Telefonterror

von Elster
GeschichteHumor / P12 Slash
Akiha Hara Hokuto Umeda
23.07.2007
23.07.2007
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23.07.2007 766
 
Geburtstag

Hokuto Umeda war nicht fortschrittsfeindlich, ganz im Gegenteil. Aber es gab Tage, da hasste er sein Handy. Das Problem war, dass er es nicht einfach ausschalten oder zu Hause liegen lassen konnte, weil er wegen seines Berufs erreichbar sein musste, falls es einen Notfall gab. Das einzige, was ihm blieb, war, das Klingeln zu ignorieren und einfach nicht ranzugehen.
Zum Beispiel jetzt.

Er hatte endlich Zeit gehabt, seine Mittagspause zu machen, nachdem sich ein Schüler mit Magendarmgrippe in seinem Behandlungszimmer übergeben hatte. Umeda konnte nur hoffen, dass er sich nicht ansteckte. Das Jahr ging langsam zur Neige und er hatte schon einmal Grippe und mindestens dreimal irgendwelche anderen Infekte gehabt. Die Teenager fingen sich wirklich alles ein, was so umging und brachten es in seine Praxis.

Jetzt saß er allein in der fast leeren Cafeteria und sah böse auf das Display seines Handys, das ihn mit lautem Gepiepse darüber informierte, dass Akiha anrief. Zum vierten mal, seit er hier saß, zum mindestens sechsten mal an diesem Tag.

Umeda drückte ihn weg wie zuvor auch. Er wollte jetzt nicht mit Akiha reden. Und das lag überraschenderweise mal nicht im geringsten an Akiha. Er wollte jetzt mit niemandem reden. Er wollte hier in Ruhe sitzen und seinen Dosenkaffee aus dem Automaten trinken. Akiha hätte ohnehin nichts wichtiges zu sagen und würde ihn nur wieder mal mit irgendwelchem sinnlosen Zeug zuschwallen, das er ihm auch genauso gut später erzählen konnte, immerhin waren sie heute Abend verabredet. (Umeda hatte keine Ahnung, wie es dazu gekommen war, aber er musste es wohl irgendwie versprochen haben.)

Es machte Umeda krank, wenn Akiha ihn mit irgendwelchem Unsinn zulaberte, weil er einfach nicht ignorieren konnte, wenn jemand mit ihm redete. Sein Hirn funktionierte so. Er musste zuhören. Und er merkte sich auch den ganzen Mist, den er so erzählt bekam. Wenn Leute ihm mit irgendwelchem Müll zulaberten, konnte er quasi zusehen, wie dieser Müll sich in seinen Gehirnwindungen festsetzte und dazu waren sie ihm einfach zu schade.

Aber natürlich interessierte das kein Schwein, schon gar nicht Akiha. Der gerade wieder anrief. Er könnte das Ding lautlos schalten... Allerdings war das Brummen nicht so viel besser als das Klingeln. Es würde auf jeden Fall an der Problematik nichts ändern.

Na gut. Vielleicht sollte er mal rangehen, wenn Akiha so hartnäckig anrief. Vielleicht war es wirklich etwas wichtiges. Andererseits hielt es Akiha auch für wichtig, ihn umgehend darüber zu informieren, von wann bis wann er weg sein würde, wenn er irgendwelche Aufträge im Ausland bekam. Oder was er beim Einkaufen tolles gesehen hatte.

„Also“, meldete sich Akiha, ohne in irgendeiner Weise darauf einzugehen, dass es jetzt das fünfte mal war, dass er anrief. „Ich könnte einen ganz großen Auftrag für eine Werbekampagne kriegen, aber ich wäre dann ab nächste Woche anderthalb Monate weg.“
Es klang als würde er vor Anspannung den Atem anhalten und Umeda hatte ehrlich keine Ahnung, warum. „Ja und?“
„Na es ist Oktober. Du hast am 31. Geburtstag“, sagte Akiha, als würde das seine Aufregung erklären.
„Ich weiß. Na und?“ Das war einfach nur wundervoll.
„Na dann wäre ich zu deinem Geburtstag nicht da.“ Akiha klang ehrlich zerknirscht.

„Ach so“, sagte Umeda erleichtert. Das war sehr gut, nein, das war perfekt. Er hatte schon verzweifelt überlegt, was er tun sollte, um Akiha davon abzuhalten mit zu seiner Familie zu kommen. Die Freaks bestanden nämlich zu allen wichtigen Feiertagen auf Anwesenheit und ließen nur lebensbedrohliche Verletzungen als Ausrede zu. Und wie er Akiha kannte, hätte der sich sogar den ganzen Tag frei genommen, um ihn mit Umeda zu verbringen. Das einzige, was Umeda hätte tun können, wäre sich bewusstlos zu trinken, während seine Mutter und seine Schwester Akiha Babyphotos von ihm zeigten.

Akihas Stimme riss ihn von diesem schrecklichen Gedanken los: „Es ist jetzt so kurzfristig, weil sie ursprünglich einen anderen Photographen wollten. Vielleicht nehme ich den Auftrag doch nicht an...“
„Doch, doch. Du brauchst wegen meinem Geburtstag nicht darauf verzichten“, versicherte Umeda eilig. „Wir können ja ein andermal feiern“, setzte er hinterher, damit Akiha auch ja nicht dachte, ihm würde irgendwas entgehen.

„Und das ist ganz sicher in Ordnung für dich?“
„Ja klar, ist ja nicht so, als ob ich ganz allein wäre.“ Auch wenn das das schönste Geburtstagsgeschenk wäre, dass ihm seine Familie machen könnte.
„Ach ja, du fährst ja zu deinen Eltern. Ich wäre wirklich gern mitgekommen und hätte sie kennengelernt.“
Na darauf konnte er wetten. Höchste Zeit, dieses Gespräch zu beenden. „Ähm... tja. Schade, vielleicht ein andermal. Ich muss jetzt wieder an die Arbeit. Tschüß.“
Akiha schaffte noch gerade so ein „Bis heut Abend.“ bevor Umeda auflegte.
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