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Die Wanderung

von Ithrenwen
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
16.10.2007
19.12.2007
12
50.360
2
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36 Reviews
Dieses Kapitel
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16.10.2007 2.627
 
Diese Geschichte spielt zeitlich ungefähr 3000 Jahre nach meiner Geschichte „Hamfast Gerstenbräu“. Ebenso wie bei meiner „Urgroßmutter“ gilt: Man muß die erste Geschichte hierzu nicht gelesen haben, aber ein paar Andeutungen zielen darauf ab und es würde mich natürlich riesig freuen, wenn ihr „Hamfast Gerstenbräu“ lesen würdet, denn mein Erstlingswerk liegt mir ganz besonders am Herzen und der Urahne meiner Fanfic-Charakteren ist und bleibt derjenige, auf den ich immer wieder zugreifen werde.

Bei „Hamfast Gerstenbräu“ wurde ich bereits darauf hingewiesen, daß die Geschichte ein wenig abrupt endet. Auch hier mag es wieder diesen Eindruck machen/zutreffen.
Das liegt daran, daß ich nicht gerne zu weit abschweife oder zu viel überflüssiges Zeug schreibe. Eine Geschichte ist für mich dazu da, ein bestimmtes Thema zu behandeln und dieses auszuformulieren. Alles andere ist Beiwerk und dient nur der Ausschmückung. Wenn ich also erzählt habe, worum es mir geht, dann ist Schluß. Ein Leser jedoch hat vielleicht einen anderen Schwerpunkt gesehen oder an anderem Gefallen gefunden und empfindet deshalb vielleicht mein fehlendes Eingehen auf gewisse (für mich) Nebensächlichkeiten als Mangel an Ausformulierung.

Ich denke, das ist Geschmacksache.

Wie dem auch sei. Um Enttäuschungen vorzubeugen wollte ich deshalb nur klarstellen, daß es hier genau um das geht, was uns Meister Tolkien nur andeutet: ein schwieriges und gefährliches Wagnis.

Ich habe versucht darzustellen, was denn eigentlich diese Schwierigkeiten und Gefahren waren und hoffe, es ist mir ein wenig gelungen.
Das „warum“ habe ich – soweit nicht von Tolkien erwähnt - bereits in „Hamfast Gerstenbräu“ vorbereitet ;-)

So, genug gefaselt.
Ich hoffe, die Geschichte gefällt euch und wünsche euch auf jeden Fall viel Spaß beim Lesen.

(Alle Rechte an Tolkiens Werken und Gedankengut liegen natürlich bei Tolkien und seinen Erben. Ich habe mir seine Welt und einige seiner Figuren lediglich ausgeborgt, um meine Geschichten zu schreiben und verdiene kein Geld damit.)

Inspiriert zu dieser Geschichte wurde ich durch den Filmklassiker „Westward the Women“. Daraus hab ich mir dann auch nicht nur viele Anregungen geholt, sondern - weil ich grad so schön dabei war - auch ein paar Ideen geklaut.

Und last but not least:
Mein besonderer Dank geht wie immer an meine geliebte Beta-Leserin Avorninnas!


Nominiert für den deutschen Fanfiction-Oscar 2008, Kategorie „Herr der Ringe“, Unterkategorie „Bestes Abenteuer“

Nominiert für den Fanfiction General Award 2010, Kategorie „Herr der Ringe“, Unterkategorie „Beste Fanfiction“





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Die Wanderung

"In den ältesten Erzählungen finden sich Andeutungen, daß sie einst in den oberen Tälern des Anduin gehaust haben mußten, zwischen den Ausläufern des Großen Grünwaldes und dem Nebelgebirge. Die Gründe, warum sie später das schwierige und gefährliche Wagnis unternahmen, über das Gebirge nach Eriador zu ziehen, sind nicht mehr bekannt. Ihre eigenen Berichte erwähnen, daß sich die Menschen vermehrt hätten und ein Schatten auf den Wald gefallen ist, so daß er sich verdüsterte, und sein neuer Name war Düsterwald."

(J.R.R. Tolkien, Herr der Ringe, Einführung: Über Hobbits)



~~*~*~*~~


Prolog: Dunkle Gestalten

Wir schreiben das Jahr 1049 des Dritten Zeitalters. In dem kleinen Dorf am oberen Anduin lebte von den uns bekannten Personen längst niemand mehr. Und auch, wenn ihre Nachkommen deren Namen mit Stolz in den langen Listen ihrer Familie führten, so hatten sie es doch nie für nötig befunden, ihre Geschichte aufzuzeichnen, was teilweise auch darin begründet lag, daß die Hobbits dieser Zeit noch kein Schriftsystem im eigentlichen Sinne entwickelt hatten.

So kam es, daß sich um die alten Zeiten oftmals nur dunkle Legenden und ungenau überlieferte Erzählungen rankten, und kaum jemand erinnerte sich noch der Erlebnisse eines skurillen Abenteurers namens Hamfast Gerstenbräu.

Landschaftsbild und Lebensstil hatten sich kaum nennenswert verändert. Die bodenständigen Hobbits fanden niemals Wohlgefallen an Veränderungen, weder in früheren, noch in späteren Zeiten, egal ob es sich um die Bewirtschaftung von Haus und Feld, oder ihnen liebe Gewohnheiten ging.

Allerdings war der Viehbestand um einiges angestiegen und auch vielfältiger als vor wenigen Jahrzehnten, was den sich immer weiter ausbreitenden Siedlungen der Menschen und dem Umgang mit jenen zu verdanken war.

In die grünen, sanften Hügel, die die Dorfszenerie beherrschten, waren einige wenige zusätzliche Smials gegraben worden und unterhalb des Bühls breiteten sich neu erschlossene Felder aus, auf denen reifes Getreide seine goldgelben Ähren zum Himmel reckte.

Der Platz um den Apfelbaum auf dem Marktplatz war vor einigen Jahren zu dem Zweck die gefräßigen Dorfziegen von diesem fernzuhalten, mit einer niedrigen Mauer aus hellen Steinen eingefaßt worden.

Der junge Baum selbst trug in diesem Herbst zum ersten Mal seine süßen Früchte. Seit Generationen hatte hier stets gerade ein solcher Baum gestanden, denn wie bereits angemerkt, schätzten Hobbits Neuerungen nicht besonders, vor allem, wenn das alt Hergebrachte sich als gut und nützlich erwiesen hatte.

Die Abendsonne schickte ihre letzten, schwachen Strahlen durch das Dorf und warf lange Schatten über den von der Hitze des Tages brüchigen Boden.

Eine Schar Kinder tollte ausgelassen lärmend auf dem Platz. Sie sprangen mit einem zottigen Hund um die Wette, der in kurzen Abständen seine kläffende Stimme zum Lachen der tobenden Meute erhob.

Eine ältliche Frau mit einer scharfen Hakennase und strähnigem, zu einem dicken Knoten gebundenen Haar, stand an der Pforte ihres Gartenzaunes und schimpfte ihnen, ihren Gehstock drohend erhoben, hinterher, während zu ihren Füßen ein paar gackernde Hühner ziellos durcheinander irrten und nicht so recht zu wissen schienen, vor welcher der beiden lautstarken Parteien sie die Flucht ergreifen sollten.

In den Vorgärten saßen alte Leute dösend auf einer hölzernen Bank oder blickten mit einem Schmunzeln den krähenden Kindern hinterher.

Die jüngeren Erwachsenen kamen müden Schrittes von den Feldern und suchten ihre Heime auf, um neue Kräfte für den kommenden Tag zu sammeln.

Jetzt entstand ein kurzer Tumult auf der Straße. Mehrere rundliche Frauen mit knöchellangen, weiten Röcken, bunt bestickten Schürzen und von der Arbeit verschwitzen Blusen, sprangen, den Namen ihres Sprößlings rufend, hinter den Kleinen her, die eifrig versuchten, ihren Müttern zu entkommen.

Die ein oder andere Drohung wurde mit sehr ernster Miene, aber halbherzigem Durchführungswillen und dem typischen Unterton, den Eltern in solchen Fällen unbewußt mitschwingen lassen, gerufen. Meist unterstützten sie ihre Worte mit dem erhobenen Zeigefinger oder sie stemmten ihre kräftigen Arme bestärkend in die Hüften, was bei ihren gutmütigen Gesichtern eher drollig, als abschreckend wirkte.

Dennoch schien diese Methode wahre Wunder zu wirken und schon nach kurzer Zeit führte eine jede ihren Racker an der Hand davon.

Kaum waren sie hinter den Türen der Höhlen verschwunden, kehrte Ruhe ein.

Die Dunkelheit senkte sich nieder und hier und dort wurden Kerzen angezündet, deren mattes Licht durch die runden Fensteröffnungen fiel und sich wie ein nebliger Schleier über diese legte, ohne in die Schwärze der Nacht vordringen zu können.

Grillen zirpten, und in der Ferne erklang das müde Krächzen eines Waldkäuzchens.

Irgendwo knurrte ein Hund leise im Schlaf – er jagte in seinem Traum gerade den fetten Kater des Thain, der ihm immer seine Knochen stahl und ließ ein zufriedenes Jaulen hören, als er ihn erwischt hatte.

Die ersten Kerzen wurden bereits wieder gelöscht, als der Kies am Weg unter leichten Schritten kaum hörbar knirschte.

Zwei vermummte Gestalten bewegten sich auf den Dorfplatz zu. Auf ihren Rücken konnte man die undeutlichen Umrisse kurzer Bögen erkennen und helle gefiederte Pfeile in plumpen Köchern. Quer über die Schulter eines jeden hing an einem Lederband ein seltsam geformtes Horn. Ihre breitkrempigen Hüte hatten sie tief in die Gesichter gezogen.

Mit schleichendem Gang und gesenkten Köpfen näherten sie sich dem Obstbaum und blieben unter diesem stehen. Nur wenige Augenblicke später gesellten sich vier weitere Gestalten, je zu zweien aus entgegengesetzten Richtungen kommend, zu ihnen. Sie trugen die gleiche Ausstattung. In stillem Einvernehmen nickten sie einander zu, dann begaben sich vier von ihnen wieder hinfort, wobei jeweils zwei in die Richtung gingen, aus der das andere Paar gekommen war.

Die übrigen warteten in der Finsternis. Einer von ihnen begann nach kurzer Zeit leise vor sich hinzufluchen und stapfte unruhig von einem Fuß auf den anderen.

„Psst, nicht so laut!“, raunte sein Kumpan ihm zu, dann lauschten beide. Ein leichtes Rascheln erklang hinter ihnen, als jemand im Vorbeigehen nachlässig mit seinem Gewand an einem Busch vorbeistrich.

„Na, endlich!“, murrte der Ungeduldige. „Wird aber auch Zeit!“

„Irgend etwas Auffälliges?“, fragte einer der Neuankömmlinge.

„Nein, alles ruhig, aber beeilt euch, damit ihr endlich auf euren Posten kommt!“ Noch immer vor sich hinschimpfend wandte er sich ab, gefolgt von seinem schulterzuckenden Gefährten. Kurz darauf lag der Dorfplatz wieder ebenso ruhig da wie zuvor.



Stunde auf Stunde verrann. Die Sterne glitzerten hell und klar von einem wolkenlosen Himmel wie unzählige Diamanten auf einem tiefschwarzen Samt. Nach und nach kamen die Tiere der Nacht zur Ruhe und für die kurze Zeit bis die gefiederten Frühaufsteher mit singenden Stimmen den neuen Tag begrüßen würden, herrschte absolute Lautlosigkeit.

Da durchschnitt ein heller, langgezogener Ton von irgendwo außerhalb des Dorfes her die Stille, und sofort antwortete ein ähnlicher Ton, dreimal kurz hintereinander angestoßen wie zur Bestätigung vom anderen Ende des Ortes.

Nur wenige Augenblicke später waren sämtliche Höhlen von flackerndem Kerzenschein erleuchtet, Türen wurden aufgerissen, und die Bewohner stürmten hastig in ihren langen Nachtgewändern hervor. Hier streifte noch jemand schnell ein Hemd über, dort rief einer seinem Weib über die Schulter zu, das Heim nicht zu verlassen und die Kinder zu beruhigen. Ja, natürlich werde er auf sich aufpassen und „Schließ die Türe hinter mir zu!“ Zielstrebig liefen die Männer die Straße hinunter zum Bühl. Alle waren mit kurzen Jagdbögen bewaffnet und hatten wohlgefüllte Köcher über ihren Rücken geschnallt oder warfen ihn noch im Laufen über.

Im Osten erhob sich ein lichter Schimmer. Doch es war nicht der nahende Morgen. Feuer! Die äußersten Felder brannten lichterloh!

Für einen kurzen Schreckmoment stockte der Zug, dann riefen ängstliche und aufgeregte, aber auch ärgerliche Stimmen wild durcheinander. Einer der Hobbits, ein Mann in mittlerem Alter mit einer langen Feder an seinem Hut, aller Wahrscheinlichkeit nach der Thain, gebot mit dröhnender Stimme Ruhe und rief einige Befehle, die er mit richtungsweisenden Armbewegungen unterstützte.

Wie sich herausstellte, waren die Hobbits keineswegs unvorbereitet. Hier, etwas außerhalb des Dorfgeschehens, waren überall Fässer gestapelt oder Ochsenkarren umgeworfen, hinter denen sie sich nun verschanzten, die Bögen zur Hand nahmen, Pfeile einlegten und spannten. Dann brach es auch schon über sie herein.

Eine Horde kleiner, dunkler Gestalten kam laut mit widerlichen Stimmen quiekend vom Bühl herangestürmt. Die Männer warteten konzentriert und verhielten sich ruhig. Als die Kobolde nahe genug heran waren, erhob sich die hintere Reihe aus ihren Verstecken und ein Pfeilhagel ging auf die Eindringlinge nieder.

Für die Orks mußte es so ausgesehen haben, als wären die Schützen aus dem Boden gewachsen. Scheinbar hatten sie nicht mit Gegenwehr gerechnet, und nun wuselten sie einen Augenblick lang ängstlich fiepend durcheinander, bevor sie sich zurückwandten. Hinter ihnen tauchte ebenfalls eine Anzahl der tapferen Kerle auf, die ihre Geschosse auf sie abfeuerten.

Die Hobbits hatten geschickt das Überraschungsmoment für sich genutzt, doch nun stürzten sich die restlichen Biester rachelüstern mit ihren krummen Messern auf die Verteidiger, und bald schon waren überall blutige Handgemenge im Gange. Die Dörfler erhoben die bereitgelegten Hacken, Schaufeln und Heugabeln und schlugen auf alles ein, was nicht wie Ihresgleichen aussah.

Die Kobolde waren eindeutig in der Überzahl. Einigen von ihnen gelang es, in das Dorf zu entweichen, wo sie mit einer wahren Zerstörungslust begannen, Zäune umzureißen und Gegenstände durch die Fenster zu werfen und mit bestialischer Freude grunzten, wenn Kerzen zu Boden fielen, das Feuer sich schnell die Tischdecke entlang fraß und in Sekundenschnelle hohe Flammen aufschlugen.

Aus den Höhlen erklangen die erschrockenen Rufe der Frauen und das Weinen der Kinder. Manche versuchten verzweifelt zu löschen, andere stürzten nach draußen, um dem Feuertod zu entgehen. Triumphierend und mit dreckigem Lachen rannten die Übeltäter auf sie zu, packten sie an den Armen und zerrten die wild um sich schlagenden Mädchen mit sich.

Da ertönte vom Hauptort des Kampfgeschehens ein zorniger Schrei aus hundert Kehlen gleichzeitig und wer immer sich gerade von seinem Gegner losreißen konnte, stürmte nun ins Dorf zurück und schlug mit aller Kraft auf die Entführer ein.

Trotz der erbitterten Gegenwehr sah die Lage für die Überfallenen nicht gut aus. Immer wenn sie dachten, sich ein wenig Luft verschafft zu haben, wuchsen die dunklen Gestalten wie Ameisen aus dem Boden und drangen von neuem auf sie ein.

Die Frauen sahen längst nicht mehr tatenlos zu. Sie hatten sich mit Besen, Küchenmessern oder Teppichklopfern bewaffnet und kämpften um ihr Leben.

Die Hunde kamen ihren Herren zu Hilfe, sogar der fette Kater des Thain stürzte sich fauchend und zähnefletschend auf eine der Bestien. Es war das erste Mal, daß er und die Kläffer auf der selben Seite kämpften.

Aus dem dicksten Gewühl ragte eine Frauengestalt hervor, die ihren Gehstock wie eine Keule schwang und haufenweise Orks verdrosch.

Doch langsam drohten die Kräfte der Halblinge zu versagen. Ihre Bewegungen wurden immer langsamer, die Waffen in ihren Händen immer schwerer und noch immer war ein Ende der Schlacht nicht absehbar.



Ungerührt von dem ganzen Tumult verkündete das klare Kikeriki eines Hahnes den nahenden Morgen. Es klang wie eine Stimme aus einer fernen, unwirklichen Welt, ein heller Hoffnungsschimmer am Rande des Bewußtseins. Beinahe zur gleichen Zeit schickte die Sonne einen so nachdrücklichen, grellen Strahl über den Horizont, daß die noch lebenden Kobolde voller Entsetzen vor dem Licht die Flucht ergriffen.

Tief durchatmend und vor Anstrengung keuchend und zitternd, stützten sich die Kämpfer auf ihre Heugabeln oder ließen sich einfach erschöpft zu Boden sinken, legten tröstend einen Arm um ihre Liebste, hoben ein weinendes Kind hoch - als ein neuer Ruck durch die unglückliche Schar ging.

Die Felder! Das Feuer! Im Gegensatz zu den Smials, deren Wände aus festem Erdreich bestanden, weshalb die Flammen sich nur innerhalb der Höhlen ausbreiten konnten und bald ersticken mußten, gebot ihnen dort nichts Einhalt.

Augenblicklich entstand ein neuer Wettlauf. Alle, aus deren Höhle keine Flammen schlugen, rannten zurück in die Wohnung, wühlten hastig und ohne Rücksicht auf umgerissene Möbelstücke und Geschirr nach Eimern und folgten den bereits Vorausgeeilten in Windeseile hinunter zum Bach.

Zunächst herrschte ein wildes Durcheinander, weil ein jeder zuerst versuchte ans Wasser zu gelangen. In dem Handgemenge rutschten zwei junge Kerle am glitschigen Ufer aus und fielen kopfüber in die Fluten.

Dem umsichtigen Thain gelang es nach einigen vergeblichen Versuchen, sich Gehör zu verschaffen und Ordnung in den Haufen zu bringen. Während ein paar Männer die beiden unfreiwillig Badenden aus dem Wasser fischten, erklärte das Dorfoberhaupt mit knappen Worten, daß sie eine lange Reihe vom Ufer bis zum brennenden Feld bilden sollten, was mit unglaublicher Geschwindigkeit in die Tat umgesetzt wurde.

Die Eimer wurden von Hand zu Hand weitergereicht, leere hinunter zum Bach und volle hinüber zu den Flammen. Es war eine langwierige und kräftezehrende Arbeit. Aber niemand klagte, alle trugen ihren Teil bei, obwohl die Lage aussichtslos war und jeder dies wußte, bevor sie noch mit ihren Bemühungen begonnen hatten.

Das reife Korn bot dem Feuer eine willkommene Nahrung. Laut knisternd fraß es sich mit schmerzhafter Schnelligkeit durch die trockenen Blätter und Halme und verzehrte alles, was in seine Nähe kam. Zurück blieben nichts als verkohlte Stoppel und verbrannte Erde. Dennoch gaben die kleinen Leute nicht auf, versuchten den Schaden einzudämmen, so gut es ging.

Doch erst, als das Feld völlig niedergebrannt war und die Flammen am lehmigen Wegesrand keine Nahrung mehr fanden, erstickten sie endlich.

Völlig erschlagen, die Eimer noch immer in den Händen, standen die Hobbits da und starrten ungläubig auf die schwarze, rauchende Fläche. Keiner sagte ein Wort. Es hätte auch nichts geholfen. Beinahe ihr gesamtes Korn war niedergebrannt und alle wußten, was dies bedeutete. Dies würde ein sehr karger Winter werden.

Erst langsam erwachten sie aus ihrer Erstarrung. Schweigend und mit hängenden Köpfen und Schultern schlurften sie zurück zum Dorf.

Der Anblick, der sie zuhause erwartete, war nicht minder niederdrückend. Drei Höhlen waren gänzlich ausgebrannt und zwischen den Leichen der widerlichen Kreaturen, lagen allzu viele ihres eigenen Volkes. Laut schluchzend sanken die Angehörigen bei ihren Toten in die Knie.
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