, packte ein verkohltes Holzstück und zog einen Strich in Reichweite seiner Arme. Amaya musste sich sehr zusammen nehmen, um nicht zu lachen.
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