Young, pretty Devil

GeschichteRomanze / P12 Slash
03.09.2007
17.09.2007
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Ich habe mir die Mühe gemacht und endlich eine Vorgeschichte (bestehend aus ingesamt vier kleinen Teilen) über Chesters Leben vor seiner Zeit bei Mike und den anderen geschrieben.
Dadurch, dass in Devil May Care immer mal wieder die Rede auf den eigentlich unbekannten Jamie - Chesters erster, fester Freund - fällt, hielt ich es für sinnvoll, ein wenig mehr aus dieser Zeit und auch von diesem Jungen zu schreiben, der eigentlich nur im Prolog und in einigen Kapiteln ganz kurz erwähnt wurde.
Ich würde mich freuen, wenn ihr mal reinlest. Denn auch wenn es Spaß gemacht hat, war es dennoch recht viel Arbeit, neben DMC auch noch das zu schreiben.


Und noch etwas: Bitte lasst euch nicht durch den Namen "Jamie" irritieren. Er hat NICHTS mit Chesters Sohn zu tun! Als Devil May Care geplant wurde und als ich den Prolog geschrieben habe, gab es nur den kleinen Draven und Tyler, von Jamie wusste man zu dem Zeitpunkt noch nichts.

Und nun wünsche ich euch viel Spaß und hoffe auf ein paar Reviews, ob euch "Chesters Story" gefällt oder nicht =)








Young, pretty Devil

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Vorgeschichte zu Devil May Care®

Handelnde Personen: Chester/Jamie

Zeitspanne: 1991-1994

Ort: Phoenix/Arizona

Spätere Erwähnungen: Prolog, 2.Teil Lampenfieber




Vor dem Lesen unbedingt beachten!

Die folgende Geschichte ist ein Teil aus Chesters Vergangenheit, welche zu der Fanfiktion Devil May Care gehört. Die Absicht dieser Geschichte ist, Chesters Wesen, sein gesamtes Sein anhand seiner Jugend zu erklären und begreiflich zu machen, wieso er in DMC genau diese Charakterzüge bekommen hat, die ich beschreibe.
Sie erzählt das Kennenlernen von Jamie, Chesters erster großer Liebe, ihrer gemeinsamen Zeit bis zu einem schmerzlichen Verlust.

written by Teresa M.



1991

Chester Bennington war nie jemand gewesen, dem es besonders leicht gefallen war, auf Menschen zuzugehen. Würde man ihn anlächeln, konnte man sicher sein, dass er diese Geste mit geröteten Wangen erwidern würde. Es schien kein Problem zu sein, dass er so war wie er nun einmal war. Eine gewisse Zeit lang galt es als schreckliches Laster, das an seiner High School gerne benutzt wurde, um ihn bloßzustellen. Aber Chester hatte gelernt, diese Leute zu ignorieren. Nun war er selbstbewusster; ein 15 jähriger Junge, der langsam herausfand, dass es nicht verwerflich war, schüchtern und ein wenig unsicher zu sein. Manchmal war es nämlich genau das, was man von ihm erwartete und was ihn so liebenswert machte.
Seit einem halben Jahr hatten sich ein paar Jugendliche, teilweise in seinem Alter, aber auch Ältere sich seiner angenommen und ihm gezeigt, dass nicht alle Menschen schrecklich waren; dass es durchaus auch liebenswerte Personen gab, auf die man sich immer verlassen konnte. Sie waren die Ersten gewesen, denen sich Chester wirklich geöffnet hatte. Früher war sein Vater immer diese Bezugsperson für ihn gewesen, jedoch kam Chester langsam aber sicher in ein Alter, in dem er wusste, dass sein Dad ihn nicht mehr verstehen würde. Diese Erkenntnis hatte damit begonnen, als Chester einen gewissen Pete, derjenige, dem er es zu verdanken hatte, nun Teil dieser Clique zu sein, anziehend gefunden hatte. Chester wusste nicht, inwieweit er das deuten konnte. Er hatte keine Ahnung, ob es die liebevolle Art von Pete gewesen war, als er Chester auf der Straße aufgegabelt und ihn nach seinem Namen gefragt hatte. Oder aber ob es daran lag, dass Pete wirklich extrem gut aussah in seinem engen Muskelshirt und den vielen Nietenbändern um Hals und Handgelenke. Er hatte es keinem gesagt, weder den Mädchen, die wirklich auch nicht zu verachten waren, und schon gar nicht Pete selbst. Es war eine stets stumme Anziehung gewesen. Chester hatte sich oft so gefühlt, als würde er ihn aus weiter Ferne bewundern, jedoch nie dabei gesehen werden. Und das war gut so. Er hätte nicht gewusst, was er als unerfahrener 15 Jähriger getan hätte, wenn ein 19 Jähriger, wie Pete es war, auf ihn zugekommen wäre mit einer ganz anderen Absicht als die, wie Chester sie bereits erfahren durfte.
Nein, es war wirklich gut so, wie es war.
Chester hatte sich in diesem halben Jahr nicht nur geistig zum positiven verändert, auch sein Aussehen war anders geworden. Sein Vater hatte nur mit dem Kopf geschüttelt, als Chester mit blond gefärbten Haaren und einem engen, schwarzen T-Shirt nach Hause gekommen war (was er kurz zuvor mit einigen seiner neuen Freunde erstanden hatte und was laut Petes Aussage wirklich wunderschön an ihm aussah). Chester fühlte sich gut damit, auch der Nietengürtel und die mittlerweile wild abstehenden Haare waren etwas, vorauf er mittlerweile richtig stolz war.
Und als wäre es Schicksal gewesen, passierte ausgerechnet an diesem Tag, an dem Chester sich stumm eingestand, dass das nie etwas mit Pete und ihm werden würde, etwas, was für weitere Jahre wohl sein gesamtes Leben veränderte.
Es war ein Samstagvormittag, als Chester gut gelaunt in dem kleinen Park ankam, in dem seine Freunde und er sich stets zum Skaten trafen. Das war eine heimliche Leidenschaft von allen aus seiner Clique. Sie liebten das Skaten und je kunstvoller die Experimente mit den Boards aussahen, desto mehr bewunderte Chester sie dafür. Pete hatte ihm angeboten, ihm das skaten beizubringen, jedoch hatte sich Chester bisher kaum getraut, dieses wunderbare Angebot wirklich wahrzunehmen. Er sah seinen Freunden lieber dabei zu, da er genau wusste, dass er sich zum Affen machen würde.
Als er heute in dem Park ankam und zur Halfpipe blickte, fiel ihm sofort ein neues Gesicht auf. Ein Junge, ungefähr in seinem Alter stand etwas abseits und sah Chesters Freunden interessiert dabei zu, wie sie ihre Kunststücke vollführten. Eigentlich war das nichts Besonderes. Es gab häufig Schaulustige, die es interessant fanden, den Skatern zuzuschauen. Aber egal wie sehr Chester es versuchte, sein Blick wanderte immer wieder zu dem fremden Jungen. Er sah gut aus. Chester konnte es nicht anders beschreiben.
Seine Statur war zierlich, wenn auch lange nicht so sehr, wie die von Chester. Aber es war auch keine Kunst, männlicher auszusehen, als er.
Es dauerte eine ganze Weile, in der der Junge sich wohl unbemerkt fühlte, jedoch schien es so, als würden Chesters Blicke die des Fremden förmlich anziehen. Und so kam es, dass sich die hellen Augen auf Chester richteten.
Er versuchte einiges, in eine andere Richtung zu blicken, jedoch war das beinahe unmöglich. Außerdem, würde sich eine bessere Gelegenheit anbieten, den Jungen anzusprechen, als in diesem Augenblick? Eine Welle des Mutes brach über Chester herein und noch während er sich selbst wunderte, dass er das tat, war er näher zu dem Unbekannten getreten und versuchte ein zaghaftes Lächeln. Zu seiner Überraschung erwiderte es der Junge sofort.
„Toll, wie die Jungs das können.“ Die Stimme des Fremden war warm, nicht wirklich tief oder rauchig, eher klar und ein wenig verträumt.
„Ja“, erwiderte Chester. „Sie haben mir schon oft angeboten, es mir beizubringen, aber ich würde mich dämlich anstellen.“
„Das sind deine Freunde?“ Der Junge wirkte deutlich interessierter, was Chester mit einem Nicken beantwortete.
„Das Skaten würde aber gut zu dir passen. Ich würde es probieren an deiner Stelle.“ Wieder klang diese Stimme unglaublich weich und Chester fühlte sich so, als hätte er sofort seine Angst überwinden können durch diese netten Worte.
„Ich bin Jamie!“, meinte der Junge plötzlich und streckte Chester die Hand hin, welche dieser sofort umfasste.
„Hi, ich bin Chester.“
Sie verweilten einen kurzen Moment in ihrer Bewegung, in der es Chester möglich war, sich Jamie etwas genauer zu betrachten. Er hatte hellbraune, glatte Haare, die ihm bis zu den Schultern gingen und teilweise in seine Stirn fielen. Seine grünen Augen waren groß und wirkten freundlich, ebenso wie sein aufrichtiges Lächeln, welches seine schön geschwungenen Lippen umspielte. Chesters Blick fiel auf das Piercing, ein kleiner, silberner Ring, der Jamies rechte Lippenhälfte zierte.
„Ich skate auch gerne.“ Jamie seufzte. „Leider habe ich kein Board mehr, irgendwie ist es bei meinem Umzug verloren gegangen.“
„Umzug?“ Chester sah ihn fragend an. „Du kommst nicht von hier?“
„Nein. Ich komme aus New Orleans. Allerdings war es schon immer ein Traum von meinen Eltern in Arizona zu leben.“ Er zuckte mit den Schultern. „Ich habe keine Ahnung wieso.“
„Wenn du unbedingt ein Board haben willst, kann ich meine Freunde fragen. Sie leihen dir sicherlich gerne eins.“ Chesters Augen begannen zu strahlen, denn das erste Mal in seinem Leben fühlte er sich, als wäre er nicht das kleine „Sorgenkind“, wie ihn seine Freunde liebevoll nannten, jetzt hatte er wohl jemanden kennen gelernt, dem er einiges zeigen konnte und sei es nur diese Stadt.
Doch es war gar nicht nötig, zu fragen, denn noch ehe Chester seine Worte in die Tat umsetzen konnte, waren ein paar seiner Freunde schon zu ihnen gekommen, verwundert darüber, mit wem Chester da wohl sprach.
„Hey, darf ich euch jemanden vorstellen? Das hier ist Jamie!“ Er lächelte ihn an und wandte sich wieder den anderen zu.

****
Drei Wochen später war dann etwas mit Chester passiert, was ihm einige schlaflose Nächte bereitete. Er hatte gehofft, nach Pete würde seine stumme Schwärmerei verschwunden sein. Es hätte nie wieder etwas Derartiges über ihn hereinbrechen sollen. Doch bei Jamie war das anders. Er war so anders, als seine Freunde aus der Clique. Chester konnte es nicht genau erklären und der Versuch, seine Gefühle auszudrücken, würde sicherlich in einer lächerlich kitschigen Angelegenheit enden. Jedoch war eine Sache unbestreitbar; Er mochte Jamie sehr. Sie kannten sich noch nicht besonders lange, jedoch schien es so, als würden sie sich jeden Tag, den sie sich trafen, besser und inniger kennen lernen. Chesters Freunde mochten Jamie. Er war nett und umgänglich und so war es gekommen, dass er ihn zunächst immer nur im Park zum Skaten angetroffen hatte, bevor sie sich auch alleine trafen und gemeinsam die Stadt unsicher machten.
Ja, Jamie war ein begnadeter Skater. Es war unglaublich, ihm zuzusehen, wie er auf die Halfpipe ging. Chester hätte sich den gesamten Tag damit beschäftigen können, seinem neu gefunden Freund dabei zuzusehen und neben den Kunststücken auch auf andere bedeutsame Merkmale zu achten. Dazu zählte zum Beispiel dieses süße Lächeln, was nur Jamie so unbeschwert und schön hinbekam. Kein anderer schaffte es, Chesters Herz dabei so schnell klopfen zu lassen. Und damit war er also wieder in einem dieser seltsamen Gefühle gefangen. Doch diesmal war es noch einmal anders, als es bei Pete gewesen war. Pete war immer unnahbar gewesen. Jamie nicht. Jamie war für Chester da. Sie redeten miteinander wie beste Freunde, sie umarmten sich wie Brüder und sie lachten zusammen wie er es mit Pete niemals hätte tun können. Vielleicht lag es auch daran, dass Jamie nur ein Jahr älter war als Chester. Vielleicht war es aber auch einfach nur seine wunderbare Art.
„Du magst ihn sehr, oder?“ Samantha hatte ihn das häufig gefragt und dabei immer wieder einen wissenden Blick aufgesetzt, so als würde sie mit ihrer Frage etwas ganz anderes von Chester wissen wollen.
Und Chester durchschaute das. Er wusste, dass er eher verliebt wirkte, als begeistert darüber zu sein, einen neuen Freund gefunden zu haben. Und ja, vielleicht war er ja sogar verliebt.
„Es ist keine große Kunst das zu sehen“, hatte Samantha Chesters Frage beantwortet, als dieser verwundert darüber gewesen war, dass es mittlerweile wohl ziemlich offensichtlich war. „Die ganze Clique versucht euch mittlerweile zu verkuppeln. Ihr stellt euch wirklich extrem schüchtern an.“
Chester war rot angelaufen und hatte sie nur kopfschüttelnd angeguckt, bevor er peinlich berührt zur Halfpipe zurückgegangen war, um dort den anderen zuzuschauen und auf Jamie zu warten, der in gut zehn Minuten auftauchen wollte.
Er fühlte sich komisch dabei, dass alle so taten, als wäre es etwas völlig normales, dass er sich bereits zum zweiten Mal in einen Jungen verliebt hatte. Für ihn war das nämlich gar nicht so normal, wie alle anderen taten. Wieso verliebte er sich ständig in ein Lächeln, was ihm ein Junge schenkte und nicht in das eines Mädchens? Er wusste, was Schwulsein bedeutete. Aber war er das wirklich? Schwul?
Chester seufzte. Er wollte nicht darüber nachdenken. Seine Gedanken würden ihn zu keinem nennenswerten Ergebnis bringen.
Und dann sah er ihn. Sein Herzklopfen beschleunigte sich erneut und für diesen Moment war alles andere für ihn belanglos. Vielleicht war es der Moment, in dem er sich innerlich eingestand, was er wirklich für Jamie fühlte.
Chester sah ihn auf sich zulaufen und wusste, dass er wieder einen leichten Rotschimmer auf den Wangen hatte, so wie er das immer hatte, wenn er aufgeregt war. Sein Bruder hatte ihn früher oftmals dafür aufgezogen, doch Jamie schien das süß zu finden.
Er atmete tief durch und strahlte, als sein Freund ihn zur Begrüßung umarmte. Diese Begrüßungen schienen von Tag zu Tag länger zu dauern, eine Tatsache, die wohl neben Samantha auch die anderen schon bemerkt hatten.
Auch jetzt war Chester so, als würden er die anderen kichern und zufrieden aufseufzen hören, so als würde sich gerade eine tragische Liebesromanze vor ihren Augen abspielen.
„Es tut mir Leid, wartest du schon lange?“, fragte Jamie und lächelte Chester an, der nur mit dem Kopf schüttelte.
„Ich…“
„Er wartet schon eine kleine Ewigkeit auf dich!“, unterbrach ihn plötzlich Pete, der mit einem breiten Grinsen die beiden ansah.
Chester verfluchte ihn das erste Mal in seinem Leben und bedachte ihn mit einem empörten Blick. Eine peinliche Pause machte sich zwischen den beiden breit, die erst Petes Aufatmen unterbrach.
„Okay ihr beiden.“ Er klatschte breit grinsend in die Hände und bekam so die Aufmerksamkeit der anderen. Chester wusste, dass es nun wohl der beste Zeitpunkt war, im Erdboden zu versinken. Dieser provozierende Blick von Pete bedeutete sicherlich nichts Gutes.
„Ich rede hier bestimmt für alle anderen, wenn ich sage, dass wir es nicht länger mit ansehen können, wie ihr euch anstellt.“ Wieder grinste Pete und sah erst Chester, dann Jamie auffordernd an.
Chester bemerkte, wie Jamie etwas unsicher lächelte. Auch er schien zu wissen, was Pete meinte.
„Eben, ihr beide seit Hals über Kopf verliebt!“ Samantha war neben Pete getreten und lachte. „Wie lange wollt ihr also noch warten? Jetzt küsst euch endlich!“
Auf ihre Worte hin war es mit einem Male totenstill in diesem Park und Chester sah sie erschüttert an. War sie verrückt geworden? War Pete verrückt geworden? Glaubten sie ernsthaft, sie würden mit ihrer Aufforderung etwas erreichen?
Chester sah Jamie entschuldigend an. „H…hör einfach nicht…auf die. Sie reden scheiße!“
Jamie lächelte und nickte. Und dann nahm er Chesters Hand in seine eigene, was diesem einen Moment den Atem raubte. Er spürte wieder wie er rot wurde und verfluchte es in diesem Moment mehr denn je.
„Darf ich…?“, hörte er Jamie flüstern und Chester war sich sicher, dass es die anderen nicht hören konnten; dass diese Frage nur für ihn bestimmt war und dass nur er fähig war, sie zu beantworten.
Ganz langsam nickte Chester mit schnell klopfendem Herzen. Sollte der Moment wirklich gekommen sein, den er sich so oft in seinen Träumen ausgemalt hatte? War das möglich?
Doch bevor er sich darüber weiter Gedanken hätte machen können, sah er Jamie näher kommen und spürte dessen Lippen auf seinen eigenen. Wie ein leiser Hauch fühlte es sich an.
Die Jubelschreie der anderen nahm er nur verschwommen wahr. Er spürte nur noch ihn. Nur noch Jamie. Nur noch seine wunderbaren weichen Lippen und dieses unglaubliche Gefühl, wenn sich Träume plötzlich erfüllten.

****
Nein, es war nicht das erste und gleichzeitig letzte Mal, was zwischen den beiden passiert war. Chesters Freunde waren alle Zeugen eines ersten Geständnisses gewesen. Jamies Gefühle waren für Chester undurchsichtig und gleichzeitig doch so klar. Er traute sich kaum, den Gedanken zu formulieren, was Jamie und er nun teilten. Und wäre er nicht so unglaublich schüchtern, würde er ihn nichts lieber als genau das fragen.
Chester war glücklich, egal wie kitschig es war, er liebte das Gefühl, was Jamie ihm gab. Egal ob sie nun mit fest umklammerten Händen durch die Stadt liefen oder sich zu Hause in Jamies Zimmer küssten, versteckt von der Außenwelt in diesen vier Wänden, in denen es nichts anderes gab, als sie beide.
Ja, Chester konnte fürchterlich romantisch sein. Eine Eigenschaft, die er erst jetzt an sich festgestellt hatte und die Jamie unglaublich niedlich fand.
„Erzähl mir mehr von deinen Träumen.“ Jamie lächelte ihn an, als sie gemeinsam auf dessen Bett lagen. Es war ein schrecklich heißer Tag und beide hatten es vorgezogen, sich bei Jamie im Zimmer zu verkriechen, anstatt wie die anderen in den Park zu gehen.
Jamies Mutter hatte den beiden Eistee gemacht und ihnen jeweils ein riesiges Stück Erdbeerkuchen gebracht. Sie schien es sich zum Vorsatz gemacht zu haben, Chester wie ihren eigenen Sohn zu behandeln und ihn ständig dafür zu tadeln, dass er so dünn und zierlich war. Seit Chester öfters zu Jamie nach Hause gekommen war, hatte er sich vielen Leckereien, die Jamies Mutter extra für die beiden bereits gestellt hatte, nicht entziehen können. Er fühlte sich wohl. Schrecklich wohl.
Chester lächelte seinen Freund an, der seitlich neben ihm lag und eine Hand aufgestützt hatte. „Willst du das alles wirklich hören?“, fragte er.
Jamie nickte sofort. „Natürlich. Ich will alles über dich erfahren.“
„Okay.“ Er dachte nach. „Mein größter Traum ist…ach, das klingt dumm!“
„Jetzt sag schon!“ Jamie kniff ihm zärtlich in die Seite, was Chester mit einem Kichern erwiderte.
„Gut, ich habe das noch niemandem erzählt. Es ist ein naiver Wunsch. Ich träume davon, eine richtige Band zu haben und zu singen.“
Jamie wirkte überrascht. „Du willst singen?“
Chester nickte zaghaft. „Mein Bruder hat mich, als ich zwei Jahre alt war, dabei beobachtet, wie ich seine Schallplatten genommen habe und leise vor mich hingemurmelt habe, was wohl einem ersten Singversuch gleichkommen sollte. Ich weiß nicht mehr.“
Sie lachten beide.
„Willst du mir etwas vorsingen? Ich will das wirklich gerne hören.“ Wieder lächelte Jamie und Chester wusste, dass er sich diesem Lächeln ergeben musste, egal wie unsicher er hinsichtlich seines Gesangtalentes war.
„Was willst du denn hören?“
„Sing diesen Song!“ Jamie deutete zu dem Radio, welches sie leise eingeschaltet hatten. Gerade lief ihr beider Lieblingssong von Depeche Mode, „Enjoy the silence“. Sie liebten beide diese Band, eine weitere Gemeinsamkeit, welche sie teilten.
Und ganz zaghaft begann Chester für sie beide den Song mitzusingen. ‚Welch schnulzige Situation!’, ging es ihm dabei durch den Kopf, als er sich die Worte genau bedachte, die er da sang. Aber war es nicht sogar so?
“All I ever wanted, all I ever needed is here in my arms…“
Wenn man verliebt war, durfte man sicherlich so denken. Ganz bestimmt.
Chester schaffte es den ganzen Song durchzuhalten, ohne vorher peinlich berührt abzubrechen. Jamies begeistertes Funkeln in den Augen hielt ihn davon ab, seine selbstzweifelnden Gedanken in sich aufkommen zu lassen.
Und als er geendet hatte, waren sie kurz still. Eine andächtige Ruhe legte sich über die beiden, bis Chester merkte, dass Jamies Augen glänzten. Hatte er ihn tatsächlich zum Weinen gebracht?
Doch bevor Chester irgendetwas hätte sagen können, hatte Jamie ihn an sich gezogen und küsste ihn. Er küsste ihn, wie er ihn noch nie zuvor geküsst hatte. Chester wusste nicht, ob er sich dieses Gefühl nur einbildete, denn sein Bauchkribbeln war nun deutlich stärker, als jemals zuvor.
„Chester, ich…“ Jamie hatte sich wieder von ihm gelöst, auch wenn sich ihre Gesichter noch immer verführerisch nahe waren. „Ich liebe deine Stimme, du wirst diesen Traum verwirklichen, ganz bestimmt! Ich glaube fest an dich…ich…ich liebe dich, Chazy! Ich liebe dich!“
Die Worte ließen Chester fühlen, als wäre er in Watte gebettet. Er wusste nicht, was er empfinden sollte, wusste nur, dass es sich unglaublich anfühlte, solche persönlichen Worte von Jamie zu hören. Er hatte Gewissheit, dass in diesem Moment nur ihm dieses Geständnis galt, dass nur er Jamies Herz erobert hatte und niemand sonst. Und das fühlte sich unbeschreiblich schön an.
„Ich liebe dich auch! Ich liebe dich so sehr!“
Und wieder verloren sie sich in einem Kuss. Ein Kuss, der diesmal so viel vertrauter war, als alle Küsse, die sie bisher ausgetauscht hatten.