Schwarzgraue Königin

von Nemain
GeschichteAllgemein / P18
OC (Own Character)
28.10.2007
27.05.2011
26
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Bücher: Die Schwarzen Juwelen

Genre: Allgemein

Raiting: P18

Typus: Geschichte

Disclaimer: Die Handlung ist frei erfunden und die Personen der Bücher gehören natürlich Anne Bishop.  Die Charaktere deren Namen auch unten im Nachwort erklärt werden sowie Kalzivar sind mein gesitges Eigentum.

Kurzbeschreibung: Wie geht es weiter, nachdem Hekatah gestürzt wurde? Wer wird Terreille wieder zu seinem alten Glanz verhelfen? Und welche dunkle Macht versucht Terreilles neue Königin nicht an die Macht kommen zu lassen?

Anmerkung der Autorin: Wie schon seit einiger Zeit zu sehen gewesen ist, bin ich mit „Schwarzgraue Königin“ nicht wirklich voran gekommen. Mir fehlten die Inspirationen, so dass sie völlig brach gelegen hat. Nun nach Monaten – bei mir sind es gefühlte Jahre, weil mir diese FF sehr am Herzen liegt – habe ich beschlossen, noch einmal drüber zu lesen, um wieder in das Feeling der „Schwarzen Juwelen“ zurück zu finden und was ich lesen musste, hat mich selbst schockiert! Mein Schreibstil hat sich im Laufe der Zeit verändert und wahrscheinlich würde ich auch an meinen beendeten Werken noch herumbasteln und hier und da ein Kapitel neu schreiben, aber ich werde mich da wohl zügeln müssen.
Jedenfalls bin ich zu dem Entschluss gekommen, „Schwarzgraue Königin“ noch einmal zu überarbeiten, um mich auch selbst besser zu fühlen und mich der FF quasi nicht schämen zu müssen.
Wer von meinen alten Lesern, sich entscheiden sollte, die FF noch einmal zu lesen, dürfte sich also aller Wahrscheinlichkeit nach auf eine Überraschung gefasst machen, denn bei dem ersten Kapitel beispielsweise, habe ich fast nichts mehr so gelassen, wie es eigentlich mal war. Und vielleicht, werden einige Kapitel gänzlich anders, was allerdings noch völlig in den Sternen steht!
Ich hoffe es gefällt euch, so wie es auch mir jetzt gefällt, denn jetzt habe ich das Gefühl, dass ich den Büchern ansatzweise gerecht werden kann.
Nemain

Deckname

Seit nun mehr als 19 Jahren hatte die Schreckensherrschaft der Hohepriesterin Hekatah ein Ende. Doch noch immer gab es Menschen des Blutes, die sich immer wieder der dunklen Seite verschrieben und in denen die Saat der Hohepriesterin keimte.

Eine junge Frau stand an der Mauer des maroden Stadthauses und war wieder einmal in ihren Erinnerungen und düsteren Gedanken gefangen, während sich die Nacht unaufhörlich herabsenkte. Wieder ging ein Tag des Chaos’ in Terreille zu Ende, um einem Neuen Platz zu machen. In der dunklen Gasse der Stadt. Viele der Stadtgebiete sahen so aus wie dieser kleine Abschnitt einer abgelegenen Seitenstraße. Die Gebäude waren verfallen und es war kaum zu glauben, dass in diesen schimmligen Bauten noch Menschen leben sollten. Der Unrat war einfach achtlos auf die Straße gekippt. Diese strahlende Stadt von einst  war nur noch eine Anhäufung von Dreck, Schutt und Armut. Trotzdem gab es immer noch einige wenige, die sich ihren Wohlstand hatten erhalten können, mit den einen oder anderen illegalen und legalen Mitteln. Und dazu gehört auch diese Frau, die sich an die schmutzige Fassade lehnte, ohne auf ihre doch relativ teure Kleidung zu achten. Obwohl sie hier einen Termin hatte und sich voll und ganz auf die Umgebung achten sollte - da Terreille schon lange kein sicherer Ort mehr war - war sie ganz und gar in ihre Gedanken versunken…
„Wie konnte ich nur so etwas mein Kind nennen…“
„Du bist nicht mehr meine Schwester! ...“
Ärgerlich schüttelte sie den Kopf. Diese ’Auseinandersetzung’ war mehr als zwei Jahre her und noch immer hallte sie in ihrem Inneren nach. War sie wirklich so ein Scheusal? Aber warum hatte ihr Vater sie dann so geliebt? War nicht ihre Mutter dieses Monster, wie sie von ihr immer bezeichnet wurde, weil sie sie einfach ablehnte, nur weil sie Schwarzgrau trug? Was war so schlimm daran? Schwarzgrau eröffnete einem Angehörigen des Blutes eine größere Welt der Kunst. Was sollte also daran verwerflich sein, genau dieser Juwelenkaste anzugehören? Sollte doch diese… diese…  Mit was konnte man seine Mutter betiteln, die in den tiefsten Feuern der Hölle schmoren sollte?
Eiskalte Wut breitete sich im Innern der Frau mit den grünen Augen aus. Wenn ihr Bruder nicht wäre, dann würde sie ihrer Mutter bei lebendigem Leibe die Haut vom Körper ziehen… Wenn ihr Bruder nicht wäre, der ihrem geliebten Vater so ähnlich sah und den sie noch immer liebte, obwohl er sich schon so lange von ihr abgewandt hatte… Dafür, dass sie ihr ihren geliebten Bruder genommen hatte, würde sie büßen, denn nur durch den Einfluss ihrer gottverdammten Mutter, war ihr Bruder zu dem geworden, was er jetzt war. Wenn nicht hier, dann wenigstens in einem anderen Reich, wo sie ungeschützt war.
Eine dünne Eisschicht bedeckte die Erde um ihre Beine herum und auch  die Temperatur in ihrer Umgebung war merklich gesunken.
Sie musste sich beruhigen, dachte sich Sinend. Und trat noch tiefer in die Gasse …

Mittlerweile war sie 20 Sommer und hatte sich einen Namen als Kopfgeldjägerin gemacht. Allerdings unter dem Namen ihrer Mutter! Efnisien! Das grenzte schon fast an Sarkasmus, aber sie hatte ihn absichtlich so gewählt. Vielleicht wusste ja ihre Mutter ja auch, wer hinter diesen unlösbaren Morden steckte. Denn Sinend’s Handschrift war im wahrsten Sinne des Wortes blutig und meistens war dieser Schriftzug in der Nähe des Opfer zu sehen. Auch das hatte Seltenheitswert, denn kein Auftrags- oder Kopfgeldjäger, ließ ein und dieselbe Handschrift bei einem zweiten Mord zurück, geschweige denn, dass er die Leiche überhaupt liegen ließ. Nur Sinend tat das und das machte sie einzigartig. Niemand wusste wer sie war und ihr machte es ungeheueren Spaß zu sehen, wie Leuten der kalte Schweiß ausbrach, wenn man nur auf den Namen zu sprechen kam. Trotzdem war sie stets diskret, schweigsam und führte ihre Aufträge zur vollsten Zufriedenheit aus. Dabei machte sie keinen Unterschied, ob sie Männer, Frauen oder wenn es sein musste auch Kinder tötete. Gefühlskalt mordete sie ohne Erbarmen. Warum auch? Seitdem sie ihr 10. Lebensjahr erreicht hatte, wurde sie von jedermann gemieden. Und wieder gingen ihre Gedanken auf Reisen. Zu ihrer Mutter, ihrer Vergangenheit…
Sie putzte die blutige Klinge an dem Hemd des Toten ab und lächelte kalt. Wieder einer von Hekatah’s Verrückten weniger. Seit einigen Jahren, war die Hohepriesterin nur noch Staub, doch gab es noch immer Anhänger von ihr, die ihre Ziele ohne Rücksicht auf Verluste erreichten. Viele der Angehörigen des Blutes, die sich Hekatah verschrieben hatten, waren durch die Machtentfesselung von Hexe umgekommen. Aber der Keim des Verfalls saß tief. Sie hatte jetzt zwar aus reiner Mordlust getötet, aber immerhin hatte ihre Tat ein Gutes. Was allerdings in letzter Zeit sehr häufig vorkam, war nun mal ihre plötzliche Lust zum Töten! Und dafür gab sie ihrer Mutter die Schuld! Wieso machte sie sich eigentlich einen Kopf. Diese Frau war nie wirklich ihre  richtige Mutter gewesen. Sie sollte sich langsam daran gewöhnen, dachte sie ironisch. Sinend lehnte sich an die Hauswand, schloss für einen Moment ihre grünen Augen und fuhr sich mit einer Hand durch ihr braunes, langes Haar, was ihr in flüssigen Wellen über die Schultern bis zu der Mitte ihres Rücken floss.

Man konnte Sinend nicht gerade zierlich nennen, dennoch wurde bei Männern des Blutes ausnahmslos der Beschützerinstinkt geweckt, oder aber der Eindruck wach gerufen, dass sie sich ihrer Haut nicht erwähren könne. Sie hatte ein relativ schmal geschnittenes Gesicht, mit markanten Wangenknochen und schmalen, aber sinnlichen Lippen, die dennoch so grausam lächeln konnten. Sinend grinste dreckig. Sie musste sich eingestehen, dass sie es mehr als gut beherrschte, so zu tun, als wäre sie in Nöten, ums so ihre Opfer zur Strecke zu bringen. Ob hier ein Mann dennoch mehr oder weniger herum lief spielte keine Rolle. Ab morgen würde sie sowieso in Kaeleer ihren Unterhalt verdienen. Obwohl es da anscheinend für eine Kopfgeldjägerin schwer werden würde. Angeblich sollten da Königinnen herrschen, die ihr Volk friedfertig regierten und in denen es keinen Hass und keinen Neid gab. Naja sie hatte ja noch immer die Chance zurück nach Terreille zu gehen, wenn sich das Schattenreich nicht als profitabel herausstellen sollte. Sie musste schon stark überlegen, um andere Fertigkeiten bei sich zu finden, die sie wenigstens genauso gut konnte, wie das Töten.
„Efnisien! Bevor du gehst, solltest du den Auftrag noch erledigen! Sozusagen als dein Abschiedsgeschenk für mich und deine Klienten. Ich will wenigstens einige Wochen ohne dich überleben können.“
Sinend lächelte leicht. Donn war auf sie angewiesen. Man könnte meinen, dass er so etwas wie ihr Auftraggeber war. Er holte die Aufträge an Land und Sinend erledigte sie emotionslos und ohne Fragen zu stellen. Sie hatte aufgegeben ihm das Töten beizubringen. Sie glaubte, dass er dafür nicht stark genug war, obwohl er eigentlich das nötige Geschick und die Unbarmherzigkeit dazu zu Genüge besaß.
„Hast du das nicht schon gestern gesagt?“, meinte sie mit hochgezogener Augenbraue und verschränkte die Arme vor der Brust, während sie einen Schritt über den Toten machte.
Donn starrte auf die Leiche neben Sinend.
„Naja…!“, er schluckte „Irgendwie muss ich ja über die Runden kommen, wenn du nicht mehr da bist! Immerhin bekomm ich fünfundzwanzig Prozent deines Gewinns!“
Sinend grinste. „Bastard!“, meinte sie belustigt.
Donn grinste zurück. „Du weist doch, bei Geld werd ich so… anders!“
„Du meinst wohl gierig?!“, erwiderte sie lachend.
Er grinste schief. „So könnte man es auch nennen!“
Damit reichte er ihr einen Zettel. Stillschweigend las sich Sinend die Informationen durch, die der Klient ihr übermittelte. Dann stutze sie.
„Ich soll in ein Waisenhaus einbrechen und das Gör töten, nur weil er nicht als Vater für das Kind aufkommen will, nachdem seine Mutter gestorben ist? Bist du verrückt? Da kann ich jeder Zeit erwischt werden!“
„Ach komm Efni! Wozu trägst du Schwarzgrau?“
„Du weist genau, dass ich meine Juwelen fast nie einsetze! Ich will meine Geschicklichkeit beweisen. Außerdem würde man einen Machtausbruch unter Grau schon bemerken, auch wenn nur noch wenige davon Notiz nehmen.“, erwiderte sie ruhig, obwohl sie ihre Augen warnend zusammen kniff.
„Ja und? Du wirst doch eh bald nicht mehr da sein! Da kannst du ruhig mal eine Ausnahme machen!“
„Trotzdem! Wenn ich Schwarzgrau anwende, dann weist doch jeder in ganz Terreille, wer dahinter steckt. Ich bin die einzige die so dunkle Juwelen trägt! Immerhin bin ich noch in das Register eingetragen worden, bevor hier das Chaos ausgebrochen ist!“, zischte sie aufgebracht, doch Donn wischte die Bedenken mit einer Handbewegung beiseite. „Seit wann interessiert dich das? Du kannst sie alle töten, wenn sie dir zu nah kommen!“
Sinend schnaubte. „Ach komm! Wieso tust du es nicht?“
Sofort wurde es blass. „Ich… Nun ja… Ich.. .“
Und wieder grinste Sinend boshaft, ging langsam auf ihn zu, wohingegen Donn immer näher an die Hauswand trat, um zwischen sich und Sinend Sicherheitsabstand zu bewahren. Doch das war alles umsonst, denn nur allzu schnell hatte sie die letzte Distanz überbrückt und stand nur wenige Zentimeter von ihm entfernt. Sie strich ihm schon fast sanft über die Wange und hauchte ihm ins Ohr: „Ein allerletztes Mal werde ich hier töten, um für dich die Drecksarbeit zu machen. Und ich werde mich informieren! Wenn du die Aufträge, die nach meiner Überreise anstehen, nicht ausführst, dann komme ich persönlich zurück und ziehe dich zur Rechenschaft!“
Donn erschauerte, worauf sie zufrieden lächelte. Betont lässig drehte sie sich elegant um die eigene Achse und lief die dunkle Gasse entlang, die in dieser Nacht noch unwirtlicher aussah, als schon bei Tageslicht. Neben dem ganzen Dreck, der sich an den Seiten auftürmte, gesellte sich nun noch eine Leiche mit dazu. Niemand machte sich die Mühe, sie zu verbrennen, oder sie wenigstens zu verstecken. Wie von selbst öffnete sich der Brustkorb des Toten. Kurz darauf sammelte sich das Blut, dass sich noch in dem Körper befand mitten in der Luft, dass es den Anschein hatte, als würde es in einer unsichtbaren Schale gesammelte werden. Sinend sah auf die Wand gegenüber des Toten und sofort setzte sich der Lebenssaft in Bewegung und zeichnete an die Hauswand ein spiegelverkehrtes E. Zufrieden mit ihrem Kunstwerk machte sie sich auf, um ihren letzten Auftrag in Terreille auszuführen.


***


Wie üblich, wird es ein Nachwort geben, dass die Namen der Figuren etwas näher beleuchtet, soweit es mir möglich ist!

Sinend: war die Tochter Lodans (dem Sohn von Lir). Sie besuchte häufig eine Quelle im Feenreich. Am Ufer dieser Quelle wuchsen die Früchte der Wissenschaft, Dichtkunst, Inspiration und Weisheit. Ihre Schalen sprangen alle zur selben Zeit auf und die Nüsse fielen ins Wasser. Dort lösten sie eine purpurne Welle aus.
Sinend beging eine nicht überlieferte Sünde. Das Wasser erhob sich gegen sie und trug sie mit sich fort an die Ufer des Flusses Shannon, wo sie starb. Seitdem trägt der Fluss diesen Namen.

Donn: Donn ist ein Toten Gott der Iren und der Sohn von Mil. Er selbst ist auf der Insel der Toten (die Tech Duinn heißt) ertrunken. Sie befindet sich im SW Irlands.

Efnisien: Schwieriger Halbbruder von Bran dem Gesegneten. (Zwar der Name für einen männlichen Gott, trotzdem auch für eine Frau geeignet.)
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