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Albtraum ohne Ende

GeschichteThriller / P16 / Gen
23.09.2007
23.09.2007
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Es war dunkle Nacht, als Schmerzensschreie Ruban aus seiner astralen Meditation rissen. Er brauchte einige Sekunden um sich zu orientieren, doch dann fiel es ihm wieder ein. Er war im Traviatempel. Er saß im Gebetsraum, wo seine Kollega Halina und die Geweihte schliefen. Bogulf schlief im Zimmer der Geweihten und war nicht bei ihnen. Wieder hörte Ruban diese Schmerzensschreie und sah sich um. Die Geweihte saß wach auf ihrem Lager und sah ihn angstvoll an. Von ihr kamen die Schreie also nicht. Also konnte es nur noch einer sein.
"Halina!" mit einem Satz war er auf den Beinen und am Lager der jungen Feuerelementaristin- und was er dort sah erfüllte ihn mit kalter Angst.
Die Tulamidin war totenbleich und wand sich vor unsichtbaren Schmerzen, während schauderhafte Laute, wie das Brüllen und Knurren wilder Tiere ihrer Kehle entronnen. "Halina! Wach auf!" Ruban hielt ihre Arme fest, als sie begann blindwütig um sich zu schlagen. "Befreie dich! Das ist nur ein Traum!"
Und tatsächlich! Plötzlich wurde sie ruhig. Kein Krampfen, sie schlug nicht mehr um sich und auch ihr Schreien und Stöhnen war verstummt.
Dafür war nun ein anderes Geräusch zu vernehmen. Leise und doch deutlich und stetig. Tropf. Tropf. Tropf.
Rubans Blick folgte dem Tropfen, suchte den Ursprung und fand ihn an der Hand seiner Kollega, die nun schlaf über das Bett herabhing. Langsam, aber unaufhörlich tropfte dunkelrotes Blut von ihren Fingerspitzen und auf den Boden, der sich tödlich rot färbte, als das Blut unaufhörlich weiterfloss.
"Halina!" wieder versuchte Ruban die junge Frau zu wecken und wandte sich, als es nicht funktionierte, verzweifelt an die Traviageweihte, die mit angstvoll geweiteten Augen auf ihrem Lager saß. "So tut doch etwas, Hochwürden!" "Ich kann nicht." Sie schüttelte den Kopf und schlang mit einem Frösteln die Arme um ihren Körper. "Ich kann ihr nicht helfen." "Halina..." Ruban wandte sich wieder um und sah in das bleiche Gesicht der Tulamidin.
Was bei allen Zwölfen passierte mit ihr? Welcher Dämon hielt sie gefangen? Welcher Dämon hatte die Macht über eine Tempelschwelle zu treten und dazu den Schutz ihres Artefaktes wider Hellsicht und Beherrschung zu brechen?
Die Antwort war denkbar einfach und erfüllte ihn doch mit unaussprechlichem Schrecken. Es gab nur einen Dämon, der dazu die Macht hatte- Borons Gegenspielerin selbst. Die Herrin der heulenden Finsternis, die Seelenhirtin der Verdammten. Die Erzdämonin Thargunitoth. "Halina!"


Ihr Schwert mähte ihre Gegner nieder wie das Gras auf dem sie stand und tränkte die Erde mit Blut. Niemand konnte sie besiegen. Sie allein hatte die Macht jedes Leben zu nehmen. Und sie nahm es mit Freude. Ihr Schwert fuhr ohne Erbarmen durch die Reihen und erfüllte sie mit einem Gefühl von Macht, das sich in einem Triumphschrei Bahn brach. Doch dann war es vorbei. Es waren alle besiegt. Niemand mehr, dessen Leben sie nehmen konnte.
Und noch immer schrie und tobte dieser Hunger nach Blut und Zerstörung in ihr, dass sie glaubte zerspringen zu müssen. Ihre klauenbesetzte Hand legte sich schwer auf ihre Brust und als die Mordgier unerträglich wurde, riss sie sich mit einem Aufschrei des Entzückens ihr wild pochendes Herz heraus.


Das Blut hörte auf zu tropfen. Mehr noch- es verschwand im Nichts. Und in der plötzlichen Stille des Gebetsraumes hörte man den pochenden Rhythmus eines Herzens, Halinas Herzens. Es erfüllte die Luft, dröhnte in Rubans Ohren und schluckte jedes andere Geräusch.
Und plötzlich schlug sie die Augen auf und ihr Blick richtete sich starr auf Ruban. Ihr Gesicht war eine Maske aus blankem Hass.


Er saß auf ihr. Versuchte sie kampfunfähig zu machen. Er war ihr Gegner, ihr Feind. Wenn sie ihn nicht zur Strecke brachte, würde er sie töten.
"BLITZ DICH FIND, WERDE BLIND!" Nichts geschah. Ihre Raserei raubte ihr die Konzentration und machte es unmöglich ihr Gegenüber mit diesem einfachen Zauber zu blenden. Ruban versuchte sie auf den Bauch zu drehen und ihre Hände zu fixieren um sie am Zaubern zu hindern, doch sie konnte sich freikämpfen. Wieder richtete sie die Hand auf ihn. "BLITZ DICH FIND, WERDE BLIND!" Doch wieder geschah nichts. Und plötzlich war es als hätte jemand einen Vorhang aufgerissen und helles Licht hereingelassen. Der Nebel um ihren Geist lüftete sich und mit einem Mal dachte sie wieder klar. "Geh runter von mir..." murrte sie und setzte sich auf. Sie war immer noch leichenblass und sie atmete schwer und keuchend, während ihr Herz bis zum Hals schlug. "Sei froh, dass der Blitz-dich-find noch nie deine Stärke war." knurrte Ruban und erhob sich. "Ich verbringe den Rest der Nacht im Gasthaus." Als er ging dankte er den Göttern, dass Halina in ihrem Wahn einen Zauber gewählt hatte, den sie noch nie sicher beherrscht hatte. Hätte sie sich für den Ignifaxius, den Feuerstrahl entschieden, wäre er nun nicht mehr am Leben.


Als Halina schließlich allein und ein wenig ruhiger geworden war, wagte die Traviageweihte es schließlich sich der Magierin zu nähern. Ihre Angst stand ihr deutlich ins Gesicht geschrieben, denn auch ihr war klar, dass sie gerade Zeugin von Thargunitoths unheiligem Wirken geworden war.
Sie legte der jungen Frau die Hand auf die Stirn und sprach den Harmoniesegen, in der Hoffnung ihr wenigstens ein bisschen Frieden und Trost spenden zu können.
Halina kannte diesen Segen. Erzian, der Rondrageweihte hatte ihn auf sie gesprochen, nachdem sie in Baliho von einem Fuhrmann geschändet worden war, doch dieses Mal wollte sich die heitere Ruhe, die diese Liturgie bewirken sollte, nicht einstellen. Der Gedanke, dass Borons Gegenspielerin selbst ihren Geist verwirrte war zu schrecklich um Ruhe finden zu können. Es war noch nicht viel Zeit vergangen, vielleicht zwei oder drei Stunden, als aus dem Gasthaus plötzlich laute Schreie des Entsetzens drangen und kurz darauf stürmten mehrere Dorfbewohner in den Tempel, um die Traviageweihte zu holen. Kein Zweifel. Es musste etwas Schreckliches passiert sein. Halina folgte der aufgeregten Gruppe ins Gasthaus. Um nichts auf Dere wäre sie jetzt allein im Tempel zurückgeblieben.
Man führte die Geweihte zum Zimmer der Wirtsleute. Doch die junge Elementaristen verließ kurz vor der Türschwelle der Mut. Was immer dort drin Firchtbares passiert war- sie wollte es nicht sehen. Um sie herum hatte sich eine aufgeregte Menschentraube gebildet und sie konnte einige Wortfetzen aufschnappen. Ihr gefror das Blut in den  Adern und ihre Beine versagten den Dienst.

"So etwas Grausames. Der Arme Mann..."
"Die arme Familie. Was für eine Tragödie."
"Habt ihr es schon gehört? Die alte Bettlerin hat es auch erwischt. Grauenvoll!"
"Wie kann so etwas passieren? Wer... nein was kann so etwas anrichten? Wie kann ein Mann sich nur bei lebendigem Leib das Herz aus der Brust reißen?"
 
 
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