Verletzung

von cora-baby
GeschichteDrama / P12
Alec Asha Barlow Logan Cale Max Guevara
10.08.2007
14.09.2007
6
18382
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Teil 1

„Okay“, die blonde Frau stand schwer atmend unter dem Türrahmen, „Hier bin ich! Was, zum Teufel, ist so wichtig, das ich sofort alles liegen lassen und herkommen musste? Und dann auch noch hierher!“

Logan sah sie gehetzt an: „Tut mir Leid. Wir haben keine Zeit es dir zu erklären“, Max stürmte an ihm und ihr vorbei, er folgte ihr, „Kümmer dich einfach um ihn, bis wir wieder da sind.“

Asha sah ihnen hinterher und fragte sich, was das sollte: „Um wen soll ich mich kümmern?“, murmelte sie zu sich selbst, befürchtete aber es bereits zu wissen. Immerhin war sie in Alecs Wohnung. Aber warum sollte sie sich um ihn kümmern? Sie trat ein und schloss die Tür hinter sich: „Alec?“

Keine Antwort. Sie sah ihn nicht im Wohnzimmer, deshalb öffnete sie die einzige verschlossene Tür. Eine Gestalt lag zugedeckt und schlafend im Bett, dachte sie im ersten Moment. Dann sah sie, das nicht eine Decke auf seinem Rücken lag, sondern ein Handtuch. Irritiert trat sie ein. Durch die halb zugezogenen Vorhänge war alles ein wenig schummrig, aber sie sah genug. Als sie neben dem Bett war, hockte sie sich hin und hob langsam das Handtuch an.

Sofort schreckte sie zurück: „Wow!“

Alec öffnete langsam und schwer die Augen: „Asha?“

„Ja, was ist passiert?“

„Schmerzen!“, murmelte er.

Sie verzog mitfühlend das Gesicht: „Das kann ich mir vorstellen. Wie ist das passiert?“

Er versuchte sich ein wenig aufzurichten, brach aber stöhnend ab und fiel zurück aufs Bett. Asha strich ihm beruhigend über die Haare: „Sprich mit mir, Alec.“

„Ein Job. Schlangenkult“, presste er hervor.

„White?“

„Nicht nur.“

„Sie haben dich so zugerichtet?“

„Ich werds überleben“, stellte er fest und murmelte anschließend, „Hoffe ich.“

„Darf ich?“, sie griff nach dem Handtuch.

Zu ihrer Überraschung und Freude, denn es zeigte, das er es tatsächlich überleben würde, lachte er auf: „Ich bin nicht in der Position dich daran zu hindern.“

„Du könntest ‚nein’ sagen“, lächelte sie.

„Sieh es dir ruhig an, aber werd’ bitte nicht ohnmächtig“, trotzdem er unglaubliche Schmerzen haben musste, lächelte er sie charmant an, „Bin im Moment nicht in der Lage dich aufzufangen.“

Asha schüttelte lächelnd den Kopf: „Wenn man mal einen Helden bräuchte“, murmelte sie.

Er grinste sie an, dann schloss er die Augen und machte sich offensichtlich auf die Schmerzen gefasst, wenn sie das Handtuch abzog. Asha machte es so vorsichtig wie möglich. Max oder Logan hatten das Handtuch feucht gemacht, dennoch klebte es am entstandenen Schorf an den Rändern der Wunde.

„Asha!“, fuhr er sie an.

„Was?“, automatisch ließ sie das Handtuch los.

„Verdammt noch mal!“, stöhnte er, „Ich weiß, das du sauer auf mich bist, wegen der Sache neulich, aber könntest du bitte aufhören mich zu quälen? Ich finde ich hab genug durchgemacht.“

Verwirrt über seine Rede runzelte sie die Stirn: „Welche Sache neulich? Und außerdem hab ich versucht vorsichtig zu sein, es geht nun mal nicht anders.“

„Weil ich dich hab abblitzen lassen“, er atmete tief durch, „Zieh es einfach mit einem Ruck ab.“

„Tut das nicht weh?“

„Doch, aber das tut es auch, wenn du’s langsam machst. Nur auf meine Art ist es schneller vorbei.“

„Okay, tut mir Leid“, sie griff wieder nach dem Handtuch und zog es schnell ab.

Er schrie leise auf und sie verzog gequält das Gesicht: „Tut mir Leid, wirklich. Alec?“

„Ja“, brummte er, „Schon gut.“

„Okay. Tut mir Leid“, wiederholte sie und beugte sich über seinen Rücken.

Er hatte eine riesige Wunde. Noch immer sickerte Blut daraus. Sie strich mit einem Finger an den Wundrändern entlang: „Was war das?“

„Hauptsächlich Asphalt, nehme ich an. Aber ich hab’s nicht gesehen.“

„Asph...Was ist passiert, Alec?“

„Max und ich waren hinter White her. Er ist mit ein paar seiner Kumpels in einen Van gestiegen. Ich bin aufs Dach geklettert ohne damit zu rechnen, dass er rauskommt, aber das kam er. Während der Fahrt haben wir auf dem Wagen gekämpft. Ich bin abgerutscht und auf dem Asphalt aufgeschlagen. Er hielt meinen Arm fest, während ein anderer weiterfuhr. So wurde ich hinterher geschleift. Irgendwann hat er mich losgelassen und Max hat mich aufgesammelt.“

„Oh, mein Gott. Du Trottel!“, schimpfte sie und sprang auf.

„Danke auch“, murmelte er.

„Wie kann man so dumm sein?“

Er öffnete ein Auge und sah zu ihr auf: „Haben Max und Logan auch schon gefragt.“

Sie hockte sich wieder hin: „Kannst du eine halbe Stunde allein bleiben?“

„Ich brauche keinen Babysitter, Asha. Das war Max’ Idee.“

„Ist das ein ‚ja’?“

„Ja“, murmelte er.

„Okay“, sie beugte sich vor und strich ihm über den Kopf, „Bin so schnell wie möglich zurück“, damit erhob sie sich und verschwand.

Weniger als zwanzig Minuten später öffnete sie seine Wohnungstür wieder. Eine Minute später stand sie in der Tür und sah ihn an: „Wie geht’s dir?“

„Fantastisch!“, lächelte er, „Ich wollt grad losgehen. Ein bisschen arbeiten und so.“

Sie lächelte offen: „Lügner!“

„Ach, is’ wahr?“, verwirrt erwiderte er ihr Lächeln.

„Ich hab dir was mitgebracht.“

„Wenn es ein Buch gegen die Langeweile ist, werde ich genug Kraft aufbringen um es dir vor den Kopf zu schlagen.“

Sie hockte sich wieder vor das Bett und strich über seine Haare: „Also gebe ich dir das Buch nicht. Nein. Ich hab was zur Wundheilung.“

„Das heilt allein. Weißt du, Baby“, grinste er und hatte zu ihrer Überraschung genug Kraft um sich auf die Ellenbogen zu stützen, „Ich bin ein Transgeno. In einer Woche bin ich fit.“

„Mit Hilfe meines Wundermittels bist du’s in vier Tagen.“

„Unwahrscheinlich. Außer du hast mir einen neuen Rücken mitgebracht.“

„Jetzt hör auf dich zu zieren und steh auf.“

„Na, klar. Aufstehen!“, er legte sich wieder auf den Bauch, „Wieso bin ich auf die Idee noch nicht allein gekommen?“

Sie musste die Wunde richtig reinigen, dazu musste er in sein Bad gehen. Sie wusste, das sie ihn nur dazu bringen konnte sich zu erheben, indem sie sein Ego angriff: „Du schaffst es nicht mal aufzustehen?“, fragte sie zuckersüß.

Sein Blick wanderte aggressiv zu ihrem. Es dauerte fast fünf Minuten bis er stand. Sie lächelte: „Gut gemacht.“

„Miststück“, gab er zurück.

Sie freute sich, nahm seine Hand und ging los. Da er sowieso nur Boxershorts trug, brauchte sie ihn zu ihrem Glück nicht auch noch ausziehen. Sie deutete in die Badewanne: „Kannst du es schaffen da rein zu klettern?“

„Vielleicht in drei Tagen“, bestätigte er zuversichtlich.

„Okay. Dann setz dich nur auf den Rand.“

Er folgte ihrem Befehl und fragte, während sie den Aufsatz auf seiner Duschbrause anbrachte: „Was ist das?“

„Dadurch werden die Wasserstrahlen weicher. Fast wie Sprühregen. Tut nicht so weh.“

„Wozu hast du das?“

„Ich versorge öfter die Wunden meiner Leute“, erklärte sie. Jetzt fragte sie sich, wie sie die Wunde säubern sollte. Wenn sie in der Badewanne stand, würde das blutgetränkte Wasser genau auf ihre Füße plätschern, darauf hatte sie keine Lust, deshalb machte sie es von vorn. Sie drückte seine Beine auseinander und stellte sich dazwischen, dann beugte sie sich über ihn, um seinen Rücken zu sehen. Alec lehnte seine Stirn an ihre Schulter. Automatisch wanderte Ashas Hand kurz zu seinem Nacken und streichelte ihn, bevor sie sich wieder der Säuberung der Wunde zuwandte.

Als sie glaubte allen Dreck und die festgeklebten Fusseln des Handtuchs raus gewaschen zu haben, stellte sie die Dusche ab und trat einen Schritt zurück: „Tat’s weh?“

„Nein.“

„Gut“, sie nahm seine Hände und zog ihn auf die Füße. Anschließend wühlte sie wieder in der Tasche die sie mitgebracht hatte herum und holte ein Handtuch heraus.

Er sah sie verwirrt an: „Ich hab Handtücher, Asha. Du brauchst deine nicht mit meinem Blut versauen.“

„Das hier sind spezielle Handtücher. Die sind weicher und verlieren keine Fusseln“, ohne weiter mit ihm zu diskutieren, lief sie hinter ihn, um ihn abzutrocknen.

Danach sah sie sich den Rest seines Körpers an. Von dem Kampf hatte er auch einige Spuren. Zuerst behandelte sie das Hämatom unter seinem Auge mit einer Salbe. Anschließend kümmerte sie sich um die angeknacksten oder vielleicht sogar gebrochenen Rippen, die blauen Flecken an seinen Armen und Beinen. Als sie fertig war, spürte sie das Alec schwankte. Es musste sehr anstrengend für ihn sein solange zu stehen, deshalb nahm sie ein kleines weißes Töpfchen und seine Hand.

Sie führte ihn zurück ins Schlafzimmer: „Leg dich hin.“

„Der erste gute Befehl heute“, murmelte er und legte sich zurück auf den Bauch. Keine drei Sekunden später saß sie rittlings auf seinem unteren Rücken, dort, wo keine Verletzungen waren.

„Asha?“, verwirrt versuchte er seinen Kopf zu drehen.

„Entspann dich, Alec. Die Paste, die ich dir jetzt auf den Rücken gebe wirkt auch desinfizierend, kann also sein, dass es leicht brennt.“

„Okay“, murmelte er und schloss die Augen.

Asha machte sich an die Arbeit. Sie war extrem vorsichtig dabei die dickflüssige Creme aufzutragen. Es dauerte beinahe eine Viertelstunde, bis sie fertig war. Alec war mittlerweile eingeschlafen. Sie kletterte von ihm hinunter und ging sich die Hände waschen.

Danach durchwühlte sie seine Bad- und Küchenschränke nach Schmerzmitteln, aber sie fand keine. Transgenos! Schafften es ständig in Gefahr zu geraten und waren dann auf nichts vorbereitet! Sie stand entnervt mitten im Bad und dachte nach. Sie konnte nicht schon wieder losfahren! Wenn Alec Fieber bekam, musste sie sofort reagieren. Also zückte sie ihr Handy.

„Cale.“

„Asha hier. Störe ich?“

„Im Augenblick nicht. Wie geht’s Alec?“

„Einigermaßen. Hab die Wunde gereinigt. Er schläft jetzt. Könnt ihr auf dem Rückweg hierher beim Hauptquartier vorbei fahren?“

Er zögerte kurz und sprach mit Max, was Asha nicht verstehen konnte, dann war er wieder dran: „Ja, können wir machen. Wir sind noch nicht fertig, müssen aber sowieso noch mal in die Stadt zurück. Was sollen wir holen?“

„Lauren müsste da sein, lass dir einfach die Medikamentenbox geben. Da ist alles drin, was ich im Notfall brauche, da ich ihn ja nicht ins Krankenhaus bringen kann, nehme ich an.“

„So ist es. Deshalb habe ich dich zu ihm geschickt. Du bist gut als Krankenschwester und im Notfall improvisierte Ärztin.“

„Das ist sehr nett von dir“, murmelte sie sarkastisch, „Wann seid ihr hier?“

„Halbe Stunde.“

„Super. Bis dann. Sollte keiner da sein, ruf mich an, dann sag ich dir wo sie ist.“

„Bis nachher.“

Asha legte auf, öffnete die Schlafzimmertür einen Spalt breit und setzte sich mit ihrem aktuellen Buch auf die Couch im Wohnzimmer zum Lesen. Etwas mehr als eine Dreiviertelstunde später ging die Tür auf und Logan kam herein.

Er setzte sich neben sie und sprach leise: „Entschuldige, hat länger gedauert als gedacht“, er reichte ihr die metallene Kiste, „Hier ist sie. Ich fahre jetzt noch mal mit Max los. Sie wartet unten. Du sollst Alec bitte von ihr Grüßen, ja? Ich weiß nicht, wann wir zurück sind. Mag sein, dass es erst morgen wird. Hast du Zeit hier zu bleiben?“

„Nein, aber ich denke ich werde es trotzdem tun, nicht wahr?“

„Ich danke dir. Max macht sich große Sorgen“, er lächelte überrascht über sich selbst, „Ich mir auch.“

„Es sieht wirklich schlimm aus, Logan. Ich hab Angst, dass er Fieber bekommt. Ich hab es desinfiziert, aber...“

„Tu einfach was du kannst. Wenn du absiehst, dass du es nicht schaffst, bring ihn in ein Krankenhaus. Lieber das Risiko eingehen, das sie sich über sein Blut wundern, als das er stirbt.“

„Das sehe ich ähnlich. Gut, geh zu Max und seid um Gottes willen vorsichtig!“

„Ja, danke noch mal“, er stand auf und verschwand.

Asha wühlte in ihrem Heiligtum herum und sortierte den Inhalt, obwohl alles penibel an seinem Platz war. Sie war sonst nicht sonderlich ordentlich. Sie hatte nicht die Zeit ihre Hütte dreimal Wöchentlich einer Grundreinigung zu unterziehen, aber fast nichts war so wichtig wie Ordnung in ihrer Medizinkiste. Sie stand auf und ging ins Schlafzimmer. Vor Alecs Bett hockte sie sich hin und sah ihm konzentriert ins Gesicht. Er hatte die Stirn gerunzelt, das besorgte sie sehr. Sie hob ihre Hand und legte sie auf seine Stirn. Er war heiß.

Schwerfällig gingen seine Augen auf: „Asha?“

„Wie geht’s dir?“

„Gut.“

„Du lügst“, murmelte sie.

„Nicht sehr“, gab er zu.

„Hast du Schmerzen?“, sie verzog gequält das Gesicht, bevor er antworten konnte, „Vergiss das. Dumme Frage.“

„Allerdings.“

„Ich brauche deine Ehrlichkeit, Alec. Ich will dir helfen, ich kann mir nicht mal annähernd vorstellen, was du durchmachst, aber ich will dir helfen. Also...willst du Schmerzmittel?“

„Ich habe keine“, murmelte er mit geschlossenen Augen.

„Ja. Logan hat welche vorbeigebracht.“

„Sie waren noch mal hier?“

„Max lässt dich grüßen. Sie sind jetzt unterwegs. Aber sie kommen spätestens morgen früh vorbei um nach dir zu sehen. Willst du Schmerzmittel?“

„Ja“, erklärte er diesmal schlicht.

Asha hatte das befürchtet: „Du hast Fieber, Alec. Ich habe Angst, das meine Desinfektion zu spät kam.“

Er richtete sich stöhnend ein Stück auf: „Hast du Antibiotika?“

„Aber keine die mit dem Schmerzmittel verträglich sind.“

„Dann die Antibiotika.“

„Aber die Schmerzen...“

„Schmerzen bringen mich nicht um, Asha. Fieber schon.“

„Bin gleich wieder da“, sie sprang auf, griff blind in ihre Kiste und förderte Spritze und Antibiotikum zutage, während sie Alec durch die Schlafzimmertür ansah, „Du musst dich hinsetzen“, teilte sie ihm mit.

„Ich arbeite daran“, gab er gereizt, durch zusammengebissene Zähne, zurück.

„Entschuldige“, bat sie, bevor sie zu ihm zurückging.

Sie beobachtete ihn dabei, wie er versuchte sich hinzusetzen. Als er drohte wieder zurückzufallen wollte sie nach ihm greifen, doch er sah sie hart an: „Fass mich nicht an!“

„Alec“, setzte sie an.

„Nein“, unterbrach er sofort.

Also wartete sie bis er saß, dann kniete sie sich neben ihn aufs Bett und band seinen Arm ab. Sie starrte auf ebendiesen, während sie ihm erklärte: „Alec, du brauchst hier nicht den Helden spielen um mich zu beeindrucken. Allein die Tatsache, das du aufgrund der Verletzung nicht Ohnmächtig bist beeindruckt mich sehr.“

Er antwortete nicht, also schwieg auch sie. Sie spritzte ihm das Antibiotikum, stand auf und beobachtete ihn, während er sich wieder hinlegte.

Gerade als sie das Zimmer verlassen wollte, hörte sie ihn murmeln: „Wenn ich es nicht mal schaffe mich hinzusetzen, Asha, hat White dieses Mal wirklich gewonnen. Und das lasse ich nicht zu!“

Als sie sich zu ihm umwandte, schlief er. Die blonde Frau atmete tief durch und ging zurück ins Wohnzimmer. Sie las weiter ihr Buch. Konnte aber nicht wirklich erfassen, was da stand. Genervt klappte sie es zu und legte es neben sich auf die Couch. Sie traute sich nicht den Fernseher anzumachen aus Angst, dass sie ihn damit wecken würde. Also starrte sie einfach eine Weile nur vor sich hin. Als sie bemerkte, dass sie Hunger hatte, fiel ihr siedendheiß ein, was sie vergessen hatte. Gegen Fieber half es auf jeden Fall viel zu trinken und essen ist schon mal generell nicht schlecht fürs Überleben. Sie sprang auf und durchwühlte die Küche. Er hatte nichts da. Absolut nichts. Einen Liter Wasser, mehr nicht. Sie warf einen kurzen Blick ins Schlafzimmer. Er schlief, sie hoffte, dass er das auch noch eine Weile tat und ging einkaufen. Sie rannte schon fast durch den Laden, packte einfach alles ein, was ihr zwischen die Finger kam und raste zurück zu seiner Wohnung. Asha stellte schnell die Tüten ab und sah nach ihm. Er schlief zwar noch, wand sich aber unruhig. Als sie seine Stirn befühlte merkte sie, dass sein Fieber gestiegen war. Jedoch weckte sie ihn nicht, das wäre unnötig, denn sie konnte ohnehin nichts tun. Sie kochte eine Suppe. Als die fertig war, ging sie ins Schlafzimmer und weckte Alec. Es dauerte einige Minuten, bis er die Augen öffnete und sie desorientiert ansah.

„Alec?“

„Hm?“, murmelte er.

„Hast du Durst oder Hunger?“

„Mir ist kalt!“

„Ich kann deinen Rücken nicht zudecken. Du musst trinken, Alec. Und was essen. Kannst du es schaffen dich hinzusetzen?“

Er schloss die Augen. Asha dachte, dass er wieder schlief und entschloss sich ihn nicht noch einmal zu wecken, doch dann bewegte er sich. Scheinbar hatte er nur Kräfte gesammelt. Sie half ihm diesmal nicht, sondern wartete. Er hatte sich mit einem Arm auf dem Bett abgestützt. Als er beinahe saß, begann sein Arm zu zittern und er sah Asha an. Nicht hilfesuchend oder flehend, einfach nur so. Aber Asha erkannte sofort, was er von ihr wollte. Also griff sie nach ihm und half ihm die letzten paar Zentimeter. Sie lächelte, obwohl ihr absolut nicht danach zumute war: „Sehr gut.“

Sie reichte ihm das Glas Wasser, das bereits auf dem Nachttisch stand. Doch erst, als sie ganz sicher war, dass er es halten und daraus trinken konnte, stand sie auf. In der Küche füllte sie einen Teller Suppe und trug ihn zurück. Das leere Glas hielt er im Schoß, die Augen geschlossen. Sie setzte sich neben ihn, nahm das Glas und reichte ihm den Löffel: „Hier. Nur ein bisschen, es wird dir helfen.“

Er aß, langsam, schwerfällig und vorsichtig, aber er aß. Das war alles, was im Moment für Asha wichtig war. Sein Oberkörper schwankte. Erst wollte sie ihm anbieten den Löffel für ihn zu führen, allerdings fiel ihr dann ein, das er es wahrscheinlich als unverzeihliche Schwäche ansehen würde sich füttern zu lassen, deshalb wandte sie ihren Oberkörper seiner Schulter zu, legte ein Bein über seine Oberschenkel und rutschte soweit an ihn heran, das ihr Brustkorb seine Schulter berührte. Ohne, dass einer von ihnen etwas sagte, lehnte er sich seufzend an sie. Nachdem er den halben Teller geleert hatte, ließ er den Löffel liegen: „Ich kann nicht mehr.“

„Macht nichts. Das war mehr als ich erwartet hatte. Wie geht es dir?“

Er sah sie an: „Es tut weh.“

Das relativ unpersönliche Mitgefühl das Asha für ihn empfunden hatte – für jeden in seiner Situation empfunden hätte - seit sie die Verletzung gesehen hatte, wurde von einer sehr unerwarteten, sehr persönlichen Welle der Zärtlichkeit überspült. Sie richtete sich ein Stück auf, schlang ihre Arme um seinen Hals und küsste ihn auf die Wange: „Ich weiß, mein Schatz.“

Alec drehte seinen Kopf leicht und vergrub sein Gesicht an ihrem Hals.

Asha streichelte über seine Haare: „Ich versuche ein Schmerzmittel aufzutreiben, das mit dem Antibiotika zusammen gegeben werden kann, ja?“, ihre Hand wanderte zu seinem Hals, der Puls ging durch die Anstrengung bedingt schnell, aber gleichmäßig, „Leg dich wieder hin.“

„Bleibst du hier?“, sein Atem strich warm über die empfindliche Haut an ihrem Hals und sie hätte es vielleicht sogar schön gefunden, das zu spüren.

Aber sie fühlte auch seine heiße Stirn, deshalb drückte sie ihn ein Stück von sich: „Ich gehe nirgendwo hin. Wenn irgendwas ist, ruf mich einfach. Ich bin da“, damit stand sie auf, „Versuch zu schlafen.“

Er nickte, legte sich vorsichtig zurück auf den Bauch und war nur zwei Sekunden später eingeschlafen.

Fortsetzung folgt...
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