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Verletzung

von cora-baby
GeschichteDrama / P12 / Gen
Alec Asha Barlow Logan Cale Max Guevara
10.08.2007
14.09.2007
6
17.507
1
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22 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
10.08.2007 3.443
 
So Mädels, das nächste Kapitel ist fertig!
@Dhana: Ich habe mich über dein Feedback sehr gefreut. Ich mag Louis auch...im folgenden Kapitel aber läuft es nicht ganz so rosig für ihn...
Der Anfang des letzten Kapitels war schon fast das Ende der Story! Doch dann dachte ich mir, nein...so leicht wirst du es ihnen nicht machen. Die Transgenos haben zwar übermenschliche Fähigkeiten, aber Fieber...es ist einfach etwas, was jedes Lebewesen bekommen kann, wie also hätten die Manticore-Wissenschaftler dieses Krankheitsbild aus den Genen löschen wollen? Also bekam er einen Rückfall. Und Logan...nun ja, du hast Recht: sie sind im Krieg - viel mehr gibt es eigentlich nicht zu sagen. Vielleicht komme ich später nochmal darauf zurück.
Du willst ein Happy-End und findest, dass Asha und Alec zusammengehören? Mal sehen ob ich dir da helfen kann ;-)
@sweety: das war gemein, hm? ;-) Ich mag Cliffhanger selbst nicht leiden...was natürlich genau der Grund ist, warum ich so oft wie möglich versuche einen zu kreieren :-P Es ist die sadistische Seite in mir, ich bitte dies zu verzeihen :-D Trotzdem habe ich mich natürlich riesig über dein Review gefreut. Meinst du wirklich, dass ich Alec sterben lasse? Tja, hier wirst du es nun erfahren:

Teil 4

Sie lächelte lediglich. Es war einfach unfassbar, das Logan das zugelassen hatte. Wie konnte er mit ansehen, wie ein Mensch starb ohne auch nur zu versuchen es zu verhindern? Aber hatte sie nicht dasselbe getan? Statt den ganzen Tag in Selbstmitleid zu versinken, hätte sie einfach Louis anrufen und ihm sagen können, das er Alec zwangseinweisen lassen sollte. Sie hatte gewusst, was in der Wohnung vor sich ging und nichts unternommen. Sie hatte sich der Beihilfe schuldig gemacht – oder der unterlassenen Hilfeleistung. Aber was auch immer, sie hatte eine Mitschuld an seinem Tod. Es brach ihr das Herz. Nach dem Essen begleitete Louis sie nach Hause. Sie hinderte ihn nicht daran sie zu küssen und auch nicht daran sie auszuziehen. Sie hatte sich verschlossen, fühlte sich wie leer. Vielleicht war Louis in der Lage die Leere zu füllen. Als ihr Telefon klingelte ignorierte sie es zuerst. Es war sicherlich Logan der ihr mitteilen wollte, das Alec tot war. Aber das wusste sie ja bereits. Doch es klingelte weiter, immer weiter. Schließlich setzte sie sich doch auf und griff nach dem Telefon.

Louis sah sie verwirrt an: „Schalt es aus.“

„Gleich“, sie ging ran, „Ja?“

„Max hier!“, sie weinte, auch Asha schossen die Tränen in die Augen, „Komm bitte her.“

„Nein, ich will nicht. Will es nicht sehen“, die Tränen liefen über ihre Wangen.

„Er stirbt uns, Asha. Ich kann das nicht. Bitte komm her und hilf mir!“

„Er lebt?“, sofort war Asha auf den Beinen. Das Kleid rutschte ihr herunter.

„Bitte komm her.“

„Ja“, war alles was sie sagte, bevor sie auflegte, sich das Kleid hochzog und Louis ansah, „Ich muss weg.“

„Wohin?“, er stand wütend auf, „Das ist doch wohl nicht dein Ernst.“

„Es geht nicht anders. Er lebt noch.“

„Wer?“

„Alec“, sie schnappte sich ihre Autoschlüssel und rannte zur Tür, „Er ist noch nicht tot!“, damit verschwand sie.

Als sie losfahren wollte, riss Louis die Beifahrertür auf und setzte sich neben sie: „Ich dachte er wäre wieder fit!“

„Nein. Er wollte nicht in ein Krankenhaus. Ich wollte ihn zwingen“, sie waren bereits unterwegs, „Logan und Max haben gesagt ich soll es nicht tun. Haben mich aus der Wohnung geschmissen“, sie weinte wieder, „Ich konnte nichts tun. Sie wollten ihn sterben lassen!“

Louis strich ihr über den Oberschenkel: „Schon gut. Wir müssen einen Krankenwagen rufen.“

„Nein. Ich sehe erst, wie es ihm geht“, vor Alecs Haus sprang sie aus dem Auto. Sie öffnete die Tür und stürmte hinein. Logan saß völlig erledigt auf dem Sofa. Er war blass. Sie ignorierte ihn und rannte ins Schlafzimmer. Max saß weinend auf dem Bett, Alecs Kopf auf ihrem Schoß. Er hatte die Stirn gerunzelt, die Augen fest zugekniffen und wand sich.

Max sah sie hilfesuchend an: „Er stirbt!“

„Das weiß ich! Verschwinde!“, fuhr Asha sie wütend an.

Sofort stand Max auf und ging zur Schlafzimmertür. Louis stand darin. Asha beachtete beide nicht. Alec sah sie aus fiebrig glänzenden Augen an.

Sie sank auf die Knie und küsste ihn auf die Schläfe: „Kannst du mich verstehen?“, er war glühend heiß.

Langsam nickte er.

„Gut. Du musst es schaffen dich hinzusetzen“, sie richtete einen flüchtigen Blick nach hinten, „Max! Ein Glas Wasser und je zwei Tabletten von der orangen und grauen Packung auf dem Wohnzimmertisch! Lös sie im Wasser auf! Louis bring mir eine Spritze Antibiotikum! Logan! Hat er von euch Medikamente bekommen?“

„Nein, er wollte nicht.“

Alec hatte sich in der Zeit auf die Ellenbogen gearbeitet. Die drei anderen standen hinter Asha, als sie nach Alec griff: „Komm, Liebling, ich helfe dir.“

Er nickte und nach kurzer Zeit hatten sie es gemeinsam geschafft. Er saß wackelig. Asha setzte sich neben ihn, legte ein Bein über seine Oberschenkel und ließ ihn sich wieder bei ihr anlehnen.

„Louis gib ihm die Antibiotika! Max das Glas!“, sie riss es der dunkelhaarigen Frau aus der Hand und setzte es Alec an die Lippen.

„Er muss in ein Krankenhaus. Ich kann das nicht verantworten“, Louis bewegte sich nicht.

Ashas Blick schoss zu ihm hinauf: „Gib ihm diese Spritze, Louis!“

Umgehend setzte sich der Arzt in Bewegung und band Alecs Arm ab. Als Alec das Glas leer getrunken hatte, drehte Asha seinen Kopf zu sich: „Du musst in ein Krankenhaus, Alec.“

Doch wieder schüttelte er nur den Kopf. Max weinte immer noch, Louis saß neben Alec auf dem Bett.

Asha umschloss das Gesicht des Transgenos: „Ich kann nichts für dich tun, solange du hier bist, Alec.“

Sein Arm legte sich langsam um ihre Taille und er vergrub sein Gesicht an ihrem Hals: „Bleib bei mir.“

Asha keuchte und umarmte ihn: „Oh, Gott! Ich bleibe solange du willst, Alec, aber bitte...Bitte, zwing mich nicht dir beim Sterben zuzusehen! Das bringt mich um!“

„Okay“, murmelte er nach einer Weile.

„Okay, was? Lässt du mich dir helfen?“

Er nickte. Asha blickte zu Louis, der bereits sein Telefon in der Hand hielt: „Ihr dürft ihm kein Blut abnehmen, Louis.“

„Ohne das können wir nicht...“

„Keine Blutabnahme! Versprich es.“

„Warum nicht?“

„Weil ich dich darum bitte.“

„Na, schön“, brummte er resignierend.

„Versprich es! Schwöre es auf deine Zulassung als Arzt!“

„So wichtig?“, fragte er verblüfft.

„Wichtiger!“

„Ich schwöre es!“

Asha glaubte ihm und wandte sich wieder Alec zu: „Es wird alles wieder gut.“

Louis verließ die Wohnung mit der Begründung den Krankenwagen abzufangen. Asha sah Max an: „Ruf deine Geschwister zusammen. Sag ihnen, sie sollen alle nach Terminal City gehen und dort bleiben, falls doch irgendwas schief geht. Logan, ruf die S-1-W an. Sag Lauren sie soll drei Leute zusammentrommeln und ins Krankenhaus kommen. Wir brauchen vielleicht ihre Hilfe dabei Blutproben zu stehlen.“

„Meinst du, er nimmt doch Blut ab?“, wollte der blonde Mann wissen.

„Ich glaube nicht, aber ich gehe kein Risiko ein. Macht schon!“

Als beide das Zimmer verlassen hatten, zog Asha ihren Kopf zurück und blickte Alec in die Augen: „Gib jetzt nicht auf, hörst du? Kämpfe!“

Ohne nachzudenken presste sie ihre Lippen auf seine. Ashas Nerven explodierten geradezu, als Alec seine Finger in ihre Hüfte grub und sie mit erstaunlicher Kraft an ihn presste.

Schon nach kurzer Zeit löste er seine Lippen von ihren: „Geh nicht!“

„Nein, bestimmt nicht“, sie stand vorsichtig auf, darauf bedacht, dass er nicht umkippte, „Wir müssen dir eine Hose anziehen. Wo sind die?“

„Schrank. Oben, rechts.“

Sie wühlte kurz darin herum und förderte eine graue Stoffhose zutage. Sie half ihm beim Aufstehen und Anziehen. Als sie langsam mit ihm das Schlafzimmer verließ kam bereits Louis mit einem Krankenpfleger und einer Trage herein. Sie halfen Alec gemeinsam dabei sich auf die Trage zu legen.

Louis blickte Asha an: „Willst du dich nicht erstmal umziehen gehen?“

„Nein. Ich hab versprochen bei ihm zu bleiben.“

„Er kommt auf die Intensivstation. Du kannst sowieso nicht zu ihm.“

„Aber ich kann in der Nähe bleiben. Ich gehe dorthin, wo er hingeht.“

Der Arzt zog die Stirn in Falten, fügte sich aber, indem er dem Krankenpfleger hinterher lief.

Logan erschien neben ihr: „Wir fahren mit meinem Wagen.“

Sie folgte ihm. Max sprach sie an und deutete auf ihr Kleid: „Wo warst du?“

„Ich hatte eine Verabredung mit Louis.“

„Während Alec...“

Asha schoss ihr einen wütenden Blick zu: „Ihr habt mich gezwungen zu gehen, habt mich daran gehindert ihm zu helfen!“

„Und als wäre nichts geschehen machst du dich auf zu einem Date?“, die dunkelhaarige Frau funkelte sie an.

„Wag es ja nicht, mir Vorwürfe zu machen! Du hast neben ihm gesessen und nichts für ihn getan!“

„Er wollte es nicht und er hatte Recht!“

„Das ist keine Entschuldigung!“

„Hey“, ging Logan dazwischen, „Max, Asha kann tun und lassen was sie will. Asha...“

„Ich rede nicht mit dir!“, sie stieg in den Wagen und sagte gar nichts mehr.

Sie durften tatsächlich nicht zu ihm. Also ging Asha im Wartezimmer auf und ab. Ihre hohen Pumps hatte sie bereits ausgezogen, weil sie unbequem waren und lief jetzt barfuss. Kurz nach ihnen kamen ihre Leute von S-1-W. Lauren sah sie abwartend an.

„Noch ist nichts zu tun. Bleibt in der Nähe. Ich rufe euch an, wenn ich Hilfe brauche.“

„Gut. Bis später“, sie ging wieder.

Es dauerte Stunden, ehe Louis ins Zimmer kam. Neben ihr, Max und Logan waren noch beinahe zwei duzend andere Leute im Raum.

Sie lief auf den Arzt zu: „Was hat solange gedauert?“

„Visite. Ich habe auch noch ein paar andere Patienten“, fuhr er sie an.

„Du hättest wenigstens kommen und uns sagen können, wie es ihm geht.“

„Er schläft. Das wird er auch noch eine Weile tun.“

„Hast du ihm Blut abgenommen?“

„Nein.“

„Louis“, sie sah ihn prüfend an.

„Habe ich nicht! Max, Sie sind seine Schwester. Sie dürfen zu ihm. Aber er wird nicht aufwachen. Die Schmerzmittel die er bekommen hat sind sehr stark.“

„Was ist mit mir?“, wollte Asha aufgebracht wissen.

„Du bist nicht mit ihm verwandt!“

„Ja, aber ich bin die Einzige von uns Dreien, die sein Leben retten wollte! Max wollte ihn sterben lassen!“

„Das wollte ich nicht, verdammt! Asha, er ist mein Bruder. Ich liebe ihn.“

„Ach ja? Hat nicht den Eindruck gemacht“, sie schrie schon fast.

„Beruhige dich“, zischte Logan hinter ihr.

Sie fuhr zu ihm herum: „Sag du mir nicht, was ich zu tun und zu lassen habe!“, sie wollte wieder Max anschreien, doch die war bereits mit Louis verschwunden.

Asha fluchte laut und knurrte Logan an: „Wenn jemand bereit sein sollte anzuerkennen, was ich getan habe, ruf mich an!“, damit schlüpfte sie in ihre Schuhe, verließ den Warteraum und lief auf den Hof hinaus.

Sie wusste nicht, ob sie schreien oder weinen wollte. Das stimmte nicht. Sie wusste, was sie tun wollte. Sie wollte zu Alec gehen, sich selbst davon überzeugen, dass er noch lebte. Sie wollte sich zu ihm ins Bett legen. Wollte, dass er seinen Arm um sie schlang und ihr sagte, dass es ihm gut ging. Das alles wieder in Ordnung war. Sie wollte, dass er sie küsste. Und sie wollte aufhören so an ihn zu denken. Bereits jetzt wusste sie, dass es nicht nur Sorge um einen Patienten war, die sie trieb ihm zu helfen. Aber es sollte...durfte nicht mehr sein als das. Sie atmete tief durch, ließ sich auf eine der Parkbänke fallen und versuchte sich zu entspannen. Sie bewegte sich eine geschlagene Stunde überhaupt nicht. Starrte auf die große Uhr am Eingang des Krankenhauses und hakte die Sekunden ab, ohne an irgendwas zu denken. Dann klingelte ihr Telefon.

„Ja?“

„Logan hier. Er ist wach und fragt nach dir.“

Sofort war sie auf den Beinen und legte auf. Im Wartezimmer zog sie sich die Pumps von den Füßen und ließ einen suchenden Blick über die Masse Leute schweifen. Logan winkte ihr an der Tür.

Sie rannte hin: „Wo ist er?“

„Komm mit.“

Er führte sie einen langen Flur entlang bis zu einem Zimmer. Max und Louis waren über ihn gebeugt. Redeten leise, sodass Asha sie nicht verstand. Alec lag auf dem Bauch, das konnte sie erkennen, aber sie konnte nicht sein Gesicht sehen.

Langsam trat sie ein: „Wie geht es ihm?“

„Besser“, es war Max. Sie hatte ein leichtes Lächeln auf den Lippen. Es schmälerte Ashas Wut auf sie nur wenig.

Alec sah sie an, lächelte leicht. Ihr fiel ein gewaltiger Stein vom Herzen, als sie an seine Seite trat und ihm über die Haare strich: „Hey, wie geht’s?“

„Okay. Nur müde.“

„Dann schlaf“, sie beobachtete wie seine Augen zufielen und wie er kurz darauf wieder schlief.

Asha verließ die ganze Nacht nicht sein Zimmer. Max und Logan verschwanden zwischendurch um sich um die Belange von Terminal City zu kümmern. Abgesehen davon, das sie verstand, das nicht alles stillstand, nur weil es Alec schlecht ging, war sie froh darüber allein zu sein.

Kurz vor Anbruch der Morgendämmerung schlug er langsam die Augen auf. Asha erlebte jede Sekunde davon mit, weil sie seit Stunden damit beschäftigt war ihn anzusehen. Sie saß auf dem Bett ihm gegenüber.

Er lächelte: „Komm her“, seine Stimme war nicht mehr als ein Krächzen.

Sofort war sie auf den Beinen, goss einen Becher Wasser voll und führte den Strohhalm an seine Lippen. Er trank, ließ sie dabei aber nicht aus den Augen. Sie stellte den Becher weg und ließ sich auf den niedrigen Stuhl neben seinem Kopf fallen.

So war sie mit ihm fast auf Augenhöhe: „Wie geht’s dir?“

„Ziemlich gut. Angesichts dessen jedenfalls, wie es mir noch vor ein paar Stunden ging.“

Ihre Stirn senkte sich langsam auf seine Schläfe. Sie seufzte: „Du hast mir einen solchen Schrecken eingejagt, Alec. Meine Hände zittern immer noch.“

„Hey“, er bewegte seinen Kopf, sodass ihrer vor ihn auf das Kissen fiel, er streichelte ihre Wange, „Tut mir Leid.“

Sie spürte Tränen und wusste nicht, warum sie weinen wollte. Es ging ihm gut! Kein Grund um ihn zu trauern. Vielleicht war es Erleichterung. Alec setzte dazu an, etwas zu sagen, doch bevor Asha erfahren konnte, was es war, kam eine Stimme von der Tür: „Guten Morgen“, es war Louis, „Wie geht es Ihnen, Alec?“

„Gut“, er ließ Asha nicht aus den Augen, „Wann kann ich nach Hause gehen?“

„Nicht so schnell. Sie haben gerade eben mal das Gröbste hinter sich.“

Asha sah zu ihrem Bekannten auf: „Was meinst du damit? Könnte er einen Rückfall erleiden?“

„Natürlich. Ausschließen könnten wir es mit einer Blutuntersuchung.“

„Nein“, Alecs Stimme klang fest und bestimmt.

„Warum nicht?“, Louis schob die leichte Decke von Alecs Rücken um sich dessen Verletzung anzusehen.

Asha sah, das Alec verschlossen die Lippen zusammengekniffen hatte und antwortete für ihn: „Es hat religiöse Gründe“, sie wusste, das die Krankenhäuser darauf Rücksicht nehmen mussten.

„Was für eine Religion?“, Louis sah Alec zweifelnd an.

„Meine Religion!“, erwiderte dieser, „Meine Religion hat auch was gegen Krankenhäuser. Also, wann darf ich endlich gehen?“

„Sobald wir Sie aufgenommen haben.“

„Was meinst du?“, fragte Asha.

„Na, wir haben nicht mal vollständige Einlieferungspapiere, sobald er die ausgefüllt hat, bringe ich die Entlassungspapiere“, er warf einen Bogen Blätter auf den Nachttisch und sah Asha wieder an, „Ich muss mit dir reden.“

„Jetzt?“

„Nein. Jetzt habe ich Visite. In einer Stunde. Ich schätze du wirst hier sein?“

„Ja.“

„Bis dann“, er ging davon, ohne Alec noch einmal anzusehen.

Nachdem der Arzt verschwunden war, zog der Patient Ashas Aufmerksamkeit wieder auf sich: „Füllst du die aus?“, er nickte Richtung der Papiere.

Sie zog die Augenbrauen in die Höhe: „Wie?“, sie lächelte ironisch, „Ich habe dir zwar das Leben gerettet, aber ich kenne dich nicht.“

„Na und? Ich würde mir auch nur was ausdenken.“

Sie dachte kurz darüber nach und grinste: „Wo du Recht hast...“, sie nahm die Papiere und setzte sich damit auf einen Stuhl in die Ecke.

Als sie fertig war, schnarchte Alec bereits wieder. Gelangweilt lief sie eine Weile im Zimmer auf und ab. Sie überlegte, was sie tun könnte. Sie könnte Logan anrufen und fragen, wie es in Terminal City lief. Aber nein, sie sprach ja nicht mit ihm! Sie könnte Lauren anrufen und fragen, ob es bei S-1-W...sie musste Lauren anrufen um ihr zu sagen, das sie keine Hilfe brauchte!

Froh eine Aufgabe gefunden zu haben, griff sie nach ihrem Handy. Gerade als sie die Nummer aus dem Telefonverzeichnis herausgesucht hatte, betrat Louis das Zimmer: „Hast du ein paar Minuten Zeit?“

Sie ließ das Telefon sinken: „Sicher. Wollen wir rausgehen?“

„Ich würde es lieber unter vier Augen besprechen.“

Asha warf Alec einen Blick zu, aber Louis meinte: „Er schläft doch.“

„Sicher?“, sie war da ein wenig skeptisch, konnte aber auch kein Anzeichen dafür entdecken, dass er wach war.

„Wieso darf ich ihm kein Blut abnehmen?“, fragte Louis ohne Umschweife.

„Religion“, gab sie unschuldig lächelnd zurück.

„Asha“, sein Ton klang fast etwas amüsiert.

„Er will es nicht“, seufzend fuhr sie sich mit den Händen durchs Haar.

„So einfach?“

„Ja, manchmal ist das Leben so einfach.“

„Das glaube ich nicht. Woran liegt es wirklich?“

„Selbst wenn ich es dir sagen könnte, was ich nicht kann und ich es dir in einer gekürzten Variante unterbreiten könnte, was ich ebenfalls nicht kann und ich es dir sagen wollte, was nicht der Fall ist, wäre es wirklich fraglich ob du es verstehen könntest.“

„Du kannst es verstehen.“

„Ja, allerdings. Aber mir hat sich auch niemand gegenübergestellt und einen Vortrag darüber gehalten. Ich habe es erlebt. Ich kann es dir nicht sagen. Tut mir Leid. Akzeptiere es einfach. Er und Max möchten nicht, das jemand sie so genau untersucht.“

„Wie genau? Blutuntersuchungen?“

„Das, Röntgen, Ultraschall und was es sonst so Schönes gibt. Sie wollen es nicht.“

„Ich verstehe das nicht.“

„Ja, das wundert mich überhaupt nicht. War das alles?“

„Nein. Ich wollte fragen, ob wir unser unterbrochenes Date heute wiederholen oder nur“, er lächelte, „Weiterführen wollen.“

„Louis“, begann sie abwehrend.

Doch er hob die Hand und ergriff ihren Nacken: „Deine Haare sind noch ganz zerzaust.“

„Ja?“, sie wand sich aus seinem Griff, „Tut mir Leid, Louis. Ich wollte keinen falschen Eindruck vermitteln. Ich stand vorhin nicht ganz bei mir. Es tut mir Leid.“

„Was meinst du damit?“

„Was passiert ist...es war nicht das, was ich wollte. Ich mag dich, Louis“, teilte sie ihm schnell mit, als sich sein Blick verschloss, „Wirklich. Ich mag dich sehr. Als einen Freund. Mehr bin ich nicht in der Lage für dich zu empfinden.“

„Das habe ich auf deiner Couch aber anders gesehen.“

„Dann, tut mir Leid, aber hast du nicht genau hingesehen.“

„Ist es seinetwegen?“, der Arzt deutete auf Alec.

„Nein.“

Er sah sie skeptisch an: „Willst du mir damit sagen, das du nicht auf ihn stehst?“

„Ich will dir damit sagen, dass ich nicht hier stehe und dir wehtue, weil ich mir erhoffe, dass er das Gleiche für mich empfindet wie ich für ihn. Das wäre nicht fair dir gegenüber und ich möchte fair sein. Vielleicht wird etwas aus mir und Alec – ich bin da skeptisch, aber man weiß ja schließlich nie. Auf jeden Fall aber ist Alec nicht der Grund, warum ich dir gesagt habe, das ich nichts als Freundschaft für dich empfinde“, sie legte ihm eine Hand auf den Arm, „Ich wollte dich nicht etwas glauben machen, das nicht...Wirklich war. Tut mir Leid. Es ist meine Schuld. Verzeihst du mir?“

Er lachte auf: „Was soll ich jetzt dazu sagen? Sicher.“

„Ich meine das ernst, Louis. Ich wollte dir nicht wehtun.“

„Schon gut. Wir wären gut zusammen.“

„Wir sind gut zusammen! Und ich bin dir trotzdem sehr dankbar für die Hilfe.“

„Okay. Hat er die Unterlagen ausgefüllt bevor er eingeschlafen ist?“

„Ich habe sie ausgefüllt“, gab Asha zu, weil Louis ihre Handschrift kannte, „Aber sie sind fertig“, sie holte sie, „Hier.“

„Ich bringe nachher die Entlassungspapiere – aber er geht gegen ärztlichen Rat.“

„Das wissen wir.“

„Gut. Dann bis später“, er machte sich auf den Weg.

„Louis?“, rief sie ihm hinterher.

„Hm?“

„Ist alles klar zwischen uns?“

Er seufzte: „Keine Ahnung. Denke schon. Im Moment bin ich nicht allzu begeistert.“

„Das kann ich verstehen.“

„Wir sehen uns“, damit ging er davon.

Asha dachte kurz darüber nach. Sicher war es nicht lustig jemandem zu sagen, das die Gefühle die einem entgegengebracht wurden einseitig waren, aber es war besser so. Schließlich würde es irgendwann ihnen beiden viel mehr wehtun, wenn diese Art Dinge nicht geklärt wurden. Sie drehte sich zurück zu Alec und sah ihn an. Apropos! Sie würde auch mit Alec reden müssen. Irgendwann! Später! Sie konnte das im Augenblick nicht. Immerhin war sie nicht mal sicher, ob ihre Gefühle für ihn dermaßen intensiv blieben, wenn ihm nicht ständig der Tod im Nacken saß.

Fortsetzung folgt...
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