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Der raue Geist des Krieges

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Drama / P16 / Gen
Tsunade
07.08.2007
07.08.2007
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8.344
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Moinsen Folks!
Hier mal wieder was von mir: Im Vordergrund steht die Freundschaft zwischen Izumo und Kotetsu, und auch Iwashi ist kein unwichtiger Charakter. Dazu habe ich noch Shikaku Nara gepackt, um mal eine ungewöhnliche und vor allem seltene (vielleicht sogar einzigartige?) Shinobi-Mischung zu haben.^^

Disclaimer: Nicht meins!
Die Idee zu dieser Geschichte stammt von meiner Cousine. Ich war über zwei Wochen krank und kam am Ende fast um vor Langeweile, und vor ein paar Tagen hat sie mir um die Langeweile zu vertreiben einen „Challenge“ gemacht.^^ Sie hat mir einen Schluss erzählt den sie in einem Anime gesehen hatte, und mich gebeten, mir eine passende Geschichte zu Naruto dazu auszudenken. Der Film ist Shonen-ai, aber ich habe entschieden Freundschaften in den Vordergrund zu stellen, also ohne Shonen-ai. Des weiteren hat mich ein japanischer Historienfilm hierzu inspiriert, ganz grob so in etwa/ungefähr wäre es also möglich, dass diese Geschichte irgendwann einmal im alten Japan passiert ist, nur halt eben jetzt auf Naruto abgemünzt.
Ich wollte mal eine etwas längere zusammenhängende Geschichte schreiben ohne Kapitelunterteilung, ist quasi ein Test, ob der Leser eigentlich geneigt ist, auch mal längere Texte zu lesen und zu reviewen.
Achso, und da ich ja krank war, als ich das geschrieben habe, bitte ich bei eventuellen Logikfehlern oder Kitsch oder was auch immer mal großzügig zu sein. :)



Für meine geliebte Cousine LilLu, auch wenn du hier auf dieser Internetseite nicht bist! An deiner Seite Karriere als Aushilfsputzen zu machen war wahrhaft erleuchtend!^^




-Der raue Geist des Krieges- oder: Ein Grund aus Asche-

Am Nachthimmel schreit er, der große Vogel,
sein Ruf ist Einsamkeit und Bitterkeit, und fährt durch Mark und Bein.
Blicke ich nun auf dich und dein schwindendes Gesicht in der Dunkelheit,
So fühl ich gleich.
Schmerzlich ist der Grund aus Asche.
Fühl ich gleich mit ihm, sodass kein andrer Weg mir möglich scheint.
Kein anderer

In gleichmäßigen Strömen rieselte der Regen auf sie hinab und bahnte sich in Rinnsalen seinen Weg vom Dach des Hauses und auf den Boden. Die Erde war aufgeweicht und matschig, genauso wie ihre Kleidung voller Schlamm und Flecken war.
Izumo schloss für einen Moment seine Augen und versuchte den Schmerz in seinem rechten Oberschenkel zu verdrängen. Als es nicht funktionierte, öffnete er sie wieder und schaute neben sich. Die unregelmäßigen Atemzüge des anderen wirkten beruhigend, auch wenn seine Augen zugepresst waren und der Körper erschöpft gegen Izumos Schulter gerutscht war. So saßen sie beide im Regen, zusammengesunken an der Hauswand und platschnass, und ein verächtliches Schnauben entrang sich Izumos Kehle.
Langsam tastete seine Hand in seiner verschmutzten Westentasche und zückte schließlich eine Schachtel Zigaretten. „Schläfst du schon, Kotetsu?“ Ein Grunzen war die Antwort und Izumo schmunzelte. Lange blickte er seinen Freund in das müde Gesicht. Dann steckte er eine Zigarette zwischen Kotetsus Lippen und zündete sie an. Izumos Züge wurden weich, als er seine eigene Zigarette ansteckte und daran zog. „Ist besser so. Glaub mir.“

~*~*~

Iwashi kämpfte sich mit einem Kopf der Tonnen zu wiegen schien aus seiner Wohnung und schlenderte auf die Straße. Seine Füße schienen ein Eigenleben entwickelt zu haben und hinderten ihn heimtückisch beim gehen. Er musste im richtigen Augenblick frisch aussehen… Kurz bevor er um die Ecke bog, setzte er ein Sunnyboygrinsen auf und ging betont sicheren Schritts auf die Bäckerei zu. Wie jeden Morgen erwartete ihn der Anblick, der ihn bewogen hatte zum täglichen Stammkunden zu werden: Die dunklen, geheimnisvollen Augen, umrahmt von einer braunen Mähne vollen, seidigen Haares, die einen Shinobi noch bis in seine Träume verfolgen konnten, und die ihn nun mit einem verspielten Lächeln anblickten. Es war Maya Hagane, Kotetsus Schwester, die jeden flirtenden Augenblick in der Bäckerei zu einem Erlebnis machte. Er lehnte sich über den Tresen und verlangte dass, was er jeden Morgen verlangte: Zwei krosse Brötchen.
Einen Augenblick lang überlegte er, was Kotetsu wohl sagen würde, aber dann fiel ihm ein, dass es ihm und Izumo nach der gestrigen Nacht wohl noch nicht gut genug gehen dürfte, um überhaupt an etwas zu denken. Sie hatten sich in einer Bar so dermaßen die Birne zugeknallt wegen ein paar Weibergeschichten, dass den beiden, die bedauerlicherweise früh wieder Dienst hatten, wohl ein paar harte Stunden bevorstanden. Und erst…
Iwashi kicherte, sein Dienst fing erst in einer Stunde an und er wollte vorher noch eine Bekannte in der Vogelstation Konohas besuchen. Aber jetzt galt es erst mal, Maya, die ganz offen zurückflirtete, davon zu überzeugen, dass sein fein und sorgfältig geschnittener Bart nicht aufgeklebt war! Dann wurde ihm von einem Moment auf den nächsten plötzlich speiübel, er verabschiedete sich überhastet und rannte was das Zeug hielt um die nächste Ecke…

„Izumo! Kotetsu! Seid ihr von allen guten Geistern verlassen?!“, wutschnaubend schlug die Hokage mit der flachen Hand auf ihren Schreibtisch und das arme Möbelstück zitterte bedenklich. Sofort standen die beiden Chuunin stramm, oder versuchten es zumindest.
„Was zum Donnerwetter nochmal fällt euch eigentlich ein! Ihr habt euch gestern so betrunken, dass ihr IMMER NOCH NICHT NÜCHTERN SEID! Und was für einen Unfug habt ihr mit meinen Akten angestellt! Fast alle sind falsch eingeordnet und völlig durcheinander! Und von dem Chaos im Archiv will ich gar nicht erst sprechen! Und Iwashi und Iruka habt ihr auch in eure Scherereien mit einbezogen! Selbst Iruka! Von dem hab ich immer so viel gehalten… Angetrunken vor der Schulklasse! Und auf was für Scherze ihr sonst noch alles gekommen seid…Geraucht habt ihr beiden auch, habt wohl gedacht, ihr könnt euch über die Hokage lustig machen!?“
Die beiden Chuunin beeilten sich tunlichst, dies mehr als deutlich zu verneinen und hoben abwehrend und ängstlich beide Hände, doch die Hokage wollte davon nichts wissen.
„Wollt ihr etwa sagen ich sei im Unrecht? Hier riecht es überall nach Zigarette, obwohl ich ausdrücklich gesagt habe, dass ich in meinen Büroräumen, also in DIESEM GESAMTEN GEBÄUDE keinen Zigarettenqualm haben möchte! Sind denn Chunins zu überhaupt nichts mehr zu gebrauchen?!“  
Bevor die Hokage ihre Schimpftirade beenden konnte und feierlich zu einer königlichen Bestrafung übergehen konnte, ging die Tür zum Büro auf und Iwashi Tatami kam ohne anzuklopfen in das Büro der Hokage gestürmt. „Tsunade-Sama“, rief er atemlos. „Eben… eben erreichte uns ein schneller Vogel der südwestlichen Grenzpatrouillen! Sie schicken umgehend nach Verstärkung, sie werden angegriffen… Vom Meer aus.“
Die schlanken Augenbrauen des schönen Oberhauptes von Konoha senkten sich gefährlich. „Vom Meer aus? Wer wagt es unsere befestigten Grenzen anzugreifen?“
Iwashi schüttelte jedoch nur den Kopf. „Die Botschaft scheint hastig aber dringend formuliert worden zu sein, es stehen keine weiteren Informationen. Aber der Hilferuf stammt ohne Zweifel von Kanseng Hyuga.“
Tsunade nickte und verarbeitete die Informationen. „Hyuga, Kanseng… Also gut. Da ich nicht weiß wie hoch ich die Gefahr einzuschätzen habe, gemahne ich zur äußersten Vorsicht. Derzeit habe ich nicht viele Jonins zur Verfügung… Izumo! Kotetsu! Iwashi! Ihr drei und Shikaku Nara werdet euch umgehend auf den Weg machen und die Sache klären. Ich möchte, dass ihr so schnell wie möglich bescheid gebt, sobald die Lage klar ist. Brecht umgehend auf! Und vermasselt es nicht!“
Kotetsu und Izumo verpassten ihren Moment des Katzbuckelns nicht und verbeugten sich untertänigst und entschuldigend. „Hai!“
„Hai!“
„Verstanden!“


„Hier, Kotetsu, nimm noch ein paar frische Unterhosen mit, ich kenn dich doch. Hast du auch genug Socken dabei und was zu Essen?“ Kotetsus Kopf glühte. Mürrisch griff er nach den dargebotenen Sachen, die ihm seine Mutter ihm nach und nach auf den Tisch räumte.
Grinsend und mit verschränkten Armen lehnte Izumo in der Tür.
„Guck nicht so, deine Mutter wäre bestimmt auch so, wenn du ihr mal sagen würdest dass du wieder auf Mission gehst“, knurrte Kotetsu bissig.
Das Grinsen um Izumos Mundwinkel wurde noch breiter, auch wenn seine eine Gesichtshälfte von seinen dunklen Haaren verdeckt war. „Deswegen sage ich es ihr ja auch nicht. Außerdem muss ich es nicht, denn im Gegensatz zu dir bin ich in der Lage selbst zu packen.“ Izumo duckte sich unter den heranfliegenden Socken hinweg, hob sie auf und warf sie zurück auf den Tisch. „Nimm die lieber mit, sonst fehlt dir noch eine.“
Wütend zog Kotetsu den Reisverschluss seines perfekt gepackten Rucksacks zu und schwang ihn sich auf die Schulter. Schon kam seine Mutter angetrabbelt und drückte ihm mit den Worten „Ich hoffe du hast alles“ einen dicken Schmatzer auf die Backe. „Mama, lass das.“ Kotetsu versuchte sie von seinem Gesicht zu scheuchen und Izumo kicherte. Es war jedes Mal dasselbe. Deswegen bestand er auch darauf, Kotetsu zu Hause abzuholen, denn dessen Mutter wohnte gleich nebenan. Sie strich Kotetsus wildes Haar aus dem Gesicht. „Musst du dein Haar so lang tragen? Und dieser merkwürdige Verband um deine Nase…“
„Lass gut sein, Mama, das sagst du jedes Mal. Das ist die Mode von heute, davon verstehst du nichts.“
„Sag du mir nicht, ich würde nichts von Mode verstehen, Kotetsu!“, empörte sie sich und wedelte mit einem spitzen Finger vor seinem Gesicht. Heimlich witzelte Kotetsu Izumo gegenüber immer gerne, dass sie mit diesem Finger jeden schwertschwingenden Shinobi besiegen konnte.
Mit einem gequälten Seufzen ließ ihr Sohn die Schultern hängen und schlürfte dem belustigten Izumo hinterher. „Machs gut, Mama.“
„Auf Wiedersehen, Kotetsu. Und vergiss nicht, jeden Tag…“
„Ja, Mama, ich weiß!“ Mit knallrotem Gesicht ließ er die Tür zuknallen und stürmte mit schnellen Schritten davon. Izumo musste laufen, um ihn noch einzuholen.


Also brach das Team, bestehend aus dem berüchtigten Jonin und Anführer ihrer Truppe Shikaku Nara, den drei Chuunins Izumo, Kotetsu und Iwashi, sowie drei ANBUs auf zur südwestlichen Grenze, genauer gesagt zu dem Grenzposten, an dem der Chuunin Kanseng Hyuga und eine ganze Einheit stationiert war um die südliche Küste Konohas zu schützen.
Keiner von ihnen wusste, was sie erwarten würde. Umso größer war die innere Unruhe auf ihrer Reise. Sie machten so wenig Rast wie möglich, aber Iwashi machte keinen Hehl daraus, dass er vorhatte mit so wenig Verzögerung wie möglich am Meer anzugelangen. Nur Shikakus ruhige, unumstößliche Art brachte ihn dazu, sich zu beherrschen und nicht gleich zu seinem besten Freund Kanseng weiter zu hasten. Seine Gedanken waren erfüllt von den weißen Augen des Hyuga und der hastig formulierten Botschaft, die so viel mehr Fragen als Antworten aufwarf, was so gar nicht die Art des Hyuga war, und deswegen in Iwashi umso größere Beunruhigung aufrief. Er hatte den anderen Chuunin seit Monaten nicht mehr zu Gesicht bekommen. Aber Iwashi sollte Trauzeuge bei der baldigen Hochzeit des Hyugas und seiner Verlobten sein. Iwashi ballte seine Hände zu Fäusten. Im dritten großen Ninjakrieg hast du mir das Leben gerettet. Das war die schlimmste Zeit, die ich jemals erlebt habe und ich habe dir geschworen, dass ich dich im Gegenzug beschütze wann immer ich kann. Sieht so aus, als könne ich meine Schuld jetzt einlösen. Das wurde wohl auch Zeit.

Am ersten Abend entzündeten sie im Wald ein kleines Lagerfeuer und machten Rast. Iwashi röstete ein Kaninchen über den Flammen. In seinen Taschen hatte er jede Menge Gewürze dabei und bereitete gerne für sie alle eine gute und nahrhafte Mahlzeit.
Izumo und Kotetsu entrollten gerade ihre Schlafdecken und die drei ANBUs setzten sich ans Feuer und unterhielten sich leise, ihre Masken hatten sie schon gleich als sie Konohas Stadtmauern verlassen hatten abgestreift, bei dieser Mission wurde keine Anonymität gebraucht. Einer von ihnen, er hatte cremefarbenes, dickes Haar und die klarsten Augen, die die Chunins jemals gesehen hatten, schaute plötzlich auf und grinste ihnen zu. „Ist es wahr, dass ihr die Hokage heute ordentlich verärgert habt?“, fragte er gerade heraus.
Kotetsus Gesicht verdunkelte sich. „Unangenehme Sachen scheinen sich schnell zu verbreiten.“
Der ANBU lachte kurz. „Dann ist es also wahr. Nachdem was ich gehört habe, könnt ihr froh sein dass eine Mission euch aus der Reichweite ihres Zornes gebracht hat.“
Kotetsu seufzte und ließ sich auf seiner Decke nieder, die Ellebogen lässig auf die Knie gestützt. „Wir sind schon viel zu sehr ihre Packesel und sie nutzt uns schamlos aus… Was Schlimmeres könnte sonst noch kommen?“
In Konoha musste eine gewisse blonde Sanin gerade niesen.
Der ANBU lachte erneut. „Tja, da hast du wohl Recht, ihr zwei seid wirklich nicht zu beneiden, dass sie euch zu ihren persönlichen Leibeigenen erklärt hat.“ Er lachte erneut und Kotetsu befand, dass ihm der ANBU irgendwie sehr sympathisch war. „Ich bin im Übrigen Aiko. Die anderen beiden hier sind Fudo und Kangoro. Schweigsame Gefährten, erhofft euch also kein Gespräch mit ihnen, wenn es nicht um die Mission geht“, plapperte Aiko und erntete dafür ein leises Knurren Kangoros.
Shikaku, der bis jetzt schweigend mit einem Kunai an einem toten Ast geschnitzt hatte, seufzte und legte die Sachen zur Seite. Seine Gedanken galten immer noch der Hokage und seiner Frau Yoshino. Hin und wieder konnten beide doch ganz nett sein. Verstand das denn von den jungen Spunden keiner?


Beim Morgengrauen des fünften Tages schließlich tauchte am Horizont das blau schillernde Band des Meeres auf. Die Konoha-Ninjas machten Halt auf einem Felsvorsprung, nachdem sie die Berge fast hinter sich gelassen hatten, und von dieser Anhöhe Überblick auf die bewaldeten Ebenen bis hin zum Meer hatten. Izumo und Kotetsu standen fassungslos da und starrten auf die in der Ferne gelegene Station Konohas. Dicke, schwarze Rauchsäulen bahnten sich in den azurblauen Morgenhimmel. Immer wieder blitzten Explosionen in den Wäldern, am Meer und in der Garnison auf. Vereinzeltes Funkeln ließ auf den Gebrauch von Eisenwaffen vermuten. Ein harter Kampf war eindeutig im Gange, und dass schon seit mehreren Tagen.
Sofort winkte Shikaku seine Einheit den Abhang hinab und eilends machten sich die sieben Ninjas auf den Weg durch den dichten, fast undurchdringlichen Wald Konohas.


Aus der Nähe sahen sie erst die Ausmaße des feindlichen Angriffs. Der Stützpunkt, ein massives Fort umgeben von einem hohen Palisadenzaun mit Wehrgang und Türmen, Herberge von derzeit ungefähr zwanzig Shinobis und zehn Angestellten Konohas, war umzingelt von einer gegnerischen Streitmacht, die von Schiffen vom Meer aus angelangt waren. Es handelte sich dabei um Söldner und ein paar Ninjas, die von einem General befehligt wurden, und sie mussten aufpassen, nicht von den feindlichen Spähern im Wald entdeckt zu werden. Shikaku schätzte die Anzahl der Feinde auf siebzig Mann. Und sie hatten noch etwas mitgebracht. Der Luftraum wurde beherrscht von einem riesigen Vogel mit schillerndem, roten Gefieder, einem hässlichen, kahlen Kopf und schrecklichen, messerscharfen Klauen.
Atemlos und entsetzt pressten sich die sieben Ninjas in den Schutz der Bäume. „Was ist das?“, fragte Iwashi, der von dem wilden Schrei, den das Untier vor wenigen Momenten ausgestoßen hatte noch ganz taub war.
Shikakus Augen wurden schmal. „Keine Ahnung. Hm, wir hätten ein paar Lebensmittel mehr mitbringen sollen, keine Ahnung wie lange der Stützpunkt schon belagert wird. Sieht außerdem so aus, als wären schon öfter Versuche erfolgreich abgewehrt worden, dass der Feind die Mauern einnimmt. Wir haben keine Ahnung, wie es hinter den Mauern ausschaut, aber ich glaube auch nicht, dass wir Zeit haben, auf weitere Verstärkung zu warten. Wir sind die Verstärkung, mehr Verstärkung wird es nicht rechtzeitig geben.“
Die anderen nickten verstehend.
„Wir werden einen Weg finden müssen, in die Station zu gelangen.“ Er warf einen Blick in den Himmel, wo mit suchenden Augen das Untier patrouillierte. „Jedenfalls ist mir jetzt klar, warum keine weiteren Nachrichten nach Konoha gelangten…, und wahrscheinlich auch aus Konoha nicht zurück hierher gelangen konnten. Das Ding da bewacht den Luftraum… Ich möchte keinen Mann von euch verlieren um nach Konoha zu schicken.“ Der Jonin rief einen vertrauten Geist herbei, es war ein prachtvoller Hirsch, und kritzelte schnell eine Botschaft, die er am Bein des Tieres befestigte. „Lauf nach Konoha, finde einen Weg über die Berge und überbring die Botschaft! Lass dich auf keinen Fall aufhalten und gib auf dich Acht!“
Der stolze Hirsch blickte ihn aus intelligenten Augen an, dann lief er los und verschwand in Dickicht des Waldes.
Shikaku wandte sich zu den anderen um und kratzte sich am Hinterkopf, als müsse er überlegen, was als nächstes zu tun sei.
„Ich denke wir sollten versuchen in die Festung zu gelangen“, bemerkte Aiko. „Wir können unmöglich anders an Informationen über die Lage unserer Freunde ran kommen.“
Shikaku konnte Besorgnis in den klaren Augen des ANBU lesen. Er nickte, und seine dunklen Augen fixierten die dunkelbraune, massive Holzschicht der hohen Palisade in einiger Entfernung, die den Stützpunkt umgab. „Ja. Wir trennen uns in zwei Gruppen. Eine Gruppe geht rein, die andere bleibt draußen und wartet auf weitere Befehle. So können wir flexibler agieren. Wir halten Kontakt über die Headsets. Izumo, Kotetsu! Ihr beiden kommt mit mir rein.“
„Shikaku-Taichou!“, begehrte Iwashi auf. „Ich möchte unbedingt auch mit rein. Ich kenne Hyuga Kanseng sehr gut… er… vertraut mir.“
Shikakus Augen wurden trüb und er seufzte. „Na gut. Wenn mein bester Freund da drin wäre, würde ich auch mit eigenen Augen sehen wollen, wie es ihm geht. Also los, sehen wir uns die Sache mal aus der Nähe an.“

Heimlich in die Festung einzudringen war schier unmöglich, da jeder Zentimeter von außen und innen akribisch überbewacht wurde. Also blieb ihnen nichts übrig, als sich den Weg bis zum Fort in einem Überraschungsangriff frei zu kämpfen und von den hier stationierten Konoha-Ninjas als Freunde identifizieren zu lassen.
Als sie erst einmal hinter den Mauern waren und die wenigen verbliebenen Konohaninjas sie nach anfänglichem Misstrauen schließlich als wirkliche Freunde erkannten und ihre Waffen wegsteckten, fragte Iwashi sofort nach dem Verbleib seines Freundes. „Wo ist Kanseng Hyuga?“ Er konnte ihn unter den Anwesenden nicht entdecken und das machte ihn nervös.
Ein junger, ernster Ninja, der sich ihnen als Akio Kai vorgestellt hatte, ergriff das Wort. „Ich habe das Kommando über den Stützpunkt übernommen. Wie sind hier nur noch 12 Ninjas und haben noch fünf Zivilisten hier. Die Versorgung ist knapp, es fehlt an Nahrungsmitteln und vor allem an Trinkwasser, seit das Grundwasser vor zwei Tagen vergiftet worden ist“, erklärte er Shikaku die Lage.
„Was ist eigentlich genau passiert?“, verlangte der Jonin zu wissen. „Wir erhielten eine dürftige Nachricht von Hyuga, Kanseng. Wo ist er?“
Die Schultern Akios sanken nach vorne. „Am besten kommt ihr alle mit rein. Drinnen kann ich euch alles erzählen. Und ihr anderen bewacht weiterhin eure Plätze! Gebt sofort bescheid, wenn sich irgendetwas im feindlichen Lager tut!“
Also gingen die Ninjas alle in eines der Gebäude, die noch halbwegs standen und nicht von den zahlreichen Angriffen beschädigt worden waren.
Izumo und Kotetsu warfen sich Blicke zu. Das Lager sah fürchterlich aus und die Insassen sahen nicht viel besser aus. Müde, abgezehrt, hungrig und schmutzig waren sie, teilweise sogar verletzt. Im Gebäude gab es einen Raum, in dem sich um Verletzte gekümmert wurde und in einem weiteren Raum erhaschten sie einen Blick auf die gesammelten, verbliebenen Lebensmittel. Alles in allem eine Station im totalen Belagerungszustand.
„Es begann vor sieben Nächten“, begann Akio, nachdem sich alle in einem Raum um einen großen Tisch gesetzt hatten. „Zwei Schiffe mit fremden Ninjas haben im Schutz der Dunkelheit am Strand angelegt und bei sich hatten sie diesen grässlichen Vogel. Sie waren so leise, dass wir nicht hörten wie sie sich formierten und beinahe zu spät bemerkten, dass sie überhaupt da waren. Ihr Angriff folgte kurz vor den Morgenstunden, wo die Wachen am schläfrigsten sind. Es gelang uns, ihnen erfolgreich Widerstand zu leisten und jeden Angriff abzuwehren. Unsere Nachrichtenvögel wurden allesamt von diesem widerwärtigen Greifvogel erwischt und getötet. Die hölzernen Mauern dieses Stützpunktes sind sicher und werden von fähigen Leuten bewacht, also richteten sich die Feinde zu einer Belagerung ein. Unsere Vorräte sind knapp, wir waren darauf nicht ausreichend vorbereitet und das Trinkwasser ist fast aus, seit sie das Grundwasser und damit unseren Brunnen vergiftet haben. Den Vogel können wir mit Pfeilen und unserer provisorischen Harpune sowie unseren Feuerjutsus auf Abstand halten. Aber langsam sterben uns durch die Angriffe immer mehr Männer weg. Sie haben schon ein paar Mal versucht die Palisaden zu stürmen. Sie haben Gefangene gemacht, sie vor unseren Augen auf dem Feld enthauptet und ihre Köpfe mit giftigen Erregern und Viren bestrichen und zu uns über den Zaun geworfen, sodass noch mehr starben.“ Akio machte eine Pause und blickte die anderen Ninjas über seine verschränkten Finger hinweg an. „Die Männer hier verlieren ihre Moral, aber sie sind so verzweifelt, dass sie nicht aufgeben werden. Aber die ständigen Angriffe und die Art der Angriffe, die kurzen trügerischen Pausen, die wenige Ruhe… Sie zermürben uns alle hier… Ich habe noch niemals erlebt, wie ein feindliches Heer innerhalb kürzester Zeit so viel Angst und Schrecken verbreiten kann.“
„Wer ist der Feind und was ist der Grund für ihren Angriff?“, fragte Shikaku mit ruhiger Stimme.
Akio schüttelte den Kopf. „Wer sie genau sind… Sie werden von einem General befehligt, der von jenseits des Meeres kommt, er heißt Jaguro Danjo. Und… Ich glaube, sie sind vielleicht die Vorhut einer Invasionsarmee, deswegen sind sie noch nicht weiter gezogen. Und ich glaube... es sind Jäger.“
Kotetsu schluckte. Jäger? Meint Akio, dass es Krieger sind, die sich auf die Jagd nach Ninjas machen? Um ihre Kräfte auszutesten, Spaß an der Herausforderung zu haben? Talentierte Ninjas umzubringen bedeutet für sie Spaß und Vergnügen, selbst wenn sie dabei selbst drauf gehen. Also greifen sie diesen Stützpunkt gezielt an des Mordens wegen! Kotetsu war entsetzt. Als er aufsah, bemerkte er, wie die anderen ihn alle anstarrten. Er hatte seinen letzten Gedanken unbemerkt laut ausgesprochen…
Akio nickte. „Ja, das ist ein Grund.“
„Was ist der andere?“, fragte Izumo.
„Der andere Grund…“, begann Akio und blickte nervös zu Iwashi, „der andere Grund ist, dass sie… Sie waren auch hinter Hyuga, Kanseng her… der Augen wegen.“
Iwashi spürte, wie sich sein Innerstes schmerzhaft zusammenzog. Der Sauerstoff schien auf einmal viel knapper in diesem Raum. Sein bester Freund… „Heißt das… Heißt das sie haben ihn…“
„Vor zwei Tagen haben sie ihn erwischt und gefangen genommen. Sie hatten das Byakugan erkannt, als er in der ersten Nacht ihre Angriffe auf dem Feld zurückschlug und am nächsten Tag bereits kam die Forderung nach seiner Auslieferung. Natürlich haben wir verneint! Hyuga war der Kommandant dieses Stützpunktes…“
Iwashi senkte sein Haupt und ballte die Fäuste. War… Der Augen wegen… Sie haben ihn gejagt und ihm seine Augen gestohlen und ihn getötet… Und dass nur der verdammten Augen wegen! Schmerzlich und widerwillig verschob er seine düsteren Gedanken und seinen Gram auf einen späteren Zeitpunkt. Er durfte sich jetzt nicht damit beschäftigen. Nicht jetzt. Später. Später würde es Zeit dafür geben.
„Und inzwischen sind wir nur noch 12 Ninjas und fünf Zivilisten, davon sind sechs leicht verletzt und zwei schwer. Unsere letzte Hoffnung war die Verstärkung aus Konohagakure, aber… ihr seid so wenige“, beendete Akio leise seinen Statusbericht. In seinen Augen war ein Ausdruck, den Izumo bisher nur bei Männern gesehen hatte, die alle Hoffnung dahin schwinden sahen. Unbehaglich wandte Izumo den Blick ab.
„Die Nachricht die uns Kanseng Hyuga zuschickte war nur kurz und beinhaltete wenige Informationen“, erklärte Shikaku ihre geringe Anzahl an Verstärkung.
Akio senkte den Kopf. „Ja, die Nachricht. Unser letzter Vogel… Wir hatten ihren Dämonenvogel dafür extra abgelenkt und…“ Er brach ab und schwieg.
„Was… was ist das für ein Vieh?“, fragte Kotetsu nach.
„Ein Würger“, antwortete Akio.
„Ein…?“ -
„Ein Würger. Eine Sorte riesenhafter Greifvögel, die nur an den Steinküsten der südlichen Inseln vorkommen“, erklärte Izumo. „Mann kann sie abrichten, hab ich mal gelesen.“
Akio nickte unglücklich.
Shikaku lehnte sich mit geschlossenen Augen in seinem Stuhl zurück und überdachte die Situation. Iwashi war gedanklich zerrissen und Izumo und Kotetsu schauten sich unbehaglich an. Wo waren sie hier gelandet?
„Da wäre noch eins“, begann Akio plötzlich und ihm war das Unwohlsein anzusehen. „Sie… Sie haben ungefähr zwanzig Ninjas bei sich die… jedoch noch nicht angegriffen haben.“
Izumo spürte plötzlich mehr als nur Unbehagen in sich aufkeimen. „Sie haben sich bisher zurückgehalten?“
Akio nickte. „Sonst wären die Mauern möglicherweise schon längst zerstört und wir alle…“
„Worauf warten sie dann?“, fragte Kotetsu, doch Izumo legte ihm eine Hand fest auf den Arm und beantwortete die Frage. „Auf uns. Auf die Nachhut, die Verstärkung.“
Shikaku nickte andächtig. Er hatte es bereits einmal gesagt und es war allen klar: Weitere Verstärkung durften sie nicht rechtzeitig erwarten. „Draußen im Wald haben wir noch drei ANBUs mit denen wir im Funkkontakt stehen.“
„Der Feind hat überall Späher im Wald“, gab Akio zu bedenken, doch Shikaku legte ihm beruhigend eine Hand auf den Arm. „Das wissen wir, Akio. Es sind ANBUs.“
„Wie werden wir weiter vorgehen?“, fragte Izumo nervös.
Shikaku blickte sie alle der Reihe nach an und nickte mehrmals. „Ja, ich hab da eine Idee. Wir sind 19 Ninjas und 5 Zivilisten, minus der zwei Schwerverletzten, die gegnerische Streitmacht besteht aus etwa 70 Mann. Es wird nicht einfach, wir sind eindeutig im Nachteil, aber es gibt nur wenige Möglichkeiten, es mit einer Armee in Unterzahl aufzunehmen. Die Kunst des Krieges lehrt diese Pfade…“
Bevor er noch mehr sagen konnte, wurde die Bastion von einer heftigen Explosion erschüttert und die Wände bebten und Staub rieselte von der Decke. Akio sprang auf, die Tür zu ihrem Raum wurde aufgerissen und ein Wächter mit gehetztem Gesichtsausdruck kam herein gestürmt. „Sie greifen wieder an! Und dieses Mal sind Ninjas dabei!“



Es vergingen weitere sechs Tage ohne eine Nachricht von Konoha. Die zweiwöchige Belagerung zollte ihren Tribut.
Durch geschicktes Taktieren war es Shikaku gelungen, das feindliche Heer gehörig zu dezimieren. Er wandte jeden gerissenen und schmutzigen Trick an den er kannte, führte seine Scharmützel selbst oder durch andere Ninjas und die ANBUs aus. Die Wasserversorgung ließ er durch Kotetsus und Izumos Wasserjutsus aufbessern, aber Nahrungsmittel waren weiterhin knapp.
Der sechste Tag sollte alles ändern.
Fudo und Kangoro waren tot, nur noch Aiko war übrig, aber verletzt. Im Fort selbst hatten sieben Ninjas der ursprünglichen Besatzung den Tod gefunden und Iwashi hatte sich die Vergiftung einer Schlange eingeheimst, als ein feindlicher Ninja zwanzig dieser neongrünen Biester beschwor und über den Zaun schickte.
Es war Nacht und Izumo presste sich neben Shikaku auf einem der Wehrgänge in Deckung, mit dem Rücken gegen das versengte Holz, das Licht der vom Wind unruhigen Fackeln im Innenhof erhellte sein Gesicht. Der Jonin erkannte die Angst, die auf dem schmutzigen und verkratzten Gesicht mit den großen schwarzen Ringen unter den Augen des Chunin zu sehen war. Gerade eben hatte Jaguro einen weiteren Gefangenen grausam foltern und enthaupten lassen, für jeden sicht- und hörbar.
Izumo verzog das Gesicht und ließ seinen Hinterkopf immer wieder gegen den Palisadenzaun fallen.
Shikaku sah ihm an, wie müde der Chunin war. Und nicht nur Izumo. Alle waren erschöpft und ausgelaugt, die Chakrareserven neigten sich dem Ende.
„Ich hab echt keine Lust, in Gefangenschaft zu geraten“, murmelte Izumo plötzlich und kämpfte in Gedanken an die schrecklichen Bilder, die er in den vergangenen Tagen gesehen hatte. Und selbst wenn er weggeschaut hatte, die Ohren konnte er nicht einfach verschließen. Es verfolgte ihn im Schlaf und wenn er wach war.
Shikaku schmunzelte. „Dann solltest du das vermeiden.“
Izumos dunkle Augen richteten sich gegen den sternenklaren Nachthimmel. „Das ginge wohl nur durch Flucht, was aber bisher nicht funktioniert hat, es sei denn, wir würden alle Verletzten einfach hier zurücklassen wollen. Oder aber, wir machen den verdammten restlichen Haufen von Jaguros Männern platt.“ Obwohl Shikaku über Izumos Worte schmunzelte, versetzte ihm die unterschwellige Mutlosigkeit die in ihnen mitgeschwungen hatte einen schmerzhaften Stich. Wo waren sie hier nur gelandet? Im eigenen Land, im Feuerland, in einem so gut bewachten Stützpunkt, der sich in eine Hölle verwandelt hatte, weit entfernt von Konoha. Keine Grenzpatrouille kam hier seit Tagen vorbei und bis die letzte Patrouille vermisst werden würde und Verstärkung kam die es mit einer Armee aufnehmen konnte, konnten Tage vergehen, aber sie hatten vielleicht nicht einmal mehr Stunden. Und wenn der Feind sie überrennen sollte, erwartete sie alle ein schreckliches Schicksal. Das war allen klar.
„Izumo?“
„Hm?“
Shikaku kramte in seiner verschlissenen Jonin-Weste und seine suchenden Finger ertasteten schließlich das gewünschte Objekt. Es war eine kleine flache Schachtel. Daraus holte er zwei dunkelgrüne Stangen und reichte sie dem anderen.
„Eine Zigarette? Das täte mir jetzt sicherlich gut, ich hab schon Kotetsus ganze Vorräte aufgebraucht seit wir hier sind.“
Aber Shikaku schüttelte den Kopf. „Diese hier sind aus Sumpfalgengras.“
Izumos Augen weiteten sich verstehend. Sehr langsam näherten sich seine Finger den dargebotenen kleinen Stangen, er griff sie schließlich und steckte sie in seine Tasche. „Für den Fall der Fälle“, sagte er und lächelte dünn.
Shikaku nickte grimmig. Er starrte in den Himmel und dachte daran, wie gerne er jetzt seine herrische, aber liebevolle Frau bei sich gehabt hätte. Was sie wohl sagen würde wenn sie herausfand, dass er das Tor zum Hirschgatter immer noch nicht geölt hatte?

Kotetsu wischte Iwashi wieder mit einem kühlen Schwamm über die verschwitzte Stirn. Iwashi grinste verbissen. Kotetsu bemutterte ihn. Es steckte also doch mehr von Kotetsus Mutter in ihrem Sohn als dem Chunin bewusst zu sein schien.
„Wenn Shikaku nur an die richtigen Kräuter käme…", murmelte Kotetsu. "Aber ich bin sicher, wir kommen hier bald raus und dann finden wir für dich die hübscheste Heilpflanze und dann bist du in Nullkommanichts wieder gesund und kannst wieder den Röcken hübscher Mädels hinterher jagen.“
Iwashi hustete und kicherte kläglich. „Ich bin so ein Dummkopf. Mich von einer miesen Schlange beißen zu lassen…“
„Hab schon größere Dummheiten von dir gesehen. Aber ist schon in Ordnung, das waren schließlich uuunglaublich viele Schlangen und du hast viele gerettet in dem du sofort da warst und alle bis auf eine platt gemacht hast. Du Held.“
„Das verdammte Biest. Tja… Nun bezahle ich für meine Heldentat.“
„Wer weiß, vielleicht wachsen dir ja von dem Gift grüne Schuppen oder so.“
„Red keinen Unsinn! Ohne eine richtige Medizin… Mein Vater war ziemlich stolz auf mich weil ich es zu einem der ordentlichen Chunin Konohas mit gutem Ruf gemacht habe und nun müsst ihr ihm sagen, dass eine lächerliche, kleine Schlange mich umgebracht hat. Schade, ich wollte eigentlich noch… deine süße aber temperamentvolle Schwester endlich rumkriegen.“
„The, die kriegst du ohnehin nicht. Und red mal nicht, als wenn du schon tot wärst!“
„Ist vielleicht besser so.“
Kotetsu wurde wütend. „Hör auf so einen Unsinn zu reden! Bald kommt die Verstärkung aus Konoha! Verdammt, Iwashi! Wir haben hier schon so viele Tage ausgehalten… Verdammt, so schnell kannst du dich doch nicht gehen lassen, das ist das Fieber was aus dir spricht! Man, was würde dein altes Team dazu sagen? Und meine Schwester ist im Übrigen ganz fasziniert von deinem Bart. Sie meldet sich tatsächlich jeden Morgen freiwillig um die Brote zu verkaufen, nur um ausgerechnet mit dir zu flirten! Du kannst doch nicht einfach solche Sachen von Tod und so reden! Soll sie etwa morgens umsonst auf dich warten?“
„Kotetsu“, Iwashis Stimme war leise und ruhig. „Es ist nicht das Fieber was aus mir spricht, es ist mein Verstand. Sieh es ein, wir sind am Ende. Wir haben kaum noch Chakra und darauf haben die doch nur gewartet. Die da draußen machen sich doch seit Beginn dieser scheiß Sache einen riesen Spaß daraus. Kotetsu. Wir haben unsere Chance vertan. Unsere Mission war seit dem Moment zum Scheitern verurteilt, in dem wir nur zu siebt von Konoha aus aufgebrochen sind. Sieben Ninjas… Das ist für eine normale Rettungsaktion vielleicht viel, aber dies ist nun einmal nicht die Situation, die wir alle erwartet haben. Das hier ist keine Rettung, das hier ist Krieg. Ich habe schon einmal in einem Ninjakrieg mitgekämpft und es war für mich das größte Glück, dass mein bester Freund und ich lebend aus dieser Sache heraus gekommen sind. Nun ist er tot, und ich habe ihn seit Wochen nicht mehr gesehen und wollte ihn eigentlich erst zu seiner verdammten Hochzeit wieder sehen, wenn er diese verzogene Göre zu seiner Frau macht, die ihm vor Jahren den Kopf verdreht hat. Und als ich dann eine Nachricht von ihm bekomme und er um Hilfe bittet, ist es zu spät. Und das alles dient nur dazu, einem blutrünstigen General als Herausforderung, als Strategiespiel zu dienen und was weiß ich... Und wir wissen doch alle, dass wir hier allein nicht mehr herauskommen, es sei denn ihr lasst die Verwundeten, also mich und die anderen hier zurück. Wenn die uns gefangen nehmen, dann Gnade uns Gott. Und Konoha…“ Er presste schnell die Augen zu und drehte seinen Kopf weg von Kotetsu.
Der Chunin blickte mit kaum verhehlbarer Wut, die er selbst kaum verstand, auf den anderen Chunin herab. Dann legte er wortlos den nassen Schwamm mit dem er ihm eben noch über die Stirn gewischt hatte weg und erhob sich. „Ich werde woanders gebraucht, Iwashi. Ruf mich, wenn etwas sein sollte.“ Er verließ den Raum und ging zu Izumo auf den Wehrgang.

Kotetsu ließ sich neben Izumo niederplumpsen und legte die Ellebogen auf die Knie. Die Nacht war klar und frisch und er genoss den kühlen Lufthauch, der seine Haut streifte, im Gegensatz zu dem stickigen, warmen Lazarettzimmer aus dem er gerade kam. Izumo saß allein da, Shikaku machte einen Rundegang auf dem Wehrgang und sprach mit den wenigen, übermüdeten Wachen.
„Was macht Iwashi?“, fragte Izumo und beobachtete seinen Freund aus den Augenwinkeln. Kotetsus Haare waren schmutzig und wirr, aber die Augen seines Freundes waren dunkel und klar.
„Fühlt sich nutzlos weil er nicht mit uns kämpfen kann, was denkst du denn“, kam die bissige Antwort. Hätte Izumo es nicht besser gewusst, hätte er gedacht, Kotetsus Stimme hätte bei den Worten über ihren Gefährten kalt geklungen, aber er wusste, wie sehr Kotetsu Iwashis Zustand besorgte. Seine Hand legte sich auf Kotetsus Unterarm und drückte sanft zu. „Wir werden rechtzeitig hier heraus kommen und jeden Augenblick dürfte Verstärkung aus Konoha kommen, die sich um Iwashi kümmern werden. Und nein, meine Worte sind nicht bloßes Wunschdenken. Wir sind nur schon so lange hier, dass wir wieder auf Verstärkung hoffen dürfen.“ Izumo legte seinen Kopf schräg und versuchte Kotetsus Blick einzufangen, aber der andere Chunin zog es vor, weiter in den Himmel zu starren. „Kotetsu“, sagte er sanft.
Der Angesprochene schaute ihn an und spürte, wie plötzlich seine Mundwinkel leichter wurden und sich hoben. „Egal ob wir in der Hölle sind oder sonst wo, es ist alles erträglich mit dir an meiner Seite.“
Izumo schmunzelte. „Du warst schon immer eher hölzern in deinen Formulierungen, mein lieber Kotetsu, aber lass dir gesagt sein, dass es mir dieses Mal nicht anders ergeht. Ich bin sehr froh, dass du hier bist.“
Kotetsu nickte grimmig. „Iwashi könnte sterben… Und dass alles nur wegen dieses verfluchten Generals, der sich ein bisschen mit Eroberungen und Zerstörung erheitern will…“
„Es dürfte ihn inzwischen nicht mehr so erheitern, da durch Shikaku-Taichous Taktiken seine Armee bereits um mehr als die Hälfte der Männer zusammengeschrumpft ist…“
„Dann nennen wir es eben Stolz, der ihn dazu treibt, immer noch hier zu sein“, unterbrach Kotetsu hitzig. „Verdammter Bastard. Wenn Iwashi seinetwegen sterben muss, dann… dann…“ Er ballte wütend die Fäuste, in dem vollen Bewusstsein, dass er im Augenblick hilflos war und nicht das Geringste tun konnte um Iwashis Zustand zu verbessern. Izumos Hand auf seinem Arm beruhigte ihn und er ließ die Fäuste locker und in seinen Schoß sinken. Dann lehnte er den Kopf zurück und richtete seine dunklen Augen, die in der Nacht fast schwarz wirkten auf seinen besten Freund, auf den Mond, und er machte nicht einmal den Versuch, seine Verzweiflung vor Izumo zu verbergen. Izumo kannte ihn seit sie kleine Kinder waren, er kannte ihn so gut, dass sie sich inzwischen auch ohne Worte verstanden. So lange er denken konnte, waren sie beide Freunde gewesen, was gerade bei Ninjas sehr selten passierte, für sie beide aber eine Selbstverständlichkeit war. Es war eine Selbstverständlichkeit, dass der andere immer da war und die Gefühle teilte und verstand. Jemand, der gemeinsam mit ihm die Standpauken der Hokage auf sich ergehen ließ, und der hinterher immer in der Lage war auf seine ruhige und besonnene Art die Wogen wieder zu glätten, bevor sie zu schlimmerem verdonnert wurden. Jemand, der in der Bar alle verzweifelten, tragischen Liebesgeschichten anhörte und die richtigen Worte sagte als Trost. Jemand, der einen anschließend nach Hause schleppte und die Haare aus dem Gesicht hielt, während Kotetsu in jämmerlichem Zustand seinen Mageninhalt entleerte. Jemand, mit dem man gemeinsam auf Missionen geht, und dem man vertraut, dass er einem jederzeit den Arsch rettet. Jemand, der wie selbstverständlich immer da ist wenn man ihn braucht.
Jemand wie Izumo.
Kotetsu grinste. Ja, Izumo war sein Mädchen für alles.
„Izumo?“
„Hm?“
„Wenn wir wieder in Konoha sind, glaubst du… glaubst du, du kannst die Hokage davon abhalten uns unseren Urlaub zu streichen und uns für Monate in den Archiven einzusperren als ihre persönlichen Aushilfsamöben?“
Izumo schmunzelte in seine Hand. „Ich werde sehen was ich tun kann. Aber das dürfte wohl unsere geringste Sorge sein.“
Kotetsu verzog das Gesicht. Izumo hatte diesen entspannten Moment voller Illusionen und zuversichtlicher Träume zerstört, in dem er ihre derzeitige Situation wieder ins Gedächtnis rief.
„Zuerst einmal werde ich zusehen, dass wir hier raus kommen - und wenn ich dich und Iwashi nach Konoha schleifen muss. Ich hoffe nur, dass deine Mutter nicht sauer ist, wenn du nicht mehr alle Unterhosen mit nach Hause bringst.“
„Ach halt doch die Klappe.“
„Keine Sorge, Kotetsu“, fuhr Izumo unbeirrt fort. „Ich verspreche dir, dass sie die Gelegenheit bekommt, dir noch öfter die Tasche zu packen. Ich hab ihr gesagt, dass ich nicht zulasse, dass dir irgendetwas passiert.“
Kotetsu schnaubte, schloss dann lächelnd die Augen und lehnte sich gegen die Mauer zurück. Wie stark der sonst so sanft scheinende Izumo doch in Wirklichkeit war. Was die meisten nicht wussten, er war immer der Stärkere von ihnen beiden gewesen. Immer ruhig und besonnen, wo Kotetsu wild und ungestüm vorgehen wollte. Die wenigsten wussten, was Izumo für ein Kämpfer sein konnte, wenn er von sanft umschaltete auf den kühl berechnenden, professionellen Shinobi.
Kotetsu lächelte immer noch und es war eindeutig Zufriedenheit darin.
Izumo sah es und lehnte sich entspannt zurück. Sollten sie kommen!



Eine halbe Stunde später brach ein großes Stück der Palisaden unter einer heftigen Explosion ein und der feindliche Angriff ergoss sich über das Fort.
Männer und Frauen wurden einfach überrollt und die Konoha-Ninjas stürzten sich mit dem Mut der Todgeweihten in den Kampf. Auch Aiko stürmte aus dem Wald hinzu und ging in dem Getümmel unter.
Shikaku versuchte erst gar nicht gegen den Lärm Befehle zu brüllen, sondern stürzte sich eiskalt in den Kampf, immer genau dort auftauchend, wo gerade Hilfe gebraucht wurde. Er besiegte seine Feinde mit der unglaublichen Kraft eines Jonins und metzelte viele nieder, als ein schriller Schrei plötzlich alle auf dem Schlachtfeld erzittern ließ.
Der Würger schwang sich mit seinen kräftigen Schwingen durch den Nachthimmel, die scharfen Augen suchten das Schlachtfeld ab und verweilten kurz auf jedem einzelnen Krieger Konohas. Er folgte seinem Befehl und stieß einen erfreuten Schrei aus, als er sein Ziel gefunden hatte und auf Shikaku Nara zusteuerte. Der Jonin erwartete das große Tier und rief ihm wilde Herausforderungen zu, selbst zu ausgemergelt von den vielen, auszehrenden Kämpfen, dass er seine ruhige Art vergaß und sich wütend dem großen Feind entgegenstellte. Der Vogel ergriff ihn, hob ihn mit sich in die Höhe und beide verschwanden miteinander ringend in der Dunkelheit.
Verbissen kämpften die Verbliebenen gegen den Feind, noch mehr angespornt durch den Verlust ihres Anführers und gaben nicht eher auf, bis auch der letzte Gegner besiegt sein würde.

Iwashi erhob sich aus seinem Krankenbett. Mühsam schleppte er sich den Weg zum Hof, wo lauter Kampflärm von einer großen Schlacht kündete. Irgendwo war ein Feuer ausgebrochen und die Luft war heiß und stickig. Der Weg schien ewig zu sein und nicht enden zu wollen… Dann erreichte er endlich den Hof und seine Finger krallten sich schmerzhaft in den Türrahmen, um nach Halt zu suchen.

Kotetsu schwang seine Waffe und enthauptete drei feindliche Soldaten mit einem Streich. In seinem Rücken kämpfte Izumo und blies mit einem Wasserjutsu mehrere Gegner von den Füßen und ließ mit einem weiteren Jutsu viele Feinde in einem sirupartigen Zeug am Boden festkleben. Ein Blick durch die Gegend sagte ihm, dass es gar nicht mal schlecht stand. Die bereits vor dem Angriff stark dezimierte Armee wurde von den verzweifelten Konoha-Ninjas mehr als nur in Schach gehalten, denn hier kämpften Menschen, die glaubten, nichts mehr zu verlieren zu haben. Also hatten ihre Gegner mit ihrer Belagerung sich selbst geschnitten und Monster erschaffen! Plötzlich schrie er auf. Ein Armbrustbolzen hatte seinen rechten Oberschenkel durchbohrt und war auf der anderen Seite wieder herausgetreten. Er verlor das Gleichgewicht und stürzte beinahe vom breiten Wehrgang. Kotetsu bemerkte dies, wehrte seine Gegner schnell ab und packte mit einer Hand nach Izumo, um zu verhindern dass sein Partner den hohen Zaun hinunter fiel. Er zog Izumo wieder hoch und richtete sich auf. „Wer schleift jetzt wen nach Hause, häh?“, fragte er spöttisch und deutete auf Izumos Oberschenkel. Im nächsten Moment weiteten sich seine Augen und er keuchte auf. Sein Gesicht verzerrte sich vor Wut, und mit einem Aufschrei fuhr er herum und schlug einen Angreifer nieder, der direkt hinter ihm gestanden hatte, sodass dieser mit einem Schrei in den Innenhof fiel.
Izumo kämpfte sich mühsam auf die Beine, inzwischen besaß er kaum noch die Kraft sich aufrecht zu halten. Er wischte sich etwas Blut aus dem Gesicht und suchte mit den Augen seinen Freund Kotetsu, der seine Waffe schwang und wie ein Berserker die Feinde niedermachte. Eine lange Wunde am Rücken hatte er sich durch seine Unaufmerksamkeit zugezogen, als er Izumo gerettet hatte. Wie immer musste Izumo auf seinen unvorsichtigen Freund Acht geben. Und passte er einmal nicht auf...
Seine suchenden Augen glitten über das verwüstete Fort und sondierten die Lage. Wie magisch wurde seine Aufmerksamkeit vom anderen Ende des Innenhofes angezogen, wo er sehen konnte, wie Jagoru Danjo, der finstere General persönlich das Fort durch das weit geöffnete Haupttor betrat. Er war ein Riese von einem Mann und mit seiner dunklen Rüstung und den Hörnern auf dem Helm wirkte er wie ein Dämon. Mit seiner Waffe, einem langen Zweihänder mit gezackter Klinge, holte er aus, als sich ihm der junge Kommandant des Stützpunktes, Akio Kai, mutig entgegenstellte. Die schreckliche Klinge fuhr unglaublich schnell und schwer herab und schlug dem armen, erschöpften Akio den Waffenarm ab. Mit einem Aufschrei sank er in die Knie, und Jaguro trieb dem viel jüngeren ohne zu Zögern das Schwert in den Magen, stützte seinen Fuß auf dessen Brust und zog es wieder heraus.
Verzweifelt und entsetzt schrie Izumo auf.
Jetzt waren nur noch ein dutzend Gegner übrig, dazu Kotetsu und er selbst, und Jaguro.
Izumo rief nach Kotetsu und machte ihn auf Jaguro aufmerksam.
Kotetsu befand sich inzwischen auf dem Innenhof und war total in den Kampf vertieft, ohne zu bemerken, dass sich der General ihm näherte. Kotetsu wandte sich auf Izumos Zuruf hin erbost dem noch einige Schritte entfernten Jaguro zu, als im nächsten Moment plötzlich ein Ninja vor Kotetsu auftauchte und in einem Bogen sein Schwert sausen ließ. Der Chunin ließ sein eigenes Schwert auf den Schädel des Angreifers nieder und spaltete ihn bis zur Körpermitte. Überrascht blickte er dann auf seinen Bauch, wo ihm die Gedärme durch den Schlitz aus dem Bauch rutschten. Er ließ sein Schwert fallen und versuchte, wieder hineinzustopfen, was wie tote Schlangen herausfallen wollte.
Izumo keuchte gequält auf. Mit einem Satz war er bei Kotetsu und mit einer letzten Kraftanstrengung sprang er mit ihm wieder hoch auf den Wehrgang der Palisade. Weiter konnte er nicht mehr. Er schüttelte ungläubig seinen Kopf und keuchte vor Erschöpfung. Kotetsu stöhnte in seinem Arm und hielt sich den blutenden Bauch.
Das hier war doch alles nicht wahr! Das hier war die Hölle - ein Traum, sonst nichts!, dachte Izumo.
Unten im Hof standen die Feinde und ihr General mit seiner monströsen, schwarzen Rüstung kam zu ihnen. Mit einer schweren, gepanzerten Hand deutete Jaguro ohne ein Wort zu vergeuden auf die beiden verbliebenen und vollkommen erschöpften Konoha-Ninjas auf dem Wehrgang und seine Soldaten und Ninjas nickten grinsend und siegessicher.
Izumo schnürte sich die Kehle zu und sein Griff um Kotetsu wurde fester und zitternd. Das war ihr Ende. Er konnte nicht weiter! Sie waren allein! Das Fort stand in Flammen! Es war niemand mehr da, der ihnen helfen konnte! Es war alles verloren. Regen fiel in dicken Tropfen vom Himmel, ohne die Hitze vertreiben zu können. Kotetsu…Doch dann entdeckte Izumo unter den schmutzigen Gesichtern der feindlichen Soldaten ein Gesicht, kaum zu unterscheiden von den anderen - dazwischengemogelt - das er kannte. Das Gesicht desjenigen, mit dem er selbst seine Chuninprüfung bestanden hatte. Mit dem er Missionen bestanden hatte. Mit dem er und Kotetsu betrunken aus Bars und Kneipen getaumelt waren und sich am nächsten Morgen im Elend hart verdienter Kater gesuhlt hatten. Die zusammen trainiert und Wache geschoben und Dokumente für die Hokage geschleppt, zusammen gelacht und gealbert hatte. Das Gesicht, das Kotetsu vor nicht allzu langer Zeit noch mit einem feuchten Schwamm sauber gewischt hatte...
Tatami Iwashis dunkle, entschlossene Augen blickten zu Izumo auf und fingen dessen entsetzten Blick ein. Izumo wollte schreien und seine Hand streckte sich automatisch aus, doch es ging zu schnell, als dass irgendjemand hätte reagieren können.
In seinen Händen hielt Iwashi einen zischenden Stapel der dünnen Papiere mit den schwarzen Schriftzeichen und im nächsten Moment verschwand der ganze Innenhof in einer einzigen, riesigen Explosion und riss Izumo und Kotetsu von dem Wehrgang und in die willkommenheißende, schwarze Tiefe.


~*~*~


In gleichmäßigen Strömen rieselte der Regen auf sie hinab und bahnte sich in Rinnsalen seinen Weg vom Dach des halb stehenden Hauses und auf den Boden. Die Erde war aufgeweicht und matschig, genauso wie ihre Kleidung voller Schlamm und Blut war.
Izumo schloss für einen Moment seine Augen und versuchte den Schmerz in seinem rechten Oberschenkel zu verdrängen. Als es nicht funktionierte, öffnete er sie wieder und schaute neben sich. Die unregelmäßigen, rasselnden Atemzüge des anderen wirkten beruhigend, auch wenn die Augen zugepresst waren und der Körper erschöpft gegen Izumos Schulter gerutscht war, kündeten sie dennoch das der andere noch am Leben war. So saßen sie beide im Regen, zusammengesunken an der letzten stehenden Hauswand neben den Überresten der Palisade, die einst das mächtige Fort beschützt hatte, und ein verächtliches Schnauben entrang sich Izumos Kehle.
Die Sonne war vor wenigen Momenten aufgegangen und das blaue Band des Meeres funkelte am Horizont. Er konnte von hier direkt auf den Strand aus weißem, feinen Sand sehen. Und er sah dort in der Ferne die weiteren großen Schiffe aus den südlichen Inselreichen, die sich wie schwarze Leviatane an der Küste des Feuerlandes vor Anker legten und ihre schreckliche Besatzung ausluden und Konohas Land infiltrierten wie die dunkle Pest, die sie waren.
Sie kommen.
-„Ich möchte kein Gefangener von ihnen sein.“-
Izumo war am Ende seiner Kräfte. Er konnte nicht mehr. Er hatte kein Chakra mehr, nichts, nicht einmal mehr Beine unterhalb seiner Oberschenkel, um ihn und Kotetsu fort zu tragen.
Gemächlich fummelte er mit tauben, blutigen Fingern in seiner verschmutzten Westentasche und zückte schließlich zwei Zigaretten. Kotetsus schmerzhaftes Wimmern wurde leiser. „Schläfst du schon, Kotetsu?“, fragte Izumo und schielte auf seinen Freund. Ein Grunzen war die Antwort und Izumo schmunzelte. Dann steckte er eine Zigarette zwischen Kotetsus Lippen und zündete sie unbeholfen an. Izumos Züge wurden weich, als er seine eigene Zigarette ansteckte und daran zog. „Zieh dran. Ist besser so. Glaub mir.“
Sollen sie  kommen. Uns kriegen sie nicht.
Langsam schloss er seine Augen und sein Kopf sank gegen den seines Freundes.
Ein paar Sekunden später fiel die giftige Zigarette aus den leblosen Lippen und landete auf dem schwarzen, nassen Boden und erlosch.


~*~*~

Keine zehn Minuten später traf die Verstärkung ein.
Konohas Elite-Ninjas waren erschienen, mit vielen Shinobis und Kunoichis und ANBUs, die ihren klaren Befehlen folgten. Vernichtend und schnell schlugen sie den Feind zurück und bargen die Toten, soweit noch etwas von ihnen übrig geblieben war.
Nara Shikaku folgte dem Ruf Maito Gais und trat zu den verkohlten Überresten der einstmals stolzen Holzpalisade. Sein Herz wurde ihm schwer. Zwei Männer, ausgemergelt, rußverschmutzt und blutüberströmt wie er selbst, lehnten zusammengesunken und mit den Schultern gegeneinander im Regen, beide schwer verletzt, doch offensichtlich nicht ihren tödlichen Verletzungen erlegen.
Shikaku nickte ausdruckslos. So war es also gekommen.
Die Mittagssonne schien heiß über ihren Köpfen und trocknete die vom Regen aufgeweichte, schwarz verbrannte Erde.
Gais Hand fiel schwer auf Shikakus Schulter. „Von Iwashi keine Spur“, erklärte Gai und ließ den Gedanken unausgesprochen, dass es, so wie es hier aussah, wohl auch keine zu erwarten gab. Dann ging er an dem älteren Jonin vorbei und rief seine Ninjas zusammen. Shikakus Blick verweilte noch einen Moment länger auf den friedvollen Gesichtern seiner Freunde, die unter seinem Kommando und seiner Verantwortung gestanden hatten, dann wandte er sich um und schaute zu, wie Gai und die anderen Jonins mit Befehlen die Ordnung an diesem finsteren Ort wieder herstellten. Es würde noch eine ganze Weile dauern, bis dieser Stützpunkt wieder aufgebaut war.
Shikakus Faust verkrampfte sich plötzlich und schmerzhaft in seiner Hosentasche. „Es tut mir Leid. Akio. Aiko. Fudo. Kangoro. Iwashi. Izumo. Kotetsu. All die anderen. Währen wir nur ein bisschen früher gekommen…“ …dann hättet ihr die Chance auf einen anderen Ausweg gehabt. Sein Blick fiel auf Kotetsus zerschnittenen Bauch und Izumos fehlende Beine. Bestimmt!
Mit zitternden Händen kramte er eine Zigarette aus seiner Tasche und zündete sie an. Er merkte erst Augenblicke später, dass er weinte. Das war nicht seine Art und er schalt sich in Gedanken einen Narren, aber im Augenblick wollte es ihm einfach nicht gelingen es zu unterdrücken. Der Krieg war zu rau für ihn. Seine Lippen begannen unkontrolliert zu beben und der weiße Glimmstängel entglitt ihnen. Shikaku presste eine große Hand auf sein Gesicht, doch die glitzernden Tränen bahnten sich ihren Weg zwischen seinen Fingern hindurch und fielen neben seine Zigarette in den weichen, samtenen, schwarzen Erdboden aus Asche und färbten sich schmutzig grau.

Ein Vogel fliegt über den Mittagshimmel.
Azurblau umschließt das schillernde Band des Ozeans den Himmel und die Erde.
Heimgekehrt bin ich,
Und entschwunden sind die die mir lieb,
Drum nahm ich den einzigen Ausweg den ich sah,
Um nicht allein gelassen zu werden von den Freunden, die ich um mich herum fallen sah im Krieg.
Der raue Geist des Krieges hat sie alle fort getragen,
und mein Herz folgte.


~~~Ende~~~


Erschlagen lieber Leser? Oder noch Kraft für ein Review? :) Ich war krank, ich bettel mal drum.
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