Zwischen Licht und Dunkelheit

GeschichteMystery / P18
03.08.2007
07.07.2009
195
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Eine kleine Anfangsbemerkung meinerseits: Ich schreibe die Geschichte mit einer Freundin zusammen - jeweils im Wechsel, d.h. sie ein Kapitel, dann wieder ich eines. Wir haben uns vorher auch nicht abgesprochen, was passiert und wie es weitergehen wird.
Nun wünsche ich euch viel Spaß beim lesen. Ich hoffe, sie gefällt euch ein bisschen. *g*




Teil 1
- Marc –


Kapitel 1


Es war ein schöner Morgen und die Vögel zwitscherten fröhlich als ich erwachte. Im Grunde war dieser Tag viel zu schön für einen Tag wie diesen. Denn das was vor mir lag, war alles andere als schön. Ich stand langsam auf und sah in den Spiegel. Ich hatte keine Ahnung wie ich den heutigen Tag durchstehen sollte.

Ich ging unter die Dusche und schon wieder kamen mir die Tränen. Ich dachte daran wie häufig wir hier gemeinsam herumgeblödelt hatten oder... Ich versuchte die Gedanken loszuwerden und stellte das Wasser auf kalt. Mit einem Aufschrei stellte ich es dann ab. Wach war ich jedenfalls. Dann fing ich an mich anzuziehen. Da meine Garderobe sowieso vorwiegend aus schwarzer Kleidung bestand, hatte ich keine Probleme etwas für diesen Anlass zu finden.

Seit ich vor 4 Tagen von seinem Unfall erfahren hatte, hatte ich unendlich viele Tränen vergossen. Es war erstaunlich, dass ich immer noch weinen konnte. Heute sahen meine Augen schon relativ erholt aus, im Gegensatz zu den letzten 3 Tagen. Ich hatte ihn geliebt, mehr als alles auf der Welt und der Gedanke, dass er einfach nicht mehr da war, erschien mir einfach unmöglich – unwirklich.
Meine Freundin hatte mir geraten ihn mir noch einmal anzusehen, um besser begreifen zu können, dass er tatsächlich tot war.

Ich war in die Kapelle gegangen, wo er aufgebahrt lag und hatte ihn nur angestarrt. Er hatte genau wie immer ausgesehen, mal abgesehen von dem Anzug in den man ihn gesteckt hatte. Ich war an den Sarg getreten und hatte ihn berührt. Er hatte ausgesehen, als würde er schlafen aber er war kalt. Ich weiß nicht wie lange ich dort gestanden hatte. Irgendwann kam meine Freundin, die draußen gewartet hatte und führte mich raus an die frische Luft.

Bei dem Gedanken an dieses Erlebnis schauderte es mich und wieder kamen mir die Tränen. Schließlich war es soweit, Diane holte mich ab.

Wir redeten nicht viel im Auto. Die Kirche war bereits ziemlich voll als wir ankamen. Ich ging nach vorne und setzte mich neben eine andere junge Frau, die herzzerreißend schluchzte. Ich gab ihr ein Taschentuch. Sie sagte leise: „Danke. Es tut mir leid aber ich habe ihn so sehr geliebt.“ Ich konnte sie gut verstehen und fragte mich in welchem Verhältnis sie wohl zu ihm stand. Bevor ich meinen Gedanken zu Ende denken konnte, sagte sie: „Wir wollten im Sommer heiraten.“ Dann schluchzte sie wieder herzzerreißend. Ich starrte sie an. Mir gingen verschiedene Gedanken durch den Kopf. Ich fragte mich sogar, ob ich auf dem richtigen Begräbnis war, was ich natürlich war. Ich konnte es nicht glauben. Marc und ich waren 5 Jahre zusammen gewesen und wir waren verlobt. Hatte er tatsächlich noch eine Freundin gehabt? Das konnte doch nicht sein, ich hatte nie eine Veränderung an ihm festgestellt. Ich sah sie an: „Wie lange wart ihr zusammen?“
Sie schluchzte: „7 Jahre.“ Ich war wie vor den Kopf geschlagen. Nicht nur, dass er noch eine Freundin gehabt hatte, nein, sie war auch noch vor mir da gewesen.

Ich atmete tief durch und versuchte einen klaren Gedanken zu fassen. Ich saß also tatsächlich auf der Beerdigung des Mannes, den ich über alles geliebt hatte und musste feststellen, dass ich nicht die einzige war. Er hatte mich belogen und betrogen. Ich starrte den mit Blumen bedeckten Sarg an und war fassungslos. Es war mir klar, dass das in so einem Moment keine Rolle hätte spielen sollen aber ich konnte an nichts anderes denken. In diesem Augenblick nahm direkt neben mir eine weitere junge Frau Platz, gestützt von ihrer Mutter. Sie sah schlimm aus, ihre Augen waren verquollen und sie wirkte ganz bleich.

Plötzlich hatte ich so eine Vorahnung. Ich bot ihr ein Taschentuch an und sagte: „Mein Beileid.“ Da sagte sie: „Danke, das ist lieb. Ich bin so froh, dass alle so lieb zu mir sind. Ich weiß nicht wie ich ohne ihn weiterleben soll. Aber unser Baby wird mir Kraft geben.“ Erst jetzt fiel mir auf, dass sie augenscheinlich schwanger war.

In diesem Moment war meine Trauer wie weggeblasen, allerdings machte sich eine leichte Hysterie bemerkbar.

Dann begann die Trauerfeier. Der Pastor hielt eine gefühlvolle und mitreißende Rede und einige seiner Freunde sprachen ein paar Worte. Meine schwangere Nachbarin sagte ebenfalls ein paar liebevolle Worte und plötzlich verspürte ich den Drang auch etwas zu sagen. Ich ging nach vorne, alle Augen waren auf mich gerichtet:

"Marc war ein intelligenter, humorvoller und charmanter Mann und er hat mir sehr viel bedeutet. Die Nachricht von seinem Tod war ein Schock. Ich habe unendlich viele Tränen vergossen. Und alles was ich hier heute gehört habe kann ich nur unterstreichen. Aber anscheinend hatte er auch eine andere Seite, von der ich nichts gewusst habe. Und hätte ich davon gewusst, dann hätte ich sicher keine Träne vergossen und würde nicht hier stehen. Marc Monroe hatte 3 Freundinnen, von denen keine von der anderen wusste und denen er allen die Ehe versprochen hat.
Er hat jede einzelne von ihnen belogen und betrogen und das ohne mit der Wimper zu zucken. Ich bin eine von diesen Frauen und ich kann nur noch eines sagen: Sei froh, dass du nicht mehr lebst! Danke.“

Dann ging ich aus der Kirche, alle Augen waren auf mich gerichtet. Meine Wut überdeckte meine Trauer. Ich konnte einfach nicht fassen, dass er mein Vertrauen derart missbraucht hatte. Da glaubte man einen Menschen besser zu kennen als sich selber, um an seinem Grab festzustellen, dass man gar nichts über ihn wusste. Ich war total in Gedanken versunken und fand mich irgendwann am Ende des Friedhofs wieder. Ich sah mich um, der Friedhof war wirklich schön aber so groß, dass man sich kaum zurecht finden konnte. Das Kapellentürmchen war allerdings nicht zu übersehen. Ich machte mich auf den Rückweg. Es war mittlerweile 17 Uhr und die Sonne war bereits untergegangen. Es war auch schon reichlich kühl. Diane machte sich sicher schon Sorgen. Plötzlich hatte ich das Gefühl als würde mich jemand beobachten. Ich drehte mich um aber da war nichts zu sehen. Man bildete sich schon so allerhand ein, abends allein auf einem Friedhof.

Schließlich kam ich an der Kapelle an. Dort war niemand mehr, ich sah auf die Uhr und stellte überrascht fest, dass ich mehr als 2 Stunden weg gewesen war. Ich ging nun allein noch einmal zum Grab von Marc. Aber immer noch hatte ich das Gefühl als sei ich nicht allein. Am Grab stand das Mädchen, dass schon in der Kirche gesessen hatte als ich gekommen war. Sie sah mir entgegen. Ich schluckte und hatte das Gefühl mich entschuldigen zu müssen: „Hallo.“
Sie sagte: „Hallo. Die anderen sind schon alle weg.“
Ich nickte: „Klar. Tut mir leid – aber ich konnte nicht anders.“
Sie sah mich an: „Ich kann es verstehen. Weißt du was das Schlimmste daran ist? Er kann mir nicht mehr Rede und Antwort stehen. Ich kann nicht mehr fragen wieso. Es gibt keine Erklärungen mehr, keine Entschuldigungen – nur Schweigen. Ich stehe hier und weiß nicht einmal, ob er mich wirklich geliebt hat.“

Ich nickte, sie hatte viele meiner eigenen Gefühle ziemlich gut wiedergegeben.
Dann drehte sie sich um: „Ich gehe, mir ist kalt.“
Ich antwortete: „Ja, es ist ziemlich kalt. Ich bleibe noch einen Augenblick.“ Sie sah mich an und ging dann langsam weg. Dann war ich allein. Ich betrachtete das frische Grab und sagte: „Sie hat vollkommen recht. Das schlimmste ist, dass ich dir nicht mehr sagen kann was für ein mieser Bastard du bist. Hab ich dir überhaupt irgendwas bedeutet? Oder sie? Oder irgendeiner von uns? Du lässt uns einfach mit all diesen Fragen allein. Was hättest du gemacht, wenn wir es vorher erfahren hätten? Ich könnte dich direkt umbringen, wenn du nicht schon tot wärst.“
Plötzlich ertönte hinter mir eine tiefe Stimme: „Was für eine nette Rede.“

Ich drehte mich wie von der Tarantel gestochen um und vor mir stand ein ganz schwarz gekleideter Mann in meinem Alter und sah mich an.
Ich sagte: „Wollen Sie mich umbringen? Ich habe mich fast zu Tode erschrocken.“
Seine Antwort war: „Zu Tode erschrecken wollte ich dich eigentlich nicht.“
Diese Antwort hätte mich zumindest stutzig machen sollen aber mein Verstand war von den Ereignissen des heutigen Tages nicht mehr ganz auf der Höhe.
Ich sah ihn an: „Was tust du hier? Warst du ein Freund von Marc?“ Ich duzte ihn jetzt ebenfalls, wo er damit angefangen hatte.

Er sah mich an und ich musste feststellen, dass er eine gewisse Ausstrahlung besaß. Er war ein gut aussehender Mann, dunkle Haare, dunkle Augen, eine verwegene kleine Narbe unter dem linken Auge aber er wirkte schon ein wenig furchteinflössend. Vielleicht lag das auch einfach an der Zeit und an dem Ort.

Da sagte er: „Also dass er ein Freund gewesen ist, möchte ich vielleicht nicht gerade behaupten aber das heißt ja nicht, dass er nicht vielleicht noch einer werden kann.“

Ich verstand nicht was er meinte. Marc war schließlich nicht mehr am Leben.

Dann kam mir ein Gedanke: „Bist du mir gefolgt?“ Sein Lächeln war vieldeutig. Ich beschloss dieses Gespräch zu beenden und den Friedhof so schnell wie möglich zu verlassen aber er schien meine Absicht erkannt zu haben und fasste mich leicht am Arm: „Du willst doch nicht schon gehen?“ Ich schluckte und fragte mich plötzlich was dieser Abend mir wohl möglicherweise noch bescheren würde.
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