...eskann ja nicht immer regnen...

GeschichteMystery / P12
Erik Draven
07.10.2007
07.10.2007
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Als ich an einem grauen Morgen aufstand hatte ich wiedermal total schlechte Laune. Es regnete, wie immer in dieser gottverdammten Stadt. Manche Leute nennen sie die „City of Angels“. Über das konnte ich nur lachen. Meinen einzigen Engel hatte ich schon vor langer Zeit verloren. Drei Jahre, um genau zu sein. Punktgenau drei Jahre. Nachdem ich in die küche gegangen war, und auf das Kalenderblatt sah, war meine Laune an so einem tiefen Tiefpunk angelangt, wie sie nur sein konnte. Heute war der 30. Oktober. Die Teufelsnacht. Ein Tag vor Halloween. In dieser besagten Nacht, eben genau vor drei Jahren, kam mein bester Freund bei einem Autounfall ums Leben. Mein bester und auch einziger Freund.
Im Kühlschrank war nichts, was mich im Moment ansprach. Also zog ich meinen schwarzen Lieblingspulli an und ging raus, um mir etwas zum essen zu holen. Bald war ich total durchnässt, was mir allerdings so ziemlich scheissegal war. Es gab nichts, was mir nicht scheissegal war. Bei einem kleinen Laden angekommen, machte ich erstmal ne Zigarettenpause, bevor ich reinging. Dann kaufte ich mir einen Burger und eine Flasche Eistee und machte mich wieder auf den Weg nach Hause. Den restlichen Tag verbrachte ich mit dem hören der Platten meiner Lieblingsband, deren Gitarrist, Eric Draven, übrigens auch genau vor drei Jahren ums Leben kam. In dieser verfluchten Teufelsnacht ermordet. Ob das wohl ein Zufall war? Irgendwann schlief ich ein und wachte erst viel, viel später wieder auf. Leise schlich ich mich ins Zimmer meiner Mutter, die schon schlief. Sie war wohl von der Arbeit zurückgekommen, ohne das ich es bemerkt hatte. Ein Blick durch das Fensterglas verriet mir, dass es bereits dunkel war. Die Nacht war meine liebste Zeit. Früher bin ich oft mit Vivian, so hiess mein bester Freund, draussen herumgelaufen in der Nacht. Mich überkam plötzlich der Drang, raus zu gehen. Natürlich war ich mir bewusst, das es in der Teufelsnacht sehr gefährlich draussen war, doch das war mir wie alles andere, was ich übringens schon einmal erwähnt hatte, scheissegal.
Schon etwa zwei Stunden war ich draussen, und sah hin und wieder ein Feuer aufflackern, eines der vielen, die diese Wahnsinnigen jedes Jahr legten. Die Polizei war machtlos gegen die. Was war auch anderes zu erwarten von diesen Bullen? Ich kümmerte mich nicht weiter drum und kam schliesslich am Friedhof vorbei. Der Mond schien, durch ein paar Nebelschwanden getrübt, auf die Gräber. Das eiserne, schwere Tor, fühlte sich kalt und nass unter meinen Fingern an, als ich es öffnete. Die Kieswege zwischen den Gräberreihen waren unordentlich und mit Laub bedeckt. Ein Grabstein aus schwarzem Marmor tauchte vor mir auf. Der Name der daraufstand, brachte mich wiedermal zum weinen. Vivian Vain. Ein wunderschöner Name, ich liebte ihn geradezu. Doch nochmehr liebte ich den Menschen, der diesen Namen trug. Eine Zeit lang sass ich so am Boden und weinte bittere Tränen. Auf einmal hörte ich einen Schrei. Ein grosser, schwarzer Vogel flog über mich hinweg. Ich glaube, es war eine Krähe. Ich liebe Krähen. Sie sind so edle Geschöpfe... Sie flog auf einen hohen baum neben mir und liess sich dort nieder. Ich beobachtete sie, und mir kamen Gedanken von früher. Vivian hatte mir einmal eine wunderschöne Krähenfeder geschenkt. Er war ein so lieber Junge... In Gedanken merkte ich garnicht, das jemand hinter mich herangetreten war. Erst als ich die Hand auf meiner Schulter spürte, drehte ich mich erschrocken um. Ein Gesicht schaute mich an, dass mir so bekannt vorkam, aber dennoch fremd. Es war ganz weiss geschminkt, die Lippen waren tiefschwarz, genau wie die feinen Striche, die sich unter und oberhalb der Augen befanden. Wilde dunkle Haarstähnen hingen wirr darüber. Da dämmerte es mir langsam. „Eric? Eric Draven?“ fragte ich zögernd. Ein breites lächeln erschien auf seinem seltsam geschminkten Gesicht. „Der bin ich“ antwortete er. „Schön dass mich meine Fans doch noch nicht vergessen haben!“. Inzwischen hatte der Regen wieder angefangen. Besorgt schaute er mich an. „Sind deine Wangen nass vom Regen oder liegt das an etwas anderem?“ Schonwider musste ich mit den Tränen kämpfen, die übrigens der Grund für die Nässe waren. „Weisst du...“ fing ich mit zitternder Stimme zu sprechen an „Vor genau drei Jahren habe ich jemanden verloren...“ Und so erzählte ich ihm die ganze Geschichte von Vivians Tod. Er hörte mir aufmerksam zu. Am Ende hatten seine Augen ebenfalls ein wenig traurigeren Ausdruck bekommen. „ Ich weiss sehr gut wie das ist, ich selbst habe meine Freundin verloren, und wurde danach selbst umgebracht, und habe mich dafür auch gerächt. Nun habe ich doch Frieden gefunden im Totenreich, und bin wieder glücklich mit ihr vereint. Doch manchmal, wenn es einem Menschen wirklich schlecht geht, werde ich auf die Erde zurückgeholt, um der betreffenden Person zu helfen: Die Krähe führt mich zu ihr. So bin ich heute auch bei dir gelandet.“ So ganz verstehen konnte ich das alles nicht. Aber es war mir im Moment auch nicht so wichtig. Ich war viel zu traurig und zu müde, um über dies nachzudenken. Eric schien das zu merken, er nahm mich liebevoll in den Arm und streichetlte mir über mein Haar. „Denk dran“ flüsterte er. „Es kann ja nicht immer regnen...das gilt auch für die Seele!“ Mit halb geschlossenen Augen blickte ich zu ihm hoch und brachte noch ein leises „Danke vielmals“ heraus, ehe ich ihn langen, traumlosen Schlaf versank.
Der Wind wehte über meinen Körper, Regen spürte ich keinen. Endlich mal. Ich spürte die harte Erde unter mir. Meine Finger berührten Grasbüschel. Ich schlug die Augen auf. Der Himmel über mir war immernoch wolkenverhangen. Ich war alleine. Beim aufstehen dachte ich an Eric. War das letzte Nacht wirklich passiert? Oder hab ich nur geträumt? Aber dann entdeckte ich etwas, was meine Zweifel beseitigte: Ich hatte Erics Mantel an! Seinen schwarzen Ledermantel. Er musste ihn mir wohl umgelegt haben als ich schlief. Meine Augen schweiften über Vivians Grab. dort lag eine Rose. Die schönste, roteste Rose die ich je gesehen hatte. Langsam ging ich darauf zu und hob sie auf. Daran war ein Zettel befestigt! Darauf stand: “Liebe Mary, du musst dir weder Sorgen um mich machen, noch um mich trauern, es geht mir gut im Totenreich. Ich will auch dass es dir gut geht, darum habe ich Eric zu dir geschikt. Hoffentlich konnte er dich ein wenig trösten... Ich vermisse dich wahnsinnig. Dein Vivian.“
Wenige Wochen später besuchte mich Eric ein zweites Mal. Jedoch nicht alleine! Er hatte Vivian mitgebracht! Ich brach in Freudenschreie aus als ich ihn sah, und fiel ihm sofort um den Hals. „Oh Vivian, das Leben ohne dich ist so scheisse...ich wünschte ich wäre bei dir!“ Da mischte sich Eric ein: „Vielleicht lässt sich da was machen... wenn wir durch Hilfe der Krähe hin und her können, kannst du das vielleicht auch...“ - „Das glaubst du ja wohl selber nicht, ich müsste selbst tot sein um das zu können“ gab ich zu bedenken.“Aber lieber tot, als ein Leben ohne meinen besten Freund“
Und so kam es dann schliesslich auch... In einer kalten Novembernacht, der 22. um genau zu sein, nahm ich für immer Abschied von meinem Leben und allen Menschen darin, die mir sowiso nie viel bedeutet haben. Vivian, Eric, seine Freundin Shelly und ich wurden die besten toten Freunde. Für immer. Im nachhinein musste ich noch viel an Erics worte denken: Es kann ja nicht immer regnen... Erst jetzt hatte ich den wirklichen Sinn dieses Satzes begriffen.