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Überlebende

von Aelea
GeschichteDrama / P18
Cyclops / Scott Summers Magneto / Eric "Magnus" Lehnsherr Phoenix / (Doktor) Jean Elaine Grey Professor X / (Professor) Charles Francis Xavier Wolverine
04.07.2007
03.02.2008
13
20.607
 
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04.07.2007 974
 

Logan trat auf die Straße, atmete die eiskalte kanadische Winterluft auf beste Weise gefiltert durch eine daumendicke Zigarre ein und schätzte grob den Gewinn aus den heutigen Kämpfen ab.
Ein Besuch bei Mike lohnte sich immer. Es war nicht nur das Geld; wo sonst fand man die Möglichkeit, halbwegs legal dem Hass der Menschen die eigenen Fäuste entgegensetzen zu können und dafür auch noch Applaus zu bekommen.
Er rollte das Bündel kanadischer und amerikanischer Dollar in der Hand zusammen und überlegte, in welche Richtung er weiterfahren sollte.

Daddy hielt ihr einen Hotdog hin, das, wie sie es liebte, vor Ketchup und Majo nur so triefte, und dessen Wurst in Scheiben geschnitten war, sodass sie sie einzeln hinauspulen konnte.
„Danke Daddy“, sagte sie artig und verspritzte Ketchup im Wagen, als sie hineinbiss.
Angesichts des zu einem nicht unbeträchtlichen Teil zahnlosen Grinsens lächelte ihr Daddy ihr zu. „Lass es dir schmecken, Kleines.“
Er selbst aß nichts. Dafür hatte sein Geld nicht mehr gereicht, nicht nachdem er seinen Einsatz gezahlt hatte, um sich im Käfig zusammenschlagen zu lassen. Gott, er hoffe nur, sein Bein war nicht auch noch gebrochen.
Eine Bewegung hinter der Windschutzscheibe erweckte seine Aufmerksamkeit.
Ungläubig starrte er in die Dunkelheit – ein, zwei Sekunden lang – dann tasteten seine Finger nach dem schwarzen Erwachsenenspielzeug in seiner Tasche, das sie erst anfassen durfte, wenn sie alt genug dafür war.
„Bleib hier, Kleines; Daddy ist gleich wieder zurück“, versprach er.
„Ist gut“, nuschelte sie undeutlich mit vollem Mund.

Im Schutz des Wagens näherte er sich dem Kerl, sodass dieser von den paar noch nicht ausgebrannten Straßenlampen erhellt wurde, während er selbst im Schatten blieb.
Mit einem hörbaren Klicken entsicherte er seine Waffe.
Augenblicklich blieb der Schläger stehen. Wolverine hatten sie ihn genannt.
„Ich will deine Hände sehen“, verlangte der Mann, während er näher trat.
Der andere musterte ihn nur, bevor er langsam der Aufforderung nachkam. „Du solltest das besser nicht tun, schließlich hast du heute schon einmal verloren.“
Wütend presste der Mann die Kiefer aufeinander. „Du bist ein verdammter Betrüger“, behauptete er und hoffte, dass seine Kleine ihn nicht sehen konnte. „Her mit dem Geld.“
„Warum sollte ich?“
Der Mann kam näher, sodass sich das Licht in seiner Waffe spiegeln konnte. „Deswegen.“
Mit den Reflexen eines erfahrenen Kämpfers bewegte sich der andere, duckte sich seitlich weg und trat ihm gegen die Kniescheibe. Schon wieder.
Mit einem schmerzerfüllten Laut sank der Mann auf die Knie und schrie ein weiteres Mal auf. Er betete, dass seine Tochter jetzt nicht aus dem Fenster sah, als er die Waffe hob.
Er sah nicht das kleine, helle Oval hinter der Scheibe, das unverwandt erschrocken in seine Richtung sah.
„Du hast es nicht anders gewollt.“ Der Knall war ohrenbetäubend, doch er hatte die Waffe auch früher schon nicht nur zur Zierde getragen.
Der Kerl mit der komischen Frisur fiel zur Seite.
Mit schmerzverzerrtem Gesicht stemmte sich der Mann in die Höhe und humpelte zu dem bewegungslos daliegenden Körper, zu fixiert auf das pralle Geldbündel in der noch immer geschlossenen Hand, um zu bemerken, dass kaum Blut floss.
Als er sich stöhnend hinunterbeugte, um die Scheine an sich zu nehmen und endlich zu verschwinden, durchschnitt blanker, gleißender Schmerz seinen Oberkörper.
Mit vor Verblüffung verzerrter Miene sah er auf den am Boden Liegenden herab, der einen Haufen Messer gleichzeitig in seinen Körper gerammt hatte und dem gut gezielten Schuss zum Trotz in sein Gesicht sah.
Als er versuchte, sich wegzurollen, hob der Mann ein weiteres Mal den Revolver.
Der Angegriffene sah die Bewegung aus den Augenwinkeln und reagierte, das Blut noch immer aufgepeitscht vom Kampf. Drei Krallen bohrten sich zwischen seine Rippen.
Drei weitere in seinen Hals.
Er stand auf und betastete mit verbissener Miene die Schulter, in die die Kugel eingeschlagen war.
Dann sah er die Zeugin.

Der finstere Blick des unheimlichen Mannes weckte das Mädchen aus ihrer Starre. Das matschige Brötchen fiel aus ihrer hand und wurde unter ihren kleinen Schuhen breitgetreten, als sie hastig die schwere Autotür öffnete und hinausstürzte, zu Daddy, der zu Boden gefallen war und nicht mehr aufstand.
Überall war es rot. Und es stank.
Sie rannte zu Daddy und kuschelte sich an seine Brust, wollte, dass er aufstand und sie von hier wegfuhren, aber er bewegte sich nicht.
Eklige, klebrige Wärme durchnässte ihre Jacke.
Verständnislos wand sie sich, drückte ihre Hände ganz fest an Daddy.
Nichts geschah.
Urplötzlich fing sie an zu weinen, während sie ihr Gesicht an ihn drückte und noch mehr Wärme fühlte, die über ihre Wange lief.
Dann sah sie nach oben. In ihrem Entsetzen und durch die Tränen, die ihre Augen füllten, sah sie keinen Menschen, sondern ein Ungeheuer, einen von den bösen Riesen, gegen die die guten Ritter kämpften.
Aus dunklen Augen sah er auf sie herab und er sah böse aus. Seine Hände waren komisch und daran hingen Messer, wie die Krallen von den Tieren im Zoo, denen man nicht zu nahe kommen durfte, und sie waren auch rot.
Sie spürte seinen bösen Blick auf ihr liegen und sie bekam Angst, wünschte, Daddy würde aufstehen und ihn wegjagen und sie in die Arme nehmen, doch sie wusste, dass er das nicht tun würde.
Und dass es die Schuld von dem bösen Mann war.
Schluchzend rollte sie sich auf Daddys Brust zusammen. Er hatte sie immer vor den bösen Menschen gewarnt, dass sie nicht mit ihnen mitgehen durfte, weil sie dann gemein zu ihr sein würden.
Sie warf einen angstvollen Blick auf den Mann und rollte sich so klein wie möglich zusammen, damit er sie vielleicht nicht sah und einfach wegging und ihr nichts tat, doch er sah sie noch immer an und er sagte nichts.
Nach einer Ewigkeit erst hörte sie Schritte, die in die andere Richtung gingen und sie allein ließen, endlich allein … mit Daddy.

Neben ihr lösten sich die Scheine aus dem Dollarbündel und bewegten sich sacht im Wind.
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