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Tränen des Himmels

GeschichteDrama / P18 Slash
Draco Malfoy Harry Potter Remus "Moony" Lupin Severus Snape
27.06.2007
06.12.2007
47
153.308
32
Alle Kapitel
565 Reviews
Dieses Kapitel
14 Reviews
 
27.06.2007 3.880
 
Titel: Tränen des Himmels

Autorin: KrissyNightwish

Disclaimer: Alle Charaktere gehören JKRowling

Betas: Alexia und Brirdy *knuddel*

Anm.: Ich war wirklich unheimlich gerührt, dass mir so viele liebe Kommentare geschrieben wurden. Das war wirklich toll und ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Außer vielleicht, dass ich mich dazu entschlossen habe (sicherlich zu eurer Freude) jeden Mittwoch und Samstag ein neues Kapitel zu veröffentlichen.  

Dank an: Tatze (Als ich deinen Kommi las, dachte ich nur: Oh, Tatze altes Haus *strahl* Ein Kommi von dir ist klasse! Ich stimm dir sogar zu, natürlich ist Harrys optimale Förderung der Schüler übertrieben. Aber kennen wir das nicht alle? Überambitionierte Junglehrer? Ich fand das so typisch, dass ich es auch mit einbauen musste. *grins*), TC2509 (Ja, ich habe schon eine recht genaue Vorstellung davon, wo die Geschichte hingeht. *grins* Danke für deinen Kommi *freu*), Alexandra71 (Vielen Dank, ich werde ja immer noch ein wenig verlegen, wenn ich Lob kriege.), Ellen (Wie schon gesagt, ich werde wirklich verlegen! Wirklich schön, dass dir diese und auch „Wenn die Seele schreit“ gefallen), Daray (Es geht ja jetzt schon weiter. Ganz ruhig! *lach*) Geli (Oh, wie schön... ein Kommi von dir. Das ist toll! *knuddel*) und Anele (*grins* Ja, auch ich habe mich hier eingefunden, aber auf e-r veröffentliche ich immer noch meine FFs. Schön, dass du mir einen Kommi geschrieben hast *bussi*)




Kapitel 2: Der Beginn

//Die Zeit ist gekommen
Bald wird dir alles genommen,
Was dir teuer und wichtig ist
und du vor Unglück nicht mehr bist.//

Harry starrte auf das Stück Pergament und seine Atmung geriet automatisch ins Stocken. Schon wieder einer dieser Briefe. Das durfte doch nicht wahr sein. Die Schule hatte noch nicht mal wieder begonnen und schon jetzt war Harry ein einziges Nervenbündel. Er erinnerte sich, dass Dumbledore in seinem vierten Schuljahr einmal gesagt hatte, dass auch er jede Woche Drohungen bekommen hätte, aber waren diese auch so explizit gewesen? Und vor allem, hatte Dumbledore dabei auch dieses Gefühl gehabt? Dieses Gefühl zu wissen, dass etwas Grauenvolles passieren würde?

Harry saß in seinem Büro und blickte von dem Brief auf. Es war noch früher morgen, doch da er nicht mehr hatte schlafen können, hatte sich in seinem Morgenmantel an den Schreibtisch gesetzt und Hedwig beobachtet, wie sie es sich auf Fawkes ehemaliger Stange gemütlich gemacht hatte. Dann war auch schon der Brief von einer Eule gebracht worden, die sofort wieder verschwunden war. Der Schwarzhaarige sah zu den Porträts der Schulleiter auf und sein Blick fiel automatisch auf Dumbledore.

„Ist es immer so schwer?“, fragte er den schlafenden Mann, der nur einmal kurz aufschnarchte.

„Danke“, murmelte Harry sarkastisch.

„Was dir teuer und wichtig ist“, flüsterte Harry leise. Augenblicklich zog sich sein Herz schmerzhaft zusammen. Ihm konnte nichts mehr genommen werden, was ihm einmal teuer und lieb war, denn das war schon geschehen. Immer wieder musste er an diesen grausamen Tag vor zwei Jahren denken, wo ihm Ron und Hermine genommen wurden.

Es war zwei Jahre her, doch noch immer tat es so verdammt weh und seit Harrys ungutes Gefühl fast täglich wuchs, musste er immer öfter an die beiden denken. Er hatte nun niemanden mehr, der ihm wichtig war. Das war gut so. Somit konnte er auch niemanden mehr verlieren, den er liebte. Ein Schluchzen entwich seiner Kehle und mit tränenden Augen griff er in seine Schreibtischschublade; in die ganz unterste. Langsam zog er ein Foto heraus und blickte mit feuchten Augen darauf hinab. Ron, Hermine und er selbst winkten ihm lächelnd von dem Bild entgegen. Tränen liefen über Harrys Wangen und tropften glitzernd auf das Foto.

„Ich vermisse euch so“, flüsterte er leise, während er mit dem Zeigefinger über die Gesichter der beiden fuhr.

„So sehr“, fügte er nur noch hauchend hinzu. Die beiden auf dem Foto lächelten und winkten weiter, als wäre nie etwas geschehen.

„Professor Potter“, rief plötzlich eine Stimme und Harry schreckte hoch. Schnell wischte er die Tränen von den Wangen und blickte in Richtung Kamin. „Könnten Sie für einen Moment zu mir kommen?“ Der Schulleiter sah Professor Malfoys Kopf in den Flammen und nickte.

„Ich bin sofort bei Ihnen.“ Der Kopf verschwand und Harry verstaute das Foto sicher wieder in der Schublade.

Dann trat er in die Flammen und stieg in Professor Malfoys Zimmer wieder aus. „Was kann ich für Sie tun?“, fragte Harry und blickte den anderen genau an.

„Ich habe etwas mit Ihnen zu besprechen. Nehmen Sie doch Platz.“ Freundlich deutete Draco auf einen Sessel am Kamin und Harry nahm dankend an.

„Tee?“, fragte Draco einsilbig.

„Kaffe wäre mir lieber“, entgegnete Harry und Draco nickte. Der Schwarzhaarige schaute sich um. Das Zimmer war gemütlich eingerichtet worden. Was Harry jedoch sofort auffiel war der sehr große Kamin auf dessen Sims Bilder standen. Es waren Bilder von Lucius Malfoy. Sie waren recht schön angerichtet worden und eine Vase mit frischen Lotusblumen stand neben einer Kerze, die leuchtend brannte.

Ein Räuspern ließ Harry seinen Blick von dem Sims abwenden und er nahm die Tasse Kaffee nickend an.

„Milch oder Zucker?“

„Schwarz“, entgegnete der Schulleiter.

„Was kann ich für Sie tun?“, fragte Harry abermals.

„Zuerst würde ich Ihnen gerne das Du anbieten. Wir kennen uns nun schon so lange und haben schon so einiges erlebt. Also, wenn es Ihnen recht ist. Ich bin Draco.“ Harry grinste für einen Moment. Es war schon merkwürdig, dass Sie sich erst jetzt offiziell duzen würden.

„Harry“, entgegnete der andere und sie tranken gemeinsam einen Schluck Kaffee.

„Nun gut, ich habe eine Frage, die mir nicht ganz leicht fällt. Es ist eher eine Bitte. Du weißt, ich bin ein Slytherin und ich würde sehr gerne etwas beherrschen.“ Es war als würde Draco noch einen Moment zögern. So, als wäre ihm das Kommende ein wenig unangenehm. „Könntest du mir Parsel beibringen?“ Harry sah sein gegenüber einen Moment lang verdutzt an.

„Sie.. ich meine, du weißt, dass diese Sprache eigentlich nicht zu lernen ist und nur in ganz seltenen Fällen klappt.“ Draco nickte.

„Ja, das weiß ich. Aber dennoch möchte ich es versuchen, ich würde dich auch bezahlen für die Extraarbeit.“ Harry lächelte leicht.

„Das wird nicht nötig sein, ich mache es gerne. Ich wollte mich lediglich vergewissern, ob du es wirklich willst.“

„Wunderbar“, entgegnete Draco strahlend und schenkte Harry ein atemberaubendes Lächeln.

Etwas verwirrt nahm der Gryffindor dieses zur Kenntnis. Hatte Draco ihn wirklich dermaßen angestrahlt? Die Gedanken schienen dem Schwarzhaarigen wohl aufs Gesicht geschrieben zu sein, denn Dracos Lächeln vergrößerte sich noch ein wenig.

„Wann fangen wir an?“, fragte er freudestrahlend. Harry überlegte einen Moment.

„Ich denke heute Abend würde es mir ganz gut passen und bis dahin habe ich mir auch überlegt, wie ich dir das am besten beibringe.“ Mit einem Nicken erhob sich Harry.

„Wenn du mich jetzt entschuldigen würdest, als Schulleiter ist man ein viel beschäftigter Mann.“

„Klar doch“, entgegnete Draco, während Harry in den Kamin trat und im Feuer verschwand.

In Gedanken versunken betrat Harry wieder sein Büro. Was hatte es mit Dracos Blick auf sich gehabt? Konnte es sein, dass...? Nein, das war doch völlig unmöglich. Leugnen konnte Harry allerdings nicht, dass Draco sehr gut aussah und irgendwie auch nett war. Sie hatten ja schon im letzten Krieg zusammengekämpft und damals ihre Differenzen überwunden. Nachdenklich setzte Harry sich auf seinen Schreibtischstuhl und stützte den Kopf in die Hände. Er erinnerte sich.

*****

Kein Lüftchen war in dieser Nacht zu spüren. Still und unheimlich schwebte die Luft über dem Boden, ohne auch nur den geringsten Hauch zu hinterlassen. Schaurig und kalt schien das Licht einer Mondsichel hinab auf den kahlen Boden, während ein schwarzhaariger Junge durch die großen Bäume des Verbotenen Waldes schlich.

Er wollte es mit eigenen Augen sehen. Seine Narbe führte ihn immer weiter. Mit jeder Faser seines Körpers spürte er, wo der Dunkle Lord sich verbarg. Um ihn herum wurde es immer dunkler und obwohl es eine sternenklare Nacht war, umschlossen ihn die hohen Bäume immer mehr, wie eine Falle, die jeden Moment zuschnappen würde.

Dann hörte er es. Ein Geräusch. Es klang wie der Wind, doch kein Hauch regte sich. Harry ging weiter. Das plötzliche Knacken eines Astes ließ ihn zusammenzucken und mit laut pochendem Herzen war er erstarrt. Als es aber ruhig blieb, ging er weiter. Nur das leise „Flmph“ seiner Schritte auf dem weichen Waldboden war zu hören.

Dann war da plötzlich wieder das Geräusch. Ein Geräusch, das Harry die Nackenhaare zu Berge stehen ließ. Dann hörte er eine Stimme. Eine Stimme, die nur einer ganz bestimmten Person gehörte: Voldemort.

Harry überquerte einen kleinen Hügel und dann sah er sie. Voldemort umrundet von ungefähr zehn Todessern. Lautlos verschwand Harry aus dem Sichtfeld hinter einem Baum und hielt die Luft an. Sein Herz schlug ihm bis zum Hals und er schloss für einen Moment die Augen. Wenn er nur irgendetwas falsch machte, würde Voldemort ihn entdecken und töten. Doch Harry schien Glück zu haben, denn Voldemort war mit etwas anderem beschäftigt.

„Lucius, Narzissa tretet vor.“ Zwei Todesser lösten sich aus dem Kreis und knieten vor ihrem Meister nieder.

„Ihr habt beide meine Befehle missachtet.“, hörte Harry Voldemort sagen, dessen Stimme von einem Hauch bis zu Harry getragen wurde.

„Ich sollte euch auf der Stelle töten.“

Harry sah wie die Schultern eines Todessers zu zittern begannen und er wusste, dass dies Draco war.

„Aber zuerst... Crucio“, schrie der Dunkle Lord und die beiden krümmten sich laut schreiend vor Schmerzen auf dem Boden. Harry, der eben um den Baumstamm auf die Szenerie geblickt hatte, ließ sich zurück gegen das Holz gleiten und schloss die Augen. Es war immer noch, nach all den Jahren, schwer mitzuerleben, wenn andere gefoltert wurden.

Der Todesser, der Draco war, schluchzte leise, doch er unterband es augenblicklich als Voldemorts glühende Augen auf ihn fielen. Dann wand er sich wieder den beiden zuckenden Menschen zu, die ihm zu Füßen lagen. Mit einem Schwung seines Zauberstabes hatte er die beiden von ihrem Leiden erlöst. Im nächsten Moment erhellte sich alles in einer großen, unbarmherzig flackernden Flamme.

„Welch ein schönes Feuerchen die beiden abgeben.“, höhnte Voldemort, während Lucius’ und Narzissas Schreie durch die dunkle Nacht hallten und jeden zum Erschauern brachten. Harry sah, wie sich Draco abwand und übergab. Während Voldemort sein „Feuerchen“ betrachtete, schlich sich Draco langsam weg.

Harrys Herz schlug wie wild, als Draco auf ihn zu kam und zum Schluss nur noch rannte. Man sah ihm förmlich an, dass er nur noch weg wollte. Draco lief an Harry vorbei, ohne ihn zu sehen. Mit einem letzten Blick auf die beiden brennenden Personen lief Harry ihm nach, die Todesschreie der beiden Malfoys noch in seinen Ohren hallend.

*****

Ja, damals war er Draco nachgerannt und hatte dann den völlig verstörten Jungen in den Arm genommen. Zwei Tage später konnte man über den Tod der beiden Malfoys im Tagespropheten lesen, doch zu dieser Zeit war Draco bereits zu Harry übergelaufen und hatte ihm alles erzählt, was er wusste.

Es war nicht viel gewesen, aber die eine entscheidend wichtige Information über Voldemorts Hauptquartier hatte er liefern können, da er noch wenige Momente vor dem Tod seiner Eltern dort gewesen war. Es war dann dem Orden gelungen die Todesser zu überraschen. Doch Verluste hatte es dennoch gegeben. In der danach andauernden Schlacht waren viele gestorben. So auch Ron und Hermine.

Harry vertrieb die düsteren Gedanken aus seiner Erinnerung und genehmigte sich erst einmal ein ordentliches Frühstück. Doch auch dieses konnte er nicht lange genießen, denn obwohl Sonntag war, war er als Schulleiter ständig gefragt. Als es klopfte, seufzte er, bat aber dennoch hinein. Konnte man den nicht einmal seine Ruhe haben.

Und... na toll. Es musste natürlich die Person sein, die Harry am wenigsten sehen wollte.

Groß, schlank und mit schwarzen Augen, Haaren und wehendem Umhang trat er ein. Die Onyxaugen ruhten auf Harry und dieser deutete mit einer Geste auf den Stuhl vor seinem Schreibtisch. Was um Himmels Willen wollte Snape von ihm? Äußerlich ruhig bleibend sah er Snape offen an. Inzwischen beherrschte er die Okklumentik so gut, dass er sich keine Sorgen machen musste, dass Snape mehr sehen konnte, als er, Harry, wollte. Umgekehrt war es allerdings auch so und Snape wäre wirklich der letzte bei dem Harry versuchen würde in dessen Gedanken einzudringen.

„Was kann ich für Sie tun?“, fragte er höflich, wenn auch der kühle Unterton sehr gut herauszuhören war.

„Das hier“, fauchte Snape und knallte dem Schulleiter einen Zettel auf den Tisch. Harry sah auf den ersten Blick, was es war: der Besuchsplan der Lehrer bei ihm um über die Schülerprofile zu sprechen. Mit vor Wut zitternder Stimme begann Snape vorzulesen.

„Montag 18.30-19.30 Uhr Professor McGonagall, 20.00-21.00 Uhr Professor Vektor, Dienstag zur selben Uhrzeit erst Professor Flitwick, dann Professor Malfoy. Mittwochs Sprout und Lupin, donnerstags Tonks und Hagrid und Freitagabend von 20.00 bis 21.00 Uhr Professor Snape.“, schrie Snape nun fast schon.

„Was haben Sie sich dabei gedacht? Glauben Sie wirklich ich hätte nichts besseres an meinem wohlverdienten Feierabend, noch dazu an einem Freitag, zu tun als mit Ihnen über irgendwelche Dummköpfe von Schülern zu sprechen, die noch nicht mal den Unterschied zwischen Feenkraut und einem Werwolfshaar sehen?“

Snapes Lippen waren fast weiß vor Wut geworden, während eine Ader auf seiner Stirn gefährlich pochte und sich seine Nasenflügel weiteten.

„Tut mir leid, Professor, aber das lässt sich nicht mehr ändern. In der Stunde davor habe ich die Sprechstunde für Schüler mit einem dringenden Problem eingerichtet; einem Problem mit dem sie vielleicht nicht mal zu ihren Hauslehrern gehen können. Ich hatte Sie leider bei meiner Planung vergessen und konnte Sie dann nicht mehr woanders hinlegen.“ Snape schnaubte.

„Jetzt fühle ich mich besser.“ Harry stutzte. Hatte er das wirklich gehört? Seinen Kopf schüttelnd vertrieb er diese Gedanken. Snape würde niemals seine Gefühle zeigen, schon gar nicht Harry gegenüber.

„Hören Sie, Professor...“

„Nein“, unterbrach ihn Snape barsch.

„Jetzt hören Sie zu.“ Snape erhob sich und starrte auf Harry hinab.

„Wenn sie glauben, ich würde jetzt nach Ihrer Pfeife tanzen, nur weil Sie von minderbemittelten Trotteln auf diesen Posten gesetzt wurden, dann haben Sie sich gewaltig geirrt. Sie sind genauso wie Ihr Vater. Ihnen sind andere doch völlig egal, Hauptsache es geht so zu, wie Sie es wünschen. Aber nicht mit mir. Nicht schon wieder mit mir.“, spie Snape ihm förmlich entgegen und rauschte davon.

Früher wäre bei solchen Worten die pure Wut in Harry hochgekocht, doch inzwischen wusste er, dass sein Vater wirklich kein Heiliger gewesen war. Dennoch regte es ihn immer noch auf, dass Snape wegen ein paar dummen Jugendgeschichten solch eine Abneigung gegen ihn hegte. Nicht, das es bei Harry anders aussah, aber er konnte die Motive diesen Mannes einfach nicht nachvollziehen.

Mit einem Seufzen aß Harry den letzten Bissen seines Brötchens und zog dann bedächtig eine Rolle Pergament und Feder aus seiner Schreibtischschublade hervor. Jetzt musste er sich erst einmal etwas für Draco überlegen. Wie konnte er ihm am besten Parsel beibringen?

*****

Die Stunden vergingen und Harry arbeitete unermüdlich. Er zog mehrer Bücher zur Rate und versuchte sich in jemanden hineinzuversetzen, der kein Parsel konnte. Doch auch in diesen Stunden bis zum Abend der Eröffnungsfeier, blieb er nicht ungestört.

Es war gerade Zeit für den Tee, wobei Harry dann immer untypischer weise Kaffee trank, als es auch schon klopfte.

„Herein“, bat er, nicht ohne einen wütenden Unterton heftigst unterdrücken zu müssen aufgrund der erneuten Störung.

„Hallo Harry“, sagte Remus und trat gefolgt von Tonks ein.

„Setzt euch doch.“, sagte Harry freundlich, obwohl er sich gar nicht so fühlte. Irgendwie ging es ihm nicht gut.

„Was kann ich denn für euch tun?“ Das Paar nahm auf den Stühlen vor Harrys Schreibtisch Platz. Tonks strahlte bis über beide Ohren und ihre Haare wurden sichtlich roter, während sie einfach nur dasaß und Harry anlächelte. Remus griff nach ihrer Hand.

„Wir wollten dich zuerst informieren, Harry.“, sagte der Werwolf und lächelte erst Tonks und dann Harry an. „Wir haben vor zu heiraten.“

Der Schulleiter begann ebenfalls zu lächeln. Das war wirklich eine schöne Nachricht.

„Das freut mich.“, sagte Harry ehrlich.

„Und...“ In diesem Moment sah Harry Tränen in den Augen des Werwolfs schimmern, was ihn gleichermaßen berührte und verwirrte. „Durch den Fortschritt der Wissenschaft auch bei den Zauberern ist es gelungen, dass wir ein Kind haben können.“ Der Schulleiter schaute ein wenig unverständlich.  

„Eigentlich kann ich keine Kinder zeugen“, sagte Remus erklärend und schaute in diesem Moment so traurig, das es Harry das Herz zerreißen wollte.

„Aber wir haben einen Arzt gefunden, der es trotzdem geschafft hat, Tonks mit meinem Samen zu befruchten. Vor 25 Jahren wäre das noch nicht möglich gewesen.“ Harry lächelte.

„Das freut mich für euch, aber warum soll ich es zuerst erfahren?“, fragte der Schwarzhaarige neugierig. Remus sah ihn einen Moment lang einfach nur an.

„Nun ja, zum einen weil du uns sehr wichtig bist, Harry“ An dieser Stelle fühlte sich der Gryffindor sehr berührt. „Und zum anderen, weil du der Schulleiter bist und wir dich fragen wollten, ob es in Ordnung ist, wenn wir hier auch mit Kind wohnen.“

„Und was mit meinem Fach ist, solange ich in Mutterschaftsurlaub bin?“, fügte Tonks hinzu. Der Schulleiter lächelte leicht. Irgendwie fand er, dass die beiden sehr gut zusammen passten.

„Ich denke, dass wir eine Lösung finden werden. Ich bin sicher, dass das Kollegium euch gerne unterstützen wird und auch ich erkläre mich bereit, das ein oder andere Mal als Babysitter zu fungieren. Was deinen Unterricht angeht, Tonks, bin ich sicher dass auch dafür genügend Leute bereit stehen und ich traue mir auch selbst zu dieses Fach zu unterrichten. Also, ich denke, das dürfte kein Problem werden.“

Das junge Paar strahlte Harry an. Gemeinsam und sehr dankbar schauend erhoben sie sich.

„Gehst du schon mal vor, ich muss Harry noch etwas sagen?!“ Tonks nickte und verschwand aus dem Büro des Schulleiters.

Remus war auch aufgestanden, blieb aber vor dem Schreibtisch stehen. Seine Augen waren auf Harry gerichtet und es schien als focht er einen inneren Kampf aus.

„Harry, ich bitte dich um Verzeihung, weil ich damals...“ Der Werwolf wurde sichtlich blasser und Tränen spiegelten sich in seinen Augen wider.

„Ich konnte nicht und jetzt... Tonks... ich meine... ich liebe sie...“ Er atmete mehrere Male tief durch, während er die Lippen fest aufeinander presste. Seine Mundwinkel zuckten und Harry merkte, dass der andere kurz davor war zu weinen.

„...bitte... es ist so lange her, dass... verzeih mir einfach.“, flehte Remus, drehte sich abrupt um und verließ das Büro.

Harry starrte ihm nach. Was war das denn? Was hatte Remus ihm sagen wollen? Und wieso sollte er ihm verzeihen? Plötzlich fühlte Harry etwas. Dieses ungute Gefühl, das ihn seit Wochen regelmäßig aufsuchte, kam plötzlich mit aller Macht zurück. Zitternd schloss Harry die Augen und versuchte seine Atmung zu beruhigen, doch sein Herz schlug so schnell, dass es ihm unmöglich war, sich zu beruhigen. Es war dieses Gefühl, das man genau wusste, dass etwas Schlimmes auf einen zukam. Man wusste nur nicht, wann es eintreffen würde.

Mit einem Schlag öffnete Harry die Augen. Er dachte an heute Abend und die Eröffnungsfeier. Zum ersten Mal würde er die Schüler der Hogwarts Schule für Hexerei und Zauberei als Schulleiter begrüßen. Er sah auf die kleine Uhr auf seinem Schreibtisch. Sie zeigte 17 Uhr an. Um sechs würden die neuen Schüler eintreffen, es war also langsam Zeit um sich fertig zu machen.

*****

Gegen viertel vor sechs nahm Harry, gehüllt in einen langen dunkelblauen mit Sternen besetzten Umhang, seinen Platz auf dem prachtvollen Stuhl in der Mitte des Lehrertisches ein. Nach und nach kamen auch die anderen Lehrer. Während ihm die meisten fröhlich zulächelten, würdigte ihn Snape keines Blickes und ging an seinen gewohnten Platz ganz außen. Draco lächelte nicht nur, sondern kam sogar auf ihn zu.

„Wann sehen wir uns heute Abend?“, fragte er flüsternd und sah Harry strahlend an.

„Wäre zwanzig Uhr in Ordnung?“, fragte Harry zurück.

„Klar doch. Bei dir oder bei mir?“, fragte der Blonde weiter und brach dann in schallendes Gelächter aus. Der Gryffindor stimmte mit ein.

„Ich dachte wir wollten lernen“, entgegnete der Schwarzhaarige. Ein spitzbübisches Grinsen stahl sich auf das Gesicht des Slytherins und er beugte sich zu Harrys Ohr hinunter.

„Hattest du etwa etwas anderes im Sinn?“ Harry grinste zurück.

„Wer weiß“, sagte er lächelnd.

„Also acht Uhr dann“, fügte er hinzu und Draco lächelte ihn strahlend an.

„Sag mal, gibt es eine Sitzordnung?“

„Nicht das ich wüsste“, antwortete der Schulleiter.

„Jetzt schon“, sagte Draco und setzte sich auf den Platz neben Harry. Dieser grinste und ließ seinen Blick durch die Halle schweifen. Aus den Augenwinkeln nahm er wahr, dass ein schwarzhaariger Slytherin mit ziemlich mörderischem Gesichtsausdruck in seine Richtung starrte.

Mit einem Blick zu den Türen der Großen Halle wusste Harry, dass die Schüler angekommen waren und während sich seine Kollegen schnell setzten, kamen die Schülerscharen in die Halle geströmt und nahmen ihre Plätze ein. Sofort ging das große Getuschel los, als die ersten zum Lehrertisch blickten und dort niemand anderen als Harry Potter auf dem Posten des Schulleiters sitzen sahen.

„So langsam scheinen sie zu merken, wer der neue Direktor ist“, flüsterte Draco, der sich etwas zu Harry gebeugt hatte. Der Angesprochene zuckte mit den Schultern, als auch schon die Türen der Halle abermals aufgingen und Professor McGonagall mit den Erstklässlern hereinkam. Wie schon zu seiner Schulzeit wurden die Schüler durch den Sprechenden Hut auserwählt und obwohl er als Schulleiter unparteiisch sein sollte, freute er sich insgeheim doch immer, wenn ein Schüler nach Gryffindor geschickt wurde.

Die Auswahlzeremonie lief schneller ab, als Harry lieb sein konnte, denn jetzt war er dran, seine Eröffnungsrede zu halten. Obwohl er innerlich zitterte, stand er würdevoll und erhaben auf und blickte in die Runde.

Zum ersten Mal konnte er Dumbledore verstehen, denn dieser Anblick war wirklich unbeschreiblich. Hunderte Gesichter, die ihm freundlich und erwartungsfroh zugewandt waren. Seine Schüler. Ein Gefühl des Stolzes durchflutete ihn und er wollte alles in seiner Macht stehende tun, um seine Schüler zu schützen.

„Meine lieben Schüler. Ein neues Schuljahr beginnt und wie ihr sehen könnt direkt mit einigen Veränderungen.“ In der Halle war es mucksmäuschen still.

„Im Kollegium hat sich einiges geändert und wir dürfen Professor McGonagall wieder als Stellvertretende Schulleiterein und Verwandlungslehrerin begrüßen. Hinzu sind außerdem Professor Malfoy für Quidditch, Professor Tonks für Muggelkunde und Professor Lupin für Verteidigung gegen die Dunklen Künste gekommen. Ich bin sicher, dass Sie alle ihre Arbeit gut erledigen werden.“

Harry machte eine Pause und unterrichtete dann die Schüler von seinen Veränderungen, die er bereits den Lehrern erzählt hatte. Nur das mit dem Profil erwähnte er nicht, denn er wollte seinen Schülern nicht das Gefühl geben, beobachtet zu werden. Schließlich beendete er seine Rede und erhielt tosenden Applaus. Es gab kaum einen Schüler, der nicht froh darüber war, dass Harry Potter ihr neuer Schulleiter war.

Munter redend stürzten sie sich aufs Essen und man sah ihnen an, dass sie sich sehr freuten wieder in Hogwarts zu sein.

Auch Harry wand sich seinem Essen zu, während ein kleines Lächeln den Weg auf sein Gesicht fand. Ja, nun war er Schulleiter und dies waren seine Schüler. Es war ein wundervolles Gefühl zu wissen, dass man gemocht wurde, und dass es vielen Schülern so ging wie ihm einst.

Hogwarts war ein Zuhause und Harry würde alles in seiner Macht stehende tun, um das zu bewahren.

*****

Fortsetzung folgt...

Und schon sind wir am Ende des zweiten Kapitels angelangt. Auch jetzt würde ich mich sehr über eure Meinung freuen.
Eure Krissy
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