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Sayid und Farid - Brothers

GeschichteDrama / P16 / Gen
29.10.2007
04.02.2008
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29.10.2007 2.007
 
Entsetzt sah Farid zu seinem bewusstlosen Bruder. Er wollte sich losreißen, zu ihm rennen, ihn beschützen. Der Händler war stärker, zerrte ihn gnadenlos mit.
„Sayid!“ Er war heiser, seine Stimme kraftlos. Sein Bruder wurde weggebracht. Hilflos sah er zu, wie sie ihn fesselten.
„Sayid...“
„Jetzt komm endlich mit oder ich werde dich bestrafen.“ Die Warnung des Kaufmannes klang wie von weit her, so sehr war er in Gedanken bei seinem schutzlosen Bruder. Nur zögerlich setzte er sich in Bewegung.
„Du wirst Allah sei Dank nicht lange bei mir bleiben. Heute kommen einige Kaufleute für euch Sklavengesindel.“ Farid horchte auf. Vielleicht hatte er Glück und Arslan war da oder wenigstens ein anderer Assassine. An diese Hoffnung klammerte er sich fest. Irgendjemand musste ihm einfach helfen Sayid zu finden.
Der Händler brachte den Sklaven in ein größeres Haus mit Innenhof. Das dort aufgebaute Podest erinnerte ihn stark an den Verkauf bei Omar Khalid.
„Starr nicht so. Geh weiter!“, befahl der Mann, als Farid bei dem Anblick langsamer geworden war. Zur Verdeutlichung verpasste er ihm einen Schlag zwischen die Schulterblätter, der den Jungen einige Schritte vorwärst taumeln ließ.
„Ich hoffe, du benimmst dich nachher anständig, sonst wirst du es bereuen.“
„Ja, Herr“, stammelte Farid hastig. Er hatte weniger Angst vor den Schlägen, denn davor noch länger hier zu bleiben und somit immer mehr von Sayid getrennt zu werden.
„Wie ist eigentlich dein Name?“
„Farid, Herr.“
„Wer war dein früherer Besitzer?“ Der Sklave zögerte mit der Antwort. Was interessierte ihn das überhaupt? Gleich hatte er doch einen Neuen, da war so was egal.
„Asef Arslan, Herr“, murmelte er schließlich. Der Schock stand dem Händler ins Gesicht geschrieben. Er blieb stehen, starrte den Jungen an wie eine Erscheinung.
„Herr?“, fragte Farid vorsichtig. Er hatte schon oft mitbekommen, dass die Menschen Angst vor den Assassinen haben, aber so stark?
„Bist du freiwillig von da weg?“ Die Stimme des Kaufmannes zitterte vor Furcht.
„Nein, Herr“, gab der Sklave leise zu. Bei Arslan hatte es ihm ungemein gefallen, sogar noch besser, als im Fischerdorf. Natürlich hatten sie arbeiten müssen, waren unfrei, doch der Assassine hatte sie gut behandelt, fast wie ein Vater.
Der Händler murmelte irgendwas unverständliches. Farid wich vor ihm zurück. Was würde er jetzt nur machen? Hoffentlich nichts schlimmes. Leider trat genau das ein. Der Mann zog ein Messer, stach damit in Farids Arm. Vor Schrecken keuchte der Fischerjunge auf, starrte ihn entsetzt an.
„Renne, wenn ich dich nicht töten soll. Lauf weg!“ Der Sklave verstand gar nichts mehr. Er sollte abhauen? Aber warum? Drohend kam der Händler auf ihn zu. Panisch drehte Farid sich um, hastete davon, raus aus diesem Haus, einfach weg.
Er wusste nicht, in welcher Richtung Asef wohnte, also lief er erst mal nach Norden. Andere Menschen beachtete er nicht großartig, für ihn gab es nur zwei, die ihm wichtig waren und die galt es zu finden.
Da es schon dunkelte, gab er die Suche für diesen Tag auf. Vollkommen hilflos schritt er in eine Sackgasse, setzte sich an eine Mauer gelehnt auf den eiskalten Boden.
‚Was mache ich denn jetzt? Sayid, wo bist du?’ Seine Gedanken schweiften in die Vergangenheit, vor der Zeit als Sklaven. Sie waren immer zusammen gewesen, hatten alles geteilt, auch die Arbeit. Niemand hatte sie trennen können, nicht einmal ihr Vater. Soll das alles vorbei sein? Das gemeinsame Leben nur in der Erinnerung bleiben?
Nein, das durfte nicht so sein. Farid musste seinen Bruder finden, irgendwie. Und wenn es das Letzte war, was er tat.
Der Junge war dermaßen versunken gewesen, dass er nicht bemerkt hatte, wie sich ihm eine Handvoll Männer näherte. Erschrocken blickte er auf, als eine Peitsche knallte. Den Schlag spürte er nicht einmal.
„Was macht ein Sklave so spät und ganz alleine draußen?“ Die Stimme klang triumphierend, höhnisch. Der Fischerjunge sprang geschickt auf die Füße, machte sich bereit. Ihm war es egal, dass er am Arm und an der Brust verletzt war, dass sie in der Überzahl waren, dass seine Chance zu gering war. Er musste da einfach raus.
„Kannst du nicht reden?“ Wieder lauter Knall. Ängstlich wich Farid zurück. Er vertrug solchen Lärm nicht gut.
„Ein stummer Sklave, niemand kann was mit so einem anfangen. Dann ist es wohl besser, wenn ich dich von deinem Leiden erlöse.“ Der Junge erblickte in den Augen des Sprechers pure Mordlust. Der Mann steckte die Peitsche weg, holte stattdessen ein Krummsäbel hervor.
Doch er kam nicht dazu die Bewegung zu Ende zu führen. Ein handlanger Dolch hatte sich in seine Kehle gebohrt. Er erstarrte wie zu einem Felsen, sah aus weit aufgerissen Augen zu dem ebenfalls bewegungsunfähigem Fischerjungen. Nach schier endloser Zeit sackte der schwere Körper zu Boden. Die seiner restlichen Begleiter taten es ihm gleich.
Ein Schatten tauchte hinter dem mittlerweile panischen Sklaven auf. Farid bemerkte ihn erst, als die Person eine Hand auf seinen Mund drückte. Er versuchte verzweifelt sich zu befreien, biss dem vermeintlichen Angreifer dafür in die Pranke.
Der gab keinen Mucks von sich, zuckte nicht einmal. Schließlich gab der Junge auf. Es brachte wohl alles nichts, er war dem Mann ausgeliefert.
„Sayid, es tut mir so Leid“, dachte er voller Traurigkeit, bevor er bewusstlos geschlagen wurde.

Asef Arslan hatte – nachdem er das erfahren hatte – sofort die Verfolgung der Räuber aufgenommen. Doch es war schon zu spät gewesen, als er sie endlich stellen konnte. Die Sklaven waren weg. Er ließ sie seine Rache spüren, machte sich sogleich auf die Suche.
Einige wenige hatten die Händler getötet, da sie rausgefunden hatten, wem sie ursprünglich gehörten. Auch sie hatten nicht überlebt. Andere – darunter auch Sayid – waren aus der Stadt geschafft worden. Um die konnte der Assassine sich später kümmern.
Nach einiger Zeit hatte er Farids Aufenthaltsort herausbekommen, eilte auf der Stelle dahin. Dieser Händler konnte noch beichten, dass er den Jungen verscheuchte, ehe auch ihn das Leben verließ. Mist, er musste Farid schnell aufspüren, bevor etwas passierte.
So folgte er dessen, für Assassinen sichtbaren Blutspur, bis Asef ihn in einer dunklen Gasse fand. Der Sklave wurde von einigen Männern bedroht, einer von ihnen schlug ihn sogar. Wie ein Schatten huschte Arslan lautlos hinter den Jungen, erledigte seine Peiniger mit Wurfdolchen. Ebenso schlich er sich an den erstarrten Farid ran, legte eine Hand auf dessen Mund, damit er nicht schrie. Der Sklave zappelte wild, biss ihm sogleich in den Zwischenraum von Daumen und Zeigefinger. Er war ein Kämpfer, das gefiel Asef. Vielleicht konnte er ihn eines Tages ausbilden, wenn Sheik Sinan zustimmte. Doch erst mal musste er ihn da wegbringen, weshalb der Assassine ihm kurz in den Nacken schlug, sodass der Junge bewusstlos zusammensackte.
Der Schatten nahm Farid auf die Arme, verschwand mit ihm so leise, wie er aufgetaucht war. Er brachte ihn nicht zurück zu seinem mittlerweile verbrannten Haus, sondern zur Bergfestung Masyaf. Eigentlich brauchte Arslan hier keine Sklaven, aber er konnte zumindest die Brüder nicht wieder abgeben. Sie waren ihm ans Herz gewachsen.
Allah sei Dank dauerte der Weg zu geheimen Assassinenfestung nur einen halben Tagesritt, von dem der Junge nichts mitbekam. Das war besser für ihn.
Ohne auf die missbilligenden Blicke der anderen Schattenkrieger zu achten trug Asef den Sklaven direkt zu seinem Zimmer, wo er ihn erst mal auf das große Bett legte.
„Aisha, bring mir Wasser und Verbandszeug“, befahl er einer herbeigeeilten, verschleierten Sklavin. Er zog Farid das Leinenhemd aus, strich vorsichtig über die roten Peitschenstrieme.
‚Das sieht bestimmt schlimmer aus, als es ist.’
„Herr, ihr seid verletzt.“ Asef sah auf den Biss in seiner Hand.
„Das ist nichts. Hol’ was zu essen für den Jungen und sag Faruk, er soll nach Sayid suchen. Auf der Stelle!“ Die junge Frau zog sich verbeugend erneut zurück. Geschickt behandelte Arslan die Wunden seines Sklaven, der sich immer noch nicht rührte.
„Wann du wohl das letzte Mal geschlafen hast.“ Verwundert schüttelte der Assassine den Kopf, verband noch schnell seine eigene Hand.
„Du hast ein ganz schön kräftigen Biss.“ Aber er gab nicht Farid die Schuld dafür, sondern sich selbst. An einen sowieso schon panischen Jungen sollte man sich besser nicht ranschleichen. Na ja, aus Fehlern lernte man bekannter weise.
Lautlos stand er vom Bett auf, verließ ebenso das Zimmer.

Nur langsam kam Farid zu sich. Dumpfe Benommenheit drohte ihn zu überwältigen, doch er schüttelte sie energisch ab. Er durfte nicht wieder einschlafen, er musste seinen Bruder finden.
Sein Blick huschte verängstig durch den fremden Raum. Wo war er nur gelandet? Zumindest hatte man sich um seine Verletzungen gekümmert. Essen lag auch auf einem Tisch am Fußende des Bettes.
Er stand auf, schritt zum vergitterten Fenster, das auf den Innenhof zeigte. Er war in einer Festung! Wie sollte er da bloß rauskommen? Obwohl, auf der Wehrmauer standen keine Wachen, auch der Platz unter ihm war scheinbar leer. Ein Versuch war es doch alle mal wert.
Gut, der Plan existierte, jetzt musste er in die Tat umgesetzt werden. Der Junge durchquerte das Zimmer, schlüpfte durch die Tür, direkt in die Arme des Assassinen.
Erschrocken aufkeuchend sprang er einige Schritte zurück, erkannte dann aber sein Gegenüber.
„Herr?“ Arslan war anscheinend genauso verwirrt über das plötzliche Auftauchen des Sklaven.
„Farid, du bist endlich wieder wach. Wo wolltest du hin?“ Beschämt blickte der Angesprochene zu Boden. Er hatte doch nicht gewusst, dass er neuerdings bei Asef war.
„Es tut mir Leid, Herr“, stammelte der Fischerjunge hastig. Hilflos wich er noch einen Schritt zurück.
„Du vermisst deinen Bruder, das verstehe ich. Und du wusstest nicht, wo du bist. Aber du brauchst die keine Sorgen machen, nach Sayid wird gesucht. Erhol dich erst mal von deinen Verletzungen. Es nützt niemandem, wenn du selber draufgehst.“ Während des Sprechens hatte Arslan sich von Farid hingehockt, um mit ihm auf einer Höhe zu sein. der Junge sah ein, dass der Assassine recht hatte, gab sich geschlagen.
„Sayid hat Schmerzen.“
„Woher weißt du das?“
„Ich kann es spüren, an Füßen und Handgelenken. Er muss immer noch gefesselt sein.“
„Wir werden ihn finden, versprochen. Jetzt komm, du solltest dich ausruhen.“ Asef brachte seinen Sklaven zurück ins Zimmer, drückte ihn sanft aufs Bett. Farid ließ es mit sich machen, legte sich hin, kuschelte sich in die Decke.
„Du bist ein guter Junge, Farid. Mach dir nicht allzu viele Sorgen. Davon bekommst du nur Falten. Arslans Versuch den Kleinen aufzumuntern klappte, er lächelte. Etwas beruhigt schloß der Fischerjunge die Augen, fiel in einen Dämmerschlaf.

Schlagartig riss er die Augen auf.
„Was...?“ Sich vor Schmerzen krümmend kroch er mühsam aus dem Bett. Ihm fehlte doch nichts, zumindest nicht da, woher das kam. Sayid! Fast verrückt vor Leid schmiss der Junge sich gegen die Gitterstäbe.
„Sayid!“ Seine hilflosen Schreie drangen durch die Tür zu Arslan, der sofort in das Zimmer stürmte.
„Farid? Was ist los?“ Der Angesprochene hörte ihn nicht, knallte erneut gegen das Gitter. Keinen Moment zögernd schnappte sich der Assassine die Handgelenke des Sklaven. Farid begann wie wild auf dessen Brust zu hämmern.
„Es soll aufhören! Sayid!“ Wimmernd brach er in die Knie, rief immer wieder den Namen seines Bruders. Nur langsam beruhigte er sich. Arslan wartete geduldig, drückte ihn an sich.
„Farid, wo hat er Schmerzen?“ Der Junge zeigte verlegen auf sein Intimbereich.
„Was hat das zu bedeuten?“ Ein Schatten huschte über das Gesicht des Assassinen, verschwand aber so schnell, wie er aufgetaucht war.
„Das erkläre ich dir, wenn er wieder da ist. Sind die Schmerzen weg?“
„Ja, er ist bewusstlos.“
„Okay, dann wird er nicht spüren, was ich jetzt mit dir mache.“ Er setzte sich hinter seinen Sklaven, tastete vorsichtig dessen seltsam schlaffen Arm ab.
„Ausgekugelt. Beiss die Zähne zusammen“, warnte Asef noch, ehe er den linken Arm schmerzhaft einrenkte. Farid schrie erstickt auf, beugte sich keuchend nach vorne.
„Keine Angst, das beruhigt sich schnell. Du solltest dich trotzdem hinlegen.“ Zitternd gehorchte der Junge, fiel ausgelaugt aufs Bett. Arslan stützte ihn ein wenig, damit er nicht endgültig zusammenbrach. Farid schloss die Augen, schlief ein.

Der Assassine blieb einige Zeit einfach neben ihm stehen, beobachtete den Schlafen.
‚Dafür werden sie bezahlen! Alle!’ Das schwur er nicht nur den Brüdern, sondern allen seinen ehemaligen Sklaven, die weiterhin verschollen waren.
‚Niemand legt sich ungestraft mit einem Assassinen an!’ Lautlos verschwand er aus dem Raum.
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