Tagebuch

von cora-baby
GeschichteRomanze / P6
Alec Asha Barlow
12.10.2007
12.10.2007
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Tagebuch

„Dienstag, 3. November:
Okay, ich hatte schon einige miese Tage. Wirklich miese Tage, aber der heute übertrifft alles. Heute Morgen sah alles noch danach aus, als könnte der Tag ganz passabel oder sogar gut werden.

Wir haben heute Morgen einen Job endlich zu Ende bringen können. Die ganzen letzten zwei Tage haben Mike und Paulie auf der Lauer gelegen um diesen hinterhältigen Richter endlich überführen zu können. Ich glaube ich habe den Fall schon mal erwähnt, aber ich tu’s noch mal. Der Richter, Mendelson, ist ein Richter, der hauptsächlich Fälle für die Sitte bearbeitet. Prostituierte, Zuhälter, Drogendealer und Fixer. Er hat schon mehr dieser Leute hinter Gitter gebracht als alle anderen in den letzten fünfzig Jahren. Sagt man zumindest. Er hat einen ziemlich guten Ruf. Vor ein paar Wochen kam eine junge Frau zu mir und erzählte mir, dass sie von ihrem Zuhälter übel zugerichtet wurde. Sie hat in der Nacht nicht soviel eingebracht wie sie sollte. Er wurde sauer und hat sie halb totgeschlagen. Ich hab erstmal ihre Wunden versorgt und mir dann im Vorbeifahren ihren Zuhälter zeigen lassen. Er kam mir entfernt bekannt vor, doch konnte ich ihn nicht zuordnen. Ich bin zu einem Freund bei den Cops gegangen und hab ihm von der Hure erzählt. Er meinte zu mir, dass es ein Fall für Mendelson sei und da ging mir ein Licht auf. Mendelson war der Typ, den mir Mary – die Prostituierte – als ihren Zuhälter gezeigt hat. Seitdem haben meine Leute versucht ihn auf frischer Tat zu ertappen. Heute Morgen hatten sie Erfolg. Sie haben Fotos gemacht und die gehen jetzt ohne Umwege zur Richterkammer. Wenn die nichts gegen ihren Richter unternehmen, werd ich mal Logan fragen, ob Eyes Only Interesse an dem Fall hat. So war mein Morgen. Es war gut.

Anschließend bin ich frühstücken gegangen in meinem Lieblingscafe und wer kam rein? Na, wer wohl? Er hat ein Päckchen abgegeben. Ich hab ihn schon gesehen, bevor er den Laden betreten hat, deshalb hab ich mich hinter meiner Zeitung versteckt und gehofft, dass er mich nicht sieht. So konnte ich natürlich auch nicht sehen, was er macht, denn über die Zeitung hinweg zu blicken, hätte extrem verdächtig gewirkt und seine Aufmerksamkeit sofort auf mich gezogen. Also wartete ich ab. Ich hätte vermutlich noch über eine Stunde so dagesessen, wenn er mich nicht angequatscht hätte. Wieder mal war er lässig, entspannt, charmant. So als ob nichts gewesen wäre. Ich hab ihn höflich, aber wie ich hoffe extrem cool, darauf hingewiesen, das ich eigentlich allein essen wollte. Das hielt ihn nicht davon ab noch zehn weitere Minuten zu versuchen mit mir Konversation zu machen, doch ich bin überhaupt nicht darauf eingegangen, hab nur einsilbig geantwortet. Ich fands gut, bis er aufgestanden ist. Er hat irgendwie enttäuscht ausgesehen, so als wollte er versuchen nach seiner unglaublich chauvinistischen Abfuhr mit mir befreundet zu sein. Na, klar doch.

Ich hatte nur kurz ein schlechtes Gewissen, denn seien wir doch mal ehrlich. Es ist Alec! Er will nicht einfach nur mein Freund sein. Er hat mich mit zu sich nach Hause geschleppt, wo ja bekanntermaßen nichts passiert ist und mich eine Woche später abserviert. Vielleicht ist ihm klar geworden, dass ich nicht bereit gewesen wäre nur eine von vielen zu sein und sein Betthäschen zu spielen. Mit seiner Abfuhr hat er deutlich gemacht, dass er keine Beziehung will. Jetzt versucht er vielleicht mich trotzdem ins Bett zu bekommen, aber nichts Ernsthaftes draus werden zu lassen. Denn hinterher kann er ja immer sagen: ‚Hey, ich sagte doch, das ich nichts von dir will’. Das hätte er wohl gern! Nicht mit mir. Aber ich schweife ab.

Jedenfalls bin ich danach zu Logan gefahren. Eyes Only wollte diesen Bericht für S1W senden – den über das Chemielabor, das heimlich an Kampfstoffen arbeitet -, doch Logan meint, das EO findet, das es zu wenige Informationen seien. Ich versuchte nicht beleidigt zu sein. Ich meine, Eyes Only versucht immer alles so genau wie möglich zu machen und sich nur keine Fehler zu erlauben, damit sein Ruf nicht ruiniert wird. Das kann ich verstehen, aber müsste er mir nicht mittlerweile genug vertrauen um zu sagen: ‚Hey, wenn Asha sagt, das da irgendwas faul ist, dann ist das eben so, darauf kann ich mich verlassen’. Nein, stattdessen muss ich jetzt noch einige Tage Recherche ranhängen um EO meinen Verdacht auch noch zu beweisen. Wie soll man Intuition belegen? Ich weiß einfach, dass die nicht ganz sauber arbeiten.

Jetzt arbeiten Lauren und Frank wieder daran, obwohl ich ihnen versprochen habe, das sie fertig sind. Dafür musste ich Frank von der Beschattung der Cops abziehen, die unschuldige Bürger verhaften, ihnen erfundene Verbrechen zur Last legen und so die Festnahmeprämien einheimsen.

Und schon war es Mittag. Gegessen habe ich zuhause einen Happen, dann musste ich los. Zu Gericht. Meine Aussage in dem Drogenfall machen. Sollte eigentlich schnell gehen, doch ich musste länger dableiben, weil neue Beweise aufgetaucht sind, die erst dargebracht werden mussten. Dann haben sowohl der Verteidiger, wie auch der Staatsanwalt eine ganze Wagenladung an Anträgen vorgebracht. Die jeweils gehört, verteidigt, bezweifelt und entschieden wurden. So das ich erst am späten Nachmittag mit meiner Aussage dran war, die zu diesem Zeitpunkt sowieso total überflüssig war, denn die neuen Beweise belegten, das der Angeklagte schuldig war. So gesehen war meine Aussage nur noch reine Formsache. Das regte mich noch mehr auf, nachdem ich sowieso den ganzen Nachmittag dem Geschwafel der Anwälte folgen musste.

Klasse Tag! Ich war erst um sieben aus dem Gerichtsgebäude raus.

Danach bin ich ins Crash gegangen. Tolle Idee! Ich sollte nicht oft auf diese spontanen Eingebungen hören. Ich saß keine Minute, da kam er wieder zu mir. Fragte mich doch allen ernstes ob ich mich wieder eingekriegt hätte. Der spinnt wohl! Als er mich am Vormittag traf war ich noch entspannt. Das sagte ich ihm. Nicht ganz so nett natürlich, aber schließlich hatte ich weder Lust noch Veranlassung in irgendeiner Weise nett zu ihm zu sein. Doch statt ihn mit meiner unfreundlichen Art zu verscheuchen brachte ich ihn erst richtig auf Touren. Er gab mir einen Tequila aus und fing an mich voll zuquatschen und das Kurioseste dabei? Ich entspannte mich, während ich seinem zusammenhanglosen Gerede folge leistete. Natürlich fragte ein Teil meines Hirns – tief vergraben zu diesem Zeitpunkt – was er bezweckte. Wollte er mich tatsächlich rumkriegen? Auf eine schnelle Nummer um sich selbst die Langeweile zu vertreiben und sich zu beweisen, dass er es immer noch drauf hat? Wollte er sich und der Welt zeigen, dass er Asha Barlowe trotzdem rumkriegen konnte? Die Stimme wurde immer lauter, zum Schluss hat sie so gebrüllt, dass ich seine Worte kaum mehr verstanden habe, also unterbrach ich ihn ohne vorher darüber nachzudenken. Ich fragte ihn was er von mir wolle und die Antwort? Nur mich! Okay, ich war nur leicht überrascht, immerhin hab ich damit gerechnet. Ich sagte, dass er das vergessen könne. Darauf sagt er, dass er das seit über zwei Wochen versucht hat, hatte nicht geklappt. Deshalb wollte er mich jetzt doch mit zu sich nehmen um zu probieren ob es vorbeigeht, wenn er mich im Bett hatte. Über diese recht erschreckende schonungslose Offenheit, war ich etwas überrascht, deshalb fiel mir keine schlagfertige Erwiderung ein. Was fragt er mich danach? Ob ich mit zu ihm gehe. Und was mache ich dumme Gans? Ja, sagen. Ohne eine weitere Minute Zeit zu haben, zog er mich aus dem Laden, zu sich nach Hause und direkt ins Bett.

Morgens bin ich aufgewacht und er war weg. Kein Wort der Verabschiedung, aber damit hätte ich rechnen müssen. Sicher, die Nacht war toll – wie nicht anders zu erwarten, aber das morgens war genau das was ich erwartet und befürchtet habe. Ich wusste, dass ich nicht mit ihm hätte gehen dürfen. Ein Fehler! Aber nun ist es zu spät. Da er sich sicher nicht bei mir melden wird, brauche ich gar nicht erst versuchen ihm aus dem Weg zu gehen.“

Asha hatte verlegen die Hände vor ihre Augen geschlagen.

„Ich entnehme dieser äußerst spannenden Lektüre, dass du überrascht warst, dass ich dich am gleichen Abend schon angerufen habe“, lächelnd legte Alec ihr Tagebuch beiseite.

„Okay“, sie hob  lächelnd ihr Gesicht, „Ich hab dich gewarnt, dass es nicht sehr nett ist. Du wolltest es lesen, vergiss das nicht. Und ja, ich war überrascht. Wenn ich damit gerechnet hätte, hätte ich nicht abgenommen, dann wäre ich dir aus dem Weg gegangen.“

„Zum Glück hast du mich für so ein Arschloch gehalten, das du nicht mal auf die Idee kamst, dass ich dich anrufen könnte“, er beugte sich vor und küsste sie kurz.

„Ja, ja, ich weiß. Na, schön. Ich hab dich unterschätzt. Aber du musst zugeben, das ich allen Grund dazu hatte.“

„Zugegeben“, stimmte er zu, „Aber besonders nett war es trotzdem nicht. Jetzt lass uns losfahren. Die anderen warten bestimmt schon auf uns.“

Asha stand auf und drehte ihm den Rücken zu: „Machst du mal bitte?“

„Klar“, er trat hinter sie und zog den Reißverschluss nach unten, die Finger der anderen Hand folgten der Linie freiwerdender Haut.

Asha kicherte: „Zumachen! Nicht auf!“

„Oh, ach so. Verzeihung“, er schloss das Kleid, küsste sie auf die Schulter und ging zur Tür, „Wir werden zu spät kommen“, drängelte er.

„Sei mal nicht so ungeduldig. Glaubst du sie stoßen ohne uns auf unseren Jahrestag an?“, sie ging lächelnd zu ihm.

Er grinste: „Na, ich weiß nicht. Logan hatte diesen sehnsüchtigen Blick drauf, als ich ihm von dem Champagner erzählt habe. So sieht er sonst nur Max an!“

Asha legte lachend ihre Hand in seine: „Dann ist wohl doch Grund zur Eile geboten, was?“

„Das meine ich auch!“

Ende

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