Vorläufiger Titel: Family Ties

von nique
GeschichteAllgemein / P12
Beast / Henry "Hank" Philip McCoy Mystique / Raven Darkholme Nightcrawler / Kurt Wagner
11.11.2007
24.02.2008
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(Anm.: Ich benutze optisch  den Comic- nicht den Moviecrawler. Das gleiche gilt für Mystique. Da ich die Maske von NC im Film extrem daneben finde. Altermässig liegt er wohl genau zwischen der Movieversion (Alan ist 37 - Kurt in den Comics 28 oderso) und der Comicversion.)


Unter dem schweren Sturm beugten sich die Bäume.
Er zerrte nicht nur die letzten Blätter von den Bäumen sondern riss ganze Äste mit sich.
Es war längst nach Mitternacht, als sich das Taxi durch die beinahe undurchdringliche Dunkelheit quälte. Nur Manchmal erleuchtete Ein Blitz die Finsternis. Gefolgt von einem wütenden Donnergrollen. Eine weitere schwere Böe peitschte die Tropfen beinahe waagerecht gegen die Frontscheibe des Wagens. Obwohl die Scheibenwischer Schwerstarbeit leisteten konnten zuweilen weder Gast noch Fahrer mehr von der Straße erkennen, als einen verwaschenen Lichtkegel auf dem glänzenden Asphalt.

Fahrer und Beifahrer schwiegen die meiste Zeit.
Sie hätten unterschiedlicher nicht sein können. Der Taxifahrer war ein kleiner Mann- keine fünf Fuß zwei- untersetzt , mit dünn werdendem  Haar.

Sein Fahrgast dagegen war gut einen Kopf größer, schlank und sportlich, mit beinahe aristrokratischen Gesichtzügen und einer leicht gebogenen Nase.
Die Dunkelheit im Inneren des Taxis ließ sein Gesicht beinahe unsichtbar werden. Seine indigoblaue Haut war an fast jeder Stelle seines Körpers mit kurzen, samtenem Fell bedeckt.
Er hatte sich tief in seinen dunklen Wintermantel gekuschelt und die durchgehend gelben Augen nur halb geöffnet.

"Da haben Sie sich ja eine passende Nacht ausgesucht um zu reisen. KKZX sagt, es ist der schlimmste Herbsturm, der über Baltimore-Washington  tobt, seit  fast siebzehn Jahren.", sagte der Fahrer, während er das Fernlicht abblendete, weil ihm ein Truck entgegen kam.
"Oh ja", seufzte der Mann im Beifahrersitz.
"Mein Flieger aus Bosten hatte fast vier Stunden Verspätung. Es war ein recht holpriger Flug.
"Wichtige Geschäfte?", fragte der Fahrer mitfühlend.
Sein ungewöhnlicher Fahrgast schüttelte den Kopf:"Nein", sagte er leise, "eine dringende Familen- Angelegenheit"

+++

"Ausgerechnet jetzt", sagte Amelia Jones leise zu sich selbst und suchte in der Dunkelheit aus der Abstellkammer einen großen Kerzenstumpen.
Sie wollte gerade nachden Sicherungen sehen, als ihr Blick aus dem Küchenfenster fiel. Draussen war es ebenfalls viel zu dunkel. Offensichtlich hatte der Strom die Überlandleitung getroffen. Sogar die Strassenlaternen waren offensichtlich ausgefallen. Sie ging in den Korridor und testete das Telefon.
Das Funktelefon war ebenfalls tot.
Der Wind Peitschte den Regen gegen die hohen Sprossenfenster
Ausgerechnet in dieser Nacht dachte sie schauernd. Die Notfallleitungen würden bestimmt selbst über das Mobilphonenetz überlastet sein. In der Ferne hörte sie die Sirene eines Feuerwehrautos.

Sie suchte nach kleinen Batterien in der Schublade, zog das kleine Radio aus der Steckdose, entfernte das Kabel und steckte die Batterien in die Klappe. Dann schaltete sie es ein. Es dauerte einen Moment bis Amelia einen Sender gefunden hatte, der Musik spielte, die ihr spontan gefiel.
Sie stellte das kleine Radio neben die Kerze und sah es an, wie einen Rettungsanker in der Dunkelheit.
Amelia hasste solches ein Wetter.

Vor kaum drei Monaten war die Stadt in der sie aufgewachsen war, New Orleans, von einem verherrenden Hurrican getroffen worden.
Sie hatte erst nach Tagen erst Kontakt zu ihrer Familie herstellen können. Ihr Bruder und seine Frau hatten es nicht mehr rechtzeitig geschaft, die Stadt zu verlassen.Aber auch schon als Kind hatte sie sich vor Gewitter und Sturm gefürchtet.

Nun sass sie in dieser unwirtlichen, dunklen Nacht in einem großen leeren Haus und lauschte atemlos in die Finsternis.

Waren das Schritte im Flur? Unmöglich.
Vermutlich bildete sie sich das ganze nur ein. Trotzdem sprang sie auf und lauschte wieder.
Ganz eindeutig, da waren leise Geräusche.
Ein Blitz erhellte die Küche, schnell gefolgt von einem tiefen Grollen. Der Regen, der Gegen die Fensterscheiben prasselte schwoll an. Wie automatisch öffnete sich die Schublade und ein großes Gemüsemesser flog aus der Schublade in Amelias Hand.
Knarrend öffnete sich die Küchentür.

"Amelia?", rief ein verzagtes Stimmchen und zwei grosse grünblaue Augen Leuchteten auf.
Amelia seufzte erleichtert und ließ das Messer sinken.
Während sie auf den kleinen Schatten im Türrahmen zustürzte, hüpfte das Messer brav zurück an seinen Platz in der Schublade.
"June", rief die Frau. Sie kniete sich vor das Mädchen und streichelte ihr über die wirren Haare.
"Warum schläfst du denn nicht?"
June hatte ihre kleine Stoffkatze-die eigentlich ein Geschenk ihrer Grosseltern aus Vegas und ein weisser Tiger war-fest im Arm und sah Amelia ängstlich an.

"Ich fürchte mich so sehr, Amelia"

Die große hagere Frau nahm das Kind auf den Arm und June kuschelte sich vertauensvoll  an sie.
"Shsh" sagte sie leise, "Alles ist in Ordnung,meine Kleine. Wir haben nur Stromausfall"
Sie setzte das Kind auf die Bank.

"Machst du mir einen Kakao?", fragte das Mädchen leise. Amelia schüttelte bedauernd den Kopf.
"Das kann ich leider nicht mein Schatz, ohne Strom funktioniert der Herd leider nicht. Es wäre besser, wenn du ins Bett gehst.Du wirst ja sonst ganz kalt."
June zog die Beine an und hockte sich auf die Bank.
"Kann ich nicht noch ein wenig bei dir bleiben?", fragte sie.“Ich habe solche Angst!“
Amelia nickte. Sie konnte nur allzugut nachvollziehen, dass sich das Kind zu Tode fürchtete. Sie tat es auch.
"Sicher mein Schatz, aber ich sollte dir dann eine Wolldecke besorgen."
Sie seufzte und ging erneut zum Schrank um eine weitere Kerze herauszusuchen.
Der Weg ins Wohnzimmer war weit und dunkel.

Sie zündete die andere Kerze an und sagte zu dem kleinen Mädchen:"Du bleibst hier und rührst dich nicht von der Stelle- ich werde kurz ins Wohnzimmer gehen..."
June nickte stumm und sah leicht beunruhigt aus. Sie umarmte sich selbst.
Amelia war sich nicht sicher ob aus Furcht war oder weil sie fror.
Viel Lust bis zum Wohnzimmer zu laufen hatte sie nicht, aber es führte wohl kein Weg daran vorbei.

Amelia lief also  vorsichtig durch den stockdunklen langen Korridor, durch das Esszimmer in das weitläufige Wohnzimmer.
Ein gigantischer Schatten stand in der Ecke bei der Terassentür. Amelia musste sich selbst daran erinnern das es nur die afrikanische Statur war, die der Secretary von Sarah Montgomery im letzten Jahr geschenkt bekommen hatte.

Sie sah sich erschrocken um, als sie ein dumpfes Klopfen hörte. Nein sie hatte sich gewiss getäuscht.
Was oder wer würde um diese Uhrzeit in solch einer Nacht klopfen? Und es hatte bereits wieder aufgehört.

Sie schnappte sich hektisch die Decke, die auf dem Sofa zusammengelegt an ihrem Platz lag.
Ein weiterer Blitz erhellte den Raum. Die Statur stand düster in der Ecke und machte im Schein des Unwetters ein grimmiges Gesicht.
Nein.
Amelia versuchte rational zu denken. Es war nur doch eine Statur- eine hübsche noch dazu...

Es klopfte erneut und ein Schauder lief ihr über den Rücken. Was war das nur für ein Geräusch?
War die Kellertür nicht abgeschlossen und klopfte jetzt durch den Sturm gegen die Wand?
Nein, sie hatte nicht die geringste Lust auch noch in den düsteren Keller zu gehen.
Außerdem stand dort auch neben dem Wäschekeller ausgerechnet Anton. Anton war Dr. McCoys anatomisches Skelett.
Es war schon gruselig genug Anton bei Tageslicht zu treffen.
Amelia hatte einen großen Respekt vor den Geistern der Toten.
Sie sah ein, das McCoy Arzt war und es zu seiner Ausstattung gehörte. Dennoch sie vermied es, Anton näher als zwei Fuß zu kommen.
In solch einer Nacht wollte sie ihm gewiss nicht begegnen.

Zügig verliess sie das Wohnzimmer. Als sie den Korridor betrat konnte sie am Ende, durch die geöffnete Küchentür June am Küchentisch beim Schein der Kerze sitzen sehen.
Sie sah auf, als sie Amelia hörte und in Richtung des Kerzenscheins.

In diesem Moment materialisierte sich etwas in dem dunklen Flur. Unter Rauch und einem leisen Bamf erschien eine Gestalt.
Blitzschnell hüpfte der große Regenschirm des Secretarys aus dem Ständer.
"Hal-?" fragte eine Stimme, weiter kam sie nicht, denn der große  schwere Schirm sauste wie Knüppel aus dem Sack unbarmherzig immer wieder auf die Gestalt im Flur nieder.
Just in diesem Moment schaltete sich die Stromversorgung selbsttätig wieder ein. Der Flur und die Küche waren hell erleuchtet.
Erschrocken ließ Amelia die Wolldecke fallen.
"Mr. Wagner!"
Kurt hatte mittlerweile den wildgewordenen Regenschirm mit beiden Händen umfasst und versuchte ihn von sich wegzuhalten.
"Könnten Sie diesem Ding bitte sagen, es soll damit aufaufhören?"

Augenblicklich wurde der Regenschirm wieder so leblos, wie es sich für Regenschirme üblicherweise gehört. Der Mann atmete erleichtert auf.
June war aus der Küche gekommen und hüpfte im nun  hell erleuchteten Flur, dem Mann entgegen.
"Kurt, Kurt"
"Es tut mir leid, Mr Wagner", sagte Haushälterin beschämt.
June sprang dem Mann in den Arm und Kurt drückte sie fest.
"Solltest du nicht längst im Bett liegen, mein Schatz?", fragte er und betrachtete sie liebevoll.
"Mr. Wagner...was in drei Gottes Namen tun Sie hier?", fragte Amelia  als sie sich gefasst hatte  und schüttelte verwundert den Kopf.
Er drehte sich mit dem kleinen Mädchen auf dem Arm zu der hageren dunklen Frau um und lächelte.
"Der Secretary hat mich aus London angerufen. Er macht sich Sorgen- um sie alle-Wie geht es Dana...?"
"Sie schläft...hoffentlich", murmelte Amelia und nahm ihm den Regenschirm ab.
"Von Telefonen haben Sie noch nichts gehört, nicht wahr?- Wieso haben Sie nicht wenigstens geläutet?", fragte sie ein wenig vorwurfsvoll.
"Wie denn?", fragte Kurt hilflos,"Der Stromausfall,. Die Klingel hat doch auch nicht funktioniert und auf mein Klopfen hat niemand reagiert..."
+++
„Bringst du mich ins Bett, Onkel Kurt?“, fragte June auf seinem Arm und sah ihn bittend an. Kurt nickte und strich June über ihr türkises Haar. „Sicher mein Schatz.Aber du musst schnell schlafen. Es ist mitten in der Nacht!“
Er ging mit dem Kind auf dem Arm die große Treppe hinauf, über die Gallerie an Jeannas Raum vorbei, zu Junes neuem Zimmer.
Die Tür stand noch offen und nun leuchtete auch Junes Nachtischlampe wieder.
„Schön hast du es hier“, sagte er zu June und setzte den kleine Fratz auf sein Bett.
“Gefällt es dir, bei Hank zu wohnen?“
Das Mädchen nickte eifrig. „Ja“ sagte sie und kuschelte sich unter ihre weiche Decke. „Das Zimmer ist viel grösser  als  mein altes Zimmer und schau mal was Mommy mir geschenkt hat. Sie zeigte auf den Baldachin über dem Bett.“Es ist ein richtiges Prinzessinnenbett“
Kurt nickte:“Tatsächlich! Du bist ja auch eine kleine Prinzessin.“
June schüttelte energisch den Kopf. „Nein Glücklicherweise nicht“, sagte sie beinahe erleichtert,“Prinzessinnen müssen nämlich immer mit Messer und Gabel essen und sowas. Und sie dürfen nicht an der Decke spazieren gehen. Ich bin froh das ich nur ein Mädchen bin.“

Kurt lächelte, gab June einen Gute-Nacht-Kuss auf die Wange und flüsterte sanft:“Schlaf schön meine Süße!“
„Bleibst du hier?“ flüsterte sie zurück und Kurt nickte.“Bis Hank wieder daheim ist“

Dann stand er auf und ging zur Tür. Dort angekommen drehte er sich noch einmal zu seiner kleinen Nichte um.
Junes Augen waren bereits geschlossen, die schwarz-weiße Katze fest im Arm, lag sie da.
Leise schloss er die Tür hinter sich.
Einen Moment blieb er unschlüssig stehen und sah auf die andere Seite der Gallerie. Leise schlich er herüber und öffnete die Tür zu einem anderem Schlafzimmer.
Im großen Bett gegenüber der Tür lag, an der Fensterseite, im Schein der Außenbeleuchtung, der durch die geöffneten Vorhänge  hinauf drang, ein schlafender Körper.
Er schlich leise um das Bett herum und setzte sich auf die Kante. Dana lag auf der Seite, offensichtlich in einer embryonalen Stellung und hatte sich tief in die Kissen vergraben.
Stumm betrachtete er sie.

Als er Dana vor mehr als einem Jahr das erste Mal getroffen hatte war er im allerersten Augenblick ein wenig neidisch gewesen.

Sie hatte das, was er sich lange Zeit sehnsüchtig gewünscht hatte.
Sie war normal. Sie konnte ein gutes, normales Leben führen.
Doch sehr bald hatte er begriffen, das Dana keineswegs glücklich war. Die Behandlung an diesem dunklen Ort, all das was sie Dana dort angetan hatten oder das, was sie aus ihr gemacht hatten- Kurt wusste es nicht mit Sicherheit-hatte Danas Seele  wie einen Spiegel zerbrechen lassen.
Das sie überhaupt noch am Leben war grenzte an ein Wunder, hatte ihm Hank erklärt.
Danas einzigartige, genetische Konstitution war der Grund dafür, dass sie nicht wie all die Anderen, die das angebliche Heilmittel bekommen hatten, an den Folgen der Behandlung gestorben war. Aber selbst Danas Körper wehrte sich gegen das, was mit ihr damals dort geschehen war.

Der Secretary hatte sehr wohl bald erkannt, dass die einzige Hoffnung für Dana war, das die Behandlung rückgängig gemacht wurde, wenn Dana nicht als Opfer ihres eigenen Imunsystems sterben sollte.
Er hatte sich sehr vor diesem letzten Schritt gescheut aber letzendlich war es Dana selbst gewesen, die diese Behandlung wollte.
Während Schritt für Schritt ihre Werte etwas besser wurden hatte sich ihr Körper auf dramatische Weise verändert. Diese Tatsache und der Kampf ihres geschwächten Körpers gegen die Krankheit hatten sie stark angegriffen.
Ausgerechnet in dieser Phase hatte Hank seine Freundin alleine lassen müssen.
Nein.
Es war Dana gewesen, die ihn zu diesem Schritt gedrängt hatte. Kurt kannte seine Schwester mittlerweile gut genug, um zu wissen, dass sie nie erlaubt hätte, dass Hank um ihretwillen daheim blieb. Schon gar nicht wenn es so etwas wichtiges ging, wie dieses Treffen in London.
Genauso wenig wollte sie, das Kurt hierher geflogen kam. Daher hatte Hank Kurt selbst angerufen.
Sanft strich Kurt über die Decke und seufzte.
Seit er von den Ereignissen um Crossed Water wusste, dankte er dem Herrgott dafür, das seine Mutter ihn irgendwie aus dieser Hölle herausgebracht hatte. Sie hatte ihm vermutlich damit das Leben gerettet, denn seine andere Schwester Annika war dort gestorben.

Dana rührte sich, drehte sich auf den Rücken und Kurt sah in ihre Augen. Selbst für ihn war es schwer auszuhalten, denn die Augen seiner großen Schwester waren wie ausgelaufen. Die Pupille war längst nicht mehr sichtbar und das Markergrün ihrer ehemaligen Iris breitete sich unregelmässig über das Auge aus. Sie griff nach seiner Hand und Kurt konnte fühlen, das ihre Finger jeweils Paarweise zusammen gewachsen waren. Der Übergang war kaum noch auszumachen.
„Du?“, fragte sie leise,“Was tust du hier?“
Kurt lächelte vorsichtig.
„Da sein, damit du nicht ganz alleine bist.“
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