Verletzung

von cora-baby
GeschichteDrama / P12
Alec Asha Barlow Logan Cale Max Guevara
10.08.2007
14.09.2007
6
18382
1
Alle Kapitel
22 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
@Dhana: Danke für dein nettes Review. Freut mich, dass es dir gefällt. Ich kann einfach nicht anders, als Alec und Asha immer wieder aufeinander zuzuschieben :-) Ich finde einfach, dass die beiden schon fast perfekt zusammenpassen.

Weiter mit
Teil 2

Asha runzelte besorgt die Stirn, trug den Teller nach draußen und aß die kalte Suppe, während sie versuchte einen befreundeten Arzt ans Telefon zu bekommen. Während sie mit der dritten Schwester sprach, schob sie den Teller genervt beiseite: „Ja, Schwester. Ich bin eine Freundin von Dr. Rudker. Könnten Sie ihm bitte einfach ausrichten, das Asha dran ist und ihn dringend sprechen muss?“

„Ich werde es ihm sagen, aber...“

„Danke“, unterbrach sie die Schwester und lauschte danach eine Weile den gedämpften Krankenhausgeräuschen. Sie hatte wieder zu essen begonnen.

„Asha?“, ertönte plötzlich eine Stimme im Hörer.

„Louis! Du bist ja schwerer an die Strippe zu bekommen als der Präsident!“

Er lachte: „Na, das hört man doch gern. Das baut das Chirurgenego so richtig auf.“

„Und er sagt es, als ob das Ego der Chirurgen noch anwachsen könnte!“, grinste sie in den Hörer.

„Wo du Recht hast! Was ist los? Wie wär’s mit einem Date, heute noch?“

Asha mochte den Arzt sehr. Er war nett, witzig und charmant, allerdings nur solange er nicht versuchte sie anzubaggern. Früher hatte sie gedacht, dass sie es sich vorstellen könnte mit ihm zusammen zu sein, eben gerade weil sie ihn mochte. Sie musste feststellen, dass sie nicht in der Lage war romantische Gefühle für ihn aufzubringen. Da war nichts als Sympathie und Freundschaft. Sie hatte es ihm nach ihrem zweiten Date gesagt – nachdem sie sich geküsst hatten und bei Asha einfach gar nichts passiert war. Doch er hatte es nicht für voll genommen und war der Meinung, dass sie nach wie vor ein Traumpaar wären. Sie wollte nicht mit ihm ausgehen, sah aber ab, das er geneigter sein würde gegen die Krankenhausbestimmungen zu agieren, wenn sie es tat: „Heute geht es nicht. Deshalb rufe ich auch an. Ich muss dich um einen Gefallen bitten.“

„Was brauchst du?“

„Du hast mir doch neulich dieses Antibiotikum mitgebracht, mir aber erzählt, dass es nicht mit dem Schmerzmittel das ich benutze zusammen verwendet werden darf, weil...“

„Geht’s dir gut? Bist du krank? Verletzt?“, unterbrach er sie besorgt.

„Nein. Lieb, dass du fragst, aber mir geht es prächtig. Ein Bekannter von mir hatte einen schlimmen Unfall, aber auch Panik vor Krankenhäusern und Ärzten, deshalb versorge ich ihn. Aber...es geht ihm wirklich schlecht. Er hat unglaubliche Schmerzen und Fieber. Ich sollte ihm die Antibiotika geben, weil man an Schmerzen nicht stirbt, an Fieber aber schon. Ich bin mir jetzt gerade nicht sicher, ob diese Aussage so richtig ist.“

„Du machst dir Sorgen um ihn?“

„Ja. Es ist der Bruder von Logans Freundin. Du weißt schon...Max.“

„Sie mag auch keine Krankenhäuser und Ärzte“, murmelte er verwirrt, „Ist das eine Familienkrankheit?“

„Keine Ahnung. Gibt es ein Schmerzmittel, das man zusammen mit dem Antibiotikum geben kann?“

„Ja. Kommst du es abholen?“

„Kann nicht. Ich muss hier bleiben.“

„In zehn Minuten habe ich Schluss, dann komme ich vorbei und bringe es. Zu dir?“

„Nein“, Asha gab ihm die Adresse und lächelte dann, „Danke, Louis. Wirklich.“

„Kein Problem. Wir reden, wenn ich da bin. Trinkt er?“

„Als er wach war, hab ich ihn dazu gezwungen, auch zum Suppe essen...aber es war nicht viel.“

„Das ist egal. Was macht er jetzt?“

„Schlafen.“

„Ich bin in einer halben Stunde da. Gib ihm noch mehr Wasser, wenn er aufwacht. Soviel wie er runter bekommt.“

„Danke. Beeil dich, Louis.“

„Bis gleich, Asha“, damit trennte er die Verbindung.

Asha legte das Telefon neben sich und atmete tief durch. Um sich die Zeit zu vertreiben wusch sie ab, auch das dreckige Geschirr, das ihrer Meinung nach schon einige Tage in Alecs Küche herumstand. Während sie zurück zur Couch ging, hörte sie ihn rufen. Erst schnappte sie sich die Wasserflasche, dann ging sie zu ihm: „Hey. Hast du schon oft gerufen?“

„Nur einmal“, sein Blick ging zur Flasche, „Muss ich mich wieder hinsetzen?“

„Hast du Strohhalme?“

„In der Küche...irgendwo“, bestätigte er.

Ihre Hand wanderte kurz durch seine Haare, bevor sie sich auf die Suche machte. Sie wurde schnell fündig. Neben dem Bett hockend, hielt sie das Glas aus dem er mit Hilfe des Strohhalmes trank.

„Du bekommst bald was gegen den Schmerz.“

„Ja?“

„Ein Freund bringt mir was vorbei, das mit dem Antibiotikum verträglich ist.“

„Ein Freund?“, fragte er skeptisch und beobachtete, wie sie das Glas erneut füllte.

„Ein Arzt“, erklärte sie, „Er ist in Ordnung. Ich hab ihm gesagt, dass du eine Abneigung gegen Ärzte und Krankenhäuser hast. Max hat er auch schon geholfen. Trink noch was.“

Er schüttelte den Kopf, doch Asha hielt ihm den Trinkhalm an die Lippen: „Doch, Alec. Komm schon, hilf mir. Allein kriege ich dich nicht wieder fit und ich hab doch versprochen, das du in vier Tagen wieder gesund bist.“

Er lächelte kurz und trank noch etwas. Gleichzeitig mit dem Klopfen an der Tür hörte Alec auf zu trinken. Asha strich über seine Stirn: „Versuch noch ein paar Minuten wach zu bleiben, ja?“, damit stand sie auf und öffnete Louis die Tür.

Er umarmte sie, drückte sie fest an sich und küsste sie hinterher auf die Lippen. Asha drehte leicht den Kopf weg und ließ ihn eintreten: „Hallo. Schön, das du so schnell gekommen bist.“

„Ziemlich heruntergekommene Hütte, muss ich sagen. Ich bin lieber bei dir.“

Sie zuckte mit den Schultern und sah sich um: „Ich finde es okay.“

„Wo ist denn dein Patient?“

„Im Schlafzimmer. Komm mit“, sie führte ihn in den dunklen Raum.

Louis machte das große Deckenlicht an, was Alec ein Knurren entlockte. Er hatte die Augen fest zusammengekniffen. Asha sah, das Louis Alecs Rücken mit hochgezogenen Augenbrauen anstarrte.

„Was sagst du?“

„Bin beeindruckt, das er noch lebt und nicht im Koma liegt. Ohne die genaue Analyse kann ich nur schätzen, aber ich würde sagen das sind Verbrennungen bis hin zum 3. Grad“, er trat näher heran und betastete die Wundränder, „Es ist entzündet. Hast du es desinfiziert?“

Asha saß neben Alecs Kopf auf dem Kissen und hatte eine Hand an seiner Stirn: „Ja, aber ich fürchte, ich kam ein bisschen spät. Er hat Fieber.“

„Kein Wunder!“, der Arzt schob Ashas Hand beiseite und befühlte die Stirn selbst, „Das Fieber ist hoch. Er muss in ein Krankenhaus, Asha.“

„Nein“, brummte Alec.

Asha hatte gedacht, das er mittlerweile wieder eingeschlafen wäre.

„Sie müssen!“, mahnte Louis, „Sie könnten daran sterben.“

Alec öffnete die Augen: „Ich gehe in kein Krankenhaus!“

„Sie sind ebenso starrköpfig wie Ihre Schwester! Ich sollte Ihnen gar nichts geben, ehe Sie im Krankenhaus sind!“

„Louis“, murmelte Asha besänftigend, „Ich kann ihn nicht dazu bringen, auch Logan und Max haben es schon versucht“, log sie ohne mit der Wimper zu zucken.

„Ich kann ihn Zwangseinweisen.“

„Warst du es nicht“, setzte Asha an und drückte Alec, der sich wütend aufrichten wollte, aufs Bett zurück, sie begann erneut an Louis gewandt, „Warst du es nicht, der mir gesagt hat, das man schneller gesund wird, wenn man sich wohl fühlt. In einem Krankenhaus würde seine Heilung vielleicht in besonderem Maße gehemmt werden.“

„Ich bin dagegen ihn hier zu lassen.“

„Bitte, Louis.“

Er Arzt knurrte unwillig: „Na schön. Er muss sich hinsetzen.“

„Alec?“

„Ich hab’s vernommen. Aber es geht nicht.“

„Komm schon“, sie verlieh ihrer Stimme absichtlich einen arroganten Unterton, „Das schaffst du doch wohl.“

Er schoss ihr einen wütenden Blick zu und begann sich aufzurichten. Als er beinahe saß, schwankte er wieder, doch diesmal machte Asha nicht mal einen Versuch ihm zu helfen, schließlich würde er gegenüber Louis niemals Schwäche zugeben. Als er saß funkelte er sie an: „Miststück“, er sagte es noch aggressiver als beim letzten Mal, doch Asha lächelte nur unverbindlich.

Louis runzelte die Stirn, sprach Asha aber trotzdem an: „Hol ein Glas Wasser und das Antibiotikum. Wann hast du es ihm verabreicht?“

„Vor zwei Stunden.“

„Hol es.“

„Gut“, sie stand auf und holte, was er verlangt hatte.

Als sie zurück war, reichte Louis ihr vier Tabletten. Sie sah ihn fragend an.

„Zwei Schmerztabletten, verflucht starkes Zeug und zwei fiebersenkende Mittel. Benutzt du immer noch deine selbst kreierte desinfizierende Salbe?“

„Ja“, murmelte sie wegen seines unfreundlichen Tons irritiert, „Du hast doch gesagt, sie ist gut.“

„Ist sie auch. Löse die Tabletten in dem Glas auf. Er soll sie trinken. Gib mir die Spritze, ich gebe ihm noch mal Antibiotika. Mehr kann ich nicht tun, wenn er nicht ins Krankenhaus geht.“

„Er sitzt noch hier“, knurrte Alec.

Asha lächelte ihn an: „Entschuldige. Wir wollten dich nicht ignorieren. Trink das“, sie reichte ihm das mittlerweile weiße Wasser.

Während der Arzt ihn spritzte, trank er. Hinterher durfte er sich wieder hinlegen.

Louis stand auf: „Schmier ihn noch mal ein. Es kann nicht schaden.“

„Mach ich“, sofort setzte sie sich neben Alec und begann wieder die Salbe zu verteilen.

Als sie fertig war, hockte sie sich neben sein Gesicht: „Bist du noch wach?“

„Hm“, brummte er verschlafen.

„Mach mir nicht schlapp, Süßer. Ich verschwende ungern meine Zeit.“

Er öffnete ein Auge und auch ein Mundwinkel zog sich zu ihrer Freude nach oben: „Ich werde versuchen daran zu denken“, murmelte er.

„Gut. Jetzt schlaf“, sie küsste ihn auf die Stirn, bevor sie das Licht löschte und die Tür bis auf einen Spalt hinter sich zuzog.

Louis stand einen halben Meter neben der Tür und starrte aus dem Fenster.

„Danke, dass du vorbeigekommen bist. Ich glaube, ohne deine Hilfe hätte ich ihn nicht wieder fit bekommen.“

„Er ist noch nicht fit! Wenn er nicht ins Krankenhaus geht, wird er es vielleicht nie“, er warf ihr zwei Schachteln zu, „Das mit dem grauen Streifen ist das Mittel gegen Fieber – zwei Tabletten stündlich – das Orange ist das Schmerzmittel – es hält so 12 Stunden lang. Gib ihm niemals mehr als zwei Stück. Sie sind wirklich sehr stark. Die Antibiotika ab jetzt alle sechs Stunden. Er muss viel essen und vor allem trinken.“

„Okay. Danke. Was ist los?“, sie sah ihn verwundert an. Er war nicht so unbeschwert wie sonst.

„Warum erzählst du mir, er wäre ein Bekannter von dir, nichts weiter als der Bruder von Logans Freundin, wo er dir doch so offensichtlich sehr viel mehr bedeutet?“

„Was?“, wirklich verblüfft starrte sie ihn einen Moment an, dann schüttelte sie langsam den Kopf, „Zwischen Alec und mir ist nichts. Ich kenne ihn kaum. Logan hat mich angerufen und mich aufgrund meiner – wie er es nannte – Krankenschwester- und zur Not improvisierten Ärztinnenfähigkeiten gebeten, mich um ihn zu kümmern. Das tue ich. Du hast selbst gesagt, dass es schlimm um ihn steht. Das konnte auch ich erkennen, also mache ich mir Sorgen um ihn, weil ich nicht will, dass er stirbt, so wie ich nicht will, das irgendwer auf dieser Welt stirbt.“

„Er hat dich ‚Miststück’ genannt und so wie ich dich kenne, würdest du das niemandem ungestraft erlauben, auch nicht einem Verletzten. Aber er darf es?“

„Ja, aber nur, weil es zeigt, das er noch alle seine Sinne beisammen hat. Schließlich habe ich seine empfindlichste Stelle angegriffen.“

„Was?“, fragte er verwirrt.

„Sein Ego“, Asha lächelte, „Komm schon. Was soll das?“

„Wie lange bleibst du noch hier?“, sein übliches leichtes Lächeln war wieder da.

„Bis morgen früh. Dann kommen Max und Logan.“

„Wollen wir morgen Abend ausgehen? Ich lad dich zum Essen ein.“

„Gern“, auch weil Asha sehr glücklich war, das er Alec geholfen hatte, war sie einem Date als Dank alles andere als abgeneigt.

„Gut. Ich komme dich gegen sieben bei dir abholen.“

„Okay. Danke noch mal.“

„Du solltest ihn ins Krankenhaus bringen.“

„Wenn jetzt immer noch keine Besserung eintritt, werde ich das tun.“

„Gut“, er küsste sie kurz auf die Lippen, drehte sich um und verschwand.

Bevor sie Zeit hatte über irgendwas nachzudenken, klingelte ihr Handy. Sie ging ran: „Ja?“

„Max hier. Wie geht es ihm?“

Asha starrte auf die Tablettenschachteln die sie immer noch in der Hand hielt: „Nicht gut“, sie schmiss sie auf den Tisch und warf einen Blick ins Schlafzimmer.

„Kann ich mit ihm reden?“

„Nein. Es war gerade sehr anstrengend für ihn. Er schläft jetzt. Aber ich kann anrufen, wenn er das nächste Mal wach ist.“

„Würdest du das tun?“

Asha lächelte über Max’ Sorge: „Natürlich“, sie setzte sich aufs Sofa, „Er hat jetzt Antibiotika, Schmerztabletten und fiebersenkende Mittel bekommen, außerdem hab ich die Wunde noch mal desinfiziert. Wenn das alles nicht hilft, muss ich ihn in ein Krankenhaus bringen.“

„Tu das. Völlig egal, Hauptsache er überlebt, damit ich ihm für seine Dummheit eine rein hauen kann.“

Ashas Lächeln vertiefte sich: „Stell dich hinten an.“

„Ah, vergiss es, Schätzchen. Ich war zuerst da“, Max klang ein wenig erleichtert.

„Okay, aber lass was für mich übrig.“

„Kannst du kriegen. Er hat Fieber?“

„Ziemlich schlimm. Aber noch bin ich guter Dinge, das ich es in den Griff kriege.“

„Gut. Wenn du absiehst, nichts mehr tun zu können, bring ihn zu einem Arzt.“

„Das habe ich vor. Was macht ihr?“

„Wir sind auf dem Weg zu White und dem Rest des Konklave. Wir haben einige dutzend Transgenos dabei und hoffen, das wir die Schlangen ein wenig aufmischen können.“

„Seid vorsichtig. Ist Logan dabei?“

„Ja, aber er bleibt mit einem Beschützer beim Transporter und überwacht den Einsatz.“

„Ich hoffe es geht alles gut. Langsam gehen mir die Medikamente aus.“

„Nicht schlimm. Wir machen sie fertig. Sag Alec, das wir ihm einen übrig lassen, wenn er es schafft innerhalb der nächsten zwei Wochen auf die Beine zu kommen.“

„Sag es ihm nachher selbst. Ich rufe dich an, wenn er aufwacht. Wie lange bist du noch erreichbar?“

„Etwa eine Stunde. Ansonsten versuch es einfach. Wenn ich unterwegs bin, nimmt Logan ab.“

„Okay. Seid vorsichtig.“

„Sind wir. Danke, das du dich für mich um ihn kümmerst.“

Ashas Verhältnis zu Max war nicht gerade berühmt und solange wie in diesem Telefonat hatte sie noch nie mit ihr an einem Stück gesprochen. Da ihr Herz im Moment sowieso weich war, war sie geneigt Max ab jetzt als eine Freundin zu betrachten: „Überhaupt kein Problem, Max. Wirklich. Meldet euch, wenn ihr fertig seid, damit ich weiß, ob ich noch mehr Patienten bekomme und vielleicht bald ein Krankenhaus eröffnen kann.“

„Machen wir. Bis dann. Grüß ihn von mir, Logan und seinen Geschwistern.“

„Bis nachher“, sie legte auf. Nach einigen Minuten nahm sie ihr Buch, das Handy und eine Flasche Wasser und ging ins Schlafzimmer.

Sie schaltete die Nachttischlampe auf der unbenutzten Hälfte des großen Bettes an, setzte sich und öffnete das Buch. Allerdings las sie nicht sehr weit. Schon nach wenigen Augenblicken senkte sie die Lektüre und sah Alec mit gerunzelter Stirn an. Erst jetzt fiel ihr die Bedeutung von Louis’ Worten auf. Warum sie ihm erzählte, das er nur ein Bekannter sei wo er doch so offensichtlich viel mehr für sie wäre. Offensichtlich? Asha dachte nach. Natürlich war sie in dieser Situation sehr viel zärtlicher zu Alec als sie es sonst wäre, aber schließlich war er verletzt. Louis hatte sie schon öfter mit Kranken umgehen sehen und sie wusste verdammt genau, dass sie immer sanft war, wenn sie jemanden pflegte. Warum also offensichtlich? War er vielleicht nur eifersüchtig auf die Aufmerksamkeit, die sie Alec schenkte? Sie konnte sich nicht erinnern irgendetwas besonders Auffälliges getan zu haben. Louis erklärte seine Meinung damit, dass sie sich von ihm ungestraft beleidigen ließ. Aber es war von Alec nicht als Beleidigung gemeint, er wollte ihr nur klar machen, das er sehr wohl wusste, das sie sein Ego angriff und warum sie es tat. Bedeutete ihr Alec etwas? Jetzt im Moment – seit sie seine Wohnung betreten hatte – drehte sich ihre Welt um ihn, aber das war nicht ungewöhnlich. Immerhin stürzte sie sich immer mit all ihrem Sein in die Aufgaben die sie übernahm. Ihr Herz war noch immer mitfühlend, weich und zärtlich für ihn. Sicher, diese uneingeschränkte – über die Versorgung seiner Wunden hinausgehende – Zärtlichkeit war ziemlich ungewöhnlich und hatte sie auch überrascht, aber reichte das aus? Während sie ihn beobachtete – sein Gesicht lag ihr zugewandt – stellte sie sich zum Test vor ihn zu küssen. Auf die Lippen und richtig. Sie lächelte spontan. Okay, da war allein beim Gedanken definitiv mehr als Nächstenliebe. Aber was hieß das schon? Alec war gut aussehend, stark – selbst wenn er verletzt war -, witzig, charmant. Andere Männer waren das auch! Es gab bestimmt auch andere Männer, die auf sie die gleiche Wirkung hatten wie Alec – aber ihr fiel partout keiner ein. Unsinnig darüber nachzudenken, entschied sie. Schließlich war sie hier um ihn gesund zu pflegen, nicht um sich in ihn zu verlieben – unglücklich noch dazu. Sie öffnete ihr Buch und vertiefte sich darin.

Fortsetzung folgt...
Review schreiben