Sang fraternel

von Lion
GeschichteRomanze / P18 Slash
20.07.2007
16.09.2007
13
48098
 
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Autor: Lykos
Fanfictionthema: Tokio Hotel
Titel: Sang fraternel
Warnings: SLASH, (TW)INCEST!, LEMON, sap, Tom x Bill
Disclaimer: Ich möchte mit dieser Fanfiktion weder dem Ruf von Tokio Hotel, insbesondere Tom und Bill Kaulitz, schaden noch mir anmaßen zu behaupten, die Jungs seien homosexuell oder würden den eigenen Bruder begehren.
Tokio Hotel haben mit mir rein gar nichts zu tun, weder kennen sie mich noch ich sie, daher distanziere ich mich von jeglichen Eventualitäten.
Ich verdiene hiermit kein Geld und möchte klarstellen, dass es 1. lediglich eine Fiktion meines kreativen Gehirns ist, was ich hier im Folgenden beschreibe und 2. will ich weder Homosexualität noch Inzest verherrlichen.
Zu sagen wäre noch, dass ich es eigentlich nicht mag, wenn reale Personen in Fanfiktionen verwendet/verkuppelt werden. Fragt mich nicht, was mich zu dieser FF hier geritten hat, denn ich weiß es selbst am wenigsten. Vielleicht haben mich die unzähligen Bilder und Fanfiktionen zu den Zwillingen inspiriert.
Ferner ist dies hier mein erstes Werk über reale Personen und zudem über Tokio Hotel.
Mir bleibt nur zu hoffen, dass keiner der Vieren diese Fanfiktion je lesen wird und falls doch, bitte vergebt mir diesen einen Ausrutscher, Jungs. Ich kann als Wiedergutmachung einen Bauchtanzauftritt nur für euch hinschmettern, wenn ihr wollt. xD
Widmen möchte ich diese Fanfiktion Amaya, deren Fanfiktionen ich, soweit gelesen, sehr gemocht habe. Leider hatte ich mit ihr bisher nichts zu tun, doch hoffentlich ändert sich das nach dieser FF *g*
Morddrohungen, Kritik, Anregungen und hoffentlich auch Lob gehen bitte an o.g. E-Mail-Adresse oder per Kommentar an mich.
Wer mehr Fanfiktionen von mir lesen will, schaut doch einfach mal bei meiner Homepage rein: http://www.noxveritatis.2kx.de

* * * * * * * * * * * *

„Ich schrei’ in die Nacht für dich, lass’ mich nicht im Stich! Spring’ nicht!“
Mit einer voluminösen Stimme schmettert der schwarzhaarige Junge vorne unseren Song in die kreischende und jauchzende Menge. Seine freie Hand streckt sich der Masse entgegen, während sein Blick dieser Dimension entrückt ist.
Begleitet wird er von meiner Gitarre, die ich fast zu gut beherrsche und wir vereinigen uns schließlich in einem Duett von Stimme und Klang, wobei sich mein kleiner Bruder gegen mich lehnt und wir uns gegenseitig anlächeln, während der Schweiß an unser beider Stirn deutlich im Licht zu schimmern beginnt.
Die vielen Lichter strahlen uns an als würden sie sagen: ‚Das hier ist nur für euch beide. Dieser Moment gehört euch.’
Und wir geben alles. Für die Fans. Bill holt alles aus seiner Stimme und ich aus meinen Fingern, die lässig über die Saiten gleiten.
Mein Bruder richtet den Blick gen Himmel, während eine seiner Hände keck durch das lange, schwarze Haar mit den blonden Strähnen fährt.
Für einen kurzen Moment schließt er wie in Ekstase die Augen und befeuchtet seine Lippen, die antwortend im grellen Licht zu schimmern beginnen.
Ein paar Haarsträhnen kleben ihm im erschöpften Gesicht, doch er gibt alles und schmettert die letzten Zeilen unseres Songs in die tobende Menge.
Ein schöner Glanz liegt in seinen braunen Augen. Er lebt für Momente wie diesen.
Genau wie ich. Das hier ist, was wir gewollt haben. Dafür haben wir hart trainiert.
Der Song endet und wir beginnen, in die Menge zu lächeln und Bill winkt den Fans zu.
„Danke! Habt vielen Dank!“

Ein paar Minuten später sind wir wieder backstage in unserer Umkleide und ich greife mir ein Handtuch, um mir das Gesicht abzutrocknen. Erst jetzt bemerke ich, dass ich total durchgeschwitzt bin und mein Herz wie wild in meiner Brust hämmert.
Georg grinst uns an. „War ja mal wieder ein voller Erfolg.“
Gustav grunzt zustimmend.
Dann gähnt er träge. „Mann, bin ich froh, wenn ich nachher ins Bett kann. Diese Konzerte machen so k.o.“
Und damit spricht er, denke ich, uns allen aus der Seele.
Ich nicke zustimmend. „Ja, aber jetzt kommt erst mal die Aftershow-Party.“ Ein Grinsen kann ich mir dabei nicht verkneifen.
Bill rollt die Augen und irgendwie bekomme ich den Eindruck, dass er davon nicht wirklich angetan ist. „Jaja Tommi, dann kannst du wieder reihenweise Chicks abschleppen. Mann, ich hab’ keinen Bock auf den Scheiß.“
Irgendwie höre ich einen versteckten Vorwurf in seiner Aussage. Seine Augen untermalen dies, indem sie sich verengen zu schmalen Schlitzen, so wie mein Bruder das immer tut, wenn ihm etwas nicht passt. Den Blick kenne ich nur zu gut.
Meine Augenbrauen heben sich irritiert. „Was denn?“
Die schmalen Schlitze ruhen immer noch vorwurfsvoll auf mir, dann wendet sich mein Bruder wieder ab von mir und nimmt einen großen Schluck Wasser aus seiner Flasche.
Es ist schon verrückt, was mein Bruder unbewusst für Schauspiele zuwege bringt, alleine durch das Trinken von Wasser aus einer kleinen PET-Flasche.
Seine Augen schließen sich genussvoll in dem Moment als das kalte Elixir seinen schlanken Hals hinabgleitet, während seine Haare bei jeder kleinsten Bewegung sein Gesicht umspielen und es noch zierlicher als ohnehin schon erscheinen lassen. Ganz zu schweigen von seinen Halsmuskeln, die sich bewegen im Takt mit jedem einzelnen Schluck.
Ich schüttle unmerklich den Kopf. Mein Hirn und seine Ideen. Es ist nichts neues für mich, zu sehen wie er er Wasser trinkt. Zur Hölle, es ist nichts besonderes, wenn überhaupt jemand etwas trinkt!
Also verwerfe ich jeden Gedanken, der sich vorigem anschließen will.
„Wenn... wenn du nicht magst, können wir auch gleich nach Hause gehen“, nuschle ich schließlich und bemerke meine Enttäuschung in der Stimme zu spät, während ich ein paar meiner Dreads um einen Finger wickle.
Bill setzt die Flasche ab und sieht mich an als hätte ich ihm eben den Weltuntergang verkündet. Seine dunklen Augenbrauen schwingen irritiert in die Höhe.
„Wie jetzt?“
Hat er mich nicht verstanden?
„Du machst es also von *mir* abhängig, ob du zu einer Aftershow-Party gehst?“
Oho, wer wird denn gleich an sowas denken? „Nee, ich meine ja nur. Wenn’s dir lieber ist, geh’ ich mit dir zusammen nach Hause.“
Immer noch dieser irritierte Blick aus den braunen, dunkel geschminkten Augen. Dann aber weicht er der Gleichgültigkeit. „Schon gut, wir gehen alle zur Aftershow-Party. An mir soll’s ja nicht liegen.“
Na also, warum nicht gleich so? Meine Laune hebt sich augenblicklich wieder und ich schenke meinem kleinen Bruder ein Grinsen, das mindestens von einem zum anderen Ohr reicht.
Bill weiß genau, dass es mir ohne ihn einfach keinen Spaß macht. Andersrum ist es genauso. Vielleicht ist das einer der Gründe, warum man sagt, dass Zwillinge ein festeres Band zueinander haben als normale Geschwister. Oder dass Zwillinge gedanklich viel verbindet. Und dass ein Zwilling fühlt, was der andere fühlt.
Meiner Meinung nach etwas zu weit hergeholt. Aber dran ist auf jeden Fall was.

Ungefähr zwei Stunden später - nach einer ausgiebigen Dusche -  sitzen wir in einem Raum, überfüllt von scharfen Mädels und Alkohol. Und ich habe nicht die geringste Ahnung, wie spät es momentan ist. Vielleicht Mitternacht? Der Alkohol zeigt bereits Wirkung und beißt sich scharf in jede meiner Zellen, um sie zu berauschen und zu vernebeln.
Mein Bruder steht vorne an der warm beleuchteten Bar und starrt warum auch immer schweigend in sein verziertes Cocktail-Glas.
Seine Augen sind dunkler als sonst. Ihr Glanz, ihr Leuchten fehlt. Etwas bedrückt ihn.
Das Bedürfnis, zu meinem jüngeren Zwilling zu gehen überkommt mich, doch eine Hand fasst meinen Arm und erschrocken sehe ich in das Gesicht des Mädchens, das schon die ganze Zeit neben mir sitzt.
In ihren blauen Augen kann ich eindeutig erkennen, dass sie mich heute Nacht will. Und sie sieht ziemlich gut aus. Auch wenn sie nichts im Hirn hat. Alles, was sie kann, ist kichern und ‚Ja, Tom’ sagen. Aber was zählt das schon, wenn man Spaß haben will, nicht wahr?
Sie lächelt mich vielversprechend an.
Ich lächle gezwungen zurück, aber ich merke, wie mein Blick wieder zu meiner zweiten Hälfte schweift.
Was ich sehe, lässt mich unweigerlich ein weiteres Mal ins Starren verfallen und die Gedanken an vorhin graben sich wieder aus meiner hinteren Gedächtnisecke. Mein Hirn beginnt, ein gefährliches Eigenleben zu entwickeln. Ich sollte damit aufhören.
Doch es geht nicht. Mein Bruder fesselt meine Augen mit jeder seiner Bewegungen.
Die schmale, mit silbernen Ringen behangene Hand streicht gedankenverloren durch seine seidigen Haare, wobei ein paar eigenwillige Strähnen wieder nach vorne fallen, um Lippen und Kinn zu umschmeicheln.
Seine Zunge gleitet unruhig über seine vollen Lippen und findet dann wieder in der Mundhöhle ihren Platz.
Wieder antworten seine Lippen mit einem Glanz, der schon fast verboten schön ist.
Mir fällt auf, dass es mir in letzter Zeit oft, - verdammt oft sogar! – passiert ist, dass ich mich dabei ertappt habe, wie ich meinen jüngeren Zwilling anstarre.
Ich reiße mich von ihm los und sehe schuldbewusst zu Boden. Verdammtes Hirn. Verdammte Gedanken.
Das Mädchen neben mir fängt an, auf mich einzureden, mit ihr auf ein Zimmer zu gehen. Aber mir ist im Moment definitiv nicht nach poppen zumute. Im Gegenteil. Ich habe ein schlechtes Gewissen. Meine jugendlichen Hormone drohen, mit mir durchzugehen. Und zwar in die ganz falsche Richtung! Und damit kommt ein Aufreißer-Macho-Nummer-Eins-Tom-Kaulitz nicht klar.
Nervös fährt meine Hand durch meine Dreads, aber das beruhigt mich nicht wirklich, während ich langsam realisiere, dass ich meinen jüngeren Bruder, meinen ZWILLING, einen verdammten KERL!, sexuell attraktiv zu finden beginne.
Aufhören, Tom, schreit eine innere Stimme der Vernunft. Die schreit bei mir nicht oft. Jetzt aber brüllt sie mich geradezu einschüchternd an. Und innerlich verfluche ich mich für meine Hormone und das Bier, die mir diesen Streich spielen. Ein sehr, sehr übler Streich.
Ich hoffe, dass es nur eine vorübergehende Schwärmerei ist, die für Bill herrscht, aber dann ist da noch eine weitere, eine hässliche Stimme in meinem Hinterkopf, die behauptet, dass es nicht nur vorübergehend sein wird.
Meine Hand greift nach der Bierflasche und ich nehme einen großen Zug der herben Flüssigkeit, die mich heute Nacht berauschen wird.
Das bittere kalte Zeug gleitet meinen Hals hinab wie Öl und ich entspanne mich wieder.
Vergessen! Ja, das ist der beste Weg. Alles versuchen zu vergessen. Dann wird auch nichts passieren.
Eine zierliche Hand fasst mich plötzlich am Kinn und ehe ich mich versehe, liegen auch schon ein paar süße Lippen auf meinen.
Aha, sie wird aktiv. Und der Alkohol zeigt bei mir auch schon weitere Wirkung.
Meine Hand schlingt sich um den Nacken der Blondine und wir beginnen ein heißes Zungenspiel.
Erfahrung hat sie wohl, ihren Zungenkünsten nach zu urteilen. Und ihr Geschmack geht in Richtung Pina Colada.
Hatte ich erwähnt, dass ich ihren Namen nicht mal weiß? Und dass er mir auch sowas von egal ist, dank Alkohol?
Das Klirren eines Glases zwingt mich dazu, mit der Knutscherei aufzuhören und ich blicke verwirrt in die Richtung meines Zwillings.
Noch verwirrter werde ich als ich seinen Blick sehe. Seine großen, braunen Augen sind voller Abscheu auf mich gerichtet und ein Feuer der maßlosen Enttäuschung brennt in ihnen. Sein Blick durchbohrt mich als wolle er sagen: ‚Du hast das Maß soeben zum Überlaufen gebracht, Mister Ich-lege-jede-flach! Was hatten wir denn vorhin eben noch gesprochen?’
Dann wendet er sich, ich vermute angeekelt, ab, während seine Enttäuschung in den Augen einer tiefen Traurigkeit weicht, die ich bisher nur einmal in unserem Leben gesehen habe, nämlich als jemand aus unserer Verwandschaft verstorben ist.
Nervös zupft er sich die Kleidung zurecht und sieht mich noch einmal vorwurfsvoll an, bevor er dann schnellen Schrittes aus dem Raum läuft.
Ich weiß genau, dass ich ihn jetzt nicht einfach ziehen lassen kann. Und ich will es auch gar nicht. Weil ich mich schuldig fühlte. Ich habe ihm wehgetan. Eigentlich hätte ich mich zusammennehmen müssen. Das Gespräch von vorhin hätte mich eigentlich alle Alarmglocken läuten hören  müssen.
Ruckartig erhebe ich mich, doch zwei Faktoren behindern mich: mein Alkoholschwindel und die Blondine, die mich wieder am Arm festhält. „Lass’ ihn doch, Tom. Gehen wir doch auf ein Zimmer.“ Holla die Waldfee, sie bringt sogar noch mehr Sätze auf die Rolle.
Ihre unendliche Ignoranz jedoch widerstrebt mir und ich schüttle wild den Kopf. „Sag’ mal, spinnst du? Du siehst doch, dass mit meinem Bruder etwas ist!“ Die Worte sprudeln härter über meine Lippen als gewollt.
Das Mädchen will noch etwas sagen, doch ich renne meinem Bruder hinterher. Dabei remple ich andere Partygäste an, weil ich nicht fähig bin, schnurstracks nach vorne zu gehen. Meine Vernunftstimme lacht mich aus. Ja, hättest du dich bloß zusammengerissen. Wärst du nur nach Hause gegangen. Dann würde Bill jetzt nicht traurig sein müssen wegen deinem bescheuerten Rumgemache.
Mir ist total schwindlig, aber irgendwie schaffe ich es dennoch, den Raum zu verlassen und schließlich lande ich in einem großen Garten.
Hier und da sind Gartenlichter verteilt, die ein warmes, weiches Licht auf Büsche und Bäume zaubern und einem damit das Sehen in der Dunkelheit erleichtern.
Meine Augen schweifen suchend umher und ich bemerke die kühle, klare Luft hier draußen.
Unweigerlich gleitet mein Blick für einen Moment gen Himmel, wo unzählige Sterne auf die Erde herablachen. Ja, ihr könnt ihn sehen. Ihr wisst, wo mein Bruder ist. Ihr wisst so vieles mehr als ich.
Ungeduldig gehe ich zwischen den Bäumen und Sträuchern umher. Schließlich rufe ich leise, mit rauer Stimme nach ihm. „Bill?“
„Lass’ mich bitte alleine, Tom“, kommt das traurig klingende Echo und ich wende meinen Kopf nach rechts, um die Silouette meines kleinen Bruders zu erblicken, der unter einem Baum sitzt, die Knie zum Körper hergezogen.
Er nennt mich nur Tom, wenn er ernst ist oder wir unter Leuten sind. Also scheint ihm das hier sehr ernst zu sein.
Im ersten Moment will ich seiner Aufforderung gehorchen, aber ich weiß, dass es davon nicht besser werden würde.
Also komme ich zögernd näher.
Je näher ich ihm komme, desto besser kann ich seine Gesichtszüge und schließlich auch seine dunkel umrandeten Augen erkennen.
„Bill“, höre ich mich krächzend sagen, „ich... es tut mir leid.“
Angesprochener hebt nun langsam den Kopf und sieht mich prüfend an, so als könne er es mir ansehen, ob ich Gesagtes ernst meine oder nicht.
Seine Augen weiten sich etwas und ich meine, etwas wie Beschämtheit – Beschämtheit?? - in seinen Augen sehen zu können. Mein Verdacht festigt sich zudem als mein Bruder seine langen Finger ineinander verflechtet und wieder löst, sie abermals verflechtet und wieder löst.
Wir kennen uns einfach schon zu lange als dass ihn seine Bewegungen nicht verraten würden.
„Tom...“ Seine helle Stimme verstummt wieder für einen Moment, während er tief durchatmet. „... es... ich will dir keine Vorhaltungen machen, wenn du mit jemandem rummachst.“
Oha, und was war das dann eben für eine Szene, die ich mitansehen durfte?
Ich lächle leicht wegen dieser Unsicherheit meines Zwillings und setze mich neben Bill ins kalte Gras.
Wir genießen beide einen langen Moment die Stille, die alleine durch die Autos in der Ferne gestört wird. Fast schon vergessen ist die Sache, die sich vor ein paar Minuten abgespielt hat.
Dann legt sich meine Hand auf die meines Bruders und verflechtet unsere Finger miteinander, so wie wir es immer tun, um die Zugehörigkeit zum Zwilling zu zeigen.
Bills Finger sind kalt und bewegen sich ungeduldig zwischen meinen.
Ich bin nicht der Mensch, der gerne über Zwischenmenschliches plaudert, so wie Bill dies tut, und ich glaube, er weiß das auch, denn er beginnt die folgende Konversation.
„Es tut mir leid. Ich wollte keinen Aufstand machen wegen dir und dem Mädchen. Ich weiß auch nicht, was in mich gefahren ist.“
Das wiederum überrascht mich nun doch sehr, warum diese plötzliche Entschuldigung? Und warum überhaupt erst der vorherige Aufstand?
Ich sehe meinem Bruder in die Augen, welche nun von Reue und Verzweiflung erzählen.
Ich kann ihn so nicht sehen. Er ist zwar nur 10 Minuten jünger als ich, aber ich fühle mich verantwortlich für ihn.
Wortlos ziehe ich ihn in meine Arme und streichle seinen schmalen Rücken.
Er wehrt mir nicht und schmiegt sich an meine Brust. Ich weiß nun, wir haben beide einander vergeben.
Wir bleiben eine Weile in unseren Positionen und ich schließe träge meine Seelenspiegel, um dem Wind zu lauschen, der durch die Blätter zieht und den Autos in der Ferne.
Es ist als ob die Zeit gerade stehenbleibt. Solche Momente erleben wir beide nicht sehr oft. Früher hatten wir sie fast täglich. Doch seit wir nun älter sind, gibt es eine gewisse Barriere, die entstanden ist. Vielleicht weil wir beide wissen, dass es nicht normal ist, wenn sich zwei Geschwister so nahe sind.
Aber man vergibt uns. Vielleicht deswegen, weil wir Zwillinge sind. Vielleicht deswegen, weil wir sehr aneinander hängen.
Ich kann es nicht beurteilen. Aber eines weiß ich sicher, nämlich dass du der wichtigste Mensch in meinem Leben bist. Meine zweite Hälfte.
Meine freie Hand entwickelt ein Eigenleben und beginnt, durch deine schulterlangen Haare zu streichen. Sie fühlen sich an so weich wie Samt.
Ich kann ausmachen, dass sie dezent nach Shampoo duften.
Was würden wohl die Fans von uns darum geben, dir einmal so nahe zu sein wie ich es bin?
Aber sie können es nicht. Sie werden es auch niemals sein. Weil diese Nähe uns beiden alleine vorbehalten ist.
Eine Hitze beginnt, sich auf mein Gesicht und mein Inneres zu brennen. Sie ist *uns alleine* vorbehalten... habe ich das eben wirklich gedacht?
Bill hebt plötzlich den Kopf und wir sehen uns an.
„Was ist los? Dein Herz rast wie wild.“ Seine Hand legt sich auf die Stelle, hinter der sich meine Pumpe verbirgt und nun bemerke auch ich wie schnell sie arbeitet. Als hätte ich soeben einen Marathon absolviert.
Und verdammt noch mal nehme ich nun auch die vollen, schimmernden Lippen meines Bruders wahr. Genau wie seine vom Wind gestreichelten Haare, die sein zierliches, nein, sein HÜBSCHES! Gesicht umspielen. Genauso wie diese großen Augen, die betont größer wirken durch die wimpernverlängernde Schminke und die mich voller Vertrauen und Zärtlichkeit mustern.
Ich schnappe für einen kurzen Moment nach Luft, um mit all diesen plötzlichen Eindrücken fertig zu werden, die gerade auf mich einströmen.
Noch kann ich die Schuld auf den Alkohol schieben, der meinen Sinnen einen Streich nach dem anderen spielt.
Und dann meldet sich wieder die hässliche Stimme im Kopf, um mir einzureden, dass es ganz gewiss nicht am Alkohol liegt, dass ich momentan solch krankes Gedankengut hüte.
Mein Gehirn scheint im Kampf mit dieser Stimme zu sein und verdrängt sie nach hinten, sodass ich mich wieder meinem Bruder widmen kann.
Er starrt mich immer noch erwartungsvoll an.
„Also, ich... ach, vergiss’ es.“
Die Enttäuschung in seinen Augen ist nicht zu übersehen. Und er gibt sich mitnichten geschlagen.
„Sag’ schon, Bruderherz.“ Er setzt seinen unwiderstehlichen Augenaufschlag ein. Und nicht nur das. Seine Lippen beginnen eine Schnute zu ziehen. Bill weiß ganz genau, was er tun muss, um mich auszuquetschen. Und ich Idiot falle grundsätzlich darauf herein.
Aber nicht heute. Nicht heute Nacht. Nicht jetzt. Ich kann ihm doch nicht einfach so auf die – so verdammt süße! - Nase binden, dass ich ihn sexuell attraktiv finde!
„Nee, is’ schon gut, Bill. Lass’ uns nach Hause gehen, ok?“
Zum zweiten Mal an diesem Tage sieht mich Bill an mit einem Blick als sei ich ein Alien. „Du? Willst nach Hause?“ Ungläubiges Blinzeln.
Ich zucke mit den Schultern. „Ja. Bin eh’ schon halb dicht.“
Mein Bruder scheint zu glauben, ich könnte meine Meinung noch ändern, denn er springt schnell auf und hält mir dann die Hand entgegen.
„Also gut, lass’ uns gehen.“

* * * * * Ende Kapitel 1 * * * * *

^^"
Öhm ja oÔ
Bin gespannt, was man zum ersten Teil sagen wird O_o