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Hamfast Gerstenbräu

von Ithrenwen
GeschichteAllgemein / P6 / Gen
30.08.2007
02.10.2007
18
34.836
7
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30.08.2007 2.313
 
Nach langem Zögern wage ich es jetzt doch, mein Erstlingswerk hier zu posten. Wieso sag ich das? Nun, ich hab ein bißchen Bammel davor, daß sie keinem gefallen könnte... Ich glaube, ich leide an einer Art mittelmäßigem Minderwertigkeitskomplex *lach*

Dies ist eine kurzweilige Abenteuergeschichte, ohne Anspruch auf tiefere Hintergründe und weit entfernt davon, professionell zu sein. Trotzdem würde ich mich natürlich über konstruktive Kritik freuen.

Die Story hat eigentlich keine Kapitel, aber ich hab sie einfach mal in 18 Teile zerlegt.

Wie immer gilt auch hier: Tolkiens Welt und seine Figuren gehören mir nicht. Ich hab sie mir nur ausgeborgt und verdiene kein Geld damit.

Vielen Dank meiner lieben Beta Avorninnas! Vielen Dank für Deine Fehlersuche, Deine Hinweise und Deine seelische Unterstützung :-)


Eine kleine Anmerkung noch, da ich nun schon zweimal darauf hingewiesen wurde, daß das Ende etwas abrupt sei:

Ich schreibe nicht gerne endlos lange Geschichten. Da verlier ich dann immer den Faden und das Wesentliche aus dem Auge. Deshalb mach ich’s lieber etwas kürzer und erzähle nur das, was zu _dieser_ Geschichte gehört. Das läßt dann aber auch viel Freiraum für weitere Erzählungen rund um meinen geliebten kleinen Hobbit und seine Nachfahren. Ich hoffe ihr habt Verständnis dafür und laßt euch davon nicht abschrecken.

Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen!!


____________________________________

Hamfast Gerstenbräu

Am rechten Ufer des oberen Anduin, abgelegen von allen wichtigen Handelsstraßen und Reiserouten, unbeachtet von den Großen und Mächtigen dieser Welt, lebte ein kleines Volk. Klein an Zahl und körperlicher Größe, aber groß an Freundlichkeit und Herzensgüte. Wie sie selber sich nannten, ist uns nicht bekannt, aber die Menschen haben sie in späteren Zeiten die „Hobbits“ oder „Halblinge“ genannt. In den heute noch erhaltenen alten Aufzeichnungen und Überlieferungen werden sie unter diesem Namen erstmalig zu Beginn des 3. Zeitalters erwähnt. Es ist möglich, aber nicht wahrscheinlich, daß sie zu der Zeit, in der unsere Geschichte spielt, noch unerkannt waren, denn sie lebten abgeschlossen in ihren Dörfern, die sie nur selten verließen und hatten an den bedeutenden Ereignissen der Welt bisher wenig Anteil. Wenn Elb, Mensch oder Zwerg doch einmal einem von ihnen begegnete, so hielt er ihn wahrscheinlich entweder für einen sehr klein geratenen Menschen oder ein Kind. Doch solche Begegnungen kamen selten oder gar nicht vor, denn die Leute des kleinen Volkes zogen es vor, diese zu vermeiden und hatten eine außerordentliche Begabung darin, leise und schnell zu verschwinden. Auch verließen nur wenige zu dieser Zeit jemals ihre Siedlungen, und mit Gewißheit wissen wir dies nur von einem.

An anderer Stelle sind die Gewohnheiten und Vorlieben des kleinen Volkes ausführlich beschrieben, so daß wir hier nicht näher darauf eingehen wollen. Der Einfachheit halber wollen wir sie bereits in dieser Geschichte als Hobbits bezeichnen.

~~*~~

Wir schreiben das Jahr 1000 des Zweiten Zeitalters. Es war der Morgen des 13. Narwain, fast ein Jahr nach der großen Ratsversammlung Gil-galads in Lindon. Hamfast war wie immer zeitig auf den Beinen. Er hatte bereits gefrühstückt und sein Pony versorgt. Der Duft von frischem Brot im Ofen erfüllte die Stube, und der kleine Mann saß am Fenster, zog genüßlich an seiner Pfeife, sah den Schneeflocken zu, die vom Wind wild durcheinandergewirbelt wurden und blies große runde Rauchkringel in die Luft, die der Decke zustrebten und mit den Schneeflocken um die Wette zu tanzen schienen. Es war ein friedlicher Morgen, oder er war es bis jemand heftig an die Tür klopfte.

„Hamfast Gerstenbräu, mach sofort die Tür auf!“, rief eine schrille Frauenstimme.

Hamfast ließ erschrocken seine Pfeife sinken und tat, wie ihm geheißen. „Einen wunderschönen guten Morgen, liebe Berelia...“

Die Frau vor der Tür ließ ihn nicht zuende reden. „Wunderschön? Wunderschön?“, keifte sie wutentbrannt. „Dieser Morgen wäre wunderschön, wenn du nicht dieses Trampeltier angeschleppt hättest!“ Sie klopfte mit dem Finger gegen Hamfasts Brust.

„Was hat mein Bôr denn Schlimmes angestellt?“, fragte er ziemlich kleinlaut.

„Was er angestellt hat?“ Die Stimme der Frau wurde noch schriller. „Meine Hühner hat er verschreckt, so daß sie heute morgen nicht ein einziges Ei gelegt haben!“

Hamfast zog den Kopf ein. Er wußte, wenn es um ihre Hühner ging, war mit Berelia nicht zu spaßen... Eigentlich war mit ihr nie zu spaßen. „Das.. das tut mir furchtbar leid, liebe Berelia. Es wird auch nicht wieder vorkommen.“

„So? Wird es nicht? Das hast du das letzte Mal auch gesagt, als dieser Tunichtgut meine Rosen zertrampelt hat, ebenso wie das Mal davor, als das vierbeinige Ungetüm meinen Gartenzaun niedergerissen hat, und davor...“ Berelia hatte sich vor Hamfast aufgebaut und zählte ihm an den Fingern alle Vergehen seines armen Ponys auf, während ihre Stimme sich beinahe überschlug und der kleine Mann immer kleiner wurde.

Schließlich stemmte sie die Hände in die Hüften. „Ich verlange, daß du auf der Stelle etwas dagegen unternimmst!“

„Aber liebe Berelia“, seufzte Hamfast verzweifelt, „was soll ich denn machen? Bôr braucht nun einmal Bewegung und...“

„Es ist mir völlig gleichgültig, wie du das machst, Hamfast Gerstenbräu!“, fuhr sie ihm ins Wort und fummelte mit ihrem Gehstock bedrohlich nah vor seiner Nase. „Wenn er mir noch einmal Ärger macht, werde ich dafür sorgen, daß ihr beide aus dem Dorf gewiesen werdet!“ Berelia drehte sich auf dem Absatz um und stapfte schnaubend durch den Schnee davon.

Mit einem kläglichen Seufzer schloß Hamfast die Tür. Der beißende Wind wurde aus der geräumigen Wohnhöhle ausgeschlossen. Auf dem Boden lagen viele kleine Schneeflocken, die langsam auftauten und eine Pfütze auf den Steinen hinterließen. Hamfast trat zum Kamin und hielt die Hände vor das wärmende Feuer.

Noch bevor er einen klaren Gedanken fassen konnte, klopfte es abermals an die Tür, aber diesmal erklang keine zornige Stimme, und es wartete auch niemand darauf, daß ihm geöffnet wurde. Stattdessen fiel der junge Hobbit, der geklopft hatte, beinahe gleichzeitig mit seiner Ankündigung mit der Tür ins Haus, oder besser gesagt durch die Türöffnung in die Höhle, schlug erstere geräuschvoll hinter sich ins Schloß und stürzte auf Hamfast zu.

„Ham! Du solltest dich besser verstecken!“, brachte er lachend hervor. „Berelia hat eine ganz grauenhaft schlechte Laune heute Morgen. Ich fürchte es geht wieder einmal um deinen Bôr!“

Hamfast hob resignierend die Schultern. „Ich weiß, Orgo, sie war schon da.“

„Und? Was hat sie gesagt?“, fragte Orgulas neugierig, während er sich auf die Bank am Eßtisch setzte und nach einem Keks langte.

„Sie behauptet, Bôr habe ihre Hühner verschreckt“, antwortete Hamfast in zweifelndem Tonfall und ging an den Herd, um das Teewasser aufzustellen. „Du trinkst doch eine Tasse Tee mit, Orgo?“

Bald saßen beide schmausend beisammen. Hamfast hatte das Brot aus dem Ofen geholt und noch einen Kuchen vom Vortag aufgetragen. „Weißt du, Ham“, sagte Orgulas zwischen zwei Bissen, „Ich glaube nicht, daß man diese alten Hühner erst erschrecken muß, damit sie einmal einen Tag keine Eier legen“, versuchte er seinen Freund zu trösten.

„Den Gartenzaun wirft sie ihm auch vor“, seufzte Hamfast, und das bereits zum dritten Mal an diesem Morgen. „Dabei war das ihre Schuld. Sie hat Bôr so angefaucht, daß der arme Kerl völlig erschrocken zusammengefahren und beiseite gesprungen ist.“

Orgulas lachte laut auf und verschluckte sich dabei beinahe an seinem Tee. Er konnte sich noch gut an die Szene erinnern. Das ganze Dorf war zusammengelaufen gewesen, um zu erfahren, weshalb Berelia so laut schrie, und einige hatten sich gefragt, ob man sie wohl bis zu den Nachbarn hören konnte und das nur, weil Bôr sich unterstanden hatte, an den saftigen Grashalmen in ihrem Vorgarten zu knabbern.

„Du solltest das nicht so ernst nehmen, lieber Freund! Laß sie doch schimpfen!“

Hamfast schüttelte den Kopf. „Sie hat gedroht uns beide aus dem Dorf ausweisen zu lassen!“, warf er kläglich ein.

„Sooo?“ Orgulas hob die Augenbrauen und blickte ihn nachdenklich an. “Nun. Ich glaube nicht, daß sie das kann. Oder doch?“

Hamfast rutschte betrübt von seinem Stuhl und trat ans Fenster. Der leichte Wind war inzwischen zu einem ordentlichen Sturm geworden. Der kleine Garten vor Hamfasts Höhle war mit einer knietiefen Schneeschicht bedeckt und die wirbelnden Flocken so dicht, daß man kaum bis zu seinem kleinen Gartenzaun sehen konnte.

„Ich sollte ihn wieder zurückbringen“, sagte er schweren Herzens. „Er gehört mir ohnehin nicht.“

Orgulas war mit einem Satz von seinem Stuhl herunter und stand neben seinem Freund. „Aber, du hängst doch so sehr an ihm. Und außerdem, wie stellst du dir das vor? Es sind über... hm, naja, also es ist unheimlich weit bis Lindon...“

Hamfast lächelte leicht, als er daran dachte, wie mißtrauisch er Bôr gegenüber am Anfang gewesen war. >Hüte dich vor Pferden<, hatte man ihm schon als Kind beigebracht, >vorne beißen sie dich, hinten treten sie dich, und in der Mitte fällst du runter! < Doch auf ihrer weiten und gefährlichen Reise hatte Bôr seinem Namen alle Ehre gemacht und sich als zuverlässiger Freund erwiesen. Er war dem kleinen Mann richtig ans Herz gewachsen, und auch Bôr war mit seinem neuen Herrn sehr zufrieden.

„Du vergißt, daß ich diesen Weg schon einmal überwunden habe“, entgegnete er Orgulas.

„Nun,... ja. Aber das war vor...“ Orgulas sah zur Decke und überlegte kurz. „Das ist bereits mehr als ein Jahr her. Damals waren die Straßen noch sicherer.“ Orgulas stand mit erhobenem Zeigefinger vor Hamfast.

Hamfast lachte. „Damals waren die Straßen ebenso unsicher wie heute!“ Seine Augen begannen zu glänzen. Er dachte gerne an diese Reise zurück, und er erzählte noch viel lieber davon. Ein Hobbit, der in Begleitung von Menschen, Elben und einem Zwerg ans andere Ende der Welt gereist und unter ominösen Umständen zurückgekommen war!

Ja, Hamfast konnte gut und gerne behaupten, in seinem Heimatdorf etwas Besonderes zu sein, und sein Heimatdorf wiederum behauptete selbiges von sich, um sich von den anderen Dörfern des kleinen Volkes hervorzuheben. >Welterfahren wie die Bewohner von Breth! < pflegten sie zu sagen, und dabei war es ihnen völlig gleichgültig, daß es sich hierbei nur um einen einzigen ihrer Bewohner handelte und die meisten nicht einmal wußten, wie groß die Welt überhaupt ist. Denn es existierten praktisch keine Karten von den Ländern >da draußen<, weil nie jemand von ihnen weit genug herumgekommen war, um eine zu zeichnen und da es kaum jemanden interessierte, da es kaum jemanden von ihnen danach gelüstete ihre kleine Zufluchtsstätte zu verlassen, störte dies auch kaum jemanden, oder gar keinen.

„Ich dachte Bôr war ein Geschenk“, riß Orgulas Hamfast aus seinen Gedanken.

„Nun, naja, nicht wirklich“, überlegte dieser.

„Aber der Hohe Herr hat ihn dir doch gegeben, damit du auf ihm zum Grünwald reiten kannst und...“

„und zu ihm zurückkehren, um ihm Kunde zu bringen!“, vollendete Hamfast den Satz. „Das heißt, eigentlich hab ich nie etwas davon gesagt, daß ich >wieder zurück< reite“, überlegte er.

„Siehst du!“ Orgulas triumphierte. „und wenn er wußte, daß du nicht mehr zurückkommst, hätte er dir das Pony doch nicht gegeben, wenn er nicht gewollt hätte, daß du es behältst!“ sagte er eifrig.

Hamfast blickte nachdenklich aus dem Fenster. „Nein, ich glaube nicht, daß man das so einfach sagen kann“, murmelte er. „Und wenn der Weg nicht so weit und gefährlich wäre, hätte ich ihn wohl schon längst zurückgebracht.“

Schweigen breitete sich in der Stube aus, während die beiden Freunde sinnierend nebeneinander am Fenster standen und dem Spiel der Flocken zusahen.

~*~

„Angenommen du bringst ihn wirklich zurück,“ Doderic stopfte sich ein weiteres Stück Kuchen in den Mund, ehe er weitersprach, „wie willst du den Weg überhaupt finden? Und wenn, wie kommst du dann selber hierher zurück? Zu Fuß?“

Hamfast schenkte Hildifons noch eine Tasse Tee ein. „Bôr wird ihn finden, und zurück kann ich sicher hin und wieder bei einem Händler mitfahren. Wenigstens bis zur Waldstraße. Von dort aus werde ich schon zurechtkommen.“

„Du könntest das Pony vielleicht einem Händler mitgeben und dir den Weg so ganz sparen“, äußerte Hildifons seine Meinung zu dem Thema.

„Nein, nein!“, winkte Orgulas ab. „Der gute Bôr ist viel zu wertvoll. Wer weiß, ob der Händler ihn auch wirklich abliefern würde!“

Die vier Freunde saßen schon seit dem Nachmittag beisammen und waren sich mittlerweile darüber einig geworden, daß es nicht nur das beste zur Erhaltung des Dorffriedens – Bôr hatte auch bei anderen Nachbarn bereits für Mißfallen gesorgt, auch wenn sie es nicht so lautstark äußerten wie Berelia – sondern auch aus moralischer Sicht richtig war, wenn das treue Tier seinem rechtmäßigen Besitzer zurückgebracht wurde.

Während seine Freunde sich nun den Kopf darüber zerbrachen, wie dies am einfachsten zu bewerkstelligen wäre, machte Hamfast sich sehr viel mehr Gedanken darüber, wie er dem Hohen König der Noldor erklären sollte, daß und wieso er den Auftrag nicht zuende geführt hatte, den dieser ihm und seinen Gefährten erteilt hatte. Hamfast blies eine dicke Rauchwolke aus, die sich über dem Tisch wie eine drohende Gewitterwolke zusammenballte.

Orgulas sah überrascht auf. „Was verärgert dich so, Ham?“

Dieser schwieg. Hatte er bei seinen Erzählungen über seine Reise es doch bisher peinlichst vermieden von deren gescheitertem Ende zu berichten und es vorgezogen, sich auf das Versprechen zu berufen, das sie Gil-galad hatten geben müssen: >absolute Verschwiegenheit über euren Auftrag und dessen Ergebnis! <

„Sag mal, wer von eurer Gruppe hat eigentlich damals den Bericht zurück nach Lindon gebracht?“, wollte Doderic plötzlich wissen.

Hamfast zog es vor so zu tun, als habe er die Frage nicht gehört und blies stattdessen eine Anzahl sorgfältig aneinandergereihte Rauchkringel in Richtung Kamin.

Das Schneegestöber hatte sich gegen Mittag gelegt, und die grauen Wolken hatten einem strahlend blauen Himmel und einer angenehm warmen Wintersonne Platz gemacht. Ja, es hätte ein schöner Tag werden können...

Hamfast ging zum Fenster und zog den Vorhang zu. Es wurde bereits dunkel.

„Ham?“, bohrte Doderic noch einmal nach, als sein Freund so gar keine Anstalten machte auf seine Frage zu antworten.

Hamfast schloß für einen Moment die Augen und atmete tief durch, bevor er sich umdrehte. Sein Gesicht hatte einen tadelnden Ausdruck angenommen. „Du weißt doch, daß ich darüber nicht sprechen darf, Dod!“

Doderic lachte und hob abwehrend die Hände. „Ist ja schon gut. Man kann’s ja mal versuchen!“
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