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Schreckensbilder

von ayrenni
GeschichteDrama / P12 / MaleSlash
12.10.2007
12.10.2007
1
1.157
 
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Dieses Kapitel
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12.10.2007 1.157
 
Anmerkung der Autorin: Ich finde es ist an der Zeit, dass auch mal GSG 9 Slash geschrieben wird. Nur ein kurzer One-Shot, Kommentare wären toll!
Warnung: Spoiler für Niemandsland, Slash (Konny/Demir)
Disclaimer: Mir gehört keiner der Charaktere und ich verdiene mit der Story kein Geld.
Kurzbeschreibung: Nach Niemandsland muss Konny etwas über sich selbst lernen.


# 3 - Rot


Schreckensbilder




Sie hatten es geschafft. Sie hatten Demir gerettet und der Plan hatte funktioniert. Er hatte zum Glück nur leichte Verletzungen davongetragen. Die Serben hatten genau so reagiert, wie Konny es vorausgesagt hatte.

Konny selbst hatte Demir zuletzt zusammen mit Geb aus der Schusslinie gezogen und sie hatten auch den Plan zu seiner Rettung ausgearbeitet. Der Einfall mit dem Gummigeschoss war ebenfalls seiner gewesen und war, wenn Konny ehrlich war, mehr aus Verzweiflung als aus Genialität entstanden.

Die ganze Einheit hatte ihren verletzten Mann zum Stützpunkt gebracht, wo er medizinisch versorgt werden konnte. Geb und Frank halfen ihm gerade in einen Raum, der zur Krankenstation umfunktioniert worden war und wo sie schon ein Arzt erwartete. Caspar und Anhoff folgten ihnen, entschlossen, Demir nicht mehr aus den Augen zu lassen.

Doch Konny konnte nicht eintreten. Er stand in der Tür, seinen Blick auf Demir gerichtet. Er betrachtete das Blut auf seiner Stirn, das von den Schlägen stammte, die ihm die Serben versetzt hatten. Das Rot hob sich unnatürlich von der Haut des Türken ab. Sein Gesicht war so viel blasser als sonst.

Konnys Erleichterung über Demirs Rettung, verließ ihn auf einen Schlag. Es war knapp gewesen. Sie waren so nahe dran gewesen, ihn zu verlieren. Er hätte ihn fast verloren.

Konny wandte sich ab. Er konnte nicht mit ansehen, wie der Arzt den Bluterguss unterhalb Demirs Bauchnabel untersuchte, der sich schon zu einem dunklen Lila verfärbt hatte. Konny war an dieser Verletzung schuld. Es war die einzige Möglichkeit gewesen, Demir zu beschützen, rief er sich in Erinnerung. Immerhin hatten sie ihn da raus geholt, lebend. Diesmal wenigstens.

In diesem Moment wurde Konny klar, was es für ihn bedeutet hätte, Demir zu verlieren.

Konny drehte sich um und ging. Er hatte kein Ziel vor Augen, keine Ahnung, wohin wollte oder was er vorhatte. Er wusste nur, dass er weg musste. Weg von Demir. Weg von dem, was er fühlte. Weg von dem Rest seiner Einheit, der früher oder später bemerken würde, dass etwas mit ihm nicht in Ordnung war. Er wollte einfach verschwinden und vergessen, dass jemand anderer überhaupt existierte.

Er passierte die französischen und deutschen Beamten, die ihm entgegenkamen, ohne ihre irritierten Blicke wahrzunehmen.

Konny bemerkte erst, dass er immer weiter in das Gebäude gelaufen war, als es dunkler wurde. Er sah sich um. Der kleine Gang war menschenleer. Er wusste nicht genau, wo er sich befand, doch es musst irgendwo in der Nähe der ungenutzten Räume des Militärstützpunktes sein. In diesem Teil der ehemaligen Schule war er noch nie zuvor gewesen.

Wahllos öffnete Konny eine der Türen. Vor ihm lag ein Klassenzimmer, doch es unterschied sich sehr von den Unterrichtsräumen, die er kannte. Immerhin war es schon eine ganze Weile he r, dass das Gebiet zur deutschen Schutzzone erklärt worden war. Dieser Raum war vor Jahrzehnten das letzte Mal als Klassenzimmer genutzt worden.

Doch auch dieser Ort bo t Konny keine Zuflucht vor seinen düsteren Gedanken. Sein Blick fiel auf die Bilder an den Wänden. Diese Kinderzeichnungen zeigten nicht, wie man erwarten sollte, Blumen oder Häuser oder spielende Kinder.

Sie zeigten Schrecken und Krieg. Eine stellte einen Friedhof dar. Auf einer weiteren war eine Frau mit Tränen in den Augen. Doch das Bild, welches Konny am meisten fesselte, war die Zeichnung eines roten Sees.

Die Farben waren verblasst, doch diese eine Zeichnung stach immer noch unter all den anderen düsteren, in Grautönen und Schwarz gemalten B ildern hervor. Konny wusste, was das Kind mit diesem Bild hatte aussagen wollen. All das Blut. All die Leben, die hier ausgelöscht worden waren.

Genau das hätte er heute auch beinahe gesehen. Genau dieses Bild hätte sich ihm heute auch bieten können, wenn sie nicht so unendlich viel Glück gehabt hätten. Jetzt konnte Konny es nicht mehr verhindern. Der Horrorfilm in seinem Kopf ließ sich nicht mehr anhalten.

Konny sah Demir in seinem eigenen Blut liegen. Das Rot breitete sich aus, die Blutlache wurde immer größer, wurde zu einem See und verschluckte den Körper seines Kollegen.

Energisch schüttelte Konny den Kopf, um die Bilder eines sterbenden Demirs aus seinen Gedanken zu verbannen, und wandte sich von den Bildern ab. Er fühlte eine leichte Übelkeit und die Erschöpfung, die das Adrenalin bis dahin verdrängt hatte. Er hatte seit über 36 Stunden weder geschlafen noch etwas gegessen.

Seit sie nach Demirs Gefangennahme wieder nach Berlin zurückgekehrt waren, hatte er pausenlos über mögliche Befreiungsaktionen nachgedacht. Doch die ganze Zeit konnte er die Befürchtung nicht abstellen, dass sie zu spät kommen würden, dass Demir schon längst tot war. Seine Gedanken schienen sich im Kreis zu drehen.

Immer, wenn er dachte, dass er einen guten Einfall gehabt hatte, erschien ein toter Demir vor seinem inneren Auge und jeder rationale Gedanke verließ seinen Kopf. Das war absolut ungewohnt für Konny. Normalerweise war er derjenige, der mit seiner analytischen Fähigkeit auch in den schlimmsten Situationen ruhig blieb und nicht den Kopf verlor. Doch erst mit Gebs Hilfe schaffte er es, wieder Ordnung in seinen Kopf zu bekommen und zusammen waren sie sogar fähig, sich einen anwendbaren Plan zu überlegen, der mit großer Wahrscheinlichkeit funktionieren würde.

Seit dem Einsatz, bei dem sie Demir hatten zurücklassen müssen, hatte Konny also keine ruhige Minute mehr gehabt. Er lehnte sich an die Wand des Klassenraums, gegenüber der grauenhaften Bildergalerie. Er war todmüde.

Doch sobald er die Augen schloss, erschien in seinem Kopf wieder das Bild von Demir, der in seinem eigenen Blut lag. Die anderen hatten ihn für gleichgültig und unbewegt gehalten, als er den Bericht wahrheitsgemäß geschrieben hatte. Er war es auch gewesen, der als erster die Möglichkeit ansprach, dass Demir vielleicht nicht mehr am Leben war.

Er wusste, dass Frank ihn für ein Arschloch hielt, das sich einen Dreck um Demir kümmerte.
Bis heute hatte er das selbst geglaubt, hatte sich selbst belogen. Und selbst als er die Wahrheit begriffen hatte, hatte er seine Sorgen um Demir vor den Kollegen erfolgreich verborgen.

Er wollte nicht, dass irgendwer das in seinem Gesicht erkannte, was er selbst so lange verdrängt hatte. Konny war sich heute bewusst gebebworden, dass er mehr als nur Demirs Kollege sein wollte. Doch darüber wollte er jetzt nicht nachdenken.

Sie hatten Demir gerettet, ihm war nichts geschehen. Das war alles, was jetzt wichtig war. Und Konny würde dafür sorgen, dass die Schreckensbilder in seinem Kopf niemals Realität wurden. Mit allem anderen würde er sich später auseinandersetzten.

Konny richtete sich auf. Ohne einen Blick auf die Bilder, verließ er das Klassenzimmer in Richtung Baracken. Er musste ein wenig schlafen, um seine Gedanken wenigstens für ein paar Stunden abschalten zu können. Heute war zu viel passiert.

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